Was ist Fasten? Warum ist Fasten spirituell wichtig? Drei Fragen an den Theologen Prof. Wilhelm Gräb, Berlin

Weiterdenken: 3 Fragen an Prof. Wilhelm Gräb

Gegen Hysterie und Nervosität: Was Fasten heute bedeutet

Die Fragen stellte Christian Modehn

Fasten hat sich längst als Begriff und als Realität auch außerhalb der Kirchen etabliert. Fasten gehört zur „Wellness-Kultur“, z. B. mit ihrer Suche nach dem idealen Körpergewicht. Könnte Fasten und Fastenzeit nicht auch ganz neue Bedeutung gewinnen? Was denken Sie davon, z.B. das Fasten mit dem Unterbrechen eingeschliffener Denkgewohnheit zu verbinden? Gehört nicht auch die Unterbrechung zum Kern religiösen Lebens?

Zeiten des Fastens gehören seit jeher in nahezu allen Religionen zu eben den Praktiken, mit denen sie zur Prägung der individuellen Lebensform beitragen. Heute wird das Fasten allerdings nicht mehr praktiziert, weil es ein religiöses Gesetz gebietet, sondern weil es Menschen hilft, bewusster und aufmerksamer mit sich selbst und ihrer Welt umzugehen. Ein Ausdruck unserer „Wellness-Kultur“ sei das Fasten geworden, sagen Sie zu Recht. Gerade weil das Fasten für uns Heutige nicht mehr zu den religiösen Pflichten gehört, können wir umso besser → weiterlesen

LOGOS – eine Meditation nicht nur für die Zeit um Weihnachten

LOGOS – eine Meditation nicht nur für die Zeit um Weihnachten

Von Christian Modehn

Am 27. 12. 2013 trafen sich 17 Freundinnen und Freunde des „Religionsphilosophischen Salon Berlin“ zu einer Besinnung, einem Gespräch, besonderer Art im „Kulturraum Mainzer7“ in Neukölln: Wir wollten uns den Prolog des Johannes Evangeliums philosophisch erschließen, d.h. fragend und kritisch suchend den (schwierigen) Text verstehen und eine mögliche Aktualität für uns prüfen. Dabei sollte auch die musikalische Besinnung eine → weiterlesen

Dezember: Eine Zeit, um zu hoffen.

Spirituelle Anregung für den Dezember:  „Eine Zeit, um zu hoffen…“ Impulse von Christiane Berkvens- Stevelinck, Pastorin der Re­mon­s­t­ran­ten Kirche

Bis zum 21. Dezember werden die Tagen immer kürzer und die Welt wird immer dunkler…Aber mit der Sonnenwende beginnt eine neue Saison…Die kirchliche Tradition hat diesen Rhythmus der Natur verbunden mit der Ankunft des „Lichts der Welt“, der aufgehenden Sonne, als die Christus gedeutet wurde. Wenn wir im Advent eine Kerze nach der anderen anzünden, dann meinen wir, dass zu Weihnachten das Licht wieder vollständig scheinen wird. Hoffnung, an sich, ist ein leerer Begriff. Wir können nur hoffen auf „etwas“. Was ist die Aussicht meiner Hoffnung? Menschen sind meist für die Hoffnung eingenommen. Sie bezeichnet ihren Willen zu überleben, beschreibt das Bedürfnis, sich der Zukunft zu stellen. „Hoffnung ist nur Treibsand“, schreibt hingegen der „Erzpessimist“ Gerrit Komrij.  Ob die Hoffnung reell ist, beweist sich eben erst danach…

Die Bibel lebt von einer Aura der Hoffnung. Im Alten Testament  geht es um die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, die Abraham umtreibt; ein Volk wird dann durch die Wüste geführt und in der aussichtslosen Verbannung zeigen sich neue Perspektiven. Dann sind es auch prophetische Stimmen, die die Vision eines neuen Jerusalem, eines neuen Zuhauses, erzählen. Im Neuen Testament konzentriert sich diese Hoffnung auf eine bessere Zukunft für alle Menschen. Es handelt sich um das „Königreich“ von Friede und Gerechtigkeit. Hoffnung könnte man die Zwillingsschwester des Glaubens nennen. Darum richtet sich die Hoffnung auf Gott. Hoffnung ist eine Aktivität, sie ist eine Tat, eine Lebenshaltung, in der Sehnsucht, Vertrauen und Geduld die wichtigsten Übungen sind.

Zur Meditation empfehlen wir: 1. Korinter Brief 12, 31 – 13, 13 Lukas 1, 26 – 33 Lukas 1, 46- 55. Entnommen dem Buch „Vieren en Brevieren“. S 188 f.

November: Eine Zeit des Gedenkens

Zur Spiritualität des Monats November: Eine Zeit des Gedenkens…

An Allerheiligen und Allerseelen oder auch am letzten Sonntag im Kirchenjahr (dem „Ewigkeitssonntag“) bietet die kirchliche Tradition die Möglichkeit, der Toten zu gedenken… Auch die Natur zeigt ihre Sterblichkeit und geht “under cover“. Das bestimmt auch unsere Gedanken an die Liebe, die einmal gewesen sind, und die, auch in anderer Form, noch immer bestehen bleibt.

In unserem Gedenken beziehen wir uns auch auf die Toten, die schon vergessen sind und die nicht mehr mit ihrem Namen genannt werden. Sie stehen geschrieben, poetisch ausgedrückt, „auf der Handfläche Seiner (Gottes) Hand“. Er erbarmt sich ihrer, wer auch immer sie waren…

Unser ganzes Leben steht im Zeichen des Gedenkens. Auf den Geburtsurkunden stehen die Namen die Namen der Eltern. Auf den Todesanzeigen meist die Namen der Kinder und Enkel. Wir halten unsere Geliebten im Gedächtnis, immer wenn wir ihre Namen noch nennen. Denn an wessen Namen man sich noch immer mit Liebe erinnert, der bleibt anwesend.

Zur Meditation biblischer Texte wird vorgeschlagen:

Jesaja 49, 8 – 16

Psalm 105, 1 – 19

Lukas 22,  14-20.

Wie in den anderen Beiträgen dieser Rubrik ist dieser Text eine Übersetzung aus dem empfehlenswerten Buch: “Vieren en Brevieren”, Meinema Verlag, 2009, s. 184 f.  Die Autorin Christiane Berkvens – Stevelinck ist Pastorin der Re­mon­s­t­ran­ten Kirche; Sytze de Vries ist Reformierter Theologe.

OKTOBER: Eine Zeit, um mit Steinen zu bauen

Jeder  Monat unter einem spirituellen Motto : Kleine Impulse fürs Nach – Denken und die Besinnung:

Christiane Berkvens – Stevelinck und Sytze de Vries machen in ihrem Buch „Vieren und Brevieren“ (Meinema Verlag) entsprechende Vorschläge.    (Übersetzung Christian Modehn)

Oktober: Eine Zeit, um mit Steinen zu bauen

Solange es Erinnerungen an die Geschichte der  Menschheit gibt, werden Steine aufeinander gesetzt. Natursteine, die übereinander gefügt werden als Erinnerungszeichen; leicht behauene Steine, die besser zu einander passen und leicht stehen; schon geformte Bausteine, die mit Zement aneinander befestigt sind. Dann gibt es klare und feste Baustrukturen, die aneinander befestigt werden.

Einfach oder kompliziert: Der Mensch ist der Architekt seines Lebensraumes und auch seines eigenen „geistlichen Hauses“.

Steine aufeinander stellen kann dann auch im übertragenen Sinne verstanden werden. Unser „geistliches Haus“ besteht aus Bausteinen, die aus unserer eigenen Tradition stammen oder aus der Traditionen anderer Menschen. Es sind Steine, die wir sammeln oder geschenkt bekommen und dann zusammenfügen zu einen bewohnbaren Ganzen.

Die Bibel spricht dauernd über Bausteine, über deren Qualität sowie den Gebrauch oder Missbrauch. Man kann sein Haus bauen auf einen Felsen oder auf Sand.

Spirituell formuliert: Man kann Christus als sein Fundament wählen oder auch nach einer Stadt verlangen, in der Gott selbst der Architekt und Baumeister ist.

Wir können lebendige Steine sein, sozusagen Mittel, durch das ein Haus, ein Tempel, eine Wohnung für Gott unter den Menschen gebaut wird.

Bibeltexte zum Meditieren:

Genesis, 11, 1- 9

Psalm 118, 22  29

Markus 13, 1-2

September: Eine Zeit, um Frieden zu stiften

Spiritualität im Monat September:

„Eine Zeit, um Frieden zu stiften“

In dem Buch „Vieren en brevieren“ (Meinema, 2009) bieten Christiane Berkvens – Stevelinck (Re­mon­s­t­ran­ten Pfarrerin) und Sytze de Vries (Reformierter Pfarrer) auch Vorschläge, das besondere Profil eines jeden Monats zu bedenken. Für den Monat September schlagen sie das Thema Frieden vor:

Was ist Friede? Bloß eine sanfte Zeit zwischen zwei Kriegen?  Eine für kurze Zeit geltende Form des Gleichgewichts der Macht zwischen entgegen gesetzten Interessen? Oder eine von Dauer geprägte Lebensweise, die Mensch und Natur respektiert in der eigenen Qualität? Friede ist eine Bedingung, wollen Menschen in ihrer Existenz nicht bedroht werden, sondern zu ihrem Recht kommen.

Friede muss oft auch „erkämpft“ werden. Aber wie darf dieser Streit aussehen? Und was sind die Eigenschaften eines wahren Friedensstifters?

In den Kirchen wünschen wir uns einander den Frieden Christi, oder den Frieden von Gott, der allen Verstand übersteigt. Ist der innerliche Friede, dieses nicht länger in Streit sein mit uns selbst, nicht auch eine Bedingung, um Frieden unter den Menschen zu stiften?

Die Bibel spricht von Frieden mit dem sehr bedeutsamen Wort shalom, das meint Ganzheit, Heilsein. Dabei handelt es sich um eine menschliche Bestimmung im ganzen, nicht bloß um eine zeitlich begrenzte Phase. Mehrere Propheten beschreiben shalom wie eine Idealbild: „Ruhe rundum und Frieden auf allen Seiten, jeder Mensch unter seinem Weinstock und Feigenbaum“. Der Friede von Gott ist untrennbar verbunden mit dem wechselseitigen Frieden unter den Menschen.

Zur Bibellektüre zum Monatsthema:

Genesis, 9, 8 – 17

Jesaja 54, 9 – 14

Johannes, 14, 27 und Lukas 10, 1- 6.

August: Eine Zeit der Ernte

August: Eine Zeit der Ernte. Spirituelle Impulse der Re­mon­s­t­ran­ten

Die Ernte ist die schönste Zeit des Jahres auf dem „platten Land“. Jetzt muss sich zeigen, ob alle Plackerei sinnvoll oder vergebens war. …Die Ernte kann gut, schlecht oder mittelmäßig sein, das hängt von vielen Faktoren ab, die auch außerhalb der Zuständigkeit des Bauern liegen.

Aber Ernten ist eine kräftige Metapher für das Einholen der Resultate der eigenen Arbeit. Die Frage ist, was man mit der eingeholten Ernte dann macht: Bewahrt jeder für sich seine eigenen Vorräte? Geben wir anderen daran Anteil? Und warum sollten wir das tun?

Zum Ernten gehört das Feste feiern. Erntefeste haben einen überschwänglichen Charakter. Die Anstrengung vieler formt Gemeinschaft: “Das haben wir gemeinsam geschafft“.

Der ursprünglich auf das Landleben bezogene Charakter der Bibel bietet eine große Menge Erzählungen, vor allem auch prophetische Visionen oder Gleichnisse, in denen das Thema Ernte zentral ist. Das Bild von der Ernte wird auf Individuen bezogen, aber auch in einem universellen Sinn verwendet. So berichtet Jesus von einem Mann, der seine Scheunen voll gefüllt hatte und sich für reich hielt, aber am folgenden Tag starb. Es ist aber auch die Rede von Gott, der alle Völker versammelt wie in einer “Ernte” und dabei die Spreu vom Getreidekorn trennt.

Texte aus der Bibel:

Deuteronomium, 16, 13 – 15.

Leviticus, 23, 21- 22

Matthäus, 9, 35 38.

-In dem Buch “Vieren en Brevieren” bieten Christiane Berkvens – Stevelinck (Re­mon­s­t­ran­ten Pastorin) und Sytze de Vries (Reformierter Pastor) Hinweise für eine mögliche Spiritualität eines jeden Monats, als Impuls, das besondere “Profil” der jeweiligen Jahreszeiten besser wahr – zu nehmen. Als Anregung zum “spirituellen Philosophieren”…

Juli: Eine Zeit, um zu tanzen

Eine Zeit, um zu tanzen:  Die spirituelle Anregung für den Monat Juli im Re­mon­s­t­ran­ten -Forum-Berlin.

In dem Buch “Vieren en Brevieren” bieten Christiane Berkvens – Stevelinck (Re­mon­s­t­ran­ten Pastorin) und Sytze de Vries (Reformierter Pastor) Hinweise für eine mögliche Spiritualität eines jeden Monats, als Impuls, das besondere “Profil” der jeweiligen Jahreszeiten besser wahr – zu nehmen.  Auch eine Anregung zum “spirituellen Philosophieren”…

Tanzen ist etwas anderes als rhythmische Bewegung. Tanzen ist Einswerden mit der Musik, d.h. der Musik freies Spiel geben im Körper. Zwischen Klang und Bewegung entsteht ein wunderbarer Zusammenhang. Die Bewegungen passen, „reimen sich“, vor allem, wenn man gemeinsam, in der Gruppe, tanzt. Eine Gruppe beginnt, wenn zwei Menschen zusammen sind. Die Tanzbewegungen sagen die Gefühle der Tänzer aus und sagen mehr aus als Worte.

Das biblische Buch „Prediger“ stellt das Tanzen dem Weinen gegenüber. Es gibt eine Zeit zum Tanzen, eine andere Zeit zum Weinen. Andere Texte stellen das Tanzen der Trauer gegenüber.

In den biblischen Erzählungen wird feierlich und überschwänglich getanzt. Meist, um Menschen zu begrüßen (im Reigen) oder um Gott zu ehren. So tanzt Mirjam mit den Frauen nach dem Durchzug durch das Rote Meer.

Texte der Bibel, die vielleicht zu weiterem Nachdenken inspirieren:

2 Samuel 6, 1 – 15; 13-15.  „David und ganz Israel tanzten vor dem Herrn mit aller Macht im Reigen…“

Matthäus 11, 16 – 19  „Wir haben aufgespielt und ihr wolltet nicht tanzen…“

Psalm 30, 11 13.  „Du hast meine Klage verwandelt in einen Reigen…“

 

 

 

Spiritualität im Juni: Eine Zeit, um zu lachen

Spiritualität im Juni: Eine Zeit, um zu lachen

In dem Buch “Vieren en Brevieren” bieten Christiane Berkvens – Stevelinck (Re­mon­s­t­ran­ten Pastorin) und Sytze de Vries (Reformierter Pastor) Hinweise für eine Spiritualität eines jeden Monats, als Impuls, das besondere “Profil” der jeweiligen Jahreszeiten besser wahr – zu nehmen. Als Anregung zum “spirituellen Philosophieren”…

Warum lassen wir uns vom Lachen eines Kindes berühren? Weil es ehrlich und aufrichtig ist und reine Freude ausstrahlt. Es ist schallendes Gelächter wie auch innere Freude. Aber immer ist Lachen der körperliche Ausdruck für das, was in mir lebt.

Es ist eine leibliche Antwort auf eine Situation, in der wir uns äußerst glücklich fühlen. Lachen ist aber auch ein Zeichen, um dem anderen Sicherheit zu geben. Lachen kann auch weniger unschuldig erscheinen. Auslachen zum Beispiel ist keine Äußerung von Freude, sondern von Schadenfreude. Es ist ein so genanntes Vergnügen auf Kosten des anderen.

Im Buch Prediger (in der Bibel) heißt es: „Es gibt eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen“. Damit ist gemeint: Lachen ist Ausdruck innerlicher Freude, das Vergnügen einander zu genießen. Geteilte Freude ist doppelte Freude. Lachende Menschen trachten einander nicht nach dem Leben. Heiterkeit verbrüdert.

Wo lachen wir? Mit wem und warum? Kann man Lachen organisieren? Wird heute zu wenig gelacht? Bei der Arbeit, in der Gesellschaft, in der Kirche?Können wir auch über uns selbst lachen? Das könnte die größte Form von kritischem Selbstbewusstsein und der Relativierung des eigenen Selbst sei!

Mystiker sprechen regelmäßig von der inneren Freude. Sie wird deren „innerer Meister“, wenn sie sich ganz nahe bei Gott fühlen.Spirituelle Vertiefung ist eine ernstzunehmende Angelegenheit. Aber wenn sie nicht zu innerlicher Freude führt, wozu ist sie dann gut?

Lachen hat Voraussetzungen: Heiterkeit, Offenheit, Aufmerksamkeit und Humor. Offenheit für das, was uns unterwegs begegnet; Aufmerksamkeit für die Menschen, mit denen wir zu tun haben und Humor, um verwickelte Situationen zu bestehen.

Lachen gehört zu einer munteren und heiteren Spiritualität. Kann man Lachen lernen?

Es scheint, dass in der Bibel wenig gelacht wird. Da liegt eher der Akzent auf der inneren Seite dieser körperlichen Lebensäußerung: das Genießen, das Finden der eigenen Bestimmung, das Teilen der Freude. Sollte Singen auch eine Äußerung von Heiterkeit sein? Sollte denn das Lied keine richtige Schwester des Lachens sein?

Das Evangelium wird die Frohe Botschaft genannt. Könnte es ein, dass sich vielleicht zu wenig Fröhlichkeit in der christlichen Tradition durchgesetzt hat?

Hinweise für eine Bibellektüre zum Thema:

Genesis, 18 1-4; 14-18.

Psalm 126

Offenbarung des Johannes: 19, 5-7.

Spiritualität im Mai: Einander umarmen

In ihrem Buch “Vieren en Brevieren” bieten Christiane Berkvens – Stevelinck (Re­mon­s­t­ran­ten Pastorin) und Sytze de Vries (Reformierter Pastor) Hinweise für eine Spiritualität eines jeden Monats, als Impuls, das besondere “Profil” der jeweiligen Jahreszeiten besser wahr – zu nehmen.

Spiritualität im Monat MAI: Eine Zeit, um einander zu umarmen. 

Mit dem Beginn der „Guten Jahreszeit“, wenn die Natur in vollem Glanz erscheint, wächst auch der Wunsch nach der Freiheit eines offenen Himmels, nach der Wärme, mit der uns die Sonne hegt und pflegt. Wir werfen den „Winterpelz“ ab, wir machen uns frei und fühlen uns eins mit den Elementen Wasser, Luft, Erde und Feuer.

Wenn wir einander umarmen, heben wir den Abstand zwischen uns auf. Was Menschen von einander trennt, wird aufgegeben. Von Entzweiung ist keine Rede mehr. Eine Umarmung kann Versöhnung und Vergebung bedeuten. Umarmen ist die greifbare Geste der Liebe.

Das Umarmen gibt es in zahllosen Abstufungen: Im fröhlichen, herzlichen Umarmen auch von Unbekannten kommt zum Ausdruck, dass die Welt etwas besser erscheint, wenn Menschen einander freundlich begegnen. Im Friedenskuss, wie er in den Gottesdiensten der Kirchen praktiziert wird, gelangen wir über uns selbst hinaus. In der leidenschaftlichen Umarmung der Liebenden kann die Seele und die Seligkeit liegen…

Die Umarmung spielt auch in der Bibel eine Rolle. Rembrandt hat die Umarmung des „verlorenen“ Sohns durch seinen Vater auf einmalige Weise gemalt. Wir können dabei teilhaben an einem intimen Moment zwischen Vater und Sohn…

Texte der Bibel zum Thema Umarmen:

Lukas, 15, 11 – 20-

1 Samuel 20, 35 – 42 (zu David und Jonathan)

Hohelied, 1, 1-4; 4, 9-15.

April: Eine Zeit, um aufzubauen

April: Eine Zeit, um aufzubauen

Ein spiritueller Impuls für den Monat April.

Der Mensch wurde geschaffen, um zu wachsen. Das geht nicht von selbst. Wachstum verlangt Begleitung und Aufbau. Dabei wird  immer eine Auswahl getroffen. Wenn wir selbst zu Baumeistern unseres Lebens werden, ist ein Bauplan nötig und noch einmal sind Entscheidungen notwendig.

Haben wir einen Bauplan? Welches sind dabei die Baumaterialien, wer beteiligt sich an dem Projekt?

Um etwas Neues zu bauen, ist es manchmal nötig, zuerst das Alte abzureißen. Dies ist oft ein mühsamer Weg, er verlangt Mut und Vertrauen. Die Sicherheit, dass das neue Gebäude jemals vollendet sein wird, haben wir nicht. Aber wenn es feststeht, dass das alte Gebäude nicht länger bewohnbar ist, dann ist die Wahl einfach: Sie heißt: Abbrechen und mit dem Bauen beginnen.

Postmoderne Architekten entwerfen offene Gebäude, mit wenigen abweisenden Mauern, mit vielen offenen Perspektiven. Sie wollen die Räume nicht festlegen, sondern gerade erweitern, so dass eine freie Sicht nach außen möglich ist. Deswegen ist der Aufbau keine Beschränkung, sondern das Schaffen von Lebens- und Spielräumen, von Freiheit.

In der biblischen Sprache ist Bauen meist verbunden mit Wohnen, mit Gemeinschaft. Symbol dafür ist der Bau des Jerusalemer Tempels: Ein Platz, wo Gott bei den Menschen wohnt und die Menschen dadurch miteinander wohnen. Das ist vom Ursprung her eine lebendige, eine bewegliche Angelegenheit. In der Zeit in der Wüste verweilte Gott bei den Menschen in einem Zelt. Gott geht den Weg zusammen mit seinem Volk. Wenn das Zelt ersetzt wird durch ein steinernes Haus, dann droht die Erstarrung. Als der zweite Tempel verwüstet wurde, da wurde er nicht mehr aufgebaut. Da sind die Menschen die lebendigen Steine für ein neues Gotteshaus.

Texte der Bibel zur Vertiefung und Meditation:

1.   Könige, 8, 27 – 30

2.   Markus, 14, 55 – 59

3.   Epheserbrief, 2, 19 – 22.

Entnommen dem Buch „Vieren en brevieren“. Meinema Verlag 2009. Übersetzt von Christian Modehn.

Spirituelle Impulse für den Monat März: Eine Zeit, um zu säen

Spirituelle Impulse für den März: Eine Zeit, um zu säen

Die Bibel, auch das Neue Testament, ist eng verbunden mit einer agrarisch geprägten Kultur. Die Gleichnisse Jesu z.B. sind oft auf den Ackerbau und die Herden und Hirten usw. bezogen (bis heute nennen sich katholische Bischöfe, seltsam genug für viele, „Hirten“ oder „Oberhirten“ und behandeln die Gemeinden wie „Schafe“ oder „Schäfchen“).

Trotzdem: Haben die biblischen Texte deswegen in einer städtischen, modernen Kultur keine Bedeutung mehr? Die Autoren des Buches „Vieren en Brevieren“ sind anderer Meinung. Sie benutzen die alten Bilder, um dem heutigen Leser einige Möglichkeiten der Besinnung zur Vertiefung der eigenen Existenz anzubieten. Christian Modehn.

Zum Monat März schreiben Christiane Berkvens – Stevelinck und Sytze de Vries in dem schon mehrfach erwähnten Buch “Vieren en Brevieren” (S. 210 f).

Wenn der Frühling kommt, ist es Zeit zu säen. In Holland ist der März seit alters her als „Monat des Säens“ bekannt. Ohne Säen keine Ernte, ohne Ernte kein Brot. Was in der Landwirtschaft gilt, hat auch Gültigkeit im spirituellen Leben. Ein fruchtbarer Boden allein reicht nicht aus. Wir brauchen auch Saatgut: Das sind Worte, Bilder, Gedanken, Erfahrungen, die in unser Herz gelangen („gesät werden“), dann zur Blüte kommen können, als Früchte erfreuen sie Gott und die Menschen.

Wer sät, ist seiner Ernte nicht sicher. Damit das Saatgut sich richtig entwickelt, braucht man u.a Erfahrung, Pflege und Glück. Auch wenn das Resultat unsicher ist: Gesät wird trotzdem! Jedes Jahr neu.

Jede Generation versucht der folgenden Generation Werte zu vermitteln. Mehr als Säen und Pflügen und Hegen können wir allerdings auch in dem Fall nicht tun. Wir sind auch hier abhängig;  abhängig von Wind und Sonne und Regen. Das Getreide, bildlich gesprochen, wächst, während der Bauer schläft.

Die biblische Sprache arbeitet viel mit den Bildern von Saat und Frucht, von Landarbeit und Ernte. Sagen uns diese Bilder noch viel? Helfen sie uns noch, um unsere Kernfragen deutlich zu machen und z.B. auch die Botschaft von Jesus zu verstehen?

Was bleibt: Der Sämann sät mit großzügiger Gebärde, von außen nach innen, so dass das Saatgut gut zurecht kommt. In der fliegenden Bewegung des Sämanns ist die Schönheit des Lebens eingeschrieben.

Biblische Texte zur Meditation:

Prediger, 11, 4 -6

Matthäus 13, 3-9

Matthäus, 13 24- 30.

Spiritualität im Februar: Eine Zeit, um zu suchen

Spiritualität im Februar: Eine Zeit, um zu suchen

Spirituelle Impulse aus dem Buch Vieren en brevieren zum Monat Februar: Ein Zeugnis für freisinnige, remonstrantische Spiritualität.

Was suchen wir? Halt? Fundamentale Sicherheiten? Bestätigung? Harmonie? Wie alle Generationen vor uns suchen wir nach Antworten auf die großen Lebensfragen. Wer bin ich? Was tu ich hier? „Is this all there is?

Die richtigen Antworten zu finden ist nicht selbstverständlich. Aber vielleicht ist es auch wichtiger, die richtigen Fragen zu stellen! Denn jeder Mensch muss für sich selbst immer wieder seine eigenen Antworten finden und wieder finden.

Aber was ist, wenn wir auch nach einem langen Weg des Suchens nichts finden? Ist dann unser Suchen sinnlos gewesen? Das Leben selbst ohne Sinn? Oder ist es möglich, das Suchen selbst wichtiger zu finden als das Finden? Den Weg wichtiger als das Ziel? Die Fragezeichen viel sagender zu finden als die Ausrufungszeichen?

Suchen nach dem Alten, Vertrauten, nach dem, was ich kenne, das ist Fragen nach dem bekannten Weg.

Aber Suchen nach dem Unbekannten, nach dem Überraschenden, nach dem Nicht  – Gedachten und Nicht -Üblichen , das öffnet neue Wege. Solches Suchen erfordert kühnen Mut.

Die Suchbewegung nach dem eigenen Platz in der Welt, nach unserer persönlicher Verantwortlichkeit im täglichen Leben und in der Gesellschaft, setzt eins voraus: Das kritische Suchen nach uns selbst.

In der Bibel lernen wir die suchende Menschen kennen. Sie suchen nach einer neuen Zukunft, nach dem verborgenen Gott, nach Gerechtigkeit und Friede, sie suchen nach dem „Reich Gottes“. Dabei heißt Gott ein „leuchtendes Zeichen“, das uns den Weg weist.

Spuren suchend in der Bibel, finden wir Erzählungen über Sackgassen und  sichere Erzählungen, die eine Sicherheit geben: „Wer sucht, wird endlich auch finden“.

Liegt hierin nicht der größte Wert im Suchen selbst? Oder vielleicht selbst in dem „Gefunden- Werden“.

Zur biblischen Meditation:

Matthäus, 7, 1-12

Jesaja, 55, 1- 6

Lukas, 15. 3-10.

Weitere meditative Texte und Gebete finden sich in dem schon mehrfach von mir empfohlenen Buch: „Vieren en Brevieren“. Meinema Verlag, 2009. ISBN 978 90 211 4238 8

Übersetzung : Christian Modehn.

Copyright: meinema.

 

Januar: Eine Zeit, sich auf die Zukunft einzustellen

Spiritualität im Januar: Eine Zeit, sich auf die Zukunft einzustellen

Vorbemerkung von Christian Modehn:

Die spirituelle Besinnung der Re­mon­s­t­ran­ten, noch einmal soll es hier gesagt werden, lebt von der kritischen, der vernünftigen Reflexion. Philosophisches Denken, philosophierendes Nach – denken, bestimmen darum immer auch das besondere spirituelle Profil eines Monats. Das wird am Beispiel des Monats Januar besonders deutlich; wieder einmal zeigt sich, dass sich jeder und jede auf diese Besinnung → weiterlesen

Zur Aktualität der liberalen Theologie. Perspektiven von Prof. Wilhelm Gräb, Berlin

Zur Aktualität der liberalen Theologie

Perspektiven anlässlich einer Begegnung mit Re­mon­s­t­ran­ten in Berlin am 5. 11.2011

Von Prof. Wilhelm Gräb, Theologe an der Humboldt Universität zu Berlin

Bedeutung und Aktualität der „liberalen Theologie“ sind für mich deutlich auf die säkulare Situation einer Stadt wie Berlin oder anderer Großstädte in Europa und Amerika bezogen. Dort haben die  Kirchen Mühe, ihre Mitglieder an die Kirche zu binden.

Andererseits bekommen die Menschen von heute die Religion nicht aus dem Blick. Es ist ein Bedürfnis da nach letzter Vergewisserung des Lebenssinns, auch an den Bruchstellen des Lebens, in Krisensituationen z.B.  Aber nicht nur dort. Es ist vielmehr ein Verlangen da, das Leben gesteigert zu erfahren, etwa in der so genannten Eventkultur. Aber auch die Präsenz religiöser Themen in den Medien ist deutlich, etwa in den Talkshows. Also, dass es mit der Religion bergab ginge, so lautet ja eine Interpretation unserer säkularen Gesellschaft, das ist für mich nicht zutreffend. Es gibt sicher einen Resonanzverlust des kirchlichen Christentums, vor allem in der Reformierten Kirche oder der Lutherischen Kirche, und derer, die man in den USA „main line churches“ nennt.

Aber dieser Resonanzverlust der Kirchen liegt daran, dass dort eine Sprache gesprochen wird, die die Menschen nicht mehr verstehen.

Da ist der Glaube in Formeln eingepackt, die nur Insidern noch zugänglich sind. Der große Sozialphilosoph Niklas Luhmann hat das einmal „Gruppensemantik“ genannt, die in den Kirchen gesprochen wird.

Für „liberale Theologie“ ist also eine Unterscheidung wichtig: Es gibt  einerseits das religiöse Interesse bzw. es gibt Religion im christlichen Gesamtkontext. Und andererseits gibt es die Art, wie in Predigten, Theologien, kirchlichen Texten usw. darüber gesprochen wird. Dort wird der Glaube immer noch mit der Anerkennung bestimmter Glaubenslehren und Bekenntnissätzen gleichgesetzt.

Die „liberale Theologie“ meint: Dieser Glaubensausdruck ist nicht vorgeschrieben, er ist nicht durch Bibel und Bekenntnis vorgeschrieben, sondern der Glaubensausdruck muss in einer bestimmten Zeit und im Blick auf die eigene Person immer wieder neu gefunden werden. Jeder hat die Freiheit, wie er seinen Glauben ausdrückt und welche Konsequenzen er daraus in seiner Lebenspraxis zieht. Nicht auf das autoritativ Vorgegebene kommt es an, sondern auf die persönliche Entscheidungsfreiheit des einzelnen.

Ich muss als liberaler Theologie nicht glauben, was die Kirche zu glauben von mir verlangt, sondern das jenige, wovon ich selber persönlich überzeugt bin. Das ist der Grundsatz liberaler Theologie.

Glaube ist eine persönliche Angelegenheit eines jeden Menschen.

Und die Kirche? Sie ist  im Grunde nur dazu da, dass wir über diesen Glauben miteinander ins Gespräch kommen, dass wir ihn nicht allein leben, dass wir andere als Gesprächspartner haben über das, was uns allen persönlich wichtig ist, wenn es um Gott geht, wenn es darum geht, woran wir uns in letzter Instanz orientieren. Die Kirche ist eine Kommunikationsgemeinschaft des Glaubens. Sie ist dem Glauben der einzelnen nicht vor geordnet, sondern die Kirche folgt aus der Tatsache, dass der Glaube den einzelnen so wichtig ist, dass sie mit den anderen darüber sprechen möchten und ihn feiern wollen. Da wird nichts von oben und anderswoher vorgeschrieben.

Wenn Diskussionen entstehen und nach Kriterien gefragt wird, dann sind die Kriterien nicht dogmatischer Natur, sondern es sind eher ethische Kriterien des Umgangs mit einander; es sind Kriterien, wo die Frage aufbricht: Gibt es auch destruktive Glaubensüberzeugungen, solche, die den Menschen menschlich nicht gut tun, etwa, wenn sie an den Teufel glauben oder an böse Mächte, von denen sie dann befallen sein können.

Für liberale Theologie ist auch die Kultur ganz wichtig: Denn persönlicher Glaube kann überall dort entstehen, wo ich Erfahrungen mache, die eine tiefe Resonanz in mir auslösen, wo ich mich angesprochen finde gegenüber dem, was in meinem Leben wichtig ist, wo Sinn – Perspektiven erschlossen werden. Das kann die Erfahrung in einem Konzert sein, so, dass ich merke: Ich bin Teil eines größeren Ganzen, da entstehen Resonanzen in mir, die mich sehr tief mein Dasein in dieser Welt spüren lassen; da erfahre ich das, was der Theologe  Friedrich Schleiermacher das Universum genannt hat, also die alles bestimmenden Wirklichkeit, die wir dann Gott nennen, die Erfahrung also, dass wir uns aufgehoben fühlen in einem großen Ganzen.

Diese Erfahrung kann sich auch beim Hören einer Symphonie von Mahler ereignen, die ein solches Empfinden in mir weckt, dass die Wirklichkeit im Vorhandenen nicht aufgeht, dass es eine Dimension der Transzendenz gibt, von der wir uns getragen wissen können. Diese Erfahrung kann in der bildenden Kunst geschehen oder auch im Kino, wo ich spüre: Diese Geschichte geht auch mich an.

Darum noch einmal: Alle Lehren über Glaubenssätze sind sekundär gegenüber dem – eben nur angedeuteten – Erlebten, das ist Kern liberaler Theologie. Mit der religiösen Erfahrung fängt die Religion an, also mit der Erfahrung, dass ich einer umfassenden Wirklichkeit zugehöre, einem größeren Ganzen, das mich im Leben trägt. Da spüre ich mich lebendig, wenn ich schwierige Erfahrungen zu verarbeiten habe usw. Also diese Dimension einer inneren Gewissheit, ist zentral.

Das religiöse Erleben ist immer das primäre, welche Sprache dann gefunden wird, ist sekundär. Allerdings meine ich, dass liberale Kirchen in ihren Gottesdiensten nicht so berücksichtigen, was andere Glaubensgemeinschaften praktizieren, nämlich eine Form der Emotionalität. Es geht nicht nur darum, über den Glauben zu „räsonieren“. Wir sollten auch in gewisser Weise „Erlebnis“ bieten im Gottesdienst, wenn wir das nicht schaffen, dann müssen wir bereit sein anzuerkennen, dass junge Leute heute im Pop Konzert das finden, was früher in der Religion oder in der Kirche gefunden wurde.

Für liberale Theologie kommt es nicht in Frage, den Religionsbegriff zu verengen, man neigt ja oft dazu, den Religionsbegriff abhängig zu machen von bestimmten Glaubensinhalten. So dass man sagt: Jemand ist gläubig, wenn er zur Kirche geht und bestimmte Dogmen glaubt. Wir vertreten ein weites Verständnis von Religion: Es ist das Berührtwerden von einer Dimension des Unbedingten in der Kultur. Liberale Kirchen nehmen deswegen Abstand von eher fundamentalistischen Theologien und Kirchen, die ja noch stark am Paradigma der Mission festhalten, also der Bekehrung der Menschen hin zur vorgegebenen Überzeugung der eigenen Kirche.  Wir als liberale Theologen gehen hingegen nicht davon aus, dass die Menschen erst zum Glauben kommen müssen, wie es das Missionsparadigma vorsieht. Als liberale Theologen setzen wir voraus: Da ist immer schon eine religiöse Erfahrung in den Menschen, da ist immer schon eine Erfahrung mit dem Unendlichen, diese haben die Leute längst gemacht. Jeder hat seine eigenen religiösen Gedanken, im religionsleeren Raum lebt keiner hier zulande, in den Gebieten der ehemaligen DDR ist das vielleicht anders, das ist ein eigenes Thema.

Liberale Theologie unterstreicht: Die Menschen haben bereits ihren Glauben. Die Kirche wird aber deswegen nicht überflüssig, wir brauchen Orte, wo man das Erlebte miteinander gestalten kann, wo man etwa an den großen Stationen des Lebens religiöse Feiern gestaltet, etwa bei der Geburt oder bei der Trauung. Wer sich den Menschen religiös zuwendet, redet so, dass die Menschen auf ihre Art Glaubende sind. Ich mache ihnen bewusst, was sie glauben, biete ihnen Vorschläge an, das Erfahrene sprachlich auszudrücken.

Ich bin sozusagen die „Hebamme“ für die anderen, den eigenen Glauben auszudrücken.

Auch das Beten kann dann neu verstanden werden: Beten heißt, dass ich mich ausspreche, sage, was mich zutiefst bewegt, und zwar in letzter Hinsicht, bezogen auf die Transzendenz, auf Gott. Im Beten geschieht eine gesteigerte Form der Selbstreflexion, ich verstehe mich dann im Horizont des Unbedingten, spreche mich aus. Ich brauche das als religiöser Mensch.

 

 

 

 

 

 

 

 

Spiritualität in Berlin – eine gut besuchte Veranstaltung

Spiritualität in Berlin – die erste Zusammenkunft: Ein erster Erfolg

17. Sep 2011 | von CM

Welche Spiritualität braucht Berlin?

Das Gespräch über „Spiritualität in Berlin“ im Radialsystem, AGORA, am Mittwoch, den 14. September 2011, war sehr gut besucht: Mehr 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren dabei. Wir werden auf diese Veranstaltung noch ausführlicher → weiterlesen

Ostern: Aus dem Schatten heraustreten

Aus dem Buch. Vieren en brevieren, der remonstrantischen Theologin Christiane Berkvens – Stevelinck und des protestantischen Theologen Sytze de Vries.

Ein meditativer Hinweis auf OSTERN:

Ostern

Eine Zeit, um aus dem Schatten herauszutreten

Alles Lebendige besteht dank der Gunst der Sonne. Kein Leben gedeiht im Dunklen.

Mit dem Frühling wird die künftige Ernte sichtbar. Die ersten Getreidekörner reifen. Ostern ist das Fest der „Erstlinge“ der Ernte.

Unwiderruflich ist der Tod von allem, was lebt. Der Tod des Körpers ist eine Realität. Unsterblich ist niemand. Unabwendbar kommt der Schatten des Todes in Sicht.

Jedoch werden wir aufgerufen, um aus dem Schatten des Todes mit seinen vielfältigen Erscheinungsformen heraus zu treten. Um zu leben! Aber was bedeutet das?

Mehrere Male fahren wir in unserem Leben über Flüsse des Todes. Und dabei geraten unsere eigenen Ufer aus dem Blick. Ostern lässt uns die Landungsbrücken wieder sehen, wo wir unseren Fuß wieder an Land setzen können, um neu zum Leben zu kommen.

Wir dürfen so sein, wie wir sind, im vollen Licht des Lebens. Immer wieder neu wird uns diese Freiheit angeboten. Stets von neuem dürfen wir aus dem Schatten zum Vorschein kommen. Der Tod hat seinen Stachel verloren, denn die Liebe hat den Tod überwunden. Erklärungen zu suchen, führt da nicht weiter. Erstaunen und Ehrfurcht wohl.

Die Auferstehungserzählungen im Alten wie im Neuen Testament fassen den Sieg des Lebens über den Tod in Worte. Um welches Leben, um welchen Tod es da geht, bleibt offen. Im Mittelpunkt steht die Kraft, die wir im Geheimnis der Auferstehung erkennen und erleben. (Übersetzung Christian Modehn)

Texte zur Meditation:

Markus, 5, 35- 43

Johannes, 20, 1- 18

Apostelgeschichte, 5, 17 – 25.

Neuer “holländischer Katechismus”

Vielleicht hat Gott heute “neue Kleider” an…     Ein neuer freisinniger protestantischer – und allgemein christlicher -Katechismus

Eine Einladung, selber zu denken und den eigenen Glauben zu entwickeln

Alle 150 Abgeordneten des Niederländischen Parlaments (Tweede Kamer) erhalten dieser Tage einen Katechismus geschenkt. Ungewöhnlich, in einem säkularisierten Land wie Holland. Dabei handelt es sich nicht um den Versuch, klerikale Machtansprüche in der Politik durchzusetzen, das liegt den Autoren des ungewöhnlichen Katechismus auch völlig fern. Denn sie treten als “freisinnige, liberale Christen” entschieden für die Trennung von Kirche und Staat ein. Aber ihnen liegt daran, mit allen Menschen, auch mit Politikern, in einen partnerschaftlichen Dialog einzutreten, nicht über Dogmen, wohl aber auch ethische Orientierungs – Vorschläge!

Es ist schon komisch: Ausgerechnet in Holland erscheint dieser Tage ein neuer Katechismus. Ist das Wort „Katechismus“ nicht völlig out, völlig verbraucht, gerade in den Niederlanden, wo nur noch etwa 35 Prozent der Bevölkerung Mitglieder einer christlichen Kirche sind und die wenigsten Menschen von dogmatischen Lehren unterwiesen werden wollen? In dieser Situation muss man schon etwas Außergewöhnliches vorweisen: Der neue holländische Katechismus konnte entstehen, weil die vier freisinnigen christlichen Kirchen Hollands angesichts des zunehmenden Einflusses konservativer und reaktionärer Kirchen deutlich ihre eigene Stimme erheben, die Stimme der Freiheit, die dem Nachdenken allen Raum lässt und eben keine fertigen „ewigen“ Wahrheiten präsentiert. Es sind keine Leitungsgremien, keine Bischöfe und keine Päpste, die diesen Katechismus verfasst haben, sondern zwei Pfarrer, die im ständigen Austausch mit der Kultur der Gegenwart stehen: Christiane Berckvens – Stevelinck, Theologin der Re­mon­s­t­ran­ten Kirche, und Ad Ablass, Theologe der freisinnigen Strömung innerhalb der Protestantischen Kirche (PKN) legen ein Buch vor, das in 12 Kapiteln Grundworte der menschlichen Kultur erläutert, Grundworte, die ihre Wurzeln in den biblischen Traditionen haben. Am Anfang steht die „Compassie“, das Mitleid, am Ende die dem Mitgefühl und der Empathie verwandte Liebe. Andere Themen sind Gleichheit, Verbundenheit, Versöhnung, Gerechtigkeit, Friede, Wahrheit, Freiheit, Berufung, Glaube und Gott. Das neue Buch nennt sich ausdrücklich „Katechismus des Mitleids“, ein zweifellos ungewöhnlicher, wenn nicht gar provozierender Titel. Aber er deutet das Ziel an: Die LeserInnen werden eingeladen, angesichts der humanen, ökologischen und politischen Katastrophen der Gegenwart das Mitleiden zu entwickeln, nicht nur als spirituelle Haltung, sondern vor allem als aufgeklärtes Handeln zugunsten der Leidenden. Aber dieser Appell zum Handeln ist nicht dick aufgetragen, vielmehr bieten die einzelnen Kapitel Informationen und meditative Impulse zu diesen Grundworten humaner Existenz. So ist ein Buch entstanden, das sich wohl am besten in einer eher „meditativen und behutsamen Lektüre“ erschließt. Nebenbei: Das Buch verdankt wesentliche Anregungen der britischen Philosophin und ehemaligen katholischen Nonne Karen Armstrong, die sich ausdrücklich für eine „Charta des Mitgefühls“ einsetzt. So gehört dieses Buch zu dem weltweit entstehenden Netwerk „Compassion“! Alle Kapitel des Katechismus werden „eingeleitet“ mit schönen Nachdrucken von Gemälden, Chagall ist genauso vertreten wie Rembrandt, Claudio Taddei genauso wie Caravaggio oder Ferdinand Hodler. Die eigens für das Buch gefertigten Gemälde der Künstlerin Brigida Almeida aus Utrecht beschließen jedes Kapitel. Im Text werden die Leser mit einer Fülle an Informationen aus der Literatur, dem Film, dem Theater konfrontiert, Informationen, die gleichermaßen die Schwierigkeiten wie die Chancen einer Lebenshaltung vorstellen, die sich von den 12 „Katechismus – Grundworten“ inspirieren lassen will, biblische Perspektiven sind jeweils ein Kapitel unter den anderen. Das ist der typische freisinnige Geist, dass keinem „Bibel – Fanatismus“ gehuldigt wird, sondern spirituelle Inspirationen auch im „weiten Feld“ der Religionen und Kulturen präsentiert werden. Sympathisch werden es Berliner finden, dass zum Thema Freiheit schon im Titel auf den berühmten Ausspruch John F. Kennedys verwiesen wird: „Ich bin ein Berliner“, ein Ausspruch, der heute als Bekenntnis gegen alle Formen des Totalitarismus verstanden wird. Äußerst sympathisch ist auch, dass das Kapitel über die Liebe mit einem Bild von Julius Schnorr von Carolsfeld eröffnet wird, das die beiden Liebhaber David und Jonathan zeigt., sicher ist auch die Entscheidung für dieses Bild typisch für Freisinnige in Holland: Die Re­mon­s­t­ran­ten waren ja die erste Kirche weltweit, die schon 1986 homosexuelle Paare –gleich welcher Konfession- in ihren Kirchen segnete. Sympathisch ist auch, dass der ungewöhnliche, progressive katholische Theologe Karl Rahner als Verteidiger der Mystik erwähnt wird.

Dies ist wohl der entscheidende Eindruck: Dieser auch vom Layout so schöne und freundliche Katechismus der freisinnigen Christen plädiert für die Mystik, sicher für eine moderne, eine durch die Aufklärung „hindurchgegangene” Mystik: Aber doch wird aller Nachdruck gelegt auf das innere Erleben des Göttlichen, das sich im Handeln ausdrückt. In der Mystik sehen die Autoren ohnehin die Zukunft des Religiösen. Interessant könnte es sein, wie sich die freisinnigen Kirchen selbst zu Orten (multi-religiöser) Mystik entwickeln. Vielleicht ist diese Mystik das neue Profil der Freisinnigen und ihrer Gemeinden? Vielleicht können sie mit diesem Profil weitere undogmatische, aber mystisch Interessierte einladen? Die niederländischen Autoren sind jedenfalls überzeugt: Gott ist nicht tot, er zeigt heute nur neue, ungewöhnliche „Gesichter“. Er hat vielleicht neue Kleider angelegt, wie die Autoren schreiben.

“Catechismus van de compassie”. Erschienen im Verlag Skandalon, in Vught, Holland. ISBN 978-90-76564-94-4.compas

Bittgebete – die Wirklichkeit annehmen

Bitten und beten und die Wirklichkeit sehen
Gedanken, vorgetragen anlä0lich des Treffens des Forums der Re­mon­s­t­ran­ten in berlin am 20.6.2010
Wir entwickeln gelegentlich unsere persönliche Lebens – Poesie, stammelnde Worte im Alltag, Segenswünsche, Versuche, ohne Floskeln Dank zu sagen. Manchmal gelingen sprachlich schon „reifere“ Sätze, die in die Richtung Poesie gehen. Poesie, wenn auch dem ernsten Spiel der Sprache verpflichtet, ermuntert uns, in uns selbst zu schauen, auf den Grund unseres Daseins. Wem das gelingt, erlebt Poesie auch als Lebenshilfe.
In dem Zusammenhang scheint mir das BITT – Gebet wichtig zu sein.
Ich brauche nicht lange zu verdeutlichen, was Bittgebete in einem populären Verständnis sind: Es sind die Fürbitten im Gottesdienst, die persönlichen Bitten um Gesundheit und Zufriedenheit, Bitten um Frieden, Bitten um die Hilfe Gottes oder sogar der „Gottesmutter Maria“ etwa in katholischen Wallfahrtsorten….Sind solche Bitten Magie, nur naives Bewusstsein von“ schlichten“ Frommen?
Manche sagen, sicher zurecht: Diese Formen des Bittgebetes, die unmittelbare Erfüllung meines Bittens durch Gott erwarten, haben etwas sehr Egozentrisches. ICH will mit MEINEN Anliegen Mich durchsetzen bei Gott, den ich außerhalb von mir als den Allmächtigen und Barmherzigen verehre. ER soll mit seiner Allmacht mir meine Wünsche erfüllen.

Ich schlage eine vernünftige Form des Bittgebetes vor:

Zunächst will ich mich beim Bitten und Flehen immer fragen: Um die Abwendung welchen Übels will ich bitten?
Ich muss also unterscheiden: Was ist unabwendbar und was ist veränderbar? Es wäre also sinnlos zu bitten, dass Gott mich vor meinem Tod als solchem bewahren möchte.
Dann gibt es Situationen, die veränderbar sind. Aber was nützt es da zu bitten: Gott hilf, den Hungernden in meiner Nachbarschaft, dass sie etwas zum Essen finden.
Bittgebete sind eine Aufforderung zum Reflektieren:
Sie führen zurück zu uns selbst: Sie stellen uns in Frage, nehmen uns in Pflicht: Können wir denn nicht dem Armen in unserer Nachbarschaft Speisen reichen?
Bittegebete sollen also formuliert werden. Aber sie sollen uns wieder zurück auf uns selbst führen.
Nicht immer werden wir unmittelbar etwas tun können, es gibt ja, um im Bild zu bleiben, Millionen von Armen und Hungernden. Ich bin froh, wenn ich als einzelner einem Armen wirksam helfen kann.

Aber entscheidend ist: Mit der Bitte werde ich zum Nachdenken angeregt: In welcher Welt leben wir eigentlich? Was ließe sich politisch verändern? Wo ist sozusagen der „Wurm drin“. Also: wo zeigt sich menschlich Böses, gegen das wir kaum ankommen und doch dagegen kämpfen müssen.

In dem Moment des Erstaunens über die eigenen Grenzen stelle ich mich und die ganze Welt Gott anheim. Das heißt, ich stelle mich auch dem Geheimnis des Lebens, dem Geheimnis der Welt. Wer bin ich eigentlich? Wo will ich hin? Sind mir die anderen so fremd? Oder kann ich Empathie entwickeln? Bittgebete verweisen mich also auf mein Menschsein, aber immer auch auf das Menschsein aller anderen. Ich weite sozusagen mein Denken, zugunsten einer großen Empathie, einer Einfühlungskraft in andere: Ich sehe ihr Elend. Und im Einfühlen schmerzt es mich auch ihr Leid; ich wünsche ihnen Kraft und Heilung: Das kann ich formulieren als Ausdruck meiner empathischen Haltung. Das ist Bittgebet, ich höre mich selbst beim Bitten/Beten, werde durch meine laut oder leise gesprochenen Worte an meine Verpflichtung zur Empathie erinnert. Bittgebete führen also zum solidarischen, zum freundschaftlichen Tun.

Da erwarte ich nichts mehr von dem außen agierenden allmächtigen Gott, den ich in Wallfahrten bestürme..um doch bloß MIR gnädig zu sein.
Da stelle ich mich vielmehr dem Geheimnis der Welt, und darin ist Gott sozusagen als innere Kraft, als inneres Licht IN MIR.
Hubertus Halbfas, ein katholischer Theologe, hat das einmal so formuliert: „Das Ich lässt transformieren in das göttliche Du“. In diesem Einswerden mit Gott geschieht die „Erhörung“ meines Bittgebetes.
Bittgebete sind also ein Weg der persönlichen Weitung, der Läuterung, des Innewerdens des Gottes IN uns….diese Erkenntnis hilft, so kann immer mehr die göttliche Wirklichkeit, das göttliche Licht, in uns sein.
Bittgebet hat also nicht mit „Plappern“ zu tun, wie Jesus von Nazareth kritisierte, Bittgebet ist ein höchst anspruchsvolles poetisches Suchen und Versuchen. H.W.

Jesus war ein Religionskritiker.

Jesus war ein Religionskritiker. Im Alltag das Heilige entdecken.

Tom Mikkers, der „Allgemeine Sekretär der Re­mon­s­t­ran­ten Kirche“, hielt am Sonntag, 16. Mai 2010, in der Kirche „de Vrijburg“ in Amsterdam, eine bemerkenswerte Predigt. Anlass war ein besonderer Gottesdienst, in dem die Lieder des Song Contests, der Eurovision, im Mittelpunkt standen. Mehr als 400 Teilnehmer waren bei diesem ungewöhnlichen spirituellen Ereignis dabei, als Angebot und Einladung wurde deutlich: Auch in der Populärkultur, auch in den Songs und Liedern des „Eurovision Song Contest“, kommen spirituelle und religiöse Aspekte vor. Sie sollten auch von Kirchen beachtet werden, sie können nämlich hilfreich sein, wenn es auch klar ist, dass viele Lieder banal und kitschig sind.

Tom Mikkers sagte unter anderem:
„Ganz eingefleischte Theologen („hardcore theologen“ im niederländischen Text) könnten sagen: Diese Lieder sind schön, aber das hat mit Kirche oder Christentum nichts zu tun. Andere sagen: Es kann ja sein, dass einige Songfestival – Lieder ein bisschen Friede und ein bisschen Liebe brachten. Aber für die Antworten zu den großen Lebensfragen muss man doch bei dem alten kirchlichen Repertoire sein Heil suchen. All das andere sei nur eine Art Verdünnung der alten Lehre.
Wer das sagt, hat eine Voraussetzung: Es gibt eine große Wahrheit, die ist buchstäblich zu finden in der Bibel, und diese Wahrheit wird genau formuliert von Priestern und Kardinälen. Und wehe dir, wenn du beginnst, dein eigenes Lied zu singen!
In meinen Augen pervertiert der christliche Glaube, wenn er zu einem fest umschriebenen kirchlichen Exklusiv – Programm wird.
Warum? Weil Glauben nichts zu tun hat mit einer Stellungnahme (mit dem „nur so ist es“), sondern mit einem innerlichen Abgestimmtsein auf das eigene Selbst, auf den Mitmenschen und das große Ganze, das wir vielleicht auch, (wenn genaue Begriffe fehlen), Gott nennen.
Jesus war ein Religionskritiker der reinsten Art! Nun ist es ein Gewinn von wahrer Religionskritik, dass sie religiös inspirierte Menschen herausfordert, die Bitterkeit und die Unbarmherzigkeit der harten Wahrheit („nur so und nicht anders“) wirklich anzusehen, aber sie dann auch zu verlassen und aufzugeben! Übrigens ist für mich die Angst vor der Religionskritik vollkommen unbegründet. Denn Religion versteinert nur ohne Kritik.
Jesus hielt nichts von bürokratischen Dogmatikern, die meinten bestimmen zu können, wer etwas taugt und wer nicht. Jesus rief das Establishment zur Ordnung!

Die Kirche als Gemeinschaft von Menschen, die auf dieser Spur Jesu von Nazareth weiter gehen will, kann nicht machtvolle Verurteilungen vornehmen und an einer festen Ordnung hängen. Nicht das haarscharfe Urteil , sondern das Mitleiden mit jedem, der leidet und stirbt, ist das geistliche Brot, das in der Kirche an alle Menschen ausgeteilt wird…Jesus machte das Heilige wieder zum Alltäglichen, und das Alltägliche wurde für ihn heilig. Jesus bezweifelte in aller Offenheit die religiös korrekten Antworten und Annahmen“.

Wer glauben will, braucht den Unglauben

Wer glauben will, braucht auch den Unglauben
Einige Vorschläge zum Treffen des „Forums der Re­mon­s­t­ran­ten in Berlin“
am 9.5.2010

Im Markus Evangelium im 9. Kapitel gibt es eine interessante Geschichte, die zum erneuten Nachdenken anregt über die Beziehung von Glauben und Unglauben.
Jesus begegnet einem an Epilepsie leidenden Jungen und dessen Vater, der das Leiden seines Sohnes kaum noch ertragen kann.
Der Vater hält Jesus – dem damaligen Denken folgend – für einen magischen Wundertäter. In letzter Verzweiflung bittet er Jesus darum, den Sohn von der Krankheit –leiblich – zu befreien.
„Herr ich glaube, hilf meinem Unglauben“, sagt der Vater. Er will damit sagen: Nimm meinen Unglauben weg, damit ich ganz und ausschließlich nur noch an die wunderbare Heilkraft Jesu glauben kann.
Jesus heilt im Bericht des Markus Evangeliums den Jungen. Der Bericht ist dem damaligen Weltbild entsprechend „bunt“ ausgestattet. Dieses antike Weltbild entspricht uns nicht mehr. Wir haben die Freiheit, den Text mit unseren heutigen Verstehens- Kategorien zu interpretieren.
Die Jünger fragen Jesus, woher er die Kraft des Heilens habe. Und da kommt die interessante Antwort Jesu: „Diese Art des Heilens ist nur möglich durch Beten“.

Wird dadurch die Sache einfacher? Heilt Beten? Da muss man sich erinnern, was Beten für Jesus bedeutet: Es ist das gesammelte Sich zurückziehen; in der Wüste hat Jesus gebetet, er empfiehlt im stillen Raum zum Beten, er empfiehlt nicht zu plappern, sondern in sich zu gehen, zu schweigen.

Diese Elemente des Betens im Sinne Jesu bedeuten: Nichts anderes als Meditieren, als stilles Verweilen, als zur Ruhe kommen, sich selbst finden, die eigene Tiefe suchen und da dabei dem Lebensgeheimnis nachspüren. Die Wirklichkeit annehmen.

D.h. Durch besinnliches Nachdenken und Meditieren geschieht eine neue Lebenseinstellung: Der Junge steht auf, er wird wieder eine selbständige Person, er ist nicht nur ein Kranker, der einem auf den Geist geht. Also werden Krankheiten nicht magisch geheilt, der Mensch kann sie annehmen als Teil des Lebensgeheimnisses. Das heißt: Die Krankheit bleibt, aber sie verliert ihren Schrecken, weil sie eingeordnet wird in ein Verstehen der weltlichen Wirklichkeit. Das Verstehen führt zur Annahme.

Und noch ein Wort zu dem schönen Satz, der fast ein theologisches Sprichwort ist: „Herr ich glaube, hilf meinem Unglauben“.
Den Satz möchte ich so interpretieren: Hilf meinem Unglauben, bedeutet nicht, dass mein Unglaube sozusagen verschwindet, in dem Sinne, hilf, dass der Unglaube überwunden wird. Das Ziel, „NUR“ zu glauben, sozusagen nur und ausschließlich als gläubig zu leben, sozusagen 100 % rein zu glauben, halte ich nicht nur für eine irregeleitete Idee. Sie ist auch für den richtig verstandenen Glaubens selbst schädlich: Denn Glauben bezieht sich immer auf das Lebensgeheimnis, das nie zu greifen ist. Da habe ich nie etwas sicher in der Hand. Da kann der Glaube stets nur eine Suchbewegung sein, stets etwas Provisorisches, etwas, das sich im Auf und Ab meines Lebens wieder ändert. Und da hilft der Unglaube, hier verstanden als Zweifel, als Fragen, als Skepsis, stets weiter. Dass wir uns nicht an einem fix und fertigen Glaubensbegriff festhalten, sondern weiter gehen suchen und fragen: welches Lebensgeheimnis trägt mich wirklich.
Darum kann heute der Satz heißen: “Herr ich glaube, aber lass mir meine Skepsis, lass mir den Unglauben, zur Vertiefung, zur Korrektur meiner Lebenseinstellung. Nimm mir nicht den Unglauben, diese Skepsis, dieses Fragen, das mich lebendig hält. Damit ich unruhig bleibe und suchend”.

Glaube ohne Unglaube ist nicht menschlich. Wir brauchen uns nicht von Skepsis irritieren zu lassen, wir können stolz sein, wenn wir auch Unglauben haben und in dieser dialektischen Spannung von Glauben und Unglauben menschlich leben. H.W.

Freigeister gehen voraus… Ein Hinweis von Georg Christoph Lichtenberg

Georg Christoph Lichtenberg (1742 -1799) war ein Schriftsteller, der sich aufklärerischen Traditionen verpflichtet wusste. In zahlreichen Aphorismen ist er für die Freiheit des Wortes eingetreten. Ein Freund der Re­mon­s­t­ran­ten, die sich ja bekanntlich als freisinnige christliche Kirche verstehen, hat uns diesen Aphrorismus zugesandt. Er bezieht sich auf die vernünftigen Freigeister im allgemeinen, aber warum kann man ihn nicht auch auf freisinnige Christen heute beziehen?
“Die vernünftigen Freigeister sind leichte fliegende Korps, immer voraus. Sie erkunden die Gegenden, wohin das schwerfällige geschlossene Korps der Orthodoxen am Ende doch auch kommt”.

Spiritualität im Handy. Eine Initiative der Re­mon­s­t­ran­ten

Spritituelle Impulse im Handy
Die freisinnige, liberale protestantische Kirche der Re­mon­s­t­ran­ten in Holland hat Anfang April 2010 eine Aktion gestartet, um den gestressten und allen anderen Menschen eine meditative Pause zu empfehlen: „Gott einschalten!“ heißt das natürlich auch ein wenig ironisch gemeinte Angebot der Re­mon­s­t­ran­ten, Jeder kann sich anmelden, dann erhält man an jedem Morgen im Handy einen kurzen meditativen Text. Wer abends weiter spirituellen Impulsen folgen will, kann in dem Buch „God Aan“ blättern und dabei entweder in eine spirituelle Vitalität (und Schlaflosigkeit) finden … oder sanft einschlummern. Hundert Re­mon­s­t­ran­ten haben ihre persönlich wichtigen Texte in dem Buch „God Aan“ versammelt, dabei ist natürlich nicht nur ein biblischer Bezug wichtig, sondern, wie es sich für freisinnige Christen gehört, es kommen auch viele Texte aus den breiten Umfeld der Kultur, Kunst und Gesellschaft. Das Buch God Aan hat 400 Seiten, es ist bei Meinema erschienen und kostet 25 Euro. Dieses Projekt ist ein weiterer Versuch der Re­mon­s­t­ran­ten, Anregungen zur Lebensvertiefung zu geben. Als ich einem Berliner Atheisten von diesem Vorhaben berichtete er: „Ist der Sinn einer freien Religion Lebensvertiefung“? Ich habe diese Frage bejaht.

Siehe auch die website www.god-aan.nl
Oder:
www.twtter.com/godaan

Der Monat April: Zeit um zu bauen.

Die Spiritualität eines Monats:
In dem neuen Buch „Vieren en Brevieren“ (Feiern und Beten, Verlag Meinema, Zoetremeer, 2009) ) haben die beiden Autoren Christiane Berckvens – Stevelinck (Re­mon­s­t­ran­ten Pfarrerin) und Sytze de Vries (Reformierter Pfarrer) ein eigenes Kapitel über die Spiritualität eines jeden Monats verfasst. . .Das ist eine originelle Idee. Dadurch können Zeiträume, auch meditativ erschlossen werden.

Der April hat das Motto: „Eine Zeit, um aufzubauen“.

In einer allgemeinen Einleitung schreiben die Autoren:
„Jeder Monat hat ein bestimmtes Thema. Dabei beziehen wir uns auf das biblische Buch „Prediger“. Das Thema und das Motto eines Monats wird hier verbunden mit der Natur und dem liturgischen Jahr. Wir ließen uns besonders inspirieren von dem Buch „Prediger“, da ist zu lesen: „Für alles gibt es (bestimmte) eine Zeit“ (3,1).
Das Leben, sagt der Prediger, auch Kohelet genannt, besteht aus Gegensätzen. Der Mensch kennt gute und schlechte Augenblicke.
In der Kirche wurde oft der Nachdruck gelegt auf das, was ein Mensch an schlechten Zeiten durchlebt. „Gute Nachrichten sind keine Nachrichten“, sagen Journalisten und für die Kirchen gilt dieser Satz auch. Viele Kirchenlieder befassen sich mit Schuld und Elend. Der Akzent auf Freude und Zufriedenheit ist viel seltener. Darum setzen wir allen Nachdruck auf positive Aspekte. Das tun wir, nicht weil wir naiv sind oder ein rosarotes Bild der Wirklichkeit haben, sondern weil christliche Spiritualität die Kraft ist, positiv zu wirken. Anders gesagt: Es macht etwas aus, ob wir unser Leben gestalten von einem „menschlichen Zuwenig“ oder einem „göttlichen Zuviel“.

Der April: “Der Monat, um aufzubauen…”

Einige mediative Hinweise der Autoren zu dem Motto:

-Unser Leben muss wachsen. Das geht nicht von allein: Wachstum braucht Begleitung, Aufbau. Dabei werden stets Entscheidungen getroffen. Wenn wir selbst die „Baumeister“ unseres eigenen Lebens sind, verlangt das einen Bauplan und wieder neue Entscheidungen…
-Um etwas Neues aufzubauen, ist es bisweilen nötig, erst das Alte abzubrechen. Ein sehr schwieriger Prozess, der Mut und Vertrauen verlangt…
-Postmoderne Architekten entwerfen offene Gebäude.. mit vielen offenen Perspektiven. Solche Gebäude sind Räume der Freiheit.
-In der Bibel ist Bauen oft verbunden mit Wohnen, mit Zusammenleben…Wenn das ZELT ersetzt wird durch ein Haus aus Stein, droht die Versteinerung… (s. 223 f).

Moderne Kunst ist wie eine “Kapelle” für die Menschen. Peter Kattenberg, Künstler und Remonstrant

„Kunst als Kapelle von heute“

In der Ausgabe März/April 2010 der Zeitschrift ADREM, der Monatszeitschrift der Re­mon­s­t­ran­ten, wird über Peter Kattenberg (Jahrgang 1954) berichtet. Er war von 1990 bis 2004 Re­mon­s­t­ran­ten Pfarrer in Amsterdam und Leiden. Seit 2004 kann er sich ganz seiner KUNST widmen, denn schon seit mehr als 20 Jahren interessiert ihn vor allem die Malerei über alles. Peter Kattenberg hatte eine Galerie in New York, er war auch Kunsthändler, jetzt gibt er auch Vorträge in Schulen und Kunstakademien.

Einige Zitate aus dem Beitrag, den Michel Peters, Utrecht, verfasst hat. Peter Kattenberg sagt:
„In allen Re­mon­s­t­ran­ten Kirche wurde vor einigen Jahren Gemälde und Bilder ausgestellt. Das war damals neu, denn die Welt der Kirchen und die Welt der Kunst waren noch strikt getrennt. Jetzt ist es „in“, Kunst in gewisser Weise zu verbinden mit dem Glauben. Früher waren die Re­mon­s­t­ran­ten eine Art religiöser Zufluchtsort. Das ist heute nicht mehr so nötig. Menschen, die den Sinn suchen, haben auch eine andere Kapelle betreten, zum Beispiel die „Kapelle der Kunst“. W.J. Otten, der Dichter, meint, dass Kunst und Glaube sozusagen am selben Baum gewachsen sind. Ästhetische und religiöse Erfahrungen erwachsen aus einer Erfahrung von Emotion, das ist auch ein physisches Erlebnis von Schönheit, vom Guten, vom Lebenssinn. Es ist ein Gefühl für etwas, was ist. Aber es ist schwierig, es genau zu fassen. Dieses „etwas“ wird in der Kunst auf eine direkte oder indirekte Weise sichtbar. Ich lasse eine Arbeit oft eine Zeitlang liegen. Später schaue ich es mir noch mal an und wie in einem „Blitz“ weiß ich, das es so stimmt. Dann habe ich eine Erfahrung, die ähnlich ist der Erfahrung, als Gott die Welt schuf. Aber bisweilen weiß ich dann auch, dass eine Arbeit nichts ist. Das ist furchtbar, weil ich doch Zeit, Energie usw. aufgewendet habe“…
„Ich sehe die Kunst als ein wesentliches Element in der Ausbildung der Menschlichkeit, sie muss aus drücken, was man das „Wesen der Menschen“ nennt…

Lebendig sein. Unter Kirschblüten. Zu einem HAIKU

Überlegungen – mitgeteilt im Forum der Re­mon­s­t­ran­ten am 14. 3. 2010

Lebendig sein. Ein Hinweis auf ein Haiku von Issa.

Glauben ist Freisein –
das Motto des Re­mon­s­t­ran­ten – Forum- Berlin.

Natürlich hat jeder Mensch die Freiheit, seinen eigenen Glauben nach seiner eigenen Art persönlich zu entwickeln (ausgeschlossen ein Glaube, der sich als Terror äußert). Glaube ist Freisein: Eine Tatsache, die heute längst nicht weltweit gilt. Es gibt immer noch Hierarchien, die dem einzelnen vorschreiben, was er zu glauben hat.

Wie sagt der Apostel Paulus: „Prüft alles, das Gute behaltet“ .
Das Gute kann ja nur sein: Was uns im Leben hilft zugunsten der Lebendigkeit mit anderen, was uns also Miteinander- Leben ermöglicht.
Inspirationen für eine spirituelle Entwicklung sind selbstverständlich auch außerhalb des Christentums finden. Dies gilt besonders für Re­mon­s­t­ran­ten.
Auf dieser Spur der Freiheit bin ich zu den ultra-kurzen Gedichten aus Japan, den berühmten Dreizeilern, den Haikus, gekommen. Winzige Texte, die so einfach und manchmal gar schlicht erscheinen, die sich aber in einem längeren, meditativen Bedenken als Tiefe erschließen. Sie wecken eine Aura der Stille. Da werden Erfahrungen benannt, die eine Unmittelbarkeit erzeugt.

Ein Haiku ist mir besonders aufgefallen, es hat der japanische Haíku Meister ISSA geschrieben. 1763 in ärmlichen Verhältnissen geboren, hat er Hunger, Kälte, alles Negative erfahren. Später war er Pilger zu den großen Heiligtümern im Land. In großer Armut ist er gestorben.

Das Haiku, das ich hier vorstellen möchte, heißt:

Wie merkwürdig.
Lebendig zu sein
Unter Kirschblüten.

Zunächst einige Eindrücke: Der Leser wird aufgefordert, offenbar etwas Merkwürdiges wahrzunehmen. Wie „merkwürdig“ heißt es.

Aber was ist merkwürdig? Es ist das Lebendig sein unter Kirschblüten.
Lebendigsein, selber leben zu können, selber atmen zu können, da zu sein, aber unter Kirschblüten, also im Frühling.

Kirchblüten haben ja etwas Weißes, Reines, Unberührtes, man möchte sagen Zerbrechliches und Gefährdetes. Man möchte sie behüten, sanft.

Aber ich denke, in diesem Haiku geht es vor allem darum: Ich bin jetzt DA in diesem Moment der Kirschblüte. Ich erlebe diesen Augenblick als mein Dasein inmitten einer blühenden Baumes. Es ist die Wahrnehmung des Lebens selbst, die da zum Ausdruck kommt. Ich bin da, ich lebe: Diese Erfahrung stellt sich ein. Und das ist doch alles andere als selbstverständlich. Es ist die Erfahrung des Erstaunlichen.

Normalerweise werden wir vom Alltag „aufgefressen“, haben keinen Blick mehr fürs Besondere, für Erstaunliche, vielleicht Wunderbare des Daseins. Aber inmitten des Bekannten, inmitten unserer Umgebung, inmitten des Alltäglichen, auch in der so kurzen Kirschblüte, zeigt sich Leben, Blühen, Farbe, Vielfalt, Energie der Natur. Alles ist erstaunlich. Auch das Graue, das Öde. Nicht nur die Kirschblüten. Aber die bringen uns auf den Gedanken des Erstaunlichen.

Kirschblüte: Wir sind hineingestellt in einen Raum, den wir eigentlich nicht gemacht haben, der nicht unserer Herrschaft und unserem Zugriff zur Verfügung steht. Wir stehen in einem Raum, der uns geschenkt ist.

Und wir entdecken dabei: Auch wir selbst stehen in einem Raum des Offenen, aber auch des Ungesicherten, des wieder Verblühenden. Lassen wir dieses Erstaunliche offen. Kommen wir nicht gleich mit Erklärungen und Gründen; sehen wir, wie sich da eine Dimension unseres Lebens zeigt. Das Alltägliche.
Es ist möglich, sich einfach unter den blühenden Baum zu stellen, einfach nur „da“ zu sein. Dann entstehen Stille, Sammlung, Blick auf Wesentliches… Hilfreiches.

Wie merkwürdig.
Lebendig zu sein
Unter Kirschblüten.

C.M.

Besinnung. Ein Gedicht von R. M. Rilke

Überlegungen. Mitgeteilt beim Forum der Re­mon­s­t­ran­ten Berlin am 14. 3. 2010

Herbstgedicht (aus: Das Buch der Bilder, 1902)

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

Das Gedicht ist von Rainer Maria Rilke (1875-1926).
Es macht sein Verständnis von Religion deutlich:
Es ist eine Religiosität der Innerlichkeit: Das menschliche Erleben und Fühlen wird beleuchtet und erhält zugleich eine religiöse Komponente. In der äußeren Welt hat die Religion keinen Platz mehr, sie ist allein durch das Subjekt erfahrbar. Im Inneren eines Menschen entsteht eine Religiosität, die den tiefsten Grund des menschlichen Daseins berührt…

Rilke nimmt das äußere Geschehen der Welt wahr und erkennt darin das, was für den Menschen wesentlich und typisch ist: Er beobachtet das Fallen der Blätter – es wird zum Sinnbild des „Fallens“ im Leben: wir alle fallen -von der Geburt zum Tod, wir scheitern, wir erleben Rückschläge, uns misslingen Dinge und Pläne…
Warum können wir trotzdem immer weitermachen? Woher nehmen wir die Kraft und den Mut dafür? Was lässt uns leben?

„Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.“

Unser Fallen wird begleitet. Deshalb können wir es aushalten, weil wir paradoxerweise zugleich ein Gehaltensein spüren: ein Vertrauen, eine Geborgenheit, ein Urgrund, der uns trägt, eine Kraft…Wir müssen uns dieser Dimension zuwenden, um sie zu spüren. Es ist eine Bewegung, eine Dynamik, die uns leben lässt. Aber auch in Momenten und Phasen, in denen wir diesen sanften Halt nicht wahrnehmen, ist er da. Unbewusst vertrauen wir darauf und fallen so lange, bis er wieder spürbar ist. Dann fallen wir vielleicht weiter, aber nun mit Flügeln, die das Fallen sanfter machen…

„Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.“ H.S.

Denkend glauben

Der Theologe Prof. Dr. Marius van Leeuwen beim Referat über die Aktualität der Remonstranten
Der Theologe Prof. Dr. Marius van Leeuwen beim Referat über die Aktualität der Re­mon­s­t­ran­ten

Wo Dogmen nicht bindend sind: Hollands »Freisinnige Kirchen« stellen persönliche Verantwortung über alles

Von Christian Modehn

Kaum vorstellbar in der weiten und bunten Ökumene: Eine christliche Kirche, die ihre Mitglieder nicht → weiterlesen

Spiritualität der Re­mon­s­t­ran­ten – “Glauben ist Freisein”

Zum Nachlesen. Der Text einer Radiosendung:

„ORIENTIERUNG“: Sendereihe im Saarländischen Rundfunk SR

Glauben heißt Freisein“

Über die Re­mon­s­t­ran­ten Kirche

Am 10. Januar 2010

Von Christian Modehn

O TON

Ich denke, dass eine Art von humanistischem Christentum sehr wichtig ist, dass nicht Gott und Mensch als Konkurrenten gesehen werden. Aber: Wie Arminius das sagt: Gott ist allmächtig und gnädig, aber er braucht Menschen, um → weiterlesen