Get out – geh raus! Ein Magazin zum 400. Bestehen der Re­mon­s­t­ran­ten

Eine Rezension von Christian Modehn

„Geht raus“: Mit diesem Befehl mussten die Re­mon­s­t­ran­ten, die freiheitlich Gesinnten unter den Calvinisten, 1619 die Synode in Dordrecht verlassen und sich nach Belgien, dann nach Deutschland (Friedrichstadt!) flüchten. Erst später wurden sie in Holland geduldet! Re­mon­s­t­ran­ten sind also vom Ursprung her Flüchtlinge und Widerständler! Großartig, modern, diese Herkunft! Ihre Theologie passte den auf Rechtgläubigkeit bedachten Reformierten nicht. Theologie und Widerstand (heute) ist also das remonstrantische theologische Thema!

„Get out“ ist nun der Titel einer „Glossy“, wie man in den Niederlanden sagt, eines Magazins in bunten Farben, vielleicht sollte man eher von einer Illustrierten sprechen. Wie auch immer: Diese Publikation, jetzt neu erschienen, 100 Seiten stark, reich mit Fotos ausgestattet, will in zahlreichen Beiträgen und Interviews zeigen, was Re­mon­s­t­ran­ten in den Niederlanden, heute, 400 Jahre nach dem Rauswurf, als freisinnige protestantische Kirche denken, was sie leben, was ihnen wichtig ist. Dabei wird wohl eher an die LeserInnen außerhalb der Kirche gedacht als an „Insider“, deswegen wohl das aufwändige und bunte layout.

Nur einige Hinweise des Rezensenten:

Der gegenwärtige Finanzminister Wopke Hoekstra (CDA), Mitglied der Re­mon­s­t­ran­ten und laut Tageszeitung de Volkskrant einer der einflussreichsten Niederländer, wird ausführlich interviewt. Ebenso Christa Anbeek, eine der führenden TheologInnen am Seminar für remonstrantische Theologie an der Freien Universität von Amsterdam. Sie plädiert in einem Gespräch mit Inez van Oord u.a. dafür, dass die TheologInnen „viel mehr hören sollten auf die Menschen an der Basis“…Immer wieder wird das Thema „Verwundbarkeit“ durch Leiden, auch seelisches Leiden, thematisiert, darüber hat Christa Anbeek etliche Bücher geschrieben. Sie fordert, dass auch (durch die Kirche?) viel mehr freie Orte und Räume geschaffen werden sollten, wo Menschen einander ihr Leben und Leiden sagen und Mitgefühl finden. Interessant sind auch die persönlichen Lebenszeugnisse von Re­mon­s­t­ran­ten aller Generationen, von 20 bis 100…Wichtig die Hinweise auf die Gemeinde der jungen Re­mon­s­t­ran­ten! Sie sind die Zukunft der Kirche.

Ein bisschen, nein, sehr schade finde ich, dass der Beitrag des auch in Berlin bekannten remonstrantischen Theologen Prof. Johan Goud (Den Haag) über das (innere) Kind so kurz und knapp ist; zudem ist dies ein politisch-kritischer Beitrag etwa zum Konsumismus. Ebenso muss ich in dieser „Rezension“ auch bemerken, dass der ebenfalls leider sehr kurze Beitrag über die Diakonie der Re­mon­s­t­ran­ten von Arrien Kruyt erst ganz Ende des Heftes, auf Seite 97 erscheint. Das Thema hätte meines Erachtens viel mehr zentrale Aufmerksamkeit verdient, wenn man bedenkt: Re­mon­s­t­ran­ten waren zu Beginn Vertriebene und Flüchtlinge. Was tun sie also heute in den Gemeinden gemeinsam mit Flüchtlingen, auch mit Muslims? Vielleicht werden Flüchtlinge und andere „Ausländer“ auch gern Mitglieder und Freunde der Re­mon­s­t­ran­ten? Das wäre ein gutes neues Thema gewesen! Kommt aber vielleicht noch in einer Publikation am Ende des „Jubiläums“? Wenn man hoffentlich noch stärker einen Vorausblick bietet, was diese freisinnige protestantische Kirche, so klein sie auch sein mag, international in Zukunft bedeuten könnte und sollte. Dies in einer Zeit, in der der fundmentalistische christliche Glaube sich immer mehr durchsetzt: Was für eine Aufgabe für eine freisinnige und theologisch liberale und deswegen lernbereite christliche Kirche! Ein Freund in Berlin hat die Broschüre durchgeblättert und fragte mich dann: Wissen die Re­mon­s­t­ran­ten eigentlich, wie einmalig sie in der weiten Ökumene sind und wie notwendig sie heute sind als Orte des umfassenden interreligiösen Dialogs zum Beispiel? Ich kann diese Frage nur weitergeben. Vielleicht findet sie gelegentlich eine Antwort.

GET OUT ist eine Publikation der Re­mon­s­t­ran­ten. Man kann das Heft, in niederländischer Sprache, bestellen:

www. Re­mon­s­t­ran­ten.nl   oder Re­mon­s­t­ran­ten, Nieuwe Gracht 27 A, 3512 LC Utrecht,

Christian Modehn, www.remonstranten-berlin.de

Re­mon­s­t­ran­ten gegen evangelikale Nashville-Erklärung

Die Ehe für alle ist selbstverständlich…

Von Christian Modehn (Berlin) am 8.1.2019

Die Re­mon­s­t­ran­ten sind eine freisinnige, liberal-theologische protestantische Kirche in Holland. Sie sind die einzige christliche Kirche weltweit, die als solche kein verpflichtendes dogmatisches Bekenntnis von ihren Freunden und Mitgliedern verlangt.

Die für Toleranz eintretenden Re­mon­s­t­ran­ten lassen sich von konservativen Kirchen nicht alles bieten. Theologisch liberal sein heißt auch widersprechen, wenn die Freiheit der Menschen und ihre Würde bedroht sind.

Darum widersprechen jetzt die Re­mon­s­t­ran­ten offiziell, wenn in diesen Tagen von den zunehmend mächtiger werdenden Kreisen der konservativen Kirchen der USA ein theologisches Dokument auch in Holland verbreitet wird, mit entsprechenden Unterschriftensammlungen: Es handelt sich um die so genannte Nashville-Erklärung aus dem Jahr 2017, die weltweit schon Irritationen auslöste. In dem Text wenden sich zahlreiche evangelikale US-Theologen (unter ihnen Pastor John Piper, auch in den entsprechenden Kreisen in Deutschland bekannt) gegen die Gleichwertigkeit von Homosexualität und gegen die Rechte von Transsexuellen. Die Autoren der „Nashville Erklärung“ lesen wie üblich und unbelehrbar die Mythen der Bibel wortwörtlich, was Sexualität betrifft. Was die Worte Jesu gegen die Herrschaft des „Klerus“ betrifft, bekanntlich nicht, die werden je nach Laune evangelikal interpretiert.

Diese immer mächtiger werdenden evangelikalen Kreise (man denke an ihre aktuelle Unterstützung des brasilianischen rechtsextremen Präsidenten Bolsonaro) wollen damit die Muster einer für Europa längst vergangenen Kultur der absoluten Dominanz der „Hetero-Ehe“ fortschreiben und damit auch an einem entsprechenden Familien- und Frauenbild festhalten. Insofern ist das Nashville Dokument auch ein politisches Pamphlet. Und ein Dokument einer in der aufgeklärten, gebildeten westlichen Welt längst untergegangen Kultur. Es ist förmlich ein Kulturkampf um die Bibelinterpretation entstanden!

Darum haben jetzt, am 7.1. 2019, die Re­mon­s­t­ran­ten gegen die sogen. Nashville Erklärung protestiert. Diese Kirche war bekanntlich die erste, die schon 1986 als christliche Kirche die Segnung von Paaren des gleichen Geschlechts in ihren Kirchen gestaltete und damit diese Lebensform als normale Alternative zur Hetero-Ehe ansieht.

Es scheint, als hätten die Evangelikalen in dieser unserer Gegenwart der politischen Verwirrung (Nationalismus, Kriege, Rechtsradikalismus, Öko-Krise, Armut, Ungerechtigkeit weltweit) keine anderen Sorgen, als dieses uralte Thema der absoluten Geltung der Hetero-Ehe wieder zu propagieren. Als solle ein letztes Gefecht dieser Kirchen stattfinden um eine Kultur, die mit dem 20. Jahrhundert de facto, aber noch nicht in allen Köpfen, überwunden wurde. In Afrika sind die Kirchen die heftigsten Feinde des Respekts für Homosexuelle. Der Kardinal von Tanzania sagte kürzlich noch, besser sollten die Menschen in Tanzania verhungern, als Hilfen anzunehmen, die irgendwie mit „Gay“ (Schwul) etwas zu tun haben.

Man mache sich nur keine Illusionen: Wer heute noch christlich sein will, bindet sich oft an diese dogmatisch starren Kirchen. Diese Menschen suchen Sicherheit, Führung, sie wollen von anderen hören, was Gott will. Sie fragen nicht selbst, suchen nicht selbst. Alte Antworten in alten Floskeln und Sprüchen werden nachgesprochen…

Und vor allem: Die Nashville Erklärung könnte der Vatikan auch jetzt nicht besser formulieren. Selbst Papst Franziskus ist alles andere als ein Verteidiger der Gleichberechtigung der Homosexualität und der Homosexuellen. Er ist theologisch sehr konservativ, das hören die wenigen progressiven Katholiken nicht gern, aber es die Wahrheit. Man lese bitte auch den offiziellen, immer noch gültigen römischen Katholizismus von 1996, dort gibt es beste inhaltliche Übereinstimmungen mit der Nashville Erklärung!

Und man vergesse nicht: Die Nashville Erklärung können die meisten Muslime mit Begeisterung unterschreiben, jedenfalls solche, die in den Herrschaftsgebieten der arabischen Diktatoren leben.

Die Nashville Erklärung ist insofern leider ein ökumenisches, man möchte fast sagen, interreligiöses Dokument.

Man darf gespannt sein, wie etwa in Deutschland sich die Evangelische Kirche offiziell von diesem theologischen Unsinn aus Nashville distanziert. Kaum zu erwarten, wenn man nur an die Macht evangelikaler Kreise etwa in der Württembergischen Landeskirche denkt…Die offizielle katholische Kirche in Deutschland wird – nicht nur stillschweigend – jubeln. Das ist ja das richtige Thema für die katholischen, d.h. päpstlichen Weltjugendtage in Panama im Januar 2019. Sie haben das Motto: “Siehe, ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe nach deinem Worte“. Haben auf solch eine antifeministische Theologie die jungen (armen) Frauen in Lateinamerika gewartet, die in dieser Macho-Gewalt-Unkultur um Überleben kämpfen müssen?

Die Nashville Erklärung richtet viel Schaden an: Sie weckt den Eindruck bei vielen LeserInnen: Ja, so denken halt „die“ Kirchen. Ist ja leider nicht ganz falsch! Die Menschen haben also einen Grund mehr, sich von den Kirchen zu verabschieden.

Die Re­mon­s­t­ran­ten feiern in Holland in diesem Jahr 2019 ihr 400 Jahre dauerndes Bestehen. Ein Thema der aktuellen Auseinandersetzungen wurde ihnen nun mit der niederländischen Nashville-Erklärung vorgelegt, ein Thema, das in den Gedenk- und Denkfeiern jetzt nicht fehlen wird.

Die Re­mon­s­t­ran­ten sind eine zahlenmäßig sehr kleine Kirche, aber sie sind ein Ort der Zuflucht für jene, die eine Verbindung von Moderne, Vernunft, Menschenrechten UND christlichem Glauben erleben und gestalten wollen.

Copyright: Christian Modehn, Forum der Re­mon­s­t­ran­ten Berlin.

Glauben ist Freisein

Herzlich willkommen auf dieser Seite, die einige aktuelle und grundlegende Informationen über die protestantische Kirche der Re­mon­s­t­ran­ten bietet:

Eine Info vorweg: Der deutsche Wikipedia Beitrag über die protestantische Kirche der Re­mon­s­t­ran­ten entspricht nicht dem Stand der heutigen Theologie der Re­mon­s­t­ran­ten und auch nicht der Realität der Vielfalt remonstrantischen Lebens. Der Wikipedia Beitrag ist veraltet…

Am Freitag, den 14. Juni 2019, um 19 Uhr, fand wieder ein religionsphilosophischer-Salon statt, in der Galerie Fantom, Hektorstr. 9. Unser Thema: “Wer oder was ist schon normal?” 18 TeilnehmerInnen waren dabei.

Eine wichtige Entdeckung: In Äthiopien gab es im 17. Jahrhundert einen Philosophen, der eine vernünftige Theologie entwickelte, wir würden heute sagen: Eine freisinnige Theologie. Zär ´a Yaqob ist der Name des Religionsphilosophen. Lesen Sie diesen Beitrag als Buchempfehlung!

In unserem Salonabend am 3.Mai 2019 beteiligten sich 16 Personen. Wir diskutierten über “Misstrauen: Vom Wert eines Unwertes”. Anläßlich des Buches von Florian Mühlfried, Reclam Verlag. Eine Einführung zum Thema können Sie hier lesen.

Zum Thema Ostern, Auferstehung, Leben und Sterben habe ich eine religionsphilosophische Besinnung geschrieben, wie man heute die Auferstehung denkend verstehen kann. Klicken Sie hier.

Das Forum der liberal-theologischen protestantischen Re­mon­s­t­ran­ten – Kirche in Berlin hat im Augenblick seinen Schwerpunkt in den religions-philosophischen Salons. Dies sind philosophische Gesprächskreise, auch zu literarischen, künstlerischen, religionswissenschaftlichen und theologischen Themen, in der selbstverständlichen Freiheit, ohne jede “konfessionelle Werbung”. Diese Salon-Abende sind natürlich offen für alle, die nach einer kritischen und selbstkritischen philosophischen Vertiefung ihrer Lebensfragen mit anderen zusammen suchen. Wir als  Re­mon­s­t­ran­ten halten nicht viel von einer Religion oder Kirche, die dogmatisch eng “nur unter sich bleiben will”. Lernen von “den anderen” ist für uns philosophisch und theologisch entscheidend.

Genauso wichtig ist: Für Re­mon­s­t­ran­ten als protestantischer Kirche gibt es kein Glaubensbekenntnis, das für jedes Mitglied verpflichtend ist. Jeder, der Remonstrant werden möchte, formuliert sein eigenes, sein persönliches Bekenntnis. Dieses wird von der Kirche respektiert, es kann inspirieren zu weiteren Gesprächen. Im Jahr 2006 haben einige Theologen der Re­mon­s­t­ran­ten Kirche ein Bekenntnis formuliert, das sehr wertvoll, sehr inspirierend ist, das aber nicht bindend ist für die Mitglieder und Freunde der Re­mon­s­t­ran­ten. Nur so kann eine Kirche leben, die Vielfalt respektiert und den Glauben des einzelnen ernst nimmt. Bitte lesen Sie dazu den wichtigen Beitrag von Prof. Johan Goud, Den Haag. Johan Goud ist Philosoph und Theologe der Re­mon­s­t­ran­ten Kirche.

Gegen die Nashville Erklärung der Evangelikalen aus den USA haben die Re­mon­s­t­ran­ten am 7.1. 2018 protestiert. Lesen Sie den ausführlichen Beitrag.

Am Sonntag, den 3. März 2019, starten die Re­mon­s­t­ran­ten ihre Feiern und ihr Nachdenken angesichts ihres Bestehens seit 400 Jahren. Beginn des “Gedenkjahres”  ist ein Gottesdienst in der Re­mon­s­t­ran­ten-Kirche in Rotterdam.

Am Freitag, den 15. März 2019, fand ein religionsphilosophischer Salon statt mit dem Thema: “Das relgiöse Geheimnis: Das Unendliche berühren”. 10 Teilnehmerinnen waren bei dem Gespräch dabei.

Am Freitag, den 25. Januar 2019, um 19 Uhr, fand ein religionsphilosophischer Salon statt, in der Galerie Fantom, Hektorstr. 9 in Wilmersdorf. Unser Thema: Revolution! Welche Revolution? Eine mystische, eine spirituelle Revolution! Ein Salon-Abend mit 14 TeilnehmerInnen. Für Lektüreempfehlungen etc. klicken Sie bitte hier.

Im Dezember 2018 trafen wir uns am Freitag, den 14. 12. um 19 Uhr in der Galerie Fantom, Hektorstr. 9 in Wilmersdorf. Unsere philosophische Besinnung war durchaus auf Weihnachten bezogen, ohne dass wir deswegen eine “Weihnachtsfeier” veranstalten. Unser Thema ist “Die Bedeutung, wenn nicht sogar die Notwendigkeit von UNTERBRECHUNGEN in unserem Leben”. Was haben Unterbrechungen mit Weihnachten zu tun? Der göttliche Logos verlässt den Himmel, “gibt ihn auf”, und wird Mensch auf dieser schönen, schrecklichen Welt. Und zwar verlässt der Logos alles Göttliche und wird ganz Mensch in dem armen Mann Jesus von Nazareth. Was für eine Revolution im “Gottes-Denken” und Erleben?  An diesem religionsphilosophischen Salon beteiligten sich 13 Interessierte. Einen längeren Beitrag zum Thema habe ich veröffentlicht, klicken Sie hier.

Der philosophische Salon am 23. November 2018 hatte als Thema: “Tod-Sterben-Abschied“. Einen einführenden Vortrag hielt Prof. Johan Goud aus Den Haag, Philosoph, Theologe und Pastor der protestantischen Remnstranten- Kirche. Wir näherten uns dem schwierigen Thema mit 21 TeilnehmerInnen. Ein Salonabend in der typischenm aber immer intendierten  “Mischung” von persönlichem Erleben und grundsätzlicher Reflexion.

Christian Modehn, Re­mon­s­t­ran­ten-Forum Berlin, hatte die Möglichkeit, einige Themen mit etlichen Mitgliedern der Re­mon­s­t­ran­ten-Gemeinde von Den Haag zu disuktieren: Am Sonntag, den 28. Oktober 2018, nach dem Gottesdienst, siehe auf Niederländisch einen Hinweis von prof. Johann Goud auf der interessanten und schönen website der niederländischen Re­mon­s­t­ran­ten.

Am Freitag, den 28. September 2018, waren 14 TeilnehmerInnen beim religionsphilosophische Salon dabei. Unser Thema: Monotheismus und Gewalt. Hinweise zu Jan Assmann. Für weitere Informationen: Klicken Sie hier.

Der religionsphilosophische Salon am 24.8. 2018 hatte das Thema: Weisheit der Bibel: Ein philosophischer Salon über das Buch „Der Prediger Salomo“, auch „Kohelet“ genannt. 14 Teilnehmer waren dabei. Einige weiter führende Hinweise finden Sie hier.

Am religionsphilosophischen Salon am 20.7. 2018 beteiligten 13 Teilnehmerinnem. Wir ließen uns im Gespräch von einigen zentralen Erkenntnissen des Philosophen Jürgen Habermas inspirieren, etwa von seinen Vorschlägen zur Diskursethik oder seinem seinem Plädoyer für ein Miteinander von Glaubenden und Nichtglaubenden in der säkularen Gesellschaft. 

Am 22. Juni 2018 diskutierten 20 TeilnehmerInnen über den “alltäglichen Rassismus”. Einige Hinweise können Sie hier lesen.

EIN SOMMERAUSFLUG: Am Freitag, den 10. August 2018 machen wir wieder einen – schon fast traditonellen – Sommerausflug, diesmal nach ERKNER, hübsch gleich hinter Berlin gelegen, und dort besuchen wir u.a. das Gerhart Hauptmann Museum, mit Führung.  Das genaue Programm folgt. Weil wir der etwas intensiveren Kommunikation wegen doch ein kleiner Kreis sein wollen, können nur Anmeldungen per email angenommen werden.

Am 11. Mai waren junge Re­mon­s­t­ran­ten aus Holland bei uns. Insgesamt 22 TeilnehmerInnen diskutierten, welche Möglichkeiten es gibt, EUROPA für uns selbst neu zu beleben angesichts des aggressiven Nationalismus. Vor allem: Kann Religion, Spiritualität, dabei hilfreich und kritisch sein?  Siehe dazu einen Beitrag: Kirchen werden zu Friedenskirchen.

Zum religionsphilosophischen Salon am Freitag, den 23. März 2018  kamen 17 TeilnehmerInnen, was gibt uns Halt in unserem Leben war das Thema, 2 Freunde (Margriet und Dik) aus der Re­mon­s­t­ran­ten Gemeinde in Amsterdam waren dabei.

In unserem Salon am 23. Februar 2018 hatten wir das Thema: “Gibt es Fortschritt in meinem Leben und in der Welt/Gesellschaft?” 18 TeilnehmerInnen waren dabei.

Wir empfehlen, wenn man Niederländisch lesen kann, die aktuelle, sehr ansprechende website der niederländischen Re­mon­s­t­ran­ten zu besuchen. Klicken Sie hier.

Auch die Monatszeitschrift der Re­mon­s­t­ran­ten ADREM hat ein neues Layout und bietet viele wichtige Beiträge zur Frage der Religion und der immer notwendigen Reform der Kirche. Die Re­mon­s­t­ran­ten sind bekanntermaßen eine Kirche, die zur ständigen Reform, zur Veränderung, zur Entwicklung, zur Kritik am Dogmatismus usw. bereit sind. Das neueste Projekt: In den Gemeinden explizit Menschen einladen, gemeinsam drängende Fragen des Lebens, des Sinn des Lebens, zu besprechen. 

Wir sind traurig, dass die Re­mon­s­t­ran­ten Pastorin Christiane Berkvens-Stevelinck am 23. November 2017 gestorben ist. Sie war eine prominente Theologin und spirituelle Lehrerin. Über ihre Reflexionen zur “Spiritualität eines jeden Monats” haben wir auf dieser website berichtet. Ebenso über Ihr der heutigen Mentalität angepassten “Katechismus des Mitgefühls”als Abschied von den üblichen Dogmen!  Ich habe Christiane mehrfach getroffen, auch für Interviews. Sie war auch Professorin in Nijmegen – mit einem katholischen background, also in großer ökumenischer Weite.

In der Literatur werden die Re­mon­s­t­ran­ten auch oft Arminianer genannt, bezogen auf den Initiator dieser Bewegung, den Reformator und Theologen Jacob Arminius (1560-1609 ), klicken Sie auch hier. Nebenbei: Der Beitrag über die Re­mon­s­t­ran­ten auf wikipedia ist weithin veraltet und theologisch nicht aktuell! Nicht zum empfehlen!

Der  Religionsphilosophische Salon am Freitag, den 26. Januar 2018 war mit 21 Teilnehmern gut besucht. Für eine kontroverse Diskussion sorgte vor allem der Philosoph Wolfgang Ullrich, Leipzig; wir sprachen mit ihm über sein neuestes Buch “Wahre Meisterwerte” (Wagenbach Verlag). Hinweise zu dem wichtigen Buch folgen.

Zu unserem Salon – Gespräch am 15. Dezember 2017 kamen 15 TeilnehmerInnen zusammen. Wir sprachen über: “Meine Philosophie der Sehnsucht”. Ein ungewöhnliches philosophisches Thema, aber vielleicht passend für die Weihnachts/Advents-Zeit. Zur Vertiefung gerade zur Weihnachtszeit klicken Sie hier.

Unser religionsphilosophie Salon am 23.11.2017 über die Vorstellung der Vanitas, der Vergeblichkeit von allem, vor allem unseres eigenen Lebens, hat sehr viel Interesse gefunden: Es waren 19 TeilnehmerInnen dabei. Und dies vor dem Totensonntag

Eine (leider noch unvollständige) Übersicht über die Themen unserer Religionsphilosophischen Salons finden Sie hier.  Aber dadurch haben Sie einen Eindruck von der Vielfalt der Themen.

Das Forum der Re­mon­s­t­ran­ten Berlin bietet  seit mehr als 6 Jahren, monatlich einmal eine Veranstaltung an, den religionsphilosophischen Salon. Wenn sich mehr Menschen aus religiösen wie nichtreligiösen Kreisen für diese aus den Niederlanden stammende freisinnige protestantische Glaubensgemeinschaft interessieren, die der liberalen theologischen Tradition verpflichtet ist, können auch weitere Treffpunkte etc. gemeinsam (!) gestaltet werden. Diese neue liberale theologische Position ist eine Chance, Spuren des Religiösen (in sich selbst) wahrzunehmen, nicht nur in der Kirche, sondern in der Kultur, dem gesellschaftlichen Zusammenleben, ohne dabei in dogmatische Zwänge zu geraten. Es geht darum, dass jeder Mensch seinen eigenen Glauben entwickelt, ausspricht, schätzt. Dabei entsteht eine Vielfalt. Diese Pluralität ist in der Re­mon­s­t­ran­ten Kirche sehr willkommen. Glaube entwickelt sich im Respekt vor dem eigenen Glauben und der Auseinandersetzung mit religiösen, biblischen Texten, wenn diese denn z.B. mit dem Geist der Humanität sich versöhnen lassen. Bei vielen Menschen ist offenbar die Bindung an dogmatische Vorgaben (also Lehren aus früheren Zeiten) so stark, dass sie es nicht wagen, sich zum guten Recht zu ihrem eigenen Glaubens zu bekennen. Kant würde heute sagen: “Wage es, deinem eigenen Glauben zu vertrauen und ihn im Gespräch mit anderen (der Re­mon­s­t­ran­ten-Gemeinde) zu vertiefen”.  Gemeinden sind Gesprächsgemeinden, keine Orte der dogmatischen, klerikalen Belehrung. Das sah übrigens auch Schleiermacher so.

Wer sind die Re­mon­s­t­ran­ten?

Die Re­mon­s­t­ran­ten – eine Kirche der besonderen Art. Protestantisch und humanistisch, dogmenfrei und lernbereit von anderen Religionen. Sie hat eine lange Tradition, sie hat sich immer wieder weiterentwickelt. Sie ist eng mit der Ökumenischen Bewegung verbunden, hat aber auch gleichermaßen Interesse am Dialog mit humanistischen Gruppen.

Wir weisen aufgrund einiger Nachfragen gern darauf hin: Die freisinnige Kirche der Re­mon­s­t­ran­ten  versteht sich auch als “Asylkirche”, d.h. als Zufluchtsort für Menschen, die die dogmatischen Vorgaben und das hierarchische System ihrer angestammten Konfessionen nicht mehr aushalten und sich ihren persönlichen, individuellen  Glauben bewahren wollen sowie nach einem Refugium der Freiheit und der Selbstbestimmung auch in religiösen und ethischen Fragen suchen. Sie sind bei den Re­mon­s­t­ran­ten willkommen!  Auf diesen Charakter der “Asylkirche” hat der Allgemeine Sekretär der Re­mon­s­t­ran­ten Kirche, Tom Mikkers, Utrecht, mehrfach hingewiesen. Für dieses Leitbild “Asylkirche”  sind inzwischen viele Menschen dankbar.

In den Niederlanden hat die Re­mon­s­t­ran­ten Kirche ca. 5.000 Mitglieder und “registrierte Freunde”, also Menschen, die  einer anderen Kirche (etwa der katholischen Kirche) weiterhin angehören wollen, aber gern in der freisinnig – christlichen (undogmatischen) Kirche der Re­mon­s­t­ran­ten mittun und moderne Spiritualität miterleben möchten.  Für Re­mon­s­t­ran­ten ist solche “Doppelmitgliedschaft” überhaupt kein Problem.  In Deutschland ist die Re­mon­s­t­ran­ten Kirche  seit dem 17. Jahrhundert in Friedrichstadt vertreten. In Berlin gibt es seit Januar 2010 ein “Forum der Re­mon­s­t­ran­ten”, dort versuchen wir im Geist der Re­mon­s­t­ran­ten ein freies spirituelles und religionsphilosophisches Gespräch zu fördern, die Möglichkeiten sind groß und vielfältig…

PS. Re­mon­s­t­ran­ten – das Wort leitet sich von “remonstrance” her, es meint Abwehr und Zurückweisung: Diese reformierten Christen lehnten es zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Holland ab, an einen alles vorher bestimmenden Gott zu glauben. Sie wollten als Menschen freie und selbständige Wesen sein und bleiben. Sie verzichten nicht auf das kritische Denken, wenn sie die Frage nach Gott stellen oder nach dem Sinn von Glauben und Kirche fragen. Sie nehmen sich die Freiheit, diese “Freiheit des Glaubens” nicht als ferne Utopie oder Geschenk von Autoritäten, sondern schon jetzt zu leben.

Die Re­mon­s­t­ran­ten waren 1986 die erste Kirche weltweit, die homosexuelle (Ehe-) Paare in ihren Kirchen offiziell segneten, auch Menschen, die nicht zur Re­mon­s­t­ran­ten Kirche gehören. Schon vorher war  es für Re­mon­s­t­ran­ten  selbstverständlich , dass homosexuelle Menschen in den Gemeinden willkommen sind. Iim Unterschied zu allen anderen Kirchen ist das kein “problematisches” Thema…  Insofern sind die Re­mon­s­t­ran­ten einmal mehr ein Ort der Freiheit…Deswegen wurden die Re­mon­s­t­ran­ten auch von der niederländischen Organisation COC kürzlich ausdrücklich gelobt und gewürdigt.

Wir erlauben uns den Hinweis, dass die deutschsprachige Seite von wikipedia über die Re­mon­s­t­ran­ten unserer Meinung nach die heutige theologische Überzeugung nicht beschreibt, die theologischen Hinweise dort sind allein für Historiker noch interessant und möglicherweise bedeutungsvoll. Wikipedia kommt – bei diesem Thema – als zuverlässige und umfassende, auch aktuelle Informationsquelle kaum in Frage.