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	<title>Elemente der Theologie der Remonstranten Archive - Forum der Remonstranten in Berlin</title>
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	<description>Glauben ist Freisein</description>
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		<title>Jesus &#8211; der vorbildliche Mensch</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Christian Modehn]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Aug 2025 14:04:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktueller Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Elemente der Theologie der Remonstranten]]></category>
		<category><![CDATA[das Konzil von Nizäa ist nicht verpflichtend für Remonstranten]]></category>
		<category><![CDATA[für viele Remonstranten ist Jesus "nur" ein Mensch]]></category>
		<category><![CDATA[Jesus als Mensch]]></category>
		<category><![CDATA[Remonstranten: Glaube der Vernunft und Freiheit]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Jesus von Nazareth &#8211; der vorbildliche Mensch Ein kleiner Essay von Christian Modehn zu einem großen Thema, publiziert am 25. August 2025.  Einige Theologen der Remonstranten haben in 2006 ein Glaubensbekenntnis formuliert. Es ist ein Vorschlag, die eigene Spiritualität zu suchen. Ein für alle bindendes „Credo“ gibt es nicht! Einmalig in der christlichen Ökumene. Dafür...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Jesus von Nazareth &#8211; der vorbildliche Mensch</p>
<p><em>Ein kleiner Essay von Christian Modehn zu einem großen Thema, publiziert am 25. August 2025. </em></p>
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<div class="col-sm-12">
<p>Einige Theologen der Remonstranten haben in 2006 ein Glaubensbekenntnis formuliert. Es ist ein Vorschlag, die eigene Spiritualität zu suchen. Ein für alle bindendes „Credo“ gibt es nicht! Einmalig in der christlichen Ökumene. Dafür bin ich sehr dankbar! Diese Freiheit bedeutet: Unverständliche Glaubensformeln und Dogmen beiseitezulegen, weil sie keine Hilfe mehr sind für die Lebensgestaltung.</p>
<section class="bg-white box-padding">
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<div class="clearfix">
<p>Wir folgen gern dem Vorschlag des Glaubensbekenntnisses von 2006: Jesus von Nazareth wird dort ein „Geist erfüllter Mensch“ und „ein heiliges Vorbild für Weisheit und Mut“ genannt. Wichtige Aspekte des Mannes aus Nazareth kennen wir dank historisch-kritischer Bibelwissenschaft. Die uns allen bekannten Gleichnisse und Reden Jesu zeigen den Kern seiner Weisheitslehre: Es ist die Praxis der Menschlichkeit, die über allem steht. Sie ist wichtiger als die Befolgung religiöser Gesetze. Man denke an Jesu Krankenheilungen trotz der religiösen Verbote, am Sabbat zu heilen.</p>
<p>Jesus ist für mich und viele Remonstranten „nur“ ein Mensch! Das Bekenntnis ist für mich eine treffende Einsicht: Wie alle anderen Menschen ist auch Jesus durch seinen Geist und seine Seele mit Gott, dem „Schöpfer“, verbunden. Diese Verbundenheit mit seinem „Vater“ genannten Gott im Himmel gab ihm Mut zum Leben. Seine Lebensweisheit motiviert heute Menschen zum Engagement, zumal für die Leidenden, die Armen und arm Gemachten. Diese Lebensweisheit ist „erlösend“, um einen klassischen Begriff zu gebrauchen. Damit wird die uralte Vorstellung von Erlösung überwunden, die behauptet: Gott-Vater „im Himmel“ sendet seinen Sohn, damit er hier leidet und so die Erbsünde (ein Mythos!) auslöscht.</p>
<p>Im 4. Jahrhundert wurde um diese Fragen gerungen: Ist Jesus auch Gott? Im Konzil von Nizäa vor 1.700 Jahren und etwas später im Konzil von Konstantinopel wurde Jesus offiziell als Gott „definiert“ und wurde das als Dogma allen auferlegt. Aber es gab schon damals die „andere Tradition“, die Jesus „nur“ als Menschen hochschätzt.</p>
<p>Man denke nicht, ein religiöser Mensch mache es sich heute „bequem“, wenn er Jesus „nur“ als Weisheitslehrer respektiert: Jesu Vorschläge zur Lebensgestaltung lassen egoistisches Verhalten nicht zu. Meine Sorge um mein seelisches wie leibliches Wohl hat nur Sinn, wenn ich das Wohl der anderen, zumal der Notleidenden, genauso wichtig erachte. Und „Gott“ kann im Sinn Jesu als ein niemals zu umfassendes göttliches Geheimnis verehrt werden. Vor allem: Wer Jesu Weisheiten schätzt, sucht in aller Offenheit das Gespräch mit Weisheitslehrern anderer Religionen, etwa Buddha! Eine große Weite für tolerantes, friedliches Miteinander entsteht.</p>
<p><strong>Christian Modehn</strong><br />
Berlin</p>
</div>
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<p><em>Dieser Essay ist auch publiziert auf der deutschen Website der Remonstranten.: </em>https://www.remonstranten.nl/blog/de/jesus-von-nazareth-der-vorbildliche-mensch/</p>
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		<title>„Der Sündenfall des Christentums“ : Eine Studie von Gerrit J. Heering</title>
		<link>https://forum.remonstranten-berlin.de/1959/1959/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Christian Modehn]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 22 Dec 2024 09:48:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktueller Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Elemente der Theologie der Remonstranten]]></category>
		<category><![CDATA[berühmter Theologe der Remonstrantenm]]></category>
		<category><![CDATA[der Theologe Gerrit J. Heering]]></category>
		<category><![CDATA[Friedenstheologe Gerrit J. Heering]]></category>
		<category><![CDATA[Friedenstheologe Heering in Holland]]></category>
		<category><![CDATA[Friedenstheologie]]></category>
		<category><![CDATA[Friedenstheologie in Holland]]></category>
		<category><![CDATA[Gerrit J. Heering]]></category>
		<category><![CDATA[Gerrit J. Heering als Theologe der Remonstranten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das bahnbrechende Buch (1928) des niederländischen Friedenstheologen, des Remonstranten Gerrit Jan Heering, ist im „Regal“ zum frühkirchlichen Pazifismus als Übersetzung wieder greifbar. Ein Gast &#8211; Beitrag von Peter Bürger, Düsseldorf Zunächst ein Hinweis der Redaktion der Reihe „edition pace“ Bevor wir im „Regal: Pazifismus der frühen Kirche“ demnächst neue Studien darbieten, wird hier ein weiteres...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://forum.remonstranten-berlin.de/1959/1959/">„Der Sündenfall des Christentums“ : Eine Studie von Gerrit J. Heering</a> erschien zuerst auf <a href="https://forum.remonstranten-berlin.de">Forum der Remonstranten in Berlin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das bahnbrechende Buch (1928) des niederländischen Friedenstheologen, des Remonstranten Gerrit Jan Heering, ist im „Regal“ zum frühkirchlichen Pazifismus als Übersetzung wieder greifbar.</p>
<p><em>Ein Gast &#8211; Beitrag von Peter Bürger, Düsseldorf</em></p>
<p>Zunächst ein Hinweis der Redaktion der Reihe „edition pace“</p>
<p><em>Bevor wir im „Regal: Pazifismus der frühen Kirche“ demnächst neue Studien darbieten, wird hier ein weiteres historisches Werk wieder zugänglich gemacht, das trotz des Abstandes von einem Jahrhundert noch immer wichtige Impulse geben kann. Zum editorischen Vorgehen sei bezogen auf die ganze Reihe angemerkt: Wir versehen die Werke aus früheren Zeiten nicht mit einem kritischen Anmerkungsapparat, in dem Abweichungen zu heutigen Sichtweisen und Erkenntnissen jeweils kommentiert werden (Beispiel: Darstellung und Gewichtung der Friedensbotschaft der Hebräischen Bibel), sondern rechnen mit mündigen Leserinnen und Lesern, die die geschichtlichen Kontexte einer Arbeit vor Augen haben.</em></p>
<p>1.<br />
Der Erste Weltkrieg führte den niederländischen Theologen Gerrit Jan Heering (1879-1955) zu einem radikalen Antikriegsstandpunkt. Im Vorwort zu dem hier neu edierten Werk „Der Sündenfall des Christentums“ (Erstauflage NL 1928, dt. Übersetzung 1930) schreibt er: Ich will „ernsthaft auseinandersetzen, dass Christentum und Krieg – jetzt mehr denn je – unversöhnliche Gegensätze sind. Ich will zwischen die christliche Lehre und die Ideologie des Krieges einen Keil treiben. Beide Systeme sind von der Geschichte zwangsweise zusammengeführt und werden jetzt in künstlicher Weise zusammengehalten. Ich will an das christliche Gewissen und an das von diesem Gewissen gelenkte vernünftige Denken appellieren und fragen, ob es nicht die höchste Zeit ist, dass Kirche und Christen sich prinzipiell gegen das ganze Kriegswesen auflehnen. &#8230; Es war eine verhängnisvolle Wendung in der Geistesgeschichte, die während und nach der Zeit von Kaiser Konstantin sich vollzog; durch das enge Bündnis zwischen Staat und Kirche ging das Bewusstsein des Gegensatzes zwischen Christentum und Krieg … verloren &#8230;; das schlimmste ist, dass man (seither) &#8230; ruhig Böses gut nennt. &#8230; Die Art, wie in allen christlichen Ländern die Kirche direkt in das gegenseitige Gemetzel des letzten Krieges [1914-1918] hineingezogen worden ist, nämlich als unentbehrlicher, als inspirierender Faktor, demonstriert jenen Sündenfall in deutlichster und greulichster Weise. Es ist kein größerer Abstand und Gegensatz denkbar, als zwischen Christus und dem modernen Krieg. Wer dies verneint, hat die Realität eines von beiden oder beider nicht klar gesehen. Das militärische Christentum unserer Tage kann nicht schärfer gerichtet werden, als es durch das Christentum Christi geschieht.“</p>
<p>2.<br />
Schon 2004 konnte die erstmals 1930 erschienene deutsche Übersetzung des Werks „De zondeval van het Christendom“ durch Octavia Müller-Hofstede de Groot in die digitale „Handbibliothek Christlicher Friedenstheologie“ aufgenommen werden. Jetzt liegt zu Weihnachten 2024 eine Neuedition innerhalb der Reihe „edition pace“ (Regal: Pazifismus der frühen Kirche ǀ 2) vor. Die Internetversion ist – wie bei allen Publikationen des ‚Regals‘ – frei abrufbar; es gibt nachträglich aber auch die Möglichkeit, eine preiswerte Taschenbuchausgabe zu bestellen. Der Werdegang des Verfassers sei hier – zumeist wortgetreu – in Anlehnung an eine Darstellung aus der niederländischen ‚Bücherkunde‘ nachgezeichnet:</p>
<p>3.<br />
Gerrit Jan Heering – geboren am 15. März 1879 in Pasuruan/Indonesien, gestorben am 18. August 1955 in Oegstgeest – wirkte nach seinem Universitätsstudium lange als Hochschullehrer des Theologischen Seminars der Remonstranten in Leiden (NL). Der Vater war seit 1868 Prediger in Indonesien gewesen. Die Familie kehrte 1881 in die Niederlande zurück. G. J. Heering ist dann ebenfalls Prediger geworden wie sein Vater, aber mit einer anders gefärbten Predigt, in der die geistliche Motivation deutlicher zu Tage trat, und mit einer anders ausgerichteten [‚rationalismus-kritischen‘] Theologie, die er in seiner Zeit als Hochschullehrer durchdacht und grundgelegt hat. Als Prediger diente er den Remonstranten-Gemeinden von Oude Wetering (1904-1907), Dordrecht (bis 1913) und Arnheim (bis zum Beginn seines Hochschullehramtes, April 1917). – Als junger Pfarrer heiratete er im Jahr 1905 Alida van Bosse; die beiden wurden Eltern von fünf Söhnen. – Heeringʼs Leidenschaft gehörte der Kanzel. Seine Predigten zeichneten sich durch eine starke persönliche Überzeugungskraft aus; verschiedene Predigtsammlungen sind in Buchform veröffentlicht worden (‚Unser Vertrauen‘; ‚Zeugnisse aus dunkler Zeit‘ 1940; ‚Was uns erhält‘). Predigen bedeutete für Heering die durch den Glauben getragene ‚freie prophetische Verkündigung des Evangeliums, im Dienste und zur Ehre des heiligen Gottes‘. – Gerrit Jan Heering entwickelte eine eigene „Dogmatik auf der Grundlage der Evangelien und der Reformation“, schrieb über den „Ort der ‚Sünde‘ in der freisinnigen-christlichen Dogmatik“ (1912) und über „Die Selbstständigkeit der Seele“ (1917).</p>
<p>4.<br />
Der Erste Weltkrieg führte ihn zu einem radikalen Antikriegsstandpunkt, beeinflusst von Hilbrandt Boschma (1869-1954), der bereits während der Kriegszeit 1914-1918 an verschiedenen Orten pazifistische Lesungen abhielt: „Kreuz oder Kanone?“ – „Warum kein Krieg? Weil der Krieg die radikalste Sünde gegen Gott ist.“ Heering fasste seine eigenen Studien und Einsichten 1928 in dem Werk „Der Sündenfall des Christentums“ zusammen (s.u.). Er grün­dete mit anderen „Kerk en Vrede“ (Church and Peace), wurde Vorsitzender dieser Vereinigung auf nationaler Ebene und war für viele Jahre auch international eine der leitenden Persönlichkeiten des neuen kirchlichen Friedensnetzes.</p>
<p>5.<br />
Die Friedensbewegung in den Niederlanden zeigte sich schon vor dem Ersten Weltkrieg gut organisiert, vielgestaltig (‚Tolstojaner‘, Anarchisten, sozialistische Antimilitaristen …) und übernational vernetzt. Mit Gerrit Jan Heering und Persönlichkeiten, die ihm nahestanden, wurde sie durch eine neue Strömung mit ökumenisch-friedenskirchlicher bzw. friedenstheologischer Programmatik bereichert. Wie bedeutsam die 1928 vorgelegte Untersuchung des gelehrten Remonstranten zum ‚konstantinischen Sündenfall‘ und dessen mögliche Überwindung über die Landesgrenzen hinaus war, führen uns gleich vier Übersetzungen in andere europäische Sprachen vor Augen. 1933 ist der Verfasser sogar für den Friedens-Nobelpreis vorgeschlagen worden.</p>
<p>6.<br />
Der bekannte Dominikaner und Friedenstheologe P. Franziskus Maria Stratmann (1883-1971) schrieb bald nach Erscheinen der deutschen Ausgabe von Heerings Werk „De zondeval van het Christendom“ in einer Rezension (Der Friedenskämpfer. Organ der Katholischen Friedensbewegung 5. Jg. / 1931, S. 69-76):  „Einem Christen tut es weh, vom ‚Sündenfall des Christentums‘ reden zu hören. Je stärker er seine Religion liebt, um mehr schmerzt ihn jede Anklage. Aber gerade die starke Liebe muß hellsichtig sein, damit Krankes geheilt, Schwaches gestärkt werden kann. Die Christen, die die Geschichte des Christentums mit Einschluß der Kriegsgeschichte ganz in der Ordnung finden, sind sicher nicht die besten und erweisen ihm einen schlechten Dienst. Man muß deshalb für das Buch Heerings, das hier nur in seinem Kern, nicht in seinem sonstigen reichen Inhalt behandelt werden konnte, sehr dankbar sein. Der Verfasser selbst gehört, wie eingangs gesagt, zu denen, die an der Darlegung der Krankheitsgeschichte des Christentums alles andere als Freude haben. Er will nur als gewissenhafter Arzt an die Wurzel des Übels heran. Er sieht sie in einer Verwachsung des christlichen Edel­bau­mes mit einem ihm schicksalhaft, aber auch schuldhaft auf­gepfropften Wildling, dem Krieg. Im letzten Teil des Buches gibt er sehr beachtenswerte Ratschläge zur Heilung des Übels. […] Die Wahrheit und der Ernst der Sache verlangen aber doch, daß wir alle Schuld nicht allein auf die Menschen, die Christen, wälzen und behaupten, sie hätten eben in ihrem schuldbaren Kriegführen eine an sich tadellose christliche Kriegslehre verleugnet, sondern wir müssen sagen, daß gewisse weit verbreitete Kriegslehren mindestens die gleiche Schuld treffen. Zahllose Christen hätten nichts lieber getan als einer möglichst strengen Kriegs- bzw. Antikriegslehre Gefolgschaft geleistet. Sie haben jedem obrigkeitlichen Befehl nur deshalb gehorcht, weil er sie dazu zwang und ihr widerstrebendes Gewissen vergewaltigte. Nötiger als eine Reform dieser Christen ist deshalb eine Reform dieser Lehren, mindestens eine neue Anwendung alter Lehren auf die von Grund auf veränderte heutige Situation. Eine vom Lehramt der Kirche definitiv formulierte oder gedeckte und darum im Glaubensgehorsam verbindliche, für jede Situation gebrauchsfertige ‚katholische‘ Kriegslehre gibt es nicht. Diese Feststellung ist von der größten Wichtigkeit. Sie läßt die Bahn frei sowohl für die theoretische Arbeit der Moraltheologie wie für das praktische Handeln der Katholiken. An dem Heeringschen Buche wird die Neuorientierung nicht vorübergehen können […]. Es ist eine bedeutende Bereicherung der pazifistischen Literatur, und auch der Katholik kann in ihm, trotz wesentlicher Vorbehalte, einen der Wegebereiter nicht nur des Welt-Friedens, sondern auch des ‚Friedens Christi im Reiche Christi‘ sehen.“</p>
<p>7.<br />
Wer die Kirchengeschichte kennt, weiß wie außergewöhnlich dieses – nur ein wenig vorsichtige – Lob für Heerings Buch aus dem Mund eines römisch-katholischen Ordenspriesters gegen Ende der Weimarer Republik erscheinen musste. In seinem Geleitwort zur deutschen Ausgabe des Werkes von 1930 hatte der evangelische Theologe Martin Rade (1857-1940) ge­schrieben: „Wenn der nächste Krieg kommt, werden die Kirchen nicht mehr geschlossen zu den Armeen stehn. Es wird dann nicht ohne schwere innere Konflikte gehen. Wie sie sich abspielen, wie sie sich lösen werden, weiß kein Mensch. Je länger die gegenwärtige Atempause dauert, desto besser mag es sein.“ (Neuausgabe, S. 10). Doch die ‚Atempause‘ bis zum nächsten Menschenschlachten im Zweiten Weltkrieg dauerte nur kurz. Die amtlichen Leitungen der beiden deutschen Großkirchen leisteten ab 1939 für den ‚Hitlerkrieg‘ (!) doch wieder – ziemlich ‚geschlossen‘ – kriegstheologischen Beistand in großem Umfang und riefen – mit durchschlagendem Erfolg – die Getauften zum Gehorsam gegenüber der Obrigkeit im NS-Staat auf (Dokumentation: https://kircheundweltkrieg.wordpress.com/). Nach 1945 haben die i. d. R. vom Staat besoldeten Kirchenhistoriker wunderliche Verteidigungstexte zu diesem abgründigen Komplex verfasst – und nicht wenige ‚weltliche Vertreter‘ der Geschichtswissenschaften haben ihnen dabei unter dem Vorzeichen sogenannter „Historisierung“ assistiert.</p>
<p>8.<br />
Heerings Anliegen wird gegenwärtig verstanden, wenn etwa der Bischof von Rom bezeugt, es könne im Licht des Evangeliums keine ‚gerechten Kriege‘ geben und Christen müssten schon Herstellung oder Besitz atomarer Massenvernichtungswaffen als verwerflich brandmarken. Doch der vom niederländischen Seelsorger und Theologieprofessor nach dem Ersten Weltkrieg ersehnte radikale Bruch mit dem konstantinischen Staatskirchenparadigma hat in den privilegierten nationalen Kirchengebilden, zumal im Militärkirchenwesen, nie stattgefunden. Die völlig irrationale militärische Heilslehre stößt in diesem Zusammenhang heute nirgendwo auf eine Fundamentalkritik, während der Militarismus unentwegt Felder des öffentlichen Lebens für sich ‚zurückerobert‘. Leider gibt es viele Gründe, das ehedem bahnbrechende Werk „Der Sündenfall des Christentums. Eine Untersuchung über Christentum, Staat und Krieg“ gerade jetzt wieder allgemein zugänglich zu machen. Möge es vielen zur Erschütterung und zu einem klaren Denken in der Kriegsfrage verhelfen.</p>
<p>Copyright: Peter Bürger Düsseldorf, Dezember 2024 ǀ</p>
<p><em>Die Digitale Erstauflage der Neuedition </em> ist beim Lebenshaus Schwäbische Alb e.V. abrufbar: Gerrit Jan Heering: Der Sündenfall des Christentums. – Eine Untersuchung über Christentum, Staat und Krieg. Aus dem Holländischen übersetzt durch Octavia Müller-Hofstede de Groot, 1930. Neu ediert von Peter Bürger in Kooperation mit: Lebenshaus Schwäbische Alb, Ökumenisches Institut für Friedenstheologie, Portal Friedenstheologie. (= edition pace ǀ Regal: Pazifismus der frühen Kirche 4). Digitale Erstausgabe der Neuedition. Düsseldorf ǀ Gammertingen, 12.12.2024. https://www.lebenshaus-alb.de/magazin/media/pdf/Heering_S%C3%BCndenfall.pdf</p>
<p><em>Die gedruckte Buchausgabe</em> im Handel: Gerrit Jan Heering: Der Sündenfall des Christentums. – Eine Untersuchung über Christentum, Staat und Krieg. Aus dem Holländischen übersetzt durch Octavia Müller-Hofstede de Groot, 1930. (= edition pace ǀ Regal: Pazifismus der frühen Kirche 4). Norderstedt: BoD 2024. (ISBN: 978-3-7693-2488-4; Paperback; 316 Seiten; Preis: 12,99 Euro)  https://buchshop.bod.de/der-suendenfall-des-christentums-gerrit-jan-heering-9783769324884</p>
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		<title>Remonstranten &#8211; die fünf wichtigen &#8222;Tugenden&#8220;: Eine neue Publikation.</title>
		<link>https://forum.remonstranten-berlin.de/1590/remonstranten-die-fuenf-wichtigen-tugenden-eine-neue-publikation/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Christian Modehn]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 May 2019 15:28:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Elemente der Theologie der Remonstranten]]></category>
		<category><![CDATA[5 zentrale Haltungen der Remonstranten]]></category>
		<category><![CDATA[Fünf wichtige Tugenden der Remonstranten]]></category>
		<category><![CDATA[Joost Röselaars]]></category>
		<category><![CDATA[Jubiläum der Remonstranten]]></category>
		<category><![CDATA[Koen Holtzappfel]]></category>
		<category><![CDATA[neue Broschüre der Remonstranten]]></category>
		<category><![CDATA[Sigrid Coenradie]]></category>
		<category><![CDATA[was ist Remonstranten wichtig]]></category>
		<category><![CDATA[zentrale Tugenden der Remonstranten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Überlegungen anlässlich des 400 jährigen Bestehens der freisinnigen Kirche der Remonstranten Hinweise von Christian Modehn am 14.5.2019 Anlässlich des 400 jährigen Bestehens der Remonstranten Kirche in den Niederlanden in diesem Jahr (2019) werden dort weitere Überlegungen publiziert zur Frage: Was ist den Remonstranten wichtig? Was ist für sie, bei aller Liebe zur eigenen innerkirchlichen Pluralität,...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://forum.remonstranten-berlin.de/1590/remonstranten-die-fuenf-wichtigen-tugenden-eine-neue-publikation/">Remonstranten &#8211; die fünf wichtigen &#8222;Tugenden&#8220;: Eine neue Publikation.</a> erschien zuerst auf <a href="https://forum.remonstranten-berlin.de">Forum der Remonstranten in Berlin</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Überlegungen anlässlich des 400 jährigen Bestehens der freisinnigen Kirche der Remonstranten</p>
<p>Hinweise von Christian Modehn am 14.5.2019</p>
<p>Anlässlich des 400 jährigen Bestehens der Remonstranten Kirche in den Niederlanden in diesem Jahr (2019) werden dort weitere Überlegungen publiziert zur Frage: Was ist den Remonstranten wichtig? Was ist für sie, bei aller Liebe zur eigenen innerkirchlichen Pluralität, entscheidend?</p>
<p>Zu der Frage ist jetzt eine Broschüre publiziert worden von fünf TheologInnen der Remonstranten zu fünf „Arikeln“, also Grundbegriffen, sozusagen „Kernwerten“, im Leben und Denken dieser freisinnigen protestantischen Kirche. Alle fünf Artikel bzw. Grundhaltungen beginnen interessanterweise mit einem V in der niederländischen Sprache. Es handelt sich um Vrijheid, Verdraagzaamheid, Verantwoordelijkheid, Vrede und Vriendschap. Also um Freiheit, Toleranz, Verantwortlichkeit, Friede und Freundschaft.</p>
<p>1.</p>
<p>Freiheit ist schon von der Geschichte der Remonstranten her eine zentrale Haltung/Tugend. Bekanntlich haben die ersten Remonstranten-Theologen stark die freie Mitwirkung des einzelnen Menschen in der Entscheidung für den christlichen Glauben betont! Eine absolut umfassende Vorherbestimmung der Glaubenden durch Gott lehnten sie vernünftigerweise ab und so wurden sie deswegen von der Mehrheit der strengen Calvinisten 1619 durch die Synode von Dordrecht ausgeschlossen, verfolgt und ausgegrenzt.</p>
<p>Ein Wunder, dass diese kleine Kirche über all die Jahre Bestand hatte. Sie ist etwas ganz Besonderes, Wichtiges, wohl auch „Einmaliges“ in der Hinsicht, in der weiten Ökumene, denke ich.</p>
<p>2.</p>
<p>Bei der Freiheit, die fürs theologische Denken typisch und normal ist, hätte man natürlich auch die sehr dringenden heutigen Tugenden Solidarität, Gerechtigkeit, Vielfalt als „Kernwerte“ nehmen können. Aber darüber kann man ja weiter sprechen&#8230;Die fünf „V“ als „Kernwerte“ haben natürlich einen eigenen Charme.</p>
<ol start="3">
<li></li>
</ol>
<p>Ich kann nur empfehlen, Niederländisch mal vorausgesetzt, diese Broschüre (42 Seiten) zu lesen. Ich will kurze Hinweise geben: Sigrid Coenradie, Theologin in Eindhoven, schreibt über „Freiheit“. Sie kümmert sich dort um Verbindungen von Menschen außerhalb und innerhalb der Kirche, ein neues Dialog – Projekt der Remonstranten. Keine Missionsveranstaltung, sondern eben Dialog! Und sie weist in ihrem Beitrag über die Freiheit auch darauf hin, dass die Remonstranten in der internationalen, interreligiösen Vereinigung IARF (International Association for Religious Freedem) vertreten sind. Zur Freiheit gehört, so Sigrid Coenradie, auch das Eintreten für die Menschen, die heute mit dem etwas seltsam anonymen Kürzel LHBTI beschrieben werden: Also das Eintreten für lesbische Frauen, homosexuelle Männer, Bisexuelle, Transgenders und intersexuelle Personen. Diese Menschen haben selbstverständlich ihren gleichberechtigten Platz in der Remonstranten Kirche.</p>
<p>4.</p>
<p>Koen Holtzappfel, Theologe und Pastor in Rotterdam, stellt in seinem Beitrag über Verantwortlichkeit kritische Fragen: „Fühlen wir uns als (Niederlande), Land verantwortlich für das, was in Srebrenica passierte? &#8230;Wie weit reicht unsere Verantwortlichkeit, wenn es um die Frage der Natur und des Naturschutzes geht. Nicht umsonst gehen uns heute Schüler voraus in ihrem Protest gegen die als zu sehr vom Kompromiss bestimmte Klimaverträge“.</p>
<p>5.</p>
<p>Ein Hinweis noch auf den Beitrag des Amsterdamer Theologen und Pastors Joost Röselaars über Freundschaft ist Bruderschaft“. Er erinnert an den alten Titel der Remonstranten: „Bruderschaft“! Der Titel Bruderschaft wird vielleicht in feministisch geprägtem Denken als problematisch empfunden, deswegen spreche viele eher von Remonstranten – Kirche. Aber aktuell ist die Idee der gelebten „Bruderschaft“ nach wie vor, auch wenn man ihn in Richtung Geschwisterlichkeit weiten sollte. Joost Röselaars erinnert an Martin Luther King, der einmal sagte: “Ich habe einen Traum. Wir werden mit unserem Feind zusammensitzen.Wir sollen mit unserem Feind an einem Tisch, einer Tafel, zusammen sitzen&#8230;“ Und Röselaars nennt Beispiele: „Das ist vollkommene Bruderschaft: Der Türke sitzt mit dem Kurden an einem Tisch. Der PVV Anhänger (aus der rechtsextremen Partei von Wilders, CM) sitzt zusammen mit dem Flüchtling an einer Tafel“&#8230;</p>
<p>Wahrscheinlich ist die Wiederbelebung des Begriffes und der Realität „Bruderschaft“ auch zentral für die Zukunft der Remonstranten Kirche: Die sehnsucht der meisten Menschen, die noch eine christliche Gemeinde suchen, ist ja auch und oft vor allem dieses emotionale Sichwohlfühlen in der Gemeinde, so sehr man auch die intellektuelle, rationale Debatte pflegt. Kopfarbeit und „Seelenarbeit“ also sollten vielleicht stärker verbunden sein.</p>
<p>Die Remonstranten sind eine Kirche, die den theologischen Pluralismus sehr weit reichend auch für ihre eigenen Gemeinden, also für die Glaubensüberzeugung der einzelnen Freunde und Mitglieder nicht nur zulässt, sondern wünscht. Auf der Basis des kurzen allgemeinen Bekenntnisses: „Die Remonstrantische Bruderschaft ist eine Glaubensgemeinschaft, die – verwurzelt im Evangelium Jesu Christi und getreu der Freiheit und Toleranz – Gott ehren und dienen will“.</p>
<p>Diese innere Pluralität ist selbstverständlich im Alltag nicht immer einfach zu gestalten. Eine Glaubensgemeinschaft mit einer inneren Pluralität ist so selten, dass für die Mitglieder dieser Gemeinschaft der offene Dialog untereinander entscheidend ist. Sigrid Coenradie stellt in ihrem Beitrag dazu kritische Fragen.</p>
<p>Ich frage mich angesichts des Jubiläums, ob die Remonstranten eine fast ausschließlich auf die Niederlande begrenzte Kirche bleiben dürfen. Ist in Europa – und darüber hinaus in einer immer mehr fundamentalistisch werdenden Welt &#8211; eine freisinnige Kirche nicht enorm wichtig, selbst mit nur kleinen Stützpunkten, „Aktions-, Studien- und Debattenzentren?</p>
<p>Und ich frage weiter, ob die Remonstranten nicht viel mehr Menschen anderer Kulturen, allochthonen sagt man in Holland, und anderer Religionen und Weltanschauungen als Freunde und Mitglieder einladen und aufnehmen. Erst dann, vermute ich, finden die fünf Vs ihre umfassende Gestalt. Koen Holtzappfel gibt schon die auf Zukunft hin orientierte wichtige Antwort: “Remonstranten können den Zusammenhalt begünstigen, indem sie ihre Türen öffnen und den anderen begegnen. Sie können ein Platz bieten, wo gleichsam Vögel mit unterschiedlichem Gefieder einander entgegenkommen, lernen Respekt für einander aufzubringen und gemeinsam erleben, wie bereichernd Begegnungen sein können&#8230;“</p>
<p>Zum Schluss noch ein Hinweis auf die Monatszeitschrift ADREM der Remonstranten. Da berichtet in der Ausgabe Mai 2019 Janny Harmsen von ihrer Gemeinde in Doesburg: Dort orientiert sich die Gemeinde neu, weil sie sehr bald keine eigene Pastorin mehr haben kann. „Darum haben wir eine liturgische Gruppe ins Leben gerufen, in der ich bis vor kurzem auch Mitglied war. Es ist schön, um out of the box zu denken über Liturgie, aber selbst predigen ist für uns möglich. Wir probieren viel Kunst und Poesie in den Gottesdienst zu bringen“.</p>
<p>Die Praxis, dass die Gemeindemitglieder (Laien oft genannt, sie sind aber keine „Laien“, CM) selbst liturgische Verantwortung übernehmen und predigen, wenn kein Pastor da ist, finde ich großartig, auch für die Zukunft der Kirche. Das ist die Grundidee der Basisgemeinden, von dort kann man noch viele gute Inspirationen holen. So braucht keine noch so kleine Gemeinde nur einmal im Monat Gottesdienste zu haben, wenn eben mal ein Pastor gerade da ist&#8230;. Die Gemeinde selbst gestaltet auch die Gottesdienste. Ein Projekt für die Zukunft. Sicher ganz dringend, auch was Bildungsmöglichkeiten für „Laien“ am Institut der Remonstranten an der Freien Universität von Amsterdam angeht.</p>
<p>Die Broschüre „de vijf artikelen van de remonstranten“ ist 2019 erschienen. 42 Seiten. Sie kann bestellt werden im Büro der Remonstranten, Nieuwe Gracht 271, 3512 Utrecht. www.remonstranten.nl</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Religionsphilosophischer Salon Berlin. Forum der Remonstranten Berlin.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://forum.remonstranten-berlin.de/1590/remonstranten-die-fuenf-wichtigen-tugenden-eine-neue-publikation/">Remonstranten &#8211; die fünf wichtigen &#8222;Tugenden&#8220;: Eine neue Publikation.</a> erschien zuerst auf <a href="https://forum.remonstranten-berlin.de">Forum der Remonstranten in Berlin</a>.</p>
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		<title>Remonstranten- eine freisinnige christliche Kirche besteht seit 400 Jahren</title>
		<link>https://forum.remonstranten-berlin.de/1547/remonstraten-eine-freisinnige-christliche-kirche-besteht-seit-400-jahren/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Christian Modehn]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Jan 2019 15:35:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Elemente der Theologie der Remonstranten]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[400 Jahre Remonstranten]]></category>
		<category><![CDATA[Dordrecht Synode]]></category>
		<category><![CDATA[eine freisinnige Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[gibt es eine humanistische Kirche?]]></category>
		<category><![CDATA[humanistisches Chistentum]]></category>
		<category><![CDATA[Jubliäum der Remonstranten]]></category>
		<category><![CDATA[Remonstranten bestehen 400 Jahre]]></category>
		<category><![CDATA[Remonstranten feiern Jubiläum]]></category>
		<category><![CDATA[Synode zu Dordrecht]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Gedenken und Feiern im Jahr 2019 Ein Hinweis von Christian Modehn Die „Remonstranten“ als einzige explizit freisinnige und liberal-theologische und humanistisch-orientierte Kirche besteht im Jahr 2019 400 Jahre. Diese Kirche ist bis jetzt fast ausschließlich in den Niederlanden vertreten, seit 1622 in Friedrichsstadt, Nordfriesland. In Berlin wurde 2010 ein „Forum der Remonstranten“ gegründet. Die Erinnerung...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://forum.remonstranten-berlin.de/1547/remonstraten-eine-freisinnige-christliche-kirche-besteht-seit-400-jahren/">Remonstranten- eine freisinnige christliche Kirche besteht seit 400 Jahren</a> erschien zuerst auf <a href="https://forum.remonstranten-berlin.de">Forum der Remonstranten in Berlin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Gedenken und Feiern im Jahr 2019</p>
<p>Ein Hinweis von Christian Modehn</p>
<p>Die „Remonstranten“ als einzige explizit freisinnige und liberal-theologische und humanistisch-orientierte Kirche besteht im Jahr 2019 400 Jahre. Diese Kirche ist bis jetzt fast ausschließlich in den Niederlanden vertreten, seit 1622 in Friedrichsstadt, Nordfriesland. In Berlin wurde 2010 ein „Forum der Remonstranten“ gegründet.</p>
<p>Die Erinnerung an die Geschichte der „remonstrantischen Bruderschaft“, so der offizielle Titel, ist wesentlich, nur so wird das besondere theologische Profil dieser Kirche deutlich.</p>
<p>In der Monatszeitschrift ADREM beschreibt Peter Nissen wesentliche historische Momente, die zur Gründung der Remonstranten führten. Peter Nissen ist remonstrantischer Pastor und Professor für Ökumene an der Radboud Universität in Nijmegen.</p>
<p>In der Dezember Ausgabe 2018 von ADREM erinnert Peter Nissen an die Synode der calvinistischen Kirche in Dordrecht im November 1618. Die Synode war zusammengekommen vor allem wegen der theologischen Dispute, die der Theologe Arminius angestoßen hatte: Es ging ihm ursprünglich um die Frage: Welche Bedeutung hat der freie Wille des Menschen, wenn er sich der Botschaft des Evangeliums anschließt. Arminius unterstützte dabei die Teilnahme, die Anerkennung des freien menschlichen Willens; die meisten Theologen der calvinistischen Kirche hielten an der Lehre von der totalen Vorherbestimmung (Prädestination) fest. „Remonstrance“ bedeutet Einspruch, Widerspruch, eben Beschwerde gegen die totale Prädestinationslehre Calvins.</p>
<p>Die Theologen, die den Vorschlägen von Arminius folgten, waren zunächst bei Eröffnung der Synode in Dordrecht (am 13.November 1618) gar nicht zu gelassen. Erst am 6. Dezember 1618 konnten 12 remonstrantische Theologen dabei sein, sie waren nicht (gleichberectigte) Teilnehmer, sondern Angeklagte, wie Nissen schreibt.</p>
<p>„Diese Synode war kein Forum offener Diskussion, sondern ein Gerichtshof der Rechtsgesinnten, also der orthodoxen Calvinisten“. Die Vertreter der Remonstranten hatten schon den Eindruck, dass abweichende theologische Argumente in der Synode nicht mehr zählten. Am 14. 1. 1619 mussten die Remonstranten die Synode verlassen. Die freisinnigen Remonstranten wurden ausgegrenzt.</p>
<p>In Erinnerung bleibt eine Rede, die der remonstrantische Theologe Simon Episcopius noch am 7. Dezember 1618 hielt. Seit 1612 war Episcopius Professor in Leiden. „Wie Arminius wollte Episcopius Theologie treiben auf der Linie des Erasmus, mit der Vernunft als Richtschnur und mit der Philosophie als Hilfe fürs Verstehen der Bibel“. 2015 wurde der Vortrag von Episcopius unter dem Titel „Die arminianische Friedenskirche“ aus dem Lateinischen, der damaligen „Gelehrtensprache“ übersetzt und veröffentlicht. Dieser Vortrag ist, so Peter Nissen, „ein Plädoyer für ein tolerantes und pluriformes Christentum. Er plädiert für eine Kirche, die die Bibel zwar als Fundament hat, aber in der Raum ist für Vielfalt in der Auslegung der Bibel&#8230; Zwang gehört nicht zur Eigenart der Kirche“.</p>
<p>Es folgte ab 1619 eine Zeit, in der die Remonstranten vertrieben und verfolgt wurden, später konnten sie ihre Kirchengebäude nur als „versteckte Kirchen“ hinter einer neutralen Häuserfront bauen (etwa die Kirche „de rode hoed“ in Amsterdam).</p>
<p>Die Remonstranten heute sind selbständig, also nicht Mitglied der Protestantischen Kirche der Niederlande“ (PKN), einem Zusammenschluss von Hervormden, Gereformeerden und Lutheranern.</p>
<p>Am 11. November 2018 fand aber in der „Großen Kirche“ zu Dordrecht, dem Ort der Synode von 1618, ein gemeinsamer Gottesdienst von Protestanten der PKN (also den Nachfahren von Calvin, wenn man so will) und den Remonstranten statt.</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, remonstranten-berlin.de</p>
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		<title>Religionen und Kirchen werden zu Friedenskirchen. Eine not &#8211; wendige Reformation</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Christian Modehn]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 13 May 2018 07:39:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Elemente der Theologie der Remonstranten]]></category>
		<category><![CDATA[alle Menschen sind heilig]]></category>
		<category><![CDATA[den Frieden studieren]]></category>
		<category><![CDATA[die Sakralität der person]]></category>
		<category><![CDATA[Dogmen prüfen ob sie dem Frieden dienen]]></category>
		<category><![CDATA[Frieden im Mittelpunkt der Religionen]]></category>
		<category><![CDATA[Friedensarbeit ist Gottesdienst]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchen werden Friedenskirchen]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenrechte im Mittelpunkt der Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Religionen werden Friedenskirchen]]></category>
		<category><![CDATA[wir brauchen heute eine neue Reformation]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Einige Thesen im Religionsphilosophischen Salon am 11.5. 2018 Von Christian Modehn Wir können in diesen Zeiten zunehmender Aggressionen, Kriege, ökologischer Verwüstungen, sozialer Ungerechtigkeit weltweit nicht mehr so weiterleben und so weiterdenken wie bisher. Auch die Religionen, auch die Kirchen, müssen sich in dieser Situation inhaltlich verändern: Sie sollten sich zu Friedensreligionen, Friedenskirchen, entwickeln. Das wäre...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://forum.remonstranten-berlin.de/1485/religionen-und-kirchen-werden-zu-friedenskirchen-eine-not-wendige-reformation/">Religionen und Kirchen werden zu Friedenskirchen. Eine not &#8211; wendige Reformation</a> erschien zuerst auf <a href="https://forum.remonstranten-berlin.de">Forum der Remonstranten in Berlin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Einige Thesen im Religionsphilosophischen Salon am 11.5. 2018</p>
<p>Von Christian Modehn</p>
<p>Wir können in diesen Zeiten zunehmender Aggressionen, Kriege, ökologischer Verwüstungen, sozialer Ungerechtigkeit weltweit nicht mehr so weiterleben und so weiterdenken wie bisher. Auch die Religionen, auch die Kirchen, müssen sich in dieser Situation inhaltlich verändern: Sie sollten sich zu Friedensreligionen, Friedenskirchen, entwickeln. Das wäre die heute gebotene endlich einmal tief greifend neue Reformation. Denn: Dogmatischer Konfessionalismus und herrschsüchtiger Klerikalismus sind keine Hilfen mehr in dieser bedrohlichen Situation heute. Konfessionalismus, Fundamentalismus und Klerikalismus (Priesterherrschaft) behindern nur die Entwicklung zu einem friedlichen Miteinander.</p>
<p>Schon immer haben Religionen und Kirchen wenigstens ansatzweise versucht, die jeweiligen politischen Verhältnisse zu respektieren, auch für die Formulierung der eigenen Glaubens &#8211; Lehren (meist haben sie sich auf die Veränderungen in Staat und Gesellschaft anpasslerisch bezogen, man denke an die Übernahme von Kolonialismus, Rassismus, Sklaverei, Hexenwahn in den Kirchen selbst). Es gab aber auch Versuche, etwa angesichts des Kolonialismus in Latein-Amerika die Menschenwürde aller, auch der „Indianer“, theologisch zu respektieren, siehe Pater Bartholomé de las Casas und andere Ausnahmegestalten&#8230; „Die eigentliche Erbsünde der modernen westlichen Welt besteht in der schwer sündhaften Weltordnung, die sich in den Jahrhunderten brutaler kolonialer Expansion seit 1492 konstituierte“, so der katholische Theologe Tissa Balasuriya aus Sri Lanka, in der ökumenischen theologischen Zeitschrift „Concilium“, März 2007, Seite 14. Es gilt heute, diese „Erbsünde“ zu überwinden.</p>
<p>Angesichts der Krise Europas, der Bedrohung der Welt durch aggressive und nationalistische Politiker („America first“ etc.), also durch Politiker, die offenbar niemand mehr bremsen und niemand absetzen kann, angesichts der ökologischen ist es eine Notwendigkeit, dass wenigstens religiöse oder explizit humanistische Menschen zusammen mit ihren Religionen einen radikalen auch dogmatischen Einschnitt wagen, sozusagen als letzte Hilfe, in letzter Minute. Das hat nichts mit Alarmismus oder Pessimismus zu tun, sondern entspringt einer rationalen Einschätzung des Weltzustandes.</p>
<p>In dieser Zeit und sicher in alle weiteren Zeiten kann Religion, kann Humanismus nur noch akzeptabel und glaubwürdig sein, wenn sie sich zu Friedensreligionen, Friedensphilosophien, zum Forum für universale Gerechtigkeit entwickeln. Friedensforschung und Konfliktforschung rücken damit ins Zentrum religiöser Arbeit. Gesprächsforen unterschiedlicher Menschen unterschiedlicher (bisher feindlicher) Ideologien werden genauso wichtig wie die üblichen Gottesdienstes.</p>
<p>Friedensarbeit und Versöhnungsarbeit IST Gottesdienst!</p>
<p>Diese Religionen und Kirchen lösen sich von ihren Bindungen an nationales Denken. Denn nationales Denken führt erwiesenermaßen immer in Kriege und zur Vernichtung der Menschheit.</p>
<p>Damit ist nicht gemeint, dass eine Welteinheitsreligion entstehen sollte. Die Pluralität der Religionen bleibt erhalten, selbstverständlich. Nur wird aller Nachdruck darauf gelegt, das Wesentliche, das Humane, das Frieden Fördernde in den Religionen in den absoluten Mittelpunkt zu stellen. Und das Gemeinsame zu besprechen, zu pflegen, zu feiern.</p>
<p>Religionen sind also nicht mehr zuerst gebunden an ihre kleine und begrenzte Welt der Dogmen und spezifischen eigenen Traditionen.</p>
<p>Die neue Orientierung der Religionen, Kirchen, ist gebunden an die Erklärung der Menschenrechte. Auch wenn diese Erklärung der Menscherechte der UNO aus einem kulturellen (humanistischen, europäischen) Umfeld stammt, gelten die Menschenrechte doch universal. Die begrenzte Herkunft sagt nichts gegen die Universalität der Erkenntnis. So wie der kategorische Imperativ von Kant zwar im beschaulichen Königsberg formuliert wurde: So gilt diese ethische Erkenntnis mit Evidenz doch universal, auch in Peking oder Washington. Die politisch Gefangenen in China wollen selbstverständlich die Geltung der Menschenrechte, auch wenn diese Menschenrechte nicht in China „entdeckt“, d.h. formuliert wurden. Das selbe gilt für die verzweifelten Aktivisten in den USA, die trotz allen offiziellen politischen Wahnsinns dort gegen die Verbreitung der Schusswaffen kämpfen usw. Das gilt die indianischen Völker am Amazonas, die für ihren eigenen Lebensraum und den Schtz der Wälder gegen die Allmacht des weißen rassistischen Imperialismus in Brasilien kämpfen&#8230;.</p>
<p>Konkret: Wie die Christen die Bibel studieren und darüber debattieren, so sollten gleichwertig und mit höheren Intensität auch die Erklärungen der Menschenrechte (der UNO) gelesen, diskutiert, in gewisser Weise verehrend hoch geschätzt werden: Nicht deswegen, weil es heilige Texte sind, sondern weil darin die Sakralität der Personen, aller Menschen, deutlich wird. <em>Siehe dazu das Interview mit dem protestantischen Theologen Wilhelm Gräb, Berlin.</em></p>
<p>Denn der gemeinsame Kern aller Religionen, so sagen Religionswissenschaftler, ist etwas Göttliches, Heiliges, Unantastbares, das letztlich den Menschen sagt: Dieses Göttliche, Heilige, Unantastbare, dieses „Nichts“, wie auch immer, will letztlich nur das Gute für die Menschen, auch für dich. Diesen KERN gilt es spirituell zu pflegen und in diesem Geist gilt es miteinander auch politisch – kritisch zu handeln.</p>
<p>Diese Erkenntnisse müssen ausgetauscht werden im Dialog. Auch mit Atheisten. Voraussetzung ist: Keiner der Gesprächspartner aus einer Religion besitzt die einzige und für alle geltende religiöse Wahrheit. Die einzige Wahrheit, die alle verbindet, ist das Bemühen, die Menschenrechte zu erkennen und zu leben. Es gibt also eine höhere allgemeine, vernünftige, philosophische Wahrheit als die Religionen oder Atheismen. Religionen und Konfessionen erkennen an: Aus ihrem je eigenen begrenzten dogmatisch – religiösen Zusammenhang finden sie allein nie den Weg, sich für den partnerschaftlichen Dialog mit anderen Religionen lernbereit zu öffnen. Allein philosophisches Nachdenken IN den Religionen und Konfessionen sprengt die enge Welt der dogmatischen Religionen. Hilft, exklusive religiöse Lehren beiseite zu legen, kriegerische Elemente in der eigenen religiösen Tradition für ungültig zu erklären.</p>
<p>Wer seine Spiritualität als Friedensspiritualität lebt, muss sich ständig bilden. Die Lektüre kritischer Zeitungen ist dann genauso wichtig wie die Lektüre heiliger Texte etc.</p>
<p>Das Eintreten für die Menschenrechte (das sind selbstverständlich auch Rechte der Natur und der Tiere) durch den einzelnen ist natürlich bezogen auf das unmittelbare Umfeld des Alltags. Jeder suche sich einen Bereich, wo er, sie, für die Menschenrechte eintritt: Wohnungsprobleme, Gentrifizierung, gegen den Hass auf Ausländer und Flüchtlinge eintreten&#8230;</p>
<p>Die philosophische Aufgabe: Für eine neue Akzeptanz des Kompromisses eintreten. Es gilt zu unterscheiden zwischen faulen und richtigen Kompromissen.</p>
<p>Religionen und Kirchen als Friedensreligionen: das verändert das innere Leben der Kirchen selbst: Anstelle der üblichen Gottesdienste mit Liedern und bloß erbaulichen Predigten: Gespräche, Begegnungen, Informationen, des Austausches auch mit Fremden, verbunden mit Momenten der Stille, der Meditation, des Hörens von Musik.</p>
<p>Der einzelne kann dieses Leben nur leben in der Erfahrung und Erkenntnis: In jedem Menschen, auch in mir, lebt etwas Wesentliches, Heiliges, meinetwegen auch „Nichtiges“ (buddhistisch), aber Unzerstörbares, das mich mit einer Dimension von Welt verbindet, die über meinen Alltag hinausreicht. Diese Erfahrung „des geschenkten Unverfügbaren“, „Heiligen“, „Nichts“, wie auch immer in diesen schwachen Worten: Diese reflektierte und ausgesprochene (!) Erkenntnis ist der Mittelpunkt einer spirituellen Energie, die wir alle brauchen. Da bilden sich dann wesentliche, neue Gemeinsamkeiten:</p>
<p>Der Theologe Leonardo Boff, Brasilien, zitiert den Yoga-Meister José Hermógenes:</p>
<p>„<em>Ich bat Krishna um seinen Segen, und Christus segnete mich.</em></p>
<p><em>Ich betete zu Christus, und Buddha war es, der mich erhört hat.</em></p>
<p><em>Ich rief Buddha an, und es war Krishna, der mir antwortet“.</em> (zit. in Concilium, Internationale Kathol. Zeitschrift, März 2007, Seite 55)</p>
<p>Copyright: Christian Modehn, Forum der Remonstranten Berlin.</p>
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			</item>
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		<title>Fragen geben Halt im Leben! Ein neues Buch des Remonstranten Theologen Koen Holtzapffel, Rotterdam.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Christian Modehn]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Jan 2018 20:42:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Elemente der Theologie der Remonstranten]]></category>
		<category><![CDATA[Beraadsdag 2018 über Halt finden im Leben]]></category>
		<category><![CDATA[fragen geben Halt im Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Fragen lernen ist spirituell]]></category>
		<category><![CDATA[Koen Holtzapffel]]></category>
		<category><![CDATA[Remonstranten finden Fragen wichtiger als Antworten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Das Jahresthema der protestantischen Remonstranten Kirche in Holland. Ein Hinweis auch auf das neue Buch von Koen Holtzapffel „Houvast“ („Halt“) Von Christian Modehn Die Bibel ist kein Kompendium, in dem endgültige Antworten zu finden sind. Diese Erkenntnis breitet der Remonstranten – Theologe und Pastor in Rotterdam Koen Holtzapffel in seinem neuen Buch aus, es hat...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://forum.remonstranten-berlin.de/1453/fragen-geben-halt-im-leben/">Fragen geben Halt im Leben! Ein neues Buch des Remonstranten Theologen Koen Holtzapffel, Rotterdam.</a> erschien zuerst auf <a href="https://forum.remonstranten-berlin.de">Forum der Remonstranten in Berlin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Jahresthema der protestantischen Remonstranten Kirche in Holland.</p>
<p>Ein Hinweis auch auf das neue Buch von Koen Holtzapffel „Houvast“ („Halt“)</p>
<p>Von Christian Modehn</p>
<p>Die Bibel ist kein Kompendium, in dem endgültige Antworten zu finden sind. Diese Erkenntnis breitet der Remonstranten – Theologe und Pastor in Rotterdam Koen Holtzapffel in seinem neuen Buch aus, es hat den Titel „Houvast aan de vraagzijde van het bestaan“ („Haltfinden an der Fragedimension der Existenz“). „Ich nehme Abstand von dem Vorschlag („suggestie“), dass die gläubigen Menschen sozusagen auf der Antwortseite des Daseins stehen und die Nicht-Gläubigen auf der Seite des Fragens&#8230; Das will ich überwinden und sowieso den bekannten Unterschied zwischen Glauben und Unglauben“.</p>
<p>Diese hierzulande hoch interessante Position muss erläutert werden: Der christliche Glaube ist keine Bindung des einzelnen an vorgegebene Dogmen aus alten Zeiten. Die Kirchengemeinden (der freisinnigen, theologisch liberalen) Remonstranten sind Orte, in denen der einzelne seinen eigenen Glauben entdecken, als einen solchen leben kann &#8230; und mit anderen besprechen und vertiefen kann.</p>
<p>Die leitende Maxime heißt: Wer Halt sucht in seinem Leben, sollte sich nicht festklammern an Ideologien und offizielle Wahrheiten. Er (oder sie) sollte das Fragen aushalten, die <em>eigenen </em>Fragen! Natürlich zeigen sich dann Antworten. Aber diese rufen nur wieder weitere Fragen hervor: Das ist das Leben des Geistes. Und diese Lebendigkeit des Geistes ist sicher das einzige, was Halt gibt und fest ist in unserem Leben: Getragen sein, belebt sein, von der ewigen Fragebewegung des Geistes und von den immer relativen Antworten, die zu neuen, aber wieder nur vorläufigen Antworten leiten: Das ist die Größe des Menschen, auch des religiösen Menschen.</p>
<p>Klar ist auch, dass ein Leben in dieser Fragebewegung nicht immer bequem ist. Deswegen klammern sich so viele voller Angst dann doch an vorläufige Antworten und erklären das Vorläufige zum Endgültigen. Und dann beginnt &#8211; fundamentalistisch &#8211; der Streit um die einzige Wahrheit, diese kann nur jemand behaupten, der irgendwann in der Fragebewegung stehen und stecken bleibt. Und mit der einzigen Wahrheit (in Religionen, Nationen, Kulturen usw.) zieht die kriegerische Haltung in die Gesellschaft ein. Das erleben wir heute global. Das heißt ja nicht, dass es einige wenige universale humane Antworten der Vernunft gibt, die für alle Menschen und alle Staaten gelten: Dies sind die für alle Menschen geltenden Menschenrechte, aber auch diese Menschenrechte entwickeln sich durch Fragebewegungen stets weiter. Der Kategorische Imperativ von Kant ja nicht entdeckt, sondern nur formuliert, gehört auch dazu.</p>
<p>Die Remonstranten sind wahrscheinlich die einzige christliche Kirche, in der das Fragen heilig ist; weil das Fragen das Leben des Geistes (und der Seele) selbst ist und der Geist (und die Seele) nun heilig sind; was bedeutet, dass das Leben als leibliches, aber immer doch notwendigerweise Geist geprägtes leibliches und materielles Leben auch heilig ist.</p>
<p>Es ist für mich eine gute Entscheidung, dass die Remonstranten in Holland das für sie immer übliche Jahresthema diesmal, für 2018, der Frage als einem – auch spirituellen, religiösen Vollzug – alle Aufmerksamkeit widmen. Bei dem „Tag der Beratung“ miteinander („Beraadsdag“) am 10. März 2018 in Hengelo geht es auch um das Thema: Wie kann das Fragen tatsächlich Halt, vielleicht einen ersehnten letzten und tiefsten Halt bieten? Es ist wohl so, meint Koen Holtzapffel, dass zu der Fragebewegung auch ein Vertrauen gehört, ein Vertrauen, dass in der Fragebewegung ein möglicher Sinn sich für mich erschließen kann. Dieser tragende Lebenssinn, dieser Halt, erschließt sich, so der Autor, gerade dann, wenn alle Bilder Gottes, die man als den Lebenssinn deutete, verschwinden und nach diesem (persönlichen) „Bildersturm“, wie Holtzapffel sagt (S. 120) eigentlich nur Leere bleibt. „Man kann es Leere nennen, aber dann vielleicht als eine wohlltuende Leere, als Flüstern einer sanften Brise, die man genießen kann als Schönheit einer leeren Landschaft“ (ebd.) Der Autor zitiert dann zustimmend den Philosophen Cornelis Verhoeven (1928 – 2001): „Gerade in der Frage besteht Gott und nirgendwo anders. Gottes Existenz wird in der Frage förmlich festgehalten“. Und Koen Holtzapffel beschließt sein sehr inspirierendes Buch: „Leere ist leer, aber sie schafft auch einen mystischen Raum, ohne einen vorstellbaren und voraussagbaren Gott.</p>
<p>Aber ein Gott, von dem man nie etwas bemerkt, wird irrelevant. Bisweilen gibt sich mein Gott doch gründlich zu erkennen, lässt sich verstehen mit Herz und Seele. In Liebe und Licht, in Friede und Anteilnahme für einander. Auch in dem Menschen Jesus gibt er sich zu erkennen. Wo Nächstenliebe und (erotische) Liebe ist, da ist Gott: Ubi caritas et amor, Deus ibi est“ (S. 122)</p>
<p>In einem Beitrag für die Monatszeitschrift ADREM vom Juni 2017 sagt Holtzapffel: „Ich hoffe, das unsere Gemeinden Orte sind, wo über Lebensfragen nachgedacht wird. Als Pastor (Prediger) habe ich keine direkten Antworten, aber ich sehe mich als jemanden, der den Frageprozess beobachtet. Und ich sehe mich als jemanden, der <em>die </em>Lebensfrage hinter den Fragen entdecken kann und auch mit der Tradition verbindet&#8230; Aus der großen soziologischen Untersuchung „God in Nederland“ geht jetzt hervor, dass sehr viele Menschen meinen, dass die Sinnfragen nicht mehr in der Kirche behandelt werden. Bei uns Remonstranten ist das anders, da haben diese Fragen ihren Raum“.   Und er nennt über die Remonstranten Gemeinden hinaus in dem Buch mehrere, in ganz Holland bekannte Beispiele: Etwa das Kulturzentrum de „Rode Hoed“ in Amsterdam oder das „Uytenbogaertcentrum“ in Den Haag, das der Theologe und Philosoph Johan Goud aufgebaut hat.</p>
<p>&nbsp;</p>
<h3>Houvast. Aan de vraagzijde van het bestaan. Von Koen Holtzapffel. 144 Seiten. ISBN 978 90 211 4491 7). Dieses Buch ist im August 2017 erschienen im Verlag Meinema, Utrecht.</h3>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://forum.remonstranten-berlin.de/1453/fragen-geben-halt-im-leben/">Fragen geben Halt im Leben! Ein neues Buch des Remonstranten Theologen Koen Holtzapffel, Rotterdam.</a> erschien zuerst auf <a href="https://forum.remonstranten-berlin.de">Forum der Remonstranten in Berlin</a>.</p>
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		<item>
		<title>Für die Vielfalt, nicht nur im Glauben. Ein Interview mit dem Remonstranten Theologen Prof. Johan Goud, Den Haag</title>
		<link>https://forum.remonstranten-berlin.de/1209/fuer-die-vielfalt-nicht-nur-im-glauben-ein-interview-mit-dem-remonstranten-theologen-prof-johan-goud-den-haag/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Christian Modehn]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Jan 2017 18:16:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Elemente der Theologie der Remonstranten]]></category>
		<category><![CDATA[Glaubensbekenntnis]]></category>
		<category><![CDATA[für die Vielfalt im Glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Goud über Wilders]]></category>
		<category><![CDATA[jeder Remonstrant schreibt sein Bekenntnis]]></category>
		<category><![CDATA[Johan Goud]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik an Wilders NL]]></category>
		<category><![CDATA[Prof. Johan Goud]]></category>
		<category><![CDATA[PVV und Kirche]]></category>
		<category><![CDATA[Remonstrant kritisiert Wildres]]></category>
		<category><![CDATA[Remonstranten haben kein allgemein verbindliche Bekenntnis]]></category>
		<category><![CDATA[was tun gegen Wilders?;]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Für die Vielfalt, nicht nur im Glauben Ein Interview mit dem Theologen und Pastor der Remonstranten-Kirche Prof. em. Johan Goud (Den Haag): Die Fragen stellte Christian Modehn Zwei Fragen beziehen sich unmittelbar auf die Theologie: Die Freiheit ist entscheidend für Remonstranten, auch die Selbstbestimmung des einzelnen, seinen Glauben zu leben auf seine je individuelle Art....</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://forum.remonstranten-berlin.de/1209/fuer-die-vielfalt-nicht-nur-im-glauben-ein-interview-mit-dem-remonstranten-theologen-prof-johan-goud-den-haag/">Für die Vielfalt, nicht nur im Glauben. Ein Interview mit dem Remonstranten Theologen Prof. Johan Goud, Den Haag</a> erschien zuerst auf <a href="https://forum.remonstranten-berlin.de">Forum der Remonstranten in Berlin</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Für die Vielfalt, nicht nur im Glauben </em></p>
<p>Ein Interview mit dem Theologen und Pastor der Remonstranten-Kirche Prof. em. Johan Goud (Den Haag):</p>
<p>Die Fragen stellte Christian Modehn</p>
<p>Zwei Fragen beziehen sich unmittelbar auf die Theologie: <em>Die Freiheit ist entscheidend für Remonstranten, auch die Selbstbestimmung des einzelnen, seinen Glauben zu leben auf seine je individuelle Art. Haben deswegen die Remonstranten de facto kein allgemein verbindliches Glaubensbekenntnis?</em> Ebenso gilt die weitere <em>Frage</em>: <em>Was hält Remonstranten zusammen bei der akzeptierten Glaubens-Pluralität? Und warum ist Pluralität der religiösen Überzeugungen ein Vorteil?</em></p>
<p>Aber zunächst zur aktuellen politischen Situation in den Niederlanden, dort sind Parlaments-Wahlen am 15. März 2017, mit der Prognose, dass die populistische und rechtslastige Partei PVV stark wird): <em>Was können Christen in den Niederlanden, was können Remonstranten, jetzt tun gegen Wilders und die PVV?</em></p>
<p>Johan Goud:</p>
<p>Diese Frage betrifft auch den Populismus, der sich im Augenblick in der ganzen Welt <span id="more-1209"></span>regt und der in den Niederlanden verbunden ist mit dem Namen Pim Fortuyn, er wurde im Mai 2002 von einem fanatischen Umwelt-Aktivisten ermordet. Der Populismus in Holland ist auch verbunden mit Geert Wilders und seiner Partei “Für die Freiheit” (PVV). Der Italiener Berlusconi, der Engländer Farage (Brexit), die Französin Le Pen, der Amerikaner Trump: Sie vertreten alternative, national bestimmte Varianten. Ich finde, es ist ein außerordentlich kompliziertes Phänomen, an dem von verschiedenen Gesichtspunkten aus mehrere auseinanderlaufende Sachen zu beobachten sind.</p>
<p>Zu den Hauptursachen in einem allgemeineren Sinne rechne ich: Die Aushöhlung und Ächtung der kritischen Informationsbeschaffung durch die ‘sozialen Medien’; die Zerstückelung der Gesellschaft durch den Zerfall der alten Gemeinschaftsverbände, d.h. der Kirchen, Gewerkschaften, politischen Parteien; die extrem schnelle Verwandlung der Gesellschaft durch moderne Technologien, infolge derer sich sehr viele an die Seite gedrängt fühlen (und oft auch faktisch arbeitlos gemacht worden sind).</p>
<p>Ursachen in einem eher spezifischen Sinne sind meiner Einschätzung nach – immerhin im Falle der Niederlande – die Privatisierung öffentlicher Dienste (wie der Energiebetriebe, der Post, der Fürsorge bedürftiger Mitbürger), aber auch die langjährige, politisch allzu “korrekte” Unterbewertung der multikulturellen Problematik. Die Folge der letztgenannten Fehlentwicklung werden besonders von den Bewohnern der ärmeren Viertel unserer Großstädte tagtäglich gefühlt und wahrgenommen.</p>
<p>Dies alles hat jetzt zu einer giftigen Mischung geführt, einer Mischung aus einer sich ‘national’ nennenden Nostalgie und Sehnsucht nach der vertrauten Gemeinschaftlichkeit der 50-er Jahre (die den meisten heute tatsächlich aber vőllig fremd und unbekannt geworden ist); intolerantes Verhalten den ausländischen Arbeitnehmern, den Asylbewerbern, den Flüchtlingen und jedem Fremden gegenüber; Aversion generell gegenüber unzuverlässig angesehenen Politikern und Akademikern – der ganzen verabscheuten Elite – und schließlich ein besinnungsloses Verlangen nach dem geträumten ‘starken Mann’, der ‘reinen Tisch’ machen wird.</p>
<p>Soweit meine Analyse, die wenig Neues enthält. Es ist aber insgesamt eine sehr traurig stimmende Geschichte. Falls wir nicht achtgeben und die gemachten Fehler korrigieren und adäquate Maßnahmen ergreifen, laufen wir die große Gefahr, daß unsere reichen, demokratischen Gesellschaften durch diese massive Unzufriedenheit tiefgehend zerrüttet werden.</p>
<p>Ich komme jetzt in die Nähe deiner Frage zu den Remonstranten: Was kőnnten sie tun, um diese heillosen Entwicklungen abzuwenden? Es ist klar, daß die Remonstranten eine radikal un-populistische Tradition vertreten. Die Ideale von Freiheit und Toleranz werden in der kurzen Prinzipienerklärung der Remonstranten nachdrücklich erwähnt. Sie wandten sich gleich in den ersten Dezennien der niederländischen Republik, die 1581 gegründet wurde, gegen unfreiheitliche Tendenzen in Kirche und Staat (etwa der weltweit bekannte Staatsrechtler Hugo Grotius oder der Theologe und Gründer der remonstrantischen Kirche, Johannes Uytenbogaert). Zu Beginn des 20sten Jahrhunderts waren Remonstranten ganz deutlich anwesend in der religiős-pazifistischen Bewegung (etwa der Theologe G.J.Heering, u.a. mit seinem 1928 erschienenen Buch “<em>Der Sündenfall des Christentums; Eine Studie zum Christentum, Staat und Krieg”</em>) und 1987 änderten sie als erste Kirche weltweit ihre eigene Kirchenordnung, damit die kirchliche Trauung homosexueller und lesbischer Ehepaare mőglich würde.</p>
<p>Zu den Fragen 2 und 3 sagt Johan Goud:</p>
<p>Das Ideal der Freiheit verbunden mit der Überzeugung, daß der Glaube im individuellen Menschen anfängt und daß diese elementare Freiheit respektiert werden soll, hat die Remonstranten tatsächlich gegenüber allgemeingültigen Glaubensbekenntnissen äußerst zurückhaltend gestimmt, wie von dir in deiner Frage zwei zu recht hervorgehoben wird. Aus mehreren Gründen haben die Remonstranten trotzdem solche Bekenntnisse formuliert, nämlich in den Jahren 1620, 1940 und 2006. Die Intention dabei ist aber sicherlich niemals gewesen, daß ein formuliertes Bekenntnis allgemeinverbindlich werde und die Gläubigen in ihrem eigenen religiösen Leben förmlich bestimmen oder gar gängeln sollte. Im Gegenteil. Wer zur remonstrantischen Kirche gehören will, schreibt sein persőnliches Glaubensbekenntnis. Und im Vorwort der őffentlichen Glaubensbekenntnisse steht jedesmal, wie auch in 2006: ‘Im remonstrantischen Glaubensverstehen ist es selbstverständlich, daß kein einziges Glaubensbekenntnis eine unwidersprüchliche Autorität besitzt. Die Absicht eines Bekenntnisses kann keine andere sein, als daß es ‘mit Vorsicht und in Liebe den Weg des Glaubens weist und erleuchtet’.’</p>
<p>Diese Reserviertheit gegenüber allgemein verpflichtenden Bekenntnissen kommt auch zum Ausdruck in den ersten Sätzen des Bekenntnisses von 2006: Sie sprechen zuerst vom Menschen, also nicht, wie in klassischen Bekenntnissen üblich, von Gott:</p>
<p>Wir sind uns bewusst und erkennen,<br />
dass wir unsere Ruhe nicht finden<br />
in der Sicherheit dessen, wozu wir uns bekennen,<br />
doch in Verwunderung über das, was uns zufällt und geschenkt wird;</p>
<p>dass wir unsere Bestimmung nicht finden in Teilnahmslosigkeit und Habgier,<br />
sondern in Wachheit und Verbundenheit mit allem, was lebt;</p>
<p>dass unser Dasein nicht erfüllt wird in unserem Sein und Haben, sondern in etwas unendlich Grösserem als wir erfassen können.</p>
<p>Durch dieses Bewusstsein geleitet, glauben wir an Gottes Geist,<br />
der alles, was Menschen trennt, übersteigt<br />
und sie beseelt zu dem, was heilig ist und gut,<br />
auf dass sie, singend und schweigend,<br />
betend und handelnd,<br />
Gott ehren und dienen.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund ist deine Frage drei ganz verständlich. Denn was hält diese Kirche als Glaubensgemeinschaft zusammen, wenn sie so explizit die konfessionelle Selbstbestimmung des einzelnen hervorhebt und sich zurückhaltend oder sogar ablehnend verhält zur Neigung aller religiősen Institutionen, “gierig” zu werden (um es mit dem bekannten Wort des Sozialpsychologen Coser zu sagen), also Gläubigen an die Institution zu fesseln und zum Konformismus zu zwingen? Ein wichtiger Punkt ist, glaube ich, daß unsere Prinzipienerklärung und auch diese zurückhaltenden Glaubensbekenntnisse eine von den meisten Remonstranten akzeptierte Orientierung in Worte fassen. Remonstranten stimmen im allgemeinen überein in dem Wunsch: Im Geiste der Prinzipien von Freiheit und Toleranz eine Glaubensgemeinschaft zu bilden, die die Bibel historisch-kritisch liest und Gott ehren und dienen will.</p>
<p>Sie sind aber auch davon überzeugt, daß Pluralität im Glauben erforderlich ist, daß Vielfalt, mit anderen Worten, keinen Verlust, sondern einen Gewinn darstellt. Denn unter der Bedingung der Pluralität werden die vielfältig geprägten Menschen sich persőnlicher und bewußter auf diese Glaubensgemeinschaft bezogen fühlen. Außerdem wird sie dazu führen,  daß diese Gemeinschaft keine uneigentlichen Barrieren aufwirft und keine Mauern errichtet zwischen Gläubigen, Andersgläubigen und Nicht-Gläubigen. Denn die Grenzen zwischen diesen Kategorien und Gruppen durchqueren jeden einzelnen von uns selbst. Es wäre unehrlich und es würde zur Intoleranz führen, wenn diese innere Vielfalt negiert bliebe.</p>
<p>Dies bringt mich zurück zu deiner übergreifenden Frage nach unserem Verhalten gegenüber Geert Wilders und seinem niederländischen Populismus. Was kőnnten Christen, was kőnnten Remonstranten dagegen tun? Vieles, glaube ich – aber bitte keine schőnen und eindrucksvoll formulierten Appelle, die nur von den schon lange Überzeugten ernstgenommen werden. Ich beschränke mich zu zwei Beispiele eher noch kleiner Projekte, die zu tun wären.</p>
<p>An erster Stelle geht es um Selbstkritik. Der neue “Allgemeine Sekretär der Remonstranten”, Joost Rőselaers, hat über mehrere Medien die Niederländer, besonders die gebildeteren Kreise, aufgerufen, Schluß zu machen mit der globalen Verurteilung des populistischen Trends und stattdessen Selbstkritik zu üben. Rőselaers war bis vor kurzem Pastor in London, an der Holländischen Kirche, die inmitten des Bankenviertels steht. Brexit, Trump und all die anderen halten uns einen Spiegel vor, sagt Rőselaers. Wir müssen beispielsweise in der Europäischen Union wieder zu dem kommen, womit alles einmal begann: zu den Idealen von Frieden und Solidarität. Warum haben wir die Aushöhlung dieser Ideale durch das Handeln der “Finanzwelt” nicht korrigiert? “Früher erklärten die Kirchen dir, was gut und schlecht war. Das ist innerhalb von 50 Jahren verschwunden; nun müssen wir selbst suchen, was gut und böse ist. Ich will nicht zurück in die Zeiten, als die Kirchen noch so viel Macht hatten. Aber wir müssen wohl zurückkehren zu einer Lebensform, die uns gut untereinander verbindet” (Joost Rőselaers).</p>
<p>An zweiter Stelle müssen wir die heillose Zweiteilung von Hochgebildeten und eher weniger Gebildeten überwinden. Ich habe meine Facebook-Freunde aufgerufen, sich dafür einzusetzen und habe aus dem Kreise dieser digitalen Freunde viele positive Reaktionen erhalten, zum Beispiel vom Islamologen Michiel Leezenberg und vom bekannten Autor Abdelkader Benali. “Es wird über diese genannte Kluft zu recht viel geklagt und auch über den sehr ernstzunehmenden Mangel, bei vielen in unserer Gesellschaft, an richtigen Informationen und Argumenten, die Fehler korrigieren. Die Gemeinschaftsverbände von einst, in denen die verschiedenen gesellschaftlichen Schichten einander begegneten, funktionieren nicht mehr. Was übrig bleibt sind die ‘social media’, die nur geben, was Menschen suchen. Diese ‘social media’ aber verbreiten auch vielen “Unsinn” (fakenews). Dies ist als eine der wichtigen Ursachen der Radikalisierung von rechts und links anzusehen. Also: Platziert mindestens einmal pro Woche einen Beitrag auf die Twitter-, Facebook- und andere Nachrichten-Sites, wo sich die heftigen, oft äußerst emotionalen und diskriminierenden Diskussionen abspielen. Reagiert da ruhig und entschieden, aber nicht moralisierend mit einem vernünftigen Beitrag. Ich habe da bis jetzt nur wenige Erfahrung gesammelt, zureichend aber, um zu wissen, dass diese kleine Initiative funktioniert und der Mühe wert ist”. (Johan Goud)</p>
<p>Ich sehe wohl, daß dies für viele eine nicht leichte Aufgabe ist, sich einzumischen in diese Art von Diskussionen, wo dir die populistischen Vorurteile um die Ohren fliegen. Aber ich denke, daß auf diesem konkreten und sehr dicht an den Problemen orientierten Niveau eine erste notwendige Antwort liegt auf deine Fragen. Nicht in der Sphäre von vollmundigen Erklärungen und Verurteilungen kommen wir weiter, sondern auf dem eher bescheidenen Niveau von Kommunikation und Argument.</p>
<p>copyright: Prof. Johan Goud.</p>
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		<title>Von einem Gott, der „beinahe nicht besteht“. Zum theologischen Profil eines remonstrantischen Theologen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Christian Modehn]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 04 Dec 2016 20:23:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Elemente der Theologie der Remonstranten]]></category>
		<category><![CDATA[aktuelles im Forum der Remonstranten Berlin]]></category>
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		<category><![CDATA[Glauben an Gott der fast nicht besteht]]></category>
		<category><![CDATA[Johan Goud]]></category>
		<category><![CDATA[Prof. Johan Goud im Forum der Remonstranten Berlin]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ein Beitrag des holländischen Theologen und Remonstranten Pastors Prof. em. Johan Goud, Den Haag. Die Frage stellte Christian Modehn vom &#8222;Forum der Remonstranten Berlin&#8220;: Es gibt in der weiten Ökumene sehr viele und sehr unterschiedliche, immer mehr auch evangelikale und pflingstlerische Kirchen. Eine kleine protestantische Kirche in Holland nennt sich „Remonstranten“ als eine theologisch-liberale Glaubensgemeinschaft....</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://forum.remonstranten-berlin.de/1201/von-einem-gott-der-beinahe-nicht-besteht-zum-theologischen-profil-eines-remonstrantischen-theologen/">Von einem Gott, der „beinahe nicht besteht“. Zum theologischen Profil eines remonstrantischen Theologen</a> erschien zuerst auf <a href="https://forum.remonstranten-berlin.de">Forum der Remonstranten in Berlin</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Beitrag des holländischen Theologen und Remonstranten Pastors Prof. em. Johan Goud, Den Haag.</p>
<p>Die Frage stellte Christian Modehn vom &#8222;Forum der Remonstranten Berlin&#8220;: Es gibt in der weiten Ökumene sehr viele und sehr unterschiedliche, immer mehr auch evangelikale und pflingstlerische Kirchen. Eine kleine protestantische Kirche in Holland nennt sich „Remonstranten“ als eine theologisch-liberale Glaubensgemeinschaft. Sie ist eine Ausnahme im weiten Feld der sich orthodox nennenden Kirchen. Wie würden Sie in Ihrer Sicht das besondere theologische Profil der Remonstranten kurz beschreiben?</p>
<p>Prof. Johan Goud:</p>
<p>Remonstranten lieben es, die <span id="more-1201"></span>Grenzen des christlichen und theologischen Sprachspiels auszuloten und Philosophen, Künstler, Schriftsteller, Andersgläubige und Nichtgläubige zu Rate zu ziehen. Das gilt auch für die Art und Weise, wie viele von uns Theologie betreiben und als Pastoren arbeiten. Ich selbst habe immer die Erfahrung gemacht, dass ich nach dem Verweilen an den Grenzen des Glaubens immer wieder zum christlichen Glauben zurückkehrte. Und das nicht deswegen, weil sich dort für mich das Zentrum befindet. Sondern mehr deswegen, weil die Erinnerung an den Glauben für mich einfach nicht abzulegen war und mich auch nicht losließ.</p>
<p>Diese Erfahrung liegt auf der Linie mit dem, was die „Grundsatzerklärung“ der Remonstranten über das Evangelium von Jesus Christus sagt: Dass es der Nährboden dieser Glaubensgemeinschaft ist – ohne dabei zu leugnen, dass dabei mehr nötig ist, um eine Pflanze (gemeint ist die Glaubensgemeinschaft) wachsen zu lassen. Übrigens sind (auf der Linie von Gilles Deleuze) auch verschiedene Typen von Wurzeln zu unterscheiden: vertikal wachsende Wurzeln die raubsüchtig und exklusiv sind, oder so genannte Rhizome, die sich unterirdisch verästeln und sich verbinden mit anderen Wurzeln.</p>
<p>Das ist nun im ganzen wahr und da zeigen sich notwendige Relativierungen. Und doch ist es von einer entscheidenden Bedeutung, dass das Evangelium in der Grundsatzerklärung der Remonstranten ausdrücklich genannt wird: „Die Remonstranten sind eine Glaubensgemeinschaft, verwurzelt im Evangelium und in Jesus Christus, und die getreu dem Grundsatz von Freiheit und Toleranz, Gott ehren und dienen will“.</p>
<p>In der Verwirklichung dieses theologischen Auftrags gehen remonstrantische Theologen sehr auseinander. Einige sind geneigt, den Grundsatz der Freiheit sehr zu fordern, vielleicht zu überfordern und in einer allgemein-religiösen Weise zu interpretieren. Andere betrachten Freisinnigkeit eher als die Bejahung von einer kritisch –konstruktiven Aufgabe innerhalb des ganzen der christlichen Tradition. In den Worten des remonstrantischen Theologiehistorikers Eginhard Meijering (Leiden; Ehrendoktorat in Heidelberg): „Freisinnig sein bedeutet: Dass du so orthodox sein kannst wie du selbst willst und nicht so, wie du es von einem kirchlichen Club oder von einer Vereinigung her sein müsste“. Freisinnigkeit ist so betrachtet (eine bei Belieben fragende, in Zweifel ziehende, entgrenzende oder gerade auch polarisierende) Variante von „Orthodoxie“, verstanden als Reflexion in Solidarität mit der christlichen Glaubenstradition.</p>
<p>Was mich selbst betrifft: Ich fühle mich eher zu Hause in der letzt genannten Gestalt von Freisinnigkeit und sehe sie als eine Einladung zur „Dekonstruktion“ der christlichen Tradition. Das heißt, dass ich die Fremdheit traditionell religiöser Sprache hervorhebe; dass ich diese merkwürdige Sprache unablässig in Beziehung bringe mit andersartigen (philosophischen und literarischen) Redensarten und auf der Suche bin nach einer – eventuell nicht oder kaum religiösen – Sprache vergleichbarer Intensität. Sprechen über Gott und Glaube stehen im Zeichen von dem, was andere „Religion ohne Religion“ oder „Gott nach Gott“ genannt haben. <em>Ich selbst habe über Gott geschrieben, der „beinahe“ nicht besteht; dessen Bestehen etwas ist, das ständig neues Sprechen und neue Umschreibungen nötig hat</em>. Diese Auffassung steht nahe zu dem, was etwa der amerikanische Religionsphilosoph John Caputo schreibt über Gottes „Insistenz“ (anstelle von Existenz). Er meint damit, Gottes Wirklichkeit sei nicht ein Sein, sondern ein Rufen und Drängen. Obwohl Caputo, was den Menschen betrifft, geneigt ist, länger als mir lieb ist an dem Begriff Verlangen festzuhalten. Glauben kennt, Gott sei Dank, auch seine Momente des Findens und der Übergabe.</p>
<p>Copyright: Prof. Johan Goud, Den Haag.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Die Direktorin des Humanistischen Verbandes spricht im Sonntagsgottesdienst</title>
		<link>https://forum.remonstranten-berlin.de/1161/die-direktorin-des-humanistischen-verbandes-spricht-im-sonntagsgottesdienst/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Christian Modehn]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 28 May 2016 08:07:23 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Brot und Rosen]]></category>
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		<category><![CDATA[de Vriburg Amsterdam]]></category>
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		<category><![CDATA[HVD und Kirchen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Am Sonntag, den 29. Mai 2016, predigt die neue Direktorin des Humanistischen Verbandes der Niederlande, Christa Compas, im Sonntagsgottesdienst der protestantischen Gemeinde der Remonstranten in Amsterdam, die Kirche heißt &#8222;de Vriburg&#8220;. &#8222;Gebt mir Brot und auch Rosen&#8220; ist das Thema. Christa Compas ist Politologin und in vielfältiger Weise auch für die Gleichberechtigung der Frauen in...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://forum.remonstranten-berlin.de/1161/die-direktorin-des-humanistischen-verbandes-spricht-im-sonntagsgottesdienst/">Die Direktorin des Humanistischen Verbandes spricht im Sonntagsgottesdienst</a> erschien zuerst auf <a href="https://forum.remonstranten-berlin.de">Forum der Remonstranten in Berlin</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Am Sonntag, den 29. Mai 2016, predigt die neue Direktorin des Humanistischen Verbandes der Niederlande, Christa Compas, im Sonntagsgottesdienst der protestantischen Gemeinde der Remonstranten in Amsterdam, die Kirche heißt &#8222;de Vriburg&#8220;. &#8222;Gebt mir Brot und auch Rosen&#8220; ist das Thema. Christa Compas ist Politologin und in vielfältiger Weise auch für die Gleichberechtigung der Frauen in der Gesellschaft aktiv. Der &#8222;Humanistische Verband Hollands&#8220; ist eine bekannte Organisation, in der sich agnostische und atheistische Menschen zusammenfinden; sie haben z.B. eine eigene Universität in Utrecht. Uns freut es sehr, dass die Remonstranten eine <span id="more-1161"></span>prominente Humanistin zur Predigt im Sonntagsgottesdienst einladen. Und fragen uns natürlich, ob solches in Deutschland etwa in Zusammenarbeit mit dem Humanistischen Verband Deutschlands (HVD) möglich wäre. Vonseiten des HVD bestimmt. Übrigens: Eine führende Mitarbeit des theologischen Instituts der Remonstranten in Amsterdam, Christa Anbeek, war als Theologin auch Dozentin an der genannten humanistischen Universität in Utrecht. Sicher kommen sich auf diese Weise, durch gemeinsame christlich-humanistische Veranstaltungen, Glaubende und Skeptiker(Agnostiker, Atheisten&#8230;) näher und entdecken: Was uns verbindet ist größer als das,was uns trennt: Uns verbindet die Sorge um die Menschen, etwa, dass sie alle  &#8222;Brot und Rosen&#8220; haben und diese teilen und sich daran erfreuen, um den Titel der Predigt von Christa Compas in der Amsterdamer Kirche noch einmal aufzugreifen.</p>
<p>Christian Modehn</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://forum.remonstranten-berlin.de/1161/die-direktorin-des-humanistischen-verbandes-spricht-im-sonntagsgottesdienst/">Die Direktorin des Humanistischen Verbandes spricht im Sonntagsgottesdienst</a> erschien zuerst auf <a href="https://forum.remonstranten-berlin.de">Forum der Remonstranten in Berlin</a>.</p>
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		<title>Für die Schulen der Weisheit. Ein Interview mit Prof. Johan Goud, Den Haag.</title>
		<link>https://forum.remonstranten-berlin.de/1139/fuer-die-schulen-der-weisheit-ein-interview-mit-prof-johan-goud-den-haag/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Christian Modehn]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 31 Jan 2016 11:02:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<category><![CDATA[Elemente der Theologie der Remonstranten]]></category>
		<category><![CDATA[christliche Gemeinden als Schulen der Weisheit]]></category>
		<category><![CDATA[gibt es Atheisten]]></category>
		<category><![CDATA[Interview mit Johan Goud]]></category>
		<category><![CDATA[Interview mit Prof. Johan Goud in PUBLIK FORUM]]></category>
		<category><![CDATA[Johan Goud Den Haag]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchen in Holland]]></category>
		<category><![CDATA[Kirchendistanz in Holland]]></category>
		<category><![CDATA[Remonstrantische Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[Säkularisierung in Holland]]></category>
		<category><![CDATA[was sind Remonstranten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Für die „Schulen der Weisheit“ Ein Interview mit dem remonstrantischen Theologen Prof. Johan Goud. Die Fragen stellte Christian Modehn Veröffentlicht am 29.Januar 2016 in der Zeitschrift PUBLIK FORUM (Postfach 2010, 61410 Oberursel. www.publik-forum.de Publik_Forum: In den Niederlanden ist die Entkirchlichung so weit fortgeschritten, dass es in einigen Jahren fast keine Kirchen mehr geben wird. 49...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://forum.remonstranten-berlin.de/1139/fuer-die-schulen-der-weisheit-ein-interview-mit-prof-johan-goud-den-haag/">Für die Schulen der Weisheit. Ein Interview mit Prof. Johan Goud, Den Haag.</a> erschien zuerst auf <a href="https://forum.remonstranten-berlin.de">Forum der Remonstranten in Berlin</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em>Für die „Schulen der Weisheit“</em></p>
<p><em>Ein Interview mit dem remonstrantischen Theologen Prof. Johan Goud. Die Fragen stellte Christian Modehn </em></p>
<p><em>Veröffentlicht </em>am 29.Januar 2016 in der Zeitschrift PUBLIK FORUM (Postfach 2010, 61410 Oberursel. www.publik-forum.de</p>
<p><strong>Publik_Forum: </strong><em>In den Niederlanden ist die Entkirchlichung so weit fortgeschritten, dass es in einigen Jahren fast keine Kirchen mehr geben wird. 49 Prozent der Niederländer bezeichnen sich als unkirchlich. Bei den 18 – 35 Jährigen ist der Anteil der Christen sehr gering. Sind unkirchliche Holländer automatisch unreligiös</em>?</p>
<p><strong>Johan Goud</strong>: Sicher nicht. Schon im 17. Jahrhundert gab es „Kirche“ bei uns nur in Vielfalt. Keine konnte beanspruchen, „Religion“ und „Christlichkeit“ uneingeschränkt zu repräsentieren. Jetzt gibt es noch mehr Pluralität, religiőse Alternativen nicht-christlicher Art. Nur 24 Prozent der Niederländer zählen sich zu den <span id="more-1139"></span>traditionellen „Theisten“, also zu den Gottgläubigen. Dagegen sagen 62 Prozent, dass sie an ‘Etwas’ glauben, zum Beispiel an eine „universelle Energie“. Sie bejahen den Satz, wonach es „mehr gibt zwischen Himmel und Erde“ oder bezeichnen sich als Agnostiker. Schon 1946 vertrat der Schriftsteller Simon Vestdijk die These, dass der buddhistisch orientierten, mystisch-verinnerlichten Religiosität die Zukunft gehöre. Sein Buch wurde in kirchlichen Kreisen kaum ernst genommen. Er hat aber recht bekommen.</p>
<p><em>Kann unter diesen Bedingungen die Auseinandersetzung mit Kunst, Philosophie, Poesie auf neue Weise religiöse Erfahrungen ermöglichen? </em></p>
<p>In unserer Zeit, die beherrscht wird von rationalistischen und ökonomischen Werten, sollten Kunst und Religion einander als Verbündete anerkennen. Zwar erfordert diese gegenseitige Anerkennung, dass sie sich selbst als relativ ansehen und sich voneinander anregen lassen. Vom Literaturkritiker Paul de Man stammt jedoch die provokative Bemerkung: “Meines Erachtens kann ein Gläubiger nicht lesen“. Er meint damit, dass ein gläubiger Mensch nicht imstande sei, sich selber zu relativieren und ironisieren: ‘Ernst ohne Spiel ist blind’, könnte man darum, Kant paraphrasierend, hinzufügen. Für mich sind Aussagen wie diese eine bleibende Herausforderung. Theoretisch geschieht das Bündnis von Religion und Kunst, indem ich eine Theologie entwickle, die sich ins offene Felde der Sprache stellt und die Worte des Glaubens literarisch auffasst. Praktisch geschieht dies, indem man sich als Theologe für die vielen „Götter“ in Kunst und Literatur öffnet und sich behutsam mit ihnen auseinandersetzt. Denn in Kunst und Literatur findet sich eine Genauigkeit, die empfänglich ist für die flüssige Wirklichkeit der Seele, mit ihren Vermutungen, Beschwörungen, Träumen und Wünschen.</p>
<p><em>Wird die Suche nach Transzendenz immer mehr zur Sache des einzelnen?</em></p>
<p>War sie das in gewisser Hinsicht nicht immer schon? ‘Transzendenz’, in welchen Gestalten auch immer, übersteigt letzten Endes alle Zugehörigkeiten und sozialen Konventionen. Sie lässt sich nicht aus dem folgern, was ‘man’ für wichtig hält. Sie ist immer eine Sache von Ich und Du, eine Sache des Einzelnen also. Aber wenn ich wirklich von ihr ergriffen werde, kann ich nicht bei mir selbst als Einzelnem bleiben. Das Denken von Emmanuel Lévinas hat mich an diesem Punkt immer tief beeindruckt: Gott ist der Rätselhafte, der „Spielverderber“, den ich nie erwischen kann: ‘Ich nähere mich dem Unendlichen, insofern ich mich selbst vergesse um des Nächsten willen, der mich anschaut’.</p>
<p><em>Wie sollten christliche Gemeinden gestaltet sein, damit sie den Suchenden, auch den „Nichtkonfessionellen“, Raum bieten? </em></p>
<p>Es wäre schön, wenn die Gemeinden sich zu <em>„Schulen von Weisheit“</em> entwickeln würden – ein Ausdruck des katholischen Theologen Edward Schillebeeckx. Im kritischen Sinne geht es um die Entlarvung von Scheinweisheit und Götzendienst, also um die Kritik am Ökonomismus, am Nationalismus, an der Angst vor dem Fremden. Im positiven Sinn meint „Schule von Weisheit“ die Übung im gemeinsamen Fragen (!) nach Gott, im literarischen Verstehen der Bibel und der Tradition, in der mitfühlenden Kraft von Phantasie und Denken, wie die Philosophin Martha Nussbaum es nennt. Deswegen sollten die Pfarrer Lehrer sein, Freunde unter Freunden – statt Hirten mit ihren Schäflein.</p>
<p><em>Würde sich damit das bekannte Profil des Christlichen verändern? </em></p>
<p>Eine Veränderung gibt es gewiss, aber meines Erachtens noch keine grundsätzliche. Die kirchliche Katechese wollte immer auch gläubige Kritik an ‘Luft und Leere’, also an der Eitelkeit sein. Was sich also ändern sollte, ist die Vorliebe für Macht und für große Zahlen, für die autoritäre Ordnung. Ändern muss auch sich die Bevorzugung der Sicherheit statt der Herausforderung und der Fragen. Meinte das alles nicht auch Dietrich Bonhoeffer, als er für ein mündiges, religionsloses Christentum plädierte? Es scheint mir wichtig, dieses Ideal zu pflegen! In den Niederlanden gibt es, anders als in Deutschland, seit Jahrhunderten einflussreiche freiheitliche Traditionen in den Kirchen, Glaubensgemeinschaften im humanistischen Geiste von Erasmus, Geert Grote, Hugo Grotius, Arminius und anderer. Wir brauchen Gemeinschaften, die die humane Glaubenspraxis höher schätzen als die richtige Lehre &#8211; auch als Widerstand gegen die Medien mit ihrer Propaganda, die neue und gefährliche Formen von Leichtgläubigkeit und Orthodoxie fördern. In Gemeinden, die das undogmatische Suchen und die gemeinsame Debatte über Gott pflegen, sollte der konfessionelle Hintergrund irrelevant sein.</p>
<p><em>Johan Goud</em> (geboren 1950) ist emeritierter Professor für Religionsphilosophie und Theologische Ästhetik an der Universität Utrecht und Pfarrer der protestantischen Remonstranten –Kirche in Den Haag, jetzt in Hengelo. Zahlreiche Veröffentlichungen.</p>
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