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Religion und Literatur in den Niederlanden. Ein Beitrag von Prof. Johan Goud

Posted in Aktuelles, Bücher
Post date: Oktober 19, 2016

Religion und Literatur in Holland. Ein Beitrag von Prof. Johan Goud

Die Buchmesse in Frankfurt am Main hat in diesem Jahr die Literatur in den Niederlanden und in Flandern gewissermaßen zum Schwerpunkt gewählt. Was Religionen und Kirchen betrifft, haben die Niederlande nicht gerade den Ruf, ausgesprochen kirchengebunden und gläubig zu sein. Statistisch gesehen gilt Holland als eines der am meisten säkularisierten Länder Europas, wenn man das denn statistisch überhaupt erfassen kann. Wer schaut schon die Seele der Menschen?  Die religiöse Frage hat sich aber in ihrer ganzen Vielfalt nur verlagert, etwa auch in die Literatur und die Poesie. Ein Beitrag der Zeitschrift PUBLIK-FORUM bietet eine gute Übersicht zur Pluralität des Religiösen in der heutigen niederländischen Literatur. Autor ist Prof. em. Johan Goud, Den Haag, Theologe, Philosoph und Pastor der Remonstranten-Kirche. Den Beitrag können Sie in PUBLIK-FORUM lesen, wenn Sie hier klicken.

Zu Publik-Forum: www.publik-forum.de

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Meine Biografie – meine Theologie. Hinweise zum Religionsphilosophischen Salon am 27. 11. 2015

Post date: November 29, 2015

 

Meine Biografie – meine Theologie. Hinweise zum Religionsphilosophischen Salon

am 27. 11. 2015

Von Christian Modehn

Wir danken Prof. Johan Goud aus Den Haag, dass er uns mit seinen Beiträgen im Salon am 27.11.2015 zu Einsichten und zu weiteren wichtigen Fragen geführt hat. Diese werden hier mitgeteilt.

Das Thema des Abends (mit 26 TeilnehmerInnen) „Autobiografie und Theologie“ wird uns auch im nächsten Jahr weiter beschäftigen.

Es ist für mich als Veranstalter des Religionsphilosophischen Salons Berlin interessant zu sehen, wie stark das Interesse an dem Thema ist. Wir mussten etliche Interessierte leider wegen Platzmangel abweisen. Zugleich wird dabei deutlich, wie in Zeiten der Krise, wie jetzt, der Wunsch wächst, sich über Grundlegendes auszutauschen. Dies sollte in kleinen, überschaubaren Kreisen geschehen, eben in philosophischen Salons.

Zum Salon am 27. 11. 2015 selbst:

Es geht um eine Erkenntnis, die viele ahnen, spüren, aber selten auszusprechen wagen: Als Ausgangspunkt und Quelle der Inspiration von Theologien und auch Philosophien gilt das eigene Leben. Nicht das abstrakte, neutrale, a-historische Ich, befreit von allen Bindungen an Geschichte und Kultur. Sondern das Individuum, die Person, geprägt in einer religiösen oder eben auch einer nicht-religiösen Welt, die sich mit der Frage befasst: „Wer bin ich, wo will ich hin, was ist mir entscheidend wichtig, was ist für mich ein gutes Leben, was will ich in der Gesellschaft sein?“ usw. Wer diesen Fragen nicht ausweicht, kommt oft dazu, seine Autobiografie zu schreiben. Das kann auch „nicht-professionell“ geschehen. Man muss nicht den Ansprüchen der großen „Confessiones“ eines Augustin oder Rousseau nacheifern.

Autobiografie kann in Fragmenten geschehen, oft nur in Gedanken und Meditationen, am besten aber doch in schriftlicher Form. Und dann kommt immer wieder später der Rückblick auf mein Leben, dann zeigen sich in wachsendem Abstand neue Erkenntnisse, dann wird weiter geschrieben, immer im Verzicht auf Banales, Nebensächliches, sondern im Blick auf Entscheidendes, Prägendes, Sinnstiftendes. „Was lässt mich leben?“

Diese Fragen nach der Autobiografie sind keineswegs Ausdruck eines egozentrischen Denkens. Sie sind Ausdruck dafür, dass ich mich – in Gemeinschaft mit anderen – wichtig nehmen soll. Es geht ja um mein Leben, um die Gestaltung (m)eines guten Lebens. Darin wird das angezielt und vielleicht erlebt, was man klassisch-theologisch „Erlösung“ nennen könnte.

Um den Grund der Theologie in meinem eigenen Leben zu erkennen und wahr- zu nehmen, gibt es wohl eine spezifische praktische Einstellung, als Bedingung der Möglichkeit der Wahrnehmung: Dies ist etwa die Praxis der Ruhe, der Gelassenheit. Offenbar zeigt sich dieser gründende Sinn, den manche göttlich nennen, nur, wenn er sich mir schenkt, mich überrascht, als eine Gabe für mich. Welche Rolle spielt dann noch das eigene Aktivsein? Hat Suchen den Anspruch, Wesentliches zu finden? Ist also eine gewisse „passive“ Haltung die Voraussetzung für das Wahrnehmen des „Göttlichen“ in meinem Leben? Auch darüber wurde in unserem Salon gesprochen. Welche Rolle spielen Texte der Poesie, spielt die Musik, die Kunst, wenn ich nach Vertiefung oder Erweiterung meiner eigenen Erfahrungen suche? Wenn ich die Zeugnisse der Kunst usw. wichtig nehme, weil sie ja auch Ausdruck des Lebens sind: Dann entsteht die Frage: Warum werden sie so selten in der religiösen, christlichen Praxis als Quelle wahrgenommen? Warum gibt es weithin diese starre Fixiertheit ausschließlich auf biblische Texte im christlichen Raum, etwa auch in den offiziellen „Gottesdiensten“? Entspricht diese enge Haltung überhaupt noch der „religiösen Globalisierung“ heute? Gott und das Göttliche zeigen sich in der Vielfalt. Aber gibt es ein Kriterium für die Auswahl hilfreicher oder eher verstörender Texte? Kann dieses Kriterium nur ein bestimmtes Verständnis der Bibel sein? Oder auch die selbstkritische Vernunft?

Noch einmal: Die zentrale These, an diesem Abend ausgesprochen, über die weiteres gemeinsames Nachdenken lohnt:

Nur aus der eigenen Biografie wächst der eigene Glaube bzw. die eigene Ablehnung eines religiösen Glaubens. Nur unter dieser Voraussetzung wird „authentische“ Theologie bzw. A-Theologie möglich.

Dann muss die klassische Theologie befragt werden: Ist die abstrakte Gegenüberstellung von Theologie und A-Theologie, von Glaube und Nicht-Glaube, tatsächlich ein wahrer Gedanke, der die gemeinte „Sache“ trifft? Wird da nicht viel zu objekthaft von dem Göttlichen bzw. dem Nichtgöttlichen gesprochen, so, als würde man von vorhandenen Gegenständen reden und mit diesen vergleichend hantieren und gedanklich „probieren“. Die Beschreibungen der positiven Wesenseigenschaften gelten ja nicht Gott als Gott, sondern sie sind Aufforderungen an uns, sozusagen göttliche Eigenschaften zu leben, selbst barmherzig zu sein, Frieden zu stiften, Gerechtigkeit zu praktizieren. Die literarisch bezeugten negativen Eigenschaften Gottes (Rache, Gewalt gegen anders usw.) sind nur historisch zu verstehende Bilder einer noch eher unreif lebenden religiösen Gemeinde, die sich als schwache Gemeinde aufwerten muss, indem sie Andersdenkende – auf Gottes Befehl angeblich – ausschaltet.

Wichtig ist die Erkenntnis: Nicht die Frage: „Gott oder Atheismus? „ist entscheidend, sondern die Art, wie ich, wie wir, als Mensch(en), leben in der Welt: Ist es Liebe und Solidarität, ist es Hass und Diffamierung? Ist die Sehnsucht nach Schönheit wichtiger als die destruktiven Kräfte? Die Antwort ist für jeden vernünftigen Menschen klar. Gibt es also eine neue Ökumene derer, die Liebe und Gerechtigkeit als die oberste Norm ansehen? Dabei ist es diesen Menschen eher zweitrangig, ob sie sich das eigene Leben mit oder ohne Gott begründen.

Sollte es also eine neue Ökumene der Menschen geben, derer, die das Menschliche über alles schätzen, also humanistisch leben? Dabei ist klar, dass es kulturell unendlich viele Ausdrucksformen des Humanismus gibt und geben muss. Aber diese Vielfalt ist immer auch Humanismus, es gibt etwas Universal-Menschliches, es gibt also bei aller Vielfalt einen gemeinsamen „Nenner“ des gemeinsamen „Humanums“. Wären hier Projekte geboten, angesichts des Terrors? Vielleicht gerade als prophylaktische Aufgabe aller Humanisten, Fundamentalismus und anderen Wahn argumentativ zu besprechen und dadurch stark einzuschränken. Dass dies ohne eine Politik, auch Sozialpolitik, des Respekts nicht gelingen wird, ist auch klar.

Mit anderen Worten: Der Humanismus als die sich stets erneuernde und wandelnde Lebens-Philosophie ist die Basis für alle Menschen. Religiöse oder nicht-religiöse Lebensdeutungen und Dogmen gehören an die zweite Stelle! Diese Überzeugung dient dem Frieden, zumal dann die Religionen durch den Geist eines sich stets reformierenden Humanismus sich selbst weiter reformieren, also etwa alle Gewalttexte eigener religiöser Traditionen wissenschaftlich verstehen, aber dann eben existentiell und praktisch beiseite legen.

Wo sind die Räume für einen Austausch solcher Erfahrungen? Das bloße Nachsprechen von vorgefertigten alten traditionellen Lehren, Dogmen usw. ist da wenig hilfreich und führt eher zur Begrenzung der eigenen spirituellen Lebendigkeit.

Diese wenigen, nur skizzenhaften Fragen, die hier notiert wurden, zeigen, welche weiteren Dimensionen der Diskussion sich im Laufe des Abends eröffneten, dank der Vorschläge und Beiträge auch von Prof. Johan Goud.   Sein neuestes Buch in niederländischer Sprache hat den Titel „Onbevangen“. Es ist im Verlag Meinema in Zoetermeer, NL, erschienen. 127 Seiten. 15 Euro. ISBN: 978 90 2114386 6

 

Copyright: Christian Modehn

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Religionsstress – ein heilbares Leiden. Zu einem neuen Buch von Tom Mikkers

Post date: September 11, 2012

Religionsstress – ein heilbares Leiden

Zu einem neuen Buch von Tom Mikkers

Von Christian Modehn       (PS: inzwischen ist das Wort “Religionsstress”  offiziell zum Wort des Monats in den Niederlanden erklärt worden. Siehe auch Woord van de maand.)

Immer weniger (jüngere) Menschen in Europa sind noch mit  Kirchen und Religionsgemeinschaften verbunden. Aber die religiösen Institutionen und Verwaltungsapparate, mit ihren dogmatischen Lehren und zum Teil rigiden moralischen Weisungen, versuchen, die öffentlichen Debatten zu prägen und das Leben der einzelnen zu bestimmen. Das verursacht negativen Stress, Spannungen, seelischen Druck und Belastungen. Offenbar können sich viele aufgeklärte oder kirchendistanzierte Menschen doch nicht von den tradierten alten Gottesbildern lösen; sie können sich nicht von autoritärer Einrede durch kirchliche Institutionen freimachen. Hingegen könnte ein kritisch reflektiertes, eher an der Gestalt Jesu von Nazareth inspiriertes Gottesbild von religiösem Stress (und Leiden) befreien.

Das ist der Ausgangspunkt des neuen Buches von Tom Mikkers. Er ist „Allgemeiner Sekretär“ der „Remonstranten Kirche“ in den Niederlanden, einer gleichermaßen humanistisch wie christlich geprägten freisinnigen Kirche, die ihren Sitz in Utrecht hat.  Mikkers`Buch „Religiestress“ (Religionsstress) ist im September 2012 im Verlag Meinema in Zoetermeer erschienen, es hat 140 Seiten und kostet 14,90 Euro.

Das neue Buch von Tom Mikkers (kürzlich ist auch sein Buch „Coming Out Churches“ in Holland veröffentlicht worden) erinnert vor allem an die Situation in den Niederlanden: Dort haben evangelikale Kreise ihr eigenes TV Programm, das sie mit traditioneller Glaubenslehre „füttern“. Auch die zahlenmäßig kleiner werdende römische Kirche in Holland versucht in ihren Medien lautstark die rechte, die orthodoxe Lehre zu verbreiten, z.B. mit allen bekannten Abweisungen von nun einmal auch sexuell geprägter Liebe unter Homosexuellen oder der Zurückweisung wiederverheiratet Geschiedener von der Kommunion. Rigide Regeln verdunkeln und “vergiften” (F. Nietzsche) das Bild eigentlich menschenfreundlicher Glaubensgemeinschaften. Tom Mikkers wehrt sich gegen den Gedanken,  Religionen würden prinzipiell seelische Belastungen und Irritationen fördern. Nebenbei: Auch atheistische Glaubensgemeinschaften können in ihrer „Anti – Dogmatik“ Stress und Anspannung erzeugen.

Der Autor hält ein menschliches Christentum für möglich, wenn sich denn die Glaubenden befreien von magischen Vorstellungen. Die Menschen haben die Möglichkeit, selbst kraft ihrer Vernunft eine bessere Welt zu schaffen. Sie sollten die Unterscheidung lernen: Welche Religionen schaden der menschlichen Entwicklung, welche sind hilfreich und fördern das seelische Gleichgewicht? (Seite 112). Religion ohne Stress beginnt damit, die so genannten Heiligen Texte der Religionen, etwa die Bibel, als Ausdruck des religiösen Bewusstseins früherer Generationen zu lesen, also historisch – kritisch, befreit von magischen Vorstellungen, die ja ein eigenes Belastungspotential in sich bergen.  Stressfrei religiös: Das meint ein Leben, das sich aufgeklärt religiös versteht, das sich den Sinn für das göttliche Geheimnis in jedem Dasein bewahrt und deswegen alles „klein karierte“ obsolete  moralische Besserwissen der Institutionen zurückweist. Religion birgt grundsätzlich so viel Weisheit, dass man sie nicht den Herren des Dogmas überlassen darf. Das Buch „Religiestress“ belebt die Debatte um menschenfreundliche Kirchen (biophil, im Sinne des Therapeuten Erich Fromm), in dem festen Willen, die lebensfeindlichen, also negativen Stress und Leiden verursachenden Glaubensformen zurückzuweisen (nekrophil im Sinne Erich Fromms). Das ist ein großes Projekt…Immerhin gibt es Orte innerhalb der Christenheit, wo sich der Glaube gleichermaßen humanistisch wie jesuanisch – christlich versteht. Freisinnige Kirchen, wie etwa die Remonstranten, haben eigentlich einen hilfreichen Vorschlag gegen zuviel „Religiestress“.

Der Autor dieses Beitrags fragt sich nur, warum sich so viele Menschen in dieser insgesamt äußerst stressgeladenen Gesellschaft (Rassismus, Kriege, Korruption, Probleme in der Entwicklung von Demokratien, Fundamentalismus, Gewalt usw.) immer noch an Stress erzeugende Religionen binden und sich kaum für humanistisch  – christliche Alternativen interessieren. Ist die allgemeine religiöse Verblendung immer noch so groß, dass es förmlich eine (masochistische?) Freude ist, in eigentlich doch aufgeklärten Zeiten betont fundamentalistisch – stressig religiös zu leben?

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Neue Bücher von Remonstranten, Sommer 2012

Posted in Bücher, Geschichte
Post date: Juli 28, 2012

 

Neue Bücher  … und: Ein Umzug nach Amsterdam

Remonstranten Theologen haben wieder interessante Bücher publiziert, sicher ein Zeichen für die theologische Kreativität dieser ungewöhnlichen Kirche: Sie ist protestantisch und freisinnig, d.h. sie nimmt also entschieden Abstand von allgemein verpflichtenden dogmatischen Lehren;  sie zählt ca. 5.000 Mitglieder und Freunde.

Das Buch von Dr.Antje v.d Hoek  (und anderen) mit dem Titel „Islam, Populismus und die kirchliche Antwort“ ist als Diskussionsgrundlage gedacht für das Jahresthema der Remonstranten 2012- 2013. „Toleranz im =global village=“.

Dabei sollen u.a. die Fragen diskutiert werden: Was ist der Beitrag der Remonstranten als einer freisinnigen Kirche, die stark auf die Entwicklung der Individualität (und des Individualismus ?) setzt zum zunehmenden Populismus und der Präsenz des Islam in Europa/Holland. Können, sollen, die zentralen Begriffe von Toleranz und Freiheit neu bestimmt werden? Das Buch erscheint:  „Uitgave Remonstrantse Broederschap – im Juni 2012“.

Auf unserer Websitewurde  schon häufig erwähnt die Theologin Christiane Berkvens – Stevelinck. Sie hat ein neues Buch publiziert: „Erfenis Europa. Toekomst van een stervende zwaan“.  Skandalon –Verlag, 2012. Preis 19,50. ISBN  978 94 90708 44 3. Die Kulturwissenschaftlerin (bis vor kurzem lehrte sie an der Universität Nijmegen) plädiert für Europas Kraft und Phantasie gerade auch in Krisenzeiten.

Auch Joost Röselaers (Pastor in Amsterdam)  hat (zusammen mit dem Politologen Fennand van Dijk) ein neues Buch herausgegeben. Es hat den Titel „Het vrije woord. religie en politiek in domineesland“ (Das freie Wort. Religion und Politik im Pastorenland). Ein Buch, das Pastoren zu Wort kommen lässt, die in der Politik aktiv sind; Publizisten der großen Medien kommentieren diese Beiträge, sie werden die „neuen Pastoren“ genannt. Erschienen ist das Buch im Verlag Meinema, 192 Seiten, ISBN: 9789021143019.

Ein Umzug nach Amsterdam

Die Ausbildung der künftigen PastorInnen und Prediger der Remonstranten folgt auf weiten Strecken der Universitätsausbildung reformierter Theologen, aber einige besondere Traditionen und spirituelle Schwerpunkte der Remonstranten müssen doch eigens dargestellt und erforscht werden. Seit der Frühzeit der Remonstranten Kirche (also von 1634 bis 1873) befand sich dieses „Remonstranten Seminar“ in Amsterdam, danach fand die Ausbildung an der Universität Leiden statt. Jetzt hat die „Allgemeine Versammlung“ der Remonstranten beschlossen, wegen der Auflösung der Theologischen Fakultät in Leiden, das Seminar wieder in Amsterdam zu eröffnen, in enger Zusammenarbeit mit der Vrije Universiteit dort, die über eine große theologische bzw. religionswissenschaftliche Fakultät verfügt.

In Leiden lehrte bis seiner Pensionierung Prof. Th. Marius van Leeuwen. In Amsterdam werden als Dozenten tätig sein: Dr. Christa Anbeek, Dozentin u.a. in Utrecht (systematische Theologie) und Dr. Tjaard Barnard, Pastor in Rotterdam ( vor allem für praktische Theologie), er wird auch der Rektor des Seminars sein.

Dieser Beitrag wurde von Christian Modehn im Juni 2012 verfasst.

 

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Neue Bücher der Remonstranten im Herbst 2011: Das “Hier und Jetzt” ist nicht das ganze Leben: Und: “Coming Out Churches”

Post date: September 30, 2011

Das Hier und Jetzt ist nicht alles: Warum Christen die Zukunft wieder ernst nehmen sollen… .und warum Homosexuelle in Kirchen selbstverständlich willkommen sind…

Von Christian Modehn

In Deutschland beginnt am 12. Oktober in FRANKFURT die Internationale Buchmesse, bei der selbstverständlich auch niederländische Verlage ihre Neuerscheinungen vorstellen. Auch wenn es bis jetzt noch (leider) keine Bücher von Remonstranten in deutscher Sprache gibt: Wir freuen uns, dass gleich zwei wichtige Bücher von niederländischen Remonstranten zur Buchmesse erscheinen:

Der Theologe und Rotterdamer Remonstranten Pastor Koen Holtzapffel veröffentlicht ein Essay über mögliche Beziehungen der Menschen zur Zukunft, der eigenen, persönlichen Zukunft wie der Zukunft der Menschheit. Der durchaus provozierende Titel des Buches, erschienen in dem angesehenen Meinema Verlag,  ist: „Alleen de hond leeft in het hier en nu“, „Nur der Hund lebt im Hier und Jetzt“.

Auch wenn Holland als „säkularisiert“ und „unkirchlich“ gilt, die Statistiken sprechen ja eine deutliche Sprache, so ist doch das Interesse an Esoterik  und spiritueller „Selbsthilfe“ ungebrochen. „Stopp die Zeit, lebe nur im Hier und Jetzt“, heißt die Empfehlung mancher „Gurus“. D.h: Genieße das Leben. Carpe Diem. Auf der anderen Seite melden sich so genannte Zukunftspropheten zu Wort, die „Millenaristen“, die das Ende der Welt gekommen sehen.

In diesem Kontext bewegen sich die Überlegungen von Koen Holtzapffel. Er hat kürzlich eine theologische Dissertation eingereicht zum Thema „Eschatologie“, also zur Frage, was bedeutet das Ende der Welt? Aber diese Frage wird bei ihm auf die spezielle Theologie der Freisinnigen Christen bezogen. Der Autor sieht, dass die Kirchen immer mehr auf die These eingehen, um nicht zu sagen „reinfallen“, am wichtigsten sei das Hier und Jetzt;  dabei wird der Ausblick in die weite (und bessere) Zukunft der Menschheit ausgeblendet. Der Autor kritisiert  zu recht, dass Erwartung und Hoffen nicht die zentrale Rolle im Glauben heute spielen. Es bildet sich eine Art Wohlfühlreligion im Heute ohne die Leidenschaft, die negative Seite des Hier und Jetzt zu überwinden. Der Rotterdamer Theologe fragt: Warum ist die christliche Hoffnung, die ja Veränderung will, nicht mehr so zentral?

Der Autor unterscheidet zwischen selbst gemachten Zukunfts – Idealen und Utopien und den in einer Einsicht geschenkten Visionen und Träumen. Utopien können gefährlich sein, wenn sie unmittelbar praktisch umgesetzt werden, Visionen sind eher Poesie, eher sanft, aber sehr wirksam als kommunikatives Geschehen.

Der katholische Historiker und Remonstrant Peter Nissen, Nijmegen, nennt dieses Buch „gebildet, ausgewogen und sehr belesen“. Seinem Wunsch schließen wir uns an: „Ich wünsche dem Buch viele Leser, es hat es verdient“.

Auf andere Art mit einer besseren Zukunft befasst sich das von Tom Mikkers angeregte und herausgegebene Buch „Coming Out churches“, so der Titel des in Holland veröffentlichten Buches. Auf Deutsch etwa: Kirchen, die das homosexuelle Coming Out normal finden und unterstützen…

Tom Mikkers ist Allgemeiner Sekretär der Remonstranten, diese Kirche war weltweit die erste, die 1986 homosexuelle Paare kirchlich – gleich welcher Konfession – segnete. Er hat verschiedene  Interviews zum Thema gemacht, sie handeln vom Eintreten für Emanzipation und Freiheit, sie zeigen, dass es Kirchen gibt, die ihrem Namen „christlich“ gerecht werden und natürlich Homosexuelle willkommen heißen. Das Thema ist selbst in Holland noch umstritten, dennoch gibt es dort mehr „coming out churches“ als in Deutschland, also Gemeinden, wo sich homosexuelle Christen als solche angenommen fühlen und sich nicht noch entschuldigen müssen, dass sie schwul oder lesbisch sind.

Das neue Buch von Tom Mikkers ist ein schönes Zeugnis für die offene, nicht nur tolerante, sondern Homosexuelle respektierende Haltung der Remonstranten und anderer Kirchengemeinden.

Das Buch wird am 9. Oktober in der Amsterdamer Remonstranten Kirche präsentiert, dabei sind u.a. Vertreter des COC, des niederländischen Vereins zur Emanzipation Homosexueller.

Auch das Buch „Coming Out Churches“ ist bei Meinema erschienen, es hat 116 Seiten und kostet 14,90 Euro.

……..

Beide Bücher passen gut zum Jahresthema 2011/ 2012, das die Gespräche der Remonstranten und ihrer FreundInnen inspirieren kann: Dein Reich Komme, eine Bitte, ein Wunsch, eine Utopie, die im Vater Unser schon formuliert ist, das Wort „Reich“  ist ein Symbol für eine Welt, in der Friede und Gerechtigkeit herrschen, modern übersetzt: In dem die immer weiter zu entwickelnden Menschenrechte oberste Prinzipien der Politik, der Wirtschaft, des individuellen Lebens sind.

 

 

Buchbesprechung “Coming out churches”

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Post date: September 30, 2011

Alte religiöse Lieder mit neuen Texten

Posted in Aktuelles, Bücher
Post date: Dezember 2, 2010

„Licht“ – alte religiöse Lieder mit neuen Texten

Die Zeit der frommen Floskeln ist vorbei

Von Christian Modehn

Die in den Niederlanden hoch geschätzte Dichterin, Autorin und Übersetzerin Coot van Doesburgh hat sich auf Einladung der Remonstranten Kirche auf ein nicht nur für Holland wegweisendes Projekt eingelassen: Sie hat zu alten, auch vertrauten religiösen Liedern („Kirchenliedern“)  neue, zeitgemäße und poetische Texte geschrieben. So können die alten, noch immer beliebten Melodien weiterhin voller Begeisterung gesungen werden, in Gruppen und Gemeinden, ohne dass jemand wegen der uralten, sprachlich auch kaum noch zumutbaren und „vergangenen“ Floskeln und Bilder doch lieber den Mund hält.

Ende November 2010 wurde das Liedbuch mit dem Titel LICHT in Holland vorgestellt. Die Autorin hat für 100 Lieder neue Texte geschrieben, die das Lebensgefühl des modernen Menschen treffen. Warum soll man sich denn auch sprachlich und gedanklich ans 17. Jahrhundert binden, wenn man alte und schöne Melodien singen will?

Ein entscheidender Schritt ist getan, ein Schritt der Verständigung zwischen musikalischer Tradition und moderner Lebenswelt. Selbstverständlich will die Remonstranten Kirche einige Lieder auch in ihren Gottesdiensten singen. Der Name des Buches LICHT ist ja bezeichnend für diese freisinnige Kirche. Man könnte LICHT geradezu als ein entscheidendes Symbol dieser Kirche bezeichnen, geht es ihr auch um „Lumières“, um Licht im Sinne der Aufklärung, um die selbstverständliche Geltung der Vernunft auch in der Kirche, auch in den Liedern. Natürlich wird bei diesem Projekt die Poesie gerade nicht abgeschafft, aber sie wird mit dem Erleben der heutigen Menschen verbunden. „Coot van Doesburgh hat mit ihren neuen Texten ein Wunder vollbracht, alte Gesänge haben durch ihre Worte ein neues Leben erhalten, zeitlose menschliche Gefühle hat sie in die Sprache von heute übertragen. Ich fühle das Verlangen, diese Lieder mit voller Brust gern mitzusingen, denn sie sind schön geworden, so klar, sie anrührend in ihrer Einfachheit“, schreibt der landesweit bekannte und (königlich) geehrte Schauspieler und Kabarettist Paul van Vliet.

Die Remonstranten Kirche hat sicher einen weiteren Beitrag geleistet, „modern“ und „christlich“ zusammenzuführen. Das beachtliche Medienecho in Holland zeigt, dass das „LICHT“ in dieser Weise sozusagen „fällig“ war.   Dem Buch ist auch eine CD beigelegt. Das Projekt „LICHT“ wurde inszeniert von Tom Mikkers, dem Allgemeinen Sekretär der Remonstranten Kirche. Man darf gespannt sein, ob LICHT auch in Deutschland zu ähnlichen Projekten inspiriert, um schöne alte Melodien vom uralten Staub der uralten Texte zu befreien. Warum gibt es eigentlich so wenige Übersetzungen wichtiger niederländischer Bücher aus den Bereichen Religionen ins Deutsche, eine Frage, die wir schon vor kurzem bei der Veröffentlichung des großartigen „Catechismus van de compassie“ stellten. Wir haben das Buch auf der Website www.remonstranten-berlin.de vorgestellt.

LICHT. C. van Doesburgh,  Uitgerverij Boekencentrum 2010

ISBN: 9789023967361

Paperback, 126 Seiten., € 12,50

1933: Protest gegen die Entwicklungen in Deutschland

Posted in Bücher, Geschichte
Post date: November 16, 2010

Kritisch schon 1933

„Es gibt um 1930 eine stets kritische Dimension in der Remonstranten Kirche. Der Universitätsprofessor G.J. Heering (1879 – 1956)  war z.B. ein heftiger Verfechter  des Antimilitarismus. Die Remonstranten waren die einzige Kirche in den Niederlanden, die 1933 ausdrücklich warnten vor den Entwicklungen in Deutschland. Sie protestierten gegen das Unrecht, das den Juden, den Pazifisten und Sozialisten angetan wurde. Heering hatte als „Mann mit Autorität“ eine wichtige Stimme“.

Ein Zitat aus dem Buch „58 Milljonen Nederlanders en hun Kerken“, erschienen in Zusammenarbeit mit dem Fernsehsender NOS, Verlag Amsterdam Boek, 1979. 127 Seiten. Dort wird auf Seite 103 auch über das Verhalten der Remonstranten nach dem Jahr 1933 berichtet

Viel Licht, viel Klarheit. Elementar und einfach.

Posted in Bücher
Post date: September 10, 2010

Viel Licht, viel Klarheit. Elementar und einfach. Die Kirchen der Remonstranten – ein Buch

Zum ersten Mal werden mit einer umfangreichen fotographischen Dokumentation alle Kirchengebäude der Remonstranten in Holland und in Friedrichstadt vorgestellt. Jop van Zalm van Eldik hat alle Gotteshäuser besucht, die entweder der Remonstrantenkirche selbst gehören oder aber mit unterschiedlichen Rechtsformen von ihr genutzt werden. Wer das Buch mit 44 Porträts dieser Gotteshäuser liest, wird zugleich mit der Geschichte dieser freisinnigen und „liberalen“ Kirche vertraut gemacht:

Die Remonstranten wollten sich von Anfang an, also seit dem frühen 17. Jahrhundert, „der religiös – humanistischen Tradition anschließen auf der Linie der Brüder vom Gemeinsamen Leben und Erasmus“ (so Tjaard Barnard). Das konnte die orthodoxe calvinistische Kirche nicht ertragen, die Remonstranten wurden verfolgt.  Erst 1630 konnten sie ihre versteckten Kirchen „Schuilkerken“ errichten, schönes Beispiel dafür ist die Remonstrantenkirche in Leiden. Im 20. Jahrhundert wurde etwa die durchaus monumentale „Vrijburg“ in Amsterdam errichtet, die größte Remonstrantenkriche befindet sich übrigens in Rotterdam. Die erste Remonstrantengemeinde mit einer eigenen Kirche wurde für die damals verfolgten holländischen Remonstranten in Friedrichstadt an der Eider gegründet. Bis heute ist Friedrichstadt die einzige Gemeinde der Remonstranten außerhalb der Niederlande, in Berlin gibt es bisher nur ein „Forum der Remonstranten“. Erstaunlich ist, dass eine Kirche mit heute etwa 6.000 Mitgliedern und Freunden über 44 Kirchengebäude verfügt! Manche haben noch die klassischen Bänke, andere sind viel kommunikativer mit Stühlen ausgestattet, wie etwa die Kirche in Groningen. Immer sind die Räume von einer großen Klarheit und Nüchternheit geprägt, Figuren und Bilder, ja selbst Kreuze sind äußerst selten. Die Kanzel, der Platz für Lehre und Verkündigung, steht im Mittelpunkte. Sympathisch wirken die sehr kleinen Gebäude, etwa die Kirche in Alphen aan den Rhijn, die einst als Synagoge diente. Sie wirkt auch heute wie ein gemütliches Haus, wie ein Wohnzimmer, die alten osteuropäischen Synagogen waren Wohn- und Gasthäuser, Treffpunkte mitten im Alltag und natürlich auch „Schulen“ mit Bibliotheken; solche Erinnerungen (nur Vergangenheit?) kommen wie von selbst auf. Fragen bleiben angesichts der vielfältigen Schönheit dieser Gebäude: Wie werden sie in Zukunft genutzt? Eine Frage, die ja auch in Deutschand viel diskutiert wird: Werden sie z.B. auch während der Woche eine soziale, kulturelle und religiöse Rolle spielen? Beispiele dafür gibt es ja, etwa in Rotterdam, Amsterdam und Utrecht.

Das äußerst interessante und “schöne” Buch kann im Büro der Remonstranten in Utrecht bestellt werden. www.remonstranten.org

Spiritualität im Handy. Eine Initiative der Remonstranten

Post date: April 22, 2010

Spritituelle Impulse im Handy
Die freisinnige, liberale protestantische Kirche der Remonstranten in Holland hat Anfang April 2010 eine Aktion gestartet, um den gestressten und allen anderen Menschen eine meditative Pause zu empfehlen: „Gott einschalten!“ heißt das natürlich auch ein wenig ironisch gemeinte Angebot der Remonstranten, Jeder kann sich anmelden, dann erhält man an jedem Morgen im Handy einen kurzen meditativen Text. Wer abends weiter spirituellen Impulsen folgen will, kann in dem Buch „God Aan“ blättern und dabei entweder in eine spirituelle Vitalität (und Schlaflosigkeit) finden … oder sanft einschlummern. Hundert Remonstranten haben ihre persönlich wichtigen Texte in dem Buch „God Aan“ versammelt, dabei ist natürlich nicht nur ein biblischer Bezug wichtig, sondern, wie es sich für freisinnige Christen gehört, es kommen auch viele Texte aus den breiten Umfeld der Kultur, Kunst und Gesellschaft. Das Buch God Aan hat 400 Seiten, es ist bei Meinema erschienen und kostet 25 Euro. Dieses Projekt ist ein weiterer Versuch der Remonstranten, Anregungen zur Lebensvertiefung zu geben. Als ich einem Berliner Atheisten von diesem Vorhaben berichtete er: „Ist der Sinn einer freien Religion Lebensvertiefung“? Ich habe diese Frage bejaht.

Siehe auch die website www.god-aan.nl
Oder:
www.twtter.com/godaan

Wie beten Freisinnige, welche Gottesdienste wollen sie in kleinem Kreis feiern?

Posted in Bücher
Post date: März 7, 2010

Christiane Berckvens-Stevelinck, Theologin und Pastorin der Remonstranten Kirche und darüber hinaus Begleiterin bei der Entwicklung von (auch weltlichen) Ritualen hat zusammen mit dem Theologen Sytze de Vries ein Buch herausgegeben mit dem Titel: “Vieren und Brevieren”, also “Feiern und beten”. Der Untertitel heißt ins Deutsche übersetzt: “Liturgische Bausteine für kleine Glaubensgemeinschaften”. Die Autoren gehen davon aus, dass in Zukunft vor allem kleine Glaubensgemeinschaften, Hausgemeinschaften, “Salons” usw. wichtig werden. Die großen Kirchen(gebäude) könnten dem Trend folgend mehr und mehr musealen Charakter erhalten. In den Niederlanden sind z.B. noch 33 Prozent der Bevölkerung mit einer Kirche verbunden, in Deutschland sind 33 Prozent der Einwohner “unkirchlich”, mit stark steigender Tendenz. Da ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sich religiös interessierte Menschen in kleinen Gruppen und in kleinen Häusern treffen. Es ist ja. nebenbei, bezeichnend, dass sich der Buddhismus in seinen vielen Formen in Europa fast ausschließlich in “kleinen Räumen” organisiert, in Wohnungen, Läden, Fabriketagen usw. und sich dabei offenbar prächtig entwickelt. Die großen Kirchen haben große, aber fast immer leerstehende und verschlossene, tagsüber unerreichbare Gebäude…In dieser Situation ist das Buch von Chr. Berckvens – Stevelinck und Sytze de Vries von dringender Aktualität. Auf den Inhalt werden wir später ausführlich hinweisen. Nur so viel: Die Autoren erwähnen positiv ausdrücklich die “slow-movement”, die Bewegung, das Leben insgesamt, aber auch das Essen, LANGSAM zu gestalten. Zum ersten Mal wird in einem theologischen Buch die “Slow” bewegung erwähnt. Hoffentlich finden sich alsbald Verleger in Deutschland, um das wichtige Buch ins Deutsche zu übersetzen.
Verlag Meinema, in Zoetermeer, 2009. 264 Seiten, 23,50 Euro. ISBN 978 90 211 4238 8. Christiane Berckvens-Stevelinck hat eine eigene website: www.moederoverste.nl. Und Sytze de Vries: www.sytzedevries.com

Für die Trennung von Kirche und Staat

Posted in Bücher, Geschichte
Post date: März 4, 2010

Für die Trennung von Kirche und Staat
Von Wibren v.d. Burg, Professor für Rechtsphilosophie in Rotterdam.

Aus remonstrantischer Perspektive muss meiner Meinung nach jede Verquickung von Kirche und Staat zurückgewiesen werden. Damit nehmen Remonstranten Stellung gegen den Gedanken einer Staatskirche , wie er in der lutherischen und anglikanischen Tradition noch vorkommt. Darüber hinaus verwerfen Remonstranten den Gedanken der römisch – katholischen Tradition, dass diese Kirche als Interpretin des Naturrechts sich intensiv in politische Debatten einmischen darf und ihre Mitglieder auch aufrufen darf, einer bestimmten Partei die Stimme zu geben. Remonstranten verwerfen auch die Intervention durch etliche katholische Bischöfe in politische Debatten, wenn es sich etwa um Abtreibung, Euthanasie und Ehefragen handelt. Dabei sollen nach dieser katholischen Vorstellung sogar die Politiker, die dieser
amtlichen Position nicht folgen, von der Teilnahme an der
Kommunion ausgeschlossen werden. Auch die Praxis vieler Länder, in einem Konkordat der katholischen Kirche wie dem Staat bestimmte Vorrechte anzuerkennen, ist aus remonstrantischer Sicht unannehmbar. Für Remonstranten gibt es keinen „christlichen Staat“ und keine „christliche Politik“. Sie sind sehr zurückhaltend, Religion und Politik direkt zu verbinden. Der Gedanke, dass die Religion ein Organisationsprinzip ist für die Regelung des gesellschaftlichen Lebens, ist den freisinnigen Christen, also den Remonstranten, fremd. Sie waren dagegen, als sich die niederländische Geselschaft im 20. frühen Jahrhundert nach „Säulen“ getrennt organisierte, also eine protestantische Säule neben einer katholischen und diese neben einer sozialistischen Säule usw. Remonstranten haben stets neutrale und allgemeine Organisationen bevorzugt. Darum gibt es keine freisinnigen Parteien und auch keine freisinnigen Schulen oder freisinnige Hilfswerke. Dieser Meinung sind die Remonstranten nicht, weil sie meinen, dass Religion nur Privatsache sei ohne gesellschaftliche Konsequenzen, im Gegenteil. Sie meinen nur: Die religiöse Orientierung kann nicht die Basis sein, auf der sich gesellschaftliche Organisationen bilden.

Entnommen dem Buch: „De remonstrantie. 400 Jaar“. Hg. von K. Holtzapffel und M.v. Leeuwen. Meinema Verlag, Zoetermeer, 2010, dort s. 162 f.

Eine Kirche der Toleranz: Die Remonstranten veröffentlichen eine Illustrierte

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Post date: Februar 18, 2010
Generalsekretär der Remonstranten Tom Mikkers präsentiert die Illustrierte

Generalsekretär der RemonstrantenTom Mikkers präsentiert die Illustrierte

Dehnbar und tolerant oder präzise und dogmatisch?

Die freisinnige Kirche der Remonstranten feiert ein Jubiläum und veröffentlicht eine Illustrierte.

Die protestantische Kirche der Remonstranten feiert dieser Tage ihr Jubiläum: Vor 400 Jahren haben sich etwa 200 Pfarrer und Theologen in Holland gegen die göttliche Allgewalt der „Vorherbestimmung“ der Menschen zu Heil oder Unheil ausgesprochen. Sie hatten für die menschliche Freiheit plädiert, also Remonstrance, Widerspruch, eingelegt, um einen freien, einen humanistischen Glauben zu fördern…und wurden deswegen von den dogmatischen und „präzisen“ Calvinisten aus der Kirche vertrieben. Remonstranten galten als zu tolerant, zu „dehnbar“ (rekkelijk auf holländisch) in ihrer Theologie. Als ob man denn von Gott anders als in dehnbaren, d.h. suchenden und fragwürdigen Begriffen sprechen könnte…Nur Dogmatiker meinen so genau und präzise über Gott Bescheid zu wissen.

Diese humanistische Kirche der Remonstranten ist nach wie vor aktiv, sie hat ihr modernes Gesicht einer breiten Öffentlichkeit gezeigt … durch eine anspruchsvoll gestaltetet Illustrierte, „glossy“  auf Holländisch. Das graphisch attraktiv gestaltete Heft umfasst 84 Seiten, es bietet Einblick in die Geschichte der Remonstranten, bietet Interviews mit Vertretern anderer Religionen, wie dem Islam – Forscher Tariq Ramadan. Und es stellt verschiedene Mitglieder dieser Kirche vor. Als „Freund der Remonstranten“  meldet sich z.B. der Parlamentarier Boris van der Ham zu Wort, er ist Mitglied der linksliberalen Partei D66.

„Ich bin nicht gläubig, aber ich bin wohl Freund der Remonstranten geworden. Als Agnostiker finde ich deren freien Umgang mit alten Texten sehr inspirierend…Freisinnige Gläubige und Humanisten müssen die Kräfte bündeln zugunsten der Toleranz… Die Remonstranten stehen für mich am Beginn eines freien Denkens. Deswegen brauchen sie nicht bescheiden zu sein“.

Die Illustrierte (10.000 Stück Auflage) wurde innerhalb weniger Tage verkauft, für holländische Verhältnisse ein großer Erfolg. Offenbar interessieren sich doch sehr viele Menschen für eine Kirche ohne Dogma, für eine Kirche des offenen Abendmahls für alle, für eine Kirche, die seit 1986 homosexuelle Paare selbstverständlich segnet…. Eine Neuauflage der Illustrierte soll folgen.

Bestellungen bei: Remonstraten. Nieuwe Gracht 27 A, NL 3512 UTRECHT. Prei: 6, 50 EURO.

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Post date: Februar 8, 2010

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