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	<title>iglesia liberal Archive - Forum der Remonstranten in Berlin</title>
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		<title>Die Remonstranten und ihr Bekenntnis</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Christian Modehn]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Jan 2023 20:45:32 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Eine Information vorweg: Der deutsche Wikipedia Beitrag über die protestantische Kirche der Remonstranten entspricht nicht dem Stand der heutigen Theologie der Remonstranten und auch nicht der Realität der Vielfalt remonstrantischen Lebens. Der Wikipedia Beitrag ist veraltet&#8230; Die Remonstranten sind eine kleine protestantische Kirche, vor allem in den Niederlanden, sie ist Mitglied im Weltrat der Kirchen...</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://forum.remonstranten-berlin.de/945/glauben-ist-frei-sein-die-remonstranten-und-ihr-bekenntnis/">Die Remonstranten und ihr Bekenntnis</a> erschien zuerst auf <a href="https://forum.remonstranten-berlin.de">Forum der Remonstranten in Berlin</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine Information vorweg: <em>Der deutsche Wikipedia Beitrag über die protestantische Kirche der Remonstranten </em><em>entspricht nicht dem Stand der heutigen Theologie der Remonstranten und auch nicht der Realität der Vielfalt remonstrantischen Lebens. Der Wikipedia Beitrag ist veraltet&#8230;</em></p>
<p>Die Remonstranten sind eine kleine protestantische Kirche, vor allem in den Niederlanden, sie ist Mitglied im Weltrat der Kirchen und in Deutschland Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen.</p>
<p>Sie ist theologisch liberal orientiert, sie sucht eine Verbindung von christlichem Glauben und Humanismus.</p>
<p><strong><em>Zentrale Veranstaltung des &#8222;Forum der Remonstranten Berlin&#8220; ist der religionsphilosophische Salon seit 2009.</em></strong></p>
<p>Am <em><strong>Freitag, den 27. März 2020</strong></em> um 19 Uhr findet ein religionsphilosophischer Salon über einige zentrale Aspekte der Philosophie HEGELS statt. In der Galerie Fantom, Hektorstr.9. Anmeldung dringend empfohlen. christian.modehn@berlin.de   Dies ist der Auftakt unserer Veranstaltungen zum 250. Geburtstag des Philosophen Hegel, der 1831 in Berlin gestorben ist.</p>
<p>Am <em>Freitag, den 14.Februar 2020 </em>um 19 Uhr fand ein religionsphilosophischer Salon statt über das Thema: „Das Kalte Herz“. Mehr als ein Märchen (von Wilhelm Hauff). Es offenbart die „imperiale Lebensweise“.  <em>22 TeilnehmerInnen waren dabei. Leider mussten wir 8 Interessierten absagen, weil der Raum klein ist und vor allem: Nur eine kleinere Gruppe eine Gesprächssituation ermöglicht. Aber das große Interesse, ohne jede öffentliche Werbung, allein im Internet, und ohne jede Finanzierung von außen, ist schon bemerkenswert</em>. Einige vertiefende Hinweise zur imperialen Lebensweise: Beachten Sie diesen <a href="https://religionsphilosophischer-salon.de/12382_das-kalte-herz-bestimmt-die-imperiale-lebensweise_befreiung">LINK.</a></p>
<p><em>Am DONNERSTAG , den 9., Januar 2020, trafen sich </em>in der Kunstgalerie Fantom Hektorstr. 9,  17 TeilnehmerInnen zum Thema: Das NEUE !? Gibt es noch das Neue im emphatischen Sinne? Das Bessere, das Gerechtere? Ein Abend, der auch dem persönlichen Austausch gewidmet war: Was ist mein Neues, habe ich Neues als Neubeginn erlebt? Habe ich eine, meine, Utopie?</p>
<p><em>Für Remonstranten als einer protestantischen Kirche gibt es k<strong>ein Glaubensbekenntnis, das für jedes Mitglied verpflichtend ist</strong>. Jeder, der Remonstrant werden möchte, formuliert sein eigenes, sein persönliches Bekenntnis. Dieses wird von der Kirche respektiert, es kann inspirieren zu weiteren Gesprächen. Im Jahr 2006 haben einige Theologen der Remonstranten Kirche ein Bekenntnis formuliert, das sehr wertvoll, sehr inspirierend ist, das aber nicht bindend ist für die Mitglieder und Freunde der Remonstranten. Nur so kann eine Kirche leben, die Vielfalt respektiert und den Glauben des einzelnen ernst nimmt. <a href="https://forum.remonstranten-berlin.de/1209/fuer-die-vielfalt-nicht-nur-im-glauben-ein-interview-mit-dem-remonstranten-theologen-prof-johan-goud-den-haag/">Bitte lesen</a> Sie dazu den wichtigen Beitrag von Prof. Johan Goud, Den Haag. Johan Goud ist Philosoph und Theologe der Remonstranten Kirche in Den Haag.</em></p>
<p>2006 haben einige remonstrantische Theologen einen Vorschlag gemacht, wie ein Glaubensbekenntnis ihrer Kirche aussehen könnte. Auffallend und einmalig in der weiten Ökumene ist wohl, dass das Glaubensbekenntnis nicht sofort mit &#8222;Gott&#8220; beginnt, sondern mit menschlichen Erfahrungen.</p>
<p>Dies ist der <strong>Text des Glaubenbekenntnisses</strong> als Impuls für alle Freunde und Mitglieder der Kirche:</p>
<p><em>Wir erkennen und glauben</em>, dass wir unsere Ruhe nicht in der Sicherheit dessen finden, was wir bekennen, sondern im Erstaunen über das, was uns zufällt und geschenkt wird. Dass wir unsere Bestimmung nicht finden in Gleichgültigkeit und in Habgier, sondern in der Wachheit und Verbundenheit mit allem, was lebt. Dass unser Dasein nicht seine Vollendung findet in dem, was wir sind und was wir haben, sondern durch das, was unendlich größer ist als unser Begreifen. In diesem Bewusstsein glauben wir an Gottes Geist, der alles, was Menschen trennt, übersteigt, der sie begeistert für das, was heilig und gut ist. Damit die Menschen dann singend und schweigend, betend und handelnd Gott ehren und dienen.</p>
<p><em>Wir glauben an Jesus</em>, einen vom Geist erfüllten Menschen das Antlitz Gottes, das uns ansieht und beunruhigt. Er hatte die Menschen lieb und wurde gekreuzigt, aber er lebt, sein eigener Tod und unser Tod sind vorüber. <em>Er ist uns ein heiliges Vorbild für Weisheit und Mut, er bringt Gottes ewige Liebe ganz dicht zu uns.</em></p>
<p><em>Wir glauben an Gott</em>, den Ewigen, der unergründliche Liebe ist, der Grund unseres Daseins, der uns den Weg zu Freiheit und Gerechtigkeit weist und uns einlädt zu einer Zukunft in Frieden.</p>
<p>Wir glauben, dass wir selbst, so schwach und fehlerhaft wir auch sind, gerufen werden, um mit Christus und allen Gläubigen verbunden, Kirche zu sein im Zeichen der Hoffnung.</p>
<p><em>Denn wir glauben an die Zukunft von Gott und Welt</em>, an eine göttliche Geduld, die Zeit schenkt, um zu leben und zu sterben und um aufzuerstehen in das Königreich, das da ist und kommen wird, wo Gott auf ewig sein wird: Alles in allem. Gott sei der Lob und die Ehre in Zeit und Ewigkeit. Amen.</p>
<p>Zum Glaubensbekenntnis siehe das Buch:“Een weg van vrijheid” (Ein Weg der Freiheit)<strong>,</strong> Reflectie bij de nieuwe remonstrantse belijdnis (Reflexionen zum neuen Remonstranten Bekenntnis), hg u.a. Mijnke Bosman, Verlag Meinema, Zoetermeer, 2. Auflage 2007.</p>
<p><em><strong>Das Forum der liberal-theologischen protestantischen Remonstranten &#8211; Kirche in Berlin</strong> hat im Augenblick seinen <strong>Schwerpunkt</strong> in den religions-philosophischen Salons. Dies sind philosophische Gesprächskreise, auch zu literarischen, künstlerischen, religionswissenschaftlichen und theologischen Themen, in der selbstverständlichen Freiheit, ohne jede &#8222;konfessionelle Werbung&#8220;. Wir wollen ein Ort der Pluralität sein, ein Ort, in dem deutlich wird: Jeder Mensch hat seinen eigenen Glauben und soll ihn pflegen und mit anderen besprechen&#8230;Diese Salon-Abende sind natürlich offen für alle, die nach einer kritischen und selbstkritischen philosophischen Vertiefung ihrer Lebensfragen mit anderen zusammen suchen. Wir als  Remonstranten halten nicht viel von einer Religion oder Kirche, die dogmatisch eng &#8222;nur unter sich bleiben will&#8220;. Lernen von &#8222;den anderen&#8220; ist für uns philosophisch und theologisch entscheidend. </em></p>
<p>Am <strong>Freitag, den 22. NOVEMBER 2019 um 19 Uhr, fand wieder ein religionsphilosophischer Salon statt:  I</strong>n der Galerie Fantom, Hektorstr.9. Unser Thema: Was bedeutet &#8222;Apokalypse&#8220; und &#8222;apokalyptisch&#8220;? Dies sind heute vielfach verwendete Begriffe zur Bescheibung des Zustandes unserer Welt. Reflexionen über das &#8222;Ende von allem&#8220; sind also erforderlich und hilfreich, genauso wie eine Auseinandersetzung mit dem Buch der &#8222;Apokalypse des Johannes&#8220; im Neuen Testament. Aber was vermag da die Reflexion auf die Apokalypse? Ist sie Lähmung des Lebens/Denkens oder (letzter) Impuls zum Handeln? Das Thema hat philosophische Implikationen!  18 TeilnehmerInnen waren dabei!</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Freisinnig glauben: Bewegt, offen, einladend.</title>
		<link>https://forum.remonstranten-berlin.de/799/freisinnig-glauben-bewegt-offen-einladend/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Christian Modehn]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Jun 2013 13:41:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktueller Kommentar]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Freisinniges Leben: Bewegt, offen, einladend. Ein „Remonstranten &#8211; Forum“ in Berlin Ein Diskussionsbeitrag von Christian Modehn. Dieser Artikel wurde auf Niederländisch in der Zeitschrift ADREM, Utrecht im  Juni 2013 veröffentlicht. Im Januar 2010 startete das „Forum der Remonstranten in Berlin“. Es soll ein Ort offenen Austauschs sein, ein freier Raum für freisinnigen Glauben und liberale...</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Freisinniges Leben: Bewegt, offen, einladend.</p>
<p>Ein „Remonstranten &#8211; Forum“ in Berlin</p>
<p>Ein Diskussionsbeitrag von Christian Modehn. Dieser Artikel wurde auf Niederländisch in der Zeitschrift ADREM, Utrecht im  Juni 2013 veröffentlicht.</p>
<p>Im Januar 2010 startete das „Forum der Remonstranten in Berlin“. Es soll ein Ort offenen Austauschs sein, ein freier Raum für freisinnigen Glauben und liberale Theologie, für Lebensorientierung. Ein Ort mitten in der <span id="more-799"></span>Öffentlichkeit, außerhalb der Kirchenmauern. Es handelt sich also um keine Gemeinde im „klassischen Sinn“. „Forum“ ist ein ungewöhnlicher Titel: Er will Leben provozieren, etwas Werdendes, für Experimentes Offenes sein. Etablierte (orthodoxe)Kirchengemeinden gibt es genug, sie sterben langsam aus. Soziologen wissen, dass sie in ihrer dogmatisch – bürokratischen Etabliertheit kaum noch Chancen haben, von aufgeklärten und suchenden Menschen als Orientierung ernst genommen zu werden.</p>
<p>Der Titel Forum wurde bewusst gewählt in einer auch in religiöser Hinsicht ungewöhnlichen Metropole. Da haben es einfach alle kirchlichen Initiativen schwer, zu zwiespältig ist der Ruf der Kirchen in Berlin. Buddhisten sind beliebter und manchmal auch fundamentalistische Pfingstkirchen.</p>
<p>Angesichts der sehr starken Konfessionslosigkeit in Berlin sprechen Soziologen zu recht von einer für Europa einmaligen Situation. Von den 3, 5 Millionen Einwohnern nennen sich 2, 3 Millionen konfessionslos, also über 60 Prozent. Dabei gibt es Unterschiede: Die Konfessionslosen im ehemaligen Westen der Stadt waren früher einmal Kirchenmitglieder. Während die meisten Bewohner im ehemaligen Osten, also der DDR – Hauptstadt, nie Kirchenmitglieder waren. Sie nennen sich atheistisch, heidnisch, säkular&#8230; zweifellos auch ein Ergebnis der Religionspolitik der DDR. Aber junge Menschen in Berlin, nach dem Fall der Mauer geboren, bezeichnen sich einfach nur „konfessionsfrei“ oder „neutral“, manche sagen: „Ich bin (religiös) nichts“. Aber sie sind wie viele andere Konfessionslose durchaus für spirituelle Fragen offen, die esoterische Szene ist äußerst vielfältig.</p>
<p>665.000 Berliner sind noch Mitglieder der evangelischen Kirche, 320.000 gehören noch der römisch – katholischen Kirche an, 12.000 sind jüdischen Glaubens, 250.000 sind Muslims. Die „religiöse Praxis“ der Christen ist, wenn sie überhaupt statistisch bewertet werden kann, sehr bescheiden: 4 Prozent der Berliner Protestanten nehmen am Sonntagsgottesdienst teil, etwa 10 Prozent der Katholiken: Also insgesamt 70.000 Berliner gehen sonntags in eine Kirche, vorwiegend ältere Menschen. Mehr als 100.000 junge Menschen besuchen an einem Wochenende die mehr als 120 großen Musikclubs in Berlin&#8230;.Die Kirchen stehen nicht unter einem gesunden Leistungsdruck, Ehrgeiz ist Sünde, Routine eine Tugend, Bürokratie heilig: Das Erzbistum Berlin hat einen Jahres &#8211; Etat von 164 Millionen Euro, bei der evangelischen Landeskirche sind 326 Millionen Euro!</p>
<p>Was die religiöse Bindung der Menschen in Berlin angeht, gilt natürlich auch für sehr weite Teile Europas und Nordamerikas. Überall dort, wo Menschen gebildet sind und die Ideen der philosophischen Aufklärung in ihr Denken integriert haben, geht die Bindung an die „orthodoxen“ großen Kirchen restlos zurück. Das bedeutet: Sehr viele Menschen in Berlin stören sich an dogmatischen Lehren, sie wollen keine Bindungen an Institutionen, die vorschreiben, wie „man“ zu leben hat. Der einzelne Mensch hat in den „orthodoxen“ Kirchen letztlich zu hören und zu gehorchen, was die Traditionen behaupten. Die individuellen religiösen Erfahrungen haben keine Bedeutung für die Prägung der Kirche selbst.</p>
<p>Eigentlich bietet eine solche Situation eine sehr gute Voraussetzung, um ein freisinniges und theologisch liberales Forum zu gestalten. Es könnte ja eine Alternative sein für kritische und gebildete Menschen. Nach 3 Jahren können wir keine große Mitgliederstatistik vorweisen. Aber geht es freisinnigen Christen wirklich auch vorwiegend um Mitglieder?  Oder ist freisinniger Glaube eher eine offene Bewegung, die in Foren für hilfreiche Inspirationen sorgt und Menschen ermuntert, ihr Leben kritischer und solidarischer zu gestalten.</p>
<p>Wir treffen uns bewusst in Cafés oder Kunst Galerien. Zu dieser Form „säkularer“ Präsenz fühlen wir uns ermutigt durch die heutige Remonstranten Theologie selbst, etwa wenn Prof. Marius van Leeuwen sagt, „der remonstrantische Glaube ist christlich UND humanistisch“.</p>
<p>Die wichtigste Veranstaltung ist für uns in berlin ein monatlicher philosophischer Salon, er besteht schon seit 6 Jahren mit insgesamt 70 „Salonabenden“. Wir sind in der weiten religionsphilosophischen Szene inzwischen bekannt.</p>
<p>Etwa 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen zu einem Salon zusammen, einige sind regelmäßig und von Anfang an dabei. Wir wollen mindestens 2 Stunden über ein philosophisches oder auch im weitesten Sinne religiöses Thema sprechen: Etwa: Was ist Selbstbestimmung? Was bedeutet religiöses „Patchwork“? Was bedeutet das „beschleunigte, schnelle“ Leben? Was ist Stille, was ist Einsamkeit? Wer das mitmacht, stellt sich, ob er will oder nicht, irgendwann grundlegende Fragen, auch spirituelle Fragen. Insofern passieren in einem Salon dieselben Effekte wie in einem Gottesdienst mit Predigt.</p>
<p>Philosophieren in Gemeinschaft fördert die Selbstbestimmung, den Wunsch, authentisch zu leben, bewusster und frei das „Leben im Angesicht des Unendlichen“ zu gestalten.</p>
<p>Unser Forum ist sozusagen eine „Basis – Initiative“, ein Ort der Inspiration, wo es noch keine Festlegungen, keine Mitgliedschaften gibt. So zeigt sich das remonstrantische Leben eher als großzügige Offenheit, als eine freisinnige religiöse Bewegung. Wer sich da beteiligt, muss nicht gleich Mitglied werden. Warum kann nicht der Besuch einer Ausstellung ein religiöses Erlebnis sein? Oder der Besuch eines Konzerts, über den man sich danach austauscht? Warum kann eine Poesie – Werkstatt nicht eine Form des Gottesdienstes sein. Und welche Alternativen bieten denn remonstrantische Gottesdienste, werden wir oft gefragt. Sollten remonstrantische Gottesdienste nicht eher „Menschen – Dienste“ sein, also frei gestaltete Veranstaltungen, wo man die eigene innere Stimme wieder zu hören, die eigene Last des Lebens mit anderen zu teilen lernt.</p>
<p>Unsere Perspektiven für die Zukunft? Wir wollen die freisinnige und liberale theologische Position weiterhin deutlich machen, ohne dabei missionarische Werbung zu betreiben. Wir wollen das Gespräch suchen mit humanistisch gebildeten Menschen, auch mit Atheisten: Welche andere Kirche kann denn sonst deren Fragen ernst nehmen? Welche Kirche kann denn sonst sagen: „Auch von euch Atheisten können wir lernen, etwa was die Kritik an infantilen Gottesbildern angeht“. Wir vertreten in unserem Forum einen sehr weiten Religionsbegriff und wissen, dass auch und gerade in der Auseinandersetzung mit der modernen Kultur religiöse Fragen aufbrechen. Dabei diskutieren wir auch politische Fragen, etwa im Anschluss an die These von Walter Benjamin „Der Kapitalismus ist eine Religion“. Wie können wir diese so vielfach verlockende und allseits werbende kapitalistische Religion menschlicher und sozialer gestalten?</p>
<p>Das Begeisternde an einer freisinnigen und theologisch liberalen Kirche ist doch: Prinzipiell gibt es keine Denkverbote. Dringend scheint mir zu sein, endlich jungen Menschen und Leuten zwischen 20 und 40 alle Freiheiten zu bieten, ihre eigene Sache in einem Remonstranten Forum</p>
<p>gestalten zu können. Für diese Menschen müssten die Türen eines Forums ganz weit offen sein. Sie sollten selbst gestalten, was ihnen spirituell wichtig erscheint. Ebenso gilt das für türkische oder arabische Menschen muslimischen Glaubens: Die großen Kirchen haben da noch viele Ängste: Wir wollen bald in unserem Salon und Forum mit türkischen Philosophen zusammenarbeiten. In de Vrijburg in Amsterdam predigen Muslims, für uns sehr inspirierend! Wir suchen Verbindungen zu spirituell interessierten jungen Spaniern, Portugiesen, Italienern usw., die jetzt zu vielen tausend nach Berlin kommen, weil sie sich in Berlin ein besseres leben erhoffen als in ihrer Heimat. Können Remonstranten, historisch gesehen in Deutschland eine Kirche der Ausgegrenzten und Flüchtlinge, diesen neuen „Wirtschafts – Flüchtlingen“ Begleitung und Hilfe bieten?</p>
<p>Was bedeutet eigentlich Europa für die Remonstranten, werde ich oft gefragt. Ich weiß darauf keine Antwort: Wollen die Remonstranten tatsächlich eine internationale Kirche werden? Oder ist ein Forum in Berlin nur eine kleine nette Ausnahme? Spüren die holländischen Remonstranten deutlich, dass sie angesichts der religiösen Entwicklung in Europa neue Aufgaben in Europa und darüber hinaus haben, Aufgaben, die sie auch von Holland aus leisten personell könnten. Solche Fragen stellen wir uns in unserem kleinen  Forum in Berlin, das nur von Ehrenamtlichen lebt und viele Stunden Einsatz erforderte. Was sollen wir tun, wenn Menschen eine freisinnige (Homo) Hochzeit wünschen? Was tun, wenn die vielen Konfessionslosen eine freisinnige christliche Bestattung wünschen? 52 Prozent der Bewohner Berlins sind singles, darunter ca. 400.000 homosexuelle Menschen. Allein die Einsamkeit vieler älterer Schwuler und Lesben könnte ein dringendes Thema für remonstrantische Beratung sein. Das alles kann das kleine Forum in Berlin nicht leisten. Es ist eine kleine Stimme, die es in der Berliner kirchlichen Szene, wie oben beschrieben, nicht leicht hat. Dennoch meine ich: Die Chancen der freisinnigen Remonstranten, dieser „Christen und Humanisten“, wären eigentlich sehr groß, wenn sie sich auch als offene Bewegung mit vielen Foren und kleinen Galerien, warum nicht auch in Krypten und Cafés versteht.</p>
<p>Ich denke, in der religiösen Szenerie ist es wichtig, eine Kirche zu haben, die von vornherein und ohne jede weitere Debatte liberal und freisinnig ist, mögen auch einzelne Gemeinden etwa der evangelischen oder katholischen Kirche gelegentlich liberal und freisinnig sein.</p>
<p>Christian Modehn, geboren in Berlin,</p>
<p>Initiator des Forums der Remonstanten, er ist seit 2011 Mitglied der Remonstranten, er hat katholische Theologie (Diplom) und Philosophie (Magister) studiert und arbeitet seit 35 Jahren als Journalist für Fernsehen und Hörfunk der ARD.</p>
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