Archive for the ‘Aktuelles’ Category

Für die Vielfalt, nicht nur im Glauben. Ein Interview mit dem Remonstranten Theologen Prof. Johan Goud, Den Haag

Für die Vielfalt, nicht nur im Glauben

Ein Interview mit dem Theologen und Pastor der Remonstranten-Kirche Prof. em. Johan Goud (Den Haag):

Die Fragen stellte Christian Modehn

Zwei Fragen beziehen sich unmittelbar auf die Theologie: Die Freiheit ist entscheidend für Remonstranten, auch die Selbstbestimmung des einzelnen, seinen Glauben zu leben auf seine je individuelle Art. Haben deswegen die Remonstranten de facto kein allgemein verbindliches Glaubensbekenntnis? Ebenso gilt die weitere Frage: Was hält Remonstranten zusammen bei der akzeptierten Glaubens-Pluralität? Und warum ist Pluralität der religiösen Überzeugungen ein Vorteil?

Aber zunächst zur aktuellen politischen Situation in den Niederlanden, dort sind Parlaments-Wahlen am 15. März 2017, mit der Prognose, dass die populistische und rechtslastige Partei PVV stark wird): Was können Christen in den Niederlanden, was können Remonstranten, jetzt tun gegen Wilders und die PVV?

Johan Goud:

Diese Frage betrifft auch den Populismus, der sich im Augenblick in der ganzen Welt regt und der in den Niederlanden verbunden ist mit dem Namen Pim Fortuyn, er wurde im Mai 2002 von einem fanatischen Umwelt-Aktivisten ermordet. Der Populismus in Holland ist auch verbunden mit Geert Wilders und seiner Partei “Für die Freiheit” (PVV). Der Italiener Berlusconi, der Engländer Farage (Brexit), die Französin Le Pen, der Amerikaner Trump: Sie vertreten alternative, national bestimmte Varianten. Ich finde, es ist ein außerordentlich kompliziertes Phänomen, an dem von verschiedenen Gesichtspunkten aus mehrere auseinanderlaufende Sachen zu beobachten sind.

Zu den Hauptursachen in einem allgemeineren Sinne rechne ich: Die Aushöhlung und Ächtung der kritischen Informationsbeschaffung durch die ‘sozialen Medien’; die Zerstückelung der Gesellschaft durch den Zerfall der alten Gemeinschaftsverbände, d.h. der Kirchen, Gewerkschaften, politischen Parteien; die extrem schnelle Verwandlung der Gesellschaft durch moderne Technologien, infolge derer sich sehr viele an die Seite gedrängt fühlen (und oft auch faktisch arbeitlos gemacht worden sind).

Ursachen in einem eher spezifischen Sinne sind meiner Einschätzung nach – immerhin im Falle der Niederlande – die Privatisierung öffentlicher Dienste (wie der Energiebetriebe, der Post, der Fürsorge bedürftiger Mitbürger), aber auch die langjährige, politisch allzu “korrekte” Unterbewertung der multikulturellen Problematik. Die Folge der letztgenannten Fehlentwicklung werden besonders von den Bewohnern der ärmeren Viertel unserer Großstädte tagtäglich gefühlt und wahrgenommen.

Dies alles hat jetzt zu einer giftigen Mischung geführt, einer Mischung aus einer sich ‘national’ nennenden Nostalgie und Sehnsucht nach der vertrauten Gemeinschaftlichkeit der 50-er Jahre (die den meisten heute tatsächlich aber vőllig fremd und unbekannt geworden ist); intolerantes Verhalten den ausländischen Arbeitnehmern, den Asylbewerbern, den Flüchtlingen und jedem Fremden gegenüber; Aversion generell gegenüber unzuverlässig angesehenen Politikern und Akademikern – der ganzen verabscheuten Elite – und schließlich ein besinnungsloses Verlangen nach dem geträumten ‘starken Mann’, der ‘reinen Tisch’ machen wird.

Soweit meine Analyse, die wenig Neues enthält. Es ist aber insgesamt eine sehr traurig stimmende Geschichte. Falls wir nicht achtgeben und die gemachten Fehler korrigieren und adäquate Maßnahmen ergreifen, laufen wir die große Gefahr, daß unsere reichen, demokratischen Gesellschaften durch diese massive Unzufriedenheit tiefgehend zerrüttet werden.

Ich komme jetzt in die Nähe deiner Frage zu den Remonstranten: Was kőnnten sie tun, um diese heillosen Entwicklungen abzuwenden? Es ist klar, daß die Remonstranten eine radikal un-populistische Tradition vertreten. Die Ideale von Freiheit und Toleranz werden in der kurzen Prinzipienerklärung der Remonstranten nachdrücklich erwähnt. Sie wandten sich gleich in den ersten Dezennien der niederländischen Republik, die 1581 gegründet wurde, gegen unfreiheitliche Tendenzen in Kirche und Staat (etwa der weltweit bekannte Staatsrechtler Hugo Grotius oder der Theologe und Gründer der remonstrantischen Kirche, Johannes Uytenbogaert). Zu Beginn des 20sten Jahrhunderts waren Remonstranten ganz deutlich anwesend in der religiős-pazifistischen Bewegung (etwa der Theologe G.J.Heering, u.a. mit seinem 1928 erschienenen Buch “Der Sündenfall des Christentums; Eine Studie zum Christentum, Staat und Krieg”) und 1987 änderten sie als erste Kirche weltweit ihre eigene Kirchenordnung, damit die kirchliche Trauung homosexueller und lesbischer Ehepaare mőglich würde.

Zu den Fragen 2 und 3 sagt Johan Goud:

Das Ideal der Freiheit verbunden mit der Überzeugung, daß der Glaube im individuellen Menschen anfängt und daß diese elementare Freiheit respektiert werden soll, hat die Remonstranten tatsächlich gegenüber allgemeingültigen Glaubensbekenntnissen äußerst zurückhaltend gestimmt, wie von dir in deiner Frage zwei zu recht hervorgehoben wird. Aus mehreren Gründen haben die Remonstranten trotzdem solche Bekenntnisse formuliert, nämlich in den Jahren 1620, 1940 und 2006. Die Intention dabei ist aber sicherlich niemals gewesen, daß ein formuliertes Bekenntnis allgemeinverbindlich werde und die Gläubigen in ihrem eigenen religiösen Leben förmlich bestimmen oder gar gängeln sollte. Im Gegenteil. Wer zur remonstrantischen Kirche gehören will, schreibt sein persőnliches Glaubensbekenntnis. Und im Vorwort der őffentlichen Glaubensbekenntnisse steht jedesmal, wie auch in 2006: ‘Im remonstrantischen Glaubensverstehen ist es selbstverständlich, daß kein einziges Glaubensbekenntnis eine unwidersprüchliche Autorität besitzt. Die Absicht eines Bekenntnisses kann keine andere sein, als daß es ‘mit Vorsicht und in Liebe den Weg des Glaubens weist und erleuchtet’.’

Diese Reserviertheit gegenüber allgemein verpflichtenden Bekenntnissen kommt auch zum Ausdruck in den ersten Sätzen des Bekenntnisses von 2006: Sie sprechen zuerst vom Menschen, also nicht, wie in klassischen Bekenntnissen üblich, von Gott:

Wir sind uns bewusst und erkennen,
dass wir unsere Ruhe nicht finden
in der Sicherheit dessen, wozu wir uns bekennen,
doch in Verwunderung über das, was uns zufällt und geschenkt wird;

dass wir unsere Bestimmung nicht finden in Teilnahmslosigkeit und Habgier,
sondern in Wachheit und Verbundenheit mit allem, was lebt;

dass unser Dasein nicht erfüllt wird in unserem Sein und Haben, sondern in etwas unendlich Grösserem als wir erfassen können.

Durch dieses Bewusstsein geleitet, glauben wir an Gottes Geist,
der alles, was Menschen trennt, übersteigt
und sie beseelt zu dem, was heilig ist und gut,
auf dass sie, singend und schweigend,
betend und handelnd,
Gott ehren und dienen.

Vor diesem Hintergrund ist deine Frage drei ganz verständlich. Denn was hält diese Kirche als Glaubensgemeinschaft zusammen, wenn sie so explizit die konfessionelle Selbstbestimmung des einzelnen hervorhebt und sich zurückhaltend oder sogar ablehnend verhält zur Neigung aller religiősen Institutionen, “gierig” zu werden (um es mit dem bekannten Wort des Sozialpsychologen Coser zu sagen), also Gläubigen an die Institution zu fesseln und zum Konformismus zu zwingen? Ein wichtiger Punkt ist, glaube ich, daß unsere Prinzipienerklärung und auch diese zurückhaltenden Glaubensbekenntnisse eine von den meisten Remonstranten akzeptierte Orientierung in Worte fassen. Remonstranten stimmen im allgemeinen überein in dem Wunsch: Im Geiste der Prinzipien von Freiheit und Toleranz eine Glaubensgemeinschaft zu bilden, die die Bibel historisch-kritisch liest und Gott ehren und dienen will.

Sie sind aber auch davon überzeugt, daß Pluralität im Glauben erforderlich ist, daß Vielfalt, mit anderen Worten, keinen Verlust, sondern einen Gewinn darstellt. Denn unter der Bedingung der Pluralität werden die vielfältig geprägten Menschen sich persőnlicher und bewußter auf diese Glaubensgemeinschaft bezogen fühlen. Außerdem wird sie dazu führen,  daß diese Gemeinschaft keine uneigentlichen Barrieren aufwirft und keine Mauern errichtet zwischen Gläubigen, Andersgläubigen und Nicht-Gläubigen. Denn die Grenzen zwischen diesen Kategorien und Gruppen durchqueren jeden einzelnen von uns selbst. Es wäre unehrlich und es würde zur Intoleranz führen, wenn diese innere Vielfalt negiert bliebe.

Dies bringt mich zurück zu deiner übergreifenden Frage nach unserem Verhalten gegenüber Geert Wilders und seinem niederländischen Populismus. Was kőnnten Christen, was kőnnten Remonstranten dagegen tun? Vieles, glaube ich – aber bitte keine schőnen und eindrucksvoll formulierten Appelle, die nur von den schon lange Überzeugten ernstgenommen werden. Ich beschränke mich zu zwei Beispiele eher noch kleiner Projekte, die zu tun wären.

An erster Stelle geht es um Selbstkritik. Der neue “Allgemeine Sekretär der Remonstranten”, Joost Rőselaers, hat über mehrere Medien die Niederländer, besonders die gebildeteren Kreise, aufgerufen, Schluß zu machen mit der globalen Verurteilung des populistischen Trends und stattdessen Selbstkritik zu üben. Rőselaers war bis vor kurzem Pastor in London, an der Holländischen Kirche, die inmitten des Bankenviertels steht. Brexit, Trump und all die anderen halten uns einen Spiegel vor, sagt Rőselaers. Wir müssen beispielsweise in der Europäischen Union wieder zu dem kommen, womit alles einmal begann: zu den Idealen von Frieden und Solidarität. Warum haben wir die Aushöhlung dieser Ideale durch das Handeln der “Finanzwelt” nicht korrigiert? “Früher erklärten die Kirchen dir, was gut und schlecht war. Das ist innerhalb von 50 Jahren verschwunden; nun müssen wir selbst suchen, was gut und böse ist. Ich will nicht zurück in die Zeiten, als die Kirchen noch so viel Macht hatten. Aber wir müssen wohl zurückkehren zu einer Lebensform, die uns gut untereinander verbindet” (Joost Rőselaers).

An zweiter Stelle müssen wir die heillose Zweiteilung von Hochgebildeten und eher weniger Gebildeten überwinden. Ich habe meine Facebook-Freunde aufgerufen, sich dafür einzusetzen und habe aus dem Kreise dieser digitalen Freunde viele positive Reaktionen erhalten, zum Beispiel vom Islamologen Michiel Leezenberg und vom bekannten Autor Abdelkader Benali. “Es wird über diese genannte Kluft zu recht viel geklagt und auch über den sehr ernstzunehmenden Mangel, bei vielen in unserer Gesellschaft, an richtigen Informationen und Argumenten, die Fehler korrigieren. Die Gemeinschaftsverbände von einst, in denen die verschiedenen gesellschaftlichen Schichten einander begegneten, funktionieren nicht mehr. Was übrig bleibt sind die ‘social media’, die nur geben, was Menschen suchen. Diese ‘social media’ aber verbreiten auch vielen “Unsinn” (fakenews). Dies ist als eine der wichtigen Ursachen der Radikalisierung von rechts und links anzusehen. Also: Platziert mindestens einmal pro Woche einen Beitrag auf die Twitter-, Facebook- und andere Nachrichten-Sites, wo sich die heftigen, oft äußerst emotionalen und diskriminierenden Diskussionen abspielen. Reagiert da ruhig und entschieden, aber nicht moralisierend mit einem vernünftigen Beitrag. Ich habe da bis jetzt nur wenige Erfahrung gesammelt, zureichend aber, um zu wissen, dass diese kleine Initiative funktioniert und der Mühe wert ist”. (Johan Goud)

Ich sehe wohl, daß dies für viele eine nicht leichte Aufgabe ist, sich einzumischen in diese Art von Diskussionen, wo dir die populistischen Vorurteile um die Ohren fliegen. Aber ich denke, daß auf diesem konkreten und sehr dicht an den Problemen orientierten Niveau eine erste notwendige Antwort liegt auf deine Fragen. Nicht in der Sphäre von vollmundigen Erklärungen und Verurteilungen kommen wir weiter, sondern auf dem eher bescheidenen Niveau von Kommunikation und Argument.

copyright: Prof. Johan Goud.

 

 

 

 

Kommentare deaktiviert für Für die Vielfalt, nicht nur im Glauben. Ein Interview mit dem Remonstranten Theologen Prof. Johan Goud, Den Haag

Von einem Gott, der „beinahe nicht besteht“. Zum theologischen Profil eines remonstrantischen Theologen

Post date: Dezember 4, 2016

Ein Beitrag des holländischen Theologen und Remonstranten Pastors Prof. em. Johan Goud, Den Haag.

Die Frage stellte Christian Modehn vom “Forum der Remonstranten Berlin”: Es gibt in der weiten Ökumene sehr viele und sehr unterschiedliche, immer mehr auch evangelikale und pflingstlerische Kirchen. Eine kleine protestantische Kirche in Holland nennt sich „Remonstranten“ als eine theologisch-liberale Glaubensgemeinschaft. Sie ist eine Ausnahme im weiten Feld der sich orthodox nennenden Kirchen. Wie würden Sie in Ihrer Sicht das besondere theologische Profil der Remonstranten kurz beschreiben?

Prof. Johan Goud:

Remonstranten lieben es, die Grenzen des christlichen und theologischen Sprachspiels auszuloten und Philosophen, Künstler, Schriftsteller, Andersgläubige und Nichtgläubige zu Rate zu ziehen. Das gilt auch für die Art und Weise, wie viele von uns Theologie betreiben und als Pastoren arbeiten. Ich selbst habe immer die Erfahrung gemacht, dass ich nach dem Verweilen an den Grenzen des Glaubens immer wieder zum christlichen Glauben zurückkehrte. Und das nicht deswegen, weil sich dort für mich das Zentrum befindet. Sondern mehr deswegen, weil die Erinnerung an den Glauben für mich einfach nicht abzulegen war und mich auch nicht losließ.

Diese Erfahrung liegt auf der Linie mit dem, was die „Grundsatzerklärung“ der Remonstranten über das Evangelium von Jesus Christus sagt: Dass es der Nährboden dieser Glaubensgemeinschaft ist – ohne dabei zu leugnen, dass dabei mehr nötig ist, um eine Pflanze (gemeint ist die Glaubensgemeinschaft) wachsen zu lassen. Übrigens sind (auf der Linie von Gilles Deleuze) auch verschiedene Typen von Wurzeln zu unterscheiden: vertikal wachsende Wurzeln die raubsüchtig und exklusiv sind, oder so genannte Rhizome, die sich unterirdisch verästeln und sich verbinden mit anderen Wurzeln.

Das ist nun im ganzen wahr und da zeigen sich notwendige Relativierungen. Und doch ist es von einer entscheidenden Bedeutung, dass das Evangelium in der Grundsatzerklärung der Remonstranten ausdrücklich genannt wird: „Die Remonstranten sind eine Glaubensgemeinschaft, verwurzelt im Evangelium und in Jesus Christus, und die getreu dem Grundsatz von Freiheit und Toleranz, Gott ehren und dienen will“.

In der Verwirklichung dieses theologischen Auftrags gehen remonstrantische Theologen sehr auseinander. Einige sind geneigt, den Grundsatz der Freiheit sehr zu fordern, vielleicht zu überfordern und in einer allgemein-religiösen Weise zu interpretieren. Andere betrachten Freisinnigkeit eher als die Bejahung von einer kritisch –konstruktiven Aufgabe innerhalb des ganzen der christlichen Tradition. In den Worten des remonstrantischen Theologiehistorikers Eginhard Meijering (Leiden; Ehrendoktorat in Heidelberg): „Freisinnig sein bedeutet: Dass du so orthodox sein kannst wie du selbst willst und nicht so, wie du es von einem kirchlichen Club oder von einer Vereinigung her sein müsste“. Freisinnigkeit ist so betrachtet (eine bei Belieben fragende, in Zweifel ziehende, entgrenzende oder gerade auch polarisierende) Variante von „Orthodoxie“, verstanden als Reflexion in Solidarität mit der christlichen Glaubenstradition.

Was mich selbst betrifft: Ich fühle mich eher zu Hause in der letzt genannten Gestalt von Freisinnigkeit und sehe sie als eine Einladung zur „Dekonstruktion“ der christlichen Tradition. Das heißt, dass ich die Fremdheit traditionell religiöser Sprache hervorhebe; dass ich diese merkwürdige Sprache unablässig in Beziehung bringe mit andersartigen (philosophischen und literarischen) Redensarten und auf der Suche bin nach einer – eventuell nicht oder kaum religiösen – Sprache vergleichbarer Intensität. Sprechen über Gott und Glaube stehen im Zeichen von dem, was andere „Religion ohne Religion“ oder „Gott nach Gott“ genannt haben. Ich selbst habe über Gott geschrieben, der „beinahe“ nicht besteht; dessen Bestehen etwas ist, das ständig neues Sprechen und neue Umschreibungen nötig hat. Diese Auffassung steht nahe zu dem, was etwa der amerikanische Religionsphilosoph John Caputo schreibt über Gottes „Insistenz“ (anstelle von Existenz). Er meint damit, Gottes Wirklichkeit sei nicht ein Sein, sondern ein Rufen und Drängen. Obwohl Caputo, was den Menschen betrifft, geneigt ist, länger als mir lieb ist an dem Begriff Verlangen festzuhalten. Glauben kennt, Gott sei Dank, auch seine Momente des Findens und der Übergabe.

Copyright: Prof. Johan Goud, Den Haag.

 

Kommentare deaktiviert für Von einem Gott, der „beinahe nicht besteht“. Zum theologischen Profil eines remonstrantischen Theologen

Joost Roselaers ist der neue „Allgemeine Sekretär“ der Remonstranten-Kirche

Posted in Aktuelles
Post date: November 26, 2016

Der „oberste Koordinator“ der Remonstranten Kirche nennt sich „Allgemeiner Sekretär“: Mitte November (2016) wurde der Theologe Joost Roselaers (36) auf diesen Posten gewählt. Er war vorher u.a. Pastor in Amsterdam und in London an der „Dutch Church“. Am 1. Januar 2017 beginnt seine Arbeit in der Kirchenzentrale in Utrecht.

In seiner Rede nach der Wahl sagt Joost Roselaers unter anderem: „Meine Pläne für die kommenden Jahre sind: Ich will zurückkehren an die Basis, zur Arbeit an der Ortskirche. Wie können wir unsere Gemeinden verstärken? Denn das ist sehr nötig. Wie können wir für ein Angebot sorgen, dass besser an die Fragen und Erwartungen unserer Zeit anschließt? Ich denke besonders an die Gestaltung unserer Gottesdienste, an andere Momente der Besinnung und an neue Formen von Spiritualität. Dann will ich ein landesweites Angebot von Aktivitäten entwickeln, wie etwa Wochenende für junge Eltern , Besinnungstage, Exerzitien…

Worin sind wir Remonstranten noch unterscheidend und erneuernd? Ich glaube, dass wir (in den Worten von unserem Kollegen Johan Goud) stets die Grenzen aufsuchen und dass wir sie auch überschreiten. Wir als Remonstranten stehen für eine intellektuelle und fortschrittliche Stimme (innerhalb der Ökumene). Dieser Klang, diese Stimme, muss bleiben, zur Zeit vielleicht mehr als früher … In der Gesellschaft gibt es ein Verlangen nach einen offenen Platz für Sinnfragen… Die Remonstranten sind eine Gemeinschaft, die für jeden und jede offen sein will.

Übersetzung: Christian Modehn am 26.11.2016

Kommentare deaktiviert für Joost Roselaers ist der neue „Allgemeine Sekretär“ der Remonstranten-Kirche

Religion und Literatur in den Niederlanden. Ein Beitrag von Prof. Johan Goud

Posted in Aktuelles, Bücher
Post date: Oktober 19, 2016

Religion und Literatur in Holland. Ein Beitrag von Prof. Johan Goud

Die Buchmesse in Frankfurt am Main hat in diesem Jahr die Literatur in den Niederlanden und in Flandern gewissermaßen zum Schwerpunkt gewählt. Was Religionen und Kirchen betrifft, haben die Niederlande nicht gerade den Ruf, ausgesprochen kirchengebunden und gläubig zu sein. Statistisch gesehen gilt Holland als eines der am meisten säkularisierten Länder Europas, wenn man das denn statistisch überhaupt erfassen kann. Wer schaut schon die Seele der Menschen?  Die religiöse Frage hat sich aber in ihrer ganzen Vielfalt nur verlagert, etwa auch in die Literatur und die Poesie. Ein Beitrag der Zeitschrift PUBLIK-FORUM bietet eine gute Übersicht zur Pluralität des Religiösen in der heutigen niederländischen Literatur. Autor ist Prof. em. Johan Goud, Den Haag, Theologe, Philosoph und Pastor der Remonstranten-Kirche. Den Beitrag können Sie in PUBLIK-FORUM lesen, wenn Sie hier klicken.

Zu Publik-Forum: www.publik-forum.de

Kommentare deaktiviert für Religion und Literatur in den Niederlanden. Ein Beitrag von Prof. Johan Goud

Die Direktorin des Humanistischen Verbandes spricht im Sonntagsgottesdienst

Post date: Mai 28, 2016

Am Sonntag, den 29. Mai 2016, predigt die neue Direktorin des Humanistischen Verbandes der Niederlande, Christa Compas, im Sonntagsgottesdienst der protestantischen Gemeinde der Remonstranten in Amsterdam, die Kirche heißt “de Vriburg”. “Gebt mir Brot und auch Rosen” ist das Thema. Christa Compas ist Politologin und in vielfältiger Weise auch für die Gleichberechtigung der Frauen in der Gesellschaft aktiv. Der “Humanistische Verband Hollands” ist eine bekannte Organisation, in der sich agnostische und atheistische Menschen zusammenfinden; sie haben z.B. eine eigene Universität in Utrecht. Uns freut es sehr, dass die Remonstranten eine prominente Humanistin zur Predigt im Sonntagsgottesdienst einladen. Und fragen uns natürlich, ob solches in Deutschland etwa in Zusammenarbeit mit dem Humanistischen Verband Deutschlands (HVD) möglich wäre. Vonseiten des HVD bestimmt. Übrigens: Eine führende Mitarbeit des theologischen Instituts der Remonstranten in Amsterdam, Christa Anbeek, war als Theologin auch Dozentin an der genannten humanistischen Universität in Utrecht. Sicher kommen sich auf diese Weise, durch gemeinsame christlich-humanistische Veranstaltungen, Glaubende und Skeptiker(Agnostiker, Atheisten…) näher und entdecken: Was uns verbindet ist größer als das,was uns trennt: Uns verbindet die Sorge um die Menschen, etwa, dass sie alle  “Brot und Rosen” haben und diese teilen und sich daran erfreuen, um den Titel der Predigt von Christa Compas in der Amsterdamer Kirche noch einmal aufzugreifen.

Christian Modehn

Kommentare deaktiviert für Die Direktorin des Humanistischen Verbandes spricht im Sonntagsgottesdienst

Für die Schulen der Weisheit. Ein Interview mit Prof. Johan Goud, Den Haag.

Post date: Januar 31, 2016

Für die „Schulen der Weisheit“

Ein Interview mit dem remonstrantischen Theologen Prof. Johan Goud. Die Fragen stellte Christian Modehn

Veröffentlicht am 29.Januar 2016 in der Zeitschrift PUBLIK FORUM (Postfach 2010, 61410 Oberursel. www.publik-forum.de

Publik_Forum: In den Niederlanden ist die Entkirchlichung so weit fortgeschritten, dass es in einigen Jahren fast keine Kirchen mehr geben wird. 49 Prozent der Niederländer bezeichnen sich als unkirchlich. Bei den 18 – 35 Jährigen ist der Anteil der Christen sehr gering. Sind unkirchliche Holländer automatisch unreligiös?

Johan Goud: Sicher nicht. Schon im 17. Jahrhundert gab es „Kirche“ bei uns nur in Vielfalt. Keine konnte beanspruchen, „Religion“ und „Christlichkeit“ uneingeschränkt zu repräsentieren. Jetzt gibt es noch mehr Pluralität, religiőse Alternativen nicht-christlicher Art. Nur 24 Prozent der Niederländer zählen sich zu den traditionellen „Theisten“, also zu den Gottgläubigen. Dagegen sagen 62 Prozent, dass sie an ‘Etwas’ glauben, zum Beispiel an eine „universelle Energie“. Sie bejahen den Satz, wonach es „mehr gibt zwischen Himmel und Erde“ oder bezeichnen sich als Agnostiker. Schon 1946 vertrat der Schriftsteller Simon Vestdijk die These, dass der buddhistisch orientierten, mystisch-verinnerlichten Religiosität die Zukunft gehöre. Sein Buch wurde in kirchlichen Kreisen kaum ernst genommen. Er hat aber recht bekommen.

Kann unter diesen Bedingungen die Auseinandersetzung mit Kunst, Philosophie, Poesie auf neue Weise religiöse Erfahrungen ermöglichen?

In unserer Zeit, die beherrscht wird von rationalistischen und ökonomischen Werten, sollten Kunst und Religion einander als Verbündete anerkennen. Zwar erfordert diese gegenseitige Anerkennung, dass sie sich selbst als relativ ansehen und sich voneinander anregen lassen. Vom Literaturkritiker Paul de Man stammt jedoch die provokative Bemerkung: “Meines Erachtens kann ein Gläubiger nicht lesen“. Er meint damit, dass ein gläubiger Mensch nicht imstande sei, sich selber zu relativieren und ironisieren: ‘Ernst ohne Spiel ist blind’, könnte man darum, Kant paraphrasierend, hinzufügen. Für mich sind Aussagen wie diese eine bleibende Herausforderung. Theoretisch geschieht das Bündnis von Religion und Kunst, indem ich eine Theologie entwickle, die sich ins offene Felde der Sprache stellt und die Worte des Glaubens literarisch auffasst. Praktisch geschieht dies, indem man sich als Theologe für die vielen „Götter“ in Kunst und Literatur öffnet und sich behutsam mit ihnen auseinandersetzt. Denn in Kunst und Literatur findet sich eine Genauigkeit, die empfänglich ist für die flüssige Wirklichkeit der Seele, mit ihren Vermutungen, Beschwörungen, Träumen und Wünschen.

Wird die Suche nach Transzendenz immer mehr zur Sache des einzelnen?

War sie das in gewisser Hinsicht nicht immer schon? ‘Transzendenz’, in welchen Gestalten auch immer, übersteigt letzten Endes alle Zugehörigkeiten und sozialen Konventionen. Sie lässt sich nicht aus dem folgern, was ‘man’ für wichtig hält. Sie ist immer eine Sache von Ich und Du, eine Sache des Einzelnen also. Aber wenn ich wirklich von ihr ergriffen werde, kann ich nicht bei mir selbst als Einzelnem bleiben. Das Denken von Emmanuel Lévinas hat mich an diesem Punkt immer tief beeindruckt: Gott ist der Rätselhafte, der „Spielverderber“, den ich nie erwischen kann: ‘Ich nähere mich dem Unendlichen, insofern ich mich selbst vergesse um des Nächsten willen, der mich anschaut’.

Wie sollten christliche Gemeinden gestaltet sein, damit sie den Suchenden, auch den „Nichtkonfessionellen“, Raum bieten?

Es wäre schön, wenn die Gemeinden sich zu „Schulen von Weisheit“ entwickeln würden – ein Ausdruck des katholischen Theologen Edward Schillebeeckx. Im kritischen Sinne geht es um die Entlarvung von Scheinweisheit und Götzendienst, also um die Kritik am Ökonomismus, am Nationalismus, an der Angst vor dem Fremden. Im positiven Sinn meint „Schule von Weisheit“ die Übung im gemeinsamen Fragen (!) nach Gott, im literarischen Verstehen der Bibel und der Tradition, in der mitfühlenden Kraft von Phantasie und Denken, wie die Philosophin Martha Nussbaum es nennt. Deswegen sollten die Pfarrer Lehrer sein, Freunde unter Freunden – statt Hirten mit ihren Schäflein.

Würde sich damit das bekannte Profil des Christlichen verändern?

Eine Veränderung gibt es gewiss, aber meines Erachtens noch keine grundsätzliche. Die kirchliche Katechese wollte immer auch gläubige Kritik an ‘Luft und Leere’, also an der Eitelkeit sein. Was sich also ändern sollte, ist die Vorliebe für Macht und für große Zahlen, für die autoritäre Ordnung. Ändern muss auch sich die Bevorzugung der Sicherheit statt der Herausforderung und der Fragen. Meinte das alles nicht auch Dietrich Bonhoeffer, als er für ein mündiges, religionsloses Christentum plädierte? Es scheint mir wichtig, dieses Ideal zu pflegen! In den Niederlanden gibt es, anders als in Deutschland, seit Jahrhunderten einflussreiche freiheitliche Traditionen in den Kirchen, Glaubensgemeinschaften im humanistischen Geiste von Erasmus, Geert Grote, Hugo Grotius, Arminius und anderer. Wir brauchen Gemeinschaften, die die humane Glaubenspraxis höher schätzen als die richtige Lehre – auch als Widerstand gegen die Medien mit ihrer Propaganda, die neue und gefährliche Formen von Leichtgläubigkeit und Orthodoxie fördern. In Gemeinden, die das undogmatische Suchen und die gemeinsame Debatte über Gott pflegen, sollte der konfessionelle Hintergrund irrelevant sein.

Johan Goud (geboren 1950) ist emeritierter Professor für Religionsphilosophie und Theologische Ästhetik an der Universität Utrecht und Pfarrer der protestantischen Remonstranten –Kirche in Den Haag, jetzt in Hengelo. Zahlreiche Veröffentlichungen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Kommentare deaktiviert für Für die Schulen der Weisheit. Ein Interview mit Prof. Johan Goud, Den Haag.

Für einen modernen Glauben im 21. Jahrhundert: Ein kurzes Plädoyer der Remonstranten

Posted in Aktuelles
Post date: August 18, 2015

Die neue website der Remonstranten in Holland hat einen Text veröffentlicht, der für einen modernen Glauben im 21. Jahrhundert plädiert, zur neuen website klicken Sie hier.

Was glauben wir?

Einige Hinweise der Remonstranten-Kirche, Holland. Sie ist als freisinnige, „liberal-theologische“ protestantische Kirche Mitglied im Ökumenischen Rat der Kirchen Genf.

“Glauben beginnt bei dir”, heißt es immer wieder bei den Remonstranten. Was bedeutet das genau ?

Für Remonstranten heißt das: Wir nehmen deine Lebensweisheit und deine Ansichten uneingeschränkt ernst. Auch legen wir Wert auf eine wachsende, fortschreitende Einsicht. Man kann das auch Flexibilität nennen. Gott lässt sich nicht einfangen in Worte, in Kirchen, in Glaubensbekenntnisse. Das bedeutet: Alles Sprechen von Gott ist vorläufig. Trotzdem ist ein Gespräch über den Glauben wirklich der Mühe wert. Das ist sogar von größter Bedeutung, denn so verhindern wir auch, dass wir in unseren subjektiven Annahmen einfach „hängen bleiben“. Remonstrantische Gemeinden bilden dann sozusagen auch das „pulsierende Herz“ von der Kirchengemeinschaft (im ganzen).

Aber beginnt Glaube nicht mit Gott?

Da gibt es verschiedene Meinungen. Es gibt eine alte theologische Diskussion, wo Glauben genau beginnt, bei den Menschen oder mit Gott. In jedem Fall sind Remonstranten vorsichtig, um im Namen Gottes zu sprechen. Auch wollen sie die Kenntnis, das Verstehen, nicht vertreiben und gelten lassen im Glauben. Wir wissen aufgrund der biblischen Wissenschaft, dass die Bibel ein Werk der Menschen ist und wir wissen auch, dass die Kirche nicht unfehlbar ist. Remonstranten behaupten nicht schnell, dass das Christentum der einzig wahre Glaube ist. Darum ging es Jesus auch nicht. Ein Auge zu haben oder einen Sinn zu haben für das menschliche Maß im Glauben, das finden Remonstranten so wichtig. Wie kommt man damit zurecht? Remonstranten plädieren deswegen für ein freies und tolerantes Christentum. Jeder Remonstrant ist frei, seinen Glauben auf seine eigene Art zu gestalten. Darum kann man Menschen unter den Remonstranten treffen, die sich mit Achtsamkeitsübungen oder mit Zen-Buddhismus persönlich beschäftigen.

Zusammensein und Sprechen…

„Glauben beginnt bei dir“ bedeutet für Remonstranten nicht, dass der Glaube der aller individuellste Ausdruck der aller individuellsten Gefühle ist. Sondern: Gerade im Gespräch mit anderen entwickelt man am besten die eigene Lebensweisheit. „Glaube beginnt bei dir“ : Dieser Satz stimmt, aber dann geht es doch auch um andere. Darum treffen sich Remonstranten während der Woche oder am Sonntag, zuweilen in der Kirche oder auch bei den anderen zuhause.

Moderne christliche Perspektiven

Remonstranten bilden eine christliche Kirche. Aber das bedeutet für uns: Wir untersuchen, in welcher Form der christliche Glaube auch für das 21. Jahrhundert orientierend sein kann. Wir übernehmen nicht ohne weiteres, was frühere Generationen über den Glauben gesagt haben. Wir als Remonstranten sind bereit, die Kirche zu verändern, wenn die Zeit das verlangt. Gleichzeitig ist unser Glaube verwurzelt im Evangelium von Jesus Christus. Seit ihrem Entstehen vor 4 Jahrhunderten, sind die Remonstranten stets eine etwas „vorwitzige“, „vorlaute“ „Schwester“ der christlichen Kichen gewesen. Remonstanten lieferten wichtige Beiträge zur Erneuerung der Theologie. Sie gehörten zu den ersten, die Frauen zum Amt des Pastors zuließen, sie waren eines der Gründungsmitglieder des Ökumenischen Weltrates der Kirchen (Genf). 1986 standen sie auf Seite 1 der „New York Times“, weil die Remonstranten die erste Kirche weltweit war, die die Ehe und die Segnung in der Kirche erlaubte für Liebende des gleichen Geschlechts.

Im Jahr 2006 präsentierten remonstrantische Pastoren ein neues Glaubensbekenntnis für unsere Kirche. Dabei war es keine Absicht, den Glauben ein für allemal festzulegen. Es ging nur darum, eine Orientierungshilfe zu bieten für den persönlichen Glauben eines jeden. Das Glaubensbekenntnis bindet nicht den einzelnen!

Neben dem Gespräch über den Glauben inmitten des Lebens legen die Remonstranten auch wert auf das aktive Tun zugunsten der anderen Menschen. Darum unterstützen wir auch verschiedene Initiativen der Solidarität. Wir sind ja keine „kirchliche Insel“. Darum gibt es auch viele Kontakte mit anderen Kirchen und mit „weltlichen“ Gruppen, die einen ähnlichen offenen Geist haben.

Übersetzung aus dem Niederländischen: Christian Modehn Berlin.

 

 

 

Kommentare deaktiviert für Für einen modernen Glauben im 21. Jahrhundert: Ein kurzes Plädoyer der Remonstranten

Ethik ist wichtiger als Religion: Der Salon am 28. August 2015

Posted in Aktuelles
Post date: Juli 26, 2015

Der nächste Religionsphilosophische Salon findet am Freitag, den 28. August 2015, um 19 Uhr, in der Galerie Fantom, Hektorstr. 9 in Berlin-Wilmersdorf statt. Das Thema: „Ethik ist wichtiger als Religion“. Dazu herzliche Einladung. Ihre Anmeldung bitte an: christian.modehn@berlin.de   Für die Raummiete bitten wir um 5 Euro. Studenten haben wie immer kostenfreien Eintritt. Zur Einstimmung ein Zitat des Dalai Lama: „Ich denke an manchen Tagen, dass es besser wäre, wenn wir gar keine Religionen mehr hätten. Alle Religionen und alle Heiligen Schriften bergen ein Gewaltpotential in sich. Dazu brauchen wir eine säkulare Ethik jenseits aller Religionen“. Dazu hat sich der Dalai Lama in Zusammenarbeit mit dem Journalisten Franz Alt in der Broschüre „Ethik ist wichtiger als Religion“ geäußert, die gleichzeitig in mehreren Sprachen veröffentlicht wurde. Die Broschüre (Umfang 56 Seiten) ist im Benevento Verlag Salzburg erschienen, Preis: 4, 99 EURO. Das Buch kann auch kostenlos heruntergeladen werden: www.beneventobooks.com   Für unsere Zusammenkunft am 28. August sollte die Lektüre dieses Textes eine wünschenswerte Voraussetzung der Teilnahme sein.

Am Donnerstag, den 20. August 2015, machen wir wieder einen philosophisch-theologischen Sommer-Ausflug, diesmal nach Jüterbog. 15 Plätze stehen zur Verfügung. Zu Details, auch zur festen Anmeldung, klicken Sie bitte hier.

Der Salon am 24. Juli hatte 14 TeilnehmerInnen mit dem Thema: Über die Tugend des Ungehorsams. Zu Hinweisen zu dem wichtigen, auch politischen Thema, klicken Sie bitte hier.

Kommentare deaktiviert für Ethik ist wichtiger als Religion: Der Salon am 28. August 2015

Remonstranten-Gemeinden: Orte der Lebenskunst

Post date: Juli 19, 2015

Remonstranten Gemeinden: Orte der Lebenskunst.

Über die Zukunft christlicher Gemeinden

Zur Zeitschrift ADREM der Remonstranten

Von Christian Modehn

Die Remonstranten in den Niederlanden, diese freisinnige christliche Kirche, nennt ihre Monatszeitschrift ADREM. Dieser Titel klingt lateinisch: „Zur Sache“, heißt die Übersetzung. Es geht um die „Sache“ spirituellen Lebens im Heute … auf der Basis einer vernünftigen, kritischen, „modernen“ Theologie. Aber der Titel ADREM unterstreicht auch, dass eben REMonstranten selbst zeigen, wie sie in der Gesellschaft, die säkular ist, pluralistisch, der Globalisierung ausgesetzt usw., ihr Leben gestalten.

Das neueste Heft, 26. Jahrgang, erschienen im Juli 2015, ist im besten Sinne ein vielstimmiges Plädoyer für eine Dimension der Lebenskunst: die Einübung der Stille, die Überwindung von Stress und Hektik.

Die Philosophin Joke H. Hermsen plädiert für das „langsame Leben“, die Unterbrechung, die Pause, die Stille. Nur dann können wir das menschliche Maß wieder finden, uns befreien aus den monotonen Rhythmen, die vorgegeben werden von der offenbar allmächtigen „ökonomischen Uhrzeit“, also dem Diktat, nur noch effizient mit der Zeit umzugehen. Lebenszeit wird in dieser „ökonomischen Uhrzeit“ ausschließlich zur Arbeitszeit. Und freie Zeit funktional zur Vorbereitung auf die kommende Arbeitszeit.

Gemeinden, natürlich auch Remonstranten Gemeinden, sind unter den Bedingungen dann eben Orte der Einübung von Stille, auch Orte des Widerstands gegen die „ökonomische Uhrzeit“. Der Pastor der Utrechter Gemeinde Geertekerk, Florus Kruyne, berichtet in ADREM über seine Ausbildung und Praxis in der Achtsamkeits-Meditation, im englischen Sprachraum spricht man auch von „Mindfulness-Training“. Im Herbst wird er wieder „Aufmerksamkeits/Achtsamkeits-Übungen/Meditationen“ anbieten: “Ich sehe dies als eine geistliche Arbeit“, also als ein wichtiges spirituelles Tun eines Pfarrers.

Gemeinde als Ort der Lebenskunst: Dies scheint mir eine treffende „Definition“ von Remonstranten-Gemeinden zu sein. „School of life“ wäre ebenfalls ein passender Titel, aber der wird schon in England von einer philosophischen Bewegung verwendet. In jedem Fall gewinne ich als Leser von ADREM den Eindruck, dass eigentlich die Remonstranten Gemeinden ein neues inhaltliches Profil suchen bzw. schon entwickeln: Orte der Lebenskunst zu sein, in dem sich viele unterschiedliche spirituelle Menschen treffen und in den Austausch treten über das, was sie „am Leben hält“. Das können Erfahrungen mit biblischen Texten sein oder mit anderen literarischen, religiösen, philosophischen und künstlerischen Zeugnissen. Der Theologe und Philosoph, der kürzlich pensionierte Pastor Johan Goud aus Den Haag, sagt in ADREM: „Die Remonstranten sollten sich bewusst bleiben über das Eigene (Auszeichenende), das sie im Ganzen der religiösen Landschaft haben und einbringen können: Sie sind eine Gemeinschaft mit offenen Augen für die Kultur, und das in Verbindung mit der christlichen Tradition. Dabei lesen sie sorgfältig die verschiedenen Bedeutungen von christlicher Tradition. Und sie schaffen Verbindungen und Beziehungen, wo es andere nicht tun und nicht tun dürfen. Wenn Remonstranten das qualitativ gut tun, können sie sich auch in der Zukunft gut unterscheiden vom Rest (also von den anderen Kirchen CM)“. In dem Interview hat Johan Goud Beispiele gegeben für den eigenen Umgang der Remonstranten mit der Tradition: „Ich sprach einmal von dem Gott, der beinahe nicht besteht. Damit will ich zeigen, dass man eigentlich niemals abstrakt über Gott sprechen kann, abgehoben von dem, was wir Menschen hoffen, vermuten, singen, bitten, kurz über Gott zur Sprache bringen. Darum muss man die Bibel auch als Literatur lesen, wo dem =Bestehen= von Gott eine performative Form gegeben wird.“.

Zum Thema passend bietet ADREM im Juli Heft 2015 auch einen ermunternden Beitrag über SLOW FOOD, auch wenn sanfte Kritik an der weltweiten Bewegung des langsamen, besinnlichen und dadurch eher genussfreudigen Essens geübt wird: Gemeinden brauchen ja nicht Mitglieder der von Carlo Petrini gegründeten Bewegung sein: Es wäre vielleicht viel gewonnen, wenn etwa der slow lunch bei Gemeindeveranstaltungen eingeübt wird. Und alle Veranstaltungen etwas vom Geist des „slowly“ hätten: Hat man schon über slowly prayer, slowly preaching, nachgedacht?

Zu ADREM und den niederländischen Remonstranten klicken Sie bitte hier.

Johan Goud ist auch Professor an der Universität Utrecht, deren Website schreibt: In 1999 he was appointed on the chair for Philosophical Theology from the Perspective of liberal Christianity,Liberal since 2009 he is Professor of ‘Theological Aesthetics: Religion in Literature and Art’, at the Utrecht University.

Zu einigen Büchern von Professor Johan Goud, klicken Sie bitte hier.

copyright: Christian Modehn

Kommentare deaktiviert für Remonstranten-Gemeinden: Orte der Lebenskunst

“Mein Gott”: Persönliche Bekenntnisse von Remonstranten

Posted in Aktuelles
Post date: Dezember 10, 2014

 

Die Remonstranten haben dieser Tage in den Niederlanden eine umfassende Werbe-Aktion gestartet, u.a. auch mit Plakaten, die im ganzen Land, vornehmlich auf Bahnhöfen, zu sehen sind.

Gleichzeitig erschien eine kleine Broschüre, in der einige Remonstranten kurz und bündig – und durchaus werbend – erläutern, warum sie mit dieser Kirche verbunden sind.

Diese sehr persönlichen und bewusst sehr individuellen Bekenntnisse sind ein erster Schritt, um Menschen einzuladen, über den eigenen Glauben und die eigene, persönliche Gottesbeziehung nachzudenken.

Diese weit verbreitete kleine Broschüre im DINA5 Format liegt nun hier in einer Übersetzung durch Christian Modehn vor, Forum der Remonstranten in Berlin.

Die Remonstranten hoffen, dass sich in Holland und hoffentlich auch anderswo durch diese Werbung neue Kontakte entwickeln zu den Remonstranten-Gemeinden. Die Leser dieser Broschüre werden zudem eingeladen, sich als „Freund der Remonstranten“ anzumelden. Dies kann im zentralen Büro in Utrecht geschehen::

(0031 – 30 2316970.

Oder info@remonstranten.org

Neueste Informationen über die Gemeinden in Holland sind zu finden:

www.remonstranten.org

 

Die Remonstranten sind eine der wenigen christlichen Kirchen, die neben der üblichen Mitgliedschaft auch die Bindung „als Freund, als Freundin“ kennen. Dies gilt besonders für Menschen, die noch eine andere religiöse Bindung haben, aber dem Geist und der Praxis dieser freisinnigen, theologisch-liberalen Kirche nahe stehen.

Die sehr persönlichen Bekenntnisse sind nur ein erster Schritt, das remonstrantische Leben kennen zu lernen.

Gleichzeitig erschienen sechs Bücher zum Thema Gott, Jesus, Mensch, Zukunft, Geist und Kirche von verschienen remonstrantischen Theologen. Sie sind als Set auch im Buchhandel (Verlag Meinema) erhältlich, sie dokumentieren eine aufgeschlossene Theologie für heute und morgen.

 DER TEXT DER BROSCHÜRE:

 

Mein Gott verheiratet auch Homos

 

Das bedeutet für mich, dass ich wirklich „ich selbst“ sein kann. Und bei den Remonstranten kann ich wirklich ich selbst sein.

Das ist eine Kirche, wo man nicht sagt, wie und was ich glauben muss. Und bei den Remonstranten bin ich wirklich willkommen. Willkommen, um zu heiraten, aber auch sonst zu wichtigen Ritualen, wie der Feier des Abendmahls. Nach gut remonstrantischem Brauch wird ausdrücklich immer jeder, wie man auch glaubst oder nicht glaubt, eingeladen, am Abendmahl teilzunehmen. Das finde ich gut. Diese Kirche ist ein Haus von Menschen, wo ich willkommen bin, um das Mysterium des Lebens zu feiern, auch mein eigenes Leben.

 

Rinus Gerlofsma

Remonstrant in Utrecht

 

So ist es.

Hans van Commenée

 

Mein Gott schaut nicht auf mich herab

 

Ich halte nichts von einem Gott, der missgünstig ist und der mich als einen „kleinen Knirps“ betrachtet, für den ich es niemals recht tun kann. Ich muss nicht vor ihm in die Knie fallen, während er mich böse betrachtet. Nein, mein Gott findet es gut, dass ich meine eigenen Entscheidungen treffe. Er lässt mir meine eigene Wahl. Vielleicht kann Gott das eine an mir mehr schätzen als das andere. Aber prinzipiell findet er mich wohl ganz in Ordnung und findet das gut, was ich tue.

Jeder Mensch blüht doch in Freiheit erst so richtig auf. Wenn ich förmlich gewürgt werde von allerlei Geboten und Verboten, kann ich niemals das Äußerste gestalten.

Ich vertraue darauf: Gott ist glücklich ist, dass ich da bin. Das Leben auf Erden sieht in gewisser Hinsicht den „sozialen Medien“ ähnlich. Wenn ich etwas nicht gut tue, dann werde ich von anderen Menschen richtig zurückgepfiffen. Das regelt sich von selbst. Dann ist kein strafender Gott mehr nötig.

 

Jaap Marinus

Remonstrant in Ede

 

 

Mein Gott ist ein ganz großer Optimist

 

Ich erfahre Gott in der Begegnung zwischen Menschen. In dieser Bewegung zwischen den Menschen kommt Inspiration, Feuer, Kreativität nach vorn. In diesem Raum wird die göttliche Kraft sichtbar. Die Ereignisse in der Welt um uns herum können uns düster und negativ stimmen. Der Kontakt mit anderen Menschen gibt mir dann gerade neue Hoffnung und weckt meinen Optimismus. Den Inspirationen der Bibelerzählungen und der Philosophen entsprechend, brauchen wir einfach andere Menschen, um in unseren Gedanken und auch in inneren Konflikten weiter zu kommen. Durch den Kontakt mit Menschen halte ich mich daran und so kann ich einen Schritt weiter gehen in dem Leben. Ich gebe Unterricht in einer Fachhochschule für die Ausbildung von Pflegeberufen. Ich rege meine Studenten an, dass sie auch die positive Seite der Patienten stärken und betonen. Gerade dann entwickelt sich die Kraft der Menschen, und dadurch können sie sich auch verändern.

 

Margriet Dijkmans van Gunst

Remonstrantin in Amsterdam

 

 

Mein Gott hält nichts von Dogmen

 

Das Wort Dogma lässt mich an eine Auffassung vom Glauben denken, die nicht zu verändern ist und mit der die Gläubigen einander prüfen und „Maß nehmen“. Wenn die Erzählungen von Menschen, wie sie in der Bibel beschrieben sind, zu Dogmen und zur Kirchenlehre versteinern, dann ist das Leben dort verschwunden. Meiner Meinung nach wird die Geschichte des Menschen Jesus verkündigt in der Hoffnung, dass dadurch Menschen selbst zur Quelle des Lebens finden können. Jesus versuchte die wunderbare Nähe zu Gott in seinem Leben auszudrücken. Aber das vorbildliche Leben des Menschen Jesus ist dann oft hinter seiner dogmatischen Bedeutung verschwunden. Die Geschichte seines menschlichen Lebens wurde verdrängt durch ein zeitloses Dogma. Die alten Worte behindern oft unsere eigene Suche, sie sind belastet und beladen. Darum suche ich lieber nach heutigen, zeitgemäßen Bildern, die uns etwas erzählen können vom Geheimnis des Ewigen und die uns hinweisen auf Spuren Gottes in unserem Leben.

 

Reinhold Philipp

Remonstrantischer Pastor in Den Haag

 

 

Mein Gott lässt mich selbst denken

 

Kein einziger Theologe darf vorschrieben, wie man denken muss. Betrüblich ist, dass das noch immer der Fall ist. Und oft wollen Menschen deswegen nichts mehr zu tun haben mit irgendeiner Form von Religion. Das ist auch völlig richtig, wenn denn die eigenen Ansichten dabei zu kurz kommen. Und eigentlich wird so die Religion verstümmelt. Denn religiöse Traditionen bieten Rituale, Kunst, Musik, Sinn für Gemeinschaft, Stille und Weisungen, wie man gut leben kann. Religion kann wertvoll sein. Auch der persönliche Glaube muss nicht allein bleiben. Darüber sind Remonstranten mit einander im Gespräch.

 

Christa Anbeek

Professorin für remonstrantische Theologie in Amsterdam

 

 

Mein Gott zwingt mich zu nichts

 

Ich fühle mich nicht zu Hause in den gängigen Strukturen und Dogmen. Ich bin eine Nonkonformistin und habe mich immer am Rand der Kirche aufgehalten. So kann ich meinem eigenen Gewissen folgen und kann nachdenken, bevor ich etwas beurteile. Oder ich enthalte mich eines Urteils. Unbegründet der Bibel zu folgen, passt mir gar nicht. Von Haus war ich in der Niederländisch Reformierten Kirche, aber als ich 2005 nach Zwolle umzog, fühlte ich mich bei den Remonstranten wohl. Das Befreiende bei den Remonstranten war, dass der Glaube dort keine Art Zwangsjacke ist. Ich kann da leben nach meiner eigenen Deutung und Interpretation. Und es bindet mich sehr an diese Kirche, wenn ich andere von ihrer eigenen Erfahrungen im Glauben erzählen höre.

 

Erna Arnold

Remonstrantin in Zwolle

 

Übersetzung aus dem Niederländischen: Christian Modehn, Berlin.

 

Kommentare deaktiviert für “Mein Gott”: Persönliche Bekenntnisse von Remonstranten

Spielerisch leben, spielerisch glauben. Ein Salonabend am 27. Juni 2014

Posted in Aktuelles
Post date: Juni 3, 2014

 

Am Freitag, den 27. Juni 2014, findet der nächste religionsphilosophische Salon statt zum Thema:

Spielerisch leben. Spielerisch glauben?

Perspektiven zum “homo ludens”.

Ein Thema, das nicht nur anläßlich der Fußball WM interessant und spannend sein kann.

Ort: Galerie Fantom, Hektorstr. 9, in Berlin-Wilmersdorf, um 19 Uhr. Unkostenbeitrag: 5 Euro. Um Anmeldung wird gebeten an: Christian.modehn@berlin.de

Herzlich willkommen!

Zur inhaltlichen Vorbereitung und Einstimmung empfehlen wir die Lektüre des Interviews mit Wilhelm Gräb “Von der Wunderkraft des Spielens” auf unserer 2. website www.religionsphilosophischer.salon.de

 

Kommentare deaktiviert für Spielerisch leben, spielerisch glauben. Ein Salonabend am 27. Juni 2014

Glauben ist Freisein

Post date: März 26, 2014

Das Forum der liberal-theologischen protestantischen Remonstranten – Kirche in Berlin hat im Augenblick seinen Schwerpunkt in den religions-philosophischen Salons. Dies sind philosophische Gesprächskreise, auch zu literarischen, künstlerischen, religionswissenschaftlichen und theologischen Themen, in der selbstverständlichen Freiheit, ohne jede “konfessionelle Werbung”. Diese Salon-Abende sind natürlich offen für alle, die nach einer kritischen und selbstkritischen philosophischen Vertiefung ihrer Lebensfragen mit anderen zusammen suchen. Wir als  Remonstranten halten nicht viel von einer Religion oder Kirche, die dogmatisch eng “nur unter sich bleiben will”. Lernen von “den anderen” ist für uns philosophisch und theologisch entscheidend. Wir empfehlen, wenn man Niederländisch lesen kann,  die aktuelle, sehr ansprechende website der niederländischen Remonstranten zu besuchen. Klicken Sie hier. In der Literatur werden die Remonstranten auch oft Arminianer genannt, bezogen auf den Initiator dieser Bewegung, den Reformator und Theologen Jacob Arminius (1560-1609 ), klicken Sie auch hier. Nebenbei: Der Beitrag über die Remonstranten auf wikipedia ist weithin veraltet und theologisch nicht aktuell! Nicht zum empfehlen!

Der nächste religionsphilosophische Salon hat das Thema: Ist Religion Opium? Wann ist Religion kein Opium?

Wir treffen uns am FREITAG, den 26. Mai 2017  um 19 Uhr in der Kunst-Galerie Fantom, Hektorstr. 9. Wir wollen das Wort von Karl Marx (geboren kurz vor Beginn des Kirchentages, am 5. Mai, vor 199 Jahren) interpretieren  „Religion ist Opium des Volkes“, aber auch neue Perspektiven eröffnen:

Inwieweit stimmt diese Analyse von Marx noch heute? Wo ist heute Religion Opium? Warum wünschen viele Menschen religiöses (oder atheistisches) Opium? Brauchen (religiöse Menschen) immer (eine Prise) Opium? Wollen religiöse Menschen in der Hinsicht überhaupt clean werden und clean leben? Warum brauchen auch etliche Atheisten ihr „atheistisches Opium“?

Entscheidend ist für uns: Welche christliche Gestalt der Religion kann auf Opium verzichten? Wir vertreten die These, dies schon vorweg: Entweder: Die der Theologie der Befreiung entsprechende (Basis)-Kirche kann auf Opium verzichten. Oder: Die humanistisch geprägte, neue liberale Theologie und ihre weithin dogmenfreien christlichen Kirchen, die aus Reformation hervorgegangen sind…(Sie spielen beim Kirchentag keine Rolle).

Dies könnte ein spannender Abend der offenen Diskussion werden. Vielleicht kommt ein Mystiker vorbei und erklärt uns, warum Mystik (Meister Eckart) auch ohne Opium auskommt…

Herzliche Einladung mit der Bitte um schriftliche Anmeldung an: christian.modehn@berlin.de  Die Anzahl der Plätze ist begrenzt und soll auf 20 TeilnehmerInnen begrenzt sein, um eine Gesprächsmöglichkeit für alle zu geben.

 Der religionsphilosophische Salon  am Freitag, den 21.April 2017, hatte das Thema: “Postfaktische Untaten – Ein Salonabend über das Lügen und die Suche nach Wahrheit”.

Am 31.3.2017 diskutierten wir das wichtige Thema: “Glauben und Wissen. Getrennt und doch verbunden”. Wenn Sie sich in das Thema vertiefen wollen, klicken Sie hier.

Am Religionsphilosophische Salon am Freitag, den 24. Februar 2017 um 19 Uhr, beteilgten sich 14 TeilnehmerInnen. Das Thema war:“ Bei Verstand bleiben. Philosophie als Lebenshilfe in Zeiten politischer Verwirrung“.

Der philosophische Salon am Freitag, den 29. Januar 2017 hatte das Thema: “Die Heimat des Weltbürgers. Ein Versuch, dem Wahn des Nationalismus und Dogmatismus zu widerstehen“. 22 TeilnehmerInnen waren dabei. Das heißt, der Salon war wieder “ausgebucht”. Ein Zeichen, dass diese Form der Gesprächskultur Interesse findet.

Der Religionsphilosophische Salon debattierte am Freitag, den 16. Dezember 2016, um 19 Uhr, über ein Thema, das irgendwie zum Weihnachts – Fest (bzw Weihnachts–Trubel/Konsum) gehört: „Was ist mir, dir, uns heute (noch) HEILIG?“  Mit 22 TeilnehmerInnen.

Der Salon am Freitag, den 18. November 2016 fand mit 20 TeilnehmerInnen wieder ein reges Interesse. Wir sprechen über die aktuelle Bedeutung des Philosophen LEIBNIZ, anläßlich seines 300. Todestages, sprechen vor allem über seine Religionsphilosophie und über sein Interesse an der chinesischen Weisheit, vor allem des Konfuzius. Zur Lektüre eines längeren Beitrags über einige Aspekte der Philosophie von Gottfried Wilhelm Leibniz klicken Sie hier.

Der  Salon am FREITAG, den 23. September 2016, fand bei 12 TeilnehmerInnen ein reges Interesse, die Diskussionen waren wie üblich kontrovers, und das ist gut so.  Das Thema hatte sich auf das Buch des französischen Philosophen Michel Serres bezogen: „Erfindet euch neu“ (bei Suhrkamp erschienen, 77 Seiten, 8,30 €). Dr. Hans Blersch, Mathematiker und praktischer Philosoph und etlichen Teilnehmern unseres Salons bereits bekannt, führte in das Thema ein. Die These von Michel Serres, wie sie auf dem Buch Cover „Erfindet euch neu“ mitgeteilt wird, heißt: „In der kurzen Zeitspanne, die uns von den siebziger Jahren (1970 ff.) trennt, ist ein neuer Mensch geboren worden. Er oder sie … kommuniziert nicht mehr auf die gleiche Weise, nimmt mehr dieselbe Welt wahr, lebt nicht mehr in derselben Natur“ (wie etwa Michel Serres, Jahrgang 1930!). Ist also (schon wieder ?) ein Bruch der Generationen entstanden? Ist die junge Generation (in Europa oder weltweit ?) der alten überlegen? Hat die ältere Generation die Chance, sich neu zu erfinden?

Unser Tagesausflug nach Karlshorst (am 26.8.2016) mit 12 TeilnehmerInnen war ein vielfältiges Erleben mit einer “guten Mischung” aus philosophischer Diskussion, Orgel – und Kirchenführung sowie Besichtigung des Deutsch-Russischen Museums. Besten Dank an Pfarrer Edgar Dusdal, Karlshorst, der diesen Tag für uns entscheidend gestaltet hat.

Der Religionsphilosophische Salon im JULI, Freitag, den 15. Juli 2016 in der Galerie Fantom, Hektorstr. 9, fand großes Interesse unter den 19 TeilnehmerInnen.  Anläßlich der großen Ausstellung „El siglo de Oro“ (Spanien im 17. Jahrhundert und die spanischen Künstler) in der Gemäldegalerie (ab 1.7. 2016) sprachen wir über die Hintergründe (künstlerisch, philosophisch, religiös) des  „Goldenen Zeitalters“.

So kann am sich ein Bild machen über unsere Veranstatungen der letzten Monate:

Im Salonabend am 24. Juni 2016 in der Weinhandlung Sinnesfreude waren 21 TeilnehmerInnen dabei. Wir sprachen über das Thema Sattsein und Übersättigtsein und Hungern anläßlich der Neuköllner Kulturtage “48 Stunden Neukölln”.

An unserem Salon am 20. Mai 2016 über den Philosophen Emile Cioran mit dem bekannten Berliner Philosophen Dr. Jürgen Große beteiligten sich 23 TeilnehmerInnen. Auch das Thema Skepsis und Mystik wurde – im Anschluss an Ciroan – diskutiert.

Zum Salonabend über das Thema “Alle Menschen sind Grenzgänger” am 29. April 2016 kamen 18 TeilnehmerInnen.

Am Salonabend am 18. März 2016 beteiligten sich 25 Personen, etliche mussten wegen der begrenzten Anzahl der Plätze abgewiesen werden. Das Thema bewegt viele: “Für eine Philosophie der Auferstehung”.

Im religionsphilosophischen Salon am 26. Februar 2016 kamen 22 TeilnehmerInnen zusammen, wir sprachen über das Thema: “Privateigentum und Gemeinwohl”. Das große Interesse an dem Thema zeigt einmal mehr: Gespräche im Salon sind beliebt, werden gewünscht. Einige Hinweise zum Thema finden Sie hier.

Der Philosophische Salon am Freitag, den 22. Januar 2016, hatte das Thema: “Was ist wichtiger: Freiheit oder Sicherheit?” 18 TeilnehmerInnen beteiligten sich an dem Gespräch. Für einen Hinweis zum Thema klicken Sie bitte hier.

Am Salonabend am 11. Dezember 2015 über “Du schöner Schein, bist du auch wahr?” (Sprichwort aus Hollywood) beteiligten sich 17 Personen, wir trafen uns in der Weinhandlung Sinnesfreude in Berlin-Neukölln. Wir sprachen über die Allmacht des Scheins, der Lüge, der diplomatischen Floskeln… und über den Verlust an Echtheit, an Wahrhaftigkeit, an “Authentizität”.

Der Salon am 27. 11. 2015 mit dem remonstrantischen Theologen Prof. em. Johan Goud aus Den Haag hat 26 TeilnehmerInnen sehr unterschiedlicher philosophischer, religiöser Herkunft zusammengeführt. Etliche Interessierte mussten wegen des Mangels an Plätzen leider abgewiesen werden. Das Thema war: Theologie und Autobiographie.  Siehe auch den Beitrag, der sich von den Vorschlägen und Fragen von Johan Goud inspirieren läßt mit dem Titel “Meine Biografie – meine Theologie”. Nochmals Dank an Prof.Goud, dass er zu uns nach Berlin gekommen ist!

Das Forum der Remonstranten Berlin bietet  seit mehr als 6 Jahren, monatlich einmal eine Veranstaltung an, den religionsphilosophischen Salon. Wenn sich mehr Menschen aus religiösen wie nichtreligiösen Kreisen für diese aus den Niederlanden stammende freisinnige protestantische Glaubensgemeinschaft interessieren, die der liberalen theologischen Tradition verpflichtet ist, können auch weitere Treffpunkte etc. gemeinsam (!) gestaltet werden. Diese neue liberale theologische Position ist eine Chance, Spuren des Religiösen (in sich selbst) wahrzunehmen, nicht nur in der Kirche, sondern in der Kultur, dem gesellschaftlichen Zusammenleben, ohne dabei in dogmatische Zwänge zu geraten. Es geht darum, dass jeder Mensch seinen eigenen Glauben entwickelt, ausspricht, schätzt. Dabei entsteht eine Vielfalt. Diese Pluralität ist in der Remonstranten Kirche sehr willkommen. Glaube entwickelt sich im Respekt vor dem eigenen Glauben und der Auseinandersetzung mit religiösen, biblischen Texten, wenn diese denn z.B. mit dem Geist der Humanität sich versöhnen lassen. Bei vielen Menschen ist offenbar die Bindung an dogmatische Vorgaben (also Lehren aus früheren Zeiten) so stark, dass sie es nicht wagen, sich zum guten Recht zu ihrem eigenen Glaubens zu bekennen. Kant würde heute sagen: “Wage es, deinem eigenen Glauben zu vertrauen und ihn im Gespräch mit anderen (der Remonstranten-Gemeinde) zu vertiefen”.  Gemeinden sind Gesprächsgemeinden, keine Orte der dogmatischen, klerikalen Belehrung. Das sah übrigens auch Schleiermacher so.

Wer sind die Remonstranten?

Die Remonstranten – eine Kirche der besonderen Art. Protestantisch und humanistisch, dogmenfrei und lernbereit von anderen Religionen. Sie hat eine lange Tradition, sie hat sich immer wieder weiterentwickelt. Sie ist eng mit der Ökumenischen Bewegung verbunden, hat aber auch gleichermaßen Interesse am Dialog mit humanistischen Gruppen.

Wir weisen aufgrund einiger Nachfragen gern darauf hin: Die freisinnige Kirche der Remonstranten  versteht sich auch als “Asylkirche”, d.h. als Zufluchtsort für Menschen, die die dogmatischen Vorgaben und das hierarchische System ihrer angestammten Konfessionen nicht mehr aushalten und sich ihren persönlichen, individuellen  Glauben bewahren wollen sowie nach einem Refugium der Freiheit und der Selbstbestimmung auch in religiösen und ethischen Fragen suchen. Sie sind bei den Remonstranten willkommen!  Auf diesen Charakter der “Asylkirche” hat der Allgemeine Sekretär der Remonstranten Kirche, Tom Mikkers, Utrecht, mehrfach hingewiesen. Für dieses Leitbild “Asylkirche”  sind inzwischen viele Menschen dankbar.

In den Niederlanden hat die Remonstranten Kirche ca. 5.000 Mitglieder und “registrierte Freunde”, also Menschen, die  einer anderen Kirche (etwa der katholischen Kirche) weiterhin angehören wollen, aber gern in der freisinnig – christlichen (undogmatischen) Kirche der Remonstranten mittun und moderne Spiritualität miterleben möchten.  Für Remonstranten ist solche “Doppelmitgliedschaft” überhaupt kein Problem.  In Deutschland ist die Remonstranten Kirche  seit dem 17. Jahrhundert in Friedrichstadt vertreten. In Berlin gibt es seit Januar 2010 ein “Forum der Remonstranten”, dort versuchen wir im Geist der Remonstranten ein freies spirituelles und religionsphilosophisches Gespräch zu fördern, die Möglichkeiten sind groß und vielfältig…

PS. Remonstranten – das Wort leitet sich von “remonstrance” her, es meint Abwehr und Zurückweisung: Diese reformierten Christen lehnten es zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Holland ab, an einen alles vorher bestimmenden Gott zu glauben. Sie wollten als Menschen freie und selbständige Wesen sein und bleiben. Sie verzichten nicht auf das kritische Denken, wenn sie die Frage nach Gott stellen oder nach dem Sinn von Glauben und Kirche fragen. Sie nehmen sich die Freiheit, diese “Freiheit des Glaubens” nicht als ferne Utopie oder Geschenk von Autoritäten, sondern schon jetzt zu leben.

Die Remonstranten waren 1986 die erste Kirche weltweit, die homosexuelle (Ehe-) Paare in ihren Kirchen offiziell segneten, auch Menschen, die nicht zur Remonstranten Kirche gehören. Schon vorher war  es für Remonstranten  selbstverständlich , dass homosexuelle Menschen in den Gemeinden willkommen sind. Iim Unterschied zu allen anderen Kirchen ist das kein “problematisches” Thema…  Insofern sind die Remonstranten einmal mehr ein Ort der Freiheit…Deswegen wurden die Remonstranten auch von der niederländischen Organisation COC kürzlich ausdrücklich gelobt und gewürdigt.

Wir erlauben uns den Hinweis, dass die deutschsprachige Seite von wikipedia über die Remonstranten unserer Meinung nach die heutige theologische Überzeugung nicht beschreibt, die theologischen Hinweise dort sind allein für Historiker noch interessant und möglicherweise bedeutungsvoll. Wikipedia kommt – bei diesem Thema – als zuverlässige und umfassende, auch aktuelle Informationsquelle kaum in Frage.

Kommentare deaktiviert für Glauben ist Freisein

Größe und Grenzen der Autonomie. Sind wir noch selbstbestimmt? Ein Salonabend am 28.3. 2014

Posted in Aktuelles
Post date: März 2, 2014

Autonomie: Ihre Größe, ihre Grenzen. Sind wir (noch) selbstbestimmt? Ein Salonabend

2. Mrz 2014 | von | Themenbereich: Termine | Edit

Zu den Bestimmungen menschlichen Daseins zählt spätestens seit Kant ganz zentral die Vorstellung, der Mensch sei in der Lage, aus sich selbst und aus seiner (und der allgemeinen) Vernunft heraus selbständig zu denken, zu handeln, zu leben. Autonomie heißt die Losung, die im Widerspruch und im Widerstand  gegen autoritäre Weisungen, also gegen Fremdbestimmungen, gedacht und gelebt werden sollte. Aber inwieweit ist derjenige, der sich selbstbestimmt, immer schon auch fremdbestimmt? Ist das Fremde als das Andere immer eine Gefährdung? Leben wir in einer Gesellschaft, die die Fremdbestimmung so verdeckt, dass die Menschen gar nicht merken, wie fremdbestimmt sie eigentlich sind. Um so sensibler sollten wir werden, wenn wir uns der Autonomie zuwenden. Sie gilt ja nicht nur für die Alltagsfragen, sondern auch für die letzten (auch im Blick auf das Lebensende) Fragen.

Ein Salonabend, der nicht nur kritisches Nachdenken befördern will, sondern durchaus lebensorientierend sein kann. So will es ja die klassische “SalonKultur”, der wir uns im Geist der Aufklärung verpflichtet fühlen.

Der Salon findet statt am Freitag, den 28. März 2014, um 19 Uhr in der Galerie Fantom, Hektorstr. 9. Wir bitten wegen der begrenzten Anzahl von Plätzen um eine (hoffentlich definitive) Anmeldung. Der Beitrag für die Raummiete beträgt pro TeilneherIN 5 Euro, wobei durchaus Ermäßigungen möglich ist. Schließlich soll die Teilnahme an einem philosophisches Gespräch niemals am Geld scheitern…

Anmeldung: christian.modehn@berlin.de

Kommentare deaktiviert für Größe und Grenzen der Autonomie. Sind wir noch selbstbestimmt? Ein Salonabend am 28.3. 2014

Mennoniten und Remonstranten arbeiten seit 400 Jahren zusammen

Post date: Oktober 28, 2013

 

Mennoniten und Remonstranten arbeiten seit 400 Jahren zusammen

In Holland gibt es seit 400 Jahren schon eine enge ökumenische Freundschaft und Zusammenarbeit: Die Mennoniten, in den Niederlanden “Doopsgezinde”, also auf (Wieder) Taufe bezogene Christen, genannt und die Remonstranten, die in Holland offiziell “remonstrantische Bruderschaft” heißen, arbeiten heute auf der Ebene von Gemeinden zusammen, etwa in Dokkum, Amersfoort, Hilversum, Leiden, Meppel, Nijmegen, Hoorn.

Schon in den Jahren des Entstehens beider  Kirchen, also im 17. Jahrhundert, war man sich in vielen theologischen Fragen einig, etwa in der Ablehung einer rigiden Gnadenlehre (nach Calvin), in der Hochschätzung von Friedensarbeit und in der nachdrücklichen Betonung individueller Freiheit.

Im November 2013 werden die  Monatszeitschriften beider Kirchen eine gemeinsame Ausgabe publizieren, weitere Veranstaltungen sind im Noveber 2013 geplant, etwa im Museum Catharijneconvent in utrecht, am 16. 2.2104 gibt es einen feierlichen Gottesdienste beider Kirchen in Leiden.

Die Zeitschriften heißen: ADREM und Doopsgezind.nl

Kommentare deaktiviert für Mennoniten und Remonstranten arbeiten seit 400 Jahren zusammen

Weltrat der Kirchen in Busan, Korea: Remonstranten sind dabei

Posted in Aktuelles
Post date: Oktober 28, 2013

An der  10. Vollversammlung des Weltrates der Kirchen (Genf)  in Busan (Süd – Korea) vom 30. Oktober bis 8. November 2013 nehmen auch zwei Theologinnen der Remonstranten Kirche teil: Greteke de Vries  (Gemeinde Naarden – Bussum) und Christiane Berkvens (Prof. em. der Uni Nijmegen, jetzt Rotterdam), die unseren LeserInnen ja bekannt ist durch ihre Publikationen..Uns freut es ganz besonders, dass dadurch  auch die freisinnige christliche Kirche mit einer modernen, liberalen Theologie auf der großen Versammlung präsent ist. Der Weltrat der Kirchen ist ja bekanntlich sehr  stark geprägt ist von pfingstlerischen, evangelikalen (wenn nicht fundamentalistischen) und orthodoxen Kirchen und Theologien. Freisinnige Christen sind eine kleine Minderheit, aber es gibt sie noch…

Beide Theologinnen werden während der Ökumene Versammlung blogs schreiben, auf der website   www.remonstranten.org

Kommentare deaktiviert für Weltrat der Kirchen in Busan, Korea: Remonstranten sind dabei

Remonstrantische Theologie ist notwendig

Post date: Oktober 7, 2013

„Remonstrantische Theologie ist notwendig“

 

Ein Symposion an der “Vrije Universiteit” von Amsterdam am 16. Oktober 2013

 

 

Das Seminar, also die spezielle Ausbildungsstätte der PastorInnen der Remonstranten Kirche, befindet sich nun in Amsterdam, in unmittelbarer Verbundenheit mit der „Vrije Universiteit“.

 

Neue Mitarbeiterin des Seminars ist die Theologin Dr. Christa Anbeek.

 

 

Zur Präsentation aktueller Themen remonstrantischer Theologie findet am 16. Oktober in Amsterdam eine Reihe von (Kurz – ) Vorträgen und Diskussionen statt:

 

 

Prof. em. Christiane Berkvens – Stevelinck, den Lesern des Remonstranten Forums Berlin bereits bekannt,  hält den Eröffnungsvortrag.

 

Über die Geschichte des Remonstranten Seminars spricht Dr. Tjaard Barnard, der Rektor.

 

Danach äußert sich Bert Dicou, Pastor und Chefredakteur der Monatszeitschrift ADREM.

 

Auch Prof. Peter Nissen von der Radbout Universität (Fach: spiritualitätsstudien) ist dabei, er spricht über “Kirchenveränderungen“. Peter Nissen ist als katholischer Theologe „Freund der Remonstranten“.

 

Zum Schluss ergreift Prof. Christa Anbeek ausführlich das Wort, Titel ihrer „Oratie“: „Überliefert an die Heiden. Wie Theologie das 21. Jahrhundert überleben kann“. Christa Anbeek hat den Lehrstuhl für remonstrantische Theologie inne. Sie hat zahlreiche Bücher publiziert und war borher in verschiedenen Hochschulen tätig.

 

 

Aanmelding vóór  9 oktober bij het Landelijk Bureau Remonstranten,

 

info@remonstranten.org of T 030 231 6970.

 

Kommentare deaktiviert für Remonstrantische Theologie ist notwendig

Theologie muss öffentlich sein: Die “Nacht der Theologie” in Holland

Post date: Juli 22, 2013

Von Tom Mikkers, Sekr. der Remonstranten, Utrecht NL

Wie schön ist es  zu hören, dass es nun in Berlin eine “kleine theologische Sommerschule” am 20.Juli 2013 gab.  Ich möchte gern von zwei Erfahrungen der letzten Wochen berichten:

Denn auch für eine Gruppe remonstrantischer Theologen stand der Monat Juni im Zeichen von „Theologie und Sommer“.

Zuerst gab es eine Teilnahme remonstrantischer Theologen bei der holländischen „Nacht der Theologie“. Diese „Nacht der Theologie“ kann man verstehen als eine Art „Bücherfest“ oder eine Art „Filmgala“ der Theologie.  Das beste theologische Buch aus dem niederländischen Sprachgebiet erhält dann eine Auszeichnung, einen Preis, dabei gibt es auch eine „Wahl des Theologen des Jahres“, das macht alles noch spannender…

Die Remonstranten sind gemeinsam mit Rundfunkanstalten, Verlagen und Universitäten eine der mit organisierenden Gruppen. In den Jahren 2011 und 2012 fanden die „Nacht der Theologie“ in dem schönen Gebäude „Hermitage“ in Amsterdam statt. Dieses Jahr sind wir nach Rotterdam gezogen; wir befanden uns an Bord eines ehemaligen Schiffes der „Holland – Amerika – Linie“, dort fand unser Fest statt.

Es war durchaus ein hektischer Abend, wenn man zum Organisationsteam gehört. Aber die Bedeutung des Festes war groß. Der Theologe des Jahres, Ruben van Zwieten, der in Amsterdam arbeitet und ein neues Zentrum in Amsterdam Süd aufbaut, war dabei; er fuhr noch am Ende des Abends (mit einem Taxi) nach Hilversum, der Radio- und Fernsehstadt. Dort nahm er an einer der meist bekannten TV – Talkshows teil, danach ging s gleich weiter zum Nachtprogramm von „Radio 1“. Genau darum geht es auch der „Nacht der Theologie“: Wir wollen der Theologie immer ein konkretes Gesicht geben. Es geht also nicht nur um das nette Fest  mit allerlei Leuten, sondern vor allem darum: Einem breiten Publikum deutlich machen, dass Theologie „ansprechbar“ und wichtig im Leben ist. Das bedeutet: Wir haben dafür zu sorgen, das Theologen ein Podium in den Medien haben; unsere „Nacht der Theologie“  bietet dafür einen Ansatz.

Eine Woche zuvor befand sich eine noch größere Gruppe von remonstrantischen Pastorinnen und Pastoren in Salisbury, England. Sozusagen im Schatten der Kathedrale blieben alle aktiven PastorInnen zusammen im „Theologischen Seminar“ dort. Es war für mich auch eine erneute tiefere Bekanntschaft mit meinen KollegInnen. Wir sprachen in den 5 Tagen über neue Entwicklungen in der Kirche und der Theologie. Dabei wurde aber deutlich, wie tief wir eigentlich miteinander schon verbunden sind. In Salisbury kamen wir als eine neue „Generation“ von TheologInnen zusammen. Wir alle sind bewegt von der Frage: Wie wir in der „säkularisierten“ Gesellschaft Glaube und Christentum auf eine freie und tolerante Weise darstellen und leben können.

Neben diesen Gesprächen gab es auch Zeiten für Meditation, Gebet und „Einkehr“. Es war so erfrischend, um auf diese Weise einmal mit allen Pastorinnen und Pastoren unserer Remonstranten Kirche zusammen zu sein. Wir haben da eine Perspektive gewonnen für einen neuen Beginn.

Tom Mikkers

Allgemeiner Sekretär der Remonstranten Kirche.

(Übers. Christian Modehn)

Kommentare deaktiviert für Theologie muss öffentlich sein: Die “Nacht der Theologie” in Holland

Beraadsdag 2014 und neue Bücher

Posted in Aktuelles
Post date: Juli 9, 2013

Einige Neuigkeiten von den Remonstranten, mitgeteilt am 9.Juli 2013:

Die Remonstranten haben einmal im Jahr, meist zu Beginn des Frühlings, einen „Beraadsdag“, einen Tag, an dem alle Mitglieder und Freunde eingeladen, sich gemeinsam auszutauschen. Im Jahr 2014 wird es der 9. März sein. Das Thema ist: Der verborgene Glaube.

Damit wird auf die Tatsache hingewiesen, dass bei vielen eher kritischen, oft auch religionsfernen Menschen in Europa der persönliche Glaube eher „verborgen“, also nicht öffentlich und privat „im Stillen“ gelebt wird. Beim beraadsdag wird diese Haltung diskutiert.

Auf zwei neue Bücher in niederländischer Sprache weisen wir gern hin:

Voetangels en klemtonen

Von Heine Siebrand und Yvonne Hiemstra, Voetangels & Klemtonen. Das Buch steht unter dem Motto:  “A word that breathes distinctly has not the power to die”.

Die Autoren, beide Pastoren der Remonstranten Kirche, gehen der Frage nach: Welche Rolle spielt die “freisinnige Theologie”, wenn es darum geht, die Zukunft des Glaubens an Gott zu reflektieren.  Ein Buch, das alle interessieren sollte, die ihre individuelle, persönliche Spiritualität in Freiheit leben und weiterentwickeln wollen.

ISBN: 978-90-818981-1-9, Hardcovr, 151 Seiten.

Uitgeverij Pagina 3,   Preis € 18,95.

Das zweite Buch bietet eine persönliche Reflexion von zwei Frauen, die tiefe Verletzungen erlebt haben, durch den plötzlichen Tod allerliebster Menschen:

Christa Anbeek & Ada de Jong, De berg van de ziel. Een persoonlijk essay over kwetsbaar leven.Ten Have, mei 2013. Prijs € 17,95. ISBN 978 90 259 0283 4. Es ist schon in der 6. Auflage erschienen.

Christa Anbeek ist Theologin am Remonstranten Seminar an der Vrije Universiteit  zu Amsterdam. Dort werden die zukünftigen Remonstranten PastorInnen ausgebildet.

 

 

 

Kommentare deaktiviert für Beraadsdag 2014 und neue Bücher

Vrijzinnig leven in Berlijn: een remonstrants forum

Posted in Aktuelles
Post date: Juni 11, 2013

Vrijzinnig leven: Bewogen, open en uitnodigend.
Een remonstrants forum in Berlijn. in: “Adrem”, Utrecht, Juni 2013.

In januari 2010 begonnen we met het ‘Forum van de Remonstranten in Berlijn’.  De bedoeling was dat het een plek van open uitwisseling zou zijn, een vrije ruimte voor vrijzinnig geloof en liberale theologie, voor levensoriëntering.  Een plek in de volle openbaarheid, maar buiten de kerkmuren. Het gaat hier dus niet om een gemeente in klassieke zin. ‘Forum’ is een ongebruikelijke naam: de titel drukt uit dat we het leven willen provoceren,  dat het iets is in wording en dat het open wil staan voor experimenten.  Gevestigde (orthodoxe) kerkgemeenschappen zijn er genoeg, die sterven langzaam uit. Sociologen weten dat zij, vanwege hun dogmatisme en bureaucratische karakter, nauwelijks nog kans maken om als oriëntatie serieus genomen te worden door de verlichte en zoekende mens. De naam ‘Forum’ werd bewust gekozen in een metropool, die ook in religieus opzicht bijzonder is.  Alle kerkelijke initiatieven hebben het hier zwaar, de roep van de kerken is bovendien zeer verdeeld.  Boeddhisten doen het beter dan de grote christelijke kerken, en dikwijls ook de fundamentalistische pinksterkerken.

Kerkelijk Berlijn
Sociologen beschouwen het sterke seculiere karakter van Berlijn als met recht uniek in Europa.  Van de 3,5 miljoen inwoners zeggen 2,3 miljoen mensen dat ze ‘zonder religie’ zijn,  dat is dus meer dan 60 procent.  Er zijn wel verschillen:  De inwoners van het vroegere westelijke deel van de stad waren ooit lid van een kerk. De meeste bewoners van Oost-Berlijn, de vroegere hoofdstad van de DDR, waren dat nooit. Zij noemen zich atheïstisch, heiden, seculier …  ongetwijfeld ook een gevolg van de religiepolitiek in de DDR.  Maar jonge mensen in Berlijn, die geboren zijn na de val van de Muur, noemen zich eenvoudig ‘zonder religie’ of ‘neutraal’. Velen van hen zeggen:  ‘Ik ben (religieus) niets’. Duidelijk is wel dat zij, zoals ook andere mensen zonder religie, open staan voor spirituele vragen. Het esoterische circuit is hier dan ook uitermate ontwikkeld en veelkleurig.

In Berlijn zijn 665.000 personen nog lid van de Evangelische Kerk, 320.000 behoren tot de Rooms-Katholieke Kerk, 12.000 mensen hangen het joodse geloof aan en er zijn 250.000 moslims. De ‘religieuze praktijk’ van de christenen, als deze al statistisch te meten valt, is zeer bescheiden:
4 procent van de protestanten neemt deel aan de dienst op zondag, bij de katholieken gaat
10 procent nog naar de mis. Dus in totaal gaan 70.000 inwoners, vooral oudere mensen, op zondag naar de kerk. Ter vergelijking:  meer dan 100.000 jongeren alleen al bezoeken in het weekend de meer dan 120 grote muziekclubs die Berlijn rijk is. De kerken voelen geen gezonde druk om te presenteren, ambitie lijkt wel een zonde, routine is een deugd, de bureaucratie is heilig. Bedenk daarbij dat het Aartsbisdom Berlijn een jaarbudget heeft van 164 miljoen euro en dat de Evangelische kerk hier 326 miljoen euro heeft te besteden!

Wat voor de religieuze binding van de inwoners van Berlijn geldt, geldt natuurlijk evenzo voor grote delen van Europa en Noord-Amerika.  Overal waar mensen goed zijn opgeleid en de ideeën van de Verlichting in hun denken hebben geïntegreerd, valt de binding aan de ‘orthodoxe’ grote kerken weg.  In Berlijn zie je dan ook dat veel mensen zich storen aan dogmatische leerstellingen, zij willen geen binding  met instituties die voorschrijven hoe men moet leven. De individuele gelovigen in de ‘orthodoxe’ kerken moet toehoren en gehoorzamen aan wat de traditie voorschrijft.  Hun persoonlijke religieuze ervaringen  hebben geen betekenis voor het karakter van de kerk zelf.  Remonstrants forum
Eigenlijk biedt zo’n situatie een vruchtbare bodem voor het oprichten van een vrijzinnig en liberaal theologisch forum.  Zo’n forum zou heel goed een alternatief kunnen zijn voor kritische en gevormde mensen. We bestaan nu drie jaar, maar kunnen nog niet bogen op een groot aantal leden. Maar gaat het vrijzinnige christenen wel vooral om leden? Of is het vrijzinnige geloof eerder een open beweging,  die op verschillende plaatsen mensen inspiratie geeft en hen aanmoedigt om hun leven kritisch en solidair vorm te geven?  We komen bewust bij elkaar in cafés of in kunstgaleries. Wij voelen ons aangemoedigd tot deze vorm van seculiere presentie door de remonstrantse theologie zelf. Zei professor Van Leeuwen immers niet ‘het remonstrantse geloof is christelijk en humanistisch’?  De belangrijkste activiteit is voor ons een maandelijkse filosofische salon, die nu al weer 6 jaar bestaat.  Zeventig keer zijn we op deze manier bij elkaar geweest. In al die jaren hebben we ons een plek verworven in de Berlijnse wereld van de religiefilosofie.

Ongeveer 20 deelnemers komen in een salon bij elkaar. Enkelen van hen zijn er regelmatig en al vanaf het begin bij. Minstens twee uur lang spreken we dan over een filosofisch of in brede zin religieus onderwerp.  Bijvoorbeeld: Wat is zelfbeschikking? Wat betekent religieus ‘patchwork’? Wat betekent het gehaaste en snelle leven? Wat is stilte? Wat is eenzaamheid?  Wie met ons meedoet, stelt zichzelf, of hij wil of niet, fundamentele en ook spirituele vragen. In die zin heeft een salon dezelfde effecten als een eredienst met preek.

Het filosoferen in een groep bevordert het autonome denken. Het draagt ook bij aan de wens om authentiek te leven en om het leven ‘in het aangezicht van het oneindige’ vrijer en bewuster vorm te geven. Ons forum is om zo te zeggen een ‘basisgroep’, een plek van inspiratie, zonder vaste vormen en lidmaatschappen. Zo toont zich het remonstrantse leven eerder in een grootmoedige openheid, dan als een vrijzinnige religieuze beweging. Wie deelneemt, hoeft niet meteen lid te worden. Waarom kan deelname aan een tentoonstelling niet een religieuze beleving zijn? Of het bezoeken van een concert, waarover men daarna met elkaar van gedachten wisselt?  Waarom kan een poëzie-workshop niet een vorm van eredienst zijn? Mensen vragen vaak welke alternatieve vormen de remonstrantse diensten dan kennen.  Zou de ‘dienst aan God’ bij de remonstranten niet eerder vervangen moet worden door ‘een dienst aan mensen’, dus als vrij vormgegeven bijeenkomsten waar men zijn eigen innerlijke stem verwoordt, waar men leert om de last van het leven met anderen te delen?

Toekomst
Onze perspectieven voor de toekomst? Wij willen de vrijzinnige en liberale theologische positie verder duidelijk maken, zonder daarbij missie te bedrijven. Wij willen graag het gesprek voeren met humanisten en ook met atheïsten. Welke andere kerk kan anders hun vragen serieus nemen? Welke ander kerk kan zeggen: ‘Ook van atheïsten kunnen we leren, in het bijzonder waar het gaat over hun kritiek op infantiele Godsbeelden’. Uitgangspunt in ons forum is een breed begrip van religie en we weten dat juist in de dialoog en de confrontatie met de moderne cultuur religieuze vragen naar voren komen. We bediscussiëren ook politieke vraagstukken,  in navolging van Walter Benjamin die zegt: ‘Het kapitalisme is een religie’.  Wij maken ons druk over de vraag hoe wij deze verlokkende en alles verslindende kapitalistische religie een menselijker en meer sociale gestalte kunnen geven.  Het inspirerende aan een vrijzinnige en liberale kerk is toch:  uit principe kent ons denken geen begrenzingen.

Het is de hoogste tijd om ook jonge mensen tussen de 20 en 40 jaar de gelegenheid te bieden om hun zaken in een remonstrantenforum te kunnen bespreken. Voor hen zouden de deuren van een forum wagenwijd open moeten staan. Dan kunnen zij zelf gaan bepalen wat voor hen in spirituele zin belangrijk  is. Hetzelfde geldt voor Turkse of Arabische moslims:  de grote kerken hebben koudwatervrees om dat contact aan te gaan.  Wij niet, binnenkort gaan wij in ons forum met Turkse filosofen samenwerken.  Ook in Vrijburg Amsterdam preken moslims, dat is voor ons een zeer inspirerend voorbeeld. Wij zoeken bovendien verbindingen met spiritueel geïnteresseerde mensen van bijvoorbeeld Spaanse, Portugese of Italiaanse  afkomst die op het moment met duizenden naar Berlijn komen in de hoop op werk en een beter leven dan in hun land van herkomst.  Kunnen de remonstranten, historisch gezien in Duitsland een kerk van uitgestotenen en vluchtelingen, deze nieuwe ‘economische vluchtelingen’ begeleiding en hulp bieden?

Europa
‘Wat betekent Europa eigenlijk voor de remonstranten?’, wordt mij vaak gevraagd.  Ik heb daar geen antwoord op. Willen de remonstranten wel een Europese kerk worden?  Of is een forum in Berlijn slechts een kleine, aangename uitzondering?  Voelen de Nederlandse remonstranten inderdaad dat zij rond de religieuze ontwikkeling in Europa een nieuwe opdracht hebben?  En willen ze daar menskracht voor inzetten?  Zulke vragen stellen wij ons vanuit ons kleine forum in Berlijn, dat rust op de schouders van enkele vrijwilligers die daar veel vrije tijd in willen stoppen.  Wat moeten wij doen als mensen een vrijzinnig (homo)huwelijk wensen?  En wat als de vele mensen zonder religie een vrijzinnig – christelijke begrafenis wensen?  In Berlijn is 52 procent van de inwoners single, onder hen zijn 400.000 homoseksuelen.  De eenzaamheid onder veel oudere homo’s en lesbiennes  zou bijvoorbeeld een urgent thema voor remonstranten kunnen zijn. Wij kunnen dat in ons kleine forum in Berlijn allemaal niet aan.  Wij vormen slechts een bescheiden geluid, dat het in het kerkelijke Berlijn, zoals hierboven beschreven, niet gemakkelijk heeft.  En toch geloof ik dat de kansen voor de vrijzinnige remonstranten, die ‘christenen en humanisten’, heel groot zijn.  Dan moeten ze zich wel als een open beweging willen manifesteren met veel fora en kleine galerieën, zelfs met cryptes en cafés.

Christian Modehn
Initiator van het ‘Forum der Remonstranten’ in Berlijn. Hij studeerde katholieke theologie  (Diploma) en filosofie (Magister). Al 35 jaar werkt hij als journalist bij de ARD voor radio en televisie. Sinds 2011 is hij landelijk lid van de remonstranten.

aus: ADREM, Juni 2013.

(Vertaling Michel Peters)

copyright: adrem, Utrecht.

Kommentare deaktiviert für Vrijzinnig leven in Berlijn: een remonstrants forum

Theologische Sommerschule am 20. Juli 2013

Post date: Juni 7, 2013

 

Am Samstag, den 20.Juli, starten wir die Erste Theologische Sommerschule mit dem Berliner Theologen Prof. Wilhelm Gräb, Humboldt Universität. Genauere inhaltliche Informationen folgen. Es geht um die Diskussion einiger grundlegender Themen der liberal – theologischen Orientierung. Wir beginnen und 14 Uhr, Ende gegen 18 Uhr in der Galerie FANTOM, Hektorstr. 9 in Berlin-Wilmersdorf. Als Beitrag denken wir an 10 Euro.

Zum ersten Mal gibt es nun auch für “theologische Laien”, die es in der liberal – theologischen Tradition eigentlich nicht gibt, die Chance, sich näher vertraut zu machen mit einer Lebenshaltung bzw. Theologie, die die Moderne voll respektiert, die das eigene Denken, die eigene religiöse Erfahrung hochschätzt und Gemeinde als Form des “geselligen Miteinanders unterschiedlicher religiöser Menschen” (Schleiermacher) begreift.

Diese Veranstaltung geschieht in Zusammenarbeit dem Religionsphilosophischen – Salon Berlin.     www.religionsphilosophischer-salon.de

Wer sich ein Bild machen möchte über die Aktualität liberal – theologischen Denkens heute, den/die verweisen wir gern auf unsere website www.religionsphilosophischer-salon.de dort die Kategorie “Fundamental vernünftig”: Dabei handelt es sich um Interviews mit Wilhelm Gräb sowie natürlich auf die Beiträge dieser website!

Eine Anmeldung ist Bedingung und erforderlich an: christian.modehn@berlin.de, dann werden weitere Infos zur Vorbereitung zugesandt

Kommentare deaktiviert für Theologische Sommerschule am 20. Juli 2013

Remonstranten haben ihren “Tag der Beratung” (Beraadsdag) am 9. März 2013 in Amsterdam

Posted in Geschichte
Post date: Februar 1, 2013

Die Remonstranten gestalten in jedem Jahr einen “beraadsdag”, einen Tag der Beratung und Aussprache; in diesem Jahr findet er am 9. März 2013 in Amsterdam im der Moses – und Aaron Kirche am Waterlooplein statt. Im Mittelpunkt der Vorträge und Diskussionen steht diesmal die Toleranz, eine Haltung, die seit der Gründung der Remonstranten Kirche zu Beginn des 17. Jahrhunderts zum Kernpunkt der Theologie und Spiritualität geworden ist. Was heißt aber Toleranz heute in einer Welt, die offenbar keinen Respekt vor der Verschiedenheit und so wenig Sinn für den Frieden hat, zumal in der Welt der Religionen immer mehr Intoleranz, immer mehr Fundamentalismus, immer mehr Machtbesessenheit zu vermerken sind.

Toleranz bedeutet heute wohl auch Intoleranz gegenüber den Intoleranten. Wobei Toleranz ja nur die schwächste Ebene des menschlichen Miteinanders ist, wichtiger sind Fairness und vor allem Respekt und Geichberechtigung….

Wir bieten hier in niederländischer Sprache das Programm des “Beraadsdag” in Amsterdam am 9. März 2013:

KOM NAAR DE REMONSTRANTSE BERAADSDAG 2013

VERDRAAGZAAMHEID … in the global village

zaterdag 9 maart 2013 van 10.30 tot 16.15 uur

Mozeshuis/ Mozes en Aäronkerk in Amsterdam

met o.a. James Kennedy, Marcel Poorthuis, Sharda Nandram

 

Remonstranten en verdraagzaamheid

Sinds het ontstaan van de Remonstrantse Broederschap is verdraagzaamheid een belangrijke waarde voor remonstranten. Al werden er door de eeuwen heen wel verschillende accenten gelegd. Hoe geven we verdraagzaamheid vorm in de 21ste  eeuw? Wie zich met die vraag wil bezig houden is van harte welkom.

21ste eeuw

Mobiliteit en communicatie zijn voor een deel van de wereldbevolking aanmerkelijk verbeterd. Maar zijn we hierdoor ook verdraagzamer geworden? Wat valt er over verdraagzaamheid te zeggen in een wereld die alsmaar kleiner wordt? Worden we door alle mogelijkheden om met elkaar in verbinding te staan klein van geest of groot van hart? Wat is de remonstrantse inbreng aan de discussie over Islam en populisme? Waardoor laten we ons inspireren als we proberen om verdraagzaam te zijn? Tijdens deze beraadsdag gaan we in op de betekenis van verdraagzaamheid in een  moderne samenleving waar kerk en religie niet meer vanzelfsprekend zijn maar waar nog altijd  – gegeven al die verschillende mensen –geenszins sprake is van een seculiere monocultuur. Verdraagzaam zijn in het werelddorp, kan dat eigenlijk wel?

Ter voorbereiding

Het boekje Islam, populisme en kerkelijke respons van dr. Antje van der Hoek e.a. ( zie webwinkel op website remonstranten) is zeer geschikt als voorbereidende lectuur voor de remonstrantse Beraadsdag 2013,  waar het thema verder uitgewerkt wordt met lezingen en workshops.

Over de locatie

Het Mozeshuis in Amsterdam is in 2012 uitgeroepen tot ‘ambassade van de verdraagzaamheid’. De ambassade van de verdraagzaamheid leek volgens de organisatie van de remonstrantse beraadsdag bij uitstek de plaats waar remonstranten zich kunnen bezinnen op dit onderwerp.

‘Paspoort Europa’

De Remonstrantse Beraadsdag wordt dit jaar georganiseerd in samenwerking met de International Association for Religious Freedom (IARF) en de remonstrantse Taakgroep Europese Contacten. Het deelprogramma ‘paspoort Europa’ wordt door deze twee groepen georganiseerd.

HET PROGRAMMA

10.00 uur  ontvangst en inschrijving

10.30 uur  liturgische opening door Christa Anbeek – docent remonstrants Seminarium

10.45 uur  James Kennedy over verdraagzaamheid , met reactie van Marcel Poorthuis

James Kennedy is hoogleraar Nederlandse Geschiedenis sinds de Middeleeuwen aan de Universiteit van Amsterdam. Hij groeide op in de Verenigde Staten en is vanaf 2003 werkzaam in Nederland.

Marcel Poorthuis is in 2010  benoemd tot hoogleraar aan de Faculteit Katholieke Theologie met als leeropdracht de dialoog tussen godsdiensten.

 

11.45  – 12.00 uur koffie + op weg naar de workshops

12.00 –  13.00 uur workshopronde 1

Paspoort Europa – deel 1, De Remonstrantse Beraadsdag 2013 wordt dit jaar georganiseerd in samenwerking met de International Association for Religious Freedom (IARF) en de remonstrantse Taakgroep Europese Contacten. Tijdens de dag verzorgen zij een speciaal programma met workshops: ’Paspoort Europa?’

 

 

–          Verdragen en kwetsbaarheid met  Christa Anbeek, docent aan het Remonstrants Seminarium.

Christa Anbeek schreef ondermeer ‘Overlevingskunst – leven met de dood van een dierbare’, dat vorig jaar verscheen. Daarin onderzoekt Anbeek wat filosofie, godsdienst en psychologie aan troost te bieden hebben. In het voorjaar van 2013 verschijnt haar nieuwe boek ‘De berg van de ziel’ waarin ze verder ingaat op het thema ‘kwetsbaar leven’.

–          Aan de slag om de hoek met Arie Nico Verheul.

Hoe kom je in contact met andersgelovigen en hoe voer je een zinvol interreligieus gesprek?  Wat breng je ter sprake? Hoe kun je in je plaatselijke gemeente werken aan interreligieuze dialoog?  Remonstrants predikant Arie Nico Verheul heeft hier ervaring mee.

–          Over Friedrichstadt en remonstrantse verdraagzaamheid met Severien Bouman.

In de zeventiende eeuw stichtten remonstranten het stadje Friedrichstadt in Sleeswijk-Holstein. Het is de enige remonstrantse gemeente buiten Nederland. Wat leert het zeventiende-eeuwse experiment van Friedrichtstadt ons nu over verdraagzaamheid? Severien Bouman is remonstrants predikant in Friedrichstadt.

–          The global village van de apostel Paulus. Leerhuis met Carolien Sieverink, student aan het remonstrants Seminarium.

Haar afstudeerscriptie gaat over de rol van vrouwen in de gemeente in de theologie van Paulus. Hoe ruimdenkend was Paulus eigenlijk? Hoe groot of hoe klein was zijn global villlage?

–          Van Harem tot Fitna met Marcel Poorthuis. De beeldvorming over de Islam in Nederland is aan verandering onderhevig. Marcel Poorthuis schreef hier een standaardwerk over ‘Van Harem tot Fitna’. Op deze beraadsdag zet hij de hoofdlijnen van dit boek uiteen.

13.00 – 14.00 uur   LUNCH

 

 

14.00 – 15.00 uur workshopronde 2

–          A Common word met Antje van der Hoek en Marcel Poorthuis.

Antje van der Hoek geeft in het boekje dat verschenen is ter voorbereiding op de beraadsdag ( zie onder) de discussie weer binnen kerken in Duitsland en Nederland  over de verhouding tussen moslims en christenen. Zij gaat met name in op de handreiking van de Evangelisch Lutherse Kerk in Duitsland ‘Klarheit und gute Nachbarschaft. Christen und Muslime in Deutschland’ (2006) en op de verklaring van 138 moslimgeleerden ‘A Common Word’ (2007). Deze laatste tekst heeft ook bij kerken in Nederland reacties losgemaakt.  Antje van der Hoek legt aan het einde van haar bijdrage de indringende vraag op tafel welk vrijzinnig alternatief er kan worden geboden voor anti-islamitische sentimenten in de samenleving en geeft een eerste aanzet voor de beantwoording ervan. Hoe kunnen de remonstranten aansluiten bij het document ‘A common word’? Zij gaat hierover in gesprek met Marcel Poorthuis.

Antje van der Hoek, ‘Islam, Populisme en kerkelijke respons. Vrijzinnigen aan het woord’. Eigen uitgave van de remonstranten in het kader van het jaarthema ‘Verdraagzaamheid in the global village’ . 96 pagina’s. Prijs: € 7,- excl. porto ( bij 5 exemplaren voor € 5,- per stuk). ISBN 978 90 811949 0 7 – bestellen via info@remonstranten.org

–           Paspoort Europa – vervolg

De remonstrantse Beraadsdag 2013 wordt dit jaar georganiseerd in samenwerking met de International Association for Religious Freedom (IARF) en de remonstrantse Taakgroep Europese Contacten. Tijdens de dag verzorgen zij een speciaal programma met workshops:” “Paspoort Europa?”

–          Bidden we voor dezelfde God?  Predikant en islamoloog Jan Slomp was kritisch over de nota van de PKN over de Islam uit 2010. In deze nota ging het ook om de vraag of moslims en christenen samen kunnen bidden. In deze workshop gaat Jan Slomp in op de vraag of we voor dezelfde God bidden.

–          Verdraagzaamheid bij de Remonstranten met Tjaard Barnard. Tjaard Barnard gaat in op de verschillende wijzen waarop remonstranten in de afgelopen vier eeuwen verdraagzaamheid aan de orde stelden. Tjaard Barnard is remonstrants predikant in Rotterdam en rector van het remonstrants Seminarium.

15.00 – 15.15 uur theepauze

 

15.15 – 16.00 uur Afronding van de dag onder leiding van Sharda Nandram

Sharda Nandram is sociaal psycholoog en werkt als associate professor aan Nyenrode Business University op het terrein van spirituele innovatie en werkt als lector bij de Hoge School Arnhem/ Nijmegen

16.15 uur liturgische afsluiting onder leiding van Tjaard Barnard

 

 

Kommentare deaktiviert für Remonstranten haben ihren “Tag der Beratung” (Beraadsdag) am 9. März 2013 in Amsterdam

Politiker predigen im Sonntagsgottesdienst: Ein Interview mit Pastor Joost Röselaers, Amsterdam

Post date: Januar 9, 2013

Interview mit Joost Röselaers, Remonstranten – Pastor in der Gemeinde Vrijburg, Amsterdam

In der Vriburg – Gemeinde in Amsterdam finden seit einigen Monaten regelmäßig Gottesdienste statt, in denen Politiker die Predigt halten. Es handelt sich dabei um die üblichen Gottesdienste am Sonntagvormittag um 10.30 Uhr.

In einem Interview mit Christian Modehn erläutert Pastor Joost Röselaers diese Initiative.

Warum ist es interessant und wichtig für die Gemeinde, Politiker in den Gottesdienst zum Predigen einzuladen?

Eine der zentralen Aufgaben der Kirche besteht darin, auch meinungsbildend für die Menschen dazu zu sein, das kann auf philosophische oder psychologische Weise geschehen. Die Kirche ist auch Teil der Gesellschaft. Viele Dinge um uns herum verändern sich, nicht immer auf positive Weise. Man denke an die (vielfältige) Rolle der „sozialen Medien“ oder des Internets. Oder auch an das Auftauchen weit rechts und weit links orientierter Parteien. Oder denken wir an die Bedeutung der ökonomischen Krise. In dieser Situation, denke ich, kann die Kirche einen Raum bieten, damit die Fragen und Ängste diskutiert werden. Dabei haben die Pfarrer der Gemeinde Vrijburg durchaus eine führende Rolle. Aber es ist auch gut, wichtige aktive Politiker zu uns einzuladen, um über die Entwicklungen der Gesellschaft nachzudenken. Es geht nicht um aktuelle parteipolitische Fragen, sondern eher um einen Blick aus der Distanz. Dazu laden wir Politiker aller Parteien ein, außer Parteien mit extremen Anschauungen.

Sprechen die Politiker über Politik oder auch über Spiritualität?

Die meisten Politiker fühlen sich aufgefordert, auch über ihren eigenen spirituellen Hintergrund zu sprechen. Gerade das macht ihre Beiträge inspirierend und interessant. Von dieser Basis aus diskutieren sie auch politische Themen.

Hält denn auch der Pfarrer in einem solchen Gottesdienst auch noch eine Predigt?

In diesen Gottesdiensten biete ich als Prediger eine Einführung in den Bibeltext, den ich und der Politiker gemeinsam ausgesucht haben. Nach meinen einleitenden Worten, haben aber Politiker das Wort!

Welche Vorstellung von einer Gemeinde ist dabei für Sie leitend?

Die Gemeinde ist ein Ort, wo unterschiedliche Meinungen Platz haben, ein Ort der Toleranz. Leute von linken und rechten Flügel sollen willkommen sein in der Vrijburg, Sozialisten, Christdemokraten und Liberale. Wir sollen die Meinung eines jeden tolerieren und bereit sein, eine offene Diskussion zu starten. Ich bin froh beobachten zu können, dass dies in Vriburg der Fall ist.

Gibt es Gespräche und Diskussionen nach der Predigt der Politiker?

Ja, danach bleiben wir noch etwa eine halbe Stunde zusammen. Besonders junge Menschen mögen diesen Austausch. Und die Politiker sind froh, ein feed – back zu bekommen.

Ist es für Ihre Gemeinde auch möglich, atheistische Politiker zur Predigt einzuladen?

Unsere nächste Sprecherin im Gottesdienst gehört zur Partei D66, einer links – liberalen Partei, sie ist Mitglied im Europa Parlament, ihr Name ist Sophie in t Veld. Sie bekennt sich ganz offen zum Atheismus. Aber das heißt doch nicht, das sie sich nicht auch von Bibeltexten inspirieren lässt oder von der christlichen Tradition. Es ist faszinierend mit ihr über diese Themen zu diskutieren. Dabei weiten sich die Perspektiven, für mich und für sie. Frau in t Veld wird über die Trennung von Kirche und Staat in Europa sprechen. Für uns als Remonstranten ein wichtiges Thema, wurden wir doch selbst einst verfolgt als Minderheit. Wir wissen bescheid, wenn es um den Einfluss bestimmter Kirchen auf den Staat geht. Damit meine ich ja nicht, dass der Staat völlig indifferent gegenüber den Religionen sein sollte. Religion bedeutet vielen Leuten doch einiges und kann doch eine Quelle sein für soziales Handeln.

Ergänzung von Christian Modehn: 2011 wurde Frau in ‘t Veld in Oslo mit dem International Humanist Award der Internationalen Humanistischen und Ethischen Union ausgezeichnet. Diese Ehrung galt ihrem Einsatz für die Rechte von Frauen und homosexuellen Menschen. Sie kümmerte sich zudem um den Aufbau der europäischen Plattform für säkulare Politik „European Parliament Platform for Secularism in Politics“.

Die Gemeinde Vrijburg in Amsterdam ist unter dieser website erreichbar!

 

Kommentare deaktiviert für Politiker predigen im Sonntagsgottesdienst: Ein Interview mit Pastor Joost Röselaers, Amsterdam

Neue Bücher von Remonstranten, Sommer 2012

Posted in Bücher, Geschichte
Post date: Juli 28, 2012

 

Neue Bücher  … und: Ein Umzug nach Amsterdam

Remonstranten Theologen haben wieder interessante Bücher publiziert, sicher ein Zeichen für die theologische Kreativität dieser ungewöhnlichen Kirche: Sie ist protestantisch und freisinnig, d.h. sie nimmt also entschieden Abstand von allgemein verpflichtenden dogmatischen Lehren;  sie zählt ca. 5.000 Mitglieder und Freunde.

Das Buch von Dr.Antje v.d Hoek  (und anderen) mit dem Titel „Islam, Populismus und die kirchliche Antwort“ ist als Diskussionsgrundlage gedacht für das Jahresthema der Remonstranten 2012- 2013. „Toleranz im =global village=“.

Dabei sollen u.a. die Fragen diskutiert werden: Was ist der Beitrag der Remonstranten als einer freisinnigen Kirche, die stark auf die Entwicklung der Individualität (und des Individualismus ?) setzt zum zunehmenden Populismus und der Präsenz des Islam in Europa/Holland. Können, sollen, die zentralen Begriffe von Toleranz und Freiheit neu bestimmt werden? Das Buch erscheint:  „Uitgave Remonstrantse Broederschap – im Juni 2012“.

Auf unserer Websitewurde  schon häufig erwähnt die Theologin Christiane Berkvens – Stevelinck. Sie hat ein neues Buch publiziert: „Erfenis Europa. Toekomst van een stervende zwaan“.  Skandalon –Verlag, 2012. Preis 19,50. ISBN  978 94 90708 44 3. Die Kulturwissenschaftlerin (bis vor kurzem lehrte sie an der Universität Nijmegen) plädiert für Europas Kraft und Phantasie gerade auch in Krisenzeiten.

Auch Joost Röselaers (Pastor in Amsterdam)  hat (zusammen mit dem Politologen Fennand van Dijk) ein neues Buch herausgegeben. Es hat den Titel „Het vrije woord. religie en politiek in domineesland“ (Das freie Wort. Religion und Politik im Pastorenland). Ein Buch, das Pastoren zu Wort kommen lässt, die in der Politik aktiv sind; Publizisten der großen Medien kommentieren diese Beiträge, sie werden die „neuen Pastoren“ genannt. Erschienen ist das Buch im Verlag Meinema, 192 Seiten, ISBN: 9789021143019.

Ein Umzug nach Amsterdam

Die Ausbildung der künftigen PastorInnen und Prediger der Remonstranten folgt auf weiten Strecken der Universitätsausbildung reformierter Theologen, aber einige besondere Traditionen und spirituelle Schwerpunkte der Remonstranten müssen doch eigens dargestellt und erforscht werden. Seit der Frühzeit der Remonstranten Kirche (also von 1634 bis 1873) befand sich dieses „Remonstranten Seminar“ in Amsterdam, danach fand die Ausbildung an der Universität Leiden statt. Jetzt hat die „Allgemeine Versammlung“ der Remonstranten beschlossen, wegen der Auflösung der Theologischen Fakultät in Leiden, das Seminar wieder in Amsterdam zu eröffnen, in enger Zusammenarbeit mit der Vrije Universiteit dort, die über eine große theologische bzw. religionswissenschaftliche Fakultät verfügt.

In Leiden lehrte bis seiner Pensionierung Prof. Th. Marius van Leeuwen. In Amsterdam werden als Dozenten tätig sein: Dr. Christa Anbeek, Dozentin u.a. in Utrecht (systematische Theologie) und Dr. Tjaard Barnard, Pastor in Rotterdam ( vor allem für praktische Theologie), er wird auch der Rektor des Seminars sein.

Dieser Beitrag wurde von Christian Modehn im Juni 2012 verfasst.

 

Kommentare deaktiviert für Neue Bücher von Remonstranten, Sommer 2012

Remonstranten – “klein, aber fein”: Aus einem Interview mit Prof. Marius van Leeuwen

Post date: Juli 28, 2012

Remonstranten – „klein, aber fein“

Aus einem Interview mit Prof. Marius van Leeuwen

Von Christian Modehn

Die Juli Ausgabe (2012) der Monatszeitschrift der Remonstranten ADREM (Utrecht) ist ein Heft, das der Theologe Marius van Leeuwen redaktionell betreut hat. Von 1993 bis zum Sommer 2012 ( Zeitpunkt seiner Emeritierung) leitete er das theologische Seminar der Remonstranten in Leiden. Er ist u.a. durch zahlreiche Studien zur Geschichte dieser Kirche hervorgetreten. Für ADREM hat Martijn Junte mit Prof. van Leeuwen ein Interview geführt. Wir bieten in eigener Übersetzung einige Auszüge, vor allem solche Texte, die für deutsche LeserInnen das besondere Profil der Remonstranten – Kirche einmal mehr deutlich machen können.

Frage: Welches Bild hast du von der Zukunft der Kirche?

Van Leeuwen:

Kirchen sind in eine Minderheiten – Position gekommen. Viele Menschen leben sehr gut ohne Glaube und ohne Kirche. Man kann nicht darauf beharren, dass diese Menschen ein unvollkommenes Leben führen oder des Glücks entbehren, wenn sie nicht glauben. Doch werden immer Menschen auf religiöse Weise das Leben betrachten und die Werte der christlichen Tradition erkennen oder danach suchen. Der Glaube wird fortbestehen, aber als eine Option, nicht als eine Notwendigkeit im Leben.Dann wird Prof. van Leeuwen gefragt, ob in diesem Kontext die Remonstranten eine „Chance“ haben:

„Es gibt auch eine gemäßigte Form des Glaubens (gegenüber den orthodoxen und evangelikalen Kirchen), also die Remonstranten. Ich denke, dass diese Form von Kirchesein für viele Menschen ansprechend ist. Es ist auch nötig, dass Menschen weiterhin experimentieren mit einer „freisinnigen Variante“ des Glaubens. … Nicht, dass man nun jeden bekehren muss, aber der Glaube bleibt eine wichtige Lebensorientierung.

Freisinnig bedeutet für mich: Niemand hat die ganze Wahrheit.  Das christliche „Gedankengut“ gibt es, aber nicht in dem Sinn von Glaubensartikeln, die nun jeder glauben muss. Der eine Glaubende wird einem „Element“ des Glaubens fasziniert, der andere von einem anderen Element. Immer handelt es sich um Fragmente, und darin leben wir. Der remonstrantische Glaube hat nicht eine Substanz, die ein für alle mal klar umschrieben werden kann. Unser Glaube ist eher eine bestimmte Form, mit Wahrheit und Wahrheitsansprüchen umzugehen“.

Dann weist Marius van Leeuwen darauf hin, dass die Remonstranten „eine niedrigschwellige Kirche“ sind. „Wir stellen wenige Forderungen an Menschen, wir kennen etwa das offene Abendmahl als Einladung an alle; wir haben ein einladendes Glaubensbekenntnis, das man nicht in irgendeiner Form unterschreiben muss. Das Glaubensbekenntnis ist ein Vorschlag, eine Anregung: Schau selbst die Dinge des Glaubens an! Aber diese niedrige Schwelle hat auch die Gefahr in sich, dass man alles schön findet und den Kern nicht mehr sieht. … Da kommt die Frage nach dem Bekenntnis wieder auf“.

Auf die Frage nach der Bedeutung der Remonstranten Kirche für die weltweite Ökumene nennt Marius van Leeuwen einige Beispiele:

Im Rahmen der Diskussionen über die Taufe „brachten wir den Hinweis ein, dass wir auch Mitglieder haben, die nicht getauft sind. Unserer Meinung ruft Gott auch Menschen auf anderen Wegen als über das Ritual der Taufe. Dann treten wir bei internationalen Konferenzen der Ökumene (etwa in Harare oder Porto Alegre) immer für die Gleichberechtigung der Homosexuellen ein.  „Darüber gibt es viel Streit mit einigen afrikanischen Kirchen“.

Ausdrücklich weist Prof. van Leeuwen darauf hin, dass die kleine Kirche der Remonstranten jetzt „die Bescheidenheit abgeworfen hat. Der Gedanke heißt jetzt: Wir sind klein, aber fein. Beweglich. Wir können eine Rolle als Wegbereiter für Neues sein. Dazu gehört auch die publizistische Arbeit und PR Arbeit unseres allgemeinen Sekretärs Tom Mikkers“.

„In den kommenden Jahren werden wir uns besonders um einen neuen Lebensstil kümmern. Wenn alle Menschen dieser Welt so leben wie wir (Europäer), dann haben wir wohl das Ende. Auch bei diesem Engagement für die Gerechtigkeit spielt der Glaube eine Rolle, die Verantwortung für die Schöpfung und damit auch für die kommenden Generationen“.

 

 

Kommentare deaktiviert für Remonstranten – “klein, aber fein”: Aus einem Interview mit Prof. Marius van Leeuwen

Huub Oosterhuis inspiriert: Der “Beraadsdag” der Remonstranten in Amsterdam

Post date: März 15, 2012

Huub Oosterhuis inspiriert: Das jährliche Treffen der Remonstranten. Diesmal in Amsterdam

Von Christian Modehn

Die Remonstranten halten einmal im Jahr einen so genannten „Beraadsdag“, frei übersetzt: einen „Tag der Gespräche und Diskussionen“. Von den 5.000 Mitgliedern dieser freisinnigen Kirche waren am 10. März 2012  200 dabei: Sie trafen sich im neuen Zentrum der Studentenekklesia in Amsterdam, der ökumenischen Gemeinde, die von dem Theologen und Dichter Huub Oosterhuis 1970 ins Leben gerufen wurde. Nach mehreren Umzügen hat diese Gemeinde seit einem Jahr ein neues Zuhause gefunden in einem prächtigen Gebäude an der Da Costakade.

Die Remonstranten hatten Huub Oosterhuis gebeten, den ersten Vortrag beim „beraadsdag“ zu halten. Er sprach – dem Motto des Treffens entsprechend –über das Reich Gottes, jenes universale Symbol einer friedlichen und gerechten Welt; es ist DIE zentrale Zusage der biblischen Botschaft für die Menschen. Huub Oosterhuis legte allen Nachdruck darauf, dass das Reich Gottes mehr ist als ein schöner Traum. Reich Gottes sollte nicht in eine spirituelle Innenwelt eingeschlossen sein. Es wird vielmehr von den Menschen hier und jetzt „gebaut“, wann immer sie sich für Gerechtigkeit und gegen die Ausgrenzung der Armen einsetzen. Im Tun des Guten werde das Reich Gottes geschaffen.

Huub Oosterhuis unterstrich den aktiven Einsatz der Menschen für das Reich Gottes. Damit entsprach er durchaus den theologischen Vorstellungen der Remonstranten, die sich seit Beginn ihrer Geschichte im 17. Jahrhundert gerade von einer abstrakten Gnadenlehre absetzen, die behauptet, der Mensch selbst könne nichts Gutes tun für sein Heil und seine Erlösung.

Es gab beim Beraadsdag mehrere Workshops. IKON berichtet, dass ein Gesprächskreis sich auch mit der 400 jährigen Geschichte der Remonstranten befasste. Tjaard Barnard zeigte, dass es in der Geschichte der Remonstranten oft Akzentverschiebungen gab, einmal mehr zu orthodoxen , dann viel mehr zu freisinnigen theologischen Ansätzen. Beachtlich bleibt – in unserer Sicht- , dass sich die Remonstranten wie kaum eine andere Kirche er Philosophie der Aufklärung und auch dem Modernismus wohlwollend und lernbereit stellten. “Seit den 1960 Jahren ist einem orthodoxen (calvinistischen) Glauben bei den Remonstranten nichts mehr übrig geblieben, die Remonstranten präsentieren sich als freisinnig” (IKON).  In der weiten christlichen Ökumene  das darf man ohne Übertreibung sagen – eine recht seltene Erscheinung! Schön, dass es diese Kirche gibt.

Remonstranten sind – in unserer Sicht – eine Art Avantgarde! Viele große Kirchen haben nie die Aufklärung und den Modernismus anerkannt und rezipiert, etwa die römische Kirche oder die Orthodoxen Kirchen Griechenlands, Rußlands usw.  Das Ausbleiben mit diesen modernen Denkrichtungen ist in diesen Kirchen machtvoll zu spüren, bis heute.

Die Toleranz wurde von Remonstranten während ihrer ganzen Geschichte immer als hoher Wert verteidigt. Beachtlich bleibt, dass die Remonstranten Kirche heute eine freisinnige Kirche ist, in der jedes Mitglied selbstverständlich sein individuelles Glaubensbekenntnis formuliert. Das wird beim Eintritt in die Kirche  respektiert. Beachtlich ist weiter, dass es kein allgemein bindendes Glaubensbekenntnis für alle Mitglieder gibt. Auf diese Weise wird die individuelle spirituelle Entwicklung eines jeden Menschen respektiert. Ein interessanter Versuch, Menschen mit ausdrücklich unterschiedlicher Glaubenshaltung in einer Kirche zusammenzuführen. Das hat sich in Deutschland – und weltweit – leider noch nicht so herumgesprochen. Aber freisinnige Kirchen haben es Zeiten  flammender Religiosität und lautstarker Bekenntnisse und Dogmen und moralischer Vorschriften ohnehin nicht so ganz leicht…

copyright: christian modehn, berlin.

 

 

Kommentare deaktiviert für Huub Oosterhuis inspiriert: Der “Beraadsdag” der Remonstranten in Amsterdam

Buchbesprechung “Coming out churches”

Posted in Bücher, Geschichte
Post date: September 30, 2011

Neuer “holländischer Katechismus”

Post date: Januar 2, 2011

Vielleicht hat Gott heute “neue Kleider” an…     Ein neuer freisinniger protestantischer – und allgemein christlicher -Katechismus

Eine Einladung, selber zu denken und den eigenen Glauben zu entwickeln

Alle 150 Abgeordneten des Niederländischen Parlaments (Tweede Kamer) erhalten dieser Tage einen Katechismus geschenkt. Ungewöhnlich, in einem säkularisierten Land wie Holland. Dabei handelt es sich nicht um den Versuch, klerikale Machtansprüche in der Politik durchzusetzen, das liegt den Autoren des ungewöhnlichen Katechismus auch völlig fern. Denn sie treten als “freisinnige, liberale Christen” entschieden für die Trennung von Kirche und Staat ein. Aber ihnen liegt daran, mit allen Menschen, auch mit Politikern, in einen partnerschaftlichen Dialog einzutreten, nicht über Dogmen, wohl aber auch ethische Orientierungs – Vorschläge!

Es ist schon komisch: Ausgerechnet in Holland erscheint dieser Tage ein neuer Katechismus. Ist das Wort „Katechismus“ nicht völlig out, völlig verbraucht, gerade in den Niederlanden, wo nur noch etwa 35 Prozent der Bevölkerung Mitglieder einer christlichen Kirche sind und die wenigsten Menschen von dogmatischen Lehren unterwiesen werden wollen? In dieser Situation muss man schon etwas Außergewöhnliches vorweisen: Der neue holländische Katechismus konnte entstehen, weil die vier freisinnigen christlichen Kirchen Hollands angesichts des zunehmenden Einflusses konservativer und reaktionärer Kirchen deutlich ihre eigene Stimme erheben, die Stimme der Freiheit, die dem Nachdenken allen Raum lässt und eben keine fertigen „ewigen“ Wahrheiten präsentiert. Es sind keine Leitungsgremien, keine Bischöfe und keine Päpste, die diesen Katechismus verfasst haben, sondern zwei Pfarrer, die im ständigen Austausch mit der Kultur der Gegenwart stehen: Christiane Berckvens – Stevelinck, Theologin der Remonstranten Kirche, und Ad Ablass, Theologe der freisinnigen Strömung innerhalb der Protestantischen Kirche (PKN) legen ein Buch vor, das in 12 Kapiteln Grundworte der menschlichen Kultur erläutert, Grundworte, die ihre Wurzeln in den biblischen Traditionen haben. Am Anfang steht die „Compassie“, das Mitleid, am Ende die dem Mitgefühl und der Empathie verwandte Liebe. Andere Themen sind Gleichheit, Verbundenheit, Versöhnung, Gerechtigkeit, Friede, Wahrheit, Freiheit, Berufung, Glaube und Gott. Das neue Buch nennt sich ausdrücklich „Katechismus des Mitleids“, ein zweifellos ungewöhnlicher, wenn nicht gar provozierender Titel. Aber er deutet das Ziel an: Die LeserInnen werden eingeladen, angesichts der humanen, ökologischen und politischen Katastrophen der Gegenwart das Mitleiden zu entwickeln, nicht nur als spirituelle Haltung, sondern vor allem als aufgeklärtes Handeln zugunsten der Leidenden. Aber dieser Appell zum Handeln ist nicht dick aufgetragen, vielmehr bieten die einzelnen Kapitel Informationen und meditative Impulse zu diesen Grundworten humaner Existenz. So ist ein Buch entstanden, das sich wohl am besten in einer eher „meditativen und behutsamen Lektüre“ erschließt. Nebenbei: Das Buch verdankt wesentliche Anregungen der britischen Philosophin und ehemaligen katholischen Nonne Karen Armstrong, die sich ausdrücklich für eine „Charta des Mitgefühls“ einsetzt. So gehört dieses Buch zu dem weltweit entstehenden Netwerk „Compassion“! Alle Kapitel des Katechismus werden „eingeleitet“ mit schönen Nachdrucken von Gemälden, Chagall ist genauso vertreten wie Rembrandt, Claudio Taddei genauso wie Caravaggio oder Ferdinand Hodler. Die eigens für das Buch gefertigten Gemälde der Künstlerin Brigida Almeida aus Utrecht beschließen jedes Kapitel. Im Text werden die Leser mit einer Fülle an Informationen aus der Literatur, dem Film, dem Theater konfrontiert, Informationen, die gleichermaßen die Schwierigkeiten wie die Chancen einer Lebenshaltung vorstellen, die sich von den 12 „Katechismus – Grundworten“ inspirieren lassen will, biblische Perspektiven sind jeweils ein Kapitel unter den anderen. Das ist der typische freisinnige Geist, dass keinem „Bibel – Fanatismus“ gehuldigt wird, sondern spirituelle Inspirationen auch im „weiten Feld“ der Religionen und Kulturen präsentiert werden. Sympathisch werden es Berliner finden, dass zum Thema Freiheit schon im Titel auf den berühmten Ausspruch John F. Kennedys verwiesen wird: „Ich bin ein Berliner“, ein Ausspruch, der heute als Bekenntnis gegen alle Formen des Totalitarismus verstanden wird. Äußerst sympathisch ist auch, dass das Kapitel über die Liebe mit einem Bild von Julius Schnorr von Carolsfeld eröffnet wird, das die beiden Liebhaber David und Jonathan zeigt., sicher ist auch die Entscheidung für dieses Bild typisch für Freisinnige in Holland: Die Remonstranten waren ja die erste Kirche weltweit, die schon 1986 homosexuelle Paare –gleich welcher Konfession- in ihren Kirchen segnete. Sympathisch ist auch, dass der ungewöhnliche, progressive katholische Theologe Karl Rahner als Verteidiger der Mystik erwähnt wird.

Dies ist wohl der entscheidende Eindruck: Dieser auch vom Layout so schöne und freundliche Katechismus der freisinnigen Christen plädiert für die Mystik, sicher für eine moderne, eine durch die Aufklärung „hindurchgegangene” Mystik: Aber doch wird aller Nachdruck gelegt auf das innere Erleben des Göttlichen, das sich im Handeln ausdrückt. In der Mystik sehen die Autoren ohnehin die Zukunft des Religiösen. Interessant könnte es sein, wie sich die freisinnigen Kirchen selbst zu Orten (multi-religiöser) Mystik entwickeln. Vielleicht ist diese Mystik das neue Profil der Freisinnigen und ihrer Gemeinden? Vielleicht können sie mit diesem Profil weitere undogmatische, aber mystisch Interessierte einladen? Die niederländischen Autoren sind jedenfalls überzeugt: Gott ist nicht tot, er zeigt heute nur neue, ungewöhnliche „Gesichter“. Er hat vielleicht neue Kleider angelegt, wie die Autoren schreiben.

“Catechismus van de compassie”. Erschienen im Verlag Skandalon, in Vught, Holland. ISBN 978-90-76564-94-4.compas

Alte religiöse Lieder mit neuen Texten

Posted in Aktuelles, Bücher
Post date: Dezember 2, 2010

„Licht“ – alte religiöse Lieder mit neuen Texten

Die Zeit der frommen Floskeln ist vorbei

Von Christian Modehn

Die in den Niederlanden hoch geschätzte Dichterin, Autorin und Übersetzerin Coot van Doesburgh hat sich auf Einladung der Remonstranten Kirche auf ein nicht nur für Holland wegweisendes Projekt eingelassen: Sie hat zu alten, auch vertrauten religiösen Liedern („Kirchenliedern“)  neue, zeitgemäße und poetische Texte geschrieben. So können die alten, noch immer beliebten Melodien weiterhin voller Begeisterung gesungen werden, in Gruppen und Gemeinden, ohne dass jemand wegen der uralten, sprachlich auch kaum noch zumutbaren und „vergangenen“ Floskeln und Bilder doch lieber den Mund hält.

Ende November 2010 wurde das Liedbuch mit dem Titel LICHT in Holland vorgestellt. Die Autorin hat für 100 Lieder neue Texte geschrieben, die das Lebensgefühl des modernen Menschen treffen. Warum soll man sich denn auch sprachlich und gedanklich ans 17. Jahrhundert binden, wenn man alte und schöne Melodien singen will?

Ein entscheidender Schritt ist getan, ein Schritt der Verständigung zwischen musikalischer Tradition und moderner Lebenswelt. Selbstverständlich will die Remonstranten Kirche einige Lieder auch in ihren Gottesdiensten singen. Der Name des Buches LICHT ist ja bezeichnend für diese freisinnige Kirche. Man könnte LICHT geradezu als ein entscheidendes Symbol dieser Kirche bezeichnen, geht es ihr auch um „Lumières“, um Licht im Sinne der Aufklärung, um die selbstverständliche Geltung der Vernunft auch in der Kirche, auch in den Liedern. Natürlich wird bei diesem Projekt die Poesie gerade nicht abgeschafft, aber sie wird mit dem Erleben der heutigen Menschen verbunden. „Coot van Doesburgh hat mit ihren neuen Texten ein Wunder vollbracht, alte Gesänge haben durch ihre Worte ein neues Leben erhalten, zeitlose menschliche Gefühle hat sie in die Sprache von heute übertragen. Ich fühle das Verlangen, diese Lieder mit voller Brust gern mitzusingen, denn sie sind schön geworden, so klar, sie anrührend in ihrer Einfachheit“, schreibt der landesweit bekannte und (königlich) geehrte Schauspieler und Kabarettist Paul van Vliet.

Die Remonstranten Kirche hat sicher einen weiteren Beitrag geleistet, „modern“ und „christlich“ zusammenzuführen. Das beachtliche Medienecho in Holland zeigt, dass das „LICHT“ in dieser Weise sozusagen „fällig“ war.   Dem Buch ist auch eine CD beigelegt. Das Projekt „LICHT“ wurde inszeniert von Tom Mikkers, dem Allgemeinen Sekretär der Remonstranten Kirche. Man darf gespannt sein, ob LICHT auch in Deutschland zu ähnlichen Projekten inspiriert, um schöne alte Melodien vom uralten Staub der uralten Texte zu befreien. Warum gibt es eigentlich so wenige Übersetzungen wichtiger niederländischer Bücher aus den Bereichen Religionen ins Deutsche, eine Frage, die wir schon vor kurzem bei der Veröffentlichung des großartigen „Catechismus van de compassie“ stellten. Wir haben das Buch auf der Website www.remonstranten-berlin.de vorgestellt.

LICHT. C. van Doesburgh,  Uitgerverij Boekencentrum 2010

ISBN: 9789023967361

Paperback, 126 Seiten., € 12,50

Muslim predigt in Remonstranten Kirche

Posted in Aktuelles
Post date: November 16, 2010

„Es gibt auch die Freiheit, NICHT zu glauben“

Muslim predigt in Remonstranten Kirche in Amsterdam

„Gott hat uns geschaffen als Menschen, nicht als Gläubige. Ohne den freien Willen gibt es keinen Glauben“. Mit diesen Worten eröffnete der im ganzen Land bekannte Politiker marokkanischer Herkunft, Ahmed Marcouch (als Sozialdemokrat Mitglied im niederländischen Parlament (Zweite Kammer)  am Sonntag, 14. November 2010, seine Predigt; er hielt sie in der Kirche der Amsterdamer Remonstranten, in der „Vrijburg“. Er sagte weiter: „Ohne den freien Willen gibt es keinen Glauben. Glaube entsteht aus einem freien Willen, aus einer bewussten Wahl. Wenn das nicht der Fall ist, dann handelt es sich um einen Automatismus, um eine sklavische Reaktion. Weil nun Glauben aus dem freien Willen entsteht, bedeutet das auch, dass Menschen wählen können, gerade NICHT zu glauben“.

Etwa 200 Menschen nahmen an diesem Gottesdienst teil, zu dem der Pfarrer, Joost Röselaers, eingeladen hatte. Dies war übrigens der reguläre Sonntagsgottesdienst der Remonstranten um 10.30,  es war keine Sonderveranstaltung. Dagegen gab es einige kritische, protestierende Stimmen aus konservativen Kreisen. So ist es, von Deutschland aus gesehen, ein Zeichen für den Mut der Remonstranten, neue Formen des Miteinanders zu suchen über alle dogmatischen Grenzen hinweg. Der Dialog gehört in den Mittelpunkt der Gemeinde!  „Unsere Gemeinde war einstimmig für diesen Gottesdienst, darauf kann man stolz sein“, sagt Joost Röselaers.  Am Schluss des Gottesdienstes beteten der Pfarrer und der Muslim gemeinsam das Vater Unser. „Der Unterschied zwischen freisinnigen Christen und freisinnigen Muslims scheint kleiner zu sein als der Unterschied zwischen freisinnigen Christen und orthodoxen, konservativen Christen.“ Weil es für liberale, freisinnige Muslims kaum Räume und Häuser gibt,  hat Pfarrer Röselaers die freisinnigen, liberalen Muslims eingeladen, freitags die Kirche Vrijburg für das Freitagsgebet zu nutzen. Ein schönes Zeichen der Gastfreundschaft, ein Zeichen dafür, dass Menschlichkeit mehr zählt als Dogma…

Marcouch, 51 Jahre alt, ist Niederländer marokkanischer Herkunft. Er wurde 2006 Bezirksbürgermeister von Slotervaart, einem sogen. Problembezirk. Dort wandte er sich gegen die zunehmende Kriminalität auch von Jugendlichen marokkanischer Herkunft. Er hat sich als Muslim ausdrücklich für die Rechte der Homosexuellen eingesetzt und auch die Gay Pride in Amsterdam ausdrücklich gefördert. Von konservativen muslimischen Kreisen wurde er als muslimischer Scharlatan abgekanzelt, weil er „nicht richtig“ glaube…

1933: Protest gegen die Entwicklungen in Deutschland

Posted in Bücher, Geschichte
Post date: November 16, 2010

Kritisch schon 1933

„Es gibt um 1930 eine stets kritische Dimension in der Remonstranten Kirche. Der Universitätsprofessor G.J. Heering (1879 – 1956)  war z.B. ein heftiger Verfechter  des Antimilitarismus. Die Remonstranten waren die einzige Kirche in den Niederlanden, die 1933 ausdrücklich warnten vor den Entwicklungen in Deutschland. Sie protestierten gegen das Unrecht, das den Juden, den Pazifisten und Sozialisten angetan wurde. Heering hatte als „Mann mit Autorität“ eine wichtige Stimme“.

Ein Zitat aus dem Buch „58 Milljonen Nederlanders en hun Kerken“, erschienen in Zusammenarbeit mit dem Fernsehsender NOS, Verlag Amsterdam Boek, 1979. 127 Seiten. Dort wird auf Seite 103 auch über das Verhalten der Remonstranten nach dem Jahr 1933 berichtet

Wieviel Denken braucht der Mensch?

Posted in Aktuelles
Post date: Oktober 24, 2010

Zum Welttag der Philosophie – ein weltweites Projekt der UNESCO –

Wie viel Denken braucht der Mensch?

Eine Veranstaltung im AFRIKA – HAUS Bochumer Str. 25

in Berlin – Tiergarten

am Donnerstag, 18. November 2010, Beginn um 19 Uhr.

– Berliner philosophische Gruppen stellen sich vor: „Zwischen Disput und Lebenshilfe“

–       Was ist Philosophische Praxis? Internationale Gesellschaft für Philosophische Praxis (IGPP), vertreten durch Prof. Petra von Morstein

–       Die Kunst, gemeinsam richtig zu philosophieren. Gesellschaft für Sokratisches Philosophieren (GSP) zum Sokratisches Gespräch, vertreten durch Dr. Dieter Krohn

–       Philosophie im Café. Initiativen in Moabit und Zehlendorf, vertreten durch Roger Künkel und Roger Wisniewski

–        Warum Spiritualität kritisches Denken braucht, Philos. Salon in

Schöneberg, vertreten durch Christian Modehn

– Podiumsdiskussion: Philosophie in Aktion – Philosophie als Aktion?

– Intermezzo, Speisen und Getränke

– Gespräch und Diskussion mit den TeilnehmerInnen

– Ende gegen 21. 15, möglicherweise Fortsetzung der Gespräche in kleinerem Kreis.

Das AFRIKA HAUS

Bochumer Straße 25 in

10555 Berlin – Tiergarten ist über den U Bahnhof Turmstr., Ausgang Alt-Moabit,  gut zu erreichen.

Ab 18.30 ist das Afrika Haus geöffnet.

Der Eintritt ist frei.

V.I.S.P.: Christian Modehn und Roger Wisniewski

Philosophisches Gespräch am 24. 9. 2010 ab 19 Uhr.

Posted in Aktuelles
Post date: September 4, 2010

Am Freitag, 24. September 2010, findet der nächste philosophische Salon statt, zu Gast ist: Dr. Thomas Polednitschek, Philosophischer Praktiker in Münster, zu einem Gespräch über Möglichkeiten philosophischer Praxis und Beratung. Das Thema führt in die Kernfrage philosophischer Lebenshilfe wie überhaupt in die der Bedeutung des Philosophierens im Alltag. Beginn um 19 Uhr, man kann gern schon ab 18.30 kommen: ins schöne neue “Café Gaumengut”  in Berlin – Schöneberg, Ende der Veranstaltung gegen 21 Uhr. Anmeldungen erforderlich, da die Anzahl der Plätze begrenzt is: christian.modehn@berlin.de

Wir glauben…. Was glauben wir? Die Remonstranten. Eine Broschüre.

Post date: August 19, 2010

In dieser Broschüre werden einige zentrale Informationen über Theologie und Organisation der Remonstranten mitgeteilt.
Hier kann die Broschüre heruntergeladen werden (einfach anklicken):

Peter Nissen, katholischer Theologieprofessor, wird “Freund der Remonstranten”

Posted in Aktuelles
Post date: Mai 18, 2010

Peter Nissen, Katholik und Professor für Kirchengeschichte, wird Freund der Remonstranten

Er ist in Holland und darüber hinaus ein bekannter Kirchenhistoriker und Theologe: Peter Nissen (geboren 1957) arbeitet als “Professor für die Kulturgeschichte der Religiosität“ an der Radboud Universität von Nijmegen, Niederlande. Er hat sich im Mai 2010 offiziell als „Freund der protestantischen Remonstranten Kirche“ eintragen lassen. Diese freisinnige Kirche kennt neben Mitgliedern den Status der „Freunde der Remonstranten“, sie haben wie die Mitglieder die gleichen Rechte und Pflichten, können nur nicht verantwortliche Funktionen in der Gemeindeleitung übernehmen. Die Tageszeitung TROUW aus Amsterdam berichtet am 17.5. von dem Konfessionswechsel. Manche deuten diesen Konfessionswechsel als ein Symbol, dass katholische Intellektuelle und Theologen in Westeuropa das Klima von Angst , Kontrolle und Autoritarismus im römischen Katholizismus nicht mehr ertragen können. Peter Nissen, der sich viele Jahre auch um Kirchenreformen in der römischen Kirche bemüht hatte, glaubt nicht mehr an einen wirklichen Wandel zum Besseren in dieser Kirche. Er will als nun einmal katholisch geprägter Mensch mit der Basis, also „seiner“ katholischen Kirchengemeinde in Nijmegen, verbunden bleiben. Aber er will doch zu den Remonstranten gehören. Er hofft auf diese Weise eine Brücke zu bauen zwischen den Konfessionen. In einem Brief schreibt er: „Das Kircheninstitut ist nicht heilig. Es ist ein Haus, worin man sich zuhause fühlen kann. Darum kann ein Moment kommen, wo jemand sagt: Es ist genug, ich reise ab, ich orientiere mich neu. Dieser Augenblick ist für mich gekommen. Ich trete als „Freund“ nun einer Kirche bei, die auch in einer langen christlichen Tradition steht, aber die freie Bahn gibt für die Erneuerung…Ich trete einer Kirche bei, die voll und ganz dem Wirken des Geistes Raum gibt…Diese Kirche weiß, dass Tradition niemals fruchtbar sein kann in Starrheit und Unveränderlichkeit. Es ist für mich keine weite Reise. Ich setze mein Suchen nach dem Geheimnis mit anderen zusammen fort … in der Kirche der Remonstranten. In dieser Kirche steht die Poesie über dem Gesetz, die Bereitschaft zur Veränderung über der Rechtgläubigkeit. Mit diesen Ideen versuchen Remonstranten Kirche zu sein“. Siehe auch www.peternissen.nl

Songs aus dem Eurovision Songcontest im Gottesdienst

Posted in Aktuelles
Post date: Mai 18, 2010

Für ein friedliches Europa
Remonstranten in Amsterdam: Zum ersten Mal ein Gottesdienst mit Liedern des „Eurovision Songcontest“

Zwei Wochen vor dem großen Finale des 55. Eurovision – Songfestivals in Oslo am 29. Mai hat die niederländische Remonstranten Kirche, eine freisinnige protestantische Kirche, in Amsterdam („de Vrijburg“) einen ungewöhnlichen Gottesdienst gefeiert. Nicht die eher klassischen oder neuen Kirchenlieder wurden gesungen. Im Mittelpunkt des Gottesdienstes standen ausschließlich verschiedene Lieder aus der langen Geschichte des Eurovision – Songcontests. Etwa 400 Menschen versammelten sich nachmittags um 3 Uhr zu einem zweistündigen Gottesdienst, der den Strukturen der protestantischen Liturgie entsprach. Das Feier stand unter dem Motto: Halleluja Europe….Dieser experimentelle Gottesdienst wurde zum ersten mal in Europa gefeiert! Aber anstelle des Kyrie – Liedes erklang „The fire in your eyes“ (Israel 2008), zum Gloria “I evighet“ von Elisabeth Andreassen, (Norwegen 1996)), zum Credo „Hold on be strong“, von Maria Haukaas Storeng (Norwegen 2008). Die Auswahl der 10 „Kirchen“ – Lieder stammte von den interessierten TeilnehmerInnen selbst. “Wir wollen die Tiefe der so genannten Populärkultur entdecken, wollen zeigen, dass in etlichen der beliebten Lieder durchaus spirituelle Aspekte enthalten sind, die wir als Kirche nicht vernachlässigen dürfen“, sagt Tom Mikkers, Allgemeiner Sekretär der Remonstranten Kirche. Er hat zusammen mit dem Journalisten Hilco Span (vom Radio NCRV) den Gottesdienst gestaltet..„Und unsere Remonstranten Kirche in ihrem freien, undogmatischen Geist ist bestens geeignet, Menschen, ob sie glauben oder nicht, auf die Suche nach Spiritualität einzuladen, warum nicht auch durch die Lieder des Songcontests“, sagt Dik Mook, Jugendpastor in der Gemeinde „Vrijburg“. „Ich gehe sonst nicht in die Kirche, aber hier habe ich mich wie zu Hause gefühlt, ich habe vieler meiner so oft gehörten Lieder neu entdeckt“, sagt Pieter de V. aus Utrecht, ein junger Besucher des Gottesdienstes. „Natürlich wollen wir mit diesem ungewöhnlichen Gottesdienst daran erinnern, dass Europa auf der Grundlage von Frieden, Gerechtigkeit, Toleranz beruht“, sagt Tom Mikkers, „etliche Lieder verkünden ja diese Botschaft, man muss nur genau hinhören. Der Songcontest hat ja vor aller Commerzialisierung als Plattform des Friedens einmal begonnen“. “Insgesamt haben wir uns als einladende Kirche gezeigt”, sagt Margriet Dijkmans van Gunst aus der Remonstranten Gemeinde, “offenbar mit Erfolg”.
Die Lieder wurden während des Gottesdienstes auf einem riesigen Bildschirm eingespielt. Im Interview erläuterten die beiden Contest Teilnehmerinnen Liliane Saint-Pierre (Belgien) und Lenny Kuhr (Niederlande), was für sie ihre Lieder bedeuten. „Vielleicht ist unser Singen auch eine andere Form des Betens“, sagten sie…

Siehe auch auf Niederländisch und Englisch: ttp://www.remonstranten.org/site/index.php?page=hallelujah_europe
Der Gottesdienst wird noch einmal auf Radio 5 NCRV am 23. Mai um 15 Uhr gesendet.

Für ein freies und tolerantes Christentum

Post date: März 10, 2010

Remonstranten halten ihren “Tag der Beratungen” am Samstag, 13. März in Rotterdam

Einmal im Jahr kommen Remonstranten zu einem “Berdaadsdag”, einem Tag der Gespräche und Diskussionen zusammen. So eine Art “kleiner Kirchentag”. In diesem Jahr steht im Mittelpunkt die Frage: Was bedeutet es heute, wenn die Remonstranten sich für ein freies und tolerantes Christentum einsetzen? Es wird ein Gottesdienst gefeiert, es gibt eine Podiumsdiskussion über die veränderte Rolle der Religion in der Gesellschaft, es gibt diverse Workshops, u.a. auch mit Vertretern des Interkirchlichen Friedensrates/Pax Christi, es wird die Frage diskutiert, welche Verbindungen es gibt zwischen der Theologie des Jacobus Arminius damals und heutigen Auffassungen. “Arminius wollte Raum schaffen für verschieden theologische Auffassungen. Auf dieser Spur sind die Remonstranten weiter gegangen”, heisst es in der Monatszeitschrift der Remonstranten ADREM: “Remonstranten von heute umarmen nicht die Dogmatik, sondern die persönliche Kreativität und bringen sie in Verbindung mit der Bibel”.
Die Tagung findet in der Rotterdamer Remonstrantenkirche statt.

Für die Trennung von Kirche und Staat

Posted in Bücher, Geschichte
Post date: März 4, 2010

Für die Trennung von Kirche und Staat
Von Wibren v.d. Burg, Professor für Rechtsphilosophie in Rotterdam.

Aus remonstrantischer Perspektive muss meiner Meinung nach jede Verquickung von Kirche und Staat zurückgewiesen werden. Damit nehmen Remonstranten Stellung gegen den Gedanken einer Staatskirche , wie er in der lutherischen und anglikanischen Tradition noch vorkommt. Darüber hinaus verwerfen Remonstranten den Gedanken der römisch – katholischen Tradition, dass diese Kirche als Interpretin des Naturrechts sich intensiv in politische Debatten einmischen darf und ihre Mitglieder auch aufrufen darf, einer bestimmten Partei die Stimme zu geben. Remonstranten verwerfen auch die Intervention durch etliche katholische Bischöfe in politische Debatten, wenn es sich etwa um Abtreibung, Euthanasie und Ehefragen handelt. Dabei sollen nach dieser katholischen Vorstellung sogar die Politiker, die dieser
amtlichen Position nicht folgen, von der Teilnahme an der
Kommunion ausgeschlossen werden. Auch die Praxis vieler Länder, in einem Konkordat der katholischen Kirche wie dem Staat bestimmte Vorrechte anzuerkennen, ist aus remonstrantischer Sicht unannehmbar. Für Remonstranten gibt es keinen „christlichen Staat“ und keine „christliche Politik“. Sie sind sehr zurückhaltend, Religion und Politik direkt zu verbinden. Der Gedanke, dass die Religion ein Organisationsprinzip ist für die Regelung des gesellschaftlichen Lebens, ist den freisinnigen Christen, also den Remonstranten, fremd. Sie waren dagegen, als sich die niederländische Geselschaft im 20. frühen Jahrhundert nach „Säulen“ getrennt organisierte, also eine protestantische Säule neben einer katholischen und diese neben einer sozialistischen Säule usw. Remonstranten haben stets neutrale und allgemeine Organisationen bevorzugt. Darum gibt es keine freisinnigen Parteien und auch keine freisinnigen Schulen oder freisinnige Hilfswerke. Dieser Meinung sind die Remonstranten nicht, weil sie meinen, dass Religion nur Privatsache sei ohne gesellschaftliche Konsequenzen, im Gegenteil. Sie meinen nur: Die religiöse Orientierung kann nicht die Basis sein, auf der sich gesellschaftliche Organisationen bilden.

Entnommen dem Buch: „De remonstrantie. 400 Jaar“. Hg. von K. Holtzapffel und M.v. Leeuwen. Meinema Verlag, Zoetermeer, 2010, dort s. 162 f.

Die Remonstranten – in Friedrichstadt und Holland

Posted in Geschichte
Post date: Februar 19, 2010

Lebenswelten NDR am 5. Juli 2009 um 17.05

Glauben ohne Dogma
Die Remonstranten – eine freisinnige protestantische Kirche
Eine Reportage von Christian Modehn

Vorbemerkung:
Angesichts des zunehmenden Fundamentalismus und der machtvollen Klerikalisierung in sehr vielen großen christlichen Kirchen ist es wichtig, auf eine Kirche der ganz besonderen, der ganz anderen Art aufmerksam zu machen: DIE REMONSTRANTEN.
Sie gehören in Holland zu einem breitem Strom freisinniger Christen, sie haben das kulturelle Klima der Niederlande entscheidend mitgeprägt. Sie halte nichts von Ketzerprozessen und ausgetüffelten dogmatischen Fragen, nichts von Hierarchien und allmächtigen Priestern, Bischöfen und Päpsten.
Die Remonstranten sind eine demokratische Kirche. Leider sind sie in Deutschland viel zu wenig bekannt, für viele Anhänger katholischer Reformbestrebungen würde sich z.B. hier eine echte Alternative bieten…

Im folgenden leicht veränderten Text der Radiosendung, die nur einige wesentliche Aspekte der Remonstranten darstellen kann, aufgrund der Kürze der Sendezeit.
Siehe auch die schöne preisgekränte website: www.remonstranten.org   Dort auch ein Hinweis auf die einzige Remonstranten Gemeinde in Deutschland, in Friedrichstadt.

Der Besucher ist leicht irritiert: Befindet er sich in Holland oder in Deutschland? Die Grachten mit den alten Giebelhäusern, den Holz – Bänkchen und Rosenstöcken vor der Tür, all das weckt das Gefühl, in Amsterdam zu sein. Dabei sind wir in Friedrichstadt, in Schleswig Holstein, zwischen Heide und Husum gelegen.
2. 500 Menschen leben hier.

Atmo auf Schiff,

Die Stadt ist von Wasser umgeben, im Norden grenzt sie an den Fluss Treene.

…. auf dem Boot….

„Ich möchte euch alle begrüßen an Bord hier zu unserer gemeinsamen Grachtenrundfahrt“.

„Jetzt fahren wir auch an einer sehr schönen Gracht vorbei, das ist der Mittelburggraben, den wir werden wir noch reinfahren und durchfahren. Friedrichstadt selbst wurde im Jahren 1621 von unserem damals noch sehr jungen Herzog Friedrich III. von Schleswig gegründet und gebaut.

In einem reich geschmückten Giebelhaus am Mittelburg-Graben ist  das Stadtmuseum untergebracht. Am Eingangstor, auf einem Wappen aus Stein, ist ein Spruch aus alten Zeiten nicht zu übersehen.

„Dem tapferen Mann wird jeder Boden zur Heimat“.

Ein Flüchtling hat seinem Lebensgefühl Ausdruck gegeben, als er das Haus im Jahr 1626 baute: Adolph van Wael musste wegen seines Glaubens die holländische Heimat verlassen. Denn er hatte mit seinen Freunden die Freiheit des Menschen leidenschaftlich verteidigt. Davon wollten die strengen Anhänger des Reformators Calvin nichts wissen. Sie waren überzeugt, Gott habe das Leben eines jeden Menschen seit ewigen Zeiten vorher bestimmt. Dagegen sprachen die „freisinningen“ Christen ihre „Remonstrance“  aus, d.h. ihre Beschwerde“. Sie nannten sich deshalb seit 1621 „Remonstranten Kirche“. Holland verweigerte diesen Christen anfangs das Aufenthaltsrecht, berichtet der Mitarbeiter im Stadtmuseum, Holger Vogt:

„Und diese  Geschichte ist dann von dem Herzog Friedrich III. ausgenutzt wurden, er wollte hier eine Handelsstadt gründen, um an Steuergelder zu gelangen. Es war nämlich damals so, dass die ländliche Bevölkerung keine Steuern bezahlen musste, sondern nur die städtische. Und aus diesem Grund wollte er eine Handelsstadt gründen, durch Verbindungen nach Holland kam er auf diese Remonstranten und hat denen hier Glaubensfreiheit und noch einige andere Privilegien angeboten. Die Remonstranten haben mit dem Aufbau der Stadt begonnen nach holländischem Vorbild praktisch“.

Holger Vogt ist Mitglied der Remonstranten Gemeinde. Sie besteht seit der Gründung der Stadt ohne Unterbrechung. Vom Stadtmuseum sind es nur wenige Schritte zum Marktplatz.

An der Gracht plaudern die Leute, Radfahrer winken einander zu, eine typische Kleinstadt, möchte man meinen. Aber sie ist doch anders, betont Hellmuth Rabach, auch er ist Remonstrant:

„Normalerweise steht am Marktplatz die Kirche, und wenn sie bei uns auf den Marktplatz gehen, steht da nur das Rathaus, und die Kirchen gruppieren im Ort. Das ist ganz bewusst so gemacht, um nicht irgendeiner Kirche hierein besonderes Merkmal zugeben. Das ist ja auch schon ein toleranter Gedanke, dass keine Kirche die andere dominiert“.

Deswegen bauten die holländischen Stadtgründer ihre eigene Kirche im Jahr 1624 eher an den Rand der Stadt, berichtet Holger Vogt:

„Die Remonstranten haben sich auch immer dafür eingesetzt, dass andere Glaubensgemeinschaften hier in Friedrichstadt neben ihnen leben konnten. Deswegen gab es auch Juden hier, Quäker, Mennoniten, na ja alle möglichen Glaubensgemeinschaften, die es damals gab, kamen hier nach Friedrichstadt, weil sie hier eben einigermaßen Glaubensfreiheit ausleben konnten, durch die Remonstranten auch“.

Mitte des neunzehnten Jahrhunderts wurde die Kirche in Kriegswirren zwischen Schleswig und Dänemark zerstört. Aber sofort wurde ein neues Gotteshaus im klassizistischen Stil gebaut, der Architekt musste einen Grundsatz respektieren:

„Die neue Kirche soll bewusst klar, hell, schlicht, offen und frei sein“.

…Orgelspiel…

In der Kirche können etwa hundert Menschen bequem Platz finden. Einen Altar gibt es hier nicht, bei Abendmahlsfeiern wird ein Tisch bereit gestellt. Alle Blicke sollen sich auf die Kanzel hin konzentrieren, Hellmuth Rabach kann hier seine Spiritualität leben:

„Sehen Sie, wir haben keine Bilder, wir haben kein Kreuz in der Kirche. Und das ist mit Bewusstsein, weil wir wollen niemanden dazu zwingen, dass er irgendwelche vorgeprägten Vorstellungen habe. Jeder bitte mit Gott und sich“.

Im unteren Teil der Kanzel wurde ein Relief eingefügt, das einzige „Bild“ in der Kirche. Es zeigt eine Frauengestalt, die auf die Bibel weist. Und über allem erscheint eine phrygische Mütze, sie ist das Symbol der Freigeister, berichtet Heinrich Mannel:

„Es ist  so auch ein Zeichen des Humanismus und dieses Symbol der Freiheit drückt auch unsere Auffassung von Glauben aus und sie hat auf einen Ölzweig auf die aufgeschlagene Bibel gelegt und dort ist der Vers von Johannes aufgeschlagen: Ihr sollt euren Nächsten lieben, wie ich euch geliebet habe. Ich denke, das ist so der Kern der Remonstranten“.

Gleich hinter der Kirche werden seit altersher die Toten bestattet:

„Wir haben ja auch auf unseren Friedhof einen Teil für katholische Gräber. Als der katholische Friedhof belegt war, fragten die Katholiken bei den Lutheranern, weil die einen großen neuen Friedhof hatten vor der Stadt, ob sie ihre Toten da beerdigen könnten. Da haben die Lutheraner gesagt, die wollten keine Papisten auf ihrem Grund haben. Und dann seitdem  haben die Katholiken ein Gräberfeld hier bei unserer Kirche. Und wir haben auch gebimmelt für die Katholiken, wenn die Fronleichnam oder sonst was hatten“.

Der Kirche gegenüber ist das Gemeindehaus, der zentrale Treffpunkt der 170 Remonstranten von Friedrichstadt. Die Gemeinde ist bis heute in Deutschland einzigartig: Sonst ist die Remonstranten Kirche nur in den Niederlanden anzutreffen. Aber die kleine Gemeinde an der Nordsee braucht sich wohl keine Sorgen um ihre Zukunft zu machen: Hellmuth Rabach:

„Aus dem Grundgedanken der Toleranz fühlen sich viele von unserer Kirche angesprochen. Und 20 bis 30 Prozent unserer Gemeindemitglieder sind unserer Kirche beigetreten, weil sie sich hier besser wieder finden. Ursprünglich war ich Lutheraner, habe auch als 16, 17 Jähriger mal überlegt, ob ich auch Pastor werden sollte. Das, was mich hier begeistert, ist eben, dass jeder seine eigenen Vorstellungen , die er seinen Glaube sieht, zum Ausdruck bringen kann, und auch darin nicht behindert wird. Ich glaube an Gott, so, das ist für mich völlig klar. Ich glaube auch an Jesus Christus, aber mit der Auferstehung hätte ich so mein Problem“.

Diese individuelle Glaubenshaltung wird von den Remonstranten nicht nur geduldet, sie ist erwünscht! Oberster Grundsatz ist: Kein Gemeindemitglied darf auf ein allgemein gültiges Glaubensbekenntnis verpflichtet werden. Für Ketzerverfolgung gibt es keinerlei Anlass.  Lediglich an einem sehr offen formulierten Grundsatz sollten sich alle Mitglieder orientieren, Jürgen Barth kennt diesen einen Satz auswendig:

„Die Remonstrantische Kirche ist eine Glaubensgemeinschaft, die verwurzelt ist im Evangelium Jesu Christi und, getreu ihrer Grundsätze von Freiheit und Toleranz, Gott ehren und dienen will“.

Gott lässt sich für diese „freisinnigen“ Christen in keiner dogmatischen Formel festschreiben. Darum bleibt es jedem „Remonstranten“ selbst überlassen, wie er denn Gott persönlich deutet, als Vater oder Mutter, als den Ewigen oder höchstes Sein:

„Glauben ist etwas, was sich entwickelt, was wachsen kann, was immer im Leben überprüft wird, und deswegen kann es aus remonstrantischer Sicht keinen Glauben geben, der für jeden gleich ist, und es kann keinen Glauben geben, der einmal fixiert ist und sich dann nicht mehr ändert“.

Um das richtige Leben geht es, nicht um eine angeblich ewige Wahrheit. Das findet Klaus Richter so wichtig:

„Auch immer wieder sich selbst in Frage zu stellen, ist das richtig, das ist wichtig. Man sitzt eben als freier Mensch auch mit sich selbst da, und ist auch mit sich selbst sehr stark im Gespräch, und das nimmt einem keiner ab. Die Verantwortung für das, was man tut und was man ist, nimmt einem keiner ab. Das hält ja auch wach“.

Die Remonstranten könnte man eine ethische, eine dem Humanismus verpflichtete christliche Kirche nennen. Sie will das Nachdenken fördern, das besinnliche Gespräch. Auf volkstümliche Formen der Frömmigkeit sind  Remonstranten nicht angewiesen: Klaus Richter:

„Ich habe einmal in Weingarten in der Kathedrale eine Nacht erlebt und dann die große Blutprozession mit 6000 Reitern. Das haut einen um, und als dann nach anderthalb Stunden in der Mitte des Zuges die Monstranz kam und alle in die Knie gingen, dann ging auch ein guter Protestant wie ich in die Knie. Ich versteh  das schon, das sind rauschhafte Zustande, aber ich war nicht bei mir selbst. Ich  kann das verstehen, dass es Menschen gibt, die darauf reagieren und das gut finden. Aber wenn man einen Augenblick klar darüber nachdenkt,  dann merkt man, dass ich einen ganz großen individuellen Freiraum brauche, das erfüllt mit Sinn“.

Von den 170 Gemeindemitgliedern leben nur 100 in Friedrichstadt selbst, vor allem die jüngeren Mitglieder können nur außerhalb ihrer Heimatstadt Arbeit finden. Aber alle sind berechtigt, die Gemeindeleitung zu wählen, berichtet Hellmuth Rabach.

„Die Gemeinde verwaltet sich ja selber, wir haben kein Büro, das ist alles ehrenamtlich Tätigkeit, die Leitung der Gemeinde wird alles zum Nulltarif erbracht. Das einzige, was sich die Gemeinde sich leistet, ist das Gemeinde -Haus, die Kirche und dann einen Küster und einen Pastor, einen teilzeit beschäftigten Pastor“.

Und der Pastor kommt aus Holland angereist: Einmal im Monat, jeweils von Donnerstag bis Montag, steht er für Beratung, Unterricht  und Gespräche zur Verfügung, sonntags leitet er den Gottesdienst.

Glocke, …..

Christen aller Konfessionen sind eingeladen, auch Skeptiker, Suchende, Ungläubige sind ausdrücklich willkommen.

Zu Beginn des Gottesdienstes wird  Pastor Severien Bouwman    vom Kirchenvorstand in die Kirche geleitet und im Mittelgang per Handschlag zur Predigt beauftragt!

Lied, O heiliger Geist…

Auf der leicht erhöhten Kanzel hat der Pastor Platz genommen. Der Gottesdienst ist nüchtern und schlicht, immer wieder gibt es Augenblicke für stille Meditation. Die Gebete des Pastors sind so offen formuliert, dass sich möglichst viele darin wieder finden.

„Lieber Gott, wir kommen zu Dir mit unserem Gebet in der Hoffnung auf  alles, was das Leben sein kann. Was es an Gutem geben kann in aller Entwicklung und Entfaltung, in aller Fähigkeit und innerer Kraft, in der Begegnung mit Menschen,  aber auch in einem fruchtbaren Alleinsein.
Sei bei uns Gott, damit wir deine Menschen sind. Amen“.

Pastor Bouman verwendet auch in seinen Predigten niemals fromme Floskeln und erbauliche Sprüche. Auf die praktische Lebensorientierung kommt es an:

„Wir leben in einer Zeit, wo es viele gibt, die den Geist nicht nötig haben, den Geist Gottes, der uns spüren lässt nach dem Geheimnis des Lebens und nach demjenigen, was uns Menschen wirklich inspiriert. Der Geist Gottes, der sehen lässt, was wirklich notwendig ist im Leben und kritisch macht sowohl über uns selbst und über alles, was in der Welt passiert. Diesen Geist Gottes haben wir immer noch nötig. Amen.

23. Orgel Intermezzo

Die Remonstranten Kirche ist Mitglied im Ökumenischen Weltrat der Kirchen in Genf. Wegen ihrer Offenheit und Toleranz wird sie allerdings oft als „ein seltener Paradiesesvogel“ bezeichnet… Auch ein Pastor kann hier seine Aufgabe viel freier gestalten als in anderen Konfessionen, erklärt Severien Bouwman:

„Das ist wichtigste ist, dass man nicht Inhalte vermittelt, sondern die Möglichkeit bietet, um nachzudenken, selber zu suchen, was wichtig ist im eigenen Leben und im Verhältnis mit anderen Leuten. Wie man eigentlich das eigene Leben macht.
Wenn ich eine Predigt halte, sage ich nicht: Sie müssen so und so glauben. Aber: Sie können so und so glauben. Es gibt keine Wahrheit, die ich schon wusste und dann ausspreche, sondern ich suche die Wahrheit auf einem bestimmten Moment und für bestimmte Leute, versuche beizutragen, wie sie leben können. Die Fragen öffnen Zukunft und Lebensmöglichkeiten“.

Die Gottesdienstteilnehmer kommen zu Kaffee und Tee im Gemeindehaus zusammen. Der Besucher ist etwas überrascht, dass sich diese modernen Christen noch an die klassische Gottesdienstordnung halten und auch die alten Kirchenbänke noch benutzen. Die Gemeindevorsitzende Petra Kühl will diese Bedenken entkräften:

„Für die Gemeinde hat das große Bedeutung, also auch eben dieses Gestühl, dass man beim ersten Lied steht. Und für mich ist kein freier Gottesdienst oder kein Freiheitsgefühl, wenn wir da im Kreis sitzen oder ob ich eben in diesem alten Gestühl sitze. Und es ist im Unterschied zu anderen Kirchen sogar auch wiederum relativ frei wiederum, dass ja bis der Pastor kommt dann auch immer geschnackt wird und gelacht wird und getan. Während das ja in manchen Kirchen anderer Konfession nicht möglich ist. Da ist ja in dem Moment, wo man das Kirchengebäude betritt dann auch Stille, also insofern finde ich nicht, dass der Rahmen so streng ist“.

Für Pastor Bouman ist entscheidend, wie sich der Geist von Offenheit und Toleranz in der Praxis äußert. Und da sind die Remonstranten wegweisend: Sie haben z.B. in Holland schon vor vielen Jahren begonnen, homosexuelle Paare in aller Öffentlichkeit der Gemeinde kirchlich zu segnen:

„Das ist überhaupt kein Problem. Wir machen keinen Unterschied mehr. Schon lange. In Holland habe ich verschiedene Leute gesegnet, Hochzeit gemacht, ich bin auch ein bisschen stolz darauf, dass wir als erste Kirche überhaupt das gemacht haben. Es wurde nicht von allen Kirchen geliebt. Dennoch. Das ist etwas, was voll und ganz und ganz realisiert ist“.

Großzügig sein, ein Grundsatz der remonstrantischen Kirche. Er gilt auch für die Solidarität mit Menschen in Not, berichtet Franz Wauschkuhn:

„Heute war ja die Kollekte für die koptischen Christen in Ägypten, das sind ja Menschen, die heutzutage verfolgt werden. Man hat im Westen immer den Endruck, dass Ägypten ein tolerantes Land ist, in Ägypten ist die Scharia wieder eingeführt worden.  Wir versuchen mit ganzkleinen Mitteln, die wir hier zusammen kriegen, solchen Menschen zu helfen. Wir haben hier auch Kopten, die in unsere Gottesdienste kommen, also ein ganz konkretes Projekt“.

In Friedrichstadt sind heute mehrere Konfessionen vertreten. Die Gemeinde der Wiedertäufer, Mennoniten genannt, sowie Katholiken und Mitglieder der Dänischen Kirche. Am größten ist die Lutherische Gemeinde. Sie hat gute ökumenische Beziehungen auch zu den Remonstranten, selbst wenn es manchmal Probleme gibt, erklärt Pastor Michael Jordan.

„Ich bin 8 Jahre hier, und da gab es durchaus Eintritte bei den Remonstranten, da sage ich, OK,  die Leute bleiben wenigstens in der Kirche, obwohl sie dann die Konfession wechseln. Auf der anderen Seite tut es um jeden, der die evangelische, die lutherische Kirche und unsere Kirche verlässt. Ich sag mal von außen ist es für liberale Geister attraktiv, eine Kirche zu haben, die doch sehr humanistisch und offen orientiert ist, die keine Dogmen kennt. Und da gibt es sicherlich Attraktionen, weshalb man dann hinüber geht.
Allerdings ist die Lutherische Kirche heutzutage auch nicht eine Kirche, die das Dogma voran trägt und du hast es zu glauben, friss oder stirb. Also das ist ja einfach nicht mehr so“.

Lutheraner und Remonstranten treffen sich regelmäßig, z.B. zu Vorträgen und Diskussionen. Eine Gruppe hat sich kürzlich mit Lessings Theaterstück „Nathan der Weise“ befasst und angesichts der  aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen über Toleranz diskutiert. Wenn so viele Fundamentalisten heute die Intoleranz propagieren, wie sollen sich da die Remonstranten verhalten? Anke Richter Teubler:

„Meine Kritik an einem oberflächlichen Toleranzbegriff ist der, dass er völlig a- politisch und letztlich unmenschlich ist. Weil es der Toleranzbegriff ist, der das hohe Ideal der Achtung verrät, verkauft an eine Haltung, die wir alle immer kritisieren in allen Medien, nämlich die des Wegguckens, dann sind wir auch tolerant, nichts zu machen. Und das darf nicht sein. Also da werde ich scharf. Und jede Toleranz hat ihre Grenzen. Auch die aktive Toleranz, die sich wirklich um Verständnis um Auseinandersetzung und Dialog bemüht, auch die kommt irgendwann zwangsläufig an den Punkt: wo sie sagt. Stopp: Weiter mit mir nicht.  Keine Verhandlung mehr möglich, bewege du dich jetzt, auch das gehört zur Toleranz. Also Friede, Freude, Eierkuchen, das ist keine Toleranz, das ist eine ganz bescheuerte Beliebigkeit. Das heißt: Alle Menschen haben das gleiche Recht auf Respekt“.

Glocken, Dom in Utrecht

Die Glocken der mittelalterlichen Domkirche zu Utrecht in Holland, Erinnerungen an eine Zeit, als die Religion noch den Lebensrhythmus der Menschen bestimmte. Hier in Utrecht haben die Remonstranten in einem kleinen Grachtenhaus ihr zentrales Büro untergebracht.
Zur Kirche gehören in etwa 40 Gemeinden 10.000 Mitglieder und assoziierte Freunde. Angesichts einer zunehmenden Vorliebe für traditionelle und auch fundamentalistische Überzeugungen wollen sich die Remonstranten als freie, liberale Geister noch deutlicher behaupten: Sie halten nichts davon, die Kirche zu verklären oder gar mit einem Heiligenschein auszustatten, betont der Generalsekretär der Remonstranten, Pastor Tom Mikkers:

„Das Christentum hat sich die ersten 1500 Jahre in einem Institut, in der Kirche, und gesagt: Gott wohnt in diesem Institut. Dann kam die Reformation und hat gesagt: Er wohnt nicht im Institut Kirche, denn das  gibt zu viel Machtmissrauch, er wohnt jetzt in der in einem Buch, in der Bibel. Aber das ist nur eine Möglichkeit. Aber man soll das ein bisschen relativieren. Ich glaube, Jesus hat nie ein Buch geschrieben und nie eine Kirche gestiftet. Für mich ist das Zentrum von Glauben: Jesus war eine Gegenbewegung, also er war nicht konformistisch. Diese Gegenbewegung geht nicht über ein Buch, das geht nicht darüber, wer die Institution leiten soll. Und das alles organisiert. Das Institut Kirche ist nicht das Heilige einer Glaubensgemeinschaft“.

Heilig ist hingegen den Remonstranten das Gespräch, der Dialog, die Lernbereitschaft. Darum fördern sie in ihren eigenen Reihen das Interesse an anderen Religionen, erklärt der Remonstrant und Philosoph Wibren van der Burg:

„Wir sind davon bereichert worden, dass wir immer Leute von anderen Religionen innerhalb unserer Kirche haben. Und zum Beispiel gibt es auch Leute, die bei uns interessiert sind am Zenbuddhismus und Islam. Und auch Elemente davon mitnehmen. Zum Beispiel gibt es auch Leute bei uns, die jetzt den Ramadan mitfeiern. Sie lassen sich davon inspirieren, und sagen: Ja, das will ich auch mitmachen“.

Immer mehr Menschen interessieren sich für diese christlichen Freigeister. Viele tausend diskutieren auf der website dieser progressiven Kirche, eine erstaunliche Entwicklung, berichtet Pastor Tom Mikkers:

„Das Internet gibt uns die Möglichkeit, die Leute zu interessieren für die Remonstranten. Im letzten Jahr hat es Leute aus dem Ausland gegeben, die auch die Frage stellen: Können wir Remonstrant werden? Und dann sagen wir immer: Das ist möglich. Wenn Sie noch zehn oder fünf andere finden, dann kann so eine Gruppe beginnen. Und dann werden wir dazu helfen. Wir sagen immer. Paulus hatte ein Boot,  und wir haben das Internet“.

Auch wenn die Remonstranten Kirche nie eine Massenbewegung sein wird: Die Stimme einer freien, demokratischen Kirche ohne Dogmen wird das ökumenische Gespräch weiterhin bereichern …und provozieren.

Kommentar wurde abgehakt.

Die freisinnigen Christen und ihr Initiator: Arminius

Post date: Februar 18, 2010
Arminius: Initiator der Remonstranten

Arminius: Initiator der Remonstranten

Die Remonstranten erinnern an die Aktualität von Arminius

Am 19. Oktober 1609, vor 400 Jahren, starb der Initiator einer wichtigen freisinnigen Kirche, sie heißt Remonstranten bzw. Remonstrantische Bruderschaft. Sein Name: Arminius aus der niederländischen Stadt Leiden, er und seine Freunde legten die “remonstrance”, den Widerspruch, ein, als konservative und vielleicht fundamentalistisch orientierte Christen, Calvinisten, die absolute Vorherbestimmung des Lebens eines jeden Menschen als Lehre Jesu von Nazareth und der Bibel ausgeben wollten. Arminius und seine Gefährten legten allen Nachdruck auf die Freiheit des Menschen. Daraus erwuchs eine freie Glaubensgemeinschaft, die Remonstranten. Zuerst wurden sie in den Niederlanden noch verfolgt. Sie lesen die Bibel selbstverständlich historisch – kritisch, sie deuten auch die Glaubenslehren im historischen Kontext, sie empfehlen ihren Mitgliedern, selbst ein persönliches Glaubensbekenntnis zu schreiben und nicht alte Formeln, oft unverständlich, nachzusprechen. Heute sind die Remonstranten vor allem in Holland und in Friedrichstadt vertreten. Sie haben die niederländische Kultur, geprägt von Toleranz, entscheidend mitgeprägt. Auch der Kultursender VPRO ist von freisinnigem, remonstrantischen Geist geprägt.

Am Freitag 9. Oktober 2009 findet in Leiden eine internationale Historiker Konferenz über Arminius statt, am Samstag 10. Oktober in der Lokhorstkerk, Leiden, eine aktuelle Tagung zu den Remonstranten.  Ameldungen unter www.remonstranten.org.

Arminius verdient mindestens so viel Aufmerksamkeit wie Luther oder Calvin.

Eine Kirche, die anderen Asyl bietet: Die Remonstranten

Posted in Aktuelles
Post date: Februar 18, 2010

Die Remonstranten:

Eine Kirche der persönlichen Freiheit

Einige Passagen aus einem Interview mit Tom Mikkers (40), Generalsekretär der Remonstranten, einer protestantischen Kirche in Holland und Deutschland. Die Remonstranten sind eine kleine, progressive Kirche, Mitglied im Ökumenischen Rat der Kirchen.

Menschen suchen Entfaltung und Raum in der Kirche. Wir Remonstranten sind ein bisschen eine Asylkirche. D.h. Menschen, die eine Last empfinden angesichts einer dogmatischen oder „amtlichen“ Kirche, wollen bei uns über Themen nachdenken, bei denen andere Kirchen Schwierigkeiten haben, zum Beispiel Abtreibung, Euthanasie, Homosexualität. …Unsere Botschaft ist, dass wir stets gegenüber den anderen Kirchen vorausgegangen sind, etwa als es um die Zulassung der Frauen im Pfarramt ging oder die Ökumene. Die Heirat für gleichgeschlechtlich lebende  Menschen haben wir praktiziert, als der Staat in Holland noch gar nicht daran dachte. Wir pflegen das offene Abendmahl für alle, es gibt die Möglichkeit, „Freund der Remonstranten“  zu werden, dies ist eine einfache Form der Mitgliedschaft in der Kirche. Wir sind die erste Kirche, in der man über das Internet Mitglied werden kannst. Im Januar 2010 liegt in den Buchhandlungen eine Illustrierte aus über unseren Gründer Arminius und die Kirche heute, es ist die erste Illustrierte, die jemals eine Kirche in Holland produziert hat…

Ich bin in einer katholischen Familie groß geworden. Ich glaubte früher, der Dogmatismus in den Kirchen würde einmal enden. Heute glaube ich das nicht mehr. Wir Remonstranten sollen wie Jesus dagegen protestieren, religiöse Überzeugungen zu verabsolutieren. Jesus stellte ja auch kein Glaubensbekenntnis auf.

Ich habe auch mit dem in Holland sehr umstrittenen „atheistischen Pfarrer Klaas Hendrikse“ (Mitglied der Protestantischen Kirche der Niederlande) gesprochen…Das ist wichtig!  Es besteht die Notwendigkeit, in der Gesellschaft, über die Gottesfrage offen zu debattieren. Wir Remonstranten haben auch mit dem Filmregisseur Paul Verhoeven und dessen neues Buch über Jesus gesprochen, die Debatte war ein voller Erfolg. Verhoeven ist es geglückt, dass Menschen, die nicht mehr in die Kirche kommen, doch über Jesus sprechen. Die Kirche müssen diese Zeichen der Zeit ernst nehmen. Sie lassen hingegen heute die ganze „populäre Kultur“ links liegen. Auch Kabarettisten wie Karin Bloemen und Theo Maassen können eine Brücke sein zwischen Kirche und populärer Kultur. Sie sind vielleicht auch Prediger für unsere Zeit…

Entnommen dem Interview mit Tom Mikkers in der ökumenischen Zeitschrift VOLZIN vom 4. Sept. 2009, Seite 26 – 29. Übersetzt von Christian Modehn.

Remonstranten in Berlin – eine freisinnige Spiritualität

Posted in Aktuelles
Post date: Februar 18, 2010

Freisinnige Spiritualität

Remonstrantenforum in Berlin

Zum ersten Mal wurde in Berlin am Sonntag, den 10. Januar 2010, die freisinnige protestantische Kirche der Remonstranten vorgestellt. Sie hat genau vor 400 Jahren, am 14. Januar 1610, in Holland ihre Entwicklung begonnen mit der „Remonstrance“, dem Einspruch und Widerspruch gegen die dogmatische Behauptung, die Freiheit des Menschen sei nichts gegenüber der Allmacht Gottes. Glaube ist Freisein könnte das Motto sein. Damit wird die übertreibene Deutung der Erbsünde zurückgewiesen, wonach alle Menschen von der Geburt an Sünder sind und zum Guten gar nicht fähig sind. Diese negative Anthropologie  wird abgelehnt.

Im Mittelpunkt dieses „theologischen Salons“ in Berlin – Schöneberg mit 18 Teilnehmerinnen und Teilnehmern stand das Gespräch mit den Gästen aus Amsterdam, Margriet Dijkmans van Gunst und Dik Mook von der dortigen Remonstranten Gemeinde.

Besondere Aufmerksamkeit fand das Profil dieser Kirche, die sich humanistisch und christlich versteht. Humanistisch, weil sie den Lebenserfahrungen des einzelnen Mitglieds ihr volles Recht lässt und keine Vorschriften macht, was und wie der einzelne glauben soll. Diese Freiheit von autoritärer Einrede wurde von vielen TeilnehmerInnen als Überraschung und als sehr wohltuend empfunden. Gerade angesichts einer zunehmenden Verfestigung vieler Kirchen und Religionen in Dogmatismus und Fundamentalismus ist es wohltuend und befreiend zu sehen, dass es solch eine Kirche überhaupt gibt.  Überraschend auch der Bericht, dass in Gottesdiensten der Remonstranten auch spirituelle Texte, etwa aus Literatur oder Buddhismus eine inspirierende Rolle spielen. Interessant war es zu erfahren, dass die beiden Gäste aus der Gemeinde VRIJBURG in Amsterdam auch „Brunch – Gottesdienste“ vor allem für Jugendliche und jüngere Menschen gestalten. Dort steht die Auseinandersetzung mit Kunst im Mittepunkt einer Feier, bei der sich die TeilnehmerInnen um einen fein gedeckten Tisch gruppieren.

Die Remonstranten gehören zu den Gründungsmitgliedern des Ökumenischen Weltrates der Kirchen (Genf), für sie ist die Bibel ein inspirierendes Buch, das glaubende Menschen einst geschrieben haben. Also ein Text von und für Menschen. Von daher haben die Menschen heute die Freiheit, sich einer bestimmten Bibellektüre anzuschließen, etwa der feministischen oder der befreiungstheologischen, immer aber in kritischem Geist. Ein „wortwörtliches verstehen“ dieses alten Textes gläubiger Menschen kommt nicht in Frage. Hingegen werden Mitglieder eingeladen, ihr eigenes persönliches Glaubensbekenntnis aufzuschreiben. Die Remonstranten sehen in der hohen Einschätzung der Kompetenz eines jeden Menschen keinen „Subjektivismus“. Vielmehr stehen sie in bester biblischer Tradition, wo es immer um die ganz individuell geprägte „Gotteserfahrung“ eines jeden einzelnen geht. In der Gemeinde findet dann die Aussprache statt über die vielen verschiedenen Glaubensweisen und Gottesbilder, dabei gibt es keine „hierarchische Kontrolle“.

Diese Kirche hat die Ausgrenzung von Minderheiten überwunden und praktiziert z.B. seit mehr als 20 Jahren die Segnung homosexueller (Ehe) Paare.

Warum sind die Remonstranten nach wie vor interessant und hilfreich?

Natürlich gibt es in verschiedenen anderen Kirchen auch eine freisinnige Theologie und Praxis. Aber die „freisinnigen Mitglieder“ dieser Kirchen, etwa progressive Katholiken,  sind immer von Strafen und Einschränkungen orthodoxer Hierarchen bedroht.

In der Remonstranten Kirche hingegen hat eine Befreiung aus Angst und Repression stattgefunden: Die einzelnen Christen müssen nicht – wie Kirchenreformer in anderen Kirchen – permanent gegen die Wand von Vorschriften und Einschränkungen angehen. Das offene Abendmahl, also die Einladung an ALLE, ist z.B. für Remonstranten selbstverständlich. Die Probleme, die etwa im Umfeld des Ökumenischen Kirchentages in München 2010 noch diskutiert werden, ob Katholiken und Protestanten gemeinsam Abendmahl, Eucharistie feiern „dürfen“,  haben Remonstranten einfach nicht!

Die beiden Remonstranten aus Amsterdam wurden gefragt, was denn für sie besonders wichtig sei: „Es ist die Freiheit, die sich äußert in Verantwortung für sich selbst wie für die anderen“, sagte Dik Mook. „Für mich ist das Gespräch in der Remonstrantengemeinde mit Menschen unterschiedlicher Überzeugungen sehr inspirierend, darin zeigt sich die Vielfalt der Glaubensüberzeugungen, die wir einander zugestehen“ sagte Margriet Dijkmans van Gunst.

Leider, so haben viele Teilnehmer am Berliner Remonstranten Salon gemeint, haben nur wenige Menschen Zugang zur Remonstranten Kirche gefunden, die heute ca. 7000 Mitglieder und Freunde zählt. „Warum  erfährt man so wenig und so selten davon, dass es diese Kirche überhaupt gibt, die ja in der Ökumene einen festen Platz hat“, fragte ein Besucher. „Und warum weisen die Remonstranten außerhalb Hollands so wenig auf ihre Kirche hin?“

In Berlin wird ein

„Forum Freisinnige Spiritualität – Remonstranten in Berlin“ vorbereitet.

Vorläufige Informationen dazu über

www.remonstranten.org (die Seite in deutscher Sprache anklicken, symbolisiert durch die Flagge)

oder:

www. religionsphilosophischer-salon.de   (dort die Seiten über Freisinnige Kirchen)

Solidarisch mit den Menschen in Haiti – Eine Perspektive der Remonstranten

Posted in Aktuelles
Post date: Februar 18, 2010

Eine Perspektive der Remonstranten Kirche zum Erdbeben in Haiti

Die Katastrophe in Haiti sprengt jegliche Vorstellungskraft.

Bei dem Erdbeben in Haiti sind viele tausend Menschen umgekommen, viele leben am Rande der Verzweiflung. Die internationale Hilfe läuft langsam an. Unsere Solidarität und unser Mitgefühl gelten den Leidenden dort.

Die Remonstranten haben bereits zu Spenden aufgefordert für das niederländische ökumenische Hilfswerk KERK in ACTIE, Kirche in Aktion.  Bei einer Feierstunde anlässlich unseres Kirchenjubiläums am 14. Januar in Utrecht haben wir erneut zur Solidarität aufgefordert, auch per SMS war Spenden möglich.

Wir wissen, dass Geld in dem Zusammenhang wichtig ist; genauso wichtig ist aber auch die gründliche Information über die Menschen dort, ihre Situation, ihre Sorge um eine bessere Zukunft.

Die Remonstranten als „humanistische christliche Glaubensgemeinschaft“ fragen allerdings, ob jetzt biblische Bilder und Symbole wie „Apokalypse“ oder „Hölle“  die Erdbebenkatastrophe erklären können. Wir fragen, welchen Sinn es macht, wenn jetzt fundamentalistische Prediger von „Strafe Gottes“ sprechen, nur weil die Menschen dort eine andere, Europäern und US – Amerikaner vielleicht befremdliche Religion pflegen, den Voudou. Toleranz und Respekt vor der Religion dieser Menschen ist die Basis.

Die Remonstranten fragen, wie konnte es soweit kommen, dass in Haiti keine Infrastruktur vorhanden ist, keine Straßen, keine sicheren Kliniken usw. Sie fragen, warum dieses Land –auch in der internationalen Aufmerksamkeit bisher – so vernachlässigt wurde.

Die „strukturelle Katastrophe“ bestand also schon vor dem Erdbebeben.

Gibt es nun die Chance, ein neues, gerechtes, demokratische Haiti aufzubauen?

Die Remonstranten werden die verzweifelten Menschen dort nicht vergessen und weiter über sie informieren.

Preis für “Emanzipation der Homosexuellen”: Remonstranten werden geehrt

Posted in Aktuelles
Post date: Februar 18, 2010

In Holland wurde am 24. Januar 2010 der bekannte “Bob Angelo Preis” für Verdienste um die Emanzipation der Homosexuellen verliehen. Preisträger sind der TV Moderator Arie Boomsma  UND die Remonstranten KIRCHE. Eine auch für Holland durchaus sensationelle Entscheidung, denn Kirchen im allgemeinen erfreuen sich unter Homosexuellen angesichts repressiver Haltungen einiger “Großkirchen” nicht des besten Rufes!  Anders sind die Remonstranten: Sie werden für einen Einsatz zugunsten homosexueller Menschen geehrt. Seit 1987, also noch bevor einige demokratische Staaten die rechtliche Anerkennung homosexueller Paare diskutierten und beschlossen,  bietet die Remonstranten Kirche schwulen und lesbischen Paaren den kirchlichen Segen an, egal, ob sie Mitglieder dieser Kirche sind oder nicht. Inzwischen sind einige andere Kirchen weltweit dieser Praxis gefolgt. Bei einigen Kirchen, wie den Anglikanern oder Lutheraner, führte diese Praxis der vollständigen Akzeptanz homosexueller Menschen zu heftigen Diskussionen, wenn nicht zur Kirchenspaltung. Nicht so bei den Remonstranten. “Bei uns ist die Segnung der Ehen von Homosexuellen ganz normal, da haben wir gar kein Problem”, heißt es in Kreisen der Remonstranten. Der Preis ist benannt nach dem ersten Vorsitzenden der “homosexuellen Befreiungsbewegung COC”, Niek Engelschman alias Bob Angelo.

Geschichte

Posted in Geschichte
Post date: Februar 15, 2010

..
.
.
.
.
.

Aktuelles. Nächstes Treffen

Posted in Aktuelles
Post date: Februar 8, 2010

Das nächste Treffen des “Forum der Remonstranten” findet am Sonntag, den 9. Mai 2010 um 15 Uhr statt. Ort: Das Café KIEZ OASE in Schöneberg. Das Thema des (meditativen) Gesprächs: Was ist Glauben, was ist Unglauben. Und: Was bedeutet das neue Glaubensbekenntnis der Remonstranten? Im Austausch können wir vielleicht einander “neue Quellen erschließen”. Denn dieses Glaubensbekenntnis ist eine Einladung zum Nachdenken, zur Selbstfindung, keine “Lehre”, die “einem” vorgesetzt wird…
Das ist auch vielleicht “typisch” remonstrantisch, dass als Treffpunkte natürlich nicht nur Kirchengebäude in Frage kommen. Im Gegenteil: Die remonstrantische Theologin Christiane Berckvens Stevelinck (Amsterdam) plädiert ausdrücklich für kleine Glaubensgemeinschaften, Hauskreise, Wohnungen, Salons… Interessenten bitte anmelden wegen weiterer Informationen. christian.modehn@berlin.de