Glauben ist Freisein

Das Forum der liberal-theologischen protestantischen Re­mon­s­t­ran­ten – Kirche in Berlin hat im Augenblick seinen Schwerpunkt in den religions-philosophischen Salons. Dies sind philosophische Gesprächskreise, auch zu literarischen, künstlerischen, religionswissenschaftlichen und theologischen Themen, in der selbstverständlichen Freiheit, ohne jede “konfessionelle Werbung”. Diese Salon-Abende sind natürlich offen für alle, die nach einer kritischen und selbstkritischen philosophischen Vertiefung ihrer Lebensfragen mit anderen zusammen suchen. Wir als  Re­mon­s­t­ran­ten halten nicht viel von einer Religion oder Kirche, die dogmatisch eng “nur unter sich bleiben will”. Lernen von “den anderen” ist für uns philosophisch und theologisch entscheidend.

Wir freuen uns, dass das Stadtmagazin TIP in Berlin am 16.11.2017 einen großen Bericht veröffentlichte über die beachtliche vielfältige “Salon-Kultur” in Berlin und … dass dabei auch der Religionsphilosophische Salon ausführlich erwähnt wurde!

Wir empfehlen, wenn man Niederländisch lesen kann,  die aktuelle, sehr ansprechende website der niederländischen Re­mon­s­t­ran­ten zu besuchen. Klicken Sie hier.

Auch die Monatszeitschrift der Re­mon­s­t­ran­ten ADREM hat ein neues Layout und bietet viele wichtige Beiträge zur Frage der Religion und der immer notwendigen Reform der Kirche. Die Re­mon­s­t­ran­ten sind bekanntermaßen eine Kirche, die zur ständigen Reform, zur Veränderung, zur Entwicklung, zur Kritik am Dogmatismus usw. bereit sind. Das neueste Projekt: In den Gemeinden explizit Menschen einladen, gemeinsam drängende Fragen des Lebens, des Sinn des Lebens, zu besprechen. 

Wir sind traurig, dass die Re­mon­s­t­ran­ten Pastorin Christiane Berkvens-Stevelinck am 23. November 2017 gestorben ist. Sie war eine prominente Theologin und spirituelle Lehrerin. Über ihre Reflexionen zur “Spiritualität eines jeden Monats” haben wir auf dieser website berichtet. Ebenso über Ihr der heutigen Mentalität angepassten “Katechismus des Mitgefühls”als Abschied von den üblichen Dogmen!  Ich habe Christiane mehrfach getroffen, auch für Interviews. Sie war auch Professorin in Nijmegen – mit einem katholischen background, also in großer ökumenischer Weite.

In der Literatur werden die Re­mon­s­t­ran­ten auch oft Arminianer genannt, bezogen auf den Initiator dieser Bewegung, den Reformator und Theologen Jacob Arminius (1560-1609 ), klicken Sie auch hier. Nebenbei: Der Beitrag über die Re­mon­s­t­ran­ten auf wikipedia ist weithin veraltet und theologisch nicht aktuell! Nicht zum empfehlen!

Der nächste religionsphilosophische Salon findet am Freitag, den 15. Dezember 2017 um 19 Uhr  in der Galerie Fantom Hektorstr. 9, statt: Unser Thema: Was ist für uns SEHNSUCHT? Solch ein Wort, viel mehr als Nostalgie, sondern auch Verlangen nach Sinn, vielleicht auch Verlangen nach Gott? Herzliche Einladung.Zugleich wird dies eine kleine “Weihnachtsfeier” sein…

Unser religionsphilosophie Salon am 23.11.2017 über die Vorstellung der Vanitas, der Vergeblichkeit von allem, vor allem unseres eigenen Lebens, hat sehr viel Interesse gefunden: Es waren 19 TeilnehmerInnen dabei. Und dies vor dem Totensonntag

Am 25. 11. 2017 hatten wir ein Gespröch über: “An welchen Gott können wir und wollen wir heute glauben”? “Glauben beginnt bei mir” ist ein Leitwort der remonstrantischen Theologie! Unser Thema passt also gut auch in diesen Zusammenhang einer modernen liberalen Theologie. Wir beziehen uns auch auf die Erinnerung an den so genannten Thesenanschlag Luthers vor 500 Jahren, am 31. Oktober 1517. Und wollen dabei selbstverständlich über Luther hinausgehen, in aller für Re­mon­s­t­ran­ten üblichen Freiheit.

Beim Salongespräch am 15. September 2017 um 19 Uhr in der Galerie Fantom, waren 17 TeilnehmerInnen dabei. Unser Thema: “Was tun? Über den MUT, diese schwierige Tugend in düsteren politischen Zeiten!”

Am Freitag, den 14. Juli 2017, gestalteten wir einen philosophischen Salon anläßlich des 125. Geburtstages des Philosophen Walter Benjamin (am 15.Juli)….passend in einer Galerie am Walter Benjamin-Platz in Berlin. 19 TeilnehmerInnen waren dabei. Die Auseinandersetzung mit Benjamins Werk geht weiter, einige Infos regen zum Studium und zur Diskussion an.

Ist Religion Opium? Wann ist Religion kein Opium? Das war die Frage, die uns am Freitag, den 26. Mai 2017 in der Kunst-Galerie Fantom, Hektorstr. 9 beschäftigte. Wir wollten das Wort von Karl Marx (geboren kurz vor Beginn des Kirchentages, am 5. Mai, vor 199 Jahren) interpretieren  „Religion ist Opium des Volkes“, aber auch neue Perspektiven eröffnen.

Der religionsphilosophische Salon  am Freitag, den 21.April 2017, hatte das Thema: “Postfaktische Untaten – Ein Salonabend über das Lügen und die Suche nach Wahrheit”.

Am 31.3.2017 diskutierten wir das wichtige Thema: “Glauben und Wissen. Getrennt und doch verbunden”. Wenn Sie sich in das Thema vertiefen wollen, klicken Sie hier.

Am Religionsphilosophische Salon am Freitag, den 24. Februar 2017 um 19 Uhr, beteilgten sich 14 TeilnehmerInnen. Das Thema war:“ Bei Verstand bleiben. Philosophie als Lebenshilfe in Zeiten politischer Verwirrung“.

Der philosophische Salon am Freitag, den 29. Januar 2017 hatte das Thema: “Die Heimat des Weltbürgers. Ein Versuch, dem Wahn des Nationalismus und Dogmatismus zu widerstehen“. 22 TeilnehmerInnen waren dabei. Das heißt, der Salon war wieder “ausgebucht”. Ein Zeichen, dass diese Form der Gesprächskultur Interesse findet.

Der Religionsphilosophische Salon debattierte am Freitag, den 16. Dezember 2016, um 19 Uhr, über ein Thema, das irgendwie zum Weihnachts – Fest (bzw Weihnachts–Trubel/Konsum) gehört: „Was ist mir, dir, uns heute (noch) HEILIG?“  Mit 22 TeilnehmerInnen.

Der Salon am Freitag, den 18. November 2016 fand mit 20 TeilnehmerInnen wieder ein reges Interesse. Wir sprechen über die aktuelle Bedeutung des Philosophen LEIBNIZ, anläßlich seines 300. Todestages, sprechen vor allem über seine Religionsphilosophie und über sein Interesse an der chinesischen Weisheit, vor allem des Konfuzius. Zur Lektüre eines längeren Beitrags über einige Aspekte der Philosophie von Gottfried Wilhelm Leibniz klicken Sie hier.

Der  Salon am FREITAG, den 23. September 2016, fand bei 12 TeilnehmerInnen ein reges Interesse, die Diskussionen waren wie üblich kontrovers, und das ist gut so.  Das Thema hatte sich auf das Buch des französischen Philosophen Michel Serres bezogen: „Erfindet euch neu“ (bei Suhrkamp erschienen, 77 Seiten, 8,30 €). Dr. Hans Blersch, Mathematiker und praktischer Philosoph und etlichen Teilnehmern unseres Salons bereits bekannt, führte in das Thema ein. Die These von Michel Serres, wie sie auf dem Buch Cover „Erfindet euch neu“ mitgeteilt wird, heißt: „In der kurzen Zeitspanne, die uns von den siebziger Jahren (1970 ff.) trennt, ist ein neuer Mensch geboren worden. Er oder sie … kommuniziert nicht mehr auf die gleiche Weise, nimmt mehr dieselbe Welt wahr, lebt nicht mehr in derselben Natur“ (wie etwa Michel Serres, Jahrgang 1930!). Ist also (schon wieder ?) ein Bruch der Generationen entstanden? Ist die junge Generation (in Europa oder weltweit ?) der alten überlegen? Hat die ältere Generation die Chance, sich neu zu erfinden?

Unser Tagesausflug nach Karlshorst (am 26.8.2016) mit 12 TeilnehmerInnen war ein vielfältiges Erleben mit einer “guten Mischung” aus philosophischer Diskussion, Orgel – und Kirchenführung sowie Besichtigung des Deutsch-Russischen Museums. Besten Dank an Pfarrer Edgar Dusdal, Karlshorst, der diesen Tag für uns entscheidend gestaltet hat.

Der Religionsphilosophische Salon im JULI, Freitag, den 15. Juli 2016 in der Galerie Fantom, Hektorstr. 9, fand großes Interesse unter den 19 TeilnehmerInnen.  Anläßlich der großen Ausstellung „El siglo de Oro“ (Spanien im 17. Jahrhundert und die spanischen Künstler) in der Gemäldegalerie (ab 1.7. 2016) sprachen wir über die Hintergründe (künstlerisch, philosophisch, religiös) des  „Goldenen Zeitalters“.

So kann am sich ein Bild machen über unsere Veranstatungen der letzten Monate:

Im Salonabend am 24. Juni 2016 in der Weinhandlung Sinnesfreude waren 21 TeilnehmerInnen dabei. Wir sprachen über das Thema Sattsein und Übersättigtsein und Hungern anläßlich der Neuköllner Kulturtage “48 Stunden Neukölln”.

An unserem Salon am 20. Mai 2016 über den Philosophen Emile Cioran mit dem bekannten Berliner Philosophen Dr. Jürgen Große beteiligten sich 23 TeilnehmerInnen. Auch das Thema Skepsis und Mystik wurde – im Anschluss an Ciroan – diskutiert.

Zum Salonabend über das Thema “Alle Menschen sind Grenzgänger” am 29. April 2016 kamen 18 TeilnehmerInnen.

Am Salonabend am 18. März 2016 beteiligten sich 25 Personen, etliche mussten wegen der begrenzten Anzahl der Plätze abgewiesen werden. Das Thema bewegt viele: “Für eine Philosophie der Auferstehung”.

Im religionsphilosophischen Salon am 26. Februar 2016 kamen 22 TeilnehmerInnen zusammen, wir sprachen über das Thema: “Privateigentum und Gemeinwohl”. Das große Interesse an dem Thema zeigt einmal mehr: Gespräche im Salon sind beliebt, werden gewünscht. Einige Hinweise zum Thema finden Sie hier.

Der Philosophische Salon am Freitag, den 22. Januar 2016, hatte das Thema: “Was ist wichtiger: Freiheit oder Sicherheit?” 18 TeilnehmerInnen beteiligten sich an dem Gespräch. Für einen Hinweis zum Thema klicken Sie bitte hier.

Am Salonabend am 11. Dezember 2015 über “Du schöner Schein, bist du auch wahr?” (Sprichwort aus Hollywood) beteiligten sich 17 Personen, wir trafen uns in der Weinhandlung Sinnesfreude in Berlin-Neukölln. Wir sprachen über die Allmacht des Scheins, der Lüge, der diplomatischen Floskeln… und über den Verlust an Echtheit, an Wahrhaftigkeit, an “Authentizität”.

Der Salon am 27. 11. 2015 mit dem remonstrantischen Theologen Prof. em. Johan Goud aus Den Haag hat 26 TeilnehmerInnen sehr unterschiedlicher philosophischer, religiöser Herkunft zusammengeführt. Etliche Interessierte mussten wegen des Mangels an Plätzen leider abgewiesen werden. Das Thema war: Theologie und Autobiographie.  Siehe auch den Beitrag, der sich von den Vorschlägen und Fragen von Johan Goud inspirieren läßt mit dem Titel “Meine Biografie – meine Theologie”. Nochmals Dank an Prof.Goud, dass er zu uns nach Berlin gekommen ist!

Das Forum der Re­mon­s­t­ran­ten Berlin bietet  seit mehr als 6 Jahren, monatlich einmal eine Veranstaltung an, den religionsphilosophischen Salon. Wenn sich mehr Menschen aus religiösen wie nichtreligiösen Kreisen für diese aus den Niederlanden stammende freisinnige protestantische Glaubensgemeinschaft interessieren, die der liberalen theologischen Tradition verpflichtet ist, können auch weitere Treffpunkte etc. gemeinsam (!) gestaltet werden. Diese neue liberale theologische Position ist eine Chance, Spuren des Religiösen (in sich selbst) wahrzunehmen, nicht nur in der Kirche, sondern in der Kultur, dem gesellschaftlichen Zusammenleben, ohne dabei in dogmatische Zwänge zu geraten. Es geht darum, dass jeder Mensch seinen eigenen Glauben entwickelt, ausspricht, schätzt. Dabei entsteht eine Vielfalt. Diese Pluralität ist in der Re­mon­s­t­ran­ten Kirche sehr willkommen. Glaube entwickelt sich im Respekt vor dem eigenen Glauben und der Auseinandersetzung mit religiösen, biblischen Texten, wenn diese denn z.B. mit dem Geist der Humanität sich versöhnen lassen. Bei vielen Menschen ist offenbar die Bindung an dogmatische Vorgaben (also Lehren aus früheren Zeiten) so stark, dass sie es nicht wagen, sich zum guten Recht zu ihrem eigenen Glaubens zu bekennen. Kant würde heute sagen: “Wage es, deinem eigenen Glauben zu vertrauen und ihn im Gespräch mit anderen (der Re­mon­s­t­ran­ten-Gemeinde) zu vertiefen”.  Gemeinden sind Gesprächsgemeinden, keine Orte der dogmatischen, klerikalen Belehrung. Das sah übrigens auch Schleiermacher so.

Wer sind die Re­mon­s­t­ran­ten?

Die Re­mon­s­t­ran­ten – eine Kirche der besonderen Art. Protestantisch und humanistisch, dogmenfrei und lernbereit von anderen Religionen. Sie hat eine lange Tradition, sie hat sich immer wieder weiterentwickelt. Sie ist eng mit der Ökumenischen Bewegung verbunden, hat aber auch gleichermaßen Interesse am Dialog mit humanistischen Gruppen.

Wir weisen aufgrund einiger Nachfragen gern darauf hin: Die freisinnige Kirche der Re­mon­s­t­ran­ten  versteht sich auch als “Asylkirche”, d.h. als Zufluchtsort für Menschen, die die dogmatischen Vorgaben und das hierarchische System ihrer angestammten Konfessionen nicht mehr aushalten und sich ihren persönlichen, individuellen  Glauben bewahren wollen sowie nach einem Refugium der Freiheit und der Selbstbestimmung auch in religiösen und ethischen Fragen suchen. Sie sind bei den Re­mon­s­t­ran­ten willkommen!  Auf diesen Charakter der “Asylkirche” hat der Allgemeine Sekretär der Re­mon­s­t­ran­ten Kirche, Tom Mikkers, Utrecht, mehrfach hingewiesen. Für dieses Leitbild “Asylkirche”  sind inzwischen viele Menschen dankbar.

In den Niederlanden hat die Re­mon­s­t­ran­ten Kirche ca. 5.000 Mitglieder und “registrierte Freunde”, also Menschen, die  einer anderen Kirche (etwa der katholischen Kirche) weiterhin angehören wollen, aber gern in der freisinnig – christlichen (undogmatischen) Kirche der Re­mon­s­t­ran­ten mittun und moderne Spiritualität miterleben möchten.  Für Re­mon­s­t­ran­ten ist solche “Doppelmitgliedschaft” überhaupt kein Problem.  In Deutschland ist die Re­mon­s­t­ran­ten Kirche  seit dem 17. Jahrhundert in Friedrichstadt vertreten. In Berlin gibt es seit Januar 2010 ein “Forum der Re­mon­s­t­ran­ten”, dort versuchen wir im Geist der Re­mon­s­t­ran­ten ein freies spirituelles und religionsphilosophisches Gespräch zu fördern, die Möglichkeiten sind groß und vielfältig…

PS. Re­mon­s­t­ran­ten – das Wort leitet sich von “remonstrance” her, es meint Abwehr und Zurückweisung: Diese reformierten Christen lehnten es zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Holland ab, an einen alles vorher bestimmenden Gott zu glauben. Sie wollten als Menschen freie und selbständige Wesen sein und bleiben. Sie verzichten nicht auf das kritische Denken, wenn sie die Frage nach Gott stellen oder nach dem Sinn von Glauben und Kirche fragen. Sie nehmen sich die Freiheit, diese “Freiheit des Glaubens” nicht als ferne Utopie oder Geschenk von Autoritäten, sondern schon jetzt zu leben.

Die Re­mon­s­t­ran­ten waren 1986 die erste Kirche weltweit, die homosexuelle (Ehe-) Paare in ihren Kirchen offiziell segneten, auch Menschen, die nicht zur Re­mon­s­t­ran­ten Kirche gehören. Schon vorher war  es für Re­mon­s­t­ran­ten  selbstverständlich , dass homosexuelle Menschen in den Gemeinden willkommen sind. Iim Unterschied zu allen anderen Kirchen ist das kein “problematisches” Thema…  Insofern sind die Re­mon­s­t­ran­ten einmal mehr ein Ort der Freiheit…Deswegen wurden die Re­mon­s­t­ran­ten auch von der niederländischen Organisation COC kürzlich ausdrücklich gelobt und gewürdigt.

Wir erlauben uns den Hinweis, dass die deutschsprachige Seite von wikipedia über die Re­mon­s­t­ran­ten unserer Meinung nach die heutige theologische Überzeugung nicht beschreibt, die theologischen Hinweise dort sind allein für Historiker noch interessant und möglicherweise bedeutungsvoll. Wikipedia kommt – bei diesem Thema – als zuverlässige und umfassende, auch aktuelle Informationsquelle kaum in Frage.

Wenn der Glaube verborgen ist. Eine neue Broschüre über die Spiritualität und Theologie der Re­mon­s­t­ran­ten

Wenn der Glaube verborgen ist. Eine neue Broschüre über die Spiritualität und Theologie der Re­mon­s­t­ran­ten

Einmal im Jahr haben die Re­mon­s­t­ran­ten einen Beraadsdag, einen Tag der Beratung und Diskussion. Im März 2014 steht der “verborgene Glaube” im Mittelpunkt, also der eher diskrete Umgang der Re­mon­s­t­ran­ten mit dem eigenen Glauben auch im Gespräch mit anderen: Man posaunt die eigene, tiefe religiöse Überzeugung normalerweise nicht laut heraus. Re­mon­s­t­ran­ten als freisinnige Kirche mit liberaler Theologie sind nicht offensiv missionarisch – werbend. Fundamentalismus ist tabu. Wer diese Kirche  der Re­mon­s­t­ran­ten finden will, wird sie finden.  Das sind nicht immer sehr viele, aus Berliner Sicht sagen: wir leider viel zu wenige!

Und dann hat jeder einzelne religiöse Mensch selbstverständlich die Freiheit, seinen eigenen persönlichen Glauben zu entwickeln und wenn gefragt, auch miteinander zu teilen. Spirituelle Diskretion könnte man das nennen. Warum ist das so wenig attraktiv? Warum wollen so viele eher die Leitung von äußeren Autoritäten? Die Bindung an angeblich feste Sätze und angeblich ewige Wahrheiten?

Jetzt hat die Re­mon­s­t­ran­ten Theologin Greteke de Vries eine interessante Broschüre vorgelegt über den verborgenen Glauben: Sie bringt ihn zur Sprache, indem sie einige Porträts remonstrantischer Theologen seit Beginn des 19. Jahrhunderts skizziert. Deutlich wird, wie diese immer zahlenmäßig stets kleine Kirche hervorragende Theologen hatte, die in der Kultur Hollands eine große Rolle spielten, wenn sie etwa für die kritische Bibelwissenschaft eintraten oder für die Vorrangstellung des Gewissens in religiösen Fragen. Für die deutsche Kirchenszene, die fast nur die orthodoxen großen Kirchen kennt, sind kleine, freisinnige Kirche wie die Re­mon­s­t­ran­ten leider bis jetzt so befremdlich, nicht so in Holland. Dort haben die Re­mon­s­t­ran­ten jetzt ihre theologische Ausbildung wieder nach Amsterdam verlegt, dort ist eine Theologin offizielle Vertreterin remonstrantischer Theologie: Christa Anbeek, die auch einen ganz eigenen, persönlichen Zugang zur Theologie hat, etwa in der Erfahrung von Leid und Schmerz über den Verlust geliebter Menschen. Siehe auch www.overlevingskunst-anbeek.nl Die Bücher von Christa Anbeek finden eine sehr große Aufmerksamkeit und viel Interesse.

Wir leben in Europa, das ist keine Banalität, sondern  theologisch eine Herausforderung. Wer guckt schon mal über die Grenze, zum Beispiel nach Holland, wer sieht,  dass es dort eine andere Kirche gibt, großzügig und die Freiheit fördernd, offen im Glaubensbekenntnis und einladend an alle, die spirituelle Orientietung suchen im Geist Jesu von Nazareth. Wir empfehlen darum dringend, ausnahmsweise mal etwas “werbend”,  den deutschen Theologen die Broschüre: “Re­mon­s­t­ran­ten over hin verborgen Geloof”. Eine Sonderausgabe der Zeitschrift ADREM aus Utrecht: siehe. www.remonstranten.org

Freisinnig glauben: Bewegt, offen, einladend.

Freisinniges Leben: Bewegt, offen, einladend.

Ein „Re­mon­s­t­ran­ten – Forum“ in Berlin

Ein Diskussionsbeitrag von Christian Modehn. Dieser Artikel wurde auf Niederländisch in der Zeitschrift ADREM, Utrecht im  Juni 2013 veröffentlicht.

Im Januar 2010 startete das „Forum der Re­mon­s­t­ran­ten in Berlin“. Es soll ein Ort offenen Austauschs sein, ein freier Raum für freisinnigen Glauben und liberale Theologie, für Lebensorientierung. Ein Ort mitten in der Weiterlesen →

Theologische Sommerschule am 20. Juli 2013

 

Am Samstag, den 20.Juli, starten wir die Erste Theologische Sommerschule mit dem Berliner Theologen Prof. Wilhelm Gräb, Humboldt Universität. Genauere inhaltliche Informationen folgen. Es geht um die Diskussion einiger grundlegender Themen der liberal – theologischen Orientierung. Wir beginnen und 14 Uhr, Ende gegen 18 Uhr in der Galerie FANTOM, Hektorstr. 9 in Berlin-Wilmersdorf. Als Beitrag denken wir an 10 Euro.

Zum ersten Mal gibt es nun auch für “theologische Laien”, die es in der liberal – theologischen Tradition eigentlich nicht gibt, die Chance, sich näher vertraut zu machen mit einer Lebenshaltung bzw. Theologie, die die Moderne voll respektiert, die das eigene Denken, die eigene religiöse Erfahrung hochschätzt und Gemeinde als Form des “geselligen Miteinanders unterschiedlicher religiöser Menschen” (Schleiermacher) begreift.

Diese Veranstaltung geschieht in Zusammenarbeit dem Religionsphilosophischen – Salon Berlin.     www.religionsphilosophischer-salon.de

Wer sich ein Bild machen möchte über die Aktualität liberal – theologischen Denkens heute, den/die verweisen wir gern auf unsere website www.religionsphilosophischer-salon.de dort die Kategorie “Fundamental vernünftig”: Dabei handelt es sich um Interviews mit Wilhelm Gräb sowie natürlich auf die Beiträge dieser website!

Eine Anmeldung ist Bedingung und erforderlich an: christian.modehn@berlin.de, dann werden weitere Infos zur Vorbereitung zugesandt

Huub Oosterhuis inspiriert: Der “Beraadsdag” der Re­mon­s­t­ran­ten in Amsterdam

Huub Oosterhuis inspiriert: Das jährliche Treffen der Re­mon­s­t­ran­ten. Diesmal in Amsterdam

Von Christian Modehn

Die Re­mon­s­t­ran­ten halten einmal im Jahr einen so genannten „Beraadsdag“, frei übersetzt: einen „Tag der Gespräche und Diskussionen“. Von den 5.000 Mitgliedern dieser freisinnigen Kirche waren am 10. März 2012  200 dabei: Sie trafen sich im neuen Zentrum der Studentenekklesia in Amsterdam, der ökumenischen Gemeinde, die von dem Theologen und Dichter Huub Oosterhuis 1970 ins Leben gerufen wurde. Nach mehreren Umzügen hat diese Gemeinde seit einem Jahr ein neues Zuhause gefunden in einem prächtigen Gebäude an der Da Costakade.

Die Re­mon­s­t­ran­ten hatten Huub Oosterhuis gebeten, den ersten Vortrag beim „beraadsdag“ zu halten. Er sprach – dem Motto des Treffens entsprechend –über das Reich Gottes, jenes universale Symbol einer friedlichen und gerechten Welt; es ist DIE zentrale Zusage der biblischen Botschaft für die Menschen. Huub Oosterhuis legte allen Nachdruck darauf, dass das Reich Gottes mehr ist als ein schöner Traum. Reich Gottes sollte nicht in eine spirituelle Innenwelt eingeschlossen sein. Es wird vielmehr von den Menschen hier und jetzt „gebaut“, wann immer sie sich für Gerechtigkeit und gegen die Ausgrenzung der Armen einsetzen. Im Tun des Guten werde das Reich Gottes geschaffen.

Huub Oosterhuis unterstrich den aktiven Einsatz der Menschen für das Reich Gottes. Damit entsprach er durchaus den theologischen Vorstellungen der Re­mon­s­t­ran­ten, die sich seit Beginn ihrer Geschichte im 17. Jahrhundert gerade von einer abstrakten Gnadenlehre absetzen, die behauptet, der Mensch selbst könne nichts Gutes tun für sein Heil und seine Erlösung.

Es gab beim Beraadsdag mehrere Workshops. IKON berichtet, dass ein Gesprächskreis sich auch mit der 400 jährigen Geschichte der Re­mon­s­t­ran­ten befasste. Tjaard Barnard zeigte, dass es in der Geschichte der Re­mon­s­t­ran­ten oft Akzentverschiebungen gab, einmal mehr zu orthodoxen , dann viel mehr zu freisinnigen theologischen Ansätzen. Beachtlich bleibt – in unserer Sicht- , dass sich die Re­mon­s­t­ran­ten wie kaum eine andere Kirche er Philosophie der Aufklärung und auch dem Modernismus wohlwollend und lernbereit stellten. “Seit den 1960 Jahren ist einem orthodoxen (calvinistischen) Glauben bei den Re­mon­s­t­ran­ten nichts mehr übrig geblieben, die Re­mon­s­t­ran­ten präsentieren sich als freisinnig” (IKON).  In der weiten christlichen Ökumene  das darf man ohne Übertreibung sagen – eine recht seltene Erscheinung! Schön, dass es diese Kirche gibt.

Re­mon­s­t­ran­ten sind – in unserer Sicht – eine Art Avantgarde! Viele große Kirchen haben nie die Aufklärung und den Modernismus anerkannt und rezipiert, etwa die römische Kirche oder die Orthodoxen Kirchen Griechenlands, Rußlands usw.  Das Ausbleiben mit diesen modernen Denkrichtungen ist in diesen Kirchen machtvoll zu spüren, bis heute.

Die Toleranz wurde von Re­mon­s­t­ran­ten während ihrer ganzen Geschichte immer als hoher Wert verteidigt. Beachtlich bleibt, dass die Re­mon­s­t­ran­ten Kirche heute eine freisinnige Kirche ist, in der jedes Mitglied selbstverständlich sein individuelles Glaubensbekenntnis formuliert. Das wird beim Eintritt in die Kirche  respektiert. Beachtlich ist weiter, dass es kein allgemein bindendes Glaubensbekenntnis für alle Mitglieder gibt. Auf diese Weise wird die individuelle spirituelle Entwicklung eines jeden Menschen respektiert. Ein interessanter Versuch, Menschen mit ausdrücklich unterschiedlicher Glaubenshaltung in einer Kirche zusammenzuführen. Das hat sich in Deutschland – und weltweit – leider noch nicht so herumgesprochen. Aber freisinnige Kirchen haben es Zeiten  flammender Religiosität und lautstarker Bekenntnisse und Dogmen und moralischer Vorschriften ohnehin nicht so ganz leicht…

copyright: christian modehn, berlin.

 

 

Neue Bücher der Re­mon­s­t­ran­ten im Herbst 2011: Das “Hier und Jetzt” ist nicht das ganze Leben: Und: “Coming Out Churches”

Das Hier und Jetzt ist nicht alles: Warum Christen die Zukunft wieder ernst nehmen sollen… .und warum Homosexuelle in Kirchen selbstverständlich willkommen sind…

Von Christian Modehn

In Deutschland beginnt am 12. Oktober in FRANKFURT die Internationale Buchmesse, bei der selbstverständlich auch niederländische Verlage Weiterlesen →

Eine lange Nacht der Theologie: Amsterdam kreativ

Vor kurzem wurde in Amsterdam ein besonderes Event gefeiert, an dem auch der Allgemeine Sekretär der Re­mon­s­t­ran­ten Kirche, Tom Mikkers, inspirierend und organisierend dabei war.

 

Kreatives Amsterdam:

Die erste Nacht der Theologie

Von Christian Modehn

Die Amsterdamer lieben die Nacht. Wer hätte das gedacht? Nun haben auch die Theologen aller Konfessionen (!) ihre Liebe zur späten Stunde entdeckt: Sie haben in Amsterdam die „Erste Nacht der Theologie“ Ende Juni gefeiert. Inspiriert wurden sie dabei von den sehr erfolgreichen und längst etablierten „Nächten der Philosophie“ (immer im April!)  und  den „Nächten der Poesie“. Spät am Abend haben auch die Theologen Weiterlesen →

Statt Identität die Vielfalt

Statt Identitäten:  die Vielfalt (dieser Beitrag wurde am 4.1. 2011 gleichzeitig in www.religionsphilosophischer-salon.de veröffentlicht.

Religionsphilosophische Perspektiven für 2011

Wichtig bleibt für uns als Projekt, den „Geist der Zeit“ bzw. „die Geister der Zeit“  (in ihrem Nebeneinander und Gegeneinander) wahrzunehmen und kritisch zu analysieren. Philosophie schwebt nicht in der Abstraktion, sie hat das Gegebene, auch in den Religionen, zu bedenken und zu kritisieren. Maßstab ist eine sich selbst kritisierende und damit „offene“ Vernunft.

Der schon deutliche Trend bleibt: Die Verkapselung der Individuen und Gesellschaften, der Staaten und Religionen in ihre vermeintliche Identität.

Das zum Teil aggressive Bestehen auf einer fix und fertigen Identität äußert sich im Rechthaben, im Anspruch, „die“ Wahrheit gegenüber den anderen zu haben, Fremde und Fremdes als Gefährdung zu deuten, von Verlustängsten geplagt zu sein, nicht teilen zu wollen, nicht lernen zu wollen von anderen.

Dieser Wahn, um jeden Preis eine angeblich „ewige“ oder „typische“  Identität zu wahren, ist naiv: Denn auch diese Identität ist entstanden, gewachsen, aus verschiedenen Einflüssen gewachsen…

Was die christlichen Kirchen angeht:

– Die Orthodoxie in ihrer Vielfalt zeigt sich heute in Osteuropa als staatstragend. Sie lässt sich als religiöse Ideologie für halbdemokratische Regime missbrauchen. Reformen kommen nicht in Frage, reale Trennung von Staat und Kirche sind tabu. „Die orthodoxe Frömmigkeitskultur trägt zudem kaum dazu bei, ein elementares soziales Vertrauen zu stärken. Zumindest in der Perspektive westlich geprägter Analytiker fördert die Orthodoxie ökonomischen Traditionalismus und quietistische Akzeptanz des Gegebenen“, so der Theologe Friedrich Wilhelm Graf in „Die Wiederkehr der Götter, 2004, s. 195. Im Gebrauch längst vergangener Sprachen für die göttliche Liturgie wird ohnehin kein Anspruch erhoben, Glauben und Vernunft zu versöhnen

– In der katholischen Kirche ist aufseiten der Kirchenleitung die verbissene Lust an der römischen Identität seit Jahren bekannt und vielfach besprochen worden. Der Papst behauptet nach wie vor, nur der römische Katholizismus sei die wahre Kirche Jesu Christi, die anderen Kirchen „nur“ Gemeinschaften. Mit der trotzdem vom Papst beschworenen Ökumene hat das eigentlich nichts mehr zu tun. Ökumene hat den Charakter des diplomatisch Verpflichteten.

– Im weiten Feld der Evangelischen Kirchen müssen immer viele Nuancen bedacht werden. In den klassischen protestantischen Kirchen, den Lutheranern und Reformierten, ist sicher viel Raum für einen echten Dialog lernbereiter Partner. Andererseits bemühen sich die Landeskirchen (etwa in Deutschland) darum, auf keinen Fall die Evangelikalen, die Ultra Konservativen, zu verlieren, sie sind gute Kirchensteuerzahler.

Die Pfingstkirchen bieten ein klares und eindeutiges „identisches“ Profil des Christlichen. Sie haben damit Erfolg, weil in einer Welt voller Unsicherheiten die krampfhafte Suche nach dem Ewigen und Festen verständlich ist, aber religionsphilosophisch problematisch ist. Kann ein fundamentalistisch wiederholtes Bekenntnis „Sicherheit“ bieten, gibt es Sicherheit ohne kritische Vernunft und kritisches Nachdenken.

Merkwürdig – und aus meiner persönlichen Sicht traurig – ist die Tatsache, dass die Kirchen, die alle Freiheit kritischen Denkens lassen und allen Raum bieten für die kreative Entwicklung der Theologie und Spiritualität, wie die freisinnigen Kirchen, etwa die Re­mon­s­t­ran­ten, zahlenmäßig klein bleiben. Tom Mikkers, Allgemeiner Sekretär der Re­mon­s­t­ran­ten in Utrecht, nennt seine Kirche eine „Asylkirche“, also einen Ort, der Raum bietet zum freien Atmen und kritischen Denken. Aber die Menschen suchen lieber ihre fixen Identitäten, als eine Kirche, in der man sich verändern kann und lernen kann. www.remonstranten-berlin.de wird nach wie vor über freisinnigen Glauben heute und damals berichten. Unsere These ist: Philosophierende Menschen haben in freisinnigen Kirchen einen Platz der Versöhnung von Glauben und Vernunft.

Auch in dem Zusammenhang ist ein Dialog über den Zusammenhang von Religion und Vernunft dringend geboten. Der religionsphilosophische Salon www.religionsphilosophischer-salon.de will sich als Basisinitiative diesem Projekt weiterhin verpflichtet fühlen. Die Selbständigkeit des philosophischen Denkens ist dabei selbstverständlich.

Glauben ist kreativ

Die Freiheit der Vielfalt bewahren

Freisinnige protestantische Positionen zu vertreten, ist in einem überwiegend konservativen christlichen Umfeld nicht einfach:

Zum Beispiel:

Problematisch erscheint es,  wie in den letzten Wochen erneut von konservativer christlicher Seite gerade liberale Protestanten herabgesetzt, wenn nicht diffamiert werden. In seinem neuesten Buch vom November 2010 “Licht der Wahrheit” (S. 118ff) weigert sich der Papst, protestantische Kirche tatsächlich ALS Kirchen anzuerkennen. Nur die römische Kirche ist Kirche, meint er, die Orthodoxen sind es vielleicht auch etwas. Frauenordination, Akzeptanz homosexueller Partnerschaften und “dergleichen mehr”, “wie ethische Stellungnahmen”, die (vor allem freisinnige) Protestanten auszeichnen,  nennt der Papst “Komformismen mit dem Geist der Gegenwart”.  Also oberflächliche Anpasserei… Freisinnige Christen halten daran fest, dass sich in den Kulturen der Gegenwart sehr wohl Werte zeigen, die akzeptiert werden können, wie eben die Geichstellung der Frauen und die Akzeptanz homosexueller Partnerschaften…Glaube ist für freisinnige Christen keine Monotonie der Wiederholung angeblich ewiger Wahrheiten. Glauben ist ein kreatives Geschehen, das dem Menschen viel Freiheit lässt…

Zum Beispiel:

Angesichts der Diskussionen innerhalb der protestantischen “Welt” der Niederlande schreiben die beiden Re­mon­s­t­ran­ten Theologen T. Barnard und T. Mikkers Ende November 2010: „Wir glauben absolut nicht mehr dasselbe wie unsere =Väter, also die Initiatoren der Re­mon­s­t­ran­ten, einst=. Noch stärker: Das werden wir auch überhaupt nicht wollen. Unser Glaube steht auch in Verbindung mit unserer Zeit!  Aber ebenso fühlen wir uns sehr verbunden mit den Re­mon­s­t­ran­ten von einst, denn sie verlangten vor allem Raum und Freiheit um zu glauben. Sie standen für eine Kirche, in der verschiedene Standpunkte nebeneinander bestehen können“.

Gottesbilder sind immer relativ

Sind Gottesbilder Bilder von Gott?

Fragen und Überlegungen beim Treffen der Freunde der Re­mon­s­t­ran­ten am 3. Oktober 2010

Ist unsere Beziehung auf die Wirklichkeit nicht zumeist von Bildern geprägt?

Denken wir nicht äußerst häufig in Bildern? Können wir in unserem Umgang mit der Welt auf Bilder verzichten?

Nehmen wir uns selbst, die anderen, die Welt, nicht sehr oft (notwendigerweise) bildhaft wahr? Siehe „Weltbild“ als Begriff.

Wenn das so ist: Warum soll das Sich Beziehen auf eine göttliche, transzendente Wirklichkeit in Bildern dann etwas zu Überwindendes sein? Man denke an das Bilderverbot in der jüdischen Tradition oder in calvinistischen Kreisen.

Was passiert jedoch bei Menschen, die Heiligenbilder (z. B. Maria) oder das Kreuz oder eine Dreifaltigkeits – Ikone  küssen? Sehr verbreitet im Katholizismus und der Orthodoxie. Wollen diese Glaubenden (magisch??) Anteil haben an der heiligen Wirkkraft der Dargestellten?

Wie ist die barocke Bilderflut, die in manchen Barock Kirchen den Menschen erschlägt oder zumindest zu einer permanenten Zerstreuung verleitet, einzuschätzen?

Ist Barock die religiöse Kultur der Ablenkung vom Wesentlichen? Will die barocke Bilderwelt vielleicht sogar das Wesentliche gar nicht freilegen? Ist die Barocke Kultur Herrschaftskultur, im Sinne von:_ „katholische Missionskultur“.

Ist das reformierte Bilderverbot und die Betonung auf dem gesprochenen Wort der Predigt realistisch, wenn man bedenkt: Auch eine gute Predigt, die anschaulich sein will und wohl sein muss, erzeugt Bilder beim einzelnen Hörer. Welcher Unterschied liegt in der Bildererzeugung des einzelnen zur Bildkonfrontation eines Menschen, der in einer Barockkirche sitzt? Wahrscheinlich ist der einzelne Hörer einer bildhaften (reformieren) Predigt persönlich freier in seiner Phantasie.

Wird Gott immer in Bildern erfahren und gedacht? Selbst die Psalmen, die sich gegen den bildhaften Gott wehren,  sagen: Gott ist gerecht und gütig. Wecken solch Gottesprädikate nicht auch wieder Bilder?  Wer in die farblosen (weiß – grauen) Fenster reformierter Kirchen schaut, stellt sich Gott vielleicht farblos vor. Ist das ein persönlicher Gewinn oder ein Verlust?

Wahrscheinlich müssen wir betonen: Wir brauchen immer Gottes – Bilder,  wir machen sie notgedrungen, aber wir dürfen uns an kein festes Gottesbild binden, kein Gottesbild für endgültig und ewig halten. Jedes Gottesbild ist relativ,  das heißt: es wird im Laufe der Lebensgeschichte wieder überwunden und durch ein neues (natürlich lebensmäßig wieder begrenztes) ersetzt.

Also: Ja zu Gottesbildern. Aber bitte alle sehr relativ nehmen.

Relativität ist kein Schimpfwort, schon gar nicht eine Schande, oder Ausdruck des Kulturverfalls, wie Joseph Ratzinger (Benedikt XVI) behauptet: Relativität ist die Rettung: spirituell und menschlich. Tatsächlich, es handelt sich um eine menschliche Rettung, weil die Relativität ALLER BILDER von Fixierungen und Festlegungen befreit. Das Leben kann wieder lebendig sein, kann fließen, für Überraschungen und neue Einsichten offen werden. Wahrscheinlich gehören (heiliger) Geist und Relativität ganz eng zusammen. Und fundamentalistischer Ungeist äußert sich als Macht der Herrscher in ihrem Kampf gegen „Relatives“.

Jesus war ein Religionskritiker.

Jesus war ein Religionskritiker. Im Alltag das Heilige entdecken.

Tom Mikkers, der „Allgemeine Sekretär der Re­mon­s­t­ran­ten Kirche“, hielt am Sonntag, 16. Mai 2010, in der Kirche „de Vrijburg“ in Amsterdam, eine bemerkenswerte Predigt. Anlass war ein besonderer Gottesdienst, in dem die Lieder des Song Contests, der Eurovision, im Mittelpunkt standen. Mehr als 400 Teilnehmer waren bei diesem ungewöhnlichen spirituellen Ereignis dabei, als Angebot und Einladung wurde deutlich: Auch in der Populärkultur, auch in den Songs und Liedern des „Eurovision Song Contest“, kommen spirituelle und religiöse Aspekte vor. Sie sollten auch von Kirchen beachtet werden, sie können nämlich hilfreich sein, wenn es auch klar ist, dass viele Lieder banal und kitschig sind.

Tom Mikkers sagte unter anderem:
„Ganz eingefleischte Theologen („hardcore theologen“ im niederländischen Text) könnten sagen: Diese Lieder sind schön, aber das hat mit Kirche oder Christentum nichts zu tun. Andere sagen: Es kann ja sein, dass einige Songfestival – Lieder ein bisschen Friede und ein bisschen Liebe brachten. Aber für die Antworten zu den großen Lebensfragen muss man doch bei dem alten kirchlichen Repertoire sein Heil suchen. All das andere sei nur eine Art Verdünnung der alten Lehre.
Wer das sagt, hat eine Voraussetzung: Es gibt eine große Wahrheit, die ist buchstäblich zu finden in der Bibel, und diese Wahrheit wird genau formuliert von Priestern und Kardinälen. Und wehe dir, wenn du beginnst, dein eigenes Lied zu singen!
In meinen Augen pervertiert der christliche Glaube, wenn er zu einem fest umschriebenen kirchlichen Exklusiv – Programm wird.
Warum? Weil Glauben nichts zu tun hat mit einer Stellungnahme (mit dem „nur so ist es“), sondern mit einem innerlichen Abgestimmtsein auf das eigene Selbst, auf den Mitmenschen und das große Ganze, das wir vielleicht auch, (wenn genaue Begriffe fehlen), Gott nennen.
Jesus war ein Religionskritiker der reinsten Art! Nun ist es ein Gewinn von wahrer Religionskritik, dass sie religiös inspirierte Menschen herausfordert, die Bitterkeit und die Unbarmherzigkeit der harten Wahrheit („nur so und nicht anders“) wirklich anzusehen, aber sie dann auch zu verlassen und aufzugeben! Übrigens ist für mich die Angst vor der Religionskritik vollkommen unbegründet. Denn Religion versteinert nur ohne Kritik.
Jesus hielt nichts von bürokratischen Dogmatikern, die meinten bestimmen zu können, wer etwas taugt und wer nicht. Jesus rief das Establishment zur Ordnung!

Die Kirche als Gemeinschaft von Menschen, die auf dieser Spur Jesu von Nazareth weiter gehen will, kann nicht machtvolle Verurteilungen vornehmen und an einer festen Ordnung hängen. Nicht das haarscharfe Urteil , sondern das Mitleiden mit jedem, der leidet und stirbt, ist das geistliche Brot, das in der Kirche an alle Menschen ausgeteilt wird…Jesus machte das Heilige wieder zum Alltäglichen, und das Alltägliche wurde für ihn heilig. Jesus bezweifelte in aller Offenheit die religiös korrekten Antworten und Annahmen“.

Für ein freies und tolerantes Christentum

Re­mon­s­t­ran­ten halten ihren “Tag der Beratungen” am Samstag, 13. März in Rotterdam

Einmal im Jahr kommen Re­mon­s­t­ran­ten zu einem “Berdaadsdag”, einem Tag der Gespräche und Diskussionen zusammen. So eine Art “kleiner Kirchentag”. In diesem Jahr steht im Mittelpunkt die Frage: Was bedeutet es heute, wenn die Re­mon­s­t­ran­ten sich für ein freies und tolerantes Christentum einsetzen? Es wird ein Gottesdienst gefeiert, es gibt eine Podiumsdiskussion über die veränderte Rolle der Religion in der Gesellschaft, es gibt diverse Workshops, u.a. auch mit Vertretern des Interkirchlichen Friedensrates/Pax Christi, es wird die Frage diskutiert, welche Verbindungen es gibt zwischen der Theologie des Jacobus Arminius damals und heutigen Auffassungen. “Arminius wollte Raum schaffen für verschieden theologische Auffassungen. Auf dieser Spur sind die Re­mon­s­t­ran­ten weiter gegangen”, heisst es in der Monatszeitschrift der Re­mon­s­t­ran­ten ADREM: “Re­mon­s­t­ran­ten von heute umarmen nicht die Dogmatik, sondern die persönliche Kreativität und bringen sie in Verbindung mit der Bibel”.
Die Tagung findet in der Rotterdamer Re­mon­s­t­ran­tenkirche statt.

Liberale Protestanten: Im Vatikan nicht geliebt

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.Was denken führende Kardinäle heute von “liberalen Protestanten”? Das kann sich jeder Kundige selbst leicht denken, wird aber gelegentlich von Vertretern der römischen Kirche deutlich ausgesprochen. Kardinal Walter Kasper, in Rom für “die Ökumenische Verständigung und den Dialog der getrennten Christen und Kirchen” zuständig, sagte anläßlich des bevorstehenden Lutherjubläums im Jahr 2017:
“Eine Rückbesinnung auf den Glauben des Reformators Martin Luther, der allen heutigen liberalen Tendenzen zutiefst abhold wäre, kann man dem Protestantismus nur wünschen”.
(zit. in Jahrbuch 2008, Lutherdekade 2017, Wittenberg, 2009 (?), S 67).
So wird Luther zum Vorwand genommen, um offenbar antiliberale Tendenzen, fundamentalistische (?) Überzeugungen, zu stützen.
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