Glauben ist Freisein

Das Forum der liberal-theologischen protestantischen Re­mon­s­t­ran­ten – Kirche in Berlin hat im Augenblick seinen Schwerpunkt in den religions-philosophischen Salons. Dies sind philosophische Gesprächskreise, auch zu literarischen, künstlerischen, religionswissenschaftlichen und theologischen Themen, in der selbstverständlichen Freiheit, ohne jede “konfessionelle Werbung”. Diese Salon-Abende sind natürlich offen für alle, die nach einer kritischen und selbstkritischen philosophischen Vertiefung ihrer Lebensfragen mit anderen zusammen suchen. Wir als  Re­mon­s­t­ran­ten halten nicht viel von einer Religion oder Kirche, die dogmatisch eng “nur unter sich bleiben will”. Lernen von “den anderen” ist für uns philosophisch und theologisch entscheidend.

Der nächste religionsphilosophische Salon findet am Freitag, den 22. 6. 2018 um 19 Uhr in der Galerie Fantom, Hektorstr. 9, statt.  Dazu herzliche Einladung. Mit der Bitte, wie üblich, um Anmeldung per E-mail: christian.modehn@berlin.de. Die Anzahl der Plätze in unserem Salon ist bekanntlich begrenzt.

Zum ersten Mal in der 10 jährigen Geschichte unseres philosophischen Salons möchte ich das ursprünglich vorgesehene und schon angekündigte Thema in den Hintergrund stellen. Wir wollen stattdessen über die Formen des alltäglichen Rassismus sprechen, nicht nur in der weiten geografischen Ferne oder in der Geschichte einst. Sondern über Formen des Rassismus heute.

Da kann jeder und jede eigene Reflexionen einbringen, etwa zur tief sitzenden Verachtung „der anderen“; über unsere europäische und deutsche (auch ökonomische) Leitkultur, die immer noch meint, wertvoller und wichtiger zu sein als die „anderen“; über die Formen der ideologischen Herrschaft in den Religionen und Kirchen über die einzelnen (etwa die Frauen, die Homosexuellen); über das Hinnehmen der permanenten Ausbeutung und Diskriminierung der Armen in Afrika; über das ausgrenzende Umgehen mit Armen, Alten, Kranken hier bei uns; über die aggressive und tödliche Sprache der Hasstiraden von rechtsextremen Populisten in den so genannten sozialen Netzwerken… Ist unsere Welt heute tief rassistisch geprägt?  Man könnte es leider meinen! Rassismus zeigt sich heute viel umfassender als der Hass auf bestimmte Rassen. Ein weites Feld, das dringend der philosophischen, also grundsätzlichen und selbstkritischen Reflexion bedarf. Und der ungebrochenen Suche nach Abwehr des Rassismus durch Gesetze, Menschenrechte, Bildung, Empathie…

PS: Auf die Publikation von Prof. Thomas Bauer (Münster): “Die Vereinheitlichung der Welt. Über den Verlust an Mehrdeutigkeit und Vielfalt” (als Reclam -“Heft” 2018) komme ich später noch einmal auf dieser website kritisch zurück. Die Lektüre dieses Heftes ist selbstverständlich überhaupt NICHT Bedingung für die Teilnahme am 22.6. 2018.  

Am Freitag, den 11. Mai 2018, hatten wir einen besonderen Salonabend: Acht junge Niederländer, Mitglieder der  protestantischen Kirche der Re­mon­s­t­ran­ten, waren bei uns. Insgesamt 22 TeilnehmerInnen diskutierten, welche Möglichkeiten es gibt, EUROPA für uns selbst neu zu beleben angesichts des aggressiven Nationalismus. Vor allem: Kann Religion, Spiritualität, dabei hilfreich und kritisch sein?  Siehe dazu einen Beitrag: Kirchen werden zu Friedenskirchen.

Zum religionsphilosophischen Salon am Freitag, den 23. März 2018  kamen 17 TeilnehmerInnen, was gibt uns Halt in unserem Leben war das Thema, 2 Freunde (Margriet und Dik) aus der Re­mon­s­t­ran­ten Gemeinde in Amsterdam waren dabei.

In unserem Salon am 23. Februar 2018 hatten wir das Thema: “Gibt es Fortschritt in meinem Leben und in der Welt/Gesellschaft?” 18 TeilnehmerInnen waren dabei.

Wir empfehlen, wenn man Niederländisch lesen kann, die aktuelle, sehr ansprechende website der niederländischen Re­mon­s­t­ran­ten zu besuchen. Klicken Sie hier.

Auch die Monatszeitschrift der Re­mon­s­t­ran­ten ADREM hat ein neues Layout und bietet viele wichtige Beiträge zur Frage der Religion und der immer notwendigen Reform der Kirche. Die Re­mon­s­t­ran­ten sind bekanntermaßen eine Kirche, die zur ständigen Reform, zur Veränderung, zur Entwicklung, zur Kritik am Dogmatismus usw. bereit sind. Das neueste Projekt: In den Gemeinden explizit Menschen einladen, gemeinsam drängende Fragen des Lebens, des Sinn des Lebens, zu besprechen. 

Wir sind traurig, dass die Re­mon­s­t­ran­ten Pastorin Christiane Berkvens-Stevelinck am 23. November 2017 gestorben ist. Sie war eine prominente Theologin und spirituelle Lehrerin. Über ihre Reflexionen zur “Spiritualität eines jeden Monats” haben wir auf dieser website berichtet. Ebenso über Ihr der heutigen Mentalität angepassten “Katechismus des Mitgefühls”als Abschied von den üblichen Dogmen!  Ich habe Christiane mehrfach getroffen, auch für Interviews. Sie war auch Professorin in Nijmegen – mit einem katholischen background, also in großer ökumenischer Weite.

In der Literatur werden die Re­mon­s­t­ran­ten auch oft Arminianer genannt, bezogen auf den Initiator dieser Bewegung, den Reformator und Theologen Jacob Arminius (1560-1609 ), klicken Sie auch hier. Nebenbei: Der Beitrag über die Re­mon­s­t­ran­ten auf wikipedia ist weithin veraltet und theologisch nicht aktuell! Nicht zum empfehlen!

Der  Religionsphilosophische Salon am Freitag, den 26. Januar 2018 war mit 21 Teilnehmern gut besucht. Für eine kontroverse Diskussion sorgte vor allem der Philosoph Wolfgang Ullrich, Leipzig; wir sprachen mit ihm über sein neuestes Buch “Wahre Meisterwerte” (Wagenbach Verlag). Hinweise zu dem wichtigen Buch folgen.

Zu unserem Salon – Gespräch am 15. Dezember 2017 kamen 15 TeilnehmerInnen zusammen. Wir sprachen über: “Meine Philosophie der Sehnsucht”. Ein ungewöhnliches philosophisches Thema, aber vielleicht passend für die Weihnachts/Advents-Zeit. Zur Vertiefung gerade zur Weihnachtszeit klicken Sie hier.

Unser religionsphilosophie Salon am 23.11.2017 über die Vorstellung der Vanitas, der Vergeblichkeit von allem, vor allem unseres eigenen Lebens, hat sehr viel Interesse gefunden: Es waren 19 TeilnehmerInnen dabei. Und dies vor dem Totensonntag

Eine (leider noch unvollständige) Übersicht über die Themen unserer Religionsphilosophischen Salons finden Sie hier.  Aber dadurch haben Sie einen Eindruck von der Vielfalt der Themen.

Das Forum der Re­mon­s­t­ran­ten Berlin bietet  seit mehr als 6 Jahren, monatlich einmal eine Veranstaltung an, den religionsphilosophischen Salon. Wenn sich mehr Menschen aus religiösen wie nichtreligiösen Kreisen für diese aus den Niederlanden stammende freisinnige protestantische Glaubensgemeinschaft interessieren, die der liberalen theologischen Tradition verpflichtet ist, können auch weitere Treffpunkte etc. gemeinsam (!) gestaltet werden. Diese neue liberale theologische Position ist eine Chance, Spuren des Religiösen (in sich selbst) wahrzunehmen, nicht nur in der Kirche, sondern in der Kultur, dem gesellschaftlichen Zusammenleben, ohne dabei in dogmatische Zwänge zu geraten. Es geht darum, dass jeder Mensch seinen eigenen Glauben entwickelt, ausspricht, schätzt. Dabei entsteht eine Vielfalt. Diese Pluralität ist in der Re­mon­s­t­ran­ten Kirche sehr willkommen. Glaube entwickelt sich im Respekt vor dem eigenen Glauben und der Auseinandersetzung mit religiösen, biblischen Texten, wenn diese denn z.B. mit dem Geist der Humanität sich versöhnen lassen. Bei vielen Menschen ist offenbar die Bindung an dogmatische Vorgaben (also Lehren aus früheren Zeiten) so stark, dass sie es nicht wagen, sich zum guten Recht zu ihrem eigenen Glaubens zu bekennen. Kant würde heute sagen: “Wage es, deinem eigenen Glauben zu vertrauen und ihn im Gespräch mit anderen (der Re­mon­s­t­ran­ten-Gemeinde) zu vertiefen”.  Gemeinden sind Gesprächsgemeinden, keine Orte der dogmatischen, klerikalen Belehrung. Das sah übrigens auch Schleiermacher so.

Wer sind die Re­mon­s­t­ran­ten?

Die Re­mon­s­t­ran­ten – eine Kirche der besonderen Art. Protestantisch und humanistisch, dogmenfrei und lernbereit von anderen Religionen. Sie hat eine lange Tradition, sie hat sich immer wieder weiterentwickelt. Sie ist eng mit der Ökumenischen Bewegung verbunden, hat aber auch gleichermaßen Interesse am Dialog mit humanistischen Gruppen.

Wir weisen aufgrund einiger Nachfragen gern darauf hin: Die freisinnige Kirche der Re­mon­s­t­ran­ten  versteht sich auch als “Asylkirche”, d.h. als Zufluchtsort für Menschen, die die dogmatischen Vorgaben und das hierarchische System ihrer angestammten Konfessionen nicht mehr aushalten und sich ihren persönlichen, individuellen  Glauben bewahren wollen sowie nach einem Refugium der Freiheit und der Selbstbestimmung auch in religiösen und ethischen Fragen suchen. Sie sind bei den Re­mon­s­t­ran­ten willkommen!  Auf diesen Charakter der “Asylkirche” hat der Allgemeine Sekretär der Re­mon­s­t­ran­ten Kirche, Tom Mikkers, Utrecht, mehrfach hingewiesen. Für dieses Leitbild “Asylkirche”  sind inzwischen viele Menschen dankbar.

In den Niederlanden hat die Re­mon­s­t­ran­ten Kirche ca. 5.000 Mitglieder und “registrierte Freunde”, also Menschen, die  einer anderen Kirche (etwa der katholischen Kirche) weiterhin angehören wollen, aber gern in der freisinnig – christlichen (undogmatischen) Kirche der Re­mon­s­t­ran­ten mittun und moderne Spiritualität miterleben möchten.  Für Re­mon­s­t­ran­ten ist solche “Doppelmitgliedschaft” überhaupt kein Problem.  In Deutschland ist die Re­mon­s­t­ran­ten Kirche  seit dem 17. Jahrhundert in Friedrichstadt vertreten. In Berlin gibt es seit Januar 2010 ein “Forum der Re­mon­s­t­ran­ten”, dort versuchen wir im Geist der Re­mon­s­t­ran­ten ein freies spirituelles und religionsphilosophisches Gespräch zu fördern, die Möglichkeiten sind groß und vielfältig…

PS. Re­mon­s­t­ran­ten – das Wort leitet sich von “remonstrance” her, es meint Abwehr und Zurückweisung: Diese reformierten Christen lehnten es zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Holland ab, an einen alles vorher bestimmenden Gott zu glauben. Sie wollten als Menschen freie und selbständige Wesen sein und bleiben. Sie verzichten nicht auf das kritische Denken, wenn sie die Frage nach Gott stellen oder nach dem Sinn von Glauben und Kirche fragen. Sie nehmen sich die Freiheit, diese “Freiheit des Glaubens” nicht als ferne Utopie oder Geschenk von Autoritäten, sondern schon jetzt zu leben.

Die Re­mon­s­t­ran­ten waren 1986 die erste Kirche weltweit, die homosexuelle (Ehe-) Paare in ihren Kirchen offiziell segneten, auch Menschen, die nicht zur Re­mon­s­t­ran­ten Kirche gehören. Schon vorher war  es für Re­mon­s­t­ran­ten  selbstverständlich , dass homosexuelle Menschen in den Gemeinden willkommen sind. Iim Unterschied zu allen anderen Kirchen ist das kein “problematisches” Thema…  Insofern sind die Re­mon­s­t­ran­ten einmal mehr ein Ort der Freiheit…Deswegen wurden die Re­mon­s­t­ran­ten auch von der niederländischen Organisation COC kürzlich ausdrücklich gelobt und gewürdigt.

Wir erlauben uns den Hinweis, dass die deutschsprachige Seite von wikipedia über die Re­mon­s­t­ran­ten unserer Meinung nach die heutige theologische Überzeugung nicht beschreibt, die theologischen Hinweise dort sind allein für Historiker noch interessant und möglicherweise bedeutungsvoll. Wikipedia kommt – bei diesem Thema – als zuverlässige und umfassende, auch aktuelle Informationsquelle kaum in Frage.