Rembrandts Porträts von Re­mon­s­t­ran­ten: Eine Ausstellung im Rijks Museum Amsterdam

Ein Hinweis von Christian Modehn

Die niederländische Kirche der Re­mon­s­t­ran­ten (liberal-theologisch, freisinnig, ökumenisch) feiert in diesem Jahr ihr 400 jähriges Bestehen.

Als der Organisator dieser zahlenmäßig immer kleinen, theologisch aber immer inspirierenden, und manchmal auch provozierenden Kirche gilt Johannes Uytenbogaert. Er musste sich nach der Synode in Dordrecht, die zur Trennung von der sehr konservativen calvinistischen Kirche führte, nach Antwerpen flüchten.

Später haben Rembrandt van Rijn und Jacob Becker ihn und andere Re­mon­s­t­ran­ten in Porträts lebensnah – lebendig gestaltet. Diese Bilder sind noch bis zum 29. September 2019 im „Prentenkabinet“ des Amsterdamer Rijksmuseums zu betrachten.

Uytenbogaert war u.a mit Hugo Grotius, dem berühmten Rechtsphilosophen und Sympathisanten der remonstrantischen Theologie, befreundet.

Um 1630 konnten die Re­mon­s­t­ran­ten in den Niederlanden relativ sicher leben. Der frühere theologische Streit um die Freiheit des Menschen hätte das Land fast in einen Bürgerkrieg geführt.

Die Re­mon­s­t­ran­ten traten für die Freiheit des Menschen, auch in seinen Glaubensentscheidungen, ein, sie wehrten sich also gegen eine allumfassende Prädestination durch Gott… Sie sind gewissermaßen eine humanistische christliche Kirche! Das ist in der weiten christlichen Ökumene eine Ausnahme! Bekanntlich sind zahlenmäßig und finanziell besonders stark die Pfingstgemeinden und Evangelikalen, sie sind sozusagen der “dialektische Kontrast” zur remonstantischen theologischen Offenheit.

Interessant und für die Zukunft vielleicht inspirietend ist: Die ersten Re­mon­s­t­ran­ten Gemeinden in Holland waren Hausgemeinden.

Die Re­mon­s­t­ran­ten wurden als Kirche sozusagen im Exil, von einem Flüchtling, organisiert.

Die Re­mon­s­t­ran­ten sind die ersten, die Aufklärung und christlichen Glauben zusammenführen.

Wer sich die Re­mon­s­t­ran­ten Porträts von Rembrandt ansehen will:

Eine andere Publikation zeigt auch das Porträt Uytenbogaerts mit einem Buch zu seiner Linken. Dies ist nicht die Bibel, das ist bemerkenswert, sondern es handelt sich offenbar um theologische Notizen, vielleicht um eine kurzgefasste Kirchenordnung der Re­mon­s­t­ran­ten. Über die verschiedenen Aktivitäten der Re­mon­s­t­ran­ten informiert die Zeitschrift ADREM.

Bekanntlich haben die Re­mon­s­t­ran­ten bis heute kein für alle Mitglieder und Freunde verbindliches Glaubensbekenntnis. Und sie wollen das auch nicht um der je persönlichen spirituellen Freiheit willen. Lediglich eine kurze, sehr allgemeine und offene „Grundsatz – Erklärung“ gilt als verbindliche Orientierung: „Die Remonstrantische Bruderschaft ist eine Glaubensgemeinschaft, die im Evangelium von Jesus Christus verwurzelt ist. Und die getreu dem Grundsatz von Freiheit und Toleranz Gott ehren und dienen will“.

Copyright: Christian Modehn, Re­mon­s­t­ran­ten Forum Berlin

Neue “Allgemeine Sekretärin” der Re­mon­s­t­ran­ten

Die Re­mon­s­t­ran­ten haben als freisinnige christliche Kirche keinen „Bischof“ als obersten Repräsentanten, sie haben einen “Algemeen Secretaris“, eine Art “Generalsekretär” würde man auf Deutsch sagen. Am 15. Juni 2019 wurde Annemarie Gerretsen in diese Funktion gewählt: Sie wurde 1969 geboren, ist Mitglied der Gemeinde in Rotterdam und zur Zeit als Projektmanagerin an der Universität Delft tätig. Zum ersten Mal ist also keine Theologin in der Funktion des „Algemeen Secretaris“ tätig. Annemarie Gerretsen ist in einem Moment gewählt worden, in der die Re­mon­s­t­ran­ten intensiv über ihren weiteren Weg, auch über mögliche Neuorientierungen, in der nahen Zukunft nachdenken.

Christian Modehn

 

 

Feier zum 400. Bestehen der Re­mon­s­t­ran­ten am 14.9.2019 in Amsterdam

400 Jahre Re­mon­s­t­ran­ten: Veranstaltung am 14.9.2019

Am 14.9.2019 findet eine Art „Schlussveranstaltung“ zum 400. Bestehen der Re­mon­s­t­ran­ten Kirche statt: Und zwar in der alten, jetzt schon „ehemaligen“ Kirche „de rode hoed“ in Amsterdam, Keizersgracht 102. Bekanntlich durften die Re­mon­s­t­ran­ten als nur offiziell von den Calvinisten geduldete Konfession im 17. Jahrhundert ihre Kirchen lediglich als „versteckte Kirchen“ bauen (wie die Katholiken in den Niederlanden auch). D.h.: Hinter der Fassade eines bürgerlichen Hauses verbarg sich seit 1629 der Gottesdienstraum. Seit einigen Jahren ist der „rode hoed“ (der „Rote Hut“ als kleines Erkennungssymbol an Fassade) ein im ganzen Land bekanntes offenes Kulturzentrum.

Die „Studentenecclesia“, eine selbstständige ökumenische Kirche, gegründet von dem Theologen Huub Oosterhuis, feiert dort in dem schönen Kirchsaal sonntags ihre Gottesdienste.

Die Re­mon­s­t­ran­ten in Amsterdam verfügen – zusammen mit den “Freisinnigen Protestanten” – über die große Kirche mit Gemeindezentrum „de Vrijburg“.

Am 14.9. 2019 eröffnet um 16.00 der Re­mon­s­t­ran­ten – Theologe Peter Nissen, Nijmegen, die Veranstaltung. Es gibt anschließend einen Vortrag des in Leuven, Belgien, lehrenden Theologen und Autors Rik Torfs: Er schreibt auch oft über den Zustand der Kirchen und Religionen: Zum Katholizismus sagte er kürzlich: “Allein eine Reformation kann die römisch-katholische Kirche noch retten“. Was wird er über die Re­mon­s­t­ran­ten heute sagen? Dann folgt ein Vortrag der Theologin Christa Anbeek vom Seminar der Re­mon­s­t­ran­ten-Theologie an der „Vrije Universiteit“ Amsterdam. (Wohlgemerkt: Vortrag bedeutet: Nicht länger als 35 Minuten sprechen!)

Zwischendurch: musikalische Intermezzi, am Abend ein Buffet…

Christian Modehn

Kommentar eines Lesers aus Berlin:

Kommentar: 
„Allein eine Reformation kann die römisch-katholische Kirche noch retten.“
Na, das ist ja ein starker Spruch.

 

Im Dialog mit „Kirchenfernen“, aber „religiösen Menschen“

Fünf neue „Parttime“ – Pastoren für neue Aufgaben

Ein Hinweis von Christian Modehn

Die Re­mon­s­t­ran­ten haben als „freisinnige christliche Kirche“ tatsächlich ja auch alle Freiheit, neue Wege zu gehen. Und sie tun das auch.

Jetzt haben sie entschieden, fünf PastorInnen „parttime“ zu beauftragen, den Dialog mit Menschen zu pflegen, die außerhalb der Gemeinden leben, als spirituell Interessierte, Skeptiker, vielleicht Atheisten. „Kirchenferne“ in jedem Fall. In Bussum, Eindhoven, Utrecht und de „Achterhoek“ werden diese PastorInnen eben nicht die übliche Gemeindearbeit leisten, sondern in Einzelgesprächen und in Gruppen Menschen einladen, über Sinnfragen und Probleme der Lebensgestaltung zu sprechen. Und sicher auch mit Lesungen, Vorträgen, gemeinsamen Mahlzeiten usw. kann das Gespräch gelingen, über Fragen der Einsamkeit, der beruflichen Belastung, der Partnerschaft usw. Wollen wir hoffen, dass Menschen diese freundliche ausgestreckte, einladende Hand ergreifen…. In jedem Fall sind alle Menschen heute auf eine je unterschiedliche „verwundet“ (kwetsbaar), wie die Re­mon­s­t­ran­ten Theologin Christa Anbeek, Amsterdam, betont. „Zeig mir deine Wunde“, sagte bkanntlich Joseph Beuys, also: Zeig mir deine Verletzungen und wir zeigen einander unsere Verletzungen und heilen einander vielleicht ein wenig…

In diesen neu zu organisierenden Gesprächen steht der Mensch im Mittelpunkt: „Die Bibel ist wichtig, aber fürs Gespräch mit suchenden und fragenden Menschen müssen wir als Kirche unser Angebot erweitern und verändern“, sagt der Allgemeine Sekretär der Re­mon­s­t­ran­ten, Joost Röselaars. Damit will er wohl sagen: Als freisinnige Kirche machen Re­mon­s­t­ran­ten keine Mission, wollen nicht auf neue Art, versteckt, neue Mitglieder direkt werben. Es ist vielmehr einzig die menschliche Nähe, die Förderung von Zusammenhalt und Gemeinschaft, die zählt. Und danach verlangt unsere Gesellschaft! Wenn dann später einmal jemand Remonstrant werden will und in dieser freisinnigen Kirche mitleben will: Um so besser.

Die Re­mon­s­t­ran­ten setzen jedenfalls ein deutliches Zeichen: So, wie sich die Kirchen in Holland, und in den westlichen Ländern Europas insgesamt, bisher präsentierten, geht es nicht weiter, dieser uralte Weg führt ins Ende der Kirchen. Und ist, menschlich gesehen, nicht immer hilfreich.Man denke an die Dominanz der Dogmen, der Moral in den meisten, sich orthodox nennenden Groß-Kirchen….

Die Zeit der starken Institution und Behörde, die überall ihre Filialen, ihre Kirchen und Gemeindezentren hat, ist vorbei: Denn die Haltung ist doch dort: Wer etwas „will“, soll diese Räume betreten. Diese Haltung ist theologisch gesehen sogar falsch. Es gilt nun: Pfarrer und Pastoren gehen zu den Menschen, dorthin, wo sie leben. Kirche sollte ein Raum des Austauschs, der (Lebens)-Hilfe sein, eine „Schule des Lebens“, wie es der Re­mon­s­t­ran­ten Theologe Johan Goud ausdrückt. Dieser selbstlose Dienst der Christen an der Gesellschaft wird verstanden, geschätzt, das sagte schon der leider in Holland ziemlich unbekannte Theologe Dietrich Bonhoeffer: Denn wir leben in einer Welt des Kapitalismus, in der alles und fast alle nur am Profit orientiert sind; der einzelne zur Nummer wird, die man (die herrschende Wirtschaft) auch wieder ausradiert … und die Solidarität ist oft nicht mehr als ein Traum.

Der „Religionsphilosophische Salon Berlin“ ist eine säkulare Form des remonstrantischen Lebens: Wir wünschen jedenfalls viel Glück beim Start dieser neuen Präsenz! Vielleicht sind sogar Begriff und Sache eines öffentlichen religionsphilosophischen Salons in einer selbstverständlich NICHT – kirchlichen Kunstgalerie irgendwann einmal eine kleine Anregung für Holland. Den religionsphilosophischen Salon Berlin als Initiative eines Re­mon­s­t­ran­ten in Berlin gibt es seit 11 Jahren mit monatlichen Treffen; Gesprächen, mit Ausflügen, lietarischen Gesprächskreisen usw…. und wird von Anfang an „ehrenamtlich“, ohne „Halftime –PastorInnen“, geleistet.

Copyright: Christian Modehn

 

400 Jahre Re­mon­s­t­ran­ten: Glauben und Kirchesein in Freiheit

Hinweise auf ein Jubiläumsjahr der Re­mon­s­t­ran­ten im Jahr 2019

Von Christian Modehn, Berlin

Die Re­mon­s­t­ran­ten Kirche feiert in den Niederlanden (und sicher auch in Deutschland!) ihr 400 jähriges Bestehen: Diese Kirche ist weltweit gesehen in der weiten Ökumene eine “sehr einmalige” Kirche: Sie stellt die spirituelle Freiheit ihrer Mitglieder in den Mittelpunkt. Sie verpflichtet niemanden auf ein ausführliches dogmatisches Glaubensbekenntnis. Sie lädt ein, miteinander die unterschiedlichen Vorstellungen vom je eigenen christlichen und immer auch humanistisch geprägten Glauben auszutauschen. Vielfalt ist dringend erwünscht! Pluralität selbstverständlich. Das bringt viel Freiheit zum Aufatmen  … und viele spannende Debatten. Und jeder und jede ist selbstverständlich zum Abendmahl eingeladen. Keine Frage! Und Homosexualität ist natürlich normal. Segnungen von homosexuellen Paaren – gleich welcher Konfession – seit 1987 selbstverständlich.

Darüber wurde bereits viel geschrieben.

Nun steht im Jahr 2019 ein großes Jubiläum bevor: Im Jahr 1619 trennten sich einige aufgeschlossene, eher undogmatisch und freiheitlich gesinnte Calvinisten und ihre Theologen von der großen Gruppe der dogmatischen und orthodoxen Calvinisten.

Diese Re­mon­s­t­ran­ten wurden anschließend verfolgt, sie flüchteten sich nach Antwerpen und Friedrichstadt. Später wurden sie in Holland geduldet. Eine Kirche also, die Verfolgung erlebt hat und Flucht seit Anbeginn kennt. Eine aktuelle Perspektive für heute!

Vor allem sind die Re­mon­s­t­ran­ten eine sich stets wandelnde, sich stets weiter entwickelnde Kirche. Stillstand ist untersagt.

 

Zum bisher bekannten Programm im Jahr 2019:

Im Januar 2019 erscheint eine aktuelle Zeitschrift (auf niederländisch “glossy”) über Gegenwart und Geschichte der Re­mon­s­t­ran­ten.

Am 3. März 2019 wird in der großen Rotterdamer Re­mon­s­t­ran­ten Kirche ein Festgottesdienst gefeiert. Später werden sich einzelne Gemeinden öffentlich präsentieren. Im Frühling werden 5 zentrale Haltungen der Re­mon­s­t­ran­ten diskutiert: Freiheit, Toleranz, Freundschaft, Vertrauen und Verantwortlichkeit. Später erscheint ein Buch des remonstrantischen Theologen Peter Nissen (von der Uni Nijmegen) über „Glaubenserfahrungen der Re­mon­s­t­ran­ten“. Peter Nissen ist katholischer Theologe und offizieller “Freund (und Pastor) der Re­mon­s­t­ran­ten… Man kann sich als Mitglied oder als Freund den Re­mon­s­t­ran­ten anschließen, in aller Freiheit…

Am 14. September werden die Feiern und Veranstaltungen erst mal beendet in der ehemaligen Re­mon­s­t­ran­ten Kirche „de rode Hoet“ in Amsterdam. Der „Rote Hut“ ist heute ein im ganzen Land bekanntes, eher linkes, kritisches Kulturzentrum, in dem auch die Studentenecclesia des Theologen und Poeten Huub Oosterhuis Gottesdienste feiert.

copyright: Christian Modehn, Forum der Re­mon­s­t­ran­ten Berlin.

 

Wenn der Glaube verborgen ist. Eine neue Broschüre über die Spiritualität und Theologie der Re­mon­s­t­ran­ten

Wenn der Glaube verborgen ist. Eine neue Broschüre über die Spiritualität und Theologie der Re­mon­s­t­ran­ten

Einmal im Jahr haben die Re­mon­s­t­ran­ten einen Beraadsdag, einen Tag der Beratung und Diskussion. Im März 2014 steht der “verborgene Glaube” im Mittelpunkt, also der eher diskrete Umgang der Re­mon­s­t­ran­ten mit dem eigenen Glauben auch im Gespräch mit anderen: Man posaunt die eigene, tiefe religiöse Überzeugung normalerweise nicht laut heraus. Re­mon­s­t­ran­ten als freisinnige Kirche mit liberaler Theologie sind nicht offensiv missionarisch – werbend. Fundamentalismus ist tabu. Wer diese Kirche  der Re­mon­s­t­ran­ten finden will, wird sie finden.  Das sind nicht immer sehr viele, aus Berliner Sicht sagen: wir leider viel zu wenige!

Und dann hat jeder einzelne religiöse Mensch selbstverständlich die Freiheit, seinen eigenen persönlichen Glauben zu entwickeln und wenn gefragt, auch miteinander zu teilen. Spirituelle Diskretion könnte man das nennen. Warum ist das so wenig attraktiv? Warum wollen so viele eher die Leitung von äußeren Autoritäten? Die Bindung an angeblich feste Sätze und angeblich ewige Wahrheiten?

Jetzt hat die Re­mon­s­t­ran­ten Theologin Greteke de Vries eine interessante Broschüre vorgelegt über den verborgenen Glauben: Sie bringt ihn zur Sprache, indem sie einige Porträts remonstrantischer Theologen seit Beginn des 19. Jahrhunderts skizziert. Deutlich wird, wie diese immer zahlenmäßig stets kleine Kirche hervorragende Theologen hatte, die in der Kultur Hollands eine große Rolle spielten, wenn sie etwa für die kritische Bibelwissenschaft eintraten oder für die Vorrangstellung des Gewissens in religiösen Fragen. Für die deutsche Kirchenszene, die fast nur die orthodoxen großen Kirchen kennt, sind kleine, freisinnige Kirche wie die Re­mon­s­t­ran­ten leider bis jetzt so befremdlich, nicht so in Holland. Dort haben die Re­mon­s­t­ran­ten jetzt ihre theologische Ausbildung wieder nach Amsterdam verlegt, dort ist eine Theologin offizielle Vertreterin remonstrantischer Theologie: Christa Anbeek, die auch einen ganz eigenen, persönlichen Zugang zur Theologie hat, etwa in der Erfahrung von Leid und Schmerz über den Verlust geliebter Menschen. Siehe auch www.overlevingskunst-anbeek.nl Die Bücher von Christa Anbeek finden eine sehr große Aufmerksamkeit und viel Interesse.

Wir leben in Europa, das ist keine Banalität, sondern  theologisch eine Herausforderung. Wer guckt schon mal über die Grenze, zum Beispiel nach Holland, wer sieht,  dass es dort eine andere Kirche gibt, großzügig und die Freiheit fördernd, offen im Glaubensbekenntnis und einladend an alle, die spirituelle Orientietung suchen im Geist Jesu von Nazareth. Wir empfehlen darum dringend, ausnahmsweise mal etwas “werbend”,  den deutschen Theologen die Broschüre: “Re­mon­s­t­ran­ten over hin verborgen Geloof”. Eine Sonderausgabe der Zeitschrift ADREM aus Utrecht: siehe. www.remonstranten.org

Freisinnig glauben: Bewegt, offen, einladend.

Freisinniges Leben: Bewegt, offen, einladend.

Ein „Re­mon­s­t­ran­ten – Forum“ in Berlin

Ein Diskussionsbeitrag von Christian Modehn. Dieser Artikel wurde auf Niederländisch in der Zeitschrift ADREM, Utrecht im  Juni 2013 veröffentlicht.

Im Januar 2010 startete das „Forum der Re­mon­s­t­ran­ten in Berlin“. Es soll ein Ort offenen Austauschs sein, ein freier Raum für freisinnigen Glauben und liberale Theologie, für Lebensorientierung. Ein Ort mitten in der Weiterlesen →

Theologische Sommerschule am 20. Juli 2013

 

Am Samstag, den 20.Juli, starten wir die Erste Theologische Sommerschule mit dem Berliner Theologen Prof. Wilhelm Gräb, Humboldt Universität. Genauere inhaltliche Informationen folgen. Es geht um die Diskussion einiger grundlegender Themen der liberal – theologischen Orientierung. Wir beginnen und 14 Uhr, Ende gegen 18 Uhr in der Galerie FANTOM, Hektorstr. 9 in Berlin-Wilmersdorf. Als Beitrag denken wir an 10 Euro.

Zum ersten Mal gibt es nun auch für “theologische Laien”, die es in der liberal – theologischen Tradition eigentlich nicht gibt, die Chance, sich näher vertraut zu machen mit einer Lebenshaltung bzw. Theologie, die die Moderne voll respektiert, die das eigene Denken, die eigene religiöse Erfahrung hochschätzt und Gemeinde als Form des “geselligen Miteinanders unterschiedlicher religiöser Menschen” (Schleiermacher) begreift.

Diese Veranstaltung geschieht in Zusammenarbeit dem Religionsphilosophischen – Salon Berlin.     www.religionsphilosophischer-salon.de

Wer sich ein Bild machen möchte über die Aktualität liberal – theologischen Denkens heute, den/die verweisen wir gern auf unsere website www.religionsphilosophischer-salon.de dort die Kategorie “Fundamental vernünftig”: Dabei handelt es sich um Interviews mit Wilhelm Gräb sowie natürlich auf die Beiträge dieser website!

Eine Anmeldung ist Bedingung und erforderlich an: christian.modehn@berlin.de, dann werden weitere Infos zur Vorbereitung zugesandt

Huub Oosterhuis inspiriert: Der “Beraadsdag” der Re­mon­s­t­ran­ten in Amsterdam

Huub Oosterhuis inspiriert: Das jährliche Treffen der Re­mon­s­t­ran­ten. Diesmal in Amsterdam

Von Christian Modehn

Die Re­mon­s­t­ran­ten halten einmal im Jahr einen so genannten „Beraadsdag“, frei übersetzt: einen „Tag der Gespräche und Diskussionen“. Von den 5.000 Mitgliedern dieser freisinnigen Kirche waren am 10. März 2012  200 dabei: Sie trafen sich im neuen Zentrum der Studentenekklesia in Amsterdam, der ökumenischen Gemeinde, die von dem Theologen und Dichter Huub Oosterhuis 1970 ins Leben gerufen wurde. Nach mehreren Umzügen hat diese Gemeinde seit einem Jahr ein neues Zuhause gefunden in einem prächtigen Gebäude an der Da Costakade.

Die Re­mon­s­t­ran­ten hatten Huub Oosterhuis gebeten, den ersten Vortrag beim „beraadsdag“ zu halten. Er sprach – dem Motto des Treffens entsprechend –über das Reich Gottes, jenes universale Symbol einer friedlichen und gerechten Welt; es ist DIE zentrale Zusage der biblischen Botschaft für die Menschen. Huub Oosterhuis legte allen Nachdruck darauf, dass das Reich Gottes mehr ist als ein schöner Traum. Reich Gottes sollte nicht in eine spirituelle Innenwelt eingeschlossen sein. Es wird vielmehr von den Menschen hier und jetzt „gebaut“, wann immer sie sich für Gerechtigkeit und gegen die Ausgrenzung der Armen einsetzen. Im Tun des Guten werde das Reich Gottes geschaffen.

Huub Oosterhuis unterstrich den aktiven Einsatz der Menschen für das Reich Gottes. Damit entsprach er durchaus den theologischen Vorstellungen der Re­mon­s­t­ran­ten, die sich seit Beginn ihrer Geschichte im 17. Jahrhundert gerade von einer abstrakten Gnadenlehre absetzen, die behauptet, der Mensch selbst könne nichts Gutes tun für sein Heil und seine Erlösung.

Es gab beim Beraadsdag mehrere Workshops. IKON berichtet, dass ein Gesprächskreis sich auch mit der 400 jährigen Geschichte der Re­mon­s­t­ran­ten befasste. Tjaard Barnard zeigte, dass es in der Geschichte der Re­mon­s­t­ran­ten oft Akzentverschiebungen gab, einmal mehr zu orthodoxen , dann viel mehr zu freisinnigen theologischen Ansätzen. Beachtlich bleibt – in unserer Sicht- , dass sich die Re­mon­s­t­ran­ten wie kaum eine andere Kirche er Philosophie der Aufklärung und auch dem Modernismus wohlwollend und lernbereit stellten. “Seit den 1960 Jahren ist einem orthodoxen (calvinistischen) Glauben bei den Re­mon­s­t­ran­ten nichts mehr übrig geblieben, die Re­mon­s­t­ran­ten präsentieren sich als freisinnig” (IKON).  In der weiten christlichen Ökumene  das darf man ohne Übertreibung sagen – eine recht seltene Erscheinung! Schön, dass es diese Kirche gibt.

Re­mon­s­t­ran­ten sind – in unserer Sicht – eine Art Avantgarde! Viele große Kirchen haben nie die Aufklärung und den Modernismus anerkannt und rezipiert, etwa die römische Kirche oder die Orthodoxen Kirchen Griechenlands, Rußlands usw.  Das Ausbleiben mit diesen modernen Denkrichtungen ist in diesen Kirchen machtvoll zu spüren, bis heute.

Die Toleranz wurde von Re­mon­s­t­ran­ten während ihrer ganzen Geschichte immer als hoher Wert verteidigt. Beachtlich bleibt, dass die Re­mon­s­t­ran­ten Kirche heute eine freisinnige Kirche ist, in der jedes Mitglied selbstverständlich sein individuelles Glaubensbekenntnis formuliert. Das wird beim Eintritt in die Kirche  respektiert. Beachtlich ist weiter, dass es kein allgemein bindendes Glaubensbekenntnis für alle Mitglieder gibt. Auf diese Weise wird die individuelle spirituelle Entwicklung eines jeden Menschen respektiert. Ein interessanter Versuch, Menschen mit ausdrücklich unterschiedlicher Glaubenshaltung in einer Kirche zusammenzuführen. Das hat sich in Deutschland – und weltweit – leider noch nicht so herumgesprochen. Aber freisinnige Kirchen haben es Zeiten  flammender Religiosität und lautstarker Bekenntnisse und Dogmen und moralischer Vorschriften ohnehin nicht so ganz leicht…

copyright: christian modehn, berlin.

 

 

Neue Bücher der Re­mon­s­t­ran­ten im Herbst 2011: Das “Hier und Jetzt” ist nicht das ganze Leben: Und: “Coming Out Churches”

Das Hier und Jetzt ist nicht alles: Warum Christen die Zukunft wieder ernst nehmen sollen… .und warum Homosexuelle in Kirchen selbstverständlich willkommen sind…

Von Christian Modehn

In Deutschland beginnt am 12. Oktober in FRANKFURT die Internationale Buchmesse, bei der selbstverständlich auch niederländische Verlage Weiterlesen →

Eine lange Nacht der Theologie: Amsterdam kreativ

Vor kurzem wurde in Amsterdam ein besonderes Event gefeiert, an dem auch der Allgemeine Sekretär der Re­mon­s­t­ran­ten Kirche, Tom Mikkers, inspirierend und organisierend dabei war.

 

Kreatives Amsterdam:

Die erste Nacht der Theologie

Von Christian Modehn

Die Amsterdamer lieben die Nacht. Wer hätte das gedacht? Nun haben auch die Theologen aller Konfessionen (!) ihre Liebe zur späten Stunde entdeckt: Sie haben in Amsterdam die „Erste Nacht der Theologie“ Ende Juni gefeiert. Inspiriert wurden sie dabei von den sehr erfolgreichen und längst etablierten „Nächten der Philosophie“ (immer im April!)  und  den „Nächten der Poesie“. Spät am Abend haben auch die Theologen Weiterlesen →

Statt Identität die Vielfalt

Statt Identitäten:  die Vielfalt (dieser Beitrag wurde am 4.1. 2011 gleichzeitig in www.religionsphilosophischer-salon.de veröffentlicht.

Religionsphilosophische Perspektiven für 2011

Wichtig bleibt für uns als Projekt, den „Geist der Zeit“ bzw. „die Geister der Zeit“  (in ihrem Nebeneinander und Gegeneinander) wahrzunehmen und kritisch zu analysieren. Philosophie schwebt nicht in der Abstraktion, sie hat das Gegebene, auch in den Religionen, zu bedenken und zu kritisieren. Maßstab ist eine sich selbst kritisierende und damit „offene“ Vernunft.

Der schon deutliche Trend bleibt: Die Verkapselung der Individuen und Gesellschaften, der Staaten und Religionen in ihre vermeintliche Identität.

Das zum Teil aggressive Bestehen auf einer fix und fertigen Identität äußert sich im Rechthaben, im Anspruch, „die“ Wahrheit gegenüber den anderen zu haben, Fremde und Fremdes als Gefährdung zu deuten, von Verlustängsten geplagt zu sein, nicht teilen zu wollen, nicht lernen zu wollen von anderen.

Dieser Wahn, um jeden Preis eine angeblich „ewige“ oder „typische“  Identität zu wahren, ist naiv: Denn auch diese Identität ist entstanden, gewachsen, aus verschiedenen Einflüssen gewachsen…

Was die christlichen Kirchen angeht:

– Die Orthodoxie in ihrer Vielfalt zeigt sich heute in Osteuropa als staatstragend. Sie lässt sich als religiöse Ideologie für halbdemokratische Regime missbrauchen. Reformen kommen nicht in Frage, reale Trennung von Staat und Kirche sind tabu. „Die orthodoxe Frömmigkeitskultur trägt zudem kaum dazu bei, ein elementares soziales Vertrauen zu stärken. Zumindest in der Perspektive westlich geprägter Analytiker fördert die Orthodoxie ökonomischen Traditionalismus und quietistische Akzeptanz des Gegebenen“, so der Theologe Friedrich Wilhelm Graf in „Die Wiederkehr der Götter, 2004, s. 195. Im Gebrauch längst vergangener Sprachen für die göttliche Liturgie wird ohnehin kein Anspruch erhoben, Glauben und Vernunft zu versöhnen

– In der katholischen Kirche ist aufseiten der Kirchenleitung die verbissene Lust an der römischen Identität seit Jahren bekannt und vielfach besprochen worden. Der Papst behauptet nach wie vor, nur der römische Katholizismus sei die wahre Kirche Jesu Christi, die anderen Kirchen „nur“ Gemeinschaften. Mit der trotzdem vom Papst beschworenen Ökumene hat das eigentlich nichts mehr zu tun. Ökumene hat den Charakter des diplomatisch Verpflichteten.

– Im weiten Feld der Evangelischen Kirchen müssen immer viele Nuancen bedacht werden. In den klassischen protestantischen Kirchen, den Lutheranern und Reformierten, ist sicher viel Raum für einen echten Dialog lernbereiter Partner. Andererseits bemühen sich die Landeskirchen (etwa in Deutschland) darum, auf keinen Fall die Evangelikalen, die Ultra Konservativen, zu verlieren, sie sind gute Kirchensteuerzahler.

Die Pfingstkirchen bieten ein klares und eindeutiges „identisches“ Profil des Christlichen. Sie haben damit Erfolg, weil in einer Welt voller Unsicherheiten die krampfhafte Suche nach dem Ewigen und Festen verständlich ist, aber religionsphilosophisch problematisch ist. Kann ein fundamentalistisch wiederholtes Bekenntnis „Sicherheit“ bieten, gibt es Sicherheit ohne kritische Vernunft und kritisches Nachdenken.

Merkwürdig – und aus meiner persönlichen Sicht traurig – ist die Tatsache, dass die Kirchen, die alle Freiheit kritischen Denkens lassen und allen Raum bieten für die kreative Entwicklung der Theologie und Spiritualität, wie die freisinnigen Kirchen, etwa die Re­mon­s­t­ran­ten, zahlenmäßig klein bleiben. Tom Mikkers, Allgemeiner Sekretär der Re­mon­s­t­ran­ten in Utrecht, nennt seine Kirche eine „Asylkirche“, also einen Ort, der Raum bietet zum freien Atmen und kritischen Denken. Aber die Menschen suchen lieber ihre fixen Identitäten, als eine Kirche, in der man sich verändern kann und lernen kann. www.remonstranten-berlin.de wird nach wie vor über freisinnigen Glauben heute und damals berichten. Unsere These ist: Philosophierende Menschen haben in freisinnigen Kirchen einen Platz der Versöhnung von Glauben und Vernunft.

Auch in dem Zusammenhang ist ein Dialog über den Zusammenhang von Religion und Vernunft dringend geboten. Der religionsphilosophische Salon www.religionsphilosophischer-salon.de will sich als Basisinitiative diesem Projekt weiterhin verpflichtet fühlen. Die Selbständigkeit des philosophischen Denkens ist dabei selbstverständlich.

Glauben ist kreativ

Die Freiheit der Vielfalt bewahren

Freisinnige protestantische Positionen zu vertreten, ist in einem überwiegend konservativen christlichen Umfeld nicht einfach:

Zum Beispiel:

Problematisch erscheint es,  wie in den letzten Wochen erneut von konservativer christlicher Seite gerade liberale Protestanten herabgesetzt, wenn nicht diffamiert werden. In seinem neuesten Buch vom November 2010 “Licht der Wahrheit” (S. 118ff) weigert sich der Papst, protestantische Kirche tatsächlich ALS Kirchen anzuerkennen. Nur die römische Kirche ist Kirche, meint er, die Orthodoxen sind es vielleicht auch etwas. Frauenordination, Akzeptanz homosexueller Partnerschaften und “dergleichen mehr”, “wie ethische Stellungnahmen”, die (vor allem freisinnige) Protestanten auszeichnen,  nennt der Papst “Komformismen mit dem Geist der Gegenwart”.  Also oberflächliche Anpasserei… Freisinnige Christen halten daran fest, dass sich in den Kulturen der Gegenwart sehr wohl Werte zeigen, die akzeptiert werden können, wie eben die Geichstellung der Frauen und die Akzeptanz homosexueller Partnerschaften…Glaube ist für freisinnige Christen keine Monotonie der Wiederholung angeblich ewiger Wahrheiten. Glauben ist ein kreatives Geschehen, das dem Menschen viel Freiheit lässt…

Zum Beispiel:

Angesichts der Diskussionen innerhalb der protestantischen “Welt” der Niederlande schreiben die beiden Re­mon­s­t­ran­ten Theologen T. Barnard und T. Mikkers Ende November 2010: „Wir glauben absolut nicht mehr dasselbe wie unsere =Väter, also die Initiatoren der Re­mon­s­t­ran­ten, einst=. Noch stärker: Das werden wir auch überhaupt nicht wollen. Unser Glaube steht auch in Verbindung mit unserer Zeit!  Aber ebenso fühlen wir uns sehr verbunden mit den Re­mon­s­t­ran­ten von einst, denn sie verlangten vor allem Raum und Freiheit um zu glauben. Sie standen für eine Kirche, in der verschiedene Standpunkte nebeneinander bestehen können“.

Gottesbilder sind immer relativ

Sind Gottesbilder Bilder von Gott?

Fragen und Überlegungen beim Treffen der Freunde der Re­mon­s­t­ran­ten am 3. Oktober 2010

Ist unsere Beziehung auf die Wirklichkeit nicht zumeist von Bildern geprägt?

Denken wir nicht äußerst häufig in Bildern? Können wir in unserem Umgang mit der Welt auf Bilder verzichten?

Nehmen wir uns selbst, die anderen, die Welt, nicht sehr oft (notwendigerweise) bildhaft wahr? Siehe „Weltbild“ als Begriff.

Wenn das so ist: Warum soll das Sich Beziehen auf eine göttliche, transzendente Wirklichkeit in Bildern dann etwas zu Überwindendes sein? Man denke an das Bilderverbot in der jüdischen Tradition oder in calvinistischen Kreisen.

Was passiert jedoch bei Menschen, die Heiligenbilder (z. B. Maria) oder das Kreuz oder eine Dreifaltigkeits – Ikone  küssen? Sehr verbreitet im Katholizismus und der Orthodoxie. Wollen diese Glaubenden (magisch??) Anteil haben an der heiligen Wirkkraft der Dargestellten?

Wie ist die barocke Bilderflut, die in manchen Barock Kirchen den Menschen erschlägt oder zumindest zu einer permanenten Zerstreuung verleitet, einzuschätzen?

Ist Barock die religiöse Kultur der Ablenkung vom Wesentlichen? Will die barocke Bilderwelt vielleicht sogar das Wesentliche gar nicht freilegen? Ist die Barocke Kultur Herrschaftskultur, im Sinne von:_ „katholische Missionskultur“.

Ist das reformierte Bilderverbot und die Betonung auf dem gesprochenen Wort der Predigt realistisch, wenn man bedenkt: Auch eine gute Predigt, die anschaulich sein will und wohl sein muss, erzeugt Bilder beim einzelnen Hörer. Welcher Unterschied liegt in der Bildererzeugung des einzelnen zur Bildkonfrontation eines Menschen, der in einer Barockkirche sitzt? Wahrscheinlich ist der einzelne Hörer einer bildhaften (reformieren) Predigt persönlich freier in seiner Phantasie.

Wird Gott immer in Bildern erfahren und gedacht? Selbst die Psalmen, die sich gegen den bildhaften Gott wehren,  sagen: Gott ist gerecht und gütig. Wecken solch Gottesprädikate nicht auch wieder Bilder?  Wer in die farblosen (weiß – grauen) Fenster reformierter Kirchen schaut, stellt sich Gott vielleicht farblos vor. Ist das ein persönlicher Gewinn oder ein Verlust?

Wahrscheinlich müssen wir betonen: Wir brauchen immer Gottes – Bilder,  wir machen sie notgedrungen, aber wir dürfen uns an kein festes Gottesbild binden, kein Gottesbild für endgültig und ewig halten. Jedes Gottesbild ist relativ,  das heißt: es wird im Laufe der Lebensgeschichte wieder überwunden und durch ein neues (natürlich lebensmäßig wieder begrenztes) ersetzt.

Also: Ja zu Gottesbildern. Aber bitte alle sehr relativ nehmen.

Relativität ist kein Schimpfwort, schon gar nicht eine Schande, oder Ausdruck des Kulturverfalls, wie Joseph Ratzinger (Benedikt XVI) behauptet: Relativität ist die Rettung: spirituell und menschlich. Tatsächlich, es handelt sich um eine menschliche Rettung, weil die Relativität ALLER BILDER von Fixierungen und Festlegungen befreit. Das Leben kann wieder lebendig sein, kann fließen, für Überraschungen und neue Einsichten offen werden. Wahrscheinlich gehören (heiliger) Geist und Relativität ganz eng zusammen. Und fundamentalistischer Ungeist äußert sich als Macht der Herrscher in ihrem Kampf gegen „Relatives“.

Jesus war ein Religionskritiker.

Jesus war ein Religionskritiker. Im Alltag das Heilige entdecken.

Tom Mikkers, der „Allgemeine Sekretär der Re­mon­s­t­ran­ten Kirche“, hielt am Sonntag, 16. Mai 2010, in der Kirche „de Vrijburg“ in Amsterdam, eine bemerkenswerte Predigt. Anlass war ein besonderer Gottesdienst, in dem die Lieder des Song Contests, der Eurovision, im Mittelpunkt standen. Mehr als 400 Teilnehmer waren bei diesem ungewöhnlichen spirituellen Ereignis dabei, als Angebot und Einladung wurde deutlich: Auch in der Populärkultur, auch in den Songs und Liedern des „Eurovision Song Contest“, kommen spirituelle und religiöse Aspekte vor. Sie sollten auch von Kirchen beachtet werden, sie können nämlich hilfreich sein, wenn es auch klar ist, dass viele Lieder banal und kitschig sind.

Tom Mikkers sagte unter anderem:
„Ganz eingefleischte Theologen („hardcore theologen“ im niederländischen Text) könnten sagen: Diese Lieder sind schön, aber das hat mit Kirche oder Christentum nichts zu tun. Andere sagen: Es kann ja sein, dass einige Songfestival – Lieder ein bisschen Friede und ein bisschen Liebe brachten. Aber für die Antworten zu den großen Lebensfragen muss man doch bei dem alten kirchlichen Repertoire sein Heil suchen. All das andere sei nur eine Art Verdünnung der alten Lehre.
Wer das sagt, hat eine Voraussetzung: Es gibt eine große Wahrheit, die ist buchstäblich zu finden in der Bibel, und diese Wahrheit wird genau formuliert von Priestern und Kardinälen. Und wehe dir, wenn du beginnst, dein eigenes Lied zu singen!
In meinen Augen pervertiert der christliche Glaube, wenn er zu einem fest umschriebenen kirchlichen Exklusiv – Programm wird.
Warum? Weil Glauben nichts zu tun hat mit einer Stellungnahme (mit dem „nur so ist es“), sondern mit einem innerlichen Abgestimmtsein auf das eigene Selbst, auf den Mitmenschen und das große Ganze, das wir vielleicht auch, (wenn genaue Begriffe fehlen), Gott nennen.
Jesus war ein Religionskritiker der reinsten Art! Nun ist es ein Gewinn von wahrer Religionskritik, dass sie religiös inspirierte Menschen herausfordert, die Bitterkeit und die Unbarmherzigkeit der harten Wahrheit („nur so und nicht anders“) wirklich anzusehen, aber sie dann auch zu verlassen und aufzugeben! Übrigens ist für mich die Angst vor der Religionskritik vollkommen unbegründet. Denn Religion versteinert nur ohne Kritik.
Jesus hielt nichts von bürokratischen Dogmatikern, die meinten bestimmen zu können, wer etwas taugt und wer nicht. Jesus rief das Establishment zur Ordnung!

Die Kirche als Gemeinschaft von Menschen, die auf dieser Spur Jesu von Nazareth weiter gehen will, kann nicht machtvolle Verurteilungen vornehmen und an einer festen Ordnung hängen. Nicht das haarscharfe Urteil , sondern das Mitleiden mit jedem, der leidet und stirbt, ist das geistliche Brot, das in der Kirche an alle Menschen ausgeteilt wird…Jesus machte das Heilige wieder zum Alltäglichen, und das Alltägliche wurde für ihn heilig. Jesus bezweifelte in aller Offenheit die religiös korrekten Antworten und Annahmen“.

Für ein freies und tolerantes Christentum

Re­mon­s­t­ran­ten halten ihren “Tag der Beratungen” am Samstag, 13. März in Rotterdam

Einmal im Jahr kommen Re­mon­s­t­ran­ten zu einem “Berdaadsdag”, einem Tag der Gespräche und Diskussionen zusammen. So eine Art “kleiner Kirchentag”. In diesem Jahr steht im Mittelpunkt die Frage: Was bedeutet es heute, wenn die Re­mon­s­t­ran­ten sich für ein freies und tolerantes Christentum einsetzen? Es wird ein Gottesdienst gefeiert, es gibt eine Podiumsdiskussion über die veränderte Rolle der Religion in der Gesellschaft, es gibt diverse Workshops, u.a. auch mit Vertretern des Interkirchlichen Friedensrates/Pax Christi, es wird die Frage diskutiert, welche Verbindungen es gibt zwischen der Theologie des Jacobus Arminius damals und heutigen Auffassungen. “Arminius wollte Raum schaffen für verschieden theologische Auffassungen. Auf dieser Spur sind die Re­mon­s­t­ran­ten weiter gegangen”, heisst es in der Monatszeitschrift der Re­mon­s­t­ran­ten ADREM: “Re­mon­s­t­ran­ten von heute umarmen nicht die Dogmatik, sondern die persönliche Kreativität und bringen sie in Verbindung mit der Bibel”.
Die Tagung findet in der Rotterdamer Re­mon­s­t­ran­tenkirche statt.

Liberale Protestanten: Im Vatikan nicht geliebt

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.Was denken führende Kardinäle heute von “liberalen Protestanten”? Das kann sich jeder Kundige selbst leicht denken, wird aber gelegentlich von Vertretern der römischen Kirche deutlich ausgesprochen. Kardinal Walter Kasper, in Rom für “die Ökumenische Verständigung und den Dialog der getrennten Christen und Kirchen” zuständig, sagte anläßlich des bevorstehenden Lutherjubläums im Jahr 2017:
“Eine Rückbesinnung auf den Glauben des Reformators Martin Luther, der allen heutigen liberalen Tendenzen zutiefst abhold wäre, kann man dem Protestantismus nur wünschen”.
(zit. in Jahrbuch 2008, Lutherdekade 2017, Wittenberg, 2009 (?), S 67).
So wird Luther zum Vorwand genommen, um offenbar antiliberale Tendenzen, fundamentalistische (?) Überzeugungen, zu stützen.
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