Glauben ist Freisein

Die Remonstranten – eine Kirche der besonderen Art. Protestantisch und humanistisch, dogmenfrei und lernbereit von anderen Religionen. Sie hat eine lange Tradition, sie hat sich immer wieder weiterentwickelt. Sie ist eng mit der Ökumenischen Bewegung verbunden, hat aber auch gleichermaßen Interesse am Dialog mit humanistischen Gruppen.

Wir weisen aufgrund einiger Nachfragen gern darauf hin: Die freisinnige Kirche der Remonstranten  versteht sich als “Asylkirche”, d.h. als Zufluchtsort für Menschen, die die dogmatischen Vorgaben und das hierarchische System ihrer angestammten Konfessionen nicht mehr aushalten und sich ihren persönlichen, individuellen  Glauben bewahren wollen sowie nach einem Refugium der Freiheit und der Selbstbestimmung auch in religiösen und ethischen Fragen suchen. Sie sind bei den Remonstranten willkommen!  Auf diesen Charakter der “Asylkirche” hat der Allgemeine Sekretär der Remonstranten Kirche, Tom Mikkers, Utrecht, mehrfach hingewiesen. Für dieses Leitbild “Asylkirche”  sind inzwischen viele Menschen dankbar.

In den Niederlanden hat die Remonstranten Kirche ca. 6000 Mitglieder und “registrierte Freunde”. In Deutschland ist sie seit dem 17. Jahrhundert in Friedrichstadt vertreten. In Berlin gibt es seit Januar 2010 ein “Forum der Remonstranten”, dort versuchen wir im Geist der Remonstranten ein freies spirituelles Gespräch zu fördern, die Möglichkeiten sind groß und vielfältig…Diese website wurde bisher 10.000 mal aufgerufen, kein sc

PS. Remonstranten – das Wort leitet sich von remonstrance her, es meint Abwehr und Zurückweisung: Diese reformierten Christen lehnten es zu Beginn des 17. Jahrhunderts in Holland ab, an einen alles vorher bestimmenden Gott zu glauben. Sie wollten als Menschen freie und selbständige Wesen sein und bleiben. Sie verzichten nicht auf das kritische Denken, wenn sie die Frage nach Gott stellen oder nach dem Sinn von Glauben und Kirche fragen. Sie nehmen sich die Freiheit, diese “Freiheit des Glaubens” nicht als ferne Utopie oder Geschenk von Autoritäten, sondern schon jetzt zu leben.

Die Remonstranten waren 1986 die erste Kirche weltweit, die homosexuelle (Ehe-) Paare in ihren Kirchen offiziell segneten, auch Menschen, die nicht zur Remonstranten Kirche gehören. Schon vorher war  es für Remonstranten  selbstverständlich , dass homosexuelle Menschen in den Gemeinden willkommen sind, im Unterschied zu allen anderen Kirchen ist das kein “problematisches” Thema… Insofern sind die Remonstranten einmal mehr ein Ort der Freiheit…Deswegen wurden die Remonstranten auch von der niederländischen Organisation COC kürzlich ausdrücklich gelobt…Anfang Oktober 2011 erscheint in Holland das von Tom Mikkers herausgegebene Buch “Coming Out Churches”, siehe die Buchbesprechung auf dieser website.

Am Sonntag, 9. Oktober 2011 wurde in der Amsterdamer Remonstranten Kirche “Vrijburg”  ein “Jubiläum”gefeiert. Seit 1986 sind dort (wie in allen anderen Remonstranten Kirchen) homosexuelle Paare eingeladen, ihre Beziehung/ ihre Ehe kirchlich zu feiern und segnen zu lassen. Dabei sind selbstverständlich nicht nur Mitglieder der Remonstranten willkommen, sondern alle Menschen. In einem Gottesesdienst um 10 Uhr wurde an diese selbstverständliche Tradition erinnert und im Radio IKON 5 übertragen. Im Anschluß daran wurde das neue Buch von Tom Mikkers “Coming Out Churches präsentiert.

Der nächste religionsphilosophische Salon findet am Freitag, 10. Februar 2012 um 19 Uhr, im Café antikflair statt, Grunewaldstr. 10 in Berlin – Schöneberg. Das Thema, anläßlich des 300. Geburtstages Friedrich II: “Jeder soll nach seiner Fasson selig werden”. Ein Gespräch über Toleranz und Intoleranz, über Toleranz auch für Intolerante?, und die Trennung von Kirchen/Religionen und Staat.

Unkostenbeitrag (für die Raummiete): 5 Euro. Anmeldung erforderlich bei:  christian.modehn@berlin.de

Die Remonstranten haben für 2012 ein “Jahresthema” zum Gespräch in den Gemeinden vorgeschlagen. Es heißt “Dein Reich komme”, bezogen auf eine Bitte im Vater Unser. “Das Christentum ist die Religion mit den großen Visionen. Jesus von Nazareth verkündigte, dass das Reich Gottes anbrechen werde. Zwischendurch sind wir 2000 Jahre weiter. Was ist noch geblieben von dieser Vision”, so heißt es in einem Prospekt der Remonstranten aus Utrecht. Darin werden für das Jahr 2012 u.a. diese Vorhaben und Veranstaltungen genannt:

Im Januar erscheint das Buch von Joes Röeselaers und Fenand van Dijk mit dem Titel: “Het vrije woord. Religie en Politiek en domineesland” . (Das freie Wort. Religion und Politik im Pastorenland (Holland) ).

im Februar erscheint das Buch “Heilig. Gewoon nu”. (Heilig. Ganz normal jetzt   – frei übersetzt) Von Bert Dicou mit Beiträgen von Sigrid Coenradie.

Beide Bücher erscheinen in der Uitgerverij Meinema.

Am Samstag, 10. März, findet der jährliche “Beraadsdag” der Remonstranten (wörtlich: Beratungstag) in Amsterdam statt, und zwar in dem neuen Zentrum “Nieuwe Liefde”, einem Haus, in dem die “Studentenecclesia” (gegründet von dem Dichter und Theologen Huub Oosterhuis) ein neues Zuhause gefunden hat.

Zur Buchmesse in Frankfurt 2011 erschienen zwei Bücher von Remonstranten, das eine plädiert dafür, die Sorge um die Zukunft nicht aus dem Blick zu verlieren (also nicht im Hier und Jetzt zu versinken), das andere zeigt, dass es coming out churches gibt, Kirchen und Gemeinden, in den Homosexuelle selbstverständlich normale Gemeindemitglieder sind und als Homosexuelle willkommen sind. Näheres siehe in der Rubrik “Bücher”….

Remonstranten aus Holland zu Gast in Berlin: Vom Freitag 4. November bis Sonntag 6. November 2011 besuchte eine Gruppe niederländischer Remonstranten Berlin. Gemeinsam mit dem “Forum der Remonstranten in Berlin” wollten sie die Spuren eines eines freisinnigen, “aufgeschlossenen” und dialg bereiten, also “theologisch – liberalen” Berlin entdecken. Diese Tradition spielt als solche in Berlin keine wichtig Rolle … bis jetzt.

Um so wichtiger war für die Remonstranten vor allem die Begegnung mit dem Theologieprofessor der Humboldt – Universität, Wilhelm Gräb. Liberale Theologie nimmt das religiöse Bewußtsein, das religiöse Denken und Fühlen der Menschen ernst, liberale Theologie indoktriniert nicht, hat keinen fix und fertigen Katechismus, sie versteht Gemeinde als Ort des Austausches über religiöse Erfahrungen… Mission wird vom Dialog ersetzt, jeder Mensch hat Wertvolles beizusteuern für den religiösen Dialog, in dem alle Lernende sind. Einige Impulse aus dem Gespräch mit Prof. Wilhelm Gräb sind jetzt auf dieser website zu finden: “Zur Aktualität der liberalen Theologie”.

Wir weisen erneut auf die Rubrik “Spiritualität” hin, “Spiritualität für jeden Monat”, ein Versuch, in der persönlichen Meditation und Reflexion einmal einen Monat ein Thema zu bedenken.

Ein schönes Geschenk: Eine wichtige Neuerscheinung: “Katechismus der Freisinnigen” – ein Buch, das nicht belehrt, sondern inspiriert. Das Buch hat den Titel: “Katechismus des Mitgefühls”. Siehe die Rubrik: Katechismus.

Genauso anregend:  Alte (Kirchen) Lieder mit neuen Texten. Das von den Remonstranten initiierte Buch “LICHT” zeigt, wie sich eine Kirche von dem verstaubten und für viele unerträglichen Kitsch alter Texte lösen und befreien kann; dabei aber auf die schönen alten Melodien nicht verzichtet, weil die neuen Texte nachvollziehbare “moderne” Poesie sind. Das Buch LICHT (Boekencentrum) hat in kürzester Zeit, Ende 2010,  schon eine zweite Auflage erlebt. Wir erlauben uns die Frage: Wann werden auch im deutschsprachigen Raum die verstaubten, kitschigen  Texte alter (Kirchenlieder) zungunsten moderner Poesie ersetzt. Im Umfeld des Reformationsjubliäums 2017 wäre dies doch ein echtes grundlegendes Reform – Projekt… Weitere INFORMATIONEN zu diesem Buch unter der Kategorie Spiritualität und Aktuelles.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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3 Antwortkommentare zum obigen Artikel “Glauben ist Freisein”

  1. Gertrud Müller schrieb am 25. Juli 2010 um 11:44:

    Glauben ist frei sein – wie wahr! Sehr geehrter Herr Modehn

    Mir ist das sehr deutlich geworden durch mein Beschäftigen mit der jüdischen Tradition seit über 30 Jahren.

    Das Jüdische Gottesbild ist kein festgelegtes, sondern auf Freiheit der Person ausgerichtet, und von daher bietet es uns Menschen mehr Möglichkeiten, Gott bietet uns an, seine Partner zu sein in Verantwortung für unser Hier und Jetzt und Heute für Mitmenschen und Mitwelt ohne einem “von Jugend an böse” verhaftet zu sein. Wir sind auf Vielfalt angelegt und jedes Kind bringt all das mit, was es für sein individuelles Leben braucht.

    Die Lehre Jesu ist nur verstehbar durch sein Verankertsein in seinem Jüdischen Leben, und Nichtjuden haben gleichsam erst seit dem 2.Vatikanum die Möglichkkeit bei Juden selbst nachzufragen und mit ihnen das zu erfahren und zu lernen , was uns Kirche seit 1900 Jahren vorenthalten hat.

    Die “Goldene Regel” für unser Miteinander gibt es – wie wir heute in den “Glaubenssachen” erfahren haben – in vielen Traditionen der Welt, aber zu uns hier in Europa ist sie durch Jesus gelebtes Judesein von Hillel her gekommen.

    Juden haben ihre hebräische Bibel kommentiert solange es sie gibt,und Jesus war in seiner Heiligen Schrift zu Hause.
    Kirche aber hat jüdische Interpretationen für Kirchenmitglieder nicht für wichtig erachtet, im Gegenteil … überlange Zeit hinweg.

    Danke, dass Sie sich auf neue Wege begeben, aber ich befürchte, dass viele von uns noch immer nicht begriffen haben, welche Chancen zum Handeln sich da auftun …

    Mit guten Wünschen für Sie und Ihre Mit-Handelnden
    Gertrud Müller
    Hildesheim

  2. Gertrud Müller schrieb am 25. Juli 2010 um 13:31:

    Sehr geehrter Herr Modehn,

    ich kann mich nicht erinnern, dass ich den vorangegangenen Kommentar schon einmal geschrieben habe. Mag sein, dass ich vor längerer Zeit bereits einmal Ähnliches äußerte.

    Mich irritiert das Abtriften in fundamentalistische Gedankengänge ziemlich, umso mehr begrüße ich Ihre geplanten Aktivitäten im “Forum der Remonstranten” und werde den Aufbau Ihrer Website im Auge behalten.
    Mit guten Grüßen Gertrud Müller

  3. steinmüller schrieb am 11. Januar 2011 um 07:47:

    daß die beiden beiträge von gertrud müller fast unleserlich ins dunkle gesetzt werden
    verstehe ich als fehlende achtung vor dem beitrag eines/r andern
    auch wenn das gewiß nicht beabsichtigt ist.

    Lieber Herr Steinmüller: wir haben verstanden und den Fehler korrigiert. Schöne Grüße vom Web-Team aus Berlin

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