Freisinnige Miniaturen der Gemeinde “Vrijburg”, Amsterdam. Die Beiträge von Christian Modehn von Januar 2021 bis Mai 2021.

Die Gemeinde der Re­mon­s­t­ran­ten und der „Vrijzinnigen Reformierten“ in Amsterdam, de Vrijburg, hat mich eingeladen an ihren täglichen Publikationen und podcasts seit Januar 2021 teilzunehmen. Sie heißen „Vrijzinnige Miniatuuren“, also kleine Impulse zum Nachdenken und Meditieren. (siehe: https://www.vrijburg.nl) LINK

Die größte Freude in diesem Sommer: Mit anderen nachdenken! 

Am 30.5.2021

Die Pandemie ist zwar nicht vorbei, „mutierte Viren“ können sich verbreiten, aber im Augenblick erleben wir im reichen Europa eine Wende: Wir können uns im Sommer wieder mit anderen Menschen treffen, an Veranstaltungen teilnehmen, reisen. Wir dürfen sogar – falls geimpft – die Freundinnen und Freunde sanft berühren, vielleicht umarmen. Der Mensch ist eben mehr als ein Telefongespräch, mehr als eine e-mail oder das Gesicht einer Videokonferenz. Ein neues Gefühl für die Leiblichkeit könnte uns erfassen.

Manchmal fürchte ich: Der Lock-down hat uns zu abgekapselten Individualisten werden lassen: „Rühre mich nicht an“, war viele Monate das Motto. Die alten Menschen in den Heimen, die Kranken, haben darunter schwer gelitten. „Geh mir aus dem Weg“ sagten wir zu den anderen auf der Straße, auch zu Kindern: Aber gerade sie können auf körperliche Nähe gar nicht verzichten. Es wird lange dauern, bis wir Erwachsenen begreifen, was die zum Teil sehr rigiden staatlichen Bestimmungen (geschlossene Schulen!) den Kindern angetan haben.

Manche werden angesichts der bleibenden Probleme sagen: In diesem Sommer will ich alles vergessen und so leben wie „einst“. Davon halte ich gar nichts! Lebensfreude ja, aber sie muss vernünftig sein, d.h. auf unser Leben JETZT bezogen sein.

Darum habe ich mir vorgenommen: Den schönen Sommer als Zeit des gemeinsamen Nachdenkens zu gestalten. Das klingt feierlich und anspruchsvoll. Die Form ist aber sehr einfach: Wenn wir bereit sind zum Spaziergang, zur Wanderung oder zum gemeinsamen Trinken und Essen, auch im Biergarten (sagen wir in Deutschland) oder auf einer Terrasse (wie Holländer gern sagen): Dann treffen wir uns eben nicht zum gemeinsamen „Blah-Blah“, sage ich jetzt etwas polemisch, sondern zum gemeinsamen Nachdenken, zum Dialog, der uns existentiell berührt.

Ich habe drei Themenvorschläge:

Erstens: Es wurde inmitten der heftigsten Corona-Krise immer wieder von ganz bedeutenden, „system-relevanten“ Berufen gesprochen: Krankenschwestern, Pflegende und Ärzte wurden genannt: Denken wir über unser Gesundheitssystem nach, etwa die Kliniken, die ja versagt haben, weil sie als neoliberale Profit-Unternehmen geführt werden.

Sind nicht auch die Frauen und Männer an der Kasse der Supermärkte system – relevant? Haben wir uns bei ihnen bedankt? Erhalten sie jetzt einen gerechten Lohn?

Meine zweite Frage: Inwiefern waren die christlichen Gemeinden und Kirchen system-relevant? Ich kann nur von Deutschland bzw. von meiner Heimatstadt Berlin sprechen: Hier waren die meisten Kirchengebäude während der Woche geschlossen. Es gab fast keinen Ort des Rückzugs, der Stille, der privaten Lektüre, vielleicht der Orgelmusik. Von Berlin weiß ich das: Die Pastoren saßen zuhause und warteten vergeblich, dass endlich jemand ein „seelsorgerliches“ oder theologisches Gespräch sucht. Aber es kam fast niemand, höchstens, um eine Bestattung anzumelden. Die Gottesdienste am Sonntag – digital übermittelt – waren Ausnahmen der „Aktivitäten“. Die Frage wird in Deutschland debattiert: In welcher Weise werden Kirchen noch „gebraucht“?

Und ich wünsche mir drittens, dass in unseren hoffentlich zahlreichen Sommergesprächen jeder etwas von einem fernen Land erzählt, über das er oder sie sich informiert hat: Länder, die in unserer Fixierung auf die Pandemie in Deutschland oder Holland völlig vergessen wurden: Ich wünsche mir also Freunde, die etwas über die Menschen in Costa Rica gelesen haben oder in Malawi oder in Laos. Ich werde beginnen mit Berichten über Haiti, die vergessenen, die elenden Menschen dort UND über ihre großartige Literatur! Was für eine Sommerlektüre.

Die Übersetzung von Dik Mook:

Waar ik het meest zin in heb deze zomer: Nadenken met elkaar!

De pandemie is bijna voorbij, want “gemuteerde varianten” kunnen zich nog verspreiden. Gelukkig is er op dit moment even een keerpunt in ons rijke Europa: we kunnen elkaar weer ontmoeten, deelnemen aan evenementen en reizen. We mogen zelfs – mits ingeënt – onze vrienden zachtjes aanraken of knuffelen. Mensen zijn meer dan alleen een stem door de telefoontje, een e-mailbericht of een gezicht op Zoom. Een raar gevoel van ‘nabijheid’.

Soms ben ik bang: de lockdown heeft ons tot geïsoleerde individualisten gemaakt: “Raak me niet aan” is het motto. De ouderen in verpleeghuizen en zieken leden er zwaar onder. “Ga uit mijn buurt” zeiden we tegen de anderen op straat, ook tegen de kinderen: Maar vooral zij kunnen niet zonder aanraking. Het zal lang duren voordat wij volwassenen begrijpen wat sommige rigide overheidsmaatregelen, zoals gesloten scholen(!) met kinderen hebben gedaan.
Sommigen zijn het zat en willen deze zomer alles vergeten en leven als “toen”. Ik geloof er niet in! Levensvreugde ja, maar denk na, d.w.z. we moeten beseffen dat het allemaal nog niet voorbij is.

Ik heb me voorgenomen om deze mooie zomer gesprekken te voeren die er toe doen. Dat klinkt plechtig en veeleisend. Maar de vorm is heel simpel: als we samen een wandeling maken of een terrasje pakken dan geen ge-blabla, maar een serieus gesprek, een dialoog die ons existentieel raakt.
Ik stel voor om drie onderwerpen bij de kop te pakken:

Ten eerste: tijdens de heftige Corona-crisis was er steeds grote waardering voor de essentiële beroepen: Verpleegkundigen en artsen. Laten we eens nadenken over ons gezondheidssysteem dat gebaseerd is op het neoliberale denken dat ziekenhuizen ziet als bedrijven die winstgevend moeten zijn. Maar zijn de vrouwen en mannen die in de supermarkt werken niet ook essentieel? Hebben we die wel bedankt? Krijgen ze wel een eerlijk loon?

Mijn tweede onderwerp: in hoeverre waren de christelijke gemeenten en kerken essentieel? Ik kan alleen maar spreken over Duitsland, over Berlijn: hier waren de meeste kerken doordeweeks gesloten. Er was bijna geen plaats om je even in stilte terug te trekken, waar je rustig kon lezen of waar misschien orgelmuziek te horen was. Zo ging het in Berlijn: de pastoors en dominees zaten thuis en wachtten tevergeefs tot iemand eindelijk een pastoraal of theologisch gesprek zocht. Mensen kwamen hooguit om een begrafenis te regelen. De diensten op zondag -digitaal- waren de enige ‘activiteiten’. In Duitsland wordt nu gedebatteerd over de vraag: op welke manier zijn kerken nog “nodig”?

En ten derde zou ik willen dat iedereen in onze hopelijk talrijke zomergesprekken iets vertelt over een ver land waar hij of zij iets over heeft ontdekt: landen die gewoon zijn vergeten in onze fixatie op de pandemie in Duitsland of Nederland. Ik hoop op vrienden die iets hebben gelezen over mensen in Costa Rica of in Malawi of in Laos. Ik zal beginnen met verhalen over Haïti, over de vergeten en miserabel levende mensen daar èn hun geweldige literatuur!

Dat is pas stof tot nadenken.

………………………

Unser Sommer – nun ganz anders

Am 9. Mai 2021

Auch in diesem Jahr werden wir uns im Sommer wieder über die Schönheit von Bäumen und Blumen freuen. Wir brauchen diese Zeit des Aufatmens, der Poesie, vielleicht der romantischen Gefühle. Wir brauchen im Sommer die Verbundenheit mit anderen Menschen.

Und doch wissen viele: Dieser Sommer wird anders sein als noch vor einigen Jahren: Die Corona – Pandemie ist nicht überwunden und wird die Menschheit weiter belasten, zumal im armen Süden dieser Welt. Selbst wenn die meisten der 7,6 Milliarden (!) Menschen geimpft sein werden: Noch größere Probleme lassen nicht zu, naiv und fröhlich zu meinen: „Unsere alte Welt mit ihren üblichen Traditionen wird bald wieder da sein“. Für uns Europäer war es üblich, – gerade im Sommer – lange Flugreisen zu unternehme und weite Fahrten mit dem Benzin/Diesel-Auto, gedankenloser Konsum gehörte auch zum Sommerurlaub.

Aber diese alte Welt mit ihren Selbstverständlichkeiten sollte überwunden werden: Der globale Klimawandel ist die größte Herausforderung, ohne radikale Reduzierung der CO2 Werte geraten wir in eine Katastrophe. Das ist die Tatsache. Wir Menschen haben das Klima bereits so heftig verändert, dass lange Trockenzeiten im Sommer auch in meiner Umgebung, im Land Brandenburg, üblich geworden sind. Und wir Europäer können bis jetzt noch froh sein, dass uns die katastrophale Hitze noch verschont, dass uns die Wirbelstürme und Überflutungen, wie in Zentralamerika bis jetzt erspart bleiben. Diese Menschen leiden am Klimawandel, den sie als Arme, nicht verursacht haben. Klimagerechtigkeit ist ein ganz dringendes Thema, ein schönes Thema zum Studieren in diesem Sommer.

Zur Veränderung unserer Lebensgewohnheiten, auch der Urlaubsgewohnheiten, muss unbedingt das politische Engagement der Bürger und der Regierungen kommen, gegen Kohle einzutreten und für Windkraft zum Beispiel.

Ist dieser Gedanke zum Sommer nicht traurig? Ja, er ist traurig, weil unsere Fehler im Umgang mit der Natur offenbar werden. Was mich doch zuversichtlich macht: Wir können gemeinsam etwas tun, um die Spirale der Klimakatastrophe zu stoppen, dies tun wir vor allem für die kommenden Generationen. Welch eine Chance, gemeinsam, in Gruppen, für die Zukunft dieser Welt, der eigentlich ja schönen Schöpfung Gottes, einzutreten. Der Gedanke daran bereitet auch Freude bereiten, meine ich.

Die Übersetzung von Dik Mook:

Onze zomer die nu zo anders is

Ook deze zomer zullen we weer genieten van de schoonheid van bomen en bloemen. We hebben deze tijd nodig om op adem te komen. Het is de tijd voor poëzie en misschien wel voor romantische gevoelens. Zomer is de tijd om de band met andere mensen aan te halen. Het is een tijd van vriendschap.

En toch beseffen velen dat deze zomer anders zal zijn dan een paar jaar geleden. Want de coronapandemie is niet overwonnen en zal de mensheid nog heel lang blijven belasten, met name in het arme zuiden van deze wereld. Ook al zijn de meeste van de 7,6 miljard mensen straks ingeënt dan betekent dat nog niet dat we naïef en vrolijk kunnen zeggen: “Binnenkort zijn we weer terug op het oude normaal”. Voor ons Europeanen is het normaal om, vooral in de zomer, lange reizen met het vliegtuig of met een benzine- of dieselauto te maken. Onnadenkend consumeren was vroeger onderdeel van de zomervakantie… maar dat is nu voorbij.

We beseffen meer en meer dat onze traditionele verhouding tot de wereld moet worden aangepast. De wereldwijde klimaatverandering is de grootste uitdaging. Zonder een radicale vermindering van de CO2-niveaus, zullen we in een catastrofe terechtkomen. Wij mensen hebben het klimaat al zo ingrijpend veranderd dat lange tijden van droogte in de zomer gewoon zijn geworden, ook in mijn omgeving, in de deelstaat Brandenburg. De rivieren vallen droog en de gewassen op de velden verdorren.

Tot op heden kunnen Europeanen blij zijn dat hen cyclonen en overstromingen bespaard zijn gebleven, maar in Bangladesh en Midden-Amerika is dat wel anders. Daar lijden de armen enorm onder een klimaatverandering die ze zelf niet hebben veroorzaakt. We moeten eens praten over ‘klimaatrechtvaardigheid’, een mooi onderwerp om deze zomer te bestuderen …

Om onze manier van leven, inclusief vakantiegewoonten, te veranderen, is het essentieel dat wij burgers en overheden een veel groter politiek bewustzijn ontwikkelen. We moeten bijvoorbeeld kolencentrales sluiten en het gebruik van windenergie en zonnepanelen bevorderen.

Zijn mijn gedachten over de zomer triest? Ja, ze stemmen me verdrietig; onze onverantwoordelijke manier van omgaan met de natuur wordt me steeds duidelijker. Maar wat me daarentegen vertrouwen geeft, is dat we solidair kunnen zijn met elkaar en dat we samen iets kunnen doen om de neerwaartse spiraal van de klimaatramp te stoppen. Laten we dit doen uit liefde voor onze kinderen en kleinkinderen. Het is een geluk om samen te werken aan de toekomst van deze wereld, Gods schepping. En deze gedachte maakt me gelukkig.

…………………

Gerechte Herrschaft

Am 16. April 2021

Während des lock-down habe ich ein Buch entdeckt, das ich lange Zeit in meinem Bücherschrank nicht beachtet hatte. Die umfangreiche Studie „Vita activa“ der politischen Philosophin Hannah Arendt. Der Titel ist auf Niederländisch: „De menselijke conditie“.

Unter den Erkenntnissen Hannah Arendts finde ich eine Einsicht ganz aktuell: „Erst im Handeln entfaltet der Mensch alle seine Möglichkeiten. Handeln ist etwas anderes als technisches Tun oder handwerkliches Arbeiten“. Wer also „handelt“, schafft Neues, gestaltet seine Phantasie, ist schöpferisch tätig für eine bessere Zukunft.

Für Hanna Arendt steht fest: Philosophische Erkenntnis hat nur Sinn, wenn sie mit der politischen Gegenwart verbunden wird. Und das bedeutet: Wir sollten dankbar sein, in Demokratien zu leben, als handelnde Menschen Chancen zu haben. Diktaturen verbieten das freie Handeln der Menschen.

Demokratie ist eine gerechte Herrschaftsform, weil sie prinzipiell allen Menschen das Recht zugesteht, frei zu HANDELN. Nur mit frei handelnden Menschen kann sich die Demokratie als Rechtsstaat weiterentwickeln. Demokratie ist immer dann lebendig, wenn sich Gruppen bilden, die die neuen, aktuellen Probleme öffentlich aussprechen und im Handeln Auswege und Lösungen suchen.

Worauf könnte Hannah Arendt als Philosophin uns heute, in diesem universalen (!) Leiden der Pandemie, hinweisen? „Es gibt 243 demokratischen Initiativen, die unsere Unterstützung brauchen“. Diese NGOs fordern von der Welthandels-Organisation: „Hebt das Patent-Recht für die Corona – Impfstoffe auf!“ Die Armen im globalen Süden haben wie wir Anspruch, geimpft zu werden. Es müssten also Produktionsstätten von Impfstoffen im „globalen Süden“ geschaffen werden. Es kann nicht sein, dass bei diesem Menschheitsproblem die üblichen „geistigen Eigentumsrechte der Erfinder“ weiterhin gelten. Denn die Produktionsfirmen des „vaccines“ haben von öffentlichen Steuer – Geldern bereits profitiert. Jetzt ist das Gemeinwohl wichtiger als der Profit einzelner Firmen. Hannah Arendt, die von Nazis verfolgte deutsche Jüdin, wusste: In einer gerechten Herrschaft, also in einer Demokratie,  ist die Rettung des Lebens der Menschen wichtiger ist als das Festhalten an traditionellen Werten und Gesetzen, wie den Eigentumsrechten.

Diese Überzeugung ist mein Bekenntnis zu einer „freisinnigen Spiritualität“.

Die Übersetzung von Dik Mook:

Een rechtvaardige maatschappij

Tijdens de lock-down ontdekte ik in mijn boekenkast een boek dat ik lang geleden had gelezen, namelijk de uitgebreide studie “Vita activa” van de politieke filosoof Hannah Arendt. De titel is in het Nederlands: “De menselijke conditie”.Onder de bevindingen van Hannah Arendt vind ik één inzicht dat heel actueel is: “Alleen in handelen, al doende ontwikkelen mensen al hun mogelijkheden. Handelen is iets anders dan technisch dingen doen of handwerk ”. Dus degenen die “handelen” creëren wat nieuws, hebben verbeeldingskracht, en zijn scheppend bezig voor een betere toekomst.Voor Hanna Arendt is één ding zeker: filosofische kennis heeft alleen zin als het verbonden is met de politieke realiteit. En dat betekent: we zouden dankbaar moeten zijn dat we in een democratie leven en de kans krijgen daarbinnen actief te zijn. In een dictatuur kan dat niet .Democratie is een wettige vorm van machtsuitoefening omdat het principieel iedereen het recht geeft om in vrijheid te HANDELEN. Democratie als rechtsstaat kan zich alleen verder ontwikkelen door mensen die vrij handelen. Democratie leeft pas wanneer er groepen ontstaan die in het openbaar actuele problemen benoemen en actief op zoek gaan naar uitwegen en oplossingen.Wat heeft Hannah Arendt als filosoof ons vandaag te zeggen in dit universele(!) lijden tijdens de pandemie?
Er zijn 243 NGO’s die democratische initiatieven uit Zuid-Afrika en India ondersteunen die de EU oproepen het patentrecht voor de Corona-vaccins op te heffen! De armen in het zuidelijke deel van de wereld hebben, net als wij, het recht om te worden gevaccineerd. Er zouden daar dus productielocaties voor vaccins moeten komen. Het kan niet zo zijn dat het gebruikelijke “patentrecht van de uitvinders” blijft gelden tijdens dit wereldwijde probleem. Tenslotte hebben de farmaceutische bedrijven geprofiteerd van veel steun van de overheid bij de ontwikkeling van de vaccins. Nu weegt de winst van individuele bedrijven zwaarder dan het algemeen belang. Hannah Arendt, de door de Nazi’s vervolgde Duitse Jodin, wist: in een rechtvaardige samenleving, d.w.z. in een democratie, is het redden van mensenlevens belangrijker dan het vasthouden aan traditionele waarden en wetten, zoals het eigendomsrecht.

Deze overtuiging verbindt mij met de “vrijzinnige spiritualiteit”.

…………………

Die Liebe lieben

Von Christian Modehn. Am 28.3.2021

Wir alle fühlen es, wissen es: Lieben ist das Größte und Schönste, aber auch oft das Tragische und Dramatische im Leben. Liebe ist außerordentlich. Alle Worte sind zu schwach. Trotzdem können wir nie aufhören, von der Liebe zu sprechen, weil wir besser lieben und dadurch auch besser leben wollen.

Lieben beginnt immer als Verliebt-Sein: Wer verliebt ist, sucht und tastet noch, um die intime Verbundenheit mit einem anderen Menschen zu entwickeln und gemeinsam Leben zu gestalten.

Die Zeiten des Verliebt-Sein finden oft schnell wieder ein Ende, so ist das Leben… Dennoch wollen wir „unbedingt“ weiter lieben und verlieben uns erneut. Eine erstaunliche Energie bewegt uns! Glücklich ist, wem dann inmitten des Verliebtseins eine Liebe mit einem Partner geschenkt wird, die bleibt und sich entwickelt.

Aber wie kann Liebe eigentlich „bleiben“, andauern, wachsen?

Ich beziehe mich bei der Frage gern auf das wichtige Buch christlicher Weisheit, auf das Neue Testament. Und immer wieder versuche ich ein zentrales Wort Jesu von Nazareth zu verstehen, es wird im 12. Kapitel des Markus – Evangeliums mitgeteilt. Erstaunlicherweise wird dort die Liebe als ein Gebot, als eine Pflicht, empfohlen. Für Jesus von Nazareth waren Pflicht und Gebot niemals identisch mit Zwang oder Gesetz. Wie könnte man auch einen Menschen zur Liebe zwingen? Jesus von Nazareth wollte nur auf „das eine Wichtige“ im Leben hinweisen, deswegen also sprich er vom  „Gebot“. Das Zitat heißt: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit all deiner Kraft. Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als dieses“.

Zwei Erkenntnisse sind mir wichtig geworden: Die Liebe zu Gott, zum Ewigen oder zum „bergenden Sinn“, ist eins mit der Liebe zum Nächsten. Übrigens ist der Nächste im Neuen Testament immer der „andere Mensch“, also auch der Fremde genauso wie auch der Ehepartner. Wer den anderen Menschen also liebt um seiner selbst willen, mit ihm in erotischer Verbundenheit lebt, wer den anderen und die andere respektiert, nur Gutes will: Dieser Mensch liebt dabei gleichzeitig (!) Gott, den Ewigen, den Grund von allem und Schöpfer der Liebe, den bergenden Sinn. Dies ist nicht immer bewusst, aber wir sagen doch: „Die Liebe ist himmlisch“.

Und ein anderer Gedanke ist mir wichtig: Der Weisheitslehrer Jesus sagt: Wir haben auch

die Pflicht, uns selbst zu lieben. Damit plädiert er gewiss nicht für den Egoismus. Wer sich selbst liebt, der kann sich annehmen, so wie er ist. Der oder die respektiert sich selbst, verlangt für sich selbst geistige und emotionale Entwicklung, wie er oder sie dies auch vom Partner erwartet. Nur der reife Mensch, der sich selbst liebt, kann den anderen lieben.

Die Übersetzung von Dik Mook:

Volwassen liefde

We voelen het allemaal, we weten het: liefhebben is het grootste en mooiste in ons leven, maar vaak ook tragisch en dramatisch. Liefde is zo iets bijzonders. Woorden schieten tekort. Toch kunnen we niet ophouden om er over te praten. Kunnen wij liefdevoller leven?

Liefde begint altijd met ‘verliefd zijn’. Wie verliefd is, zoekt en tast nog naar een intieme band met een ander. Om vervolgens het leven samen vorm te geven.

De tijden van verliefdheid eindigen vaak snel, zo is het leven … En toch willen we onvoorwaardelijk blijven liefhebben en ook opnieuw verliefd worden. Een geweldige energie komt in ons los! Het is een geluk als zich tijdens de verliefdheid een blijvende liefde ontwikkelt.

Hoe ‘blijft’ de liefde, hoe houdt de liefde het vol en hoe blijft die groeien?

Graag verwijs ik naar het belangrijke boek van christelijke wijsheid, het Nieuwe Testament. Daarin probeer ik een essentiële tekst van Jezus van Nazareth te begrijpen, uit het Evangelie van Marcus. Verbazingwekkend genoeg wordt liefde daar als een gebod gepresenteerd, als een plicht. Voor Jezus waren plicht en gebod nooit identiek aan dwang of wet. En hoe kun je ook iemand dwingen lief te hebben? Jezus wilde dan ook alleen maar wijzen op ‘het enige belangrijke’ in het leven, daarom spreekt hij van ‘gebod’. Er staat: “Je zult de Heer, je God, liefhebben met al je kracht. Ten tweede moet je je naaste liefhebben als jezelf. Geen enkel ander gebod is groter dan dit ”.

Twee inzichten zijn voor mij belangrijk geworden: De liefde voor God, voor het eeuwige of voor ‘de reden van alles’, is hetzelfde als de liefde voor de naaste. Overigens is in het Nieuwe Testament de naaste altijd de ander, zowel de vreemdeling als de echtgenoot inbegrepen. Wie de ander dus liefheeft omwille van zichzelf, in een erotische band met de ander leeft, in wederzijds respect en alleen het goede wil, houdt tegelijkertijd (!) van God, de Eeuwige, ‘de reden van alles’ en schepper van de Liefde, het ‘verborgene’. Dit ben je je niet altijd bewust, maar we zeggen toch ook: “Liefde is hemels”.

Nog een andere gedachte is belangrijk voor mij: de wijsheidsleraar Jezus zegt “we hebben ook de plicht om van onszelf te houden”. Hij pleit zeker niet voor egoïsme. Degenen die van zichzelf houden, kunnen zichzelf accepteren zoals ze zijn. Die persoon respecteert zichzelf, eist mentale en emotionele ontwikkeling van zichzelf èn van de partner. Alleen als je van je zelf houdt, kan je van de ander houden. Dat is volwassen liefde.

……………………

Wo bleibt die Freude?

Am 6.3.2021

Wenn ich über die Freude nachdenke, dann wird mir zunächst meine Kindheit wieder bewusst: Die Freude auf ein bevorstehendes schönes Ereignis, also die „Vorfreude“, veränderte meine Stimmung, weckte die Phantasie: Vor allem die Vorfreude auf Geburtstagsfeiern in der Familie oder auf „Heilig Abend“ mit den Geschenken. Die Vorfreude war also die Erwartung, auch die Hoffnung, bald an einem „besonderen“, einem erhebenden Ereignis teilzunehmen. Für eine begrenzte Zeit sollte es nur Gutes, Angenehmes, Lichtvolles, geben.

Auch jetzt, im Alter, will ich nicht auf die Vorfreude verzichten, sie weckt immer die Lebensenergie. In Corona – Zeiten ist die Vor- Freude allerdings sehr reduziert. Die Welt unserer Gedanken ist jetzt so klein geworden durch das ständige Reden von Impfen, Masken, Abstandhalten und so weiter. Aber die Vorfreude bleibt: Bald wieder Freunde zu treffen, sie zu umarmen. Oder die Vor-Freude auf einen Konzertbesuch oder auf eine Reise ans Meer. Im Augenblick ist das alles noch in weiter Ferne. Und alle Vernünftigen wissen: So wie es einmal war, „vor Corona“, wird es nie mehr werden. Corona wird die Menschen weltweit „begleiten“. Trotzdem sollten wir uns die Lebensfreude bewahren.

Der Gedanke an die „Vorfreude einst“ hilft schon weiter: In welcher Stimmung war ich eigentlich, als die „erfreulichen Ereignisse“ wieder vorbei waren? Das Wort „Nach-Freude“, analog zu “Vor-Freude“, gibt es nicht. Aber auch ohne den Begriff „Nach-Freude“ steht fest:  Einige Erinnerungen bleiben, wenn die vergangenen Erlebnisse wirklich Freude machten und Licht ins Leben brachten oder zeigten, was gut und was schön ist.

Die erfreulichen Ereignisse, die mir die Stimmung der Freude schenkten, waren schon damals selten. Ist das Leben also, im ganzen betrachtet, doch eher eine Last, unterbrochen von gelegentlicher Freude? Sollen wir uns mit diesem Gedanken abfinden? Oder gilt die Wahrnehmung: Dass wir im Alltag immer kleine, bescheidene Ereignisse als Freude erleben und als Freude auch deuten! Das Lächeln des Fremden, das liebende Berühren des/der Geliebten, die kleine frische Pflanze in der Winterlandschaft, die neue Idee in Philosophie oder Literatur oder die berühmten japanischen Haiku-Sprüche. Ich bin überzeugt: Dabei wird uns die Erkenntnis geschenkt: Das Leben ist nicht nur eine Last. Wenn wir unser alltägliches Leben „trotz allem“ sinnvoll empfinden, dann kann Freude wie eine schöne „Begleitmusik“ unser Leben bestimmen, man spricht im Deutschen von „Heiterkeit“.

Freude ist für mich die Wahrnehmung, dass das Leben sinnvoll ist. Und Freude ist dann etwas anderes als „Spaß-Haben“. Beim Spaß-Haben herrscht das Lachen vor, der Witz, das Alberne. Auch das ist wichtig und manchmal heilsam. Aber wie hilfreich und heilsam ist die Freude? Ich meine: Es ist das Geborgensein in einem tieferen Sinn, den wir nicht umfassen, nicht definieren können. Religiöse Menschen sagen gern: Es ist das geistvolle Leben in Verbindung mit „dem Ewigen“.

Die Übersetzung von Dik Mook:
Waar is de vreugde gebleven?

Als ik aan vreugde denk, denk ik terug aan mijn jeugd, aan de blijdschap van een aanstaande mooie gebeurtenis, aan de “voorpret”. Die veranderde mijn humeur en prikkelde mijn verbeelding. Vooral de verwachtingen van verjaardagsfeestjes in de familie of van “Kerstavond” met de cadeautjes maakten mij blij. De voorpret zat dus in de verwachting, en in de hoop binnenkort deel te nemen aan een “speciaal”, een vrolijk evenement. Voor een korte tijd zouden er alleen fijne, prettige, lichte dingen zijn.

Zelfs nu, op oudere leeftijd, kan ik niet zonder voorpret. Het geeft altijd energie. In Corona-tijden is de voorpret veel minder geworden. Onze gedachtewereld is zo klein geworden door het constant praten over vaccinaties, maskers, afstand bewaren en zo. Maar de voorpret blijft. Binnenkort gaan we weer vrienden ontmoeten en ze omarmen. Of de voorpret op een concert of op een vakantie aan zee. Op dit moment is dit allemaal nog ver weg. En alle verstandige mensen weten het: zoals het vroeger was, voor Corona, zal het nooit meer zijn. Corona zal over de hele wereld bij ons blijven. Ondanks alles zullen we onze levensvreugde moeten behouden.

De gedachte aan de “voorpret van toen” helpt al. Hoe voelde ik me toen de “gelukkige gebeurtenissen” weer voorbij waren? Alleen die herinneringen blijven die echte blijdschap gaven en licht in het leven brachten, lieten zien wat goed en wat mooi is. Napret zullen we maar zeggen.

De gelukkige gebeurtenissen die me vrolijk stemden, waren toen ook al zeldzaam. Is het leven dus over het algemeen meer een last, onderbroken door af en toe geluk? Moeten we deze gedachte accepteren? Of is het zo, dat bescheiden gebeurtenissen in het dagelijks leven ons ook vrolijk stemmen en dat we die interpreteren als vreugde! De gebeurtnissen als de glimlach van een vreemde, de liefdevolle aanraking van geliefden, het kleine frisse plantje in het winterlandschap, het nieuwe idee in de filosofie of literatuur of de beroemde Japanse haiku-spreuken. Ik ben ervan overtuigd dat dit ons het inzicht geeft dat het leven niet alleen een last is. Als we ons dagelijks leven ondanks alles als betekenisvol beschouwen, dan kan vreugde als mooie ‘begeleidende muziek’ ons leven bepalen. In het Duits spreekt men dan van ‘Heiterkeit’.

Voor mij is vreugde dat je merkt dat het leven zinvol is. En vreugde is dan iets anders dan “lol hebben”. Als je lol hebt, overheerst lachen, grappen maken en gek doen. Ook dat is belangrijk en soms heilzaam. Maar hoe nuttig en helend is de vreugde? Ik bedoel: het is het gevoel van veiligheid in diepere zin dat we niet kunnen bevatten, niet kunnen definiëren. Religieuze mensen zeggen dan graag: het is het geestelijk leven dat in verbinding staat met het eeuwige, de Eeuwige.

………………..

Bin ich besonnen?  13.2.2021

Am 13.2.2021

Wie fastest du eigentlich? So werde ich manchmal gefragt in den Wochen vor Ostern, die in den Kirchen als „Fastenzeit“ gelten. Für mich bedeutet „Fastenzeit“ vor allem: Tage intensiven Nachdenkens, zum Beispiel über die guten alten, aber nicht veralteten Tugenden. Ohne Tugenden kein humanes Leben, sagte schon Aristoteles sehr richtig. Und nun kommt der Vorschlag, über die Frage nachzudenken: Bin ich besonnen, sind wir besonnen? Ein gutes Thema in dieser Fastenzeit 2021!

Wenn ein kleiner sprachphilosophischer Hinweis erlaubt ist: Im deutschen Wort „besonnen“ wie im niederländischen „bezonnen“ ist doch offensichtlich der Begriff „Sonne“ enthalten. Das bedeutet: Erst im Licht, in der Helligkeit und Klarheit, können wir wahrhaftig leben, also das richtige Maß finden im Umgang mit der Welt und den Menschen, kurz: besonnen sein.

Im hellen Licht denken und das Denken selbst als Licht erleben: Auf diese Weise kommen wir zu klaren Erkenntnissen. Im Dunkel und inmitten von Schatten bilden sich Verschwörungstheorien, menschenfeindliche Ideologie, religiöse Verirrungen. Besonnenheit ist Klarheit. „Seid Kinder des Lichts“ ermahnte Paulus in dem ältesten Text des Neuen Testaments (1. Thessalonicher-Brief) die Christen. Man sollte modern übersetzen: „Seid besonnen, denkt klar. Lernt das Unterscheiden!“ Und das wiederum bedeutet: „Seid kritisch und selbstkritisch“.

Ein besonnenes Leben zu führen ist schwierig. Wer besonnen ist, liebt ja nicht die angeblich „goldene Mitte“, die es allen recht machen will. Besonnenes Leben liebt nicht die Anpassung an herrschende Trends. Ein besonnener Mensch greift ein, wenn große Not ist, er leistet Widerstand, wenn Unrecht geschieht. Und handelt zur richtigen Zeit, nicht zu spät. Besonnene Menschen wissen, wenn wir jetzt nicht handeln, tut es keiner. Aktuell muss ich an vorbildlich besonnene Menschen denken: Sie setzen sich seit Jahren in Deutschland dafür ein, dass gerechte, also humane  Arbeitsbedingungen in den Fabriken von Bangladesh gelten, dort mussten sie für einen Hungerlohn für Firmen in Deutschlang Kleidung nähen. Es war zunächst ein aussichtsloser Kampf. Der Widerstand der deutschen Wirtschaft und der mit ihr verbundenen Politiker war groß: Aber jetzt haben diese engagierten Gruppen einen Sieg errungen! Weil sie besonnen waren: Sie sahen die Not und bewahrten ihren Mut.

Ich habe diese Gruppen (wie zum Beispiel „Inkota“ in Berlin) unterstützt. Aber kann ich schon als besonnen gelten, wenn ich diese Engagierten bloß finanziell unterstütze? Vielleicht, nur ansatzweise. Ich habe gelernt: Wer besonnen sein will, muss sich auch mit seinem Gewissen auseinandersetzen. Und sich prüfen: Wie bequem ist mein Sprechen und Schreiben? Und: Was sollte ich tun?

Die Übersetzung von Dik Mook:

Bin ich besonnen? Hoe kom ik tot bezinning?

“Hoe vast jij eigenlijk?” wordt mij als Duitser vaak gevraagd in de weken voor Pasen, de zogenaamde “vastentijd”. Voor mij betekent ‘vasten’ vooral: intensieve reflectie, bijvoorbeeld over de goede oude maar niet verouderde deugden. “Zonder deugden geen menswaardig bestaan”, zei Aristoteles terecht. Besonnenheit  of in het Nederlands, bezinning is zo’n deugd. Doen we voldoende aan bezinning en reflectie? Iets om over na te denken in deze vastentijd.

Als ik filosofeer over het Duitse woord Besonnenheit denk ik aan zon, denk ik aan licht, dat we pas in het licht, in de helderheid waarachtig kunnen leven. En dat we dàn pas de juiste verhouding tot de wereld en onze medemensen vinden; tot het leven zoals het bedoeld is. Bezinning vraagt om licht.

Door in het licht na te denken en het denken zelf als licht te ervaren, komen we tot heldere gedachtes.

In het donker en in de schaduw groeien complottheorieën, vijandige ideologieën en religieuze dwalingen. Bezinnen betekent helder zijn.
“Weest kinderen van het licht” vermaande Paulus in de oudste tekst van het Nieuwe Testament (1e brief aan de Tessalonicenzen). In deze tijd zou je zeggen: Bezin je, denk helder, leer te onderscheiden!  En daaruit volgt: Wees kritisch, ook op jezelf.

Een besonnen, bezinnend leven lijden is niet makkelijk. Wie nadenkt zoekt niet de “gulden middenweg” die met alles en iedereen rekening houdt.  Een mens die zich bezint, wil geen aanpassing aan heersende trends. Nee, die grijpt in als er ergens grote nood is, verzet zich wanneer er onrecht is en handelt op het juiste moment.

Ik moet denken aan besonnen mensen die een voorbeeld voor mij zijn. Zij zetten zich al jaren in voor eerlijke, humane arbeidsomstandigheden in de naaiateliers van Bangladesh, waar voor een hongerloon kleding geproduceerd wordt. Het leek een hopeloze strijd want het verzet van de Duitse economie met de bijbehorende politici was groot. En toch hebben deze geëngageerde groepen een overwinning behaald! Door zich te blijven bezinnen, bleven ze de nood zien en hielden de moed erin.
Ik steun deze groepen (zoals ‘Inkota’ in Berlijn) met geld. Maar mag ik als een bezinnend/besonnen mens worden beschouwd als ik deze toegewijde mensen alleen financieel ondersteun? Misschien een beetje.

Ik heb geleerd dat als je echt een besonnen, bezinnend mens wil zijn, ook je geweten moet onderzoeken. Erover praten en schrijven is soms te makkelijk en niet genoeg.

De vraag blijft: Wat doe je er aan!

…………………

So schön“

Am 23.1.2021

Im Titel dieser Miniatur „So schön“ höre ich meine Stimme: Sie drückt Erstaunen aus, innere Bewegung und Begeisterung: „So schön“. Bei einem Spaziergang im „Tiergarten“, einem großen Berliner Park, gelange ich unversehens zu einem See. Die Äste der Linden, ihre Blüten, spiegeln sich im Wasser. Auf der schmalen Holzbrücke verweile ich im Sonnenlicht. Die Zeit steht still: „Wie schön“. Wie von selbst kommen die Worte, ein schwacher, beinahe hilfloser Ausdruck für eine tiefe Erfahrung: In der Natur geborgen zu sein. Später frage ich mich: Bin ich nun unversehens ein Romantiker geworden? Ich habe aber nur erlebt, dass nicht alles in dieser großen Stadt aus Stein und Beton besteht, dass die Hektik nicht total ist. Vor allem: Dass wir uns das Schöne als Verbundenheit mit der Natur unbedingt bewahren müssen.

„So schön“: An diese Worte erinnere ich mich, als ich vor einigen Monaten in der Gemäldegalerie in Dresden die „Sixtinische Madonna“ von Raffael betrachtete: Eine Gruppe junger Frauen konnte ihre Begeisterung nicht verschweigen: „So schön“ riefen sie. Ihr Lehrer belehrte sie, dass prominente Leute hier einst in Tränen ausbrachen, der Dichter Friedrich Hebbel etwa oder der dänische Philosoph Henrik Steffens. Ich habe das berühmte Opus von Raffael ohne Tränen wieder verlassen, für mich gibt es zu viel Kult und Propaganda um diese Madonna.

„So schön“: Jeder und jede kann zu allen nur denkbaren Erlebnissen mit Kunst, Musik, Literatur zu einem eigenen ästhetischen Urteil kommen. Eindeutige und universal geltende Definitionen des Schönen gibt es wohl nicht. Wir werden niemanden verurteilen, der Kitsch noch schön findet. Es ist aber die Frage, wie man den „schön schreibenden“ „berühmten“ Schriftsteller Ernst Jünger beurteilen soll: Er hat die Schlachten im Ersten Weltkrieg tatsächlich als schön beschrieben und sogar „die Wollust des Blutes“ gepriesen.

Ich stelle mir jetzt öfter die Frage: Hat die Erfahrung von Schönheit auch die Kraft, Leben zu gestalten, die Gesellschaft menschlicher zu machen? Oder führt die Erfahrung des Schönen, „der Kunstgenuss“, nur zur Fixierung auf das eigene Ego? Wird das Schöne also auch als ethisch gut erlebt? Ist vielleicht aber das ethisch Gute immer auch schön?

Bei einem Winterspaziergang vor kurzem, wieder im Berliner Park „Tiergarten“: Bei großer Kälte haben Helfer der „Evangelischen Berliner Stadtmission“ einen Obdachlosen auf einer Bank entdeckt. Er war eingeschlafen, dem Erfrieren nahe. Sanft weckten ihn die beiden jungen Männer, sprachen eine Weile mit ihm, trugen ihn, schon fast erfroren, in ihren „Kältebus“ und fuhren ihn zu einer warmen Unterkunft. Dort stehend, erinnerte ich mich an den Bericht vom m „barmherzigen Samariter“ und dachte an Rembrandts Gemälde.

Die Schönheit des Gutes gilt es zu entdecken. Haben wir die ungewöhnliche Schönheit der Menschen entdeckt, die in diesen Corona-Zeiten den Leidenden helfen?

Die Übersetzung von Dik Mook:  Thema: Zo mooi

In de titel van deze miniatuur hoor ik mijn eigen stem als ik vol verbazing en enthousiasme uitroep: “Zo mooi”. Al wandelend in ‘Tiergarten’, een groot Berlijns park, zie ik ineens een meer. De takken van de lindebomen en bloesems worden weerspiegeld in het water. Ik blijf staan op de smalle houten brug en geniet van het zonnetje. De tijd staat stil: “Wat mooi”. De woorden komen vanzelf, een zwakke, bijna hulpeloze uitdrukking voor een diepe ervaring, ‘Je geborgen weten in de natuur’. Later vraag ik me af of ik ineens romantisch ben geworden. Nee, ik heb alleen ervaren dat niet alles in deze grote stad van steen en beton is, dat de hectiek niet totaal is. Bovenal: dat we de schoonheid van onze verbondenheid met de natuur absoluut moeten behouden.

“Zo mooi”: ik herinner me deze woorden toen ik een paar maanden geleden in de Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden naar Rafaels “Sixtijnse Madonna” keek. Een groep jonge vrouwen kon hun enthousiasme niet verbergen: “Zo mooi” riepen ze. Hun leraar vertelde hen dat prominente mensen als de dichter Friedrich Hebbel en de Deense filosoof Henrik Steffens hier ooit in tranen uitbarstten. Ik verliet Raphaels beroemde schepping zonder tranen, er is voor mij te veel cultus en propaganda om deze Madonna heen gebouwd.

“Zo mooi”: Iedereen kan tot een eigen esthetisch oordeel komen over alle denkbare ervaringen met kunst, muziek en literatuur. Er zijn waarschijnlijk geen duidelijke en universeel geldige definities van schoonheid. We zullen niemand veroordelen die kitsch mooi vindt. Maar de vraag is hoe men bijvoorbeeld de beroemde schrijver Ernst Jünger, die “prachtig” schreef, moet beoordelen: hij beschreef de veldslagen van de Eerste Wereldoorlog werkelijk als mooi en prees zelfs de “lust naar bloed”.

Ik stel mezelf nu vaker de vraag: heeft de ervaring van schoonheid ook de kracht om het leven vorm te geven, om de samenleving menselijker te maken? Of leidt de ervaring van schoonheid, het genieten van kunst alleen maar tot een fixatie op het eigen ego? Kan je schoonheid als ethisch goed ervaren? Maar is het ethisch goede ook altijd mooi?
Tijdens een winterwandeling onlangs, terug in het Berlijnse park ‘Tiergarten’, toen het erg koud was, zag ik dat mensen van de Evangelical Berlin City Mission een dakloze man aanspraken op een bankje. Hij sliep, was bijna doodgevroren. De twee jonge mannen maakten hem zachtjes wakker, praatten een tijdje met hem, droegen hem naar hun hulpverleners-bus en brachten hem naar de opvang waar het warm was. Toen ik daar stond, herinnerde ik me het bijbelverhaal van de ‘barmhartige Samaritaan’ en dacht ik aan het schilderij dat Rembrandt daarvan maakte.

De schoonheid van het goede is de moeite van het ontdekken waard. Hebben we de bijzondere schoonheid wel ontdekt van de hulpverleners die mensen helpen die lijden in deze Coronatijd?

…………………………………………..

„Der Alltag ist grau“.

Am 4.1.2021

Zu Beginn eines neuen Jahres hatte ich oft die Überzeugung: Jetzt geht wieder der graue Alltag los, ein Leben, bestimmt von Routine und Monotonie, ohne Höhepunkte und besondere Feste. Grau galt für mich als eine Farbe ohne Glanz, matt, unauffällig, unpersönlich.

Ein grauer Schleier legte sich über alles. Grau erzeugte eine melancholische Stimmung. In vielen europäischen Sprachen wird das Leben im Einerlei und in der Langeweile „grauer Alltag“ genannt.

Zum Jahresbeginn 2021 hat sich meine Meinung über den grauen Alltag geändert. Und das hat mit dem Corona -Virus zu tun: Die Pandemie hat sehr vielen Menschen einen ganz neuen Alltag aufgezwungen: Mit anderen Formen der Kommunikation, mit dem Verlust leiblicher Berührung, mit der nervösen Achtsamkeit auf alle neuen Forschungsergebnisse usw. Viel schlimmer noch das alltägliche Ringen um wirksame Hilfe für die Erkrankten und Beistand für die Sterbenden. Dieser Alltag mit dem Virus ist alles andere als Routine.  Aber auch dieser Alltag ist grau. Und ich mache die Entdeckung: Die Farbnuancen werden deutlicher wahrgenommen. Die Farbe Grau zeigt mir heute viele Facetten. Früher, in den so genannten „normalen Jahren“ war der graue Alltag bestimmt von Arbeit, Stress, Wettbewerb, das Leben war eingespannt von Terminen und Verabredungen. Der Alltag ließ wenig Freiheit, wenig Raum bot für Phantasie, Spiel und Liebe, Solidarität.

Und nun der angstvolle Corona – Alltag. Er ist grau auf andere Art und erinnert uns daran, dass die Farbe Grau eine Mischung ist aus Weiß und Schwarz. Manchmal neigt unsere Erfahrung mit der „grauen Stimmung“ mehr zum Schwarzen, zum Dunklen, zum Hoffnungslosen, manchmal aber mehr zum Licht, zur Hoffnung, dafür steht die Farbe Weiß. Der Impfstoff jetzt sollte mit der Farbe Weiß verbunden werden.

Es gibt in unserem grauen Alltag jetzt also ein Hin und Her zwischen Hoffnung und Verzweiflung.  Die angeblich langweilige Farbe Grau zeigt sich jetzt existentiell vielfältig, das beruhigende Silbergrau, das warme Anthrazit oder das hoffnungsvolle Blaugrau. Mit der richtigen Mischung ist Grau eine Farbe von einer gewissen Schönheit. Sie führt nicht unbedingt zur Heiterkeit, aber sie weckt die Erkenntnis: Unser Leben bewegt sich ständig in verschiedenen Grautönen. Aber damit wir diese erkennen, brauchen wir immer das Licht, brauchen wir immer Helligkeit. Und das drückt die Farbe Weiß aus.

Das Lichtvolle, das Weiße, ermöglicht also unser Leben. Nur weil es das Lichtvolle, das Weiße, gibt, können wir überhaupt das Dunkle, das Schwarze, als solches wahrnehmen. Wahrscheinlich ist der Sinn unseres Lebens, das Lichte, das Weiße, zu lieben und zu fördern. Dabei aber zu wissen: Unser Alltag spielt sich in Grautönen ab.

Die Übersetzung von Dik Mook: Alledaags. Is het leven van alle dag grijs, kleurloos?

Aan het begin van een nieuw jaar dacht ik vroeger vaak:

Nu begint het kleurloze, grijze dagelijkse leven weer, een leven dat bepaald wordt door routine en eentonigheid, zonder hoogtepunten en bijzondere feesten.

Grijs was voor mij een kleur zonder glans, mat, onopvallend, onpersoonlijk. Over alles viel dan een grauwsluier. Het zorgde voor een melancholische stemming. Ook in veel Europese talen heet het leven in eentonigheid en verveling ook ‘grijze alledaagsheid’.

Begin 2021 is mijn mening over die grijze alledaagsheid veranderd. En dat heeft te maken met het coronavirus.

De pandemie heeft aan veel mensen een heel nieuw leven van alledag opgedrongen: met andere vormen van communicatie, met het verlies van fysiek contact, met de nerveuze berichtgeving over alle nieuwe onderzoeksresultaten, of erger nog, de alledaagse strijd om effectieve hulp voor zieken en steun voor stervenden, en die is allesbehalve routine. Toch is ook dit dagelijkse leven grijs. Maar ik ontdek dat er kleurnuances in het grijs zitten.

Aan de ene kant vult Corona ons dagelijkse leven met angst. Aan de andere kant ontstaat solidariteit, zijn er nieuwe pogingen om gemeenschap te zijn, spiritualiteit uit te bereiden en kerkdiensten anders vorm te geven…

‘Grijs’ is een mengeling is van wit en zwart. Soms neigt onze ‘grijze stemming’ meer naar zwart, naar het donker, naar het hopeloze, maar soms ook meer naar het licht, naar hoop; hoop waar de kleur wit voor staat.

Het vaccin moeten we nu associëren met dat wit.

In ons grauwe alledaagse leven worden we nu heen en weer geslingerd tussen hoop en wanhoop. De zogenaamd saaie kleur grijs is dus existentieel divers. Van rustgevend zilvergrijs, warm antraciet tot hoopvol blauwgrijs. Met de juiste mix is grijs een kleur van een zekere schoonheid. Het leidt niet noodzakelijk tot opgewektheid, maar het wekt het besef dat ons leven voortdurend verandert in verschillende grijstinten.

Om dit te kunnen herkennen, hebben we altijd licht nodig, en we hebben helderheid nodig. Dat is wat de kleur wit uitdrukt.

Het licht, het wit maakt het ons mogelijk te leven. Alleen omdat het volle licht, het wit bestaat, kunnen we het donker, het zwart waarnemen.
In het besef dat ons dagelijks leven zich in grijstinten afspeelt, kunnen we tot het inzicht komen dat het de zin van ons leven is om van het licht, en dus van het wit te houden en dat idee met anderen te delen.

In deze ontmoeting van bewegende grijstinten komt in ons het verlangen op naar veelzijdigheid, naar een kleurrijk en fantasievol leven met spel, kunst, religie, eros, en… met solidariteit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Miniaturen: “Vom Verlangen, berührt zu werden”. Eine Initiative der Gemeinde “de Vrijburg” in Amsterdam

Miniaturen: Vom Verlangen, berührt zu werden

Von Christian Modehn

Die Gemeinde der Re­mon­s­t­ran­ten in Amsterdam „de Vrijburg“ kooperiert mit den „Freisinnigen Protestanten“ innerhalb der Protestantischen Kirche der Niederlande. Diese Gemeinde hat seit Herbst 2020 täglich kurze Meditationen, Impulse, Anregungen publiziert als podcasts, die jeder abonnieren kann. Sie stehen unter dem Titel „Vom Verlangen, berührt zu weren“. Dik Mook von der Re­mon­s­t­ran­ten Gemeinde hat diese Initiative koordiniert unter dem Titel „Vrijzinnige Miniatuuren“. Christian Modehn wurde eingeladen, sich an diesem Projekt zu beteiligen. Seine kurzen Miniaturen wurden aus dem Deutschen von Dik Mook übersetzt.

Publiziert an 1.2.2021:

“So schön…”

Von Christian Modehn

Im Titel dieser Miniatur „So schön“ höre ich meine Stimme: Sie drückt Erstaunen aus, innere Bewegung und Begeisterung: „So schön“. Bei einem Spaziergang im „Tiergarten“, einem großen Berliner Park, gelange ich unversehens zu einem See. Die Äste der Linden, ihre Blüten, spiegeln sich im Wasser. Auf der schmalen Holzbrücke verweile ich im Sonnenlicht. Die Zeit steht still: „Wie schön“. Wie von selbst kommen die Worte, ein schwacher, beinahe hilfloser Ausdruck für eine tiefe Erfahrung: In der Natur geborgen zu sein. Später frage ich mich: Bin ich nun unversehens ein Romantiker geworden? Ich habe aber nur erlebt, dass nicht alles in dieser großen Stadt aus Stein und Beton besteht, dass die Hektik nicht total ist. Vor allem: Dass wir uns das Schöne als Verbundenheit mit der Natur unbedingt bewahren müssen.

„So schön“: An diese Worte erinnere ich mich, als ich vor einigen Monaten in der Gemäldegalerie in Dresden die „Sixtinische Madonna“ von Raffael betrachtete: Eine Gruppe junger Frauen konnte ihre Begeisterung nicht verschweigen: „So schön“ riefen sie. Ihr Lehrer belehrte sie, dass prominente Leute hier einst in Tränen ausbrachen, der Dichter Friedrich Hebbel etwa oder der dänische Philosoph Henrik Steffens. Ich habe das berühmte Opus von Raffael ohne Tränen wieder verlassen, für mich gibt es zu viel Kult und Propaganda um diese Madonna.

„So schön“: Jeder und jede kann zu allen nur denkbaren Erlebnissen mit Kunst, Musik, Literatur zu einem eigenen ästhetischen Urteil kommen. Eindeutige und universal geltende Definitionen des Schönen gibt es wohl nicht. Wir werden niemanden verurteilen, der Kitsch noch schön findet. Es ist aber die Frage, wie man den „schön schreibenden“ berühmten Schriftsteller Ernst Jünger beurteilen soll: Er hat die Schlachten im Ersten Weltkrieg tatsächlich als schön beschrieben und sogar „die Wollust des Blutes“ gepriesen.

Ich stelle mir jetzt öfter die Frage: Hat die Erfahrung von Schönheit auch die Kraft, Leben zu gestalten, die Gesellschaft menschlicher zu machen? Oder führt die Erfahrung des Schönen, „der Kunstgenuss“, nur zur Fixierung auf das eigene Ego? Wird das Schöne also auch als ethisch gut erlebt? Ist vielleicht aber das ethisch Gute immer auch schön?

Bei einem Winterspaziergang vor kurzem, wieder im Berliner Park „Tiergarten“: Bei großer Kälte haben Helfer der „Evangelischen Berliner Stadtmission“ einen Obdachlosen auf einer Bank entdeckt. Er war eingeschlafen, dem Erfrieren nahe. Sanft weckten ihn die beiden jungen Männer, sprachen eine Weile mit ihm, trugen ihn, schon fast erfroren, in ihren „Kältebus“ und fuhren ihn zu einer warmen Unterkunft. Dort stehend, erinnerte ich mich an den Bericht vom m „barmherzigen Samariter“ und dachte an Rembrandts Gemälde.

Die Schönheit des Gutes gilt es zu entdecken. Haben wir die ungewöhnliche Schönheit der Menschen entdeckt, die in diesen Corona-Zeiten den Leidenden helfen?

Geschreven door Christian Modehn
Voorgelezen door Gert van Drimmelen
Geluidsmontage Seth Mook

Thema: Zo mooi

Zo mooi

In de titel van deze miniatuur hoor ik mijn eigen stem als ik vol verbazing en enthousiasme uitroep: “Zo mooi”. Al wandelend in ‘Tiergarten’, een groot Berlijns park, zie ik ineens een meer. De takken van de lindebomen en bloesems worden weerspiegeld in het water. Ik blijf staan op de smalle houten brug en geniet van het zonnetje. De tijd staat stil: “Wat mooi”. Deze woorden die als vanzelf in mij opkomen zijn een zwakke, bijna hulpeloze uitdrukking van de diepe ervaring, ‘Je geborgen te weten in de natuur’. Later vraag ik me af of ik ineens romantisch ben geworden maar nee, ik heb alleen ervaren dat niet alles in deze grote stad van steen en beton is, dat de hectiek niet totaal is. En bovenal: dat we de schoonheid van onze verbondenheid met de natuur absoluut moeten behouden.

“Zo mooi”: ik herinner me deze woorden toen ik een paar maanden geleden in de Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden naar Rafaels “Sixtijnse Madonna” keek. Een groep jonge vrouwen kon hun enthousiasme niet verbergen: “Zo mooi” riepen ze. Hun leraar vertelde hen dat prominente mensen als de dichter Friedrich Hebbel en de Deense filosoof Henrik Steffens hier ooit in tranen uitbarstten. Ik verliet Raphaels beroemde schepping zonder tranen, er is voor mij te veel cultus en propaganda om deze Madonna heen gebouwd.

“Zo mooi”: Iedereen kan tot een eigen esthetisch oordeel komen over alle denkbare ervaringen met kunst, muziek en literatuur. Er zijn waarschijnlijk geen duidelijke en universeel geldige definities van schoonheid. We zullen niemand veroordelen die kitsch mooi vindt. Maar de vraag is hoe men bijvoorbeeld de beroemde schrijver Ernst Jünger, die “prachtig” schreef, moet beoordelen: hij beschreef de veldslagen van de Eerste Wereldoorlog werkelijk als mooi en prees zelfs de “lust naar bloed”.
Ik stel mezelf nu vaker de vraag: heeft de ervaring van schoonheid ook de kracht om het leven vorm te geven, om de samenleving menselijker te maken? Of leidt de ervaring van schoonheid, het genieten van kunst alleen maar tot een fixatie op het eigen ego? Kan je schoonheid als ethisch goed ervaren? Maar is het ethisch goede ook altijd mooi?

Tijdens een winterwandeling onlangs, terug in het Berlijnse park ‘Tiergarten’, toen het erg koud was, zag ik dat mensen van de protestantse ‘StadtMission’ in Berlijn een dakloze man aanspraken op een bankje. Hij sliep, was bijna doodgevroren. De twee jonge mannen maakten hem zachtjes wakker, praatten een tijdje met hem, droegen hem naar hun hulpverleners-bus en brachten hem naar de opvang waar het warm was. Toen ik daar stond, herinnerde ik me het bijbelverhaal van de ‘barmhartige Samaritaan’ en dacht ik aan het schilderij dat Rembrandt daarvan maakte.

De schoonheid van het goede is de moeite van het ontdekken waard. Hebben we de bijzondere schoonheid wel ontdekt van de hulpverleners die mensen helpen die lijden in deze Coronatijd?

gepubliceerd op 1 februari 2021

siehe auch: https://soundcloud.com/vrijburg-amsterdam/vrijzinnige-miniatuur-blog-104/

Frühere Beiträge:

Zu spät?

„Es ist schon zu spät“. Ich muss gestehen, dass mich diese Erkenntnis seit langem bewegt: „Es ist zu spät, um die drohenden Katastrophen abzuwenden“. Ich bin kein Apokalyptiker und kein Freund des „Alarmismus“. Zwar wollen uns populistische Ideologen und ihre Politiker beruhigen und verkünden: „Alles halb so schlimm“. Tatsache aber ist: Den verheerenden Klimawandel gibt es wirklich. Ebenso die gezielte Vernichtung des Amazonaswaldes! Eine Tatsache sind auch die menschlichen Katastrophen, die neoliberale Finanzjongleure etwa für die Armen vor allem seit Jahrzehnten verursachen. Gegen die „Corona-Pandemie“ wird es wohl bald einen Impfstoff geben, mindestens für uns im privilegierten Europa. Gegen die genannten Katastrophen wird es keinen Impfstoff geben!

Wer heute als nachdenklicher Mensch und als Christ leben will, muss sich jetzt mit dem Spruch „Es ist schon zu spät“ auseinandersetzen. Und neue Erkenntnisse gewinnen: Ich kann mich nicht nur um meine kleine Welt sorgen und meinen privaten, angeblich „unpolitischen“ Lebenssinn suchen. Nein! Die Frage nach dem Sinn meines/unseres Lebens muss heute erweitert werden: Wie kann ich, wie können wir, trotz der Katastrophen, als EINE Menschheit weiterleben?

Ich darf mich also nicht dem populären Spruch „Es ist zu spät“  hingeben. Wenn ich dem folge, gerate ich schnell in den Fatalismus, in die totale Passivität. Dann haben all die Ideologen, die Leugner der genannten Katastrophen, gesiegt. Und dann tritt die Katastrophe wirklich sehr bald ein.

Die gültige Erkenntnis heißt: Noch sollte jeder und jede, nach den eigenen Möglichkeiten und Begabungen, an einem konkreten Projekt, retten, was noch zu retten ist. Und: Ich darf die Menschen nicht allein lassen, die schon seit einigen Jahren gegen die Klimakatastrophe Widerstand leisten. Es sind so viele junge Menschen, auch in „Fridays For Future“, die jetzt Solidarität brauchen von Älteren und ganz Alten.

Die Welt, die ich/wir den jungen Menschen hinterlassen, ist die von uns gemachte Welt! Es ist auch eine Welt der (von uns) bewusst zugelassenen und von uns gemachten Katastrophen.  Geschrieben am 26.9.2020

Menschen sind Miniaturen

Kürzlich habe ich in meinem Bücherschrank eine Miniatur entdeckt. Sie hatte sich dort „versteckt“, umgeben von Fotos und Kunstkarten. Miniaturen sind kleine Gemälde, sie waren beliebt im 19. Jahrhundert bei Porträtmalern. Meine Miniatur zeigt den dänischen Philosophen Soren Kierkegaard als jungen Mann, gemalt von seinem Cousin. In dem winzigen Porträt ist Kierkegaard als Mensch ganz präsent: Die hohe Stirn, die gut gepflegten dichten Haare, die sinnlichen Lippen, die Augen, die den Betrachter fast durchbohren, als ob sie die Frage stellen. „Was soll ich dir sagen? Du weißt ja, ich bin in der Liebe leidenschaftlich und im christlichen Glauben radikal“.

Die Kierkegaard Miniatur wird heute als ein Souvenir in Dänemark verkauft, wie eine winzige Ikone findet sie schnell ihren Platz, auf dem Schreibtisch, im Bücherschrank (aber vor den Büchern platziert!) oder an der Wand neben vielen anderen kleinen Gemälden und Fotos. Unser Freund Rolf hat eine kleine Galerie von Miniaturen in seinem Wohnzimmer, Kierkegaard ist dabei und Voltaire, aber auch kleine Fotos von Bert Brecht, Hannah Arendt oder Mahatma Gandhi. „Diese kunstvollen Miniaturen sind für mich Symbole“, sagt er, „ich habe Menschen unterschiedlicher Lebensformen sozusagen ständig vor Augen“.

Wenn ich längere Zeit diese Miniaturen-Wand bei Rolf betrachte, möchte ich am liebsten die dargestellten Personen miteinander ins Gespräch bringen. Hat die Religionskritik von Kierkegaard mit der Religionskritik von Brecht etwas Gemeinsames? Gandhi erinnert mich an seine berühmte Erkenntnis: “Jesus Christus gehört nicht nur den Christen, nicht nur den Kirchen, sondern der ganzen Welt“. Beim Betrachten der Galerie der Miniaturen gelange ich in die Spiritualität der Freisinnigen, der freien Geister… Gandhi als Freisinniger, warum nicht?

Ich bin von Miniaturen begeistert, sie zeigen: Menschen brauchen keine herrschaftlichen, riesigen Porträts oder monumentale Denkmäler. Wir Menschen sind in Wahrheit nur Miniaturen… aber geliebte Geschöpfe des Unendlichen und Ewigen.  Geschrieben am 30.10.2020

 3. Warten. Wachsam bleiben.

Wir warten auf den Corona-Impfstoff, für uns und die ganze leidende Menschheit. Warten und Wartenkönnen: die Tugend in Zeiten der Pandemie. Und nun haben die vier Wochen eines spirituellen, christlich geprägten Wartens begonnen: „Advent“ bedeutet: Warten auf die Ankunft einer heilen Welt. Advent ist also eine Zeit des Ausschauhaltens, der Sehnsucht.

Die spannende Frage: Worauf warte ich eigentlich in diesem Advent? Es gibt ein dringendes Verlangen: Dass Licht und Klarheit endlich mächtiger werden als Dunkelheit und Verwirrung, Menschlichkeit soll stärker sein als Hass. Gegen den Wahn der Egoisten und Machtbesessenen hat Jesus als Mensch gekämpft. Seine Weisheit heißt: Die Menschen sollten „aufwachen“ und immer „wachsam – Sein“. Junge Frauen hat Jesus verurteilt, weil sie im entscheidenden Moment nicht wachen wollten, also bei klarer, kritischer Vernunft bleiben konnten.  Dieser Advent also sollte eine Zeit des Wachsamseins werden. „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ heißt eine Kantate von Johann Sebastian Bach, immer wieder gesungen in der Advent -Zeit. Aber wie oft wir diesen Choral gehört oder gesungen und sind trotzdem im Dämmerzustand geblieben?

Der spanische Maler Francesco de Goya (1746 – 1828) hat die Probleme der Menschen klar gesehen: Eine seiner provozierenden Miniaturen trägt den Titel „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer“.  Goya nannte diese berühmte Radierung aus dem Jahr 1797 „Capricho“, also „Einfall“. Sein Bild zeigt einen Künstler, der bei Tage, während der Arbeit, eingeschlafen ist, seine Vernunft „ruhen“ lässt: Dann werden die Ungeheuer lebendig, schreckliche Tiere, böse blickend, gefährlich.

Meine Herausforderung im Advent 2020: Die Vernunft darf niemals schlafen. Denn nur die Vernunft kann Wahres und Gutes von Lüge und Bösem unterscheiden. Nur die Vernunft führt zu dieser Evidenz: „Menschenrechte sind oberste Norm“. Aktuell leide ich furchtbar: In Deutschland verursachen immer mehr Rechtsradikale, auch in der AFD, unsere Demokratie zu zerstören. Die Nationalisten, die Nazis, sind wieder da. Auch anderswo.

Meine Überzeugung: Für einen freisinnigen Christen kann es keine politische „Neutralität“ geben.

Vernunft und Empathie sind die größten Geschenke Gottes an die Menschheit, Geschenke des Ewigen, den viele als ihren „Schöpfer“ verehren.  Geschrieben am 22.11.2020

… wenn ich Beethoven höre….

Ich wollte Ludwig van Beethovens „runden“ Geburtstag feiern: Vor 250 Jahren, am 16. Dezember 1770, wurde er in Bonn geboren. Zunächst habe ich sein Leben studiert und ihn als kirchenkritischen Christen entdeckt, der auch Buddha schätzte und Kant, die Naturmystik war ihm wichtig. Beethoven – ein freisinniger Christ!  Die wichtigsten Inspirationen findet man in seiner Musik. Die Symphonien oder Klavierkonzerte habe ich beiseitegelassen. Und bin dann, in Erinnerungen an meine kindlichen Klavierübungen, bei dem populären Komponisten Anton Diabelli aus Wien gelandet. Er hatte Beethoven eingeladen, „Variationen“ über seinen Walzer zu schreiben. Aber wie hört sich die Antwort Beethovens an?  Er ließ sich von banalen Walzer – Tönen im Dreiviertel-Takt zu Großem inspirieren. Sein Werk nannte er „33 Veränderungen über einen Walzer Diabellis“.  Nicht Variationen, sondern „Veränderungen“ erlaubte sich Beethoven. Der Phantasie freien Lauf lassend, ist sein „Opus 120“ spielerisch und melancholisch, alle Gefühle werden geweckt, ein Meisterwerk! Die Interpretation, also der „Vortrag“, dieses letzten großen Klavierstücks Beethovens dauert mindestens 50 Minuten! Musik, die ins musikalische Staunen führt und dann auch ins Nachdenken: Beethoven, der mutige, zeigt: Ganz Einfaches kann zu großem inspirieren. Aber diese Leistung ist nicht nur einigen wenigen, den Genies vorbehalten. Ich denke, diese Verwandlung von Überliefertem, von Einfachem und Schlichten ist für jeden möglich.

Warum nicht auch zu Weihnachten? Aus Traditionellem für sich selbst und für andere Neues gestalten, das ist unsere Chance als freisinnige Christen. Ich will für mich – und vielleicht für andere – einen neuen Inhalt suchen für das sehr populäre, aber sehr schlichte alte Lied „Stille Nacht, heilige Nacht, alles schläft, einsam wacht…“ Ich will keine „Variationen“ des Alten, sondern „Veränderungen“, wie Beethoven sagte. Jeder kann da seiner spirituellen Phantasie folgen:

Ein Vorschlag: „Stille Nacht, heilige Nacht. Nacht des Leidens und der Kranken. Viele andere schlafen. Wir gedenken der Wachenden: Der Pfleger und Ärzte an den Betten der COVID 19 Patienten. Sie machen diese Nacht heilig. Verwandeln sie zu einem Moment der Hoffnung“.

Geschrieben am 14.12.2020, veröffentlicht in Amsterdam am 28.12.2020.

Als ik Beethoven hoor

Ik wilde het 250ste geboortejaar van Ludwig van Beethoven vieren  (*16 december 1770) vieren.
Ik bestudeerde eerst zijn leven en ontdekte dat hij een christen was die kritisch over de kerk dacht, dat hij ook Boeddha en Kant waardeerde en natuurmysticus was.  Beethoven – een vrijzinnig christen!

En dan zijn muziek. Ik heb de symfonieën en pianoconcerten overgeslagen. Toen ik me de piano-oefeningen uit mijn kindertijd herinnerde, kwam ik terecht bij de populaire componist Anton Diabelli uit Wenen. Hij had Beethoven gevraagd om ‘variaties’ op zijn wals te schrijven. En hoe klinkt het antwoord van Beethoven? De banale wals in driekwartsmaat Inspireerde hem tot iets groots. Hij noemde zijn werk ‘33 veranderingen op Diabelli’s wals’. Beethoven stond zichzelf geen ‘variaties’ toe, maar ‘veranderingen’! Hij liett zijn fantasie de vrije loop. Zijn ‘Opus 120’ is speels en melancholiek, alle emoties worden geraakt, een meesterwerk! De interpretatie, oftewel de ‘preek’ van Beethovens laatste grote pianostuk duurt minstens 50 minuten! Muziek die leidt tot muzikale verwondering en vervolgens ook tot reflectie.

De moedige Beethoven laat zien dat eenvoud tot grote dingen kan leiden. En dat zo’n prestatie niet is voorbehouden aan enkelen, aan de genieën. Hij laat zien dat deze transformatie uit het traditionele, het alledaagse en het pretentieloze voor iedereen mogelijk is.

Waarom dan ook niet met Kerstmis? Iets nieuws creëren, weg uit het traditionele, voor jezelf en voor anderen, dit is onze kans als vrijdenkende christenen. Ik wil, net als misschien vele anderen, op zoek naar nieuwe inhoud van het over-populaire, simpele oude lied ‘Stille nacht, heilige nacht’. Ik wil geen ‘variaties’ maar ‘veranderingen’, zoals Beethoven dat noemde. Iedereen kan zijn verbeelding laten gaan…
Een suggestie is:
“Stille nacht, heilige nacht.
Nacht van lijden en zieken.
Terwijl vele van ons slapen.
We denken aan de helden:
Verpleegkundigen en artsen aan de bedden van COVID 19-patiënten.
Zij maken van deze nacht een heilige nacht.
Zij creëren een moment van hoop”.

 

 

 

Erinnern: 75 Jahre Befreiung und Freiheit in den Niederlanden: Tage des Gedenkens am 4. und 5. Mai 2020

Ein Hinweis von Margriet Dijkmans van Gunst und Dik Mook am 2.Mai 2020

Am 4. und 5. Mai denken wir in den Niederlanden an die Opfer des 2.Weltkrieges und feiern die Befreiung von diesem Krieg. Wir halten inne und denken dabei auch ausdrücklich an die Verfolgung der Juden, oft auch an die Verfolgung von Homosexuellen, Roma und Sintis.

Jüdische Überlebende legen dann einen Kranz nieder an dem Denkmal auf dem Dam und erinnern an die Ereignisse an verschiedenen Orten, wo Juden deportiert wurden, u.a. an der Hollandsche Schouwburg.

Das „Nationale Komitee 4. und 5. Mai“ schreibt auf dessen Website: „Wir halten inne und denken an die Freiheit, die errungen wurde von Menschen, die dabei große Opfer gebracht haben. Wir feiern, dass wir seit 1945 wieder in Freiheit leben, in dem Bewusstsein, dass wir zusammen verantwortlich sind, Freiheit weiterzugeben an die künftigen Generationen“.

Interessant ist der Beitrag von Prinzessin Mabel auf dieser website. Sie schreibt am Ende ihres Beitrages:

„Aber wovon ich am meisten überzeugt bin, ist: dass Freiheit nicht erreichtet wird mit großen schönen Worten, sondern dass sie zustande kommt durch kleine konkrete Taten. Taten in unserem eigenen Umfeld, in unserem Leben. Taten, um großen und kleinen Konflikten zuvorzukommen. Taten, um Unrecht, Ungleichheit und Unterdrückung zu vertreiben. Taten, um deinen Mitmenschen wissen zu lassen, dass er oder sie zählt, genauso wie du selbst. Diese Taten , große und kleine, bilden die Basis für neue Kommunikation, also für neue Erzählungen, die wir mit einander teilen, die uns verbinden.

Der Dichter Leo Vroman sagt das so:

Komm heute mit Erzählungen

Wie der Krieg verschwunden ist

Und wiederhol es hundertmal

Alle Zeiten werd ich weinen”.

Dass das „National Comité 4. und 5. Mai“ niemals sehr deutliche Ausführungen gemacht hat über den Rechtspopulismus, hat wahrscheinlich damit zu tun, dass man niemanden vor den Kopf stoßen will, auch nicht den politisch „rechten Teil“ unseres Landes…

In den vergangenen Jahren wurde oft versucht, das Thema des 4. und 5. Mai weiter zu verstehen als nur „die Befreiung von den Deutschen“. Aber das ist nur in einem begrenzten Umfang gelungen.

Immer wieder wird dieser Erinnerungstag eingegrenzt auf das Ende des 2. Weltkrieges und die Tatsache, dass wir, von den Deutschen befreit, nun vor 75 Jahren, freie Menschen sind und in Freiheit leben können. Diese Einschätzung hat auch damit zu tun, dass nun das Gedenken an den 4. und den 5. Mai sehr stark miteinander verbunden wurden: Der Gefallenen des 2. Weltkrieges wird am 4. Mai gedacht, die Freiheit wird am 5. Mai gefeiert.

Es gibt gute Initiativen, das Thema breiter aufzustellen, wie die jährliche gratis Theater Vorstellungen „na de Dam“ am Abend des 4. Mai, die das Thema Freiheit behandeln und dann die „Freiheitsmahlzeiten“ am 5. Mai mit „alten“ und „neuen“ Niederländern, mit Jungen und Alten. Diesmal werden am 5. Mai wegen der Corona-Krise nur Dosen mit Suppe (soepblikken) ausgeteilt. Eine interessante Initiative!

In diesem Jahr werden, wie schon angedeutet, wegen der Corona-Krise die Erinnerungen und die Festlichkeiten anders sein als vorher. Ohne Publikum wird die Erinnerungsfeier am 4. Mai auf dem Dam in Amsterdam sein, an dem früher viele Menschen teilnahmen. Nun wird dieses Gedenken ohne Publikum stattfinden. Unser König wird eine Rede halten, was er noch nie vorher getan hat am 4. Mai.

Am 5. Mai sollte im Kunstmuseum in Den Haag die Rede zum 5. Mai Vortrag von Angela Merkel gehalten werden. Leider kann das wegen der Verhältnisse jetzt nicht möglich sein und es werden sich bekannte Niederländer über die sozialen Medien zu Wort melden.

Wir nehmen als Kirchen-Gemeinde „Vrijburg“ (Re­mon­s­t­ran­ten und freisinnige Protestanten) teil an der „Aktion Freiheitsmahlzeit“. Wir bringen dann als Gemeinde am 5. Mai die Suppen zu den Menschen, die unsere Hilfe besonders brauchen in diesen Zeiten.

 

Liebe in Zeiten von Corona: Liefde in tijden van Corona: Ein täglicher Blog der Re­mon­s­t­ran­ten in Amsterdam

In Amsterdam arbeiten die “freisinnigen Protestanten” und die Re­mon­s­t­ran­ten in einer Gemeinde zusammen: In der schönen Kirche “de Vrijburg”  im Süden der Stadt. Die Gemeinde hat sich schon sehr früh entschlossen, eine besondere Initiative zu starten: Sie hat Gemeindemitglieder und Freunde eingeladen, ihre persönlichen Eindrücke, ihre Hoffnung und Ängste in diesen “Corona-Zeiten” aufzuschreiben und in einem blog zu verbreiten. Dik Mook hat meinen Beitrag übersetzt, der heute dort  als Nr. 25 dieser Reihe, erschienen ist, und der allen Niederländisch Lesenden, Sprechenden, vorgestellt wird.

Die weiteren aktuellen Kommentare zum Thema können bestellt werden über: liefdeintijdenvancorona@vrijburg.nl

Liefde in tijden van Corona – Bijdrage van Christian Modehn

Op reis door mijn huis

“Een hartelijke reisgroet!”

Veel meer schreven we vroeger niet op de bekende ansichtkaart; er was te weinig ruimte.

Nu kan ik wat uitvoeriger schrijven. En serieus: ik reis door mijn huis. Ik doe er echte ontdekkingen, beleef momenten van vreugde, van stilte, hoogtepunten.

Ik vertrek ‘s ochtends. Ga eerst van mijn bureau naar de boekenkast. En ik sta versteld, bijna beschaamd: zoveel boeken die ik nog niet heb gelezen. Ik kocht ze uit interesse. Kijkboeken, catalogi van tentoonstellingen. Ik pak de “aquarellen van Cézanne” en ga zitten. Ik heb toch de tijd. Met een paar kleuren schildert hij de essentie van het berglandschap van Sainte-Victoire, Provence. Er rijst een vraag: wat betekent het voor mij; word ik ook meester van de eenvoud, zoals Cézanne?

Ik reis verder. In de volgende kamer hangt een uitbundig schilderij, ‘herfstlandschap in de Harz’, een erfstuk van mijn tante Maria. Wat hield ze van dit schilderij. Ik ga zitten, zie haar enthousiasme voor me, ben dankbaar en blijf niet alleen vóór het schilderij hangen, maar stap er ook in: ik bèn in de Harz.

Mijn man roept me uit de keuken ​​voor koffie. “Land van herkomst El Salvador” staat op het pak. We praten niet over de verstandige dwang om thuis te blijven, maar over El Salvador, de burgeroorlog, uitbuiting, de armen, basisgemeentes.
En we zwijgen.
Ik vraag: “Waarom gaat het ons, ondanks alles, toch nog zo goed?”
We reizen nu samen verder, wandelen naar een hele rij kleine Boeddhabeeldjes die vredig naast een serie Jezusfiguren staan. “Eigenlijk is onze meditatiehoek een soort toevluchtsoord”, zegt hij. Ik vraag: “Wat zouden Boeddha en Jezus ons nu te zeggen hebben?”

Misschien zitten we wel een uur stil op de bank. De tijd staat stil. Helemaal in het hier en nu.

Dat gaan we vaker doen, uitstapjes in huis.

Christian Modehn, Berlijn (vertaling Dik Mook)

PS.: Ik kreeg inspiratie voor “Op reis door mijn huis” van de Franse schrijver Xavier de Maistre (1763-1852), uit zijn boek “Voyage autour de ma chambre”.

 

Meine Biographie und meine Bibellektüre

Ein neues Buch von 11 Pastorinnen und Pastoren de Re­mon­s­t­ran­ten – Kirche

Von Christian Modehn

Wenn die Lektüre der Bibel nicht nur der Information dient und etwa nur eine allgemeine Antwort auf die sachliche Frage fordert: „Was sagte denn Jesus tatsächlich in seiner Bergpredigt?“, wenn also die Bibel wie ein Dialogpartner zum heutigen Leser inspirierend sprechen soll und der Leser dann den Text dreht und wendet und erwartungsvoll befragt: Dann ist der Moment gekommen, dass man von einer „autobiographischen Bibellektüre“ sprechen sollte. Ein Mensch von heute mit seinen persönlichen Fragen liest – vielleicht zufällig – einen kurzen Bibeltext, begegnet dort – überraschend – einer leibhaftigen Person und erkennt in der Erzählung von einst sich selbst wieder. Und gerät ins tiefere Suchen nach sich selbst. Oder er/sie wird durch die Erzählung in seinem/ihren eigenen Lebensentwurf bestätigt, meist aber erschüttert. Bei all dem gilt es natürlich den kritischen Verstand zu bewahren!

Es ist schon ein Stückweit Offenbarung, Freilegung“, der persönlichen „privaten“ Lebensgeschichte, wenn 11 Pastorinnen und Pastoren der protestantischen Re­mon­s­t­ran­tenkirche ihr Leben, ihre Geschichte, mit der speziellen Lebensproblematik mit einem Bibeltext konfrontieren und aus der Begegnung nicht nur Erkenntnisse, sondern heilsame Weisheit entnehmen. Und diese auch mitteilen.

So geschieht es in dem neu erschienen Buch „Mijn held en ik“. „Autobiografisch Bijbellezen“: Da wird die sehr persönliche Aussprache der Pastorinnen und Pastoren über „ihre“ biblischen Gestalten Simson oder Leah, Ezechiel oder Johannes dem Täufer usw. vorgestellt. Diese biblischen Gestalten werden zu inspirierenden „Helden“ für heute. Manchmal werden förmlich zur Verstärkung auch andere poetische Texte hinzugezogen, wie etwa die Gedichte von Tomas Tranströmer.

Dass diese Form der Begegnung von Bibel und Leser auch für Gruppengespräche geeignet ist, wird dann im Schlusskapitel des Buches gezeigt.

Für Menschen, die Niederländisch lesen können, ist dieses Buch sicher eine gute Anregung: Sich selbst besser zu verstehen in der Auseinandersetzung mit den Begegnungen anderer, eben biblischer Gestalten. Denn auch sie erlebten oft wahre Dramen, sie waren zerrissen zwischen dem eigenen Wollen und einer göttlichen Weisung. Und fanden eigene Antworten, auch spirituelle Antworten.

Die Voraussetzung für diese Bibellektüre mit der Auswahl eines „Helden“, der mich dann weiter bringt, ist die Erkenntnis: Die Geschichten von Gestalten der Bibel gehören nicht einer untergegangenen Vergangenheit an! Vieles ist vielmehr förmlich „gleichzeitig“ mit uns. Diese Gestalten, „meine Helden“ – für eine gewisse Zeit – gehören als Menschen zu uns heute!

Als deutscher Leser wundert man sich vielleicht, dass der Begriff „Held“ im Niederländischen noch so verwendet werden kann. Früher hätte man in Deutschland vielleicht eher von Vorbildern (auch problematisch) gesprochen… Was „Helden“ angeht, sind wir in Deutschland eher sprachlos, „begriffslos“ geworden…Sicher ist dies eine Folge der Nazi – Zeit, die ja bekanntlich auch die Sprache vergiftete.

Das Buch lädt ein zum weiteren Nachdenken: Kann ich mir einen Apostel als meinen Held wählen, vielleicht sogar Paulus? Oder kann sogar Jesus von Nazareth in einer bestimmten Hinsicht, in seiner bestimmten Lebenspraxis, mein Held sein? Ist Glauben vielleicht die Verbindung, wenn nicht Bindung an einen „Helden“? Klingt komisch vielleicht: Aber warum kann Jesus von Nazareth nicht auch und vor allem mein Held, unser Held, werden? Der Jesus, der den Frieden lebte; der die Frauen liebte; den Jesus, der so viele Gleichnisse lehrte…

„Mijn Held en Ik. Autobiografisch bijbellezen“. Herausgegeben von Bert Dicou und Koen Holtzapffel. Verlag Skandalon, mit Illustrationen von Bert Kuipers. 176 Seiten, 16,95 EURO. Mit Beiträgen von: Jan van Belle, Fride Bonda, Sigrid Coenradie, Bert Dicou, Koen Holtzapffel, Lense Lijzen, Evelijne Swinkels-Braaksma, Joep de Valk, Corrie Vis, Alleke Wieringa en Sandra van Zeeland-van Cassel.

Christian Modehn

Was wichtig ist für Re­mon­s­t­ran­ten – eine Perspektive fürs Jahr 2020

Im Weihnachtsgruß 2019 hat das Leitungs-Team der Re­mon­s­t­ran­ten in Utrecht einmal mehr deutlich gemacht, was das eigene theologische Profil bestimmt.

Was uns Re­mon­s­t­ran­ten (ver)bindet,

unsere Überzeugung,

dass Glauben auf ganz verschiedene Weise möglich ist. Je nach Überzeugungen, Lebensformen und Erlebnissen, je nach dem Umgang mit den Quellen unseres Lebens oder der Art, wie wir uns zeigen. Wir glauben, dass wir Gott und den anderen Menschen auf unterschiedliche Weisen ehren und dienen können.

unser Verlangen,

von Bedeutung zu sein für Menschen, die auf der Suche sind nach einer Vertiefung im Leben und einer Verbindung mit dem Lebendigen.

unser Wunsch,

dass wir in unserem gemeinsamen Suchen Grenzen überschreiten, Grenzen zwischen dem Menschlichen und dem Göttlichen, zwischen den Erzählungen von unseren spirituellen Quellen und den Erzählungen des alltäglichen Lebens, zwischen dem Christentum und anderen Religionen und Weltanschauungen, zwischen Glauben, Spiritualität und Entdeckung des Lebenssinns.

unser Verlangen,

um als Glaubensgemeinschaft in aller Vielfalt in lebendiger Bewegtheit zu bleiben und auch bisher unwegsame Wege zu gehen und so neue Verbindungen, Kontakte, zu schaffen.

unsere Überzeugung,

dass auch unsere Zeit Formen der Verbindung und Gemeinschaft nötig hat, aber diese sollen offen, einfach (leicht) und nach Art von Netzwerken sein, einfach so, wie „ein Dach über einigen Köpfen“.

unsere Erkenntnis,

dass eine geistig und seelisch lebendige Gemeinschaft noch etwas anderes ist als eine Organisation, die wir mit einander aufgebaut haben.

Übersetzung; Christian Modehn

Religionsphilosophischer Salon anläßlich des 10jährigen Bestehens des “Forum der Re­mon­s­t­ran­ten in Berlin”

Im Jahr 2020 starten wir mit einem religionsphilosophischen Salon diesmal am DONNERSTAG, den 9. Januar 2020 um 19 Uhr, in der Galerie FANTOM, Hektorstr. 9.
Unser Gesprächsthema: Das NEUE: Gibt es noch für uns das Neue im emphatischen Sinn? Haben wir die Kraft, das Neue als das Bessere und Gerechte zu leben und durchzusetzen? Unter welchen Bedingungen ist das Alte besser als Neue? Was ist der Sinn von Utopie?

Dieser religionsphilosophische Salon ist eine Erinnerung daran, dass vor 10 Jahren, 2009 im Januar, das “Forum der Re­mon­s­t­ran­ten in Berlin” gegründet wurde.

Herzliche Einladung mit der Bitte um Anmeldung an: christian.modehn@berlin.de Ein Gesprächsthema, das stark von eigenen Lebens-Erfahrungen geprägt sein kann.Es geht auch um „Lebensweisheit“, die wir miteinander teilen…Das gehört ja immer in einen philosophischen Salon.

Am Freitag, den 22. NOVEMBER 2019 um 19 Uhr fand wieder ein religionsphilosophischer Salon statt, in der Galerie Fantom, Hektorstr.9.
Unser Thema: Was bedeutet „Apokalypse“ und „apokalyptisch“? Der Untertitel war: „Unsinn und Sinn der Apokalypse“, das deutet schon die kritische Haltung zum Thema an. 18 Teilnehmer waren bei einem intensiven, selbstverständlich auch kontroversen Austausch dabei. Einige Hinweise zum Thema, auch als Begrenzung eines fundamentalistischen apokalyptischen Denkens, können Sie hier lesen.

 

Die Re­mon­s­t­ran­ten – eine Geschichte von “Verlierern”?

Über einen Beitrag von Peter Nissen, Professor für Ökumene an der Radboud-Universität von Nijmegen und Re­mon­s­t­ran­ten Pastor in Oosterbeek NL.

Von Christian Modehn

Peter Nissen, Ökumene Professor und als Historiker auch Spezialist für die Geschichte der Re­mon­s­t­ran­ten, hat in diesem Jahr (2019) in der Zeitschrift ADREM 11 ausführliche Beiträge geschrieben über die Synode von Dordrecht und die Folgen. Vor 400 Jahren kam es dort bekanntlich zur Verwerfung (und kurzzeitig auch zur Verfolgung) der freiheitlich – humanistisch orientierten Gruppe der Re­mon­s­t­ran­ten-Theologen durch die offizielle mehrheitliche calvinistische Kirche in den Niederlanden.

So entstanden damals zwei Kirchen: Die streng orthodoxe calvinistische Kirche der großen Mehrheit und die zahlenmäßig kleinere, aber explizit freiheitliche, wir würden heute sagen liberal-theologische, Re­mon­s­t­ran­ten Kirche. Sie trägt bis heute den Titel „Bruderschaft“. Damit ist selbstverständlich keine antifeministische Aussage gemacht!

Was ist wichtig in dem Beitrag von Peter Nissen, der meines Erachtens sehr erhellend ist und weitere Debatten anregen könnte:

  1. Auch Kirchengeschichte wurde und wird wohl noch immer aus der Perspektive der Sieger geschrieben.
  2. Die Verlierer in den Auseinandersetzungen um den „wahren Glauben“ werden kaum wahrgenommen. Ihre Wahrheit wird ausgeblendet.
  3. Die Re­mon­s­t­ran­ten sind in der Sicht von Peter Nissen historisch gesehen die Verlierer. Durchgesetzt haben sich die „orthodoxen“, streng calvinistischen Kirchen.
  4. Noch immer besteht gelegentlich die falsche Meinung, so Peter Nissen, die Re­mon­s­t­ran­ten seien eine Variante der Reformierten (Calvinisten). Der Titel als Selbstbezeichnung „remonstrantisch-reformierte“ kommt ja noch vor. Die Re­mon­s­t­ran­ten sind etwas Eigenes, mit eigener Theologie.
  5. Es gilt, so Prof. Nissen, sich von der Perspektive zu befreien, die Gewinner (die Reformierten) hätten recht, die Re­mon­s­t­ran­ten unrecht. Diese verbreitete Denk-Richtung nennt er „Tunnelblick“.

Was bleibt also, meiner Meinung nach?

Die Re­mon­s­t­ran­ten als eigenständige Kirche (als liberal-theologische, nicht-fundamentalistische Kirche) sind heute dringender und wichtiger denn je. Denn angesichts globaler Ängste geht das religiöse Interesse sehr vieler Menschen in die Richtung evangelikal, pfingstlerisch, fundamentalistisch charismatisch etc.

Dass es eine andere Gestalt des christlichen Glaubens gibt, eben eine freisinnige christliche Kirche, die offen, dialogbereit, tolerant, nicht-dogmatisch ist und bleiben will, dies muss wohl noch viel deutlicher gesagt werden. Auch in Deutschland.

Und deutlich werden sollte dann: Auch diese liberal-theologischen Kreise und Gemeinden haben ihren eigenen Charme, ihre eigene menschliche Wärme! Die braucht man nicht bei den enthusiastischen Fundamentalisten zu suchen.

Wichtig wäre nur, in meiner Sicht, wenn sich die Gottesdienste (am Sonntag) deutlich von den üblichen reformierten Gottesdiensten unterscheiden würden, wenn sie auch liturgisch mehr eigenes und neues Profil erhielten.

Und die tatsächlich ja aus Flüchtlingen gegründete Re­mon­s­t­ran­ten – Kirche könnte meines Erachtens deutlicher noch ihr politisches Profil zeigen im praktischen Einsatz für die Menschenrechte.

Copyright: Christian Modehn

Rembrandts Porträts von Re­mon­s­t­ran­ten: Eine Ausstellung im Rijks Museum Amsterdam

Ein Hinweis von Christian Modehn

Die niederländische Kirche der Re­mon­s­t­ran­ten (liberal-theologisch, freisinnig, ökumenisch) feiert in diesem Jahr ihr 400 jähriges Bestehen.

Als der Organisator dieser zahlenmäßig immer kleinen, theologisch aber immer inspirierenden, und manchmal auch provozierenden Kirche gilt Johannes Uytenbogaert. Er musste sich nach der Synode in Dordrecht, die zur Trennung von der sehr konservativen calvinistischen Kirche führte, nach Antwerpen flüchten.

Später haben Rembrandt van Rijn und Jacob Becker ihn und andere Re­mon­s­t­ran­ten in Porträts lebensnah – lebendig gestaltet. Diese Bilder sind noch bis zum 29. September 2019 im „Prentenkabinet“ des Amsterdamer Rijksmuseums zu betrachten.

Uytenbogaert war u.a mit Hugo Grotius, dem berühmten Rechtsphilosophen und Sympathisanten der remonstrantischen Theologie, befreundet.

Um 1630 konnten die Re­mon­s­t­ran­ten in den Niederlanden relativ sicher leben. Der frühere theologische Streit um die Freiheit des Menschen hätte das Land fast in einen Bürgerkrieg geführt.

Die Re­mon­s­t­ran­ten traten für die Freiheit des Menschen, auch in seinen Glaubensentscheidungen, ein, sie wehrten sich also gegen eine allumfassende Prädestination durch Gott… Sie sind gewissermaßen eine humanistische christliche Kirche! Das ist in der weiten christlichen Ökumene eine Ausnahme! Bekanntlich sind zahlenmäßig und finanziell besonders stark die Pfingstgemeinden und Evangelikalen, sie sind sozusagen der “dialektische Kontrast” zur remonstantischen theologischen Offenheit.

Interessant und für die Zukunft vielleicht inspirietend ist: Die ersten Re­mon­s­t­ran­ten Gemeinden in Holland waren Hausgemeinden.

Die Re­mon­s­t­ran­ten wurden als Kirche sozusagen im Exil, von einem Flüchtling, organisiert.

Die Re­mon­s­t­ran­ten sind die ersten, die Aufklärung und christlichen Glauben zusammenführen.

Wer sich die Re­mon­s­t­ran­ten Porträts von Rembrandt ansehen will:

Eine andere Publikation zeigt auch das Porträt Uytenbogaerts mit einem Buch zu seiner Linken. Dies ist nicht die Bibel, das ist bemerkenswert, sondern es handelt sich offenbar um theologische Notizen, vielleicht um eine kurzgefasste Kirchenordnung der Re­mon­s­t­ran­ten. Über die verschiedenen Aktivitäten der Re­mon­s­t­ran­ten informiert die Zeitschrift ADREM.

Bekanntlich haben die Re­mon­s­t­ran­ten bis heute kein für alle Mitglieder und Freunde verbindliches Glaubensbekenntnis. Und sie wollen das auch nicht um der je persönlichen spirituellen Freiheit willen. Lediglich eine kurze, sehr allgemeine und offene „Grundsatz – Erklärung“ gilt als verbindliche Orientierung: „Die Remonstrantische Bruderschaft ist eine Glaubensgemeinschaft, die im Evangelium von Jesus Christus verwurzelt ist. Und die getreu dem Grundsatz von Freiheit und Toleranz Gott ehren und dienen will“.

Copyright: Christian Modehn, Re­mon­s­t­ran­ten Forum Berlin

Neue “Allgemeine Sekretärin” der Re­mon­s­t­ran­ten

Die Re­mon­s­t­ran­ten haben als freisinnige christliche Kirche keinen „Bischof“ als obersten Repräsentanten, sie haben einen “Algemeen Secretaris“, eine Art “Generalsekretär” würde man auf Deutsch sagen. Am 15. Juni 2019 wurde Annemarie Gerretsen in diese Funktion gewählt: Sie wurde 1969 geboren, ist Mitglied der Gemeinde in Rotterdam und zur Zeit als Projektmanagerin an der Universität Delft tätig. Zum ersten Mal ist also keine Theologin in der Funktion des „Algemeen Secretaris“ tätig. Annemarie Gerretsen ist in einem Moment gewählt worden, in der die Re­mon­s­t­ran­ten intensiv über ihren weiteren Weg, auch über mögliche Neuorientierungen, in der nahen Zukunft nachdenken.

Christian Modehn

 

 

Feier zum 400. Bestehen der Re­mon­s­t­ran­ten am 14.9.2019 in Amsterdam

400 Jahre Re­mon­s­t­ran­ten: Veranstaltung am 14.9.2019

Am 14.9.2019 findet eine Art „Schlussveranstaltung“ zum 400. Bestehen der Re­mon­s­t­ran­ten Kirche statt: Und zwar in der alten, jetzt schon „ehemaligen“ Kirche „de rode hoed“ in Amsterdam, Keizersgracht 102. Bekanntlich durften die Re­mon­s­t­ran­ten als nur offiziell von den Calvinisten geduldete Konfession im 17. Jahrhundert ihre Kirchen lediglich als „versteckte Kirchen“ bauen (wie die Katholiken in den Niederlanden auch). D.h.: Hinter der Fassade eines bürgerlichen Hauses verbarg sich seit 1629 der Gottesdienstraum. Seit einigen Jahren ist der „rode hoed“ (der „Rote Hut“ als kleines Erkennungssymbol an Fassade) ein im ganzen Land bekanntes offenes Kulturzentrum.

Die „Studentenecclesia“, eine selbstständige ökumenische Kirche, gegründet von dem Theologen Huub Oosterhuis, feiert dort in dem schönen Kirchsaal sonntags ihre Gottesdienste.

Die Re­mon­s­t­ran­ten in Amsterdam verfügen – zusammen mit den “Freisinnigen Protestanten” – über die große Kirche mit Gemeindezentrum „de Vrijburg“.

Am 14.9. 2019 eröffnet um 16.00 der Re­mon­s­t­ran­ten – Theologe Peter Nissen, Nijmegen, die Veranstaltung. Es gibt anschließend einen Vortrag des in Leuven, Belgien, lehrenden Theologen und Autors Rik Torfs: Er schreibt auch oft über den Zustand der Kirchen und Religionen: Zum Katholizismus sagte er kürzlich: “Allein eine Reformation kann die römisch-katholische Kirche noch retten“. Was wird er über die Re­mon­s­t­ran­ten heute sagen? Dann folgt ein Vortrag der Theologin Christa Anbeek vom Seminar der Re­mon­s­t­ran­ten-Theologie an der „Vrije Universiteit“ Amsterdam. (Wohlgemerkt: Vortrag bedeutet: Nicht länger als 35 Minuten sprechen!)

Zwischendurch: musikalische Intermezzi, am Abend ein Buffet…

Christian Modehn

Kommentar eines Lesers aus Berlin:

Kommentar: 
„Allein eine Reformation kann die römisch-katholische Kirche noch retten.“
Na, das ist ja ein starker Spruch.

 

Re­mon­s­t­ran­ten – die fünf wichtigen “Tugenden”: Eine neue Publikation.

Überlegungen anlässlich des 400 jährigen Bestehens der freisinnigen Kirche der Re­mon­s­t­ran­ten

Hinweise von Christian Modehn am 14.5.2019

Anlässlich des 400 jährigen Bestehens der Re­mon­s­t­ran­ten Kirche in den Niederlanden in diesem Jahr (2019) werden dort weitere Überlegungen publiziert zur Frage: Was ist den Re­mon­s­t­ran­ten wichtig? Was ist für sie, bei aller Liebe zur eigenen innerkirchlichen Pluralität, entscheidend?

Zu der Frage ist jetzt eine Broschüre publiziert worden von fünf TheologInnen der Re­mon­s­t­ran­ten zu fünf „Arikeln“, also Grundbegriffen, sozusagen „Kernwerten“, im Leben und Denken dieser freisinnigen protestantischen Kirche. Alle fünf Artikel bzw. Grundhaltungen beginnen interessanterweise mit einem V in der niederländischen Sprache. Es handelt sich um Vrijheid, Verdraagzaamheid, Verantwoordelijkheid, Vrede und Vriendschap. Also um Freiheit, Toleranz, Verantwortlichkeit, Friede und Freundschaft.

1.

Freiheit ist schon von der Geschichte der Re­mon­s­t­ran­ten her eine zentrale Haltung/Tugend. Bekanntlich haben die ersten Re­mon­s­t­ran­ten-Theologen stark die freie Mitwirkung des einzelnen Menschen in der Entscheidung für den christlichen Glauben betont! Eine absolut umfassende Vorherbestimmung der Glaubenden durch Gott lehnten sie vernünftigerweise ab und so wurden sie deswegen von der Mehrheit der strengen Calvinisten 1619 durch die Synode von Dordrecht ausgeschlossen, verfolgt und ausgegrenzt.

Ein Wunder, dass diese kleine Kirche über all die Jahre Bestand hatte. Sie ist etwas ganz Besonderes, Wichtiges, wohl auch „Einmaliges“ in der Hinsicht, in der weiten Ökumene, denke ich.

2.

Bei der Freiheit, die fürs theologische Denken typisch und normal ist, hätte man natürlich auch die sehr dringenden heutigen Tugenden Solidarität, Gerechtigkeit, Vielfalt als „Kernwerte“ nehmen können. Aber darüber kann man ja weiter sprechen…Die fünf „V“ als „Kernwerte“ haben natürlich einen eigenen Charme.

Ich kann nur empfehlen, Niederländisch mal vorausgesetzt, diese Broschüre (42 Seiten) zu lesen. Ich will kurze Hinweise geben: Sigrid Coenradie, Theologin in Eindhoven, schreibt über „Freiheit“. Sie kümmert sich dort um Verbindungen von Menschen außerhalb und innerhalb der Kirche, ein neues Dialog – Projekt der Re­mon­s­t­ran­ten. Keine Missionsveranstaltung, sondern eben Dialog! Und sie weist in ihrem Beitrag über die Freiheit auch darauf hin, dass die Re­mon­s­t­ran­ten in der internationalen, interreligiösen Vereinigung IARF (International Association for Religious Freedem) vertreten sind. Zur Freiheit gehört, so Sigrid Coenradie, auch das Eintreten für die Menschen, die heute mit dem etwas seltsam anonymen Kürzel LHBTI beschrieben werden: Also das Eintreten für lesbische Frauen, homosexuelle Männer, Bisexuelle, Transgenders und intersexuelle Personen. Diese Menschen haben selbstverständlich ihren gleichberechtigten Platz in der Re­mon­s­t­ran­ten Kirche.

4.

Koen Holtzappfel, Theologe und Pastor in Rotterdam, stellt in seinem Beitrag über Verantwortlichkeit kritische Fragen: „Fühlen wir uns als (Niederlande), Land verantwortlich für das, was in Srebrenica passierte? …Wie weit reicht unsere Verantwortlichkeit, wenn es um die Frage der Natur und des Naturschutzes geht. Nicht umsonst gehen uns heute Schüler voraus in ihrem Protest gegen die als zu sehr vom Kompromiss bestimmte Klimaverträge“.

5.

Ein Hinweis noch auf den Beitrag des Amsterdamer Theologen und Pastors Joost Röselaars über Freundschaft ist Bruderschaft“. Er erinnert an den alten Titel der Re­mon­s­t­ran­ten: „Bruderschaft“! Der Titel Bruderschaft wird vielleicht in feministisch geprägtem Denken als problematisch empfunden, deswegen spreche viele eher von Re­mon­s­t­ran­ten – Kirche. Aber aktuell ist die Idee der gelebten „Bruderschaft“ nach wie vor, auch wenn man ihn in Richtung Geschwisterlichkeit weiten sollte. Joost Röselaars erinnert an Martin Luther King, der einmal sagte: “Ich habe einen Traum. Wir werden mit unserem Feind zusammensitzen.Wir sollen mit unserem Feind an einem Tisch, einer Tafel, zusammen sitzen…“ Und Röselaars nennt Beispiele: „Das ist vollkommene Bruderschaft: Der Türke sitzt mit dem Kurden an einem Tisch. Der PVV Anhänger (aus der rechtsextremen Partei von Wilders, CM) sitzt zusammen mit dem Flüchtling an einer Tafel“…

Wahrscheinlich ist die Wiederbelebung des Begriffes und der Realität „Bruderschaft“ auch zentral für die Zukunft der Re­mon­s­t­ran­ten Kirche: Die sehnsucht der meisten Menschen, die noch eine christliche Gemeinde suchen, ist ja auch und oft vor allem dieses emotionale Sichwohlfühlen in der Gemeinde, so sehr man auch die intellektuelle, rationale Debatte pflegt. Kopfarbeit und „Seelenarbeit“ also sollten vielleicht stärker verbunden sein.

Die Re­mon­s­t­ran­ten sind eine Kirche, die den theologischen Pluralismus sehr weit reichend auch für ihre eigenen Gemeinden, also für die Glaubensüberzeugung der einzelnen Freunde und Mitglieder nicht nur zulässt, sondern wünscht. Auf der Basis des kurzen allgemeinen Bekenntnisses: „Die Remonstrantische Bruderschaft ist eine Glaubensgemeinschaft, die – verwurzelt im Evangelium Jesu Christi und getreu der Freiheit und Toleranz – Gott ehren und dienen will“.

Diese innere Pluralität ist selbstverständlich im Alltag nicht immer einfach zu gestalten. Eine Glaubensgemeinschaft mit einer inneren Pluralität ist so selten, dass für die Mitglieder dieser Gemeinschaft der offene Dialog untereinander entscheidend ist. Sigrid Coenradie stellt in ihrem Beitrag dazu kritische Fragen.

Ich frage mich angesichts des Jubiläums, ob die Re­mon­s­t­ran­ten eine fast ausschließlich auf die Niederlande begrenzte Kirche bleiben dürfen. Ist in Europa – und darüber hinaus in einer immer mehr fundamentalistisch werdenden Welt – eine freisinnige Kirche nicht enorm wichtig, selbst mit nur kleinen Stützpunkten, „Aktions-, Studien- und Debattenzentren?

Und ich frage weiter, ob die Re­mon­s­t­ran­ten nicht viel mehr Menschen anderer Kulturen, allochthonen sagt man in Holland, und anderer Religionen und Weltanschauungen als Freunde und Mitglieder einladen und aufnehmen. Erst dann, vermute ich, finden die fünf Vs ihre umfassende Gestalt. Koen Holtzappfel gibt schon die auf Zukunft hin orientierte wichtige Antwort: “Re­mon­s­t­ran­ten können den Zusammenhalt begünstigen, indem sie ihre Türen öffnen und den anderen begegnen. Sie können ein Platz bieten, wo gleichsam Vögel mit unterschiedlichem Gefieder einander entgegenkommen, lernen Respekt für einander aufzubringen und gemeinsam erleben, wie bereichernd Begegnungen sein können…“

Zum Schluss noch ein Hinweis auf die Monatszeitschrift ADREM der Re­mon­s­t­ran­ten. Da berichtet in der Ausgabe Mai 2019 Janny Harmsen von ihrer Gemeinde in Doesburg: Dort orientiert sich die Gemeinde neu, weil sie sehr bald keine eigene Pastorin mehr haben kann. „Darum haben wir eine liturgische Gruppe ins Leben gerufen, in der ich bis vor kurzem auch Mitglied war. Es ist schön, um out of the box zu denken über Liturgie, aber selbst predigen ist für uns möglich. Wir probieren viel Kunst und Poesie in den Gottesdienst zu bringen“.

Die Praxis, dass die Gemeindemitglieder (Laien oft genannt, sie sind aber keine „Laien“, CM) selbst liturgische Verantwortung übernehmen und predigen, wenn kein Pastor da ist, finde ich großartig, auch für die Zukunft der Kirche. Das ist die Grundidee der Basisgemeinden, von dort kann man noch viele gute Inspirationen holen. So braucht keine noch so kleine Gemeinde nur einmal im Monat Gottesdienste zu haben, wenn eben mal ein Pastor gerade da ist…. Die Gemeinde selbst gestaltet auch die Gottesdienste. Ein Projekt für die Zukunft. Sicher ganz dringend, auch was Bildungsmöglichkeiten für „Laien“ am Institut der Re­mon­s­t­ran­ten an der Freien Universität von Amsterdam angeht.

Die Broschüre „de vijf artikelen van de remonstranten“ ist 2019 erschienen. 42 Seiten. Sie kann bestellt werden im Büro der Re­mon­s­t­ran­ten, Nieuwe Gracht 271, 3512 Utrecht. www.remonstranten.nl

Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin. Forum der Re­mon­s­t­ran­ten Berlin.

Wer oder was ist schon normal? Ein religionsphilosophischer Salon am 14. Juni 2019

Ein religionsphilosophischer Salon am Freitag, den 14. Juni 2019, um 19 Uhr
in der Galerie Fantom, Hektorstr.9 in Wilmersdorf.

„Normalsein“ gilt meist als “üblich”, “selbstverständlich”, wenn nicht sogar gut. Normal wird etwa der durchschnittliche (gesundheitliche) Wert beschrieben. „Normal“ nennen sich Menschen – vor allem in den östlichen Bundesländern – die weder konfessionell gebunden noch militant atheistisch sind. Viele heute hoch geschätzte Künstler, wie Vincent van Gogh, waren in ihrer Wahrnehmung etwas „verrückt“ gegenüber der üblichen Existenzform. Welche große Welt aber hat van Gogh uns erschlossen!
Auch heute werden Menschen mit schweren geistig-seelischen Problemen mit dem Wort „Nicht-Normal“ ausgegrenzt. So hält sich die bornierte Mehrheit für besser und gesünder als jene „ganz anderen“, die ihre eigenen Einschätzungen der Wirklichkeit haben und diskriminierend „verrückt“ genannt werden. Oder eine selbstbestimmte, „andere“ Sexualität leben wollen und darum noch kämpfen müssen.
Dabei sind „Normale“ oft heftigste Ausbeuter, Kriegsherren, Unterdrücker…Ist unsere Welt der Klimakatastrophen und des Rassismus, also unser Menschenwerk, normal?
Können wir viele Politiker als Verbreiter von fake-news noch normal nennen und respektieren? Ist die Wut der Jugend auf den Freitags-Demos nicht tatsächlich Ausdruck normalen Denkens?

Wir begeben uns in unserem Salon auf die Suche nach der Vielfalt des Normalen und damit auf die Suche nach einer Welt des Pluralismus, in der nicht nur Toleranz, sondern vor allem Respekt und Solidarität gelten. Ein Schwerpunkt wird der verstehende Blick auf die Welt der seelisch-psychisch stark belasteten und erkrankten Menschen sein.
Wer teilnehmen will, herzliche Einladung mit der Bitte um Anmeldung an: Christian.Modehn@berlin.de

Get out – geht raus! Ein Magazin zum 400. Bestehen der Re­mon­s­t­ran­ten

Eine Rezension von Christian Modehn

„Geht raus“: Mit diesem Befehl mussten die Re­mon­s­t­ran­ten, die freiheitlich Gesinnten unter den Calvinisten, 1619 die Synode in Dordrecht verlassen und sich nach Belgien, dann nach Deutschland (Friedrichstadt!) flüchten. Erst später wurden sie in Holland geduldet! Re­mon­s­t­ran­ten sind also vom Ursprung her Flüchtlinge und Widerständler! Großartig, modern, diese Herkunft! Ihre Theologie passte den auf Rechtgläubigkeit bedachten Reformierten nicht. Theologie und Widerstand (heute) ist also das remonstrantische theologische Thema!

„Get out“ ist nun der Titel einer „Glossy“, wie man in den Niederlanden sagt, eines Magazins in bunten Farben, vielleicht sollte man eher von einer Illustrierten sprechen. Wie auch immer: Diese Publikation, jetzt neu erschienen, 100 Seiten stark, reich mit Fotos ausgestattet, will in zahlreichen Beiträgen und Interviews zeigen, was Re­mon­s­t­ran­ten in den Niederlanden, heute, 400 Jahre nach dem Rauswurf, als freisinnige protestantische Kirche denken, was sie leben, was ihnen wichtig ist. Dabei wird wohl eher an die LeserInnen außerhalb der Kirche gedacht als an „Insider“, deswegen wohl das aufwändige und bunte layout.

Nur einige Hinweise des Rezensenten:

Der gegenwärtige Finanzminister Wopke Hoekstra (CDA), Mitglied der Re­mon­s­t­ran­ten und laut Tageszeitung de Volkskrant einer der einflussreichsten Niederländer, wird ausführlich interviewt. Ebenso Christa Anbeek, eine der führenden TheologInnen am Seminar für remonstrantische Theologie an der Freien Universität von Amsterdam. Sie plädiert in einem Gespräch mit Inez van Oord u.a. dafür, dass die TheologInnen „viel mehr hören sollten auf die Menschen an der Basis“…Immer wieder wird das Thema „Verwundbarkeit“ durch Leiden, auch seelisches Leiden, thematisiert, darüber hat Christa Anbeek etliche Bücher geschrieben. Sie fordert, dass auch (durch die Kirche?) viel mehr freie Orte und Räume geschaffen werden sollten, wo Menschen einander ihr Leben und Leiden sagen und Mitgefühl finden. Interessant sind auch die persönlichen Lebenszeugnisse von Re­mon­s­t­ran­ten aller Generationen, von 20 bis 100…Wichtig die Hinweise auf die Gemeinde der jungen Re­mon­s­t­ran­ten! Sie sind die Zukunft der Kirche.

Ein bisschen, nein, sehr schade finde ich, dass der Beitrag des auch in Berlin bekannten remonstrantischen Theologen Prof. Johan Goud (Den Haag) über das (innere) Kind so kurz und knapp ist; zudem ist dies ein politisch-kritischer Beitrag etwa zum Konsumismus. Ebenso muss ich in dieser „Rezension“ auch bemerken, dass der ebenfalls leider sehr kurze Beitrag über die Diakonie der Re­mon­s­t­ran­ten von Arrien Kruyt erst ganz Ende des Heftes, auf Seite 97 erscheint. Das Thema hätte meines Erachtens viel mehr zentrale Aufmerksamkeit verdient, wenn man bedenkt: Re­mon­s­t­ran­ten waren zu Beginn Vertriebene und Flüchtlinge. Was tun sie also heute in den Gemeinden gemeinsam mit Flüchtlingen, auch mit Muslims? Vielleicht werden Flüchtlinge und andere „Ausländer“ auch gern Mitglieder und Freunde der Re­mon­s­t­ran­ten? Das wäre ein gutes neues Thema gewesen! Kommt aber vielleicht noch in einer Publikation am Ende des „Jubiläums“? Wenn man hoffentlich noch stärker einen Vorausblick bietet, was diese freisinnige protestantische Kirche, so klein sie auch sein mag, international in Zukunft bedeuten könnte und sollte. Dies in einer Zeit, in der der fundmentalistische christliche Glaube sich immer mehr durchsetzt: Was für eine Aufgabe für eine freisinnige und theologisch liberale und deswegen lernbereite christliche Kirche! Ein Freund in Berlin hat die Broschüre durchgeblättert und fragte mich dann: Wissen die Re­mon­s­t­ran­ten eigentlich, wie einmalig sie in der weiten Ökumene sind und wie notwendig sie heute sind als Orte des umfassenden interreligiösen Dialogs zum Beispiel? Ich kann diese Frage nur weitergeben. Vielleicht findet sie gelegentlich eine Antwort.

GET OUT ist eine Publikation der Re­mon­s­t­ran­ten. Man kann das Heft, in niederländischer Sprache, bestellen:

www. Re­mon­s­t­ran­ten.nl   oder Re­mon­s­t­ran­ten, Nieuwe Gracht 27 A, 3512 LC Utrecht,

Christian Modehn, www.remonstranten-berlin.de

Re­mon­s­t­ran­ten- eine freisinnige christliche Kirche besteht seit 400 Jahren

Gedenken und Feiern im Jahr 2019

Ein Hinweis von Christian Modehn

Die „Re­mon­s­t­ran­ten“ als einzige explizit freisinnige und liberal-theologische und humanistisch-orientierte Kirche besteht im Jahr 2019 400 Jahre. Diese Kirche ist bis jetzt fast ausschließlich in den Niederlanden vertreten, seit 1622 in Friedrichsstadt, Nordfriesland. In Berlin wurde 2010 ein „Forum der Re­mon­s­t­ran­ten“ gegründet.

Die Erinnerung an die Geschichte der „remonstrantischen Bruderschaft“, so der offizielle Titel, ist wesentlich, nur so wird das besondere theologische Profil dieser Kirche deutlich.

In der Monatszeitschrift ADREM beschreibt Peter Nissen wesentliche historische Momente, die zur Gründung der Re­mon­s­t­ran­ten führten. Peter Nissen ist remonstrantischer Pastor und Professor für Ökumene an der Radboud Universität in Nijmegen.

In der Dezember Ausgabe 2018 von ADREM erinnert Peter Nissen an die Synode der calvinistischen Kirche in Dordrecht im November 1618. Die Synode war zusammengekommen vor allem wegen der theologischen Dispute, die der Theologe Arminius angestoßen hatte: Es ging ihm ursprünglich um die Frage: Welche Bedeutung hat der freie Wille des Menschen, wenn er sich der Botschaft des Evangeliums anschließt. Arminius unterstützte dabei die Teilnahme, die Anerkennung des freien menschlichen Willens; die meisten Theologen der calvinistischen Kirche hielten an der Lehre von der totalen Vorherbestimmung (Prädestination) fest. „Remonstrance“ bedeutet Einspruch, Widerspruch, eben Beschwerde gegen die totale Prädestinationslehre Calvins.

Die Theologen, die den Vorschlägen von Arminius folgten, waren zunächst bei Eröffnung der Synode in Dordrecht (am 13.November 1618) gar nicht zu gelassen. Erst am 6. Dezember 1618 konnten 12 remonstrantische Theologen dabei sein, sie waren nicht (gleichberectigte) Teilnehmer, sondern Angeklagte, wie Nissen schreibt.

„Diese Synode war kein Forum offener Diskussion, sondern ein Gerichtshof der Rechtsgesinnten, also der orthodoxen Calvinisten“. Die Vertreter der Re­mon­s­t­ran­ten hatten schon den Eindruck, dass abweichende theologische Argumente in der Synode nicht mehr zählten. Am 14. 1. 1619 mussten die Re­mon­s­t­ran­ten die Synode verlassen. Die freisinnigen Re­mon­s­t­ran­ten wurden ausgegrenzt.

In Erinnerung bleibt eine Rede, die der remonstrantische Theologe Simon Episcopius noch am 7. Dezember 1618 hielt. Seit 1612 war Episcopius Professor in Leiden. „Wie Arminius wollte Episcopius Theologie treiben auf der Linie des Erasmus, mit der Vernunft als Richtschnur und mit der Philosophie als Hilfe fürs Verstehen der Bibel“. 2015 wurde der Vortrag von Episcopius unter dem Titel „Die arminianische Friedenskirche“ aus dem Lateinischen, der damaligen „Gelehrtensprache“ übersetzt und veröffentlicht. Dieser Vortrag ist, so Peter Nissen, „ein Plädoyer für ein tolerantes und pluriformes Christentum. Er plädiert für eine Kirche, die die Bibel zwar als Fundament hat, aber in der Raum ist für Vielfalt in der Auslegung der Bibel… Zwang gehört nicht zur Eigenart der Kirche“.

Es folgte ab 1619 eine Zeit, in der die Re­mon­s­t­ran­ten vertrieben und verfolgt wurden, später konnten sie ihre Kirchengebäude nur als „versteckte Kirchen“ hinter einer neutralen Häuserfront bauen (etwa die Kirche „de rode hoed“ in Amsterdam).

Die Re­mon­s­t­ran­ten heute sind selbständig, also nicht Mitglied der Protestantischen Kirche der Niederlande“ (PKN), einem Zusammenschluss von Hervormden, Gereformeerden und Lutheranern.

Am 11. November 2018 fand aber in der „Großen Kirche“ zu Dordrecht, dem Ort der Synode von 1618, ein gemeinsamer Gottesdienst von Protestanten der PKN (also den Nachfahren von Calvin, wenn man so will) und den Re­mon­s­t­ran­ten statt.

Copyright: Christian Modehn, remonstranten-berlin.de

Re­mon­s­t­ran­ten gegen evangelikale Nashville-Erklärung

Die Ehe für alle ist selbstverständlich…

Von Christian Modehn (Berlin) am 8.1.2019

Die Re­mon­s­t­ran­ten sind eine freisinnige, liberal-theologische protestantische Kirche in Holland. Sie sind die einzige christliche Kirche weltweit, die als solche kein verpflichtendes dogmatisches Bekenntnis von ihren Freunden und Mitgliedern verlangt.

Die für Toleranz eintretenden Re­mon­s­t­ran­ten lassen sich von konservativen Kirchen nicht alles bieten. Theologisch liberal sein heißt auch widersprechen, wenn die Freiheit der Menschen und ihre Würde bedroht sind.

Darum widersprechen jetzt die Re­mon­s­t­ran­ten offiziell, wenn in diesen Tagen von den zunehmend mächtiger werdenden Kreisen der konservativen Kirchen der USA ein theologisches Dokument auch in Holland verbreitet wird, mit entsprechenden Unterschriftensammlungen: Es handelt sich um die so genannte Nashville-Erklärung aus dem Jahr 2017, die weltweit schon Irritationen auslöste. In dem Text wenden sich zahlreiche evangelikale US-Theologen (unter ihnen Pastor John Piper, auch in den entsprechenden Kreisen in Deutschland bekannt) gegen die Gleichwertigkeit von Homosexualität und gegen die Rechte von Transsexuellen. Die Autoren der „Nashville Erklärung“ lesen wie üblich und unbelehrbar die Mythen der Bibel wortwörtlich, was Sexualität betrifft. Was die Worte Jesu gegen die Herrschaft des „Klerus“ betrifft, bekanntlich nicht, die werden je nach Laune evangelikal interpretiert.

Diese immer mächtiger werdenden evangelikalen Kreise (man denke an ihre aktuelle Unterstützung des brasilianischen rechtsextremen Präsidenten Bolsonaro) wollen damit die Muster einer für Europa längst vergangenen Kultur der absoluten Dominanz der „Hetero-Ehe“ fortschreiben und damit auch an einem entsprechenden Familien- und Frauenbild festhalten. Insofern ist das Nashville Dokument auch ein politisches Pamphlet. Und ein Dokument einer in der aufgeklärten, gebildeten westlichen Welt längst untergegangen Kultur. Es ist förmlich ein Kulturkampf um die Bibelinterpretation entstanden!

Darum haben jetzt, am 7.1. 2019, die Re­mon­s­t­ran­ten gegen die sogen. Nashville Erklärung protestiert. Diese Kirche war bekanntlich die erste, die schon 1986 als christliche Kirche die Segnung von Paaren des gleichen Geschlechts in ihren Kirchen gestaltete und damit diese Lebensform als normale Alternative zur Hetero-Ehe ansieht.

Es scheint, als hätten die Evangelikalen in dieser unserer Gegenwart der politischen Verwirrung (Nationalismus, Kriege, Rechtsradikalismus, Öko-Krise, Armut, Ungerechtigkeit weltweit) keine anderen Sorgen, als dieses uralte Thema der absoluten Geltung der Hetero-Ehe wieder zu propagieren. Als solle ein letztes Gefecht dieser Kirchen stattfinden um eine Kultur, die mit dem 20. Jahrhundert de facto, aber noch nicht in allen Köpfen, überwunden wurde. In Afrika sind die Kirchen die heftigsten Feinde des Respekts für Homosexuelle. Der Kardinal von Tanzania sagte kürzlich noch, besser sollten die Menschen in Tanzania verhungern, als Hilfen anzunehmen, die irgendwie mit „Gay“ (Schwul) etwas zu tun haben.

Man mache sich nur keine Illusionen: Wer heute noch christlich sein will, bindet sich oft an diese dogmatisch starren Kirchen. Diese Menschen suchen Sicherheit, Führung, sie wollen von anderen hören, was Gott will. Sie fragen nicht selbst, suchen nicht selbst. Alte Antworten in alten Floskeln und Sprüchen werden nachgesprochen…

Und vor allem: Die Nashville Erklärung könnte der Vatikan auch jetzt nicht besser formulieren. Selbst Papst Franziskus ist alles andere als ein Verteidiger der Gleichberechtigung der Homosexualität und der Homosexuellen. Er ist theologisch sehr konservativ, das hören die wenigen progressiven Katholiken nicht gern, aber es die Wahrheit. Man lese bitte auch den offiziellen, immer noch gültigen römischen Katholizismus von 1996, dort gibt es beste inhaltliche Übereinstimmungen mit der Nashville Erklärung!

Und man vergesse nicht: Die Nashville Erklärung können die meisten Muslime mit Begeisterung unterschreiben, jedenfalls solche, die in den Herrschaftsgebieten der arabischen Diktatoren leben.

Die Nashville Erklärung ist insofern leider ein ökumenisches, man möchte fast sagen, interreligiöses Dokument.

Man darf gespannt sein, wie etwa in Deutschland sich die Evangelische Kirche offiziell von diesem theologischen Unsinn aus Nashville distanziert. Kaum zu erwarten, wenn man nur an die Macht evangelikaler Kreise etwa in der Württembergischen Landeskirche denkt…Die offizielle katholische Kirche in Deutschland wird – nicht nur stillschweigend – jubeln. Das ist ja das richtige Thema für die katholischen, d.h. päpstlichen Weltjugendtage in Panama im Januar 2019. Sie haben das Motto: “Siehe, ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe nach deinem Worte“. Haben auf solch eine antifeministische Theologie die jungen (armen) Frauen in Lateinamerika gewartet, die in dieser Macho-Gewalt-Unkultur um Überleben kämpfen müssen?

Die Nashville Erklärung richtet viel Schaden an: Sie weckt den Eindruck bei vielen LeserInnen: Ja, so denken halt „die“ Kirchen. Ist ja leider nicht ganz falsch! Die Menschen haben also einen Grund mehr, sich von den Kirchen zu verabschieden.

Die Re­mon­s­t­ran­ten feiern in Holland in diesem Jahr 2019 ihr 400 Jahre dauerndes Bestehen. Ein Thema der aktuellen Auseinandersetzungen wurde ihnen nun mit der niederländischen Nashville-Erklärung vorgelegt, ein Thema, das in den Gedenk- und Denkfeiern jetzt nicht fehlen wird.

Die Re­mon­s­t­ran­ten sind eine zahlenmäßig sehr kleine Kirche, aber sie sind ein Ort der Zuflucht für jene, die eine Verbindung von Moderne, Vernunft, Menschenrechten UND christlichem Glauben erleben und gestalten wollen.

Copyright: Christian Modehn, Forum der Re­mon­s­t­ran­ten Berlin.

Im Dialog mit „Kirchenfernen“, aber „religiösen Menschen“

Fünf neue „Parttime“ – Pastoren für neue Aufgaben

Ein Hinweis von Christian Modehn

Die Re­mon­s­t­ran­ten haben als „freisinnige christliche Kirche“ tatsächlich ja auch alle Freiheit, neue Wege zu gehen. Und sie tun das auch.

Jetzt haben sie entschieden, fünf PastorInnen „parttime“ zu beauftragen, den Dialog mit Menschen zu pflegen, die außerhalb der Gemeinden leben, als spirituell Interessierte, Skeptiker, vielleicht Atheisten. „Kirchenferne“ in jedem Fall. In Bussum, Eindhoven, Utrecht und de „Achterhoek“ werden diese PastorInnen eben nicht die übliche Gemeindearbeit leisten, sondern in Einzelgesprächen und in Gruppen Menschen einladen, über Sinnfragen und Probleme der Lebensgestaltung zu sprechen. Und sicher auch mit Lesungen, Vorträgen, gemeinsamen Mahlzeiten usw. kann das Gespräch gelingen, über Fragen der Einsamkeit, der beruflichen Belastung, der Partnerschaft usw. Wollen wir hoffen, dass Menschen diese freundliche ausgestreckte, einladende Hand ergreifen…. In jedem Fall sind alle Menschen heute auf eine je unterschiedliche „verwundet“ (kwetsbaar), wie die Re­mon­s­t­ran­ten Theologin Christa Anbeek, Amsterdam, betont. „Zeig mir deine Wunde“, sagte bkanntlich Joseph Beuys, also: Zeig mir deine Verletzungen und wir zeigen einander unsere Verletzungen und heilen einander vielleicht ein wenig…

In diesen neu zu organisierenden Gesprächen steht der Mensch im Mittelpunkt: „Die Bibel ist wichtig, aber fürs Gespräch mit suchenden und fragenden Menschen müssen wir als Kirche unser Angebot erweitern und verändern“, sagt der Allgemeine Sekretär der Re­mon­s­t­ran­ten, Joost Röselaars. Damit will er wohl sagen: Als freisinnige Kirche machen Re­mon­s­t­ran­ten keine Mission, wollen nicht auf neue Art, versteckt, neue Mitglieder direkt werben. Es ist vielmehr einzig die menschliche Nähe, die Förderung von Zusammenhalt und Gemeinschaft, die zählt. Und danach verlangt unsere Gesellschaft! Wenn dann später einmal jemand Remonstrant werden will und in dieser freisinnigen Kirche mitleben will: Um so besser.

Die Re­mon­s­t­ran­ten setzen jedenfalls ein deutliches Zeichen: So, wie sich die Kirchen in Holland, und in den westlichen Ländern Europas insgesamt, bisher präsentierten, geht es nicht weiter, dieser uralte Weg führt ins Ende der Kirchen. Und ist, menschlich gesehen, nicht immer hilfreich.Man denke an die Dominanz der Dogmen, der Moral in den meisten, sich orthodox nennenden Groß-Kirchen….

Die Zeit der starken Institution und Behörde, die überall ihre Filialen, ihre Kirchen und Gemeindezentren hat, ist vorbei: Denn die Haltung ist doch dort: Wer etwas „will“, soll diese Räume betreten. Diese Haltung ist theologisch gesehen sogar falsch. Es gilt nun: Pfarrer und Pastoren gehen zu den Menschen, dorthin, wo sie leben. Kirche sollte ein Raum des Austauschs, der (Lebens)-Hilfe sein, eine „Schule des Lebens“, wie es der Re­mon­s­t­ran­ten Theologe Johan Goud ausdrückt. Dieser selbstlose Dienst der Christen an der Gesellschaft wird verstanden, geschätzt, das sagte schon der leider in Holland ziemlich unbekannte Theologe Dietrich Bonhoeffer: Denn wir leben in einer Welt des Kapitalismus, in der alles und fast alle nur am Profit orientiert sind; der einzelne zur Nummer wird, die man (die herrschende Wirtschaft) auch wieder ausradiert … und die Solidarität ist oft nicht mehr als ein Traum.

Der „Religionsphilosophische Salon Berlin“ ist eine säkulare Form des remonstrantischen Lebens: Wir wünschen jedenfalls viel Glück beim Start dieser neuen Präsenz! Vielleicht sind sogar Begriff und Sache eines öffentlichen religionsphilosophischen Salons in einer selbstverständlich NICHT – kirchlichen Kunstgalerie irgendwann einmal eine kleine Anregung für Holland. Den religionsphilosophischen Salon Berlin als Initiative eines Re­mon­s­t­ran­ten in Berlin gibt es seit 11 Jahren mit monatlichen Treffen; Gesprächen, mit Ausflügen, lietarischen Gesprächskreisen usw…. und wird von Anfang an „ehrenamtlich“, ohne „Halftime –PastorInnen“, geleistet.

Copyright: Christian Modehn

 

400 Jahre Re­mon­s­t­ran­ten: Glauben und Kirchesein in Freiheit

Hinweise auf ein Jubiläumsjahr der Re­mon­s­t­ran­ten im Jahr 2019

Von Christian Modehn, Berlin

Die Re­mon­s­t­ran­ten Kirche feiert in den Niederlanden (und sicher auch in Deutschland!) ihr 400 jähriges Bestehen: Diese Kirche ist weltweit gesehen in der weiten Ökumene eine “sehr einmalige” Kirche: Sie stellt die spirituelle Freiheit ihrer Mitglieder in den Mittelpunkt. Sie verpflichtet niemanden auf ein ausführliches dogmatisches Glaubensbekenntnis. Sie lädt ein, miteinander die unterschiedlichen Vorstellungen vom je eigenen christlichen und immer auch humanistisch geprägten Glauben auszutauschen. Vielfalt ist dringend erwünscht! Pluralität selbstverständlich. Das bringt viel Freiheit zum Aufatmen  … und viele spannende Debatten. Und jeder und jede ist selbstverständlich zum Abendmahl eingeladen. Keine Frage! Und Homosexualität ist natürlich normal. Segnungen von homosexuellen Paaren – gleich welcher Konfession – seit 1987 selbstverständlich.

Darüber wurde bereits viel geschrieben.

Nun steht im Jahr 2019 ein großes Jubiläum bevor: Im Jahr 1619 trennten sich einige aufgeschlossene, eher undogmatisch und freiheitlich gesinnte Calvinisten und ihre Theologen von der großen Gruppe der dogmatischen und orthodoxen Calvinisten.

Diese Re­mon­s­t­ran­ten wurden anschließend verfolgt, sie flüchteten sich nach Antwerpen und Friedrichstadt. Später wurden sie in Holland geduldet. Eine Kirche also, die Verfolgung erlebt hat und Flucht seit Anbeginn kennt. Eine aktuelle Perspektive für heute!

Vor allem sind die Re­mon­s­t­ran­ten eine sich stets wandelnde, sich stets weiter entwickelnde Kirche. Stillstand ist untersagt.

 

Zum bisher bekannten Programm im Jahr 2019:

Im Januar 2019 erscheint eine aktuelle Zeitschrift (auf niederländisch “glossy”) über Gegenwart und Geschichte der Re­mon­s­t­ran­ten.

Am 3. März 2019 wird in der großen Rotterdamer Re­mon­s­t­ran­ten Kirche ein Festgottesdienst gefeiert. Später werden sich einzelne Gemeinden öffentlich präsentieren. Im Frühling werden 5 zentrale Haltungen der Re­mon­s­t­ran­ten diskutiert: Freiheit, Toleranz, Freundschaft, Vertrauen und Verantwortlichkeit. Später erscheint ein Buch des remonstrantischen Theologen Peter Nissen (von der Uni Nijmegen) über „Glaubenserfahrungen der Re­mon­s­t­ran­ten“. Peter Nissen ist katholischer Theologe und offizieller “Freund (und Pastor) der Re­mon­s­t­ran­ten… Man kann sich als Mitglied oder als Freund den Re­mon­s­t­ran­ten anschließen, in aller Freiheit…

Am 14. September werden die Feiern und Veranstaltungen erst mal beendet in der ehemaligen Re­mon­s­t­ran­ten Kirche „de rode Hoet“ in Amsterdam. Der „Rote Hut“ ist heute ein im ganzen Land bekanntes, eher linkes, kritisches Kulturzentrum, in dem auch die Studentenecclesia des Theologen und Poeten Huub Oosterhuis Gottesdienste feiert.

copyright: Christian Modehn, Forum der Re­mon­s­t­ran­ten Berlin.

 

Religionen und Kirchen werden zu Friedenskirchen. Eine not – wendige Reformation

Einige Thesen im Religionsphilosophischen Salon am 11.5. 2018

Von Christian Modehn

Wir können in diesen Zeiten zunehmender Aggressionen, Kriege, ökologischer Verwüstungen, sozialer Ungerechtigkeit weltweit nicht mehr so weiterleben und so weiterdenken wie bisher. Auch die Religionen, auch die Kirchen, müssen sich in dieser Situation inhaltlich verändern: Sie sollten sich zu Friedensreligionen, Friedenskirchen, entwickeln. Das wäre die heute gebotene endlich einmal tief greifend neue Reformation. Denn: Dogmatischer Konfessionalismus und herrschsüchtiger Klerikalismus sind keine Hilfen mehr in dieser bedrohlichen Situation heute. Konfessionalismus, Fundamentalismus und Klerikalismus (Priesterherrschaft) behindern nur die Entwicklung zu einem friedlichen Miteinander.

Schon immer haben Religionen und Kirchen wenigstens ansatzweise versucht, die jeweiligen politischen Verhältnisse zu respektieren, auch für die Formulierung der eigenen Glaubens – Lehren (meist haben sie sich auf die Veränderungen in Staat und Gesellschaft anpasslerisch bezogen, man denke an die Übernahme von Kolonialismus, Rassismus, Sklaverei, Hexenwahn in den Kirchen selbst). Es gab aber auch Versuche, etwa angesichts des Kolonialismus in Latein-Amerika die Menschenwürde aller, auch der „Indianer“, theologisch zu respektieren, siehe Pater Bartholomé de las Casas und andere Ausnahmegestalten… „Die eigentliche Erbsünde der modernen westlichen Welt besteht in der schwer sündhaften Weltordnung, die sich in den Jahrhunderten brutaler kolonialer Expansion seit 1492 konstituierte“, so der katholische Theologe Tissa Balasuriya aus Sri Lanka, in der ökumenischen theologischen Zeitschrift „Concilium“, März 2007, Seite 14. Es gilt heute, diese „Erbsünde“ zu überwinden.

Angesichts der Krise Europas, der Bedrohung der Welt durch aggressive und nationalistische Politiker („America first“ etc.), also durch Politiker, die offenbar niemand mehr bremsen und niemand absetzen kann, angesichts der ökologischen ist es eine Notwendigkeit, dass wenigstens religiöse oder explizit humanistische Menschen zusammen mit ihren Religionen einen radikalen auch dogmatischen Einschnitt wagen, sozusagen als letzte Hilfe, in letzter Minute. Das hat nichts mit Alarmismus oder Pessimismus zu tun, sondern entspringt einer rationalen Einschätzung des Weltzustandes.

In dieser Zeit und sicher in alle weiteren Zeiten kann Religion, kann Humanismus nur noch akzeptabel und glaubwürdig sein, wenn sie sich zu Friedensreligionen, Friedensphilosophien, zum Forum für universale Gerechtigkeit entwickeln. Friedensforschung und Konfliktforschung rücken damit ins Zentrum religiöser Arbeit. Gesprächsforen unterschiedlicher Menschen unterschiedlicher (bisher feindlicher) Ideologien werden genauso wichtig wie die üblichen Gottesdienstes.

Friedensarbeit und Versöhnungsarbeit IST Gottesdienst!

Diese Religionen und Kirchen lösen sich von ihren Bindungen an nationales Denken. Denn nationales Denken führt erwiesenermaßen immer in Kriege und zur Vernichtung der Menschheit.

Damit ist nicht gemeint, dass eine Welteinheitsreligion entstehen sollte. Die Pluralität der Religionen bleibt erhalten, selbstverständlich. Nur wird aller Nachdruck darauf gelegt, das Wesentliche, das Humane, das Frieden Fördernde in den Religionen in den absoluten Mittelpunkt zu stellen. Und das Gemeinsame zu besprechen, zu pflegen, zu feiern.

Religionen sind also nicht mehr zuerst gebunden an ihre kleine und begrenzte Welt der Dogmen und spezifischen eigenen Traditionen.

Die neue Orientierung der Religionen, Kirchen, ist gebunden an die Erklärung der Menschenrechte. Auch wenn diese Erklärung der Menscherechte der UNO aus einem kulturellen (humanistischen, europäischen) Umfeld stammt, gelten die Menschenrechte doch universal. Die begrenzte Herkunft sagt nichts gegen die Universalität der Erkenntnis. So wie der kategorische Imperativ von Kant zwar im beschaulichen Königsberg formuliert wurde: So gilt diese ethische Erkenntnis mit Evidenz doch universal, auch in Peking oder Washington. Die politisch Gefangenen in China wollen selbstverständlich die Geltung der Menschenrechte, auch wenn diese Menschenrechte nicht in China „entdeckt“, d.h. formuliert wurden. Das selbe gilt für die verzweifelten Aktivisten in den USA, die trotz allen offiziellen politischen Wahnsinns dort gegen die Verbreitung der Schusswaffen kämpfen usw. Das gilt die indianischen Völker am Amazonas, die für ihren eigenen Lebensraum und den Schtz der Wälder gegen die Allmacht des weißen rassistischen Imperialismus in Brasilien kämpfen….

Konkret: Wie die Christen die Bibel studieren und darüber debattieren, so sollten gleichwertig und mit höheren Intensität auch die Erklärungen der Menschenrechte (der UNO) gelesen, diskutiert, in gewisser Weise verehrend hoch geschätzt werden: Nicht deswegen, weil es heilige Texte sind, sondern weil darin die Sakralität der Personen, aller Menschen, deutlich wird. Siehe dazu das Interview mit dem protestantischen Theologen Wilhelm Gräb, Berlin.

Denn der gemeinsame Kern aller Religionen, so sagen Religionswissenschaftler, ist etwas Göttliches, Heiliges, Unantastbares, das letztlich den Menschen sagt: Dieses Göttliche, Heilige, Unantastbare, dieses „Nichts“, wie auch immer, will letztlich nur das Gute für die Menschen, auch für dich. Diesen KERN gilt es spirituell zu pflegen und in diesem Geist gilt es miteinander auch politisch – kritisch zu handeln.

Diese Erkenntnisse müssen ausgetauscht werden im Dialog. Auch mit Atheisten. Voraussetzung ist: Keiner der Gesprächspartner aus einer Religion besitzt die einzige und für alle geltende religiöse Wahrheit. Die einzige Wahrheit, die alle verbindet, ist das Bemühen, die Menschenrechte zu erkennen und zu leben. Es gibt also eine höhere allgemeine, vernünftige, philosophische Wahrheit als die Religionen oder Atheismen. Religionen und Konfessionen erkennen an: Aus ihrem je eigenen begrenzten dogmatisch – religiösen Zusammenhang finden sie allein nie den Weg, sich für den partnerschaftlichen Dialog mit anderen Religionen lernbereit zu öffnen. Allein philosophisches Nachdenken IN den Religionen und Konfessionen sprengt die enge Welt der dogmatischen Religionen. Hilft, exklusive religiöse Lehren beiseite zu legen, kriegerische Elemente in der eigenen religiösen Tradition für ungültig zu erklären.

Wer seine Spiritualität als Friedensspiritualität lebt, muss sich ständig bilden. Die Lektüre kritischer Zeitungen ist dann genauso wichtig wie die Lektüre heiliger Texte etc.

Das Eintreten für die Menschenrechte (das sind selbstverständlich auch Rechte der Natur und der Tiere) durch den einzelnen ist natürlich bezogen auf das unmittelbare Umfeld des Alltags. Jeder suche sich einen Bereich, wo er, sie, für die Menschenrechte eintritt: Wohnungsprobleme, Gentrifizierung, gegen den Hass auf Ausländer und Flüchtlinge eintreten…

Die philosophische Aufgabe: Für eine neue Akzeptanz des Kompromisses eintreten. Es gilt zu unterscheiden zwischen faulen und richtigen Kompromissen.

Religionen und Kirchen als Friedensreligionen: das verändert das innere Leben der Kirchen selbst: Anstelle der üblichen Gottesdienste mit Liedern und bloß erbaulichen Predigten: Gespräche, Begegnungen, Informationen, des Austausches auch mit Fremden, verbunden mit Momenten der Stille, der Meditation, des Hörens von Musik.

Der einzelne kann dieses Leben nur leben in der Erfahrung und Erkenntnis: In jedem Menschen, auch in mir, lebt etwas Wesentliches, Heiliges, meinetwegen auch „Nichtiges“ (buddhistisch), aber Unzerstörbares, das mich mit einer Dimension von Welt verbindet, die über meinen Alltag hinausreicht. Diese Erfahrung „des geschenkten Unverfügbaren“, „Heiligen“, „Nichts“, wie auch immer in diesen schwachen Worten: Diese reflektierte und ausgesprochene (!) Erkenntnis ist der Mittelpunkt einer spirituellen Energie, die wir alle brauchen. Da bilden sich dann wesentliche, neue Gemeinsamkeiten:

Der Theologe Leonardo Boff, Brasilien, zitiert den Yoga-Meister José Hermógenes:

Ich bat Krishna um seinen Segen, und Christus segnete mich.

Ich betete zu Christus, und Buddha war es, der mich erhört hat.

Ich rief Buddha an, und es war Krishna, der mir antwortet“. (zit. in Concilium, Internationale Kathol. Zeitschrift, März 2007, Seite 55)

Copyright: Christian Modehn, Forum der Re­mon­s­t­ran­ten Berlin.

Bekenntnis der Re­mon­s­t­ran­ten

Eine Information vorweg: Der deutsche Wikipedia Beitrag über die protestantische Kirche der Re­mon­s­t­ran­ten entspricht nicht dem Stand der heutigen Theologie der Re­mon­s­t­ran­ten und auch nicht der Realität der Vielfalt remonstrantischen Lebens. Der Wikipedia Beitrag ist veraltet…

Die Re­mon­s­t­ran­ten sind eine kleine protestantische Kirche, vor allem in den Niederlanden, sie ist Mitglied im Weltrat der Kirchen und in Deutschland Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen.

Sie ist theologisch liberal orientiert, sie sucht eine Verbindung von christlichem Glauben und Humanismus.

Zentrale Veranstaltung des “Forum der Re­mon­s­t­ran­ten Berlin” ist der religionsphilosophische Salon seit 2009.

Am Freitag, den 27. März 2020 um 19 Uhr findet ein religionsphilosophischer Salon über einige zentrale Aspekte der Philosophie HEGELS statt. In der Galerie Fantom, Hektorstr.9. Anmeldung dringend empfohlen. christian.modehn@berlin.de   Dies ist der Auftakt unserer Veranstaltungen zum 250. Geburtstag des Philosophen Hegel, der 1831 in Berlin gestorben ist.

Am Freitag, den 14.Februar 2020 um 19 Uhr fand ein religionsphilosophischer Salon statt über das Thema: „Das Kalte Herz“. Mehr als ein Märchen (von Wilhelm Hauff). Es offenbart die „imperiale Lebensweise“.  22 TeilnehmerInnen waren dabei. Leider mussten wir 8 Interessierten absagen, weil der Raum klein ist und vor allem: Nur eine kleinere Gruppe eine Gesprächssituation ermöglicht. Aber das große Interesse, ohne jede öffentliche Werbung, allein im Internet, und ohne jede Finanzierung von außen, ist schon bemerkenswert. Einige vertiefende Hinweise zur imperialen Lebensweise: Beachten Sie diesen LINK.

Am DONNERSTAG , den 9., Januar 2020, trafen sich in der Kunstgalerie Fantom Hektorstr. 9,  17 TeilnehmerInnen zum Thema: Das NEUE !? Gibt es noch das Neue im emphatischen Sinne? Das Bessere, das Gerechtere? Ein Abend, der auch dem persönlichen Austausch gewidmet war: Was ist mein Neues, habe ich Neues als Neubeginn erlebt? Habe ich eine, meine, Utopie?

Für Re­mon­s­t­ran­ten als einer protestantischen Kirche gibt es kein Glaubensbekenntnis, das für jedes Mitglied verpflichtend ist. Jeder, der Remonstrant werden möchte, formuliert sein eigenes, sein persönliches Bekenntnis. Dieses wird von der Kirche respektiert, es kann inspirieren zu weiteren Gesprächen. Im Jahr 2006 haben einige Theologen der Re­mon­s­t­ran­ten Kirche ein Bekenntnis formuliert, das sehr wertvoll, sehr inspirierend ist, das aber nicht bindend ist für die Mitglieder und Freunde der Re­mon­s­t­ran­ten. Nur so kann eine Kirche leben, die Vielfalt respektiert und den Glauben des einzelnen ernst nimmt. Bitte lesen Sie dazu den wichtigen Beitrag von Prof. Johan Goud, Den Haag. Johan Goud ist Philosoph und Theologe der Re­mon­s­t­ran­ten Kirche in Den Haag.

2006 haben einige remonstrantische Theologen einen Vorschlag gemacht, wie ein Glaubensbekenntnis ihrer Kirche aussehen könnte. Auffallend und einmalig in der weiten Ökumene ist wohl, dass das Glaubensbekenntnis nicht sofort mit “Gott” beginnt, sondern mit menschlichen Erfahrungen.

Dies ist der Text des Glaubenbekenntnisses als Impuls für alle Freunde und Mitglieder der Kirche:

Wir erkennen und glauben, dass wir unsere Ruhe nicht in der Sicherheit dessen finden, was wir bekennen, sondern im Erstaunen über das, was uns zufällt und geschenkt wird. Dass wir unsere Bestimmung nicht finden in Gleichgültigkeit und in Habgier, sondern in der Wachheit und Verbundenheit mit allem, was lebt. Dass unser Dasein nicht seine Vollendung findet in dem, was wir sind und was wir haben, sondern durch das, was unendlich größer ist als unser Begreifen. In diesem Bewusstsein glauben wir an Gottes Geist, der alles, was Menschen trennt, übersteigt, der sie begeistert für das, was heilig und gut ist. Damit die Menschen dann singend und schweigend, betend und handelnd Gott ehren und dienen.

Wir glauben an Jesus, einen vom Geist erfüllten Menschen das Antlitz Gottes, das uns ansieht und beunruhigt. Er hatte die Menschen lieb und wurde gekreuzigt, aber er lebt, sein eigener Tod und unser Tod sind vorüber. Er ist uns ein heiliges Vorbild für Weisheit und Mut, er bringt Gottes ewige Liebe ganz dicht zu uns.

Wir glauben an Gott, den Ewigen, der unergründliche Liebe ist, der Grund unseres Daseins, der uns den Weg zu Freiheit und Gerechtigkeit weist und uns einlädt zu einer Zukunft in Frieden.

Wir glauben, dass wir selbst, so schwach und fehlerhaft wir auch sind, gerufen werden, um mit Christus und allen Gläubigen verbunden, Kirche zu sein im Zeichen der Hoffnung.

Denn wir glauben an die Zukunft von Gott und Welt, an eine göttliche Geduld, die Zeit schenkt, um zu leben und zu sterben und um aufzuerstehen in das Königreich, das da ist und kommen wird, wo Gott auf ewig sein wird: Alles in allem. Gott sei der Lob und die Ehre in Zeit und Ewigkeit. Amen.

Zum Glaubensbekenntnis siehe das Buch:“Een weg van vrijheid” (Ein Weg der Freiheit), Reflectie bij de nieuwe remonstrantse belijdnis (Reflektionen zum neuen Re­mon­s­t­ran­ten Bekenntnis), hg u.a. Mijnke Bosman, Verlag Meinema, Zoetermeer, 2. Auflage 2007.

Das Forum der liberal-theologischen protestantischen Re­mon­s­t­ran­ten – Kirche in Berlin hat im Augenblick seinen Schwerpunkt in den religions-philosophischen Salons. Dies sind philosophische Gesprächskreise, auch zu literarischen, künstlerischen, religionswissenschaftlichen und theologischen Themen, in der selbstverständlichen Freiheit, ohne jede “konfessionelle Werbung”. Wir wollen ein Ort der Pluralität sein, ein Ort, in dem deutlich wird: Jeder Mensch hat seinen eigenen Glauben und soll ihn pflegen und mit anderen besprechen…Diese Salon-Abende sind natürlich offen für alle, die nach einer kritischen und selbstkritischen philosophischen Vertiefung ihrer Lebensfragen mit anderen zusammen suchen. Wir als  Re­mon­s­t­ran­ten halten nicht viel von einer Religion oder Kirche, die dogmatisch eng “nur unter sich bleiben will”. Lernen von “den anderen” ist für uns philosophisch und theologisch entscheidend.

Am Freitag, den 22. NOVEMBER 2019 um 19 Uhr, fand wieder ein religionsphilosophischer Salon statt:  In der Galerie Fantom, Hektorstr.9. Unser Thema: Was bedeutet “Apokalypse” und “apokalyptisch”? Dies sind heute vielfach verwendete Begriffe zur Bescheibung des Zustandes unserer Welt. Reflexionen über das “Ende von allem” sind also erforderlich und hilfreich, genauso wie eine Auseinandersetzung mit dem Buch der “Apokalypse des Johannes” im Neuen Testament. Aber was vermag da die Reflexion auf die Apokalypse? Ist sie Lähmung des Lebens/Denkens oder (letzter) Impuls zum Handeln? Das Thema hat philosophische Implikationen!  18 TeilnehmerInnen waren dabei!

 

Johan Goud

Für die Vielfalt, nicht nur im Glauben. Ein Interview mit dem Re­mon­s­t­ran­ten Theologen Prof. Johan Goud, Den Haag

Für die Vielfalt, nicht nur im Glauben

Ein Interview mit dem Theologen und Pastor der Re­mon­s­t­ran­ten-Kirche Prof. em. Johan Goud (Den Haag):

Die Fragen stellte Christian Modehn

Zwei Fragen beziehen sich unmittelbar auf die Theologie: Die Freiheit ist entscheidend für Re­mon­s­t­ran­ten, auch die Selbstbestimmung des einzelnen, seinen Glauben zu leben auf seine je individuelle Art. Haben deswegen die Re­mon­s­t­ran­ten de facto kein allgemein verbindliches Glaubensbekenntnis? Ebenso gilt die weitere Frage: Was hält Re­mon­s­t­ran­ten zusammen bei der akzeptierten Glaubens-Pluralität? Und warum ist Pluralität der religiösen Überzeugungen ein Vorteil?

Aber zunächst zur aktuellen politischen Situation in den Niederlanden, dort sind Parlaments-Wahlen am 15. März 2017, mit der Prognose, dass die populistische und rechtslastige Partei PVV stark wird): Was können Christen in den Niederlanden, was können Re­mon­s­t­ran­ten, jetzt tun gegen Wilders und die PVV?

Johan Goud:

Diese Frage betrifft auch den Populismus, der sich im Augenblick in der ganzen Welt Weiterlesen →

Von einem Gott, der „beinahe nicht besteht“. Zum theologischen Profil eines remonstrantischen Theologen

Ein Beitrag des holländischen Theologen und Re­mon­s­t­ran­ten Pastors Prof. em. Johan Goud, Den Haag.

Die Frage stellte Christian Modehn vom “Forum der Re­mon­s­t­ran­ten Berlin”: Es gibt in der weiten Ökumene sehr viele und sehr unterschiedliche, immer mehr auch evangelikale und pflingstlerische Kirchen. Eine kleine protestantische Kirche in Holland nennt sich „Re­mon­s­t­ran­ten“ als eine theologisch-liberale Glaubensgemeinschaft. Sie ist eine Ausnahme im weiten Feld der sich orthodox nennenden Kirchen. Wie würden Sie in Ihrer Sicht das besondere theologische Profil der Re­mon­s­t­ran­ten kurz beschreiben?

Prof. Johan Goud:

Re­mon­s­t­ran­ten lieben es, die Weiterlesen →

Joost Roselaers ist der neue „Allgemeine Sekretär“ der Re­mon­s­t­ran­ten-Kirche

Der „oberste Koordinator“ der Re­mon­s­t­ran­ten Kirche nennt sich „Allgemeiner Sekretär“: Mitte November (2016) wurde der Theologe Joost Roselaers (36) auf diesen Posten gewählt. Er war vorher u.a. Pastor in Amsterdam und in London an der „Dutch Church“. Am 1. Januar 2017 beginnt seine Arbeit in der Kirchenzentrale in Utrecht.

In seiner Rede nach der Wahl sagt Joost Roselaers unter anderem: „Meine Pläne für die kommenden Jahre sind: Ich will Weiterlesen →

Die Direktorin des Humanistischen Verbandes spricht im Sonntagsgottesdienst

Am Sonntag, den 29. Mai 2016, predigt die neue Direktorin des Humanistischen Verbandes der Niederlande, Christa Compas, im Sonntagsgottesdienst der protestantischen Gemeinde der Re­mon­s­t­ran­ten in Amsterdam, die Kirche heißt “de Vriburg”. “Gebt mir Brot und auch Rosen” ist das Thema. Christa Compas ist Politologin und in vielfältiger Weise auch für die Gleichberechtigung der Frauen in der Gesellschaft aktiv. Der “Humanistische Verband Hollands” ist eine bekannte Organisation, in der sich agnostische und atheistische Menschen zusammenfinden; sie haben z.B. eine eigene Universität in Utrecht. Uns freut es sehr, dass die Re­mon­s­t­ran­ten eine Weiterlesen →

Für die Schulen der Weisheit. Ein Interview mit Prof. Johan Goud, Den Haag.

Für die „Schulen der Weisheit“

Ein Interview mit dem remonstrantischen Theologen Prof. Johan Goud. Die Fragen stellte Christian Modehn

Veröffentlicht am 29.Januar 2016 in der Zeitschrift PUBLIK FORUM (Postfach 2010, 61410 Oberursel. www.publik-forum.de

Publik_Forum: In den Niederlanden ist die Entkirchlichung so weit fortgeschritten, dass es in einigen Jahren fast keine Kirchen mehr geben wird. 49 Prozent der Niederländer bezeichnen sich als unkirchlich. Bei den 18 – 35 Jährigen ist der Anteil der Christen sehr gering. Sind unkirchliche Holländer automatisch unreligiös?

Johan Goud: Sicher nicht. Schon im 17. Jahrhundert gab es „Kirche“ bei uns nur in Vielfalt. Keine konnte beanspruchen, „Religion“ und „Christlichkeit“ uneingeschränkt zu repräsentieren. Jetzt gibt es noch mehr Pluralität, religiőse Alternativen nicht-christlicher Art. Nur 24 Prozent der Niederländer zählen sich zu den Weiterlesen →

Für einen modernen Glauben im 21. Jahrhundert: Ein kurzes Plädoyer der Re­mon­s­t­ran­ten

Die neue website der Re­mon­s­t­ran­ten in Holland hat einen Text veröffentlicht, der für einen modernen Glauben im 21. Jahrhundert plädiert, zur neuen website klicken Sie hier.

Was glauben wir?

Einige Hinweise der Re­mon­s­t­ran­ten-Kirche, Holland. Sie ist als freisinnige, „liberal-theologische“ protestantische Kirche Mitglied im Ökumenischen Rat der Kirchen Genf.

“Glauben beginnt bei dir”, heißt es immer wieder bei den Re­mon­s­t­ran­ten. Was bedeutet das genau ?

Für Re­mon­s­t­ran­ten heißt das: Wir nehmen deine Lebensweisheit und deine Ansichten uneingeschränkt ernst. Auch legen wir Wert auf eine wachsende, fortschreitende Einsicht. Man kann das auch Flexibilität nennen. Gott lässt sich nicht Weiterlesen →

Ethik ist wichtiger als Religion: Der Salon am 28. August 2015

Der nächste Religionsphilosophische Salon findet am Freitag, den 28. August 2015, um 19 Uhr, in der Galerie Fantom, Hektorstr. 9 in Berlin-Wilmersdorf statt. Das Thema: „Ethik ist wichtiger als Religion“. Dazu herzliche Einladung. Ihre Anmeldung bitte an: christian.modehn@berlin.de   Für die Raummiete bitten wir um 5 Euro. Studenten haben wie immer kostenfreien Eintritt. Zur Einstimmung ein Zitat des Dalai Lama: „Ich denke an manchen Tagen, dass es besser wäre, wenn Weiterlesen →

Re­mon­s­t­ran­ten-Gemeinden: Orte der Lebenskunst

Re­mon­s­t­ran­ten Gemeinden: Orte der Lebenskunst.

Über die Zukunft christlicher Gemeinden

Zur Zeitschrift ADREM der Re­mon­s­t­ran­ten

Von Christian Modehn

Die Re­mon­s­t­ran­ten in den Niederlanden, diese freisinnige christliche Kirche, nennt ihre Monatszeitschrift ADREM. Dieser Titel klingt lateinisch: „Zur Sache“, heißt die Übersetzung. Es geht um die „Sache“ spirituellen Lebens im Heute … auf der Basis einer vernünftigen, kritischen, „modernen“ Theologie. Aber der Titel ADREM unterstreicht auch, dass eben Weiterlesen →

“Mein Gott”: Persönliche Bekenntnisse von Re­mon­s­t­ran­ten

 

Die Re­mon­s­t­ran­ten haben dieser Tage in den Niederlanden eine umfassende Werbe-Aktion gestartet, u.a. auch mit Plakaten, die im ganzen Land, vornehmlich auf Bahnhöfen, zu sehen sind.

Gleichzeitig erschien eine kleine Broschüre, in der einige Re­mon­s­t­ran­ten kurz und bündig – und durchaus werbend – erläutern, warum sie mit dieser Kirche verbunden sind.

Diese sehr persönlichen und bewusst sehr individuellen Bekenntnisse sind ein erster Schritt, um Menschen einzuladen, über den eigenen Glauben und die eigene, persönliche Gottesbeziehung nachzudenken.

Diese weit verbreitete kleine Broschüre Weiterlesen →

Spielerisch leben, spielerisch glauben. Ein Salonabend am 27. Juni 2014

 

Am Freitag, den 27. Juni 2014, findet der nächste religionsphilosophische Salon statt zum Thema:

Spielerisch leben. Spielerisch glauben?

Perspektiven zum “homo ludens”.

Ein Thema, das nicht nur anläßlich der Fußball WM interessant und spannend sein kann.

Ort: Galerie Fantom, Hektorstr. 9, in Berlin-Wilmersdorf, um 19 Uhr. Unkostenbeitrag: 5 Euro. Um Anmeldung wird gebeten an: Christian.modehn@berlin.de

Herzlich willkommen!

Zur inhaltlichen Vorbereitung und Einstimmung empfehlen wir die Lektüre des Interviews mit Wilhelm Gräb “Von der Wunderkraft des Spielens” auf unserer 2. website www.religionsphilosophischer.salon.de

 

Größe und Grenzen der Autonomie. Sind wir noch selbstbestimmt? Ein Salonabend am 28.3. 2014

Autonomie: Ihre Größe, ihre Grenzen. Sind wir (noch) selbstbestimmt? Ein Salonabend

2. Mrz 2014 | von | Themenbereich: Termine | Edit

Zu den Bestimmungen menschlichen Daseins zählt spätestens seit Kant ganz zentral die Vorstellung, der Mensch sei in der Lage, aus sich selbst und aus seiner (und der allgemeinen) Vernunft heraus selbständig zu denken, zu handeln, zu leben. Autonomie heißt die Losung, die im Widerspruch und im Widerstand  gegen autoritäre Weisungen, also gegen Fremdbestimmungen, gedacht und gelebt werden sollte. Aber inwieweit ist derjenige, der sich selbstbestimmt, immer schon auch fremdbestimmt? Ist das Fremde als das Andere immer eine Gefährdung? Leben wir in einer Gesellschaft, die die Fremdbestimmung so verdeckt, dass die Menschen gar nicht merken, wie fremdbestimmt sie eigentlich sind. Um so sensibler sollten wir werden, wenn wir uns der Autonomie zuwenden. Sie gilt ja nicht nur für die Alltagsfragen, sondern auch für die letzten (auch im Blick auf das Lebensende) Fragen.

Ein Salonabend, der nicht nur kritisches Nachdenken befördern will, sondern durchaus lebensorientierend sein kann. So will es ja die klassische “SalonKultur”, der wir uns im Geist der Aufklärung verpflichtet fühlen.

Der Salon findet statt am Freitag, den 28. März 2014, um 19 Uhr in der Galerie Fantom, Hektorstr. 9. Wir bitten wegen der begrenzten Anzahl von Plätzen um eine (hoffentlich definitive) Anmeldung. Der Beitrag für die Raummiete beträgt pro TeilneherIN 5 Euro, wobei durchaus Ermäßigungen möglich ist. Schließlich soll die Teilnahme an einem philosophisches Gespräch niemals am Geld scheitern…

Anmeldung: christian.modehn@berlin.de

Jacobus Arminius

Mennoniten und Re­mon­s­t­ran­ten arbeiten seit 400 Jahren zusammen

Mennoniten und Re­mon­s­t­ran­ten arbeiten seit 400 Jahren zusammen

In Holland gibt es seit 400 Jahren schon eine enge ökumenische Freundschaft und Zusammenarbeit: Die Mennoniten, in den Niederlanden “Doopsgezinde”, also auf (Wieder) Taufe bezogene Christen, genannt und die Re­mon­s­t­ran­ten, die in Holland offiziell “remonstrantische Bruderschaft” heißen, arbeiten heute auf der Ebene von Gemeinden zusammen, etwa in Dokkum, Amersfoort, Hilversum, Leiden, Meppel, Nijmegen, Hoorn.

Schon in den Jahren des Entstehens beider Kirchen, also im 17. Jahrhundert, war man sich in vielen theologischen Fragen einig, etwa in der Ablehnung einer rigiden Gnadenlehre (nach Calvin), in der Hochschätzung von Weiterlesen →

Weltrat der Kirchen in Busan, Korea: Re­mon­s­t­ran­ten sind dabei

An der  10. Vollversammlung des Weltrates der Kirchen (Genf)  in Busan (Süd – Korea) vom 30. Oktober bis 8. November 2013 nehmen auch zwei Theologinnen der Re­mon­s­t­ran­ten Kirche teil: Greteke de Vries  (Gemeinde Naarden – Bussum) und Christiane Berkvens (Prof. em. der Uni Nijmegen, jetzt Rotterdam), die unseren LeserInnen ja bekannt ist durch ihre Publikationen..Uns freut es ganz besonders, dass dadurch  auch die freisinnige christliche Kirche mit einer modernen, liberalen Theologie auf der großen Versammlung präsent ist. Der Weltrat der Kirchen ist ja bekanntlich sehr  stark geprägt ist von pfingstlerischen, evangelikalen (wenn nicht fundamentalistischen) und orthodoxen Kirchen und Theologien. Freisinnige Christen sind eine kleine Minderheit, aber es gibt sie noch…

Beide Theologinnen werden während der Ökumene Versammlung blogs schreiben, auf der website   www.remonstranten.org

Remonstrantische Theologie ist notwendig

„Remonstrantische Theologie ist notwendig“

 

Ein Symposion an der “Vrije Universiteit” von Amsterdam am 16. Oktober 2013

 

 

Das Seminar, also die spezielle Ausbildungsstätte der PastorInnen der Re­mon­s­t­ran­ten Kirche, befindet sich nun in Amsterdam, in unmittelbarer Verbundenheit mit der „Vrije Universiteit“.

 

Neue Mitarbeiterin des Seminars ist die Theologin Dr. Christa Anbeek.

 

 

Zur Präsentation aktueller Themen remonstrantischer Theologie findet am 16. Oktober in Amsterdam eine Reihe von (Kurz – ) Vorträgen und Diskussionen statt:

 

 

Prof. em. Christiane Berkvens – Stevelinck, den Lesern des Re­mon­s­t­ran­ten Forums Berlin bereits bekannt,  hält den Eröffnungsvortrag.

 

Über die Geschichte des Re­mon­s­t­ran­ten Seminars spricht Dr. Tjaard Barnard, der Rektor.

 

Danach äußert sich Bert Dicou, Pastor und Chefredakteur der Monatszeitschrift ADREM.

 

Auch Prof. Peter Nissen von der Radbout Universität (Fach: spiritualitätsstudien) ist dabei, er spricht über “Kirchenveränderungen“. Peter Nissen ist als katholischer Theologe „Freund der Re­mon­s­t­ran­ten“.

 

Zum Schluss ergreift Prof. Christa Anbeek ausführlich das Wort, Titel ihrer „Oratie“: „Überliefert an die Heiden. Wie Theologie das 21. Jahrhundert überleben kann“. Christa Anbeek hat den Lehrstuhl für remonstrantische Theologie inne. Sie hat zahlreiche Bücher publiziert und war borher in verschiedenen Hochschulen tätig.

 

 

Aanmelding vóór  9 oktober bij het Landelijk Bureau Re­mon­s­t­ran­ten,

 

info@remonstranten.org of T 030 231 6970.

 

Theologie muss öffentlich sein: Die “Nacht der Theologie” in Holland

Von Tom Mikkers, Sekr. der Re­mon­s­t­ran­ten, Utrecht NL

Wie schön ist es  zu hören, dass es nun in Berlin eine “kleine theologische Sommerschule” am 20.Juli 2013 gab.  Ich möchte gern von zwei Erfahrungen der letzten Wochen berichten:

Denn auch für eine Gruppe remonstrantischer Theologen stand der Monat Juni im Zeichen von „Theologie und Sommer“.

Zuerst gab es eine Teilnahme Weiterlesen →

Theologische Sommerschule am 20. Juli 2013

 

Am Samstag, den 20.Juli, starten wir die Erste Theologische Sommerschule mit dem Berliner Theologen Prof. Wilhelm Gräb, Humboldt Universität. Genauere inhaltliche Informationen folgen. Es geht um die Diskussion einiger grundlegender Themen der liberal – theologischen Orientierung. Wir beginnen und 14 Uhr, Ende gegen 18 Uhr in der Galerie FANTOM, Hektorstr. 9 in Berlin-Wilmersdorf. Als Beitrag denken wir an 10 Euro.

Zum ersten Mal gibt es nun auch für “theologische Laien”, die es in der liberal – theologischen Tradition eigentlich nicht gibt, die Chance, sich näher vertraut zu machen mit einer Lebenshaltung bzw. Theologie, die die Moderne voll respektiert, die das eigene Denken, die eigene religiöse Erfahrung hochschätzt und Gemeinde als Form des “geselligen Miteinanders unterschiedlicher religiöser Menschen” (Schleiermacher) begreift.

Diese Veranstaltung geschieht in Zusammenarbeit dem Religionsphilosophischen – Salon Berlin.     www.religionsphilosophischer-salon.de

Wer sich ein Bild machen möchte über die Aktualität liberal – theologischen Denkens heute, den/die verweisen wir gern auf unsere website www.religionsphilosophischer-salon.de dort die Kategorie “Fundamental vernünftig”: Dabei handelt es sich um Interviews mit Wilhelm Gräb sowie natürlich auf die Beiträge dieser website!

Eine Anmeldung ist Bedingung und erforderlich an: christian.modehn@berlin.de, dann werden weitere Infos zur Vorbereitung zugesandt

Toleranz

Re­mon­s­t­ran­ten haben ihren “Tag der Beratung” (Beraadsdag) am 9. März 2013 in Amsterdam

Die Re­mon­s­t­ran­ten gestalten in jedem Jahr einen “beraadsdag”, einen Tag der Beratung und Aussprache; in diesem Jahr findet er am 9. März 2013 in Amsterdam im der Moses – und Aaron Kirche am Waterlooplein statt. Im Mittelpunkt der Vorträge und Diskussionen steht diesmal die Toleranz, eine Haltung, die seit der Gründung der Re­mon­s­t­ran­ten Kirche zu Beginn des 17. Jahrhunderts zum Kernpunkt der Theologie und Spiritualität geworden ist. Was heißt aber Toleranz heute in einer Welt, die offenbar keinen Respekt vor der Verschiedenheit und so wenig Sinn für den Frieden hat, zumal in der Welt der Religionen immer mehr Intoleranz, immer mehr Fundamentalismus, immer mehr Machtbesessenheit zu vermerken sind.

Toleranz bedeutet heute wohl auch Intoleranz gegenüber den Intoleranten. Wobei Toleranz ja nur die schwächste Ebene des menschlichen Miteinanders ist, wichtiger sind Fairness und vor allem Respekt und Geichberechtigung….

Wir bieten hier in niederländischer Sprache das Programm des “Beraadsdag” in Amsterdam am 9. März 2013:

KOM NAAR DE REMONSTRANTSE BERAADSDAG 2013

VERDRAAGZAAMHEID … in the global village

zaterdag 9 maart 2013 van 10.30 tot 16.15 uur

Mozeshuis/ Mozes en Aäronkerk in Amsterdam

met o.a. James Kennedy, Marcel Poorthuis, Sharda Nandram

 

Re­mon­s­t­ran­ten en verdraagzaamheid

Sinds het ontstaan van de Remonstrantse Broederschap is verdraagzaamheid een belangrijke waarde voor remonstranten. Al werden er door de eeuwen heen wel verschillende accenten gelegd. Hoe geven we verdraagzaamheid vorm in de 21ste  eeuw? Wie zich met die vraag wil bezig houden is van harte welkom.

21ste eeuw

Mobiliteit en communicatie zijn voor een deel van de wereldbevolking aanmerkelijk verbeterd. Maar zijn we hierdoor ook verdraagzamer geworden? Wat valt er over verdraagzaamheid te zeggen in een wereld die alsmaar kleiner wordt? Worden we door alle mogelijkheden om met elkaar in verbinding te staan klein van geest of groot van hart? Wat is de remonstrantse inbreng aan de discussie over Islam en populisme? Waardoor laten we ons inspireren als we proberen om verdraagzaam te zijn? Tijdens deze beraadsdag gaan we in op de betekenis van verdraagzaamheid in een  moderne samenleving waar kerk en religie niet meer vanzelfsprekend zijn maar waar nog altijd  – gegeven al die verschillende mensen –geenszins sprake is van een seculiere monocultuur. Verdraagzaam zijn in het werelddorp, kan dat eigenlijk wel?

Ter voorbereiding

Het boekje Islam, populisme en kerkelijke respons van dr. Antje van der Hoek e.a. ( zie webwinkel op website remonstranten) is zeer geschikt als voorbereidende lectuur voor de remonstrantse Beraadsdag 2013,  waar het thema verder uitgewerkt wordt met lezingen en workshops.

Over de locatie

Het Mozeshuis in Amsterdam is in 2012 uitgeroepen tot ‘ambassade van de verdraagzaamheid’. De ambassade van de verdraagzaamheid leek volgens de organisatie van de remonstrantse beraadsdag bij uitstek de plaats waar remonstranten zich kunnen bezinnen op dit onderwerp.

‘Paspoort Europa’

De Remonstrantse Beraadsdag wordt dit jaar georganiseerd in samenwerking met de International Association for Religious Freedom (IARF) en de remonstrantse Taakgroep Europese Contacten. Het deelprogramma ‘paspoort Europa’ wordt door deze twee groepen georganiseerd.

HET PROGRAMMA

10.00 uur  ontvangst en inschrijving

10.30 uur  liturgische opening door Christa Anbeek – docent remonstrants Seminarium

10.45 uur  James Kennedy over verdraagzaamheid , met reactie van Marcel Poorthuis

James Kennedy is hoogleraar Nederlandse Geschiedenis sinds de Middeleeuwen aan de Universiteit van Amsterdam. Hij groeide op in de Verenigde Staten en is vanaf 2003 werkzaam in Nederland.

Marcel Poorthuis is in 2010  benoemd tot hoogleraar aan de Faculteit Katholieke Theologie met als leeropdracht de dialoog tussen godsdiensten.

 

11.45  – 12.00 uur koffie + op weg naar de workshops

12.00 –  13.00 uur workshopronde 1

Paspoort Europa – deel 1, De Remonstrantse Beraadsdag 2013 wordt dit jaar georganiseerd in samenwerking met de International Association for Religious Freedom (IARF) en de remonstrantse Taakgroep Europese Contacten. Tijdens de dag verzorgen zij een speciaal programma met workshops: ’Paspoort Europa?’

 

 

–          Verdragen en kwetsbaarheid met  Christa Anbeek, docent aan het Remonstrants Seminarium.

Christa Anbeek schreef ondermeer ‘Overlevingskunst – leven met de dood van een dierbare’, dat vorig jaar verscheen. Daarin onderzoekt Anbeek wat filosofie, godsdienst en psychologie aan troost te bieden hebben. In het voorjaar van 2013 verschijnt haar nieuwe boek ‘De berg van de ziel’ waarin ze verder ingaat op het thema ‘kwetsbaar leven’.

–          Aan de slag om de hoek met Arie Nico Verheul.

Hoe kom je in contact met andersgelovigen en hoe voer je een zinvol interreligieus gesprek?  Wat breng je ter sprake? Hoe kun je in je plaatselijke gemeente werken aan interreligieuze dialoog?  Remonstrants predikant Arie Nico Verheul heeft hier ervaring mee.

–          Over Friedrichstadt en remonstrantse verdraagzaamheid met Severien Bouman.

In de zeventiende eeuw stichtten remonstranten het stadje Friedrichstadt in Sleeswijk-Holstein. Het is de enige remonstrantse gemeente buiten Nederland. Wat leert het zeventiende-eeuwse experiment van Friedrichtstadt ons nu over verdraagzaamheid? Severien Bouman is remonstrants predikant in Friedrichstadt.

–          The global village van de apostel Paulus. Leerhuis met Carolien Sieverink, student aan het remonstrants Seminarium.

Haar afstudeerscriptie gaat over de rol van vrouwen in de gemeente in de theologie van Paulus. Hoe ruimdenkend was Paulus eigenlijk? Hoe groot of hoe klein was zijn global villlage?

–          Van Harem tot Fitna met Marcel Poorthuis. De beeldvorming over de Islam in Nederland is aan verandering onderhevig. Marcel Poorthuis schreef hier een standaardwerk over ‘Van Harem tot Fitna’. Op deze beraadsdag zet hij de hoofdlijnen van dit boek uiteen.

13.00 – 14.00 uur   LUNCH

 

 

14.00 – 15.00 uur workshopronde 2

–          A Common word met Antje van der Hoek en Marcel Poorthuis.

Antje van der Hoek geeft in het boekje dat verschenen is ter voorbereiding op de beraadsdag ( zie onder) de discussie weer binnen kerken in Duitsland en Nederland  over de verhouding tussen moslims en christenen. Zij gaat met name in op de handreiking van de Evangelisch Lutherse Kerk in Duitsland ‘Klarheit und gute Nachbarschaft. Christen und Muslime in Deutschland’ (2006) en op de verklaring van 138 moslimgeleerden ‘A Common Word’ (2007). Deze laatste tekst heeft ook bij kerken in Nederland reacties losgemaakt.  Antje van der Hoek legt aan het einde van haar bijdrage de indringende vraag op tafel welk vrijzinnig alternatief er kan worden geboden voor anti-islamitische sentimenten in de samenleving en geeft een eerste aanzet voor de beantwoording ervan. Hoe kunnen de remonstranten aansluiten bij het document ‘A common word’? Zij gaat hierover in gesprek met Marcel Poorthuis.

Antje van der Hoek, ‘Islam, Populisme en kerkelijke respons. Vrijzinnigen aan het woord’. Eigen uitgave van de remonstranten in het kader van het jaarthema ‘Verdraagzaamheid in the global village’ . 96 pagina’s. Prijs: € 7,- excl. porto ( bij 5 exemplaren voor € 5,- per stuk). ISBN 978 90 811949 0 7 – bestellen via info@remonstranten.org

–           Paspoort Europa – vervolg

De remonstrantse Beraadsdag 2013 wordt dit jaar georganiseerd in samenwerking met de International Association for Religious Freedom (IARF) en de remonstrantse Taakgroep Europese Contacten. Tijdens de dag verzorgen zij een speciaal programma met workshops:” “Paspoort Europa?”

–          Bidden we voor dezelfde God?  Predikant en islamoloog Jan Slomp was kritisch over de nota van de PKN over de Islam uit 2010. In deze nota ging het ook om de vraag of moslims en christenen samen kunnen bidden. In deze workshop gaat Jan Slomp in op de vraag of we voor dezelfde God bidden.

–          Verdraagzaamheid bij de Re­mon­s­t­ran­ten met Tjaard Barnard. Tjaard Barnard gaat in op de verschillende wijzen waarop remonstranten in de afgelopen vier eeuwen verdraagzaamheid aan de orde stelden. Tjaard Barnard is remonstrants predikant in Rotterdam en rector van het remonstrants Seminarium.

15.00 – 15.15 uur theepauze

 

15.15 – 16.00 uur Afronding van de dag onder leiding van Sharda Nandram

Sharda Nandram is sociaal psycholoog en werkt als associate professor aan Nyenrode Business University op het terrein van spirituele innovatie en werkt als lector bij de Hoge School Arnhem/ Nijmegen

16.15 uur liturgische afsluiting onder leiding van Tjaard Barnard

 

 

Politiker predigen im Sonntagsgottesdienst: Ein Interview mit Pastor Joost Röselaers, Amsterdam

Interview mit Joost Röselaers, Re­mon­s­t­ran­ten – Pastor in der Gemeinde Vrijburg, Amsterdam

In der Vriburg – Gemeinde in Amsterdam finden seit einigen Monaten regelmäßig Gottesdienste statt, in denen Politiker die Predigt halten. Es handelt sich dabei um die üblichen Gottesdienste am Sonntagvormittag um 10.30 Uhr.

In einem Interview mit Christian Modehn erläutert Pastor Joost Röselaers Weiterlesen →

Marius van Leeuwen

Re­mon­s­t­ran­ten – “klein, aber fein”: Aus einem Interview mit Prof. Marius van Leeuwen

Re­mon­s­t­ran­ten – „klein, aber fein“

Aus einem Interview mit Prof. Marius van Leeuwen

Von Christian Modehn

Die Juli Ausgabe (2012) der Monatszeitschrift der Re­mon­s­t­ran­ten ADREM (Utrecht) ist ein Heft, das der Theologe Marius van Leeuwen redaktionell betreut hat. Von 1993 bis zum Sommer 2012 ( Zeitpunkt seiner Emeritierung) leitete Weiterlesen →

Huub Oosterhuis inspiriert: Der “Beraadsdag” der Re­mon­s­t­ran­ten in Amsterdam

Huub Oosterhuis inspiriert: Das jährliche Treffen der Re­mon­s­t­ran­ten. Diesmal in Amsterdam

Von Christian Modehn

Die Re­mon­s­t­ran­ten halten einmal im Jahr einen so genannten „Beraadsdag“, frei übersetzt: einen „Tag der Gespräche und Diskussionen“. Von den 5.000 Mitgliedern dieser freisinnigen Kirche waren am 10. März 2012  200 dabei: Sie trafen sich im neuen Zentrum der Studentenekklesia in Amsterdam, der ökumenischen Gemeinde, die von dem Theologen und Dichter Huub Oosterhuis 1970 ins Leben gerufen wurde. Nach mehreren Umzügen hat diese Gemeinde seit einem Jahr ein neues Zuhause gefunden in einem prächtigen Gebäude an der Da Costakade.

Die Re­mon­s­t­ran­ten hatten Huub Oosterhuis gebeten, den ersten Vortrag beim „beraadsdag“ zu halten. Er sprach – dem Motto des Treffens entsprechend –über das Reich Gottes, jenes universale Symbol einer friedlichen und gerechten Welt; es ist DIE zentrale Zusage der biblischen Botschaft für die Menschen. Huub Oosterhuis legte allen Nachdruck darauf, dass das Reich Gottes mehr ist als ein schöner Traum. Reich Gottes sollte nicht in eine spirituelle Innenwelt eingeschlossen sein. Es wird vielmehr von den Menschen hier und jetzt „gebaut“, wann immer sie sich für Gerechtigkeit und gegen die Ausgrenzung der Armen einsetzen. Im Tun des Guten werde das Reich Gottes geschaffen.

Huub Oosterhuis unterstrich den aktiven Einsatz der Menschen für das Reich Gottes. Damit entsprach er durchaus den theologischen Vorstellungen der Re­mon­s­t­ran­ten, die sich seit Beginn ihrer Geschichte im 17. Jahrhundert gerade von einer abstrakten Gnadenlehre absetzen, die behauptet, der Mensch selbst könne nichts Gutes tun für sein Heil und seine Erlösung.

Es gab beim Beraadsdag mehrere Workshops. IKON berichtet, dass ein Gesprächskreis sich auch mit der 400 jährigen Geschichte der Re­mon­s­t­ran­ten befasste. Tjaard Barnard zeigte, dass es in der Geschichte der Re­mon­s­t­ran­ten oft Akzentverschiebungen gab, einmal mehr zu orthodoxen , dann viel mehr zu freisinnigen theologischen Ansätzen. Beachtlich bleibt – in unserer Sicht- , dass sich die Re­mon­s­t­ran­ten wie kaum eine andere Kirche er Philosophie der Aufklärung und auch dem Modernismus wohlwollend und lernbereit stellten. “Seit den 1960 Jahren ist einem orthodoxen (calvinistischen) Glauben bei den Re­mon­s­t­ran­ten nichts mehr übrig geblieben, die Re­mon­s­t­ran­ten präsentieren sich als freisinnig” (IKON).  In der weiten christlichen Ökumene  das darf man ohne Übertreibung sagen – eine recht seltene Erscheinung! Schön, dass es diese Kirche gibt.

Re­mon­s­t­ran­ten sind – in unserer Sicht – eine Art Avantgarde! Viele große Kirchen haben nie die Aufklärung und den Modernismus anerkannt und rezipiert, etwa die römische Kirche oder die Orthodoxen Kirchen Griechenlands, Rußlands usw.  Das Ausbleiben mit diesen modernen Denkrichtungen ist in diesen Kirchen machtvoll zu spüren, bis heute.

Die Toleranz wurde von Re­mon­s­t­ran­ten während ihrer ganzen Geschichte immer als hoher Wert verteidigt. Beachtlich bleibt, dass die Re­mon­s­t­ran­ten Kirche heute eine freisinnige Kirche ist, in der jedes Mitglied selbstverständlich sein individuelles Glaubensbekenntnis formuliert. Das wird beim Eintritt in die Kirche  respektiert. Beachtlich ist weiter, dass es kein allgemein bindendes Glaubensbekenntnis für alle Mitglieder gibt. Auf diese Weise wird die individuelle spirituelle Entwicklung eines jeden Menschen respektiert. Ein interessanter Versuch, Menschen mit ausdrücklich unterschiedlicher Glaubenshaltung in einer Kirche zusammenzuführen. Das hat sich in Deutschland – und weltweit – leider noch nicht so herumgesprochen. Aber freisinnige Kirchen haben es Zeiten  flammender Religiosität und lautstarker Bekenntnisse und Dogmen und moralischer Vorschriften ohnehin nicht so ganz leicht…

copyright: christian modehn, berlin.

 

 

Neuer “holländischer Katechismus”

Vielleicht hat Gott heute “neue Kleider” an…     Ein neuer freisinniger protestantischer – und allgemein christlicher -Katechismus

Eine Einladung, selber zu denken und den eigenen Glauben zu entwickeln

Alle 150 Abgeordneten des Niederländischen Parlaments (Tweede Kamer) erhalten dieser Tage einen Katechismus geschenkt. Ungewöhnlich, in einem säkularisierten Land wie Holland. Dabei handelt es sich nicht um den Versuch, klerikale Machtansprüche in der Politik durchzusetzen, das liegt den Autoren des ungewöhnlichen Katechismus auch völlig fern. Denn sie treten als “freisinnige, liberale Christen” entschieden für die Trennung von Kirche und Staat ein. Aber ihnen liegt daran, mit allen Menschen, auch mit Politikern, in einen partnerschaftlichen Dialog einzutreten, nicht über Dogmen, wohl aber auch ethische Orientierungs – Vorschläge!

Es ist schon komisch: Ausgerechnet in Holland erscheint dieser Tage ein neuer Katechismus. Ist das Wort „Katechismus“ nicht völlig out, völlig verbraucht, gerade in den Niederlanden, wo nur noch etwa 35 Prozent der Bevölkerung Mitglieder einer christlichen Kirche sind und die wenigsten Menschen von dogmatischen Lehren unterwiesen werden wollen? In dieser Situation muss man schon etwas Außergewöhnliches vorweisen: Der neue holländische Katechismus konnte entstehen, weil die vier freisinnigen christlichen Kirchen Hollands angesichts des zunehmenden Einflusses konservativer und reaktionärer Kirchen deutlich ihre eigene Stimme erheben, die Stimme der Freiheit, die dem Nachdenken allen Raum lässt und eben keine fertigen „ewigen“ Wahrheiten präsentiert. Es sind keine Leitungsgremien, keine Bischöfe und keine Päpste, die diesen Katechismus verfasst haben, sondern zwei Pfarrer, die im ständigen Austausch mit der Kultur der Gegenwart stehen: Christiane Berckvens – Stevelinck, Theologin der Re­mon­s­t­ran­ten Kirche, und Ad Ablass, Theologe der freisinnigen Strömung innerhalb der Protestantischen Kirche (PKN) legen ein Buch vor, das in 12 Kapiteln Grundworte der menschlichen Kultur erläutert, Grundworte, die ihre Wurzeln in den biblischen Traditionen haben. Am Anfang steht die „Compassie“, das Mitleid, am Ende die dem Mitgefühl und der Empathie verwandte Liebe. Andere Themen sind Gleichheit, Verbundenheit, Versöhnung, Gerechtigkeit, Friede, Wahrheit, Freiheit, Berufung, Glaube und Gott. Das neue Buch nennt sich ausdrücklich „Katechismus des Mitleids“, ein zweifellos ungewöhnlicher, wenn nicht gar provozierender Titel. Aber er deutet das Ziel an: Die LeserInnen werden eingeladen, angesichts der humanen, ökologischen und politischen Katastrophen der Gegenwart das Mitleiden zu entwickeln, nicht nur als spirituelle Haltung, sondern vor allem als aufgeklärtes Handeln zugunsten der Leidenden. Aber dieser Appell zum Handeln ist nicht dick aufgetragen, vielmehr bieten die einzelnen Kapitel Informationen und meditative Impulse zu diesen Grundworten humaner Existenz. So ist ein Buch entstanden, das sich wohl am besten in einer eher „meditativen und behutsamen Lektüre“ erschließt. Nebenbei: Das Buch verdankt wesentliche Anregungen der britischen Philosophin und ehemaligen katholischen Nonne Karen Armstrong, die sich ausdrücklich für eine „Charta des Mitgefühls“ einsetzt. So gehört dieses Buch zu dem weltweit entstehenden Netwerk „Compassion“! Alle Kapitel des Katechismus werden „eingeleitet“ mit schönen Nachdrucken von Gemälden, Chagall ist genauso vertreten wie Rembrandt, Claudio Taddei genauso wie Caravaggio oder Ferdinand Hodler. Die eigens für das Buch gefertigten Gemälde der Künstlerin Brigida Almeida aus Utrecht beschließen jedes Kapitel. Im Text werden die Leser mit einer Fülle an Informationen aus der Literatur, dem Film, dem Theater konfrontiert, Informationen, die gleichermaßen die Schwierigkeiten wie die Chancen einer Lebenshaltung vorstellen, die sich von den 12 „Katechismus – Grundworten“ inspirieren lassen will, biblische Perspektiven sind jeweils ein Kapitel unter den anderen. Das ist der typische freisinnige Geist, dass keinem „Bibel – Fanatismus“ gehuldigt wird, sondern spirituelle Inspirationen auch im „weiten Feld“ der Religionen und Kulturen präsentiert werden. Sympathisch werden es Berliner finden, dass zum Thema Freiheit schon im Titel auf den berühmten Ausspruch John F. Kennedys verwiesen wird: „Ich bin ein Berliner“, ein Ausspruch, der heute als Bekenntnis gegen alle Formen des Totalitarismus verstanden wird. Äußerst sympathisch ist auch, dass das Kapitel über die Liebe mit einem Bild von Julius Schnorr von Carolsfeld eröffnet wird, das die beiden Liebhaber David und Jonathan zeigt., sicher ist auch die Entscheidung für dieses Bild typisch für Freisinnige in Holland: Die Re­mon­s­t­ran­ten waren ja die erste Kirche weltweit, die schon 1986 homosexuelle Paare –gleich welcher Konfession- in ihren Kirchen segnete. Sympathisch ist auch, dass der ungewöhnliche, progressive katholische Theologe Karl Rahner als Verteidiger der Mystik erwähnt wird.

Dies ist wohl der entscheidende Eindruck: Dieser auch vom Layout so schöne und freundliche Katechismus der freisinnigen Christen plädiert für die Mystik, sicher für eine moderne, eine durch die Aufklärung „hindurchgegangene” Mystik: Aber doch wird aller Nachdruck gelegt auf das innere Erleben des Göttlichen, das sich im Handeln ausdrückt. In der Mystik sehen die Autoren ohnehin die Zukunft des Religiösen. Interessant könnte es sein, wie sich die freisinnigen Kirchen selbst zu Orten (multi-religiöser) Mystik entwickeln. Vielleicht ist diese Mystik das neue Profil der Freisinnigen und ihrer Gemeinden? Vielleicht können sie mit diesem Profil weitere undogmatische, aber mystisch Interessierte einladen? Die niederländischen Autoren sind jedenfalls überzeugt: Gott ist nicht tot, er zeigt heute nur neue, ungewöhnliche „Gesichter“. Er hat vielleicht neue Kleider angelegt, wie die Autoren schreiben.

“Catechismus van de compassie”. Erschienen im Verlag Skandalon, in Vught, Holland. ISBN 978-90-76564-94-4.compas

Alte religiöse Lieder mit neuen Texten

„Licht“ – alte religiöse Lieder mit neuen Texten

Die Zeit der frommen Floskeln ist vorbei

Von Christian Modehn

Die in den Niederlanden hoch geschätzte Dichterin, Autorin und Übersetzerin Coot van Doesburgh hat sich auf Einladung der Re­mon­s­t­ran­ten Kirche auf ein nicht nur für Holland wegweisendes Projekt eingelassen: Sie hat zu alten, auch vertrauten religiösen Liedern („Kirchenliedern“)  neue, zeitgemäße und poetische TexteWeiterlesen →

Muslim predigt in Re­mon­s­t­ran­ten Kirche

„Es gibt auch die Freiheit, NICHT zu glauben“

Muslim predigt in Re­mon­s­t­ran­ten Kirche in Amsterdam

„Gott hat uns geschaffen als Menschen, nicht als Gläubige. Ohne den freien Willen gibt es keinen Glauben“. Mit diesen Worten eröffnete der im ganzen Land bekannte Politiker marokkanischer Herkunft, Ahmed Marcouch (als Sozialdemokrat Mitglied im niederländischen Parlament (Zweite Kammer)  am Sonntag, 14. November 2010, seine Predigt; er hielt sie in der Kirche der Amsterdamer Re­mon­s­t­ran­ten, in der „Vrijburg“. Er sagte weiter: „Ohne den freien Willen gibt es keinen Glauben. Glaube entsteht aus einem freien Willen, aus einer bewussten Wahl. Wenn das nicht der Fall ist, dann handelt es sich um einen Automatismus, um eine sklavische Reaktion. Weil nun Glauben aus dem freien Willen entsteht, bedeutet das auch, dass Menschen wählen können, gerade NICHT zu glauben“.

Etwa 200 Menschen nahmen an diesem Gottesdienst teil, zu dem der Pfarrer, Joost Röselaers, eingeladen hatte. Dies war übrigens der reguläre Sonntagsgottesdienst der Re­mon­s­t­ran­ten um 10.30,  es war keine Sonderveranstaltung. Dagegen gab es einige kritische, protestierende Stimmen aus konservativen Kreisen. So ist es, von Deutschland aus gesehen, ein Zeichen für den Mut der Re­mon­s­t­ran­ten, neue Formen des Miteinanders zu suchen über alle dogmatischen Grenzen hinweg. Der Dialog gehört in den Mittelpunkt der Gemeinde!  „Unsere Gemeinde war einstimmig für diesen Gottesdienst, darauf kann man stolz sein“, sagt Joost Röselaers.  Am Schluss des Gottesdienstes beteten der Pfarrer und der Muslim gemeinsam das Vater Unser. „Der Unterschied zwischen freisinnigen Christen und freisinnigen Muslims scheint kleiner zu sein als der Unterschied zwischen freisinnigen Christen und orthodoxen, konservativen Christen.“ Weil es für liberale, freisinnige Muslims kaum Räume und Häuser gibt,  hat Pfarrer Röselaers die freisinnigen, liberalen Muslims eingeladen, freitags die Kirche Vrijburg für das Freitagsgebet zu nutzen. Ein schönes Zeichen der Gastfreundschaft, ein Zeichen dafür, dass Menschlichkeit mehr zählt als Dogma…

Marcouch, 51 Jahre alt, ist Niederländer marokkanischer Herkunft. Er wurde 2006 Bezirksbürgermeister von Slotervaart, einem sogen. Problembezirk. Dort wandte er sich gegen die zunehmende Kriminalität auch von Jugendlichen marokkanischer Herkunft. Er hat sich als Muslim ausdrücklich für die Rechte der Homosexuellen eingesetzt und auch die Gay Pride in Amsterdam ausdrücklich gefördert. Von konservativen muslimischen Kreisen wurde er als muslimischer Scharlatan abgekanzelt, weil er „nicht richtig“ glaube…

Gerrit Jan Heering

1933: Protest gegen die Entwicklungen in Deutschland

Kritisch schon 1933

„Es gibt um 1930 eine stets kritische Dimension in der Re­mon­s­t­ran­ten Kirche. Der Universitätsprofessor G.J. Heering (1879 – 1956)  war z.B. ein heftiger Verfechter  des Antimilitarismus. Die Re­mon­s­t­ran­ten waren die einzige Kirche in den Niederlanden, die 1933 ausdrücklich warnten vor den Entwicklungen in Deutschland. Sie protestierten gegen das Unrecht, das den Juden, den Pazifisten und Sozialisten angetan wurde. Heering hatte als „Mann mit Autorität“ eine wichtige Stimme“.

Ein Zitat aus dem Buch „58 Milljonen Nederlanders en hun Kerken“, erschienen in Zusammenarbeit mit dem Fernsehsender NOS, Verlag Amsterdam Boek, 1979. 127 Seiten. Dort wird auf Seite 103 auch über das Verhalten der Re­mon­s­t­ran­ten nach dem Jahr 1933 berichtet

Wieviel Denken braucht der Mensch?

Zum Welttag der Philosophie – ein weltweites Projekt der UNESCO –

Wie viel Denken braucht der Mensch?

Eine Veranstaltung im AFRIKA – HAUS Bochumer Str. 25

in Berlin – Tiergarten

am Donnerstag, 18. November 2010, Beginn um 19 Uhr.

– Berliner philosophische Gruppen stellen sich vor: „Zwischen Disput und Lebenshilfe“

–       Was ist Philosophische Praxis? Internationale Gesellschaft für Philosophische Praxis (IGPP), vertreten durch Prof. Petra von Morstein

–       Die Kunst, gemeinsam richtig zu philosophieren. Gesellschaft für Sokratisches Philosophieren (GSP) zum Sokratisches Gespräch, vertreten durch Dr. Dieter Krohn

–       Philosophie im Café. Initiativen in Moabit und Zehlendorf, vertreten durch Roger Künkel und Roger Wisniewski

–        Warum Spiritualität kritisches Denken braucht, Philos. Salon in

Schöneberg, vertreten durch Christian Modehn

– Podiumsdiskussion: Philosophie in Aktion – Philosophie als Aktion?

– Intermezzo, Speisen und Getränke

– Gespräch und Diskussion mit den TeilnehmerInnen

– Ende gegen 21. 15, möglicherweise Fortsetzung der Gespräche in kleinerem Kreis.

Das AFRIKA HAUS

Bochumer Straße 25 in

10555 Berlin – Tiergarten ist über den U Bahnhof Turmstr., Ausgang Alt-Moabit,  gut zu erreichen.

Ab 18.30 ist das Afrika Haus geöffnet.

Der Eintritt ist frei.

V.I.S.P.: Christian Modehn und Roger Wisniewski

Philosophisches Gespräch am 24. 9. 2010 ab 19 Uhr.

Am Freitag, 24. September 2010, findet der nächste philosophische Salon statt, zu Gast ist: Dr. Thomas Polednitschek, Philosophischer Praktiker in Münster, zu einem Gespräch über Möglichkeiten philosophischer Praxis und Beratung. Das Thema führt in die Kernfrage philosophischer Lebenshilfe wie überhaupt in die der Bedeutung des Philosophierens im Alltag. Beginn um 19 Uhr, man kann gern schon ab 18.30 kommen: ins schöne neue “Café Gaumengut”  in Berlin – Schöneberg, Ende der Veranstaltung gegen 21 Uhr. Anmeldungen erforderlich, da die Anzahl der Plätze begrenzt is: christian.modehn@berlin.de

Peter Nissen, katholischer Theologieprofessor, wird “Freund der Re­mon­s­t­ran­ten”

Peter Nissen, Katholik und Professor für Kirchengeschichte, wird Freund der Re­mon­s­t­ran­ten

Er ist in Holland und darüber hinaus ein bekannter Kirchenhistoriker und Theologe: Peter Nissen (geboren 1957) arbeitet als “Professor für die Kulturgeschichte der Religiosität“ an der Radboud Universität von Nijmegen, Niederlande. Er hat sich im Mai 2010 offiziell als „Freund der protestantischen Re­mon­s­t­ran­ten Kirche“ eintragen lassen. Diese freisinnige Kirche kennt neben Mitgliedern den Status der „Freunde der Re­mon­s­t­ran­ten“, sie haben wie die Mitglieder die gleichen Rechte und Pflichten, können nur nicht verantwortliche Funktionen in der Gemeindeleitung übernehmen. Die Tageszeitung TROUW aus Amsterdam berichtet am 17.5. von dem Konfessionswechsel. Manche deuten diesen Konfessionswechsel als ein Symbol, dass katholische Intellektuelle und Theologen in Westeuropa das Klima von Angst , Kontrolle und Autoritarismus im römischen Katholizismus nicht mehr ertragen können. Peter Nissen, der sich viele Jahre auch um Kirchenreformen in der römischen Kirche bemüht hatte, glaubt nicht mehr an einen wirklichen Wandel zum Besseren in dieser Kirche. Er will als nun einmal katholisch geprägter Mensch mit der Basis, also „seiner“ katholischen Kirchengemeinde in Nijmegen, verbunden bleiben. Aber er will doch zu den Re­mon­s­t­ran­ten gehören. Er hofft auf diese Weise eine Brücke zu bauen zwischen den Konfessionen. In einem Brief schreibt er: „Das Kircheninstitut ist nicht heilig. Es ist ein Haus, worin man sich zuhause fühlen kann. Darum kann ein Moment kommen, wo jemand sagt: Es ist genug, ich reise ab, ich orientiere mich neu. Dieser Augenblick ist für mich gekommen. Ich trete als „Freund“ nun einer Kirche bei, die auch in einer langen christlichen Tradition steht, aber die freie Bahn gibt für die Erneuerung…Ich trete einer Kirche bei, die voll und ganz dem Wirken des Geistes Raum gibt…Diese Kirche weiß, dass Tradition niemals fruchtbar sein kann in Starrheit und Unveränderlichkeit. Es ist für mich keine weite Reise. Ich setze mein Suchen nach dem Geheimnis mit anderen zusammen fort … in der Kirche der Re­mon­s­t­ran­ten. In dieser Kirche steht die Poesie über dem Gesetz, die Bereitschaft zur Veränderung über der Rechtgläubigkeit. Mit diesen Ideen versuchen Re­mon­s­t­ran­ten Kirche zu sein“. Siehe auch www.peternissen.nl

Songs aus dem Eurovision Songcontest im Gottesdienst

Für ein friedliches Europa
Re­mon­s­t­ran­ten in Amsterdam: Zum ersten Mal ein Gottesdienst mit Liedern des „Eurovision Songcontest“

Zwei Wochen vor dem großen Finale des 55. Eurovision – Songfestivals in Oslo am 29. Mai hat die niederländische Re­mon­s­t­ran­ten Kirche, eine freisinnige protestantische Kirche, in Amsterdam („de Vrijburg“) einen ungewöhnlichen Gottesdienst gefeiert. Nicht die eher klassischen oder neuen Kirchenlieder wurden gesungen. Im Mittelpunkt des Gottesdienstes standen ausschließlich verschiedene Lieder aus der langen Geschichte des Eurovision – Songcontests. Etwa 400 Menschen versammelten sich nachmittags um 3 Uhr zu einem zweistündigen Gottesdienst, der den Strukturen der protestantischen Liturgie entsprach. Das Feier stand unter dem Motto: Halleluja Europe….Dieser experimentelle Gottesdienst wurde zum ersten mal in Europa gefeiert! Aber anstelle des Kyrie – Liedes erklang „The fire in your eyes“ (Israel 2008), zum Gloria “I evighet“ von Elisabeth Andreassen, (Norwegen 1996)), zum Credo „Hold on be strong“, von Maria Haukaas Storeng (Norwegen 2008). Die Auswahl der 10 „Kirchen“ – Lieder stammte von den interessierten TeilnehmerInnen selbst. “Wir wollen die Tiefe der so genannten Populärkultur entdecken, wollen zeigen, dass in etlichen der beliebten Lieder durchaus spirituelle Aspekte enthalten sind, die wir als Kirche nicht vernachlässigen dürfen“, sagt Tom Mikkers, Allgemeiner Sekretär der Re­mon­s­t­ran­ten Kirche. Er hat zusammen mit dem Journalisten Hilco Span (vom Radio NCRV) den Gottesdienst gestaltet..„Und unsere Re­mon­s­t­ran­ten Kirche in ihrem freien, undogmatischen Geist ist bestens geeignet, Menschen, ob sie glauben oder nicht, auf die Suche nach Spiritualität einzuladen, warum nicht auch durch die Lieder des Songcontests“, sagt Dik Mook, Jugendpastor in der Gemeinde „Vrijburg“. „Ich gehe sonst nicht in die Kirche, aber hier habe ich mich wie zu Hause gefühlt, ich habe vieler meiner so oft gehörten Lieder neu entdeckt“, sagt Pieter de V. aus Utrecht, ein junger Besucher des Gottesdienstes. „Natürlich wollen wir mit diesem ungewöhnlichen Gottesdienst daran erinnern, dass Europa auf der Grundlage von Frieden, Gerechtigkeit, Toleranz beruht“, sagt Tom Mikkers, „etliche Lieder verkünden ja diese Botschaft, man muss nur genau hinhören. Der Songcontest hat ja vor aller Commerzialisierung als Plattform des Friedens einmal begonnen“. “Insgesamt haben wir uns als einladende Kirche gezeigt”, sagt Margriet Dijkmans van Gunst aus der Re­mon­s­t­ran­ten Gemeinde, “offenbar mit Erfolg”.
Die Lieder wurden während des Gottesdienstes auf einem riesigen Bildschirm eingespielt. Im Interview erläuterten die beiden Contest Teilnehmerinnen Liliane Saint-Pierre (Belgien) und Lenny Kuhr (Niederlande), was für sie ihre Lieder bedeuten. „Vielleicht ist unser Singen auch eine andere Form des Betens“, sagten sie…

Siehe auch auf Niederländisch und Englisch: ttp://www.remonstranten.org/site/index.php?page=hallelujah_europe
Der Gottesdienst wird noch einmal auf Radio 5 NCRV am 23. Mai um 15 Uhr gesendet.

Für ein freies und tolerantes Christentum

Re­mon­s­t­ran­ten halten ihren “Tag der Beratungen” am Samstag, 13. März in Rotterdam

Einmal im Jahr kommen Re­mon­s­t­ran­ten zu einem “Berdaadsdag”, einem Tag der Gespräche und Diskussionen zusammen. So eine Art “kleiner Kirchentag”. In diesem Jahr steht im Mittelpunkt die Frage: Was bedeutet es heute, wenn die Re­mon­s­t­ran­ten sich für ein freies und tolerantes Christentum einsetzen? Es wird ein Gottesdienst gefeiert, es gibt eine Podiumsdiskussion über die veränderte Rolle der Religion in der Gesellschaft, es gibt diverse Workshops, u.a. auch mit Vertretern des Interkirchlichen Friedensrates/Pax Christi, es wird die Frage diskutiert, welche Verbindungen es gibt zwischen der Theologie des Jacobus Arminius damals und heutigen Auffassungen. “Arminius wollte Raum schaffen für verschieden theologische Auffassungen. Auf dieser Spur sind die Re­mon­s­t­ran­ten weiter gegangen”, heisst es in der Monatszeitschrift der Re­mon­s­t­ran­ten ADREM: “Re­mon­s­t­ran­ten von heute umarmen nicht die Dogmatik, sondern die persönliche Kreativität und bringen sie in Verbindung mit der Bibel”.
Die Tagung findet in der Rotterdamer Re­mon­s­t­ran­tenkirche statt.

Wibren v.d. Burg

Für die Trennung von Kirche und Staat

Für die Trennung von Kirche und Staat
Von Wibren v.d. Burg, Professor für Rechtsphilosophie in Rotterdam.

Aus remonstrantischer Perspektive muss meiner Meinung nach jede Verquickung von Kirche und Staat zurückgewiesen werden. Damit nehmen Re­mon­s­t­ran­ten Stellung gegen den Gedanken einer Staatskirche , wie er in der lutherischen und anglikanischen Tradition noch vorkommt. Darüber hinaus verwerfen Re­mon­s­t­ran­ten den Gedanken der römisch – katholischen Tradition, dass diese Kirche als Interpretin des Naturrechts sich intensiv in politische Debatten einmischen darf und ihre Mitglieder auch aufrufen darf, einer bestimmten Partei die Stimme zu geben. Re­mon­s­t­ran­ten verwerfen auch die Intervention durch etliche katholische Bischöfe in politische Debatten, wenn es sich etwa um Abtreibung, Euthanasie und Ehefragen handelt. Dabei sollen nach dieser katholischen Vorstellung sogar die Politiker, die dieser
amtlichen Position nicht folgen, von der Teilnahme an der
Kommunion ausgeschlossen werden. Auch die Praxis vieler Länder, in einem Konkordat der katholischen Kirche wie dem Staat bestimmte Vorrechte anzuerkennen, ist aus remonstrantischer Sicht unannehmbar. Für Re­mon­s­t­ran­ten gibt es keinen „christlichen Staat“ und keine „christliche Politik“. Sie sind sehr zurückhaltend, Religion und Politik direkt zu verbinden. Der Gedanke, dass die Religion ein Organisationsprinzip ist für die Regelung des gesellschaftlichen Lebens, ist den freisinnigen Christen, also den Re­mon­s­t­ran­ten, fremd. Sie waren dagegen, als sich die niederländische Geselschaft im 20. frühen Jahrhundert nach „Säulen“ getrennt organisierte, also eine protestantische Säule neben einer katholischen und diese neben einer sozialistischen Säule usw. Re­mon­s­t­ran­ten haben stets neutrale und allgemeine Organisationen bevorzugt. Darum gibt es keine freisinnigen Parteien und auch keine freisinnigen Schulen oder freisinnige Hilfswerke. Dieser Meinung sind die Re­mon­s­t­ran­ten nicht, weil sie meinen, dass Religion nur Privatsache sei ohne gesellschaftliche Konsequenzen, im Gegenteil. Sie meinen nur: Die religiöse Orientierung kann nicht die Basis sein, auf der sich gesellschaftliche Organisationen bilden.

Entnommen dem Buch: „De remonstrantie. 400 Jaar“. Hg. von K. Holtzapffel und M.v. Leeuwen. Meinema Verlag, Zoetermeer, 2010, dort s. 162 f.

Jacobus Arminius

Die freisinnigen Christen und ihr Initiator: Arminius

Arminius: Initiator der Remonstranten
Arminius: Initiator der Re­mon­s­t­ran­ten

Die Re­mon­s­t­ran­ten erinnern an die Aktualität von Arminius

Am 19. Oktober 1609, vor 400 Jahren, starb der Initiator einer wichtigen freisinnigen Kirche, sie heißt Re­mon­s­t­ran­ten bzw. Remonstrantische Bruderschaft. Sein Name: Arminius aus der niederländischen Stadt Leiden, er und seine Freunde legten die “remonstrance”, den Widerspruch, ein, als konservative und vielleicht fundamentalistisch orientierte Christen, Calvinisten, die absolute Vorherbestimmung des Lebens eines jeden Menschen als Lehre Jesu von Nazareth und der Bibel ausgeben wollten. Arminius und seine Gefährten legten allen Nachdruck auf Weiterlesen →

Eine Kirche, die anderen Asyl bietet: Die Re­mon­s­t­ran­ten

Die Re­mon­s­t­ran­ten:

Eine Kirche der persönlichen Freiheit

Einige Passagen aus einem Interview mit Tom Mikkers (40), Generalsekretär der Re­mon­s­t­ran­ten, einer protestantischen Kirche in Holland und Deutschland. Die Re­mon­s­t­ran­ten sind eine kleine, progressive Kirche, Mitglied im Ökumenischen Rat der Kirchen.

Menschen suchen Entfaltung und Raum in der Kirche. Wir Re­mon­s­t­ran­ten sind ein bisschen eine Weiterlesen →

Re­mon­s­t­ran­ten in Berlin – eine freisinnige Spiritualität

Freisinnige Spiritualität

Re­mon­s­t­ran­tenforum in Berlin

Zum ersten Mal wurde in Berlin am Sonntag, den 10. Januar 2010, die freisinnige protestantische Kirche der Re­mon­s­t­ran­ten vorgestellt. Sie hat genau vor 400 Jahren, am 14. Januar 1610, in Holland ihre Entwicklung begonnen mit der „Remonstrance“, dem Einspruch und Widerspruch gegen Weiterlesen →

Solidarisch mit den Menschen in Haiti – Eine Perspektive der Re­mon­s­t­ran­ten

Eine Perspektive der Re­mon­s­t­ran­ten Kirche zum Erdbeben in Haiti

Die Katastrophe in Haiti sprengt jegliche Vorstellungskraft.

Bei dem Erdbeben in Haiti sind viele tausend Menschen umgekommen, viele leben am Rande der Verzweiflung. Die internationale Hilfe läuft langsam an. Unsere Solidarität und unser Mitgefühl gelten den Leidenden dort.

Die Re­mon­s­t­ran­ten haben bereits zu Spenden aufgefordert für das niederländische ökumenische Hilfswerk KERK in ACTIE, Kirche in Aktion.  Bei einer Feierstunde anlässlich unseres Kirchenjubiläums am 14. Januar in Utrecht haben wir erneut zur Solidarität aufgefordert, auch per SMS war Spenden möglich.

Wir wissen, dass Geld in dem Zusammenhang wichtig ist; genauso wichtig ist aber Weiterlesen →

Ein Treffen der Berliner Re­mon­s­t­ran­ten… 2010…

Das nächste Treffen des “Forum der Re­mon­s­t­ran­ten” findet am Sonntag, den 9. Mai 2010 um 15 Uhr statt. Ort: Das Café KIEZ OASE in Schöneberg. Das Thema des (meditativen) Gesprächs: Was ist Glauben, was ist Unglauben. Und: Was bedeutet das neue Glaubensbekenntnis der Re­mon­s­t­ran­ten? Im Austausch können wir vielleicht einander “neue Quellen erschließen”. Denn dieses Glaubensbekenntnis ist eine Einladung zum Nachdenken, zur Selbstfindung, keine “Lehre”, die “einem” vorgesetzt wird…
Das ist auch vielleicht “typisch” remonstrantisch, dass als Treffpunkte natürlich nicht nur Kirchengebäude in Frage kommen. Im Gegenteil: Die remonstrantische Theologin Christiane Berckvens Stevelinck (Amsterdam) plädiert ausdrücklich für kleine Glaubensgemeinschaften, Hauskreise, Wohnungen, Salons… Interessenten bitte anmelden wegen weiterer Informationen. christian.modehn@berlin.de