Archive for the ‘Aktuelles’ Category

Neuer “holländischer Katechismus”

Post date: Januar 2, 2011

Vielleicht hat Gott heute “neue Kleider” an…     Ein neuer freisinniger protestantischer – und allgemein christlicher -Katechismus

Eine Einladung, selber zu denken und den eigenen Glauben zu entwickeln

Alle 150 Abgeordneten des Niederländischen Parlaments (Tweede Kamer) erhalten dieser Tage einen Katechismus geschenkt. Ungewöhnlich, in einem säkularisierten Land wie Holland. Dabei handelt es sich nicht um den Versuch, klerikale Machtansprüche in der Politik durchzusetzen, das liegt den Autoren des ungewöhnlichen Katechismus auch völlig fern. Denn sie treten als “freisinnige, liberale Christen” entschieden für die Trennung von Kirche und Staat ein. Aber ihnen liegt daran, mit allen Menschen, auch mit Politikern, in einen partnerschaftlichen Dialog einzutreten, nicht über Dogmen, wohl aber auch ethische Orientierungs – Vorschläge!

Es ist schon komisch: Ausgerechnet in Holland erscheint dieser Tage ein neuer Katechismus. Ist das Wort „Katechismus“ nicht völlig out, völlig verbraucht, gerade in den Niederlanden, wo nur noch etwa 35 Prozent der Bevölkerung Mitglieder einer christlichen Kirche sind und die wenigsten Menschen von dogmatischen Lehren unterwiesen werden wollen? In dieser Situation muss man schon etwas Außergewöhnliches vorweisen: Der neue holländische Katechismus konnte entstehen, weil die vier freisinnigen christlichen Kirchen Hollands angesichts des zunehmenden Einflusses konservativer und reaktionärer Kirchen deutlich ihre eigene Stimme erheben, die Stimme der Freiheit, die dem Nachdenken allen Raum lässt und eben keine fertigen „ewigen“ Wahrheiten präsentiert. Es sind keine Leitungsgremien, keine Bischöfe und keine Päpste, die diesen Katechismus verfasst haben, sondern zwei Pfarrer, die im ständigen Austausch mit der Kultur der Gegenwart stehen: Christiane Berckvens – Stevelinck, Theologin der Remonstranten Kirche, und Ad Ablass, Theologe der freisinnigen Strömung innerhalb der Protestantischen Kirche (PKN) legen ein Buch vor, das in 12 Kapiteln Grundworte der menschlichen Kultur erläutert, Grundworte, die ihre Wurzeln in den biblischen Traditionen haben. Am Anfang steht die „Compassie“, das Mitleid, am Ende die dem Mitgefühl und der Empathie verwandte Liebe. Andere Themen sind Gleichheit, Verbundenheit, Versöhnung, Gerechtigkeit, Friede, Wahrheit, Freiheit, Berufung, Glaube und Gott. Das neue Buch nennt sich ausdrücklich „Katechismus des Mitleids“, ein zweifellos ungewöhnlicher, wenn nicht gar provozierender Titel. Aber er deutet das Ziel an: Die LeserInnen werden eingeladen, angesichts der humanen, ökologischen und politischen Katastrophen der Gegenwart das Mitleiden zu entwickeln, nicht nur als spirituelle Haltung, sondern vor allem als aufgeklärtes Handeln zugunsten der Leidenden. Aber dieser Appell zum Handeln ist nicht dick aufgetragen, vielmehr bieten die einzelnen Kapitel Informationen und meditative Impulse zu diesen Grundworten humaner Existenz. So ist ein Buch entstanden, das sich wohl am besten in einer eher „meditativen und behutsamen Lektüre“ erschließt. Nebenbei: Das Buch verdankt wesentliche Anregungen der britischen Philosophin und ehemaligen katholischen Nonne Karen Armstrong, die sich ausdrücklich für eine „Charta des Mitgefühls“ einsetzt. So gehört dieses Buch zu dem weltweit entstehenden Netwerk „Compassion“! Alle Kapitel des Katechismus werden „eingeleitet“ mit schönen Nachdrucken von Gemälden, Chagall ist genauso vertreten wie Rembrandt, Claudio Taddei genauso wie Caravaggio oder Ferdinand Hodler. Die eigens für das Buch gefertigten Gemälde der Künstlerin Brigida Almeida aus Utrecht beschließen jedes Kapitel. Im Text werden die Leser mit einer Fülle an Informationen aus der Literatur, dem Film, dem Theater konfrontiert, Informationen, die gleichermaßen die Schwierigkeiten wie die Chancen einer Lebenshaltung vorstellen, die sich von den 12 „Katechismus – Grundworten“ inspirieren lassen will, biblische Perspektiven sind jeweils ein Kapitel unter den anderen. Das ist der typische freisinnige Geist, dass keinem „Bibel – Fanatismus“ gehuldigt wird, sondern spirituelle Inspirationen auch im „weiten Feld“ der Religionen und Kulturen präsentiert werden. Sympathisch werden es Berliner finden, dass zum Thema Freiheit schon im Titel auf den berühmten Ausspruch John F. Kennedys verwiesen wird: „Ich bin ein Berliner“, ein Ausspruch, der heute als Bekenntnis gegen alle Formen des Totalitarismus verstanden wird. Äußerst sympathisch ist auch, dass das Kapitel über die Liebe mit einem Bild von Julius Schnorr von Carolsfeld eröffnet wird, das die beiden Liebhaber David und Jonathan zeigt., sicher ist auch die Entscheidung für dieses Bild typisch für Freisinnige in Holland: Die Remonstranten waren ja die erste Kirche weltweit, die schon 1986 homosexuelle Paare –gleich welcher Konfession- in ihren Kirchen segnete. Sympathisch ist auch, dass der ungewöhnliche, progressive katholische Theologe Karl Rahner als Verteidiger der Mystik erwähnt wird.

Dies ist wohl der entscheidende Eindruck: Dieser auch vom Layout so schöne und freundliche Katechismus der freisinnigen Christen plädiert für die Mystik, sicher für eine moderne, eine durch die Aufklärung „hindurchgegangene” Mystik: Aber doch wird aller Nachdruck gelegt auf das innere Erleben des Göttlichen, das sich im Handeln ausdrückt. In der Mystik sehen die Autoren ohnehin die Zukunft des Religiösen. Interessant könnte es sein, wie sich die freisinnigen Kirchen selbst zu Orten (multi-religiöser) Mystik entwickeln. Vielleicht ist diese Mystik das neue Profil der Freisinnigen und ihrer Gemeinden? Vielleicht können sie mit diesem Profil weitere undogmatische, aber mystisch Interessierte einladen? Die niederländischen Autoren sind jedenfalls überzeugt: Gott ist nicht tot, er zeigt heute nur neue, ungewöhnliche „Gesichter“. Er hat vielleicht neue Kleider angelegt, wie die Autoren schreiben.

“Catechismus van de compassie”. Erschienen im Verlag Skandalon, in Vught, Holland. ISBN 978-90-76564-94-4.compas

Alte religiöse Lieder mit neuen Texten

Posted in Aktuelles, Bücher
Post date: Dezember 2, 2010

„Licht“ – alte religiöse Lieder mit neuen Texten

Die Zeit der frommen Floskeln ist vorbei

Von Christian Modehn

Die in den Niederlanden hoch geschätzte Dichterin, Autorin und Übersetzerin Coot van Doesburgh hat sich auf Einladung der Remonstranten Kirche auf ein nicht nur für Holland wegweisendes Projekt eingelassen: Sie hat zu alten, auch vertrauten religiösen Liedern („Kirchenliedern“)  neue, zeitgemäße und poetische Texte geschrieben. So können die alten, noch immer beliebten Melodien weiterhin voller Begeisterung gesungen werden, in Gruppen und Gemeinden, ohne dass jemand wegen der uralten, sprachlich auch kaum noch zumutbaren und „vergangenen“ Floskeln und Bilder doch lieber den Mund hält.

Ende November 2010 wurde das Liedbuch mit dem Titel LICHT in Holland vorgestellt. Die Autorin hat für 100 Lieder neue Texte geschrieben, die das Lebensgefühl des modernen Menschen treffen. Warum soll man sich denn auch sprachlich und gedanklich ans 17. Jahrhundert binden, wenn man alte und schöne Melodien singen will?

Ein entscheidender Schritt ist getan, ein Schritt der Verständigung zwischen musikalischer Tradition und moderner Lebenswelt. Selbstverständlich will die Remonstranten Kirche einige Lieder auch in ihren Gottesdiensten singen. Der Name des Buches LICHT ist ja bezeichnend für diese freisinnige Kirche. Man könnte LICHT geradezu als ein entscheidendes Symbol dieser Kirche bezeichnen, geht es ihr auch um „Lumières“, um Licht im Sinne der Aufklärung, um die selbstverständliche Geltung der Vernunft auch in der Kirche, auch in den Liedern. Natürlich wird bei diesem Projekt die Poesie gerade nicht abgeschafft, aber sie wird mit dem Erleben der heutigen Menschen verbunden. „Coot van Doesburgh hat mit ihren neuen Texten ein Wunder vollbracht, alte Gesänge haben durch ihre Worte ein neues Leben erhalten, zeitlose menschliche Gefühle hat sie in die Sprache von heute übertragen. Ich fühle das Verlangen, diese Lieder mit voller Brust gern mitzusingen, denn sie sind schön geworden, so klar, sie anrührend in ihrer Einfachheit“, schreibt der landesweit bekannte und (königlich) geehrte Schauspieler und Kabarettist Paul van Vliet.

Die Remonstranten Kirche hat sicher einen weiteren Beitrag geleistet, „modern“ und „christlich“ zusammenzuführen. Das beachtliche Medienecho in Holland zeigt, dass das „LICHT“ in dieser Weise sozusagen „fällig“ war.   Dem Buch ist auch eine CD beigelegt. Das Projekt „LICHT“ wurde inszeniert von Tom Mikkers, dem Allgemeinen Sekretär der Remonstranten Kirche. Man darf gespannt sein, ob LICHT auch in Deutschland zu ähnlichen Projekten inspiriert, um schöne alte Melodien vom uralten Staub der uralten Texte zu befreien. Warum gibt es eigentlich so wenige Übersetzungen wichtiger niederländischer Bücher aus den Bereichen Religionen ins Deutsche, eine Frage, die wir schon vor kurzem bei der Veröffentlichung des großartigen „Catechismus van de compassie“ stellten. Wir haben das Buch auf der Website www.remonstranten-berlin.de vorgestellt.

LICHT. C. van Doesburgh,  Uitgerverij Boekencentrum 2010

ISBN: 9789023967361

Paperback, 126 Seiten., € 12,50

Muslim predigt in Remonstranten Kirche

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Post date: November 16, 2010

„Es gibt auch die Freiheit, NICHT zu glauben“

Muslim predigt in Remonstranten Kirche in Amsterdam

„Gott hat uns geschaffen als Menschen, nicht als Gläubige. Ohne den freien Willen gibt es keinen Glauben“. Mit diesen Worten eröffnete der im ganzen Land bekannte Politiker marokkanischer Herkunft, Ahmed Marcouch (als Sozialdemokrat Mitglied im niederländischen Parlament (Zweite Kammer)  am Sonntag, 14. November 2010, seine Predigt; er hielt sie in der Kirche der Amsterdamer Remonstranten, in der „Vrijburg“. Er sagte weiter: „Ohne den freien Willen gibt es keinen Glauben. Glaube entsteht aus einem freien Willen, aus einer bewussten Wahl. Wenn das nicht der Fall ist, dann handelt es sich um einen Automatismus, um eine sklavische Reaktion. Weil nun Glauben aus dem freien Willen entsteht, bedeutet das auch, dass Menschen wählen können, gerade NICHT zu glauben“.

Etwa 200 Menschen nahmen an diesem Gottesdienst teil, zu dem der Pfarrer, Joost Röselaers, eingeladen hatte. Dies war übrigens der reguläre Sonntagsgottesdienst der Remonstranten um 10.30,  es war keine Sonderveranstaltung. Dagegen gab es einige kritische, protestierende Stimmen aus konservativen Kreisen. So ist es, von Deutschland aus gesehen, ein Zeichen für den Mut der Remonstranten, neue Formen des Miteinanders zu suchen über alle dogmatischen Grenzen hinweg. Der Dialog gehört in den Mittelpunkt der Gemeinde!  „Unsere Gemeinde war einstimmig für diesen Gottesdienst, darauf kann man stolz sein“, sagt Joost Röselaers.  Am Schluss des Gottesdienstes beteten der Pfarrer und der Muslim gemeinsam das Vater Unser. „Der Unterschied zwischen freisinnigen Christen und freisinnigen Muslims scheint kleiner zu sein als der Unterschied zwischen freisinnigen Christen und orthodoxen, konservativen Christen.“ Weil es für liberale, freisinnige Muslims kaum Räume und Häuser gibt,  hat Pfarrer Röselaers die freisinnigen, liberalen Muslims eingeladen, freitags die Kirche Vrijburg für das Freitagsgebet zu nutzen. Ein schönes Zeichen der Gastfreundschaft, ein Zeichen dafür, dass Menschlichkeit mehr zählt als Dogma…

Marcouch, 51 Jahre alt, ist Niederländer marokkanischer Herkunft. Er wurde 2006 Bezirksbürgermeister von Slotervaart, einem sogen. Problembezirk. Dort wandte er sich gegen die zunehmende Kriminalität auch von Jugendlichen marokkanischer Herkunft. Er hat sich als Muslim ausdrücklich für die Rechte der Homosexuellen eingesetzt und auch die Gay Pride in Amsterdam ausdrücklich gefördert. Von konservativen muslimischen Kreisen wurde er als muslimischer Scharlatan abgekanzelt, weil er „nicht richtig“ glaube…

1933: Protest gegen die Entwicklungen in Deutschland

Posted in Bücher, Geschichte
Post date: November 16, 2010

Kritisch schon 1933

„Es gibt um 1930 eine stets kritische Dimension in der Remonstranten Kirche. Der Universitätsprofessor G.J. Heering (1879 – 1956)  war z.B. ein heftiger Verfechter  des Antimilitarismus. Die Remonstranten waren die einzige Kirche in den Niederlanden, die 1933 ausdrücklich warnten vor den Entwicklungen in Deutschland. Sie protestierten gegen das Unrecht, das den Juden, den Pazifisten und Sozialisten angetan wurde. Heering hatte als „Mann mit Autorität“ eine wichtige Stimme“.

Ein Zitat aus dem Buch „58 Milljonen Nederlanders en hun Kerken“, erschienen in Zusammenarbeit mit dem Fernsehsender NOS, Verlag Amsterdam Boek, 1979. 127 Seiten. Dort wird auf Seite 103 auch über das Verhalten der Remonstranten nach dem Jahr 1933 berichtet

Wieviel Denken braucht der Mensch?

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Post date: Oktober 24, 2010

Zum Welttag der Philosophie – ein weltweites Projekt der UNESCO –

Wie viel Denken braucht der Mensch?

Eine Veranstaltung im AFRIKA – HAUS Bochumer Str. 25

in Berlin – Tiergarten

am Donnerstag, 18. November 2010, Beginn um 19 Uhr.

- Berliner philosophische Gruppen stellen sich vor: „Zwischen Disput und Lebenshilfe“

-       Was ist Philosophische Praxis? Internationale Gesellschaft für Philosophische Praxis (IGPP), vertreten durch Prof. Petra von Morstein

-       Die Kunst, gemeinsam richtig zu philosophieren. Gesellschaft für Sokratisches Philosophieren (GSP) zum Sokratisches Gespräch, vertreten durch Dr. Dieter Krohn

-       Philosophie im Café. Initiativen in Moabit und Zehlendorf, vertreten durch Roger Künkel und Roger Wisniewski

-        Warum Spiritualität kritisches Denken braucht, Philos. Salon in

Schöneberg, vertreten durch Christian Modehn

- Podiumsdiskussion: Philosophie in Aktion – Philosophie als Aktion?

- Intermezzo, Speisen und Getränke

- Gespräch und Diskussion mit den TeilnehmerInnen

- Ende gegen 21. 15, möglicherweise Fortsetzung der Gespräche in kleinerem Kreis.

Das AFRIKA HAUS

Bochumer Straße 25 in

10555 Berlin – Tiergarten ist über den U Bahnhof Turmstr., Ausgang Alt-Moabit,  gut zu erreichen.

Ab 18.30 ist das Afrika Haus geöffnet.

Der Eintritt ist frei.

V.I.S.P.: Christian Modehn und Roger Wisniewski

Philosophisches Gespräch am 24. 9. 2010 ab 19 Uhr.

Posted in Aktuelles
Post date: September 4, 2010

Am Freitag, 24. September 2010, findet der nächste philosophische Salon statt, zu Gast ist: Dr. Thomas Polednitschek, Philosophischer Praktiker in Münster, zu einem Gespräch über Möglichkeiten philosophischer Praxis und Beratung. Das Thema führt in die Kernfrage philosophischer Lebenshilfe wie überhaupt in die der Bedeutung des Philosophierens im Alltag. Beginn um 19 Uhr, man kann gern schon ab 18.30 kommen: ins schöne neue “Café Gaumengut”  in Berlin – Schöneberg, Ende der Veranstaltung gegen 21 Uhr. Anmeldungen erforderlich, da die Anzahl der Plätze begrenzt is: christian.modehn@berlin.de

Peter Nissen, katholischer Theologieprofessor, wird “Freund der Remonstranten”

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Post date: Mai 18, 2010

Peter Nissen, Katholik und Professor für Kirchengeschichte, wird Freund der Remonstranten

Er ist in Holland und darüber hinaus ein bekannter Kirchenhistoriker und Theologe: Peter Nissen (geboren 1957) arbeitet als “Professor für die Kulturgeschichte der Religiosität“ an der Radboud Universität von Nijmegen, Niederlande. Er hat sich im Mai 2010 offiziell als „Freund der protestantischen Remonstranten Kirche“ eintragen lassen. Diese freisinnige Kirche kennt neben Mitgliedern den Status der „Freunde der Remonstranten“, sie haben wie die Mitglieder die gleichen Rechte und Pflichten, können nur nicht verantwortliche Funktionen in der Gemeindeleitung übernehmen. Die Tageszeitung TROUW aus Amsterdam berichtet am 17.5. von dem Konfessionswechsel. Manche deuten diesen Konfessionswechsel als ein Symbol, dass katholische Intellektuelle und Theologen in Westeuropa das Klima von Angst , Kontrolle und Autoritarismus im römischen Katholizismus nicht mehr ertragen können. Peter Nissen, der sich viele Jahre auch um Kirchenreformen in der römischen Kirche bemüht hatte, glaubt nicht mehr an einen wirklichen Wandel zum Besseren in dieser Kirche. Er will als nun einmal katholisch geprägter Mensch mit der Basis, also „seiner“ katholischen Kirchengemeinde in Nijmegen, verbunden bleiben. Aber er will doch zu den Remonstranten gehören. Er hofft auf diese Weise eine Brücke zu bauen zwischen den Konfessionen. In einem Brief schreibt er: „Das Kircheninstitut ist nicht heilig. Es ist ein Haus, worin man sich zuhause fühlen kann. Darum kann ein Moment kommen, wo jemand sagt: Es ist genug, ich reise ab, ich orientiere mich neu. Dieser Augenblick ist für mich gekommen. Ich trete als „Freund“ nun einer Kirche bei, die auch in einer langen christlichen Tradition steht, aber die freie Bahn gibt für die Erneuerung…Ich trete einer Kirche bei, die voll und ganz dem Wirken des Geistes Raum gibt…Diese Kirche weiß, dass Tradition niemals fruchtbar sein kann in Starrheit und Unveränderlichkeit. Es ist für mich keine weite Reise. Ich setze mein Suchen nach dem Geheimnis mit anderen zusammen fort … in der Kirche der Remonstranten. In dieser Kirche steht die Poesie über dem Gesetz, die Bereitschaft zur Veränderung über der Rechtgläubigkeit. Mit diesen Ideen versuchen Remonstranten Kirche zu sein“. Siehe auch www.peternissen.nl

Songs aus dem Eurovision Songcontest im Gottesdienst

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Post date: Mai 18, 2010

Für ein friedliches Europa
Remonstranten in Amsterdam: Zum ersten Mal ein Gottesdienst mit Liedern des „Eurovision Songcontest“

Zwei Wochen vor dem großen Finale des 55. Eurovision – Songfestivals in Oslo am 29. Mai hat die niederländische Remonstranten Kirche, eine freisinnige protestantische Kirche, in Amsterdam („de Vrijburg“) einen ungewöhnlichen Gottesdienst gefeiert. Nicht die eher klassischen oder neuen Kirchenlieder wurden gesungen. Im Mittelpunkt des Gottesdienstes standen ausschließlich verschiedene Lieder aus der langen Geschichte des Eurovision – Songcontests. Etwa 400 Menschen versammelten sich nachmittags um 3 Uhr zu einem zweistündigen Gottesdienst, der den Strukturen der protestantischen Liturgie entsprach. Das Feier stand unter dem Motto: Halleluja Europe….Dieser experimentelle Gottesdienst wurde zum ersten mal in Europa gefeiert! Aber anstelle des Kyrie – Liedes erklang „The fire in your eyes“ (Israel 2008), zum Gloria “I evighet“ von Elisabeth Andreassen, (Norwegen 1996)), zum Credo „Hold on be strong“, von Maria Haukaas Storeng (Norwegen 2008). Die Auswahl der 10 „Kirchen“ – Lieder stammte von den interessierten TeilnehmerInnen selbst. “Wir wollen die Tiefe der so genannten Populärkultur entdecken, wollen zeigen, dass in etlichen der beliebten Lieder durchaus spirituelle Aspekte enthalten sind, die wir als Kirche nicht vernachlässigen dürfen“, sagt Tom Mikkers, Allgemeiner Sekretär der Remonstranten Kirche. Er hat zusammen mit dem Journalisten Hilco Span (vom Radio NCRV) den Gottesdienst gestaltet..„Und unsere Remonstranten Kirche in ihrem freien, undogmatischen Geist ist bestens geeignet, Menschen, ob sie glauben oder nicht, auf die Suche nach Spiritualität einzuladen, warum nicht auch durch die Lieder des Songcontests“, sagt Dik Mook, Jugendpastor in der Gemeinde „Vrijburg“. „Ich gehe sonst nicht in die Kirche, aber hier habe ich mich wie zu Hause gefühlt, ich habe vieler meiner so oft gehörten Lieder neu entdeckt“, sagt Pieter de V. aus Utrecht, ein junger Besucher des Gottesdienstes. „Natürlich wollen wir mit diesem ungewöhnlichen Gottesdienst daran erinnern, dass Europa auf der Grundlage von Frieden, Gerechtigkeit, Toleranz beruht“, sagt Tom Mikkers, „etliche Lieder verkünden ja diese Botschaft, man muss nur genau hinhören. Der Songcontest hat ja vor aller Commerzialisierung als Plattform des Friedens einmal begonnen“. “Insgesamt haben wir uns als einladende Kirche gezeigt”, sagt Margriet Dijkmans van Gunst aus der Remonstranten Gemeinde, “offenbar mit Erfolg”.
Die Lieder wurden während des Gottesdienstes auf einem riesigen Bildschirm eingespielt. Im Interview erläuterten die beiden Contest Teilnehmerinnen Liliane Saint-Pierre (Belgien) und Lenny Kuhr (Niederlande), was für sie ihre Lieder bedeuten. „Vielleicht ist unser Singen auch eine andere Form des Betens“, sagten sie…

Siehe auch auf Niederländisch und Englisch: ttp://www.remonstranten.org/site/index.php?page=hallelujah_europe
Der Gottesdienst wird noch einmal auf Radio 5 NCRV am 23. Mai um 15 Uhr gesendet.

Für ein freies und tolerantes Christentum

Post date: März 10, 2010

Remonstranten halten ihren “Tag der Beratungen” am Samstag, 13. März in Rotterdam

Einmal im Jahr kommen Remonstranten zu einem “Berdaadsdag”, einem Tag der Gespräche und Diskussionen zusammen. So eine Art “kleiner Kirchentag”. In diesem Jahr steht im Mittelpunkt die Frage: Was bedeutet es heute, wenn die Remonstranten sich für ein freies und tolerantes Christentum einsetzen? Es wird ein Gottesdienst gefeiert, es gibt eine Podiumsdiskussion über die veränderte Rolle der Religion in der Gesellschaft, es gibt diverse Workshops, u.a. auch mit Vertretern des Interkirchlichen Friedensrates/Pax Christi, es wird die Frage diskutiert, welche Verbindungen es gibt zwischen der Theologie des Jacobus Arminius damals und heutigen Auffassungen. “Arminius wollte Raum schaffen für verschieden theologische Auffassungen. Auf dieser Spur sind die Remonstranten weiter gegangen”, heisst es in der Monatszeitschrift der Remonstranten ADREM: “Remonstranten von heute umarmen nicht die Dogmatik, sondern die persönliche Kreativität und bringen sie in Verbindung mit der Bibel”.
Die Tagung findet in der Rotterdamer Remonstrantenkirche statt.

Für die Trennung von Kirche und Staat

Posted in Bücher, Geschichte
Post date: März 4, 2010

Für die Trennung von Kirche und Staat
Von Wibren v.d. Burg, Professor für Rechtsphilosophie in Rotterdam.

Aus remonstrantischer Perspektive muss meiner Meinung nach jede Verquickung von Kirche und Staat zurückgewiesen werden. Damit nehmen Remonstranten Stellung gegen den Gedanken einer Staatskirche , wie er in der lutherischen und anglikanischen Tradition noch vorkommt. Darüber hinaus verwerfen Remonstranten den Gedanken der römisch – katholischen Tradition, dass diese Kirche als Interpretin des Naturrechts sich intensiv in politische Debatten einmischen darf und ihre Mitglieder auch aufrufen darf, einer bestimmten Partei die Stimme zu geben. Remonstranten verwerfen auch die Intervention durch etliche katholische Bischöfe in politische Debatten, wenn es sich etwa um Abtreibung, Euthanasie und Ehefragen handelt. Dabei sollen nach dieser katholischen Vorstellung sogar die Politiker, die dieser
amtlichen Position nicht folgen, von der Teilnahme an der
Kommunion ausgeschlossen werden. Auch die Praxis vieler Länder, in einem Konkordat der katholischen Kirche wie dem Staat bestimmte Vorrechte anzuerkennen, ist aus remonstrantischer Sicht unannehmbar. Für Remonstranten gibt es keinen „christlichen Staat“ und keine „christliche Politik“. Sie sind sehr zurückhaltend, Religion und Politik direkt zu verbinden. Der Gedanke, dass die Religion ein Organisationsprinzip ist für die Regelung des gesellschaftlichen Lebens, ist den freisinnigen Christen, also den Remonstranten, fremd. Sie waren dagegen, als sich die niederländische Geselschaft im 20. frühen Jahrhundert nach „Säulen“ getrennt organisierte, also eine protestantische Säule neben einer katholischen und diese neben einer sozialistischen Säule usw. Remonstranten haben stets neutrale und allgemeine Organisationen bevorzugt. Darum gibt es keine freisinnigen Parteien und auch keine freisinnigen Schulen oder freisinnige Hilfswerke. Dieser Meinung sind die Remonstranten nicht, weil sie meinen, dass Religion nur Privatsache sei ohne gesellschaftliche Konsequenzen, im Gegenteil. Sie meinen nur: Die religiöse Orientierung kann nicht die Basis sein, auf der sich gesellschaftliche Organisationen bilden.

Entnommen dem Buch: „De remonstrantie. 400 Jaar“. Hg. von K. Holtzapffel und M.v. Leeuwen. Meinema Verlag, Zoetermeer, 2010, dort s. 162 f.

Glauben ist Freisein

Post date: Februar 21, 2010

Die Remonstranten – eine Kirche der besonderen Art. Protestantisch und humanistisch, dogmenfrei und lernbereit von anderen Religionen. Sie hat eine lange Tradition, sie hat sich immer wieder weiterentwickelt. Sie ist eng mit der Ökumenischen Bewegung verbunden, hat aber auch gleichermaßen Interesse am Dialog mit humanistischen Gruppen.

Wir weisen aufgrund einiger Nachfragen gern darauf hin: Die freisinnige Kirche der Remonstranten  versteht sich als “Asylkirche”, d.h. als Zufluchtsort für Menschen, die die dogmatischen Vorgaben und das hierarchische System ihrer angestammten Konfessionen nicht mehr aushalten und sich ihren persönlichen, individuellen  Glauben bewahren wollen sowie nach einem Refugium der Freiheit und der Selbstbestimmung auch in religiösen und ethischen Fragen suchen. Sie sind bei den Remonstranten willkommen!  Auf diesen Charakter der “Asylkirche” hat der Allgemeine Sekretär der Remonstranten Kirche, Tom Mikkers, Utrecht, mehrfach hingewiesen. Für dieses Leitbild “Asylkirche”  sind inzwischen viele Menschen dankbar.

In den Niederlanden hat die Remonstranten Kirche ca. 6000 Mitglieder und “registrierte Freunde”. In Deutschland ist sie seit dem 17. Jahrhundert in Friedrichstadt vertreten. In Berlin gibt es seit Januar 2010 ein “Forum der Remonstranten”, dort versuchen wir im Geist der Remonstranten ein freies spirituelles Gespräch zu fördern, die Möglichkeiten sind groß und vielfältig…Diese website wurde bisher 10.000 mal aufgerufen, kein sc

PS. Remonstranten – das Wort leitet sich von remonstrance her, es meint Abwehr und Zurückweisung: Diese reformierten Christen lehnten es zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Holland ab, an einen alles vorher bestimmenden Gott zu glauben. Sie wollten als Menschen freie und selbständige Wesen sein und bleiben. Sie verzichten nicht auf das kritische Denken, wenn sie die Frage nach Gott stellen oder nach dem Sinn von Glauben und Kirche fragen. Sie nehmen sich die Freiheit, diese “Freiheit des Glaubens” nicht als ferne Utopie oder Geschenk von Autoritäten, sondern schon jetzt zu leben.

Die Remonstranten waren 1986 die erste Kirche weltweit, die homosexuelle (Ehe-) Paare in ihren Kirchen offiziell segneten, auch Menschen, die nicht zur Remonstranten Kirche gehören. Schon vorher war  es für Remonstranten  selbstverständlich , dass homosexuelle Menschen in den Gemeinden willkommen sind, im Unterschied zu allen anderen Kirchen ist das kein “problematisches” Thema… Insofern sind die Remonstranten einmal mehr ein Ort der Freiheit…Deswegen wurden die Remonstranten auch von der niederländischen Organisation COC kürzlich ausdrücklich gelobt…Anfang Oktober 2011 erscheint in Holland das von Tom Mikkers herausgegebene Buch “Coming Out Churches”, siehe die Buchbesprechung auf dieser website.

Am Sonntag, 9. Oktober 2011 wurde in der Amsterdamer Remonstranten Kirche “Vrijburg”  ein “Jubiläum”gefeiert. Seit 1986 sind dort (wie in allen anderen Remonstranten Kirchen) homosexuelle Paare eingeladen, ihre Beziehung/ ihre Ehe kirchlich zu feiern und segnen zu lassen. Dabei sind selbstverständlich nicht nur Mitglieder der Remonstranten willkommen, sondern alle Menschen. In einem Gottesesdienst um 10 Uhr wurde an diese selbstverständliche Tradition erinnert und im Radio IKON 5 übertragen. Im Anschluß daran wurde das neue Buch von Tom Mikkers “Coming Out Churches präsentiert.

Der nächste religionsphilosophische Salon findet am Freitag, 10. Februar 2012 um 19 Uhr, im Café antikflair statt, Grunewaldstr. 10 in Berlin – Schöneberg. Das Thema, anläßlich des 300. Geburtstages Friedrich II: “Jeder soll nach seiner Fasson selig werden”. Ein Gespräch über Toleranz und Intoleranz, über Toleranz auch für Intolerante?, und die Trennung von Kirchen/Religionen und Staat.

Unkostenbeitrag (für die Raummiete): 5 Euro. Anmeldung erforderlich bei:  christian.modehn@berlin.de

Die Remonstranten haben für 2012 ein “Jahresthema” zum Gespräch in den Gemeinden vorgeschlagen. Es heißt “Dein Reich komme”, bezogen auf eine Bitte im Vater Unser. “Das Christentum ist die Religion mit den großen Visionen. Jesus von Nazareth verkündigte, dass das Reich Gottes anbrechen werde. Zwischendurch sind wir 2000 Jahre weiter. Was ist noch geblieben von dieser Vision”, so heißt es in einem Prospekt der Remonstranten aus Utrecht. Darin werden für das Jahr 2012 u.a. diese Vorhaben und Veranstaltungen genannt:

Im Januar erscheint das Buch von Joes Röeselaers und Fenand van Dijk mit dem Titel: “Het vrije woord. Religie en Politiek en domineesland” . (Das freie Wort. Religion und Politik im Pastorenland (Holland) ).

im Februar erscheint das Buch “Heilig. Gewoon nu”. (Heilig. Ganz normal jetzt   – frei übersetzt) Von Bert Dicou mit Beiträgen von Sigrid Coenradie.

Beide Bücher erscheinen in der Uitgerverij Meinema.

Am Samstag, 10. März, findet der jährliche “Beraadsdag” der Remonstranten (wörtlich: Beratungstag) in Amsterdam statt, und zwar in dem neuen Zentrum “Nieuwe Liefde”, einem Haus, in dem die “Studentenecclesia” (gegründet von dem Dichter und Theologen Huub Oosterhuis) ein neues Zuhause gefunden hat.

Zur Buchmesse in Frankfurt 2011 erschienen zwei Bücher von Remonstranten, das eine plädiert dafür, die Sorge um die Zukunft nicht aus dem Blick zu verlieren (also nicht im Hier und Jetzt zu versinken), das andere zeigt, dass es coming out churches gibt, Kirchen und Gemeinden, in den Homosexuelle selbstverständlich normale Gemeindemitglieder sind und als Homosexuelle willkommen sind. Näheres siehe in der Rubrik “Bücher”….

Remonstranten aus Holland zu Gast in Berlin: Vom Freitag 4. November bis Sonntag 6. November 2011 besuchte eine Gruppe niederländischer Remonstranten Berlin. Gemeinsam mit dem “Forum der Remonstranten in Berlin” wollten sie die Spuren eines eines freisinnigen, “aufgeschlossenen” und dialg bereiten, also “theologisch – liberalen” Berlin entdecken. Diese Tradition spielt als solche in Berlin keine wichtig Rolle … bis jetzt.

Um so wichtiger war für die Remonstranten vor allem die Begegnung mit dem Theologieprofessor der Humboldt – Universität, Wilhelm Gräb. Liberale Theologie nimmt das religiöse Bewußtsein, das religiöse Denken und Fühlen der Menschen ernst, liberale Theologie indoktriniert nicht, hat keinen fix und fertigen Katechismus, sie versteht Gemeinde als Ort des Austausches über religiöse Erfahrungen… Mission wird vom Dialog ersetzt, jeder Mensch hat Wertvolles beizusteuern für den religiösen Dialog, in dem alle Lernende sind. Einige Impulse aus dem Gespräch mit Prof. Wilhelm Gräb sind jetzt auf dieser website zu finden: “Zur Aktualität der liberalen Theologie”.

Wir weisen erneut auf die Rubrik “Spiritualität” hin, “Spiritualität für jeden Monat”, ein Versuch, in der persönlichen Meditation und Reflexion einmal einen Monat ein Thema zu bedenken.

Ein schönes Geschenk: Eine wichtige Neuerscheinung: “Katechismus der Freisinnigen” – ein Buch, das nicht belehrt, sondern inspiriert. Das Buch hat den Titel: “Katechismus des Mitgefühls”. Siehe die Rubrik: Katechismus.

Genauso anregend:  Alte (Kirchen) Lieder mit neuen Texten. Das von den Remonstranten initiierte Buch “LICHT” zeigt, wie sich eine Kirche von dem verstaubten und für viele unerträglichen Kitsch alter Texte lösen und befreien kann; dabei aber auf die schönen alten Melodien nicht verzichtet, weil die neuen Texte nachvollziehbare “moderne” Poesie sind. Das Buch LICHT (Boekencentrum) hat in kürzester Zeit, Ende 2010,  schon eine zweite Auflage erlebt. Wir erlauben uns die Frage: Wann werden auch im deutschsprachigen Raum die verstaubten, kitschigen  Texte alter (Kirchenlieder) zungunsten moderner Poesie ersetzt. Im Umfeld des Reformationsjubliäums 2017 wäre dies doch ein echtes grundlegendes Reform – Projekt… Weitere INFORMATIONEN zu diesem Buch unter der Kategorie Spiritualität und Aktuelles.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Remonstranten – in Friedrichstadt und Holland

Posted in Geschichte
Post date: Februar 19, 2010

Lebenswelten NDR am 5. Juli 2009 um 17.05

Glauben ohne Dogma
Die Remonstranten – eine freisinnige protestantische Kirche
Eine Reportage von Christian Modehn

Vorbemerkung:
Angesichts des zunehmenden Fundamentalismus und der machtvollen Klerikalisierung in sehr vielen großen christlichen Kirchen ist es wichtig, auf eine Kirche der ganz besonderen, der ganz anderen Art aufmerksam zu machen: DIE REMONSTRANTEN.
Sie gehören in Holland zu einem breitem Strom freisinniger Christen, sie haben das kulturelle Klima der Niederlande entscheidend mitgeprägt. Sie halte nichts von Ketzerprozessen und ausgetüffelten dogmatischen Fragen, nichts von Hierarchien und allmächtigen Priestern, Bischöfen und Päpsten.
Die Remonstranten sind eine demokratische Kirche. Leider sind sie in Deutschland viel zu wenig bekannt, für viele Anhänger katholischer Reformbestrebungen würde sich z.B. hier eine echte Alternative bieten…

Im folgenden leicht veränderten Text der Radiosendung, die nur einige wesentliche Aspekte der Remonstranten darstellen kann, aufgrund der Kürze der Sendezeit.
Siehe auch die schöne preisgekränte website: www.remonstranten.org   Dort auch ein Hinweis auf die einzige Remonstranten Gemeinde in Deutschland, in Friedrichstadt.

Der Besucher ist leicht irritiert: Befindet er sich in Holland oder in Deutschland? Die Grachten mit den alten Giebelhäusern, den Holz – Bänkchen und Rosenstöcken vor der Tür, all das weckt das Gefühl, in Amsterdam zu sein. Dabei sind wir in Friedrichstadt, in Schleswig Holstein, zwischen Heide und Husum gelegen.
2. 500 Menschen leben hier.

Atmo auf Schiff,

Die Stadt ist von Wasser umgeben, im Norden grenzt sie an den Fluss Treene.

…. auf dem Boot….

„Ich möchte euch alle begrüßen an Bord hier zu unserer gemeinsamen Grachtenrundfahrt“.

„Jetzt fahren wir auch an einer sehr schönen Gracht vorbei, das ist der Mittelburggraben, den wir werden wir noch reinfahren und durchfahren. Friedrichstadt selbst wurde im Jahren 1621 von unserem damals noch sehr jungen Herzog Friedrich III. von Schleswig gegründet und gebaut.

In einem reich geschmückten Giebelhaus am Mittelburg-Graben ist  das Stadtmuseum untergebracht. Am Eingangstor, auf einem Wappen aus Stein, ist ein Spruch aus alten Zeiten nicht zu übersehen.

„Dem tapferen Mann wird jeder Boden zur Heimat“.

Ein Flüchtling hat seinem Lebensgefühl Ausdruck gegeben, als er das Haus im Jahr 1626 baute: Adolph van Wael musste wegen seines Glaubens die holländische Heimat verlassen. Denn er hatte mit seinen Freunden die Freiheit des Menschen leidenschaftlich verteidigt. Davon wollten die strengen Anhänger des Reformators Calvin nichts wissen. Sie waren überzeugt, Gott habe das Leben eines jeden Menschen seit ewigen Zeiten vorher bestimmt. Dagegen sprachen die „freisinningen“ Christen ihre „Remonstrance“  aus, d.h. ihre Beschwerde“. Sie nannten sich deshalb seit 1621 „Remonstranten Kirche“. Holland verweigerte diesen Christen anfangs das Aufenthaltsrecht, berichtet der Mitarbeiter im Stadtmuseum, Holger Vogt:

„Und diese  Geschichte ist dann von dem Herzog Friedrich III. ausgenutzt wurden, er wollte hier eine Handelsstadt gründen, um an Steuergelder zu gelangen. Es war nämlich damals so, dass die ländliche Bevölkerung keine Steuern bezahlen musste, sondern nur die städtische. Und aus diesem Grund wollte er eine Handelsstadt gründen, durch Verbindungen nach Holland kam er auf diese Remonstranten und hat denen hier Glaubensfreiheit und noch einige andere Privilegien angeboten. Die Remonstranten haben mit dem Aufbau der Stadt begonnen nach holländischem Vorbild praktisch“.

Holger Vogt ist Mitglied der Remonstranten Gemeinde. Sie besteht seit der Gründung der Stadt ohne Unterbrechung. Vom Stadtmuseum sind es nur wenige Schritte zum Marktplatz.

An der Gracht plaudern die Leute, Radfahrer winken einander zu, eine typische Kleinstadt, möchte man meinen. Aber sie ist doch anders, betont Hellmuth Rabach, auch er ist Remonstrant:

„Normalerweise steht am Marktplatz die Kirche, und wenn sie bei uns auf den Marktplatz gehen, steht da nur das Rathaus, und die Kirchen gruppieren im Ort. Das ist ganz bewusst so gemacht, um nicht irgendeiner Kirche hierein besonderes Merkmal zugeben. Das ist ja auch schon ein toleranter Gedanke, dass keine Kirche die andere dominiert“.

Deswegen bauten die holländischen Stadtgründer ihre eigene Kirche im Jahr 1624 eher an den Rand der Stadt, berichtet Holger Vogt:

„Die Remonstranten haben sich auch immer dafür eingesetzt, dass andere Glaubensgemeinschaften hier in Friedrichstadt neben ihnen leben konnten. Deswegen gab es auch Juden hier, Quäker, Mennoniten, na ja alle möglichen Glaubensgemeinschaften, die es damals gab, kamen hier nach Friedrichstadt, weil sie hier eben einigermaßen Glaubensfreiheit ausleben konnten, durch die Remonstranten auch“.

Mitte des neunzehnten Jahrhunderts wurde die Kirche in Kriegswirren zwischen Schleswig und Dänemark zerstört. Aber sofort wurde ein neues Gotteshaus im klassizistischen Stil gebaut, der Architekt musste einen Grundsatz respektieren:

„Die neue Kirche soll bewusst klar, hell, schlicht, offen und frei sein“.

…Orgelspiel…

In der Kirche können etwa hundert Menschen bequem Platz finden. Einen Altar gibt es hier nicht, bei Abendmahlsfeiern wird ein Tisch bereit gestellt. Alle Blicke sollen sich auf die Kanzel hin konzentrieren, Hellmuth Rabach kann hier seine Spiritualität leben:

„Sehen Sie, wir haben keine Bilder, wir haben kein Kreuz in der Kirche. Und das ist mit Bewusstsein, weil wir wollen niemanden dazu zwingen, dass er irgendwelche vorgeprägten Vorstellungen habe. Jeder bitte mit Gott und sich“.

Im unteren Teil der Kanzel wurde ein Relief eingefügt, das einzige „Bild“ in der Kirche. Es zeigt eine Frauengestalt, die auf die Bibel weist. Und über allem erscheint eine phrygische Mütze, sie ist das Symbol der Freigeister, berichtet Heinrich Mannel:

„Es ist  so auch ein Zeichen des Humanismus und dieses Symbol der Freiheit drückt auch unsere Auffassung von Glauben aus und sie hat auf einen Ölzweig auf die aufgeschlagene Bibel gelegt und dort ist der Vers von Johannes aufgeschlagen: Ihr sollt euren Nächsten lieben, wie ich euch geliebet habe. Ich denke, das ist so der Kern der Remonstranten“.

Gleich hinter der Kirche werden seit altersher die Toten bestattet:

„Wir haben ja auch auf unseren Friedhof einen Teil für katholische Gräber. Als der katholische Friedhof belegt war, fragten die Katholiken bei den Lutheranern, weil die einen großen neuen Friedhof hatten vor der Stadt, ob sie ihre Toten da beerdigen könnten. Da haben die Lutheraner gesagt, die wollten keine Papisten auf ihrem Grund haben. Und dann seitdem  haben die Katholiken ein Gräberfeld hier bei unserer Kirche. Und wir haben auch gebimmelt für die Katholiken, wenn die Fronleichnam oder sonst was hatten“.

Der Kirche gegenüber ist das Gemeindehaus, der zentrale Treffpunkt der 170 Remonstranten von Friedrichstadt. Die Gemeinde ist bis heute in Deutschland einzigartig: Sonst ist die Remonstranten Kirche nur in den Niederlanden anzutreffen. Aber die kleine Gemeinde an der Nordsee braucht sich wohl keine Sorgen um ihre Zukunft zu machen: Hellmuth Rabach:

„Aus dem Grundgedanken der Toleranz fühlen sich viele von unserer Kirche angesprochen. Und 20 bis 30 Prozent unserer Gemeindemitglieder sind unserer Kirche beigetreten, weil sie sich hier besser wieder finden. Ursprünglich war ich Lutheraner, habe auch als 16, 17 Jähriger mal überlegt, ob ich auch Pastor werden sollte. Das, was mich hier begeistert, ist eben, dass jeder seine eigenen Vorstellungen , die er seinen Glaube sieht, zum Ausdruck bringen kann, und auch darin nicht behindert wird. Ich glaube an Gott, so, das ist für mich völlig klar. Ich glaube auch an Jesus Christus, aber mit der Auferstehung hätte ich so mein Problem“.

Diese individuelle Glaubenshaltung wird von den Remonstranten nicht nur geduldet, sie ist erwünscht! Oberster Grundsatz ist: Kein Gemeindemitglied darf auf ein allgemein gültiges Glaubensbekenntnis verpflichtet werden. Für Ketzerverfolgung gibt es keinerlei Anlass.  Lediglich an einem sehr offen formulierten Grundsatz sollten sich alle Mitglieder orientieren, Jürgen Barth kennt diesen einen Satz auswendig:

„Die Remonstrantische Kirche ist eine Glaubensgemeinschaft, die verwurzelt ist im Evangelium Jesu Christi und, getreu ihrer Grundsätze von Freiheit und Toleranz, Gott ehren und dienen will“.

Gott lässt sich für diese „freisinnigen“ Christen in keiner dogmatischen Formel festschreiben. Darum bleibt es jedem „Remonstranten“ selbst überlassen, wie er denn Gott persönlich deutet, als Vater oder Mutter, als den Ewigen oder höchstes Sein:

„Glauben ist etwas, was sich entwickelt, was wachsen kann, was immer im Leben überprüft wird, und deswegen kann es aus remonstrantischer Sicht keinen Glauben geben, der für jeden gleich ist, und es kann keinen Glauben geben, der einmal fixiert ist und sich dann nicht mehr ändert“.

Um das richtige Leben geht es, nicht um eine angeblich ewige Wahrheit. Das findet Klaus Richter so wichtig:

„Auch immer wieder sich selbst in Frage zu stellen, ist das richtig, das ist wichtig. Man sitzt eben als freier Mensch auch mit sich selbst da, und ist auch mit sich selbst sehr stark im Gespräch, und das nimmt einem keiner ab. Die Verantwortung für das, was man tut und was man ist, nimmt einem keiner ab. Das hält ja auch wach“.

Die Remonstranten könnte man eine ethische, eine dem Humanismus verpflichtete christliche Kirche nennen. Sie will das Nachdenken fördern, das besinnliche Gespräch. Auf volkstümliche Formen der Frömmigkeit sind  Remonstranten nicht angewiesen: Klaus Richter:

„Ich habe einmal in Weingarten in der Kathedrale eine Nacht erlebt und dann die große Blutprozession mit 6000 Reitern. Das haut einen um, und als dann nach anderthalb Stunden in der Mitte des Zuges die Monstranz kam und alle in die Knie gingen, dann ging auch ein guter Protestant wie ich in die Knie. Ich versteh  das schon, das sind rauschhafte Zustande, aber ich war nicht bei mir selbst. Ich  kann das verstehen, dass es Menschen gibt, die darauf reagieren und das gut finden. Aber wenn man einen Augenblick klar darüber nachdenkt,  dann merkt man, dass ich einen ganz großen individuellen Freiraum brauche, das erfüllt mit Sinn“.

Von den 170 Gemeindemitgliedern leben nur 100 in Friedrichstadt selbst, vor allem die jüngeren Mitglieder können nur außerhalb ihrer Heimatstadt Arbeit finden. Aber alle sind berechtigt, die Gemeindeleitung zu wählen, berichtet Hellmuth Rabach.

„Die Gemeinde verwaltet sich ja selber, wir haben kein Büro, das ist alles ehrenamtlich Tätigkeit, die Leitung der Gemeinde wird alles zum Nulltarif erbracht. Das einzige, was sich die Gemeinde sich leistet, ist das Gemeinde -Haus, die Kirche und dann einen Küster und einen Pastor, einen teilzeit beschäftigten Pastor“.

Und der Pastor kommt aus Holland angereist: Einmal im Monat, jeweils von Donnerstag bis Montag, steht er für Beratung, Unterricht  und Gespräche zur Verfügung, sonntags leitet er den Gottesdienst.

Glocke, …..

Christen aller Konfessionen sind eingeladen, auch Skeptiker, Suchende, Ungläubige sind ausdrücklich willkommen.

Zu Beginn des Gottesdienstes wird  Pastor Severien Bouwman    vom Kirchenvorstand in die Kirche geleitet und im Mittelgang per Handschlag zur Predigt beauftragt!

Lied, O heiliger Geist…

Auf der leicht erhöhten Kanzel hat der Pastor Platz genommen. Der Gottesdienst ist nüchtern und schlicht, immer wieder gibt es Augenblicke für stille Meditation. Die Gebete des Pastors sind so offen formuliert, dass sich möglichst viele darin wieder finden.

„Lieber Gott, wir kommen zu Dir mit unserem Gebet in der Hoffnung auf  alles, was das Leben sein kann. Was es an Gutem geben kann in aller Entwicklung und Entfaltung, in aller Fähigkeit und innerer Kraft, in der Begegnung mit Menschen,  aber auch in einem fruchtbaren Alleinsein.
Sei bei uns Gott, damit wir deine Menschen sind. Amen“.

Pastor Bouman verwendet auch in seinen Predigten niemals fromme Floskeln und erbauliche Sprüche. Auf die praktische Lebensorientierung kommt es an:

„Wir leben in einer Zeit, wo es viele gibt, die den Geist nicht nötig haben, den Geist Gottes, der uns spüren lässt nach dem Geheimnis des Lebens und nach demjenigen, was uns Menschen wirklich inspiriert. Der Geist Gottes, der sehen lässt, was wirklich notwendig ist im Leben und kritisch macht sowohl über uns selbst und über alles, was in der Welt passiert. Diesen Geist Gottes haben wir immer noch nötig. Amen.

23. Orgel Intermezzo

Die Remonstranten Kirche ist Mitglied im Ökumenischen Weltrat der Kirchen in Genf. Wegen ihrer Offenheit und Toleranz wird sie allerdings oft als „ein seltener Paradiesesvogel“ bezeichnet… Auch ein Pastor kann hier seine Aufgabe viel freier gestalten als in anderen Konfessionen, erklärt Severien Bouwman:

„Das ist wichtigste ist, dass man nicht Inhalte vermittelt, sondern die Möglichkeit bietet, um nachzudenken, selber zu suchen, was wichtig ist im eigenen Leben und im Verhältnis mit anderen Leuten. Wie man eigentlich das eigene Leben macht.
Wenn ich eine Predigt halte, sage ich nicht: Sie müssen so und so glauben. Aber: Sie können so und so glauben. Es gibt keine Wahrheit, die ich schon wusste und dann ausspreche, sondern ich suche die Wahrheit auf einem bestimmten Moment und für bestimmte Leute, versuche beizutragen, wie sie leben können. Die Fragen öffnen Zukunft und Lebensmöglichkeiten“.

Die Gottesdienstteilnehmer kommen zu Kaffee und Tee im Gemeindehaus zusammen. Der Besucher ist etwas überrascht, dass sich diese modernen Christen noch an die klassische Gottesdienstordnung halten und auch die alten Kirchenbänke noch benutzen. Die Gemeindevorsitzende Petra Kühl will diese Bedenken entkräften:

„Für die Gemeinde hat das große Bedeutung, also auch eben dieses Gestühl, dass man beim ersten Lied steht. Und für mich ist kein freier Gottesdienst oder kein Freiheitsgefühl, wenn wir da im Kreis sitzen oder ob ich eben in diesem alten Gestühl sitze. Und es ist im Unterschied zu anderen Kirchen sogar auch wiederum relativ frei wiederum, dass ja bis der Pastor kommt dann auch immer geschnackt wird und gelacht wird und getan. Während das ja in manchen Kirchen anderer Konfession nicht möglich ist. Da ist ja in dem Moment, wo man das Kirchengebäude betritt dann auch Stille, also insofern finde ich nicht, dass der Rahmen so streng ist“.

Für Pastor Bouman ist entscheidend, wie sich der Geist von Offenheit und Toleranz in der Praxis äußert. Und da sind die Remonstranten wegweisend: Sie haben z.B. in Holland schon vor vielen Jahren begonnen, homosexuelle Paare in aller Öffentlichkeit der Gemeinde kirchlich zu segnen:

„Das ist überhaupt kein Problem. Wir machen keinen Unterschied mehr. Schon lange. In Holland habe ich verschiedene Leute gesegnet, Hochzeit gemacht, ich bin auch ein bisschen stolz darauf, dass wir als erste Kirche überhaupt das gemacht haben. Es wurde nicht von allen Kirchen geliebt. Dennoch. Das ist etwas, was voll und ganz und ganz realisiert ist“.

Großzügig sein, ein Grundsatz der remonstrantischen Kirche. Er gilt auch für die Solidarität mit Menschen in Not, berichtet Franz Wauschkuhn:

„Heute war ja die Kollekte für die koptischen Christen in Ägypten, das sind ja Menschen, die heutzutage verfolgt werden. Man hat im Westen immer den Endruck, dass Ägypten ein tolerantes Land ist, in Ägypten ist die Scharia wieder eingeführt worden.  Wir versuchen mit ganzkleinen Mitteln, die wir hier zusammen kriegen, solchen Menschen zu helfen. Wir haben hier auch Kopten, die in unsere Gottesdienste kommen, also ein ganz konkretes Projekt“.

In Friedrichstadt sind heute mehrere Konfessionen vertreten. Die Gemeinde der Wiedertäufer, Mennoniten genannt, sowie Katholiken und Mitglieder der Dänischen Kirche. Am größten ist die Lutherische Gemeinde. Sie hat gute ökumenische Beziehungen auch zu den Remonstranten, selbst wenn es manchmal Probleme gibt, erklärt Pastor Michael Jordan.

„Ich bin 8 Jahre hier, und da gab es durchaus Eintritte bei den Remonstranten, da sage ich, OK,  die Leute bleiben wenigstens in der Kirche, obwohl sie dann die Konfession wechseln. Auf der anderen Seite tut es um jeden, der die evangelische, die lutherische Kirche und unsere Kirche verlässt. Ich sag mal von außen ist es für liberale Geister attraktiv, eine Kirche zu haben, die doch sehr humanistisch und offen orientiert ist, die keine Dogmen kennt. Und da gibt es sicherlich Attraktionen, weshalb man dann hinüber geht.
Allerdings ist die Lutherische Kirche heutzutage auch nicht eine Kirche, die das Dogma voran trägt und du hast es zu glauben, friss oder stirb. Also das ist ja einfach nicht mehr so“.

Lutheraner und Remonstranten treffen sich regelmäßig, z.B. zu Vorträgen und Diskussionen. Eine Gruppe hat sich kürzlich mit Lessings Theaterstück „Nathan der Weise“ befasst und angesichts der  aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen über Toleranz diskutiert. Wenn so viele Fundamentalisten heute die Intoleranz propagieren, wie sollen sich da die Remonstranten verhalten? Anke Richter Teubler:

„Meine Kritik an einem oberflächlichen Toleranzbegriff ist der, dass er völlig a- politisch und letztlich unmenschlich ist. Weil es der Toleranzbegriff ist, der das hohe Ideal der Achtung verrät, verkauft an eine Haltung, die wir alle immer kritisieren in allen Medien, nämlich die des Wegguckens, dann sind wir auch tolerant, nichts zu machen. Und das darf nicht sein. Also da werde ich scharf. Und jede Toleranz hat ihre Grenzen. Auch die aktive Toleranz, die sich wirklich um Verständnis um Auseinandersetzung und Dialog bemüht, auch die kommt irgendwann zwangsläufig an den Punkt: wo sie sagt. Stopp: Weiter mit mir nicht.  Keine Verhandlung mehr möglich, bewege du dich jetzt, auch das gehört zur Toleranz. Also Friede, Freude, Eierkuchen, das ist keine Toleranz, das ist eine ganz bescheuerte Beliebigkeit. Das heißt: Alle Menschen haben das gleiche Recht auf Respekt“.

Glocken, Dom in Utrecht

Die Glocken der mittelalterlichen Domkirche zu Utrecht in Holland, Erinnerungen an eine Zeit, als die Religion noch den Lebensrhythmus der Menschen bestimmte. Hier in Utrecht haben die Remonstranten in einem kleinen Grachtenhaus ihr zentrales Büro untergebracht.
Zur Kirche gehören in etwa 40 Gemeinden 10.000 Mitglieder und assoziierte Freunde. Angesichts einer zunehmenden Vorliebe für traditionelle und auch fundamentalistische Überzeugungen wollen sich die Remonstranten als freie, liberale Geister noch deutlicher behaupten: Sie halten nichts davon, die Kirche zu verklären oder gar mit einem Heiligenschein auszustatten, betont der Generalsekretär der Remonstranten, Pastor Tom Mikkers:

„Das Christentum hat sich die ersten 1500 Jahre in einem Institut, in der Kirche, und gesagt: Gott wohnt in diesem Institut. Dann kam die Reformation und hat gesagt: Er wohnt nicht im Institut Kirche, denn das  gibt zu viel Machtmissrauch, er wohnt jetzt in der in einem Buch, in der Bibel. Aber das ist nur eine Möglichkeit. Aber man soll das ein bisschen relativieren. Ich glaube, Jesus hat nie ein Buch geschrieben und nie eine Kirche gestiftet. Für mich ist das Zentrum von Glauben: Jesus war eine Gegenbewegung, also er war nicht konformistisch. Diese Gegenbewegung geht nicht über ein Buch, das geht nicht darüber, wer die Institution leiten soll. Und das alles organisiert. Das Institut Kirche ist nicht das Heilige einer Glaubensgemeinschaft“.

Heilig ist hingegen den Remonstranten das Gespräch, der Dialog, die Lernbereitschaft. Darum fördern sie in ihren eigenen Reihen das Interesse an anderen Religionen, erklärt der Remonstrant und Philosoph Wibren van der Burg:

„Wir sind davon bereichert worden, dass wir immer Leute von anderen Religionen innerhalb unserer Kirche haben. Und zum Beispiel gibt es auch Leute, die bei uns interessiert sind am Zenbuddhismus und Islam. Und auch Elemente davon mitnehmen. Zum Beispiel gibt es auch Leute bei uns, die jetzt den Ramadan mitfeiern. Sie lassen sich davon inspirieren, und sagen: Ja, das will ich auch mitmachen“.

Immer mehr Menschen interessieren sich für diese christlichen Freigeister. Viele tausend diskutieren auf der website dieser progressiven Kirche, eine erstaunliche Entwicklung, berichtet Pastor Tom Mikkers:

„Das Internet gibt uns die Möglichkeit, die Leute zu interessieren für die Remonstranten. Im letzten Jahr hat es Leute aus dem Ausland gegeben, die auch die Frage stellen: Können wir Remonstrant werden? Und dann sagen wir immer: Das ist möglich. Wenn Sie noch zehn oder fünf andere finden, dann kann so eine Gruppe beginnen. Und dann werden wir dazu helfen. Wir sagen immer. Paulus hatte ein Boot,  und wir haben das Internet“.

Auch wenn die Remonstranten Kirche nie eine Massenbewegung sein wird: Die Stimme einer freien, demokratischen Kirche ohne Dogmen wird das ökumenische Gespräch weiterhin bereichern …und provozieren.

Kommentar wurde abgehakt.

Die freisinnigen Christen und ihr Initiator: Arminius

Post date: Februar 18, 2010
Arminius: Initiator der Remonstranten

Arminius: Initiator der Remonstranten

Die Remonstranten erinnern an die Aktualität von Arminius

Am 19. Oktober 1609, vor 400 Jahren, starb der Initiator einer wichtigen freisinnigen Kirche, sie heißt Remonstranten bzw. Remonstrantische Bruderschaft. Sein Name: Arminius aus der niederländischen Stadt Leiden, er und seine Freunde legten die “remonstrance”, den Widerspruch, ein, als konservative und vielleicht fundamentalistisch orientierte Christen, Calvinisten, die absolute Vorherbestimmung des Lebens eines jeden Menschen als Lehre Jesu von Nazareth und der Bibel ausgeben wollten. Arminius und seine Gefährten legten allen Nachdruck auf die Freiheit des Menschen. Daraus erwuchs eine freie Glaubensgemeinschaft, die Remonstranten. Zuerst wurden sie in den Niederlanden noch verfolgt. Sie lesen die Bibel selbstverständlich historisch – kritisch, sie deuten auch die Glaubenslehren im historischen Kontext, sie empfehlen ihren Mitgliedern, selbst ein persönliches Glaubensbekenntnis zu schreiben und nicht alte Formeln, oft unverständlich, nachzusprechen. Heute sind die Remonstranten vor allem in Holland und in Friedrichstadt vertreten. Sie haben die niederländische Kultur, geprägt von Toleranz, entscheidend mitgeprägt. Auch der Kultursender VPRO ist von freisinnigem, remonstrantischen Geist geprägt.

Am Freitag 9. Oktober 2009 findet in Leiden eine internationale Historiker Konferenz über Arminius statt, am Samstag 10. Oktober in der Lokhorstkerk, Leiden, eine aktuelle Tagung zu den Remonstranten.  Ameldungen unter www.remonstranten.org.

Arminius verdient mindestens so viel Aufmerksamkeit wie Luther oder Calvin.

Eine Kirche, die anderen Asyl bietet: Die Remonstranten

Posted in Aktuelles
Post date: Februar 18, 2010

Die Remonstranten:

Eine Kirche der persönlichen Freiheit

Einige Passagen aus einem Interview mit Tom Mikkers (40), Generalsekretär der Remonstranten, einer protestantischen Kirche in Holland und Deutschland. Die Remonstranten sind eine kleine, progressive Kirche, Mitglied im Ökumenischen Rat der Kirchen.

Menschen suchen Entfaltung und Raum in der Kirche. Wir Remonstranten sind ein bisschen eine Asylkirche. D.h. Menschen, die eine Last empfinden angesichts einer dogmatischen oder „amtlichen“ Kirche, wollen bei uns über Themen nachdenken, bei denen andere Kirchen Schwierigkeiten haben, zum Beispiel Abtreibung, Euthanasie, Homosexualität. …Unsere Botschaft ist, dass wir stets gegenüber den anderen Kirchen vorausgegangen sind, etwa als es um die Zulassung der Frauen im Pfarramt ging oder die Ökumene. Die Heirat für gleichgeschlechtlich lebende  Menschen haben wir praktiziert, als der Staat in Holland noch gar nicht daran dachte. Wir pflegen das offene Abendmahl für alle, es gibt die Möglichkeit, „Freund der Remonstranten“  zu werden, dies ist eine einfache Form der Mitgliedschaft in der Kirche. Wir sind die erste Kirche, in der man über das Internet Mitglied werden kannst. Im Januar 2010 liegt in den Buchhandlungen eine Illustrierte aus über unseren Gründer Arminius und die Kirche heute, es ist die erste Illustrierte, die jemals eine Kirche in Holland produziert hat…

Ich bin in einer katholischen Familie groß geworden. Ich glaubte früher, der Dogmatismus in den Kirchen würde einmal enden. Heute glaube ich das nicht mehr. Wir Remonstranten sollen wie Jesus dagegen protestieren, religiöse Überzeugungen zu verabsolutieren. Jesus stellte ja auch kein Glaubensbekenntnis auf.

Ich habe auch mit dem in Holland sehr umstrittenen „atheistischen Pfarrer Klaas Hendrikse“ (Mitglied der Protestantischen Kirche der Niederlande) gesprochen…Das ist wichtig!  Es besteht die Notwendigkeit, in der Gesellschaft, über die Gottesfrage offen zu debattieren. Wir Remonstranten haben auch mit dem Filmregisseur Paul Verhoeven und dessen neues Buch über Jesus gesprochen, die Debatte war ein voller Erfolg. Verhoeven ist es geglückt, dass Menschen, die nicht mehr in die Kirche kommen, doch über Jesus sprechen. Die Kirche müssen diese Zeichen der Zeit ernst nehmen. Sie lassen hingegen heute die ganze „populäre Kultur“ links liegen. Auch Kabarettisten wie Karin Bloemen und Theo Maassen können eine Brücke sein zwischen Kirche und populärer Kultur. Sie sind vielleicht auch Prediger für unsere Zeit…

Entnommen dem Interview mit Tom Mikkers in der ökumenischen Zeitschrift VOLZIN vom 4. Sept. 2009, Seite 26 – 29. Übersetzt von Christian Modehn.

Remonstranten in Berlin – eine freisinnige Spiritualität

Posted in Aktuelles
Post date: Februar 18, 2010

Freisinnige Spiritualität

Remonstrantenforum in Berlin

Zum ersten Mal wurde in Berlin am Sonntag, den 10. Januar 2010, die freisinnige protestantische Kirche der Remonstranten vorgestellt. Sie hat genau vor 400 Jahren, am 14. Januar 1610, in Holland ihre Entwicklung begonnen mit der „Remonstrance“, dem Einspruch und Widerspruch gegen die dogmatische Behauptung, die Freiheit des Menschen sei nichts gegenüber der Allmacht Gottes. Glaube ist Freisein könnte das Motto sein. Damit wird die übertreibene Deutung der Erbsünde zurückgewiesen, wonach alle Menschen von der Geburt an Sünder sind und zum Guten gar nicht fähig sind. Diese negative Anthropologie  wird abgelehnt.

Im Mittelpunkt dieses „theologischen Salons“ in Berlin – Schöneberg mit 18 Teilnehmerinnen und Teilnehmern stand das Gespräch mit den Gästen aus Amsterdam, Margriet Dijkmans van Gunst und Dik Mook von der dortigen Remonstranten Gemeinde.

Besondere Aufmerksamkeit fand das Profil dieser Kirche, die sich humanistisch und christlich versteht. Humanistisch, weil sie den Lebenserfahrungen des einzelnen Mitglieds ihr volles Recht lässt und keine Vorschriften macht, was und wie der einzelne glauben soll. Diese Freiheit von autoritärer Einrede wurde von vielen TeilnehmerInnen als Überraschung und als sehr wohltuend empfunden. Gerade angesichts einer zunehmenden Verfestigung vieler Kirchen und Religionen in Dogmatismus und Fundamentalismus ist es wohltuend und befreiend zu sehen, dass es solch eine Kirche überhaupt gibt.  Überraschend auch der Bericht, dass in Gottesdiensten der Remonstranten auch spirituelle Texte, etwa aus Literatur oder Buddhismus eine inspirierende Rolle spielen. Interessant war es zu erfahren, dass die beiden Gäste aus der Gemeinde VRIJBURG in Amsterdam auch „Brunch – Gottesdienste“ vor allem für Jugendliche und jüngere Menschen gestalten. Dort steht die Auseinandersetzung mit Kunst im Mittepunkt einer Feier, bei der sich die TeilnehmerInnen um einen fein gedeckten Tisch gruppieren.

Die Remonstranten gehören zu den Gründungsmitgliedern des Ökumenischen Weltrates der Kirchen (Genf), für sie ist die Bibel ein inspirierendes Buch, das glaubende Menschen einst geschrieben haben. Also ein Text von und für Menschen. Von daher haben die Menschen heute die Freiheit, sich einer bestimmten Bibellektüre anzuschließen, etwa der feministischen oder der befreiungstheologischen, immer aber in kritischem Geist. Ein „wortwörtliches verstehen“ dieses alten Textes gläubiger Menschen kommt nicht in Frage. Hingegen werden Mitglieder eingeladen, ihr eigenes persönliches Glaubensbekenntnis aufzuschreiben. Die Remonstranten sehen in der hohen Einschätzung der Kompetenz eines jeden Menschen keinen „Subjektivismus“. Vielmehr stehen sie in bester biblischer Tradition, wo es immer um die ganz individuell geprägte „Gotteserfahrung“ eines jeden einzelnen geht. In der Gemeinde findet dann die Aussprache statt über die vielen verschiedenen Glaubensweisen und Gottesbilder, dabei gibt es keine „hierarchische Kontrolle“.

Diese Kirche hat die Ausgrenzung von Minderheiten überwunden und praktiziert z.B. seit mehr als 20 Jahren die Segnung homosexueller (Ehe) Paare.

Warum sind die Remonstranten nach wie vor interessant und hilfreich?

Natürlich gibt es in verschiedenen anderen Kirchen auch eine freisinnige Theologie und Praxis. Aber die „freisinnigen Mitglieder“ dieser Kirchen, etwa progressive Katholiken,  sind immer von Strafen und Einschränkungen orthodoxer Hierarchen bedroht.

In der Remonstranten Kirche hingegen hat eine Befreiung aus Angst und Repression stattgefunden: Die einzelnen Christen müssen nicht – wie Kirchenreformer in anderen Kirchen – permanent gegen die Wand von Vorschriften und Einschränkungen angehen. Das offene Abendmahl, also die Einladung an ALLE, ist z.B. für Remonstranten selbstverständlich. Die Probleme, die etwa im Umfeld des Ökumenischen Kirchentages in München 2010 noch diskutiert werden, ob Katholiken und Protestanten gemeinsam Abendmahl, Eucharistie feiern „dürfen“,  haben Remonstranten einfach nicht!

Die beiden Remonstranten aus Amsterdam wurden gefragt, was denn für sie besonders wichtig sei: „Es ist die Freiheit, die sich äußert in Verantwortung für sich selbst wie für die anderen“, sagte Dik Mook. „Für mich ist das Gespräch in der Remonstrantengemeinde mit Menschen unterschiedlicher Überzeugungen sehr inspirierend, darin zeigt sich die Vielfalt der Glaubensüberzeugungen, die wir einander zugestehen“ sagte Margriet Dijkmans van Gunst.

Leider, so haben viele Teilnehmer am Berliner Remonstranten Salon gemeint, haben nur wenige Menschen Zugang zur Remonstranten Kirche gefunden, die heute ca. 7000 Mitglieder und Freunde zählt. „Warum  erfährt man so wenig und so selten davon, dass es diese Kirche überhaupt gibt, die ja in der Ökumene einen festen Platz hat“, fragte ein Besucher. „Und warum weisen die Remonstranten außerhalb Hollands so wenig auf ihre Kirche hin?“

In Berlin wird ein

„Forum Freisinnige Spiritualität – Remonstranten in Berlin“ vorbereitet.

Vorläufige Informationen dazu über

www.remonstranten.org (die Seite in deutscher Sprache anklicken, symbolisiert durch die Flagge)

oder:

www. religionsphilosophischer-salon.de   (dort die Seiten über Freisinnige Kirchen)

Solidarisch mit den Menschen in Haiti – Eine Perspektive der Remonstranten

Posted in Aktuelles
Post date: Februar 18, 2010

Eine Perspektive der Remonstranten Kirche zum Erdbeben in Haiti

Die Katastrophe in Haiti sprengt jegliche Vorstellungskraft.

Bei dem Erdbeben in Haiti sind viele tausend Menschen umgekommen, viele leben am Rande der Verzweiflung. Die internationale Hilfe läuft langsam an. Unsere Solidarität und unser Mitgefühl gelten den Leidenden dort.

Die Remonstranten haben bereits zu Spenden aufgefordert für das niederländische ökumenische Hilfswerk KERK in ACTIE, Kirche in Aktion.  Bei einer Feierstunde anlässlich unseres Kirchenjubiläums am 14. Januar in Utrecht haben wir erneut zur Solidarität aufgefordert, auch per SMS war Spenden möglich.

Wir wissen, dass Geld in dem Zusammenhang wichtig ist; genauso wichtig ist aber auch die gründliche Information über die Menschen dort, ihre Situation, ihre Sorge um eine bessere Zukunft.

Die Remonstranten als „humanistische christliche Glaubensgemeinschaft“ fragen allerdings, ob jetzt biblische Bilder und Symbole wie „Apokalypse“ oder „Hölle“  die Erdbebenkatastrophe erklären können. Wir fragen, welchen Sinn es macht, wenn jetzt fundamentalistische Prediger von „Strafe Gottes“ sprechen, nur weil die Menschen dort eine andere, Europäern und US – Amerikaner vielleicht befremdliche Religion pflegen, den Voudou. Toleranz und Respekt vor der Religion dieser Menschen ist die Basis.

Die Remonstranten fragen, wie konnte es soweit kommen, dass in Haiti keine Infrastruktur vorhanden ist, keine Straßen, keine sicheren Kliniken usw. Sie fragen, warum dieses Land –auch in der internationalen Aufmerksamkeit bisher – so vernachlässigt wurde.

Die „strukturelle Katastrophe“ bestand also schon vor dem Erdbebeben.

Gibt es nun die Chance, ein neues, gerechtes, demokratische Haiti aufzubauen?

Die Remonstranten werden die verzweifelten Menschen dort nicht vergessen und weiter über sie informieren.

Preis für “Emanzipation der Homosexuellen”: Remonstranten werden geehrt

Posted in Aktuelles
Post date: Februar 18, 2010

In Holland wurde am 24. Januar 2010 der bekannte “Bob Angelo Preis” für Verdienste um die Emanzipation der Homosexuellen verliehen. Preisträger sind der TV Moderator Arie Boomsma  UND die Remonstranten KIRCHE. Eine auch für Holland durchaus sensationelle Entscheidung, denn Kirchen im allgemeinen erfreuen sich unter Homosexuellen angesichts repressiver Haltungen einiger “Großkirchen” nicht des besten Rufes!  Anders sind die Remonstranten: Sie werden für einen Einsatz zugunsten homosexueller Menschen geehrt. Seit 1987, also noch bevor einige demokratische Staaten die rechtliche Anerkennung homosexueller Paare diskutierten und beschlossen,  bietet die Remonstranten Kirche schwulen und lesbischen Paaren den kirchlichen Segen an, egal, ob sie Mitglieder dieser Kirche sind oder nicht. Inzwischen sind einige andere Kirchen weltweit dieser Praxis gefolgt. Bei einigen Kirchen, wie den Anglikanern oder Lutheraner, führte diese Praxis der vollständigen Akzeptanz homosexueller Menschen zu heftigen Diskussionen, wenn nicht zur Kirchenspaltung. Nicht so bei den Remonstranten. “Bei uns ist die Segnung der Ehen von Homosexuellen ganz normal, da haben wir gar kein Problem”, heißt es in Kreisen der Remonstranten. Der Preis ist benannt nach dem ersten Vorsitzenden der “homosexuellen Befreiungsbewegung COC”, Niek Engelschman alias Bob Angelo.

Geschichte

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Post date: Februar 15, 2010

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Aktuelles. Nächstes Treffen

Posted in Aktuelles
Post date: Februar 8, 2010

Das nächste Treffen des “Forum der Remonstranten” findet am Sonntag, den 9. Mai 2010 um 15 Uhr statt. Ort: Das Café KIEZ OASE in Schöneberg. Das Thema des (meditativen) Gesprächs: Was ist Glauben, was ist Unglauben. Und: Was bedeutet das neue Glaubensbekenntnis der Remonstranten? Im Austausch können wir vielleicht einander “neue Quellen erschließen”. Denn dieses Glaubensbekenntnis ist eine Einladung zum Nachdenken, zur Selbstfindung, keine “Lehre”, die “einem” vorgesetzt wird…
Das ist auch vielleicht “typisch” remonstrantisch, dass als Treffpunkte natürlich nicht nur Kirchengebäude in Frage kommen. Im Gegenteil: Die remonstrantische Theologin Christiane Berckvens Stevelinck (Amsterdam) plädiert ausdrücklich für kleine Glaubensgemeinschaften, Hauskreise, Wohnungen, Salons… Interessenten bitte anmelden wegen weiterer Informationen. christian.modehn@berlin.de