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	<title>Forum der Remonstranten in Berlin</title>
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	<description>Glauben ist Freisein</description>
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		<title>Spiritualität im Februar: Eine Zeit, um zu suchen</title>
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		<pubDate>Sat, 04 Feb 2012 16:10:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Eine Spiritualität für den jeweiligen Monat]]></category>
		<category><![CDATA[Spiritualität]]></category>

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		<description><![CDATA[&#160; Spirituelle Impulse aus dem Buch Vieren en brevieren zum Monat Februar: Ein Zeugnis für freisinnige, remonstrantische Spiritualität. Was suchen wir? Halt? Fundamentale Sicherheiten? Bestätigung? Harmonie? Wie alle Generationen vor uns suchen wir nach Antworten auf die großen Lebensfragen. Wer bin ich? Was tu ich hier? „Is this all there is? Die richtigen Antworten zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp;</p>
<p>Spirituelle Impulse aus dem Buch Vieren en brevieren zum Monat Februar: Ein Zeugnis für freisinnige, remonstrantische Spiritualität.</p>
<p>Was suchen wir? Halt? Fundamentale Sicherheiten? Bestätigung? Harmonie? Wie alle Generationen vor uns suchen wir nach Antworten auf die großen Lebensfragen. Wer bin ich? Was tu ich hier? „Is this all there is?</p>
<p>Die richtigen Antworten zu finden ist nicht selbstverständlich. Aber vielleicht ist es auch wichtiger, die richtigen Fragen zu stellen! Denn jeder Mensch muss für sich selbst immer wieder seine eigenen Antworten finden und wieder finden.</p>
<p>Aber was ist, wenn wir auch nach einem langen Weg des Suchens nichts finden? Ist dann unser Suchen sinnlos gewesen? Das Leben selbst ohne Sinn? Oder ist es möglich, das Suchen selbst wichtiger zu finden als das Finden? Den Weg wichtiger als das Ziel? Die Fragezeichen viel sagender zu finden als die Ausrufungszeichen?</p>
<p>Suchen nach dem Alten, Vertrauten, nach dem, was ich kenne, das ist Fragen nach dem bekannten Weg.</p>
<p>Aber Suchen nach dem Unbekannten, nach dem Überraschenden, nach dem Nicht  &#8211; Gedachten und Nicht -Üblichen , das öffnet neue Wege. Solches Suchen erfordert kühnen Mut.</p>
<p>Die Suchbewegung nach dem eigenen Platz in der Welt, nach unserer persönlicher Verantwortlichkeit im täglichen Leben und in der Gesellschaft, setzt eins voraus: Das kritische Suchen nach uns selbst.</p>
<p>In der Bibel lernen wir die suchende Menschen kennen. Sie suchen nach einer neuen Zukunft, nach dem verborgenen Gott, nach Gerechtigkeit und Friede, sie suchen nach dem „Reich Gottes“. Dabei heißt Gott ein „leuchtendes Zeichen“, das uns den Weg weist.</p>
<p>Spuren suchend in der Bibel, finden wir Erzählungen über Sackgassen und  sichere Erzählungen, die eine Sicherheit geben: „Wer sucht, wird endlich auch finden“.</p>
<p>Liegt hierin nicht der größte Wert im Suchen selbst? Oder vielleicht selbst in dem „Gefunden- Werden“.</p>
<p>Zur biblischen Meditation:</p>
<p>Matthäus, 7, 1-12</p>
<p>Jesaja, 55, 1- 6</p>
<p>Lukas, 15. 3-10.</p>
<p>Weitere meditative Texte und Gebete finden sich in dem schon mehrfach von mir empfohlenen Buch: „Vieren en Brevieren“. Meinema Verlag, 2009. ISBN 978 90 211 4238 8</p>
<p>Übersetzung : Christian Modehn.</p>
<p>Copyright: meinema.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Januar: Eine Zeit, sich auf die Zukunft einzustellen</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Jan 2012 11:57:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Eine Spiritualität für den jeweiligen Monat]]></category>
		<category><![CDATA[Spiritualität]]></category>

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		<description><![CDATA[Spiritualität im Januar: Eine Zeit, sich auf die Zukunft einzustellen Vorbemerkung von Christian Modehn: Die spirituelle Besinnung der Remonstranten, noch einmal soll es hier gesagt werden, lebt von der kritischen, der vernünftigen Reflexion. Philosophisches Denken, philosophierendes Nach – denken, bestimmen darum immer auch das besondere spirituelle Profil eines Monats. Das wird am Beispiel des Monats [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Spiritualität im Januar: Eine Zeit, sich auf die Zukunft einzustellen</p>
<p>Vorbemerkung von Christian Modehn:</p>
<p>Die spirituelle Besinnung der Remonstranten, noch einmal soll es hier gesagt werden, lebt von der kritischen, der vernünftigen Reflexion. Philosophisches Denken, philosophierendes Nach – denken, bestimmen darum immer auch das besondere spirituelle Profil eines Monats. Das wird am Beispiel des Monats Januar besonders deutlich; wieder einmal zeigt sich, dass sich jeder und jede auf diese Besinnung einlassen kann, mehr noch: Jeder und jede kann solche Besinnung aus sich selbst entwickeln. Das könnte ja auch zeitgemäße Spiritualität sein: In sich selbst schauen, fühlen und denken, was in einem selbst lebt und dies mit anderen besprechen. Und – ja, auch das &#8211; , aus dieser Erkenntnis Orientierung und Lebensfreude gewinnen.  Eine „rationale Spiritualität“ hat dann sozusagen „ganzheitliche“ Auswirkungen. Kein enthusiastisch, charismatisch und wie auch immer „beschwingt“ – oder traditionell Glaubender kann diese rationale Spiritualität klein reden&#8230; Auch sie lebt von der Konfrontation mit biblischen Texten, die ebenfalls als Einladung zum Nachdenken wahrgenommen werden.</p>
<p>Christiane Berckvens – Stevelinck und Sytze de Vrie schreiben in ihrem Buch „Vieren en Brevieren“ (Meinema Verlag, 2009) auf den Seiten 200 ff. über die Spiritualität des Monats Januar u.a. die folgenden Zeilen; dass es sich dabei nie um „Dogmen“ oder gar „absolute Wahrheiten“ handelt, sondern um Vorschläge und Einladungen zu weiterem Denken, versteht sich für Remonstranten von selbst.</p>
<p>„Am Ende eines Jahres nehmen wir Abschied von dem, was war, um uns auszurichten, auf das, was kommt, was aufgebaut werden muss. Aber längst nicht alles aus dem vergangenen Jahr verlief „wunschgemäß“. Darum beginnen wir ja auch ein neues Jahr mit guten Vorsätzen. Denn wir stehen sozusagen immer auf den „Schultern der Vergangenheit“. Wenn wir uns auf die Zukunft ausrichten, ist es wichtig, zuerst die Vergangenheit anzunehmen, um daraus unser Heute zu gestalten.</p>
<p>Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind unauflösbar mit einander verbunden. Denn in der Vergangenheit finden wir vieles, das das Heute erklären kann. Darin liegen auch die „Keime“ für morgen.</p>
<p>Dabei wird auch jedes Heute wieder zur Vergangenheit. Beide, Vergangenheit und Zukunft, halten die lebendige Gegenwart an seiner Stelle. Darin findet das Heute sein Gleichgewicht und seine Harmonie.</p>
<p>Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind nicht allein, sozusagen isoliert, verfügbar. Wer nur zurückblickt und in der Vergangenheit lebt, erlebt die Gegenwart nicht mehr in ihrer vollen Bedeutung. Aber auch nur im Blick auf die Zukunft zu leben,  ist eine Illusion und missachtet die Bedeutung der Gegenwart, was hier und heute geschieht. Und wer nur im Jetzt lebt, befreit das Leben von seinen Wurzeln und dem Blick nach vorn.</p>
<p>In der Bibel wird die fortdauernde Wechselwirkung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft deutlich sichtbar. Alte Erzählungen überliefern die Lebenserfahrungen von Menschen aus Fleisch und Blut, die bisweilen viel und manchmal nichts aus der Vergangenheit lernten und dadurch auch ihre Zukunft  verspielten. Der wahre biblische Weg bewegt sich beständig zwischen dem Denken an die Vergangenheit und der Erwartung der Zukunft“.</p>
<p>Zur biblischen Besinnung in dem Zusammenhang empfehlen die Autoren:</p>
<p>Aus dem Buch Josua,   4, 1-17</p>
<p>Aus dem Buch Jesaja,  9, 1 16</p>
<p>Aus dem Matthäus Evangelium, 14, 24 – 33</p>
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		<title>Zur Aktualität der liberalen Theologie. Perspektiven von Prof. Wilhelm Gräb, Berlin</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Dec 2011 21:16:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Elemente der Theologie der Remonstranten]]></category>
		<category><![CDATA[Spiritualität]]></category>
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		<category><![CDATA[dogmenfreie Kirche in Berlin]]></category>
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		<category><![CDATA[théologie libérale]]></category>
		<category><![CDATA[Treffen der Remonstranten aus Holland in Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[was ist liberale Theologie]]></category>
		<category><![CDATA[was sie glauben]]></category>
		<category><![CDATA[Wilhelm Gräb]]></category>

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		<description><![CDATA[Zur Aktualität der liberalen Theologie Perspektiven anlässlich einer Begegnung mit Remonstranten in Berlin am 5. 11.2011 Von Prof. Wilhelm Gräb, Theologe an der Humboldt Universität zu Berlin Bedeutung und Aktualität der „liberalen Theologie“ sind für mich deutlich auf die säkulare Situation einer Stadt wie Berlin oder anderer Großstädte in Europa und Amerika bezogen. Dort haben [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zur Aktualität der liberalen Theologie</p>
<p>Perspektiven anlässlich einer Begegnung mit Remonstranten in Berlin am 5. 11.2011</p>
<p>Von Prof. Wilhelm Gräb, Theologe an der Humboldt Universität zu Berlin</p>
<p>Bedeutung und Aktualität der „liberalen Theologie“ sind für mich deutlich auf die säkulare Situation einer Stadt wie Berlin oder anderer Großstädte in Europa und Amerika bezogen. Dort haben die  Kirchen Mühe, ihre Mitglieder an die Kirche zu binden.</p>
<p>Andererseits bekommen die Menschen von heute die Religion nicht aus dem Blick. Es ist ein Bedürfnis da nach letzter Vergewisserung des Lebenssinns, auch an den Bruchstellen des Lebens, in Krisensituationen z.B.  Aber nicht nur dort. Es ist vielmehr ein Verlangen da, das Leben gesteigert zu erfahren, etwa in der so genannten Eventkultur. Aber auch die Präsenz religiöser Themen in den Medien ist deutlich, etwa in den Talkshows. Also, dass es mit der Religion bergab ginge, so lautet ja eine Interpretation unserer säkularen Gesellschaft, das ist für mich nicht zutreffend. Es gibt sicher einen Resonanzverlust des kirchlichen Christentums, vor allem in der Reformierten Kirche oder der Lutherischen Kirche, und derer, die man in den USA „main line churches“ nennt.</p>
<p>Aber dieser Resonanzverlust der Kirchen liegt daran, dass dort eine Sprache gesprochen wird, die die Menschen nicht mehr verstehen.</p>
<p>Da ist der Glaube in Formeln eingepackt, die nur Insidern noch zugänglich sind. Der große Sozialphilosoph Niklas Luhmann hat das einmal „Gruppensemantik“ genannt, die in den Kirchen gesprochen wird.</p>
<p>Für „liberale Theologie“ ist also eine Unterscheidung wichtig: Es gibt  einerseits das religiöse Interesse bzw. es gibt Religion im christlichen Gesamtkontext. Und andererseits gibt es die Art, wie in Predigten, Theologien, kirchlichen Texten usw. darüber gesprochen wird. Dort wird der Glaube immer noch mit der Anerkennung bestimmter Glaubenslehren und Bekenntnissätzen gleichgesetzt.</p>
<p>Die „liberale Theologie“ meint: Dieser Glaubensausdruck ist nicht vorgeschrieben, er ist nicht durch Bibel und Bekenntnis vorgeschrieben, sondern der Glaubensausdruck muss in einer bestimmten Zeit und im Blick auf die eigene Person immer wieder neu gefunden werden. Jeder hat die Freiheit, wie er seinen Glauben ausdrückt und welche Konsequenzen er daraus in seiner Lebenspraxis zieht. Nicht auf das autoritativ Vorgegebene kommt es an, sondern auf die persönliche Entscheidungsfreiheit des einzelnen.</p>
<p>Ich muss als liberaler Theologie nicht glauben, was die Kirche zu glauben von mir verlangt, sondern das jenige, wovon ich selber persönlich überzeugt bin. Das ist der Grundsatz liberaler Theologie.</p>
<p>Glaube ist eine persönliche Angelegenheit eines jeden Menschen.</p>
<p>Und die Kirche? Sie ist  im Grunde nur dazu da, dass wir über diesen Glauben miteinander ins Gespräch kommen, dass wir ihn nicht allein leben, dass wir andere als Gesprächspartner haben über das, was uns allen persönlich wichtig ist, wenn es um Gott geht, wenn es darum geht, woran wir uns in letzter Instanz orientieren. Die Kirche ist eine Kommunikationsgemeinschaft des Glaubens. Sie ist dem Glauben der einzelnen nicht vor geordnet, sondern die Kirche folgt aus der Tatsache, dass der Glaube den einzelnen so wichtig ist, dass sie mit den anderen darüber sprechen möchten und ihn feiern wollen. Da wird nichts von oben und anderswoher vorgeschrieben.</p>
<p>Wenn Diskussionen entstehen und nach Kriterien gefragt wird, dann sind die Kriterien nicht dogmatischer Natur, sondern es sind eher ethische Kriterien des Umgangs mit einander; es sind Kriterien, wo die Frage aufbricht: Gibt es auch destruktive Glaubensüberzeugungen, solche, die den Menschen menschlich nicht gut tun, etwa, wenn sie an den Teufel glauben oder an böse Mächte, von denen sie dann befallen sein können.</p>
<p>Für liberale Theologie ist auch die Kultur ganz wichtig: Denn persönlicher Glaube kann überall dort entstehen, wo ich Erfahrungen mache, die eine tiefe Resonanz in mir auslösen, wo ich mich angesprochen finde gegenüber dem, was in meinem Leben wichtig ist, wo Sinn – Perspektiven erschlossen werden. Das kann die Erfahrung in einem Konzert sein, so, dass ich merke: Ich bin Teil eines größeren Ganzen, da entstehen Resonanzen in mir, die mich sehr tief mein Dasein in dieser Welt spüren lassen; da erfahre ich das, was der Theologe  Friedrich Schleiermacher das Universum genannt hat, also die alles bestimmenden Wirklichkeit, die wir dann Gott nennen, die Erfahrung also, dass wir uns aufgehoben fühlen in einem großen Ganzen.</p>
<p>Diese Erfahrung kann sich auch beim Hören einer Symphonie von Mahler ereignen, die ein solches Empfinden in mir weckt, dass die Wirklichkeit im Vorhandenen nicht aufgeht, dass es eine Dimension der Transzendenz gibt, von der wir uns getragen wissen können. Diese Erfahrung kann in der bildenden Kunst geschehen oder auch im Kino, wo ich spüre: Diese Geschichte geht auch mich an.</p>
<p>Darum noch einmal: Alle Lehren über Glaubenssätze sind sekundär gegenüber dem – eben nur angedeuteten &#8211; Erlebten, das ist Kern liberaler Theologie. Mit der religiösen Erfahrung fängt die Religion an, also mit der Erfahrung, dass ich einer umfassenden Wirklichkeit zugehöre, einem größeren Ganzen, das mich im Leben trägt. Da spüre ich mich lebendig, wenn ich schwierige Erfahrungen zu verarbeiten habe usw. Also diese Dimension einer inneren Gewissheit, ist zentral.</p>
<p>Das religiöse Erleben ist immer das primäre, welche Sprache dann gefunden wird, ist sekundär. Allerdings meine ich, dass liberale Kirchen in ihren Gottesdiensten nicht so berücksichtigen, was andere Glaubensgemeinschaften praktizieren, nämlich eine Form der Emotionalität. Es geht nicht nur darum, über den Glauben zu „räsonieren“. Wir sollten auch in gewisser Weise „Erlebnis“ bieten im Gottesdienst, wenn wir das nicht schaffen, dann müssen wir bereit sein anzuerkennen, dass junge Leute heute im Pop Konzert das finden, was früher in der Religion oder in der Kirche gefunden wurde.</p>
<p>Für liberale Theologie kommt es nicht in Frage, den Religionsbegriff zu verengen, man neigt ja oft dazu, den Religionsbegriff abhängig zu machen von bestimmten Glaubensinhalten. So dass man sagt: Jemand ist gläubig, wenn er zur Kirche geht und bestimmte Dogmen glaubt. Wir vertreten ein weites Verständnis von Religion: Es ist das Berührtwerden von einer Dimension des Unbedingten in der Kultur. Liberale Kirchen nehmen deswegen Abstand von eher fundamentalistischen Theologien und Kirchen, die ja noch stark am Paradigma der Mission festhalten, also der Bekehrung der Menschen hin zur vorgegebenen Überzeugung der eigenen Kirche.  Wir als liberale Theologen gehen hingegen nicht davon aus, dass die Menschen erst zum Glauben kommen müssen, wie es das Missionsparadigma vorsieht. Als liberale Theologen setzen wir voraus: Da ist immer schon eine religiöse Erfahrung in den Menschen, da ist immer schon eine Erfahrung mit dem Unendlichen, diese haben die Leute längst gemacht. Jeder hat seine eigenen religiösen Gedanken, im religionsleeren Raum lebt keiner hier zulande, in den Gebieten der ehemaligen DDR ist das vielleicht anders, das ist ein eigenes Thema.</p>
<p>Liberale Theologie unterstreicht: Die Menschen haben bereits ihren Glauben. Die Kirche wird aber deswegen nicht überflüssig, wir brauchen Orte, wo man das Erlebte miteinander gestalten kann, wo man etwa an den großen Stationen des Lebens religiöse Feiern gestaltet, etwa bei der Geburt oder bei der Trauung. Wer sich den Menschen religiös zuwendet, redet so, dass die Menschen auf ihre Art Glaubende sind. Ich mache ihnen bewusst, was sie glauben, biete ihnen Vorschläge an, das Erfahrene sprachlich auszudrücken.</p>
<p>Ich bin sozusagen die „Hebamme“ für die anderen, den eigenen Glauben auszudrücken.</p>
<p>Auch das Beten kann dann neu verstanden werden: Beten heißt, dass ich mich ausspreche, sage, was mich zutiefst bewegt, und zwar in letzter Hinsicht, bezogen auf die Transzendenz, auf Gott. Im Beten geschieht eine gesteigerte Form der Selbstreflexion, ich verstehe mich dann im Horizont des Unbedingten, spreche mich aus. Ich brauche das als religiöser Mensch.</p>
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		<title>Dezember: Eine Zeit, um zu hoffen.</title>
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		<pubDate>Sun, 04 Dec 2011 17:14:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Eine Spiritualität für den jeweiligen Monat]]></category>

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		<description><![CDATA[Spirituelle Anregung für den Dezember „Eine Zeit, um zu hoffen&#8230;“ Bis zum 21. Dezember werden die Tagen immer kürzer und die Welt wird immer dunkler&#8230;Aber mit der Sonnenwende beginnt eine neue Saison&#8230;Die kirchliche Tradition hat diesen Rhythmus der Natur verbunden mit der Ankunft des „Lichts der Welt“, der aufgehenden Sonne, als die Christus gedeutet wurde. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Spirituelle Anregung für den Dezember</p>
<p>„Eine Zeit, um zu hoffen&#8230;“</p>
<p>Bis zum 21. Dezember werden die Tagen immer kürzer und die Welt wird immer dunkler&#8230;Aber mit der Sonnenwende beginnt eine neue Saison&#8230;Die kirchliche Tradition hat diesen Rhythmus der Natur verbunden mit der Ankunft des „Lichts der Welt“, der aufgehenden Sonne, als die Christus gedeutet wurde. Wenn wir im Advent eine Kerze nach der anderen anzünden, dann meinen wir, dass zu Weihnachten das Licht wieder vollständig scheinen wird.</p>
<p>Hoffnung, an sich, ist ein leerer Begriff. Wir können nur hoffen auf „etwas“. Was ist die Aussicht meiner Hoffnung?</p>
<p>Menschen sind meist für die Hoffnung eingenommen. Sie bezeichnet ihren Willen zu überleben, beschreibt das Bedürfnis, sich der Zukunft zu stellen. „Hoffnung ist nur Treibsand“, schreibt hingegen der „Erzpessimist“ Gerrit Komrij.  Ob die Hoffnung reell ist, beweist sich eben erst danach&#8230;</p>
<p>Die Bibel lebt von einer Aura der Hoffnung. Im Alten Testament  geht es um die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, die Abraham umtreibt, ein Volk wird dann durch die Wüste geführt und in der aussichtslosen Verbannung zeigen sich neue Perspektiven. Dann sind es auch prophetische Stimmen, die die Vision eines neuen Jerusalem, eines neuen Zuhauses, erzählen.</p>
<p>Im Neuen Testament konzentriert sich diese Hoffnung auf eine bessere Zukunft für alle Menschen. Es handelt sich um das „Königreich“ von Friede und Gerechtigkeit. Hoffnung könnte man de Zwillingsschwester des Glaubens nennen. Darum richtet sich die Hoffnung auf Gott. Hoffnung ist eine Aktivität, sie ist eine Tat, eine Lebenshaltung, in der Sehnsucht, Vertrauen und Geduld die wichtigsten Übungen sind.</p>
<p>Zur Meditation empfehlen wir:</p>
<p>1. Korinter Brief 12, 31 – 13, 13</p>
<p>Lukas 1, 26 – 33</p>
<p>Lukas 1, 46- 55.</p>
<p>Entnommen dem Buch „Vieren en Brevieren“. S 188 f.</p>
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		<title>November: Eine Zeit des Gedenkens</title>
		<link>http://forum.remonstranten-berlin.de/november-eine-zeit-des-gedenkens/</link>
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		<pubDate>Wed, 02 Nov 2011 16:57:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Eine Spiritualität für den jeweiligen Monat]]></category>

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		<description><![CDATA[Zur Spiritualität des Monats November: Eine Zeit des Gedenkens&#8230; An Allerheiligen und Allerseelen oder auch am letzten Sonntag im Kirchenjahr (dem „Ewigkeitssonntag“) bietet die kirchliche Tradition die Möglichkeit, der Toten zu gedenken&#8230; Auch die Natur zeigt ihre Sterblichkeit und geht “under cover“. Das bestimmt auch unsere Gedanken an die Liebe, die einmal gewesen sind, und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zur Spiritualität des Monats November: Eine Zeit des Gedenkens&#8230;</p>
<p>An Allerheiligen und Allerseelen oder auch am letzten Sonntag im Kirchenjahr (dem „Ewigkeitssonntag“) bietet die kirchliche Tradition die Möglichkeit, der Toten zu gedenken&#8230; Auch die Natur zeigt ihre Sterblichkeit und geht “under cover“. Das bestimmt auch unsere Gedanken an die Liebe, die einmal gewesen sind, und die, auch in anderer Form, noch immer bestehen bleibt.</p>
<p>In unserem Gedenken beziehen wir uns auch auf die Toten, die schon vergessen sind und die nicht mehr mit ihrem Namen genannt werden. Sie stehen geschrieben, poetisch ausgedrückt, „auf der Handfläche Seiner (Gottes) Hand“. Er erbarmt sich ihrer, wer auch immer sie waren&#8230;</p>
<p>Unser ganzes Leben steht im Zeichen des Gedenkens. Auf den Geburtsurkunden stehen die Namen die Namen der Eltern. Auf den Todesanzeigen meist die Namen der Kinder und Enkel. Wir halten unsere Geliebten im Gedächtnis, immer wenn wir ihre Namen noch nennen. Denn an wessen Namen man sich noch immer mit Liebe erinnert, der bleibt anwesend.</p>
<p>Zur Meditation biblischer Texte wird vorgeschlagen:</p>
<p>Jesaja 49, 8 – 16</p>
<p>Psalm 105, 1 – 19</p>
<p>Lukas 22,  14-20.</p>
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<p>Wie in den anderen Beiträgen dieser Rubrik ist dieser Text eine Übersetzung aus dem empfehlenswerten Buch: &#8220;Vieren en Brevieren&#8221;, Meinema Verlag, 2009, s. 184 f.  Die Autorin Christiane Berckvens &#8211; Stevelinck ist Pastorin der Remonstranten Kirche; Sytze de Vries ist Reformierter Theologe.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>OKTOBER: Eine Zeit, um mit Steinen zu bauen</title>
		<link>http://forum.remonstranten-berlin.de/oktober-eine-zeit-um-mit-steinen-zu-bauen-2/</link>
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		<pubDate>Sun, 02 Oct 2011 17:06:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Eine Spiritualität für den jeweiligen Monat]]></category>
		<category><![CDATA[Spiritualität]]></category>

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		<description><![CDATA[Warum kann nicht auch der jeweilige Monat unter einem spirituellen Motto stehen und zu Denken und Besinnung anregen? Christiane Berckvens – Stevelinck und Sytze de Vries machen in ihrem Buch „Vieren und Brevieren“ (Meinema Verlag) entsprechende Vorschläge. (Übersetzung Christian Modehn) Oktober: Eine Zeit, um mit Steinen zu bauen Solange es Erinnerungen an die Geschichte der  [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Warum kann nicht auch der jeweilige Monat unter einem spirituellen Motto stehen und zu Denken und Besinnung anregen? Christiane Berckvens – Stevelinck und Sytze de Vries machen in ihrem Buch „Vieren und Brevieren“ (Meinema Verlag) entsprechende Vorschläge. (Übersetzung Christian Modehn)</p>
<p>Oktober: Eine Zeit, um mit Steinen zu bauen</p>
<p>Solange es Erinnerungen an die Geschichte der  Menschheit gibt, werden Steine aufeinander gesetzt. Natursteine, die übereinander gefügt werden als Erinnerungszeichen; leicht behauene Steine, die besser zu einander passen und leicht stehen; schon geformte Bausteine, die mit Zement aneinander befestigt sind. Dann gibt es klare und feste Baustrukturen, die aneinander befestigt werden.</p>
<p>Einfach oder kompliziert: Der Mensch ist der Architekt seines Lebensraumes und auch seines eigenen „geistlichen Hauses“.</p>
<p>Steine aufeinander stellen kann dann auch im übertragenen Sinne verstanden werden. Unser „geistliches Haus“ besteht aus Bausteinen, die aus unserer eigenen Tradition stammen oder aus der Traditionen anderer Menschen. Es sind Steine, die wir sammeln oder geschenkt bekommen und dann zusammenfügen zu einen bewohnbaren Ganzen.</p>
<p>Die Bibel spricht dauernd über Bausteine, deren Qualität und Gebrauch oder Missbrauch. Man kann sein Haus bauen auf einen Felsen oder auf Sand. Man kann Christus als sein Fundament wählen oder auch nach einer Stadt verlangen, in der Gott selbst der Architekt und Baumeister ist. Wir können lebendige Steine sein, sozusagen Mittel, durch das ein Haus, ein Tempel, eine Wohnung für Gott unter den Menschen gebaut wird.</p>
<p>Bibeltexte zum Meditieren:</p>
<p>Genesis, 11, 1- 9</p>
<p>Psalm 118, 22  29</p>
<p>Markus 13, 1-2</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Neue Bücher der Remonstranten im Herbst 2011: Das &#8220;Hier und Jetzt&#8221;  ist nicht das ganze Leben: Und: &#8220;Coming Out Churches&#8221;</title>
		<link>http://forum.remonstranten-berlin.de/neue-bucher-der-remonstranten-im-herbst-2011-gegen-die-fixieung-im-hier-und-jetzt-und-fur-die-coming-out-churches/</link>
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		<pubDate>Fri, 30 Sep 2011 15:47:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Aktueller Kommentar]]></category>
		<category><![CDATA[Bücher]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Hier und Jetzt ist nicht alles: Warum Christen die Zukunft wieder ernst nehmen sollen&#8230; .und warum Homosexuelle in Kirchen selbstverständlich willkommen sind&#8230; Von Christian Modehn In Deutschland beginnt am 12. Oktober in FRANKFURT die Internationale Buchmesse, bei der selbstverständlich auch niederländische Verlage ihre Neuerscheinungen vorstellen. Auch wenn es bis jetzt noch (leider) keine Bücher [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das Hier und Jetzt ist nicht alles: Warum Christen die Zukunft wieder ernst nehmen sollen&#8230; .und warum Homosexuelle in Kirchen selbstverständlich willkommen sind&#8230;</p>
<p>Von Christian Modehn</p>
<p>In Deutschland beginnt am 12. Oktober in FRANKFURT die Internationale Buchmesse, bei der selbstverständlich auch niederländische Verlage ihre Neuerscheinungen vorstellen. Auch wenn es bis jetzt noch (leider) keine Bücher von Remonstranten in deutscher Sprache gibt: Wir freuen uns, dass gleich zwei wichtige Bücher von niederländischen Remonstranten zur Buchmesse erscheinen:</p>
<p>Der Theologe und Rotterdamer Remonstranten Pastor Koen Holtzapffel veröffentlicht ein Essay über mögliche Beziehungen der Menschen zur Zukunft, der eigenen, persönlichen Zukunft wie der Zukunft der Menschheit. Der durchaus provozierende Titel des Buches, erschienen in dem angesehenen Meinema Verlag,  ist: „Alleen de hond leeft in het hier en nu“, „<strong>Nur der Hund lebt im Hier und Jetzt“.</strong></p>
<p>Auch wenn Holland als „säkularisiert“ und „unkirchlich“ gilt, die Statistiken sprechen ja eine deutliche Sprache, so ist doch das Interesse an Esoterik  und spiritueller „Selbsthilfe“ ungebrochen. „Stopp die Zeit, lebe nur im Hier und Jetzt“, heißt die Empfehlung mancher „Gurus“. D.h: Genieße das Leben. Carpe Diem. Auf der anderen Seite melden sich so genannte Zukunftspropheten zu Wort, die „Millenaristen“, die das Ende der Welt gekommen sehen.</p>
<p>In diesem Kontext bewegen sich die Überlegungen von Koen Holtzapffel. Er hat kürzlich eine theologische Dissertation eingereicht zum Thema „Eschatologie“, also zur Frage, was bedeutet das Ende der Welt? Aber diese Frage wird bei ihm auf die spezielle Theologie der Freisinnigen Christen bezogen. Der Autor sieht, dass die Kirchen immer mehr auf die These eingehen, um nicht zu sagen „reinfallen“, am wichtigsten sei das Hier und Jetzt;  dabei wird der Ausblick in die weite (und bessere) Zukunft der Menschheit ausgeblendet. Der Autor kritisiert  zu recht, dass Erwartung und Hoffen nicht die zentrale Rolle im Glauben heute spielen. Es bildet sich eine Art Wohlfühlreligion im Heute ohne die Leidenschaft, die negative Seite des Hier und Jetzt zu überwinden. Der Rotterdamer Theologe fragt: Warum ist die christliche Hoffnung, die ja Veränderung will, nicht mehr so zentral?</p>
<p>Der Autor unterscheidet zwischen selbst gemachten Zukunfts &#8211; Idealen und Utopien und den in einer Einsicht geschenkten Visionen und Träumen. Utopien können gefährlich sein, wenn sie unmittelbar praktisch umgesetzt werden, Visionen sind eher Poesie, eher sanft, aber sehr wirksam als kommunikatives Geschehen.</p>
<p>Der katholische Historiker und Remonstrant Peter Nissen, Nijmegen, nennt dieses Buch „gebildet, ausgewogen und sehr belesen“. Seinem Wunsch schließen wir uns an: „Ich wünsche dem Buch viele Leser, es hat es verdient“.</p>
<p>Auf andere Art mit einer besseren Zukunft befasst sich das von Tom Mikkers angeregte und herausgegebene Buch „<strong>Coming Out</strong> <strong>churches“,</strong> so der Titel des in Holland veröffentlichten Buches. Auf Deutsch etwa: Kirchen, die das homosexuelle Coming Out normal finden und unterstützen&#8230;</p>
<p>Tom Mikkers ist Allgemeiner Sekretär der Remonstranten, diese Kirche war weltweit die erste, die 1986 homosexuelle Paare kirchlich – gleich welcher Konfession &#8211; segnete. Er hat verschiedene  Interviews zum Thema gemacht, sie handeln vom Eintreten für Emanzipation und Freiheit, sie zeigen, dass es Kirchen gibt, die ihrem Namen „christlich“ gerecht werden und natürlich Homosexuelle willkommen heißen. Das Thema ist selbst in Holland noch umstritten, dennoch gibt es dort mehr „coming out churches“ als in Deutschland, also Gemeinden, wo sich homosexuelle Christen als solche angenommen fühlen und sich nicht noch entschuldigen müssen, dass sie schwul oder lesbisch sind.</p>
<p>Das neue Buch von Tom Mikkers ist ein schönes Zeugnis für die offene, nicht nur tolerante, sondern Homosexuelle respektierende Haltung der Remonstranten und anderer Kirchengemeinden.</p>
<p>Das Buch wird am 9. Oktober in der Amsterdamer Remonstranten Kirche präsentiert, dabei sind u.a. Vertreter des COC, des niederländischen Vereins zur Emanzipation Homosexueller.</p>
<p>Auch das Buch „Coming Out Churches“ ist bei <a title="Verlag Meinema" href="http://www.uitgeverijmeinema.nl/" target="_blank">Meinema</a> erschienen, es hat 116 Seiten und kostet 14,90 Euro.</p>
<p>&#8230;&#8230;..</p>
<p>Beide Bücher passen gut zum Jahresthema 2011/ 2012, das die Gespräche der Remonstranten und ihrer FreundInnen inspirieren kann: Dein Reich Komme, eine Bitte, ein Wunsch, eine Utopie, die im Vater Unser schon formuliert ist, das Wort „Reich“  ist ein Symbol für eine Welt, in der Friede und Gerechtigkeit herrschen, modern übersetzt: In dem die immer weiter zu entwickelnden Menschenrechte oberste Prinzipien der Politik, der Wirtschaft, des individuellen Lebens sind.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
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		<title>Spiritualität in Berlin &#8211; eine gut besuchte Veranstaltung</title>
		<link>http://forum.remonstranten-berlin.de/spiritualitat-in-berlin-eine-gut-besuchte-veranstaltung/</link>
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		<pubDate>Sat, 17 Sep 2011 14:44:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Spiritualität]]></category>

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		<description><![CDATA[Spiritualität in Berlin – die erste Zusammenkunft: Ein erster Erfolg 17. Sep 2011 &#124; von CM Welche Spiritualität braucht Berlin? Das Gespräch über „Spiritualität in Berlin“ im Radialsystem, AGORA, am Mittwoch, den 14. September 2011, war sehr gut besucht: Mehr 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren dabei. Wir werden auf diese Veranstaltung noch ausführlicher zurückkommen und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Spiritualität in Berlin – die erste Zusammenkunft: Ein erster Erfolg</p>
<p>17. Sep 2011 | von CM</p>
<p>Welche Spiritualität braucht Berlin?</p>
<p>Das Gespräch über „Spiritualität in Berlin“ im Radialsystem, AGORA, am Mittwoch, den 14. September 2011, war sehr gut besucht: Mehr 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren dabei. Wir werden auf diese Veranstaltung noch ausführlicher zurückkommen und ankündigen, in welcher Form dieser offene Austausch von Menschen unterschiedlicher Spiritualität und von verschiedenen „spirituellen Basisinitiativen“ fortgesetzt wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Ursula Richard, Autorin des Buches „Stille in der Stadt“, und eine Initiatorin des Treffens, plädierte dafür, dass wir in Berlin mehr Orte der Stille brauchen. Ohne Stille kann es keine innere Sammlung und damit keine spirituelle Entwicklung geben. In der gemeinsam erlebten Stille können sich unterschiedliche Menschen näher kommen. Auf das neue Buch der Verlegerin Ursula Richard haben wir auf dieser website schon empfehlend hingewiesen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>In- Sun Kim, Leiterin des interrreligiösen Hospizes Berlin, betonte: Mitgefühl ist die Basis für eine allen Menschen zugewandte Spiritualität. Dieses Mitgefühl kann eingeübt, gelernt, gepflegt werden. Ohne Mitgefühl kann es keine Kultur in der Stadt geben. Frau Kim Sie forderte erneut, dass die vielen Menschen aus asiatischen Kulturen ein eigenes großes „Haus des Abschieds“ brauchen. Die Trauerriten der meisten Asiaten verlangen nach längeren Totenwachen, nach großen Räumen, in denen sich Freunde und Angehörige der Verstorbenen treffen können. Sponsoren für ein „interreligiöses Abschiedshaus“ werden dringend gesucht. Wer sich dafür einsetzt, fördert ein Modell – Projekt! Frau Kim erinnerte daran, dass die etwa 100 ehrenamtlichen Mitarbeiter des Hospizes selbst viel über Leben und Sterben und Tod gelernt haben. “Hospizausbildung” kann eine Schule des Abschieds sein…</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dr. Wilfried Reuter vom Lotus Vihara Zentrum in Berlin-Mitte (Neue Blumenstr. 5) zeigte, dass von der Basis aus in Privatinitiative ein wichtiges und wegweisendes Meditationszentrum aufgebaut werden konnte, ein Haus, das vielen Menschen auch Lebensorientierung in Krisenzeiten bietet. Dr. Reuter, Frauenarzt in Kreuzberg, forderte die Gründung eines Krankenhaus in buddhistischem Geist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Christian Modehn vom Religionsphilosophischen Salon und Initiator von &#8220;Remonstranten in Berlin&#8221; meinte, dass eigentlich jeder Mensch als „Wesen der Vernunft, also des Geistes“, bereits seine eigene, ganz persönliche Spiritualität immer schon lebt und praktiziert; oft hat der einzelne darüber noch kein deutliches Wissen. Diese immer schn gelebte eigene Spiritualität kritisch zu befragen, ist die entscheidende Aufgabe. Aber es gibt auch eine Form der Ermunterung zur eigenen Spiritualität, die das Leben begleitet und orientiert. Denn jeder hat seinen oft noch ungewussten Mittelpunkt im Leben, dem alles Interesse gilt, alle „Opfer“ gebracht werden, wenn etwa in der Kultur, Film Musik, Kunst, „Unbedingtes“ erlebt wird. Christian Modehn wies darauf hin, dass Spiritualität heute ein „Marktbegriff“ geworden ist, damit wird – oft von selbst ernannten Meistern – viel Geld verdient. Nicht überall, wo Spiritualität drauf steht, ist auch wirklich Geistvolles, kritisch Inspirierendes und Belebendes, also wirkliche Spirituaität, drin.</p>
<p>Viele Teilnehmer wünschten, dass diese offenen Debatten ohne konfessionelle Bindung und ohne dogmatische Voraussetzungen weitergeführt werden soll.</p>
<p>Berlin ist eine spirituelle Stadt (nicht mehr eine kirchenfromme und in dem Sinne auch keine religiöse Stadt), aber der Geist, spiritus auf Lateinisch, ist da, er belebt die Vernunft und …. auch das Herz.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		</item>
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		<title>September: Eine Zeit, um Frieden zu stiften</title>
		<link>http://forum.remonstranten-berlin.de/september-eine-zeit-um-frieden-zu-stiften/</link>
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		<pubDate>Sat, 03 Sep 2011 14:01:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Eine Spiritualität für den jeweiligen Monat]]></category>

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		<description><![CDATA[Spiritualität im Monat September: „Eine Zeit, um Frieden zu stiften“ In dem Buch „Vieren en brevieren“ (Meinema, 2009) bieten Christiane Berckvens &#8211; Stevelinck (Remonstranten Pfarrerin) und Sytze de Vries (Reformierter Pfarrer) auch Vorschläge, das besondere Profil eines jeden Monats zu bedenken. Für den Monat September schlagen sie das Thema Friede vor: Was ist Friede? Bloß [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Spiritualität im Monat September:</p>
<p>„Eine Zeit, um Frieden zu stiften“</p>
<p>In dem Buch „Vieren en brevieren“ (Meinema, 2009) bieten Christiane Berckvens &#8211; Stevelinck (Remonstranten Pfarrerin) und Sytze de Vries (Reformierter Pfarrer) auch Vorschläge, das besondere Profil eines jeden Monats zu bedenken. Für den Monat September schlagen sie das Thema Friede vor:</p>
<p>Was ist Friede? Bloß eine sanfte Zeit zwischen zwei Kriegen?  Eine für kurze Zeit geltende Form des Gleichgewichts der Macht zwischen entgegen gesetzten Interessen? Oder eine von Dauer geprägte Lebensweise, die Mensch und Natur respektiert in der eigenen Qualität? Friede ist eine Bedingung, wollen Menschen in ihrer Existenz nicht bedroht werden, sondern zu ihrem Recht kommen.</p>
<p>Friede muss oft auch „erkämpft“ werden. Aber wie darf dieser Streit aussehen? Und was sind die Eigenschaften eines wahren Friedensstifters?</p>
<p>In den Kirchen wünschen wir uns einander den Frieden Christi, oder den Frieden von Gott, der allen Verstand übersteigt. Ist der innerliche Friede, dieses nicht länger in Streit sein mit uns selbst, nicht auch eine Bedingung, um Frieden unter den Menschen zu stiften?</p>
<p>Die Bibel spricht von Frieden mit dem sehr bedeutsamen Wort shalom, das meint Ganzheit, Heilsein. Dabei handelt es sich um eine menschliche Bestimmung im ganzen, nicht bloß um eine zeitlich begrenzte Phase. Mehrere Propheten beschreiben shalom wie eine Idealbild: „Ruhe rundum und Frieden auf allen Seiten, jeder Mensch unter seinem Weinstock und Feigenbaum“. Der Friede von Gott ist untrennbar verbunden mit dem wechselseitigen Frieden unter den Menschen.</p>
<p>Zur Bibellektüre zum Monatsthema:</p>
<p>Genesis, 9, 8 – 17</p>
<p>Jesaja 54, 9 – 14</p>
<p>Johannes, 14, 27 und Lukas 10, 1- 6.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Paul Tillich &#8211; Anregungen für eine freisinnige Theologie</title>
		<link>http://forum.remonstranten-berlin.de/paul-tillich-anregungen-fur-eine-freisinnige-theologie/</link>
		<comments>http://forum.remonstranten-berlin.de/paul-tillich-anregungen-fur-eine-freisinnige-theologie/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 27 Aug 2011 16:39:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Elemente der Theologie der Remonstranten]]></category>

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		<description><![CDATA[Freisinnige Theologie (&#8220;liberale Theologie&#8221;) kann sich immer wieder einiger Vorläufer versichern, die sich um eine vernünftige Begründung des Glaubens bemühten; die das weite Feld der Kulturen befragten hinsichtlich des &#8220;Unbedingten&#8221;; kurz: die einen modernen, eine aufgeklärten christlichen Glauben in nachvollziehbarer Sprache darstellten. Diese Theologen hatten den Mut, uralte dogmatische Formeln ins Heute zu übersetzen oder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Freisinnige Theologie (&#8220;liberale Theologie&#8221;) kann sich immer wieder einiger Vorläufer versichern, die sich um eine vernünftige Begründung des Glaubens bemühten; die das weite Feld der Kulturen befragten hinsichtlich des &#8220;Unbedingten&#8221;; kurz: die einen modernen, eine aufgeklärten christlichen Glauben in nachvollziehbarer Sprache darstellten. Diese Theologen hatten den Mut, uralte dogmatische Formeln ins Heute zu übersetzen oder gar als für wenig hilfreich eher beiseite zu stellen.Paul Tillich gehört zweifellos zu diesen Theologen, die sich zwar selbst nicht freisinnig und schon gar nicht &#8220;remonstrantisch&#8221; nannten, die aber doch bis heute für eine remonstrantische Spiritualität und Theologie anregend bleiben, was ja z.B. von Schleiermacher oder Harnack in gewisser Weise auch gilt. Viele Leser wird es freuen, dass in dem folgenden Beitrag, der einer Radiosendung des RBB Kulturradios am 21. 8. 2011 zugrunde liegt, auch der Berliner Theologe Prof. Wilhelm Gräb öfter zu Wort kommt! Prof. Gräb hatte ja kürzlich einen Vortrag im Remonstranten-Forum-Berlin gehalten.</p>
<p>Ein leidenschaftlicher Theologe</p>
<p>Erinnerungen an Paul Tillich</p>
<p>Der Text für eine Radiosendung von Christian Modehn.     Copyright: christian modehn berlin.</p>
<p>&#8230;Die kürzere Fassung dieses Beitrags wurde im im RBB Kulturradio am  21.8.2011 gesendet&#8230;</p>
<p>Copyright: christian modehn</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Musikal. Zusp</strong>.,</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>O TON, Christian DANZ</strong>,</p>
<p>Grundlegend muss man auch sehen, dass Tillich sehr stark auf moderne Fragestellungen sich bezieht, so dass er relativ breit religiöse Phänomene auch über die Kirchengrenzen und Christentumsgrenzen hinaus identifizieren kann.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>1. Musikal. Zusp</strong>.,</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>O TON, Werner Schüssler </strong></p>
<p>Er will dem säkularen Menschen deutlich machen: Wenn er in seine Tiefe vorstößt, dann findet er vielleicht, was man Religiosität nennen könnte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong> Musikal. Zusp</strong>.,</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>O TON, Wilhelm Gräb</strong></p>
<p>Er war ein Weltmann, man könnte dann auch sagen, ein Lebemann, der alle frommen Zirkel und bestimmte rigide Normen, die für besonders christlich gehalten werden, sich nicht hat gefallen lassen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Musikal. Zusp</strong>.,</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>O TON, Gräb, </strong>0 39“</p>
<p>Die große Leistung von Paul Tillich war, und womit er für uns auch heute noch Maßstäbe setzt: Er hat Gott in der Kultur entdeckt. Gott ist nicht nur in der Kirche zu Hause, er ist in erster Linie gerade nicht in der Kirche zuhause, sondern in der Kunst, in der Literatur, in der Musik. Natürlich ist das Kunstwerk nicht selber eine religiöse Wirklichkeit. Aber es bringt mich in Kontakt mit der transzendenten Wirklichkeit, mit einem Sinnzusammenhang, und wo das</p>
<p>geschieht, dort ist für Menschen auch ein gottesdienstliches Geschehen da, das ist gerade nicht an den Ort der Kirche gebunden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>1. SPR.:</p>
<p>Professor Wilhelm Gräb von der Humboldt Universität zu Berlin berichtet über Paul Tillich, einen der außergewöhnlichen Theologen des 20. Jahrhunderts. Er wurde vor 125 Jahren, am 20. August 1886, in Starzeddel geboren, einem Dorf in der Nähe von Guben; es gehörte damals zur „Provinz Brandenburg“. Sein Vater war dort Pfarrer, ein begabter Theologe, der sich nicht nur mit der Bibel befasste. Er weckte bei seinem Sohn sehr früh schon die Begeisterung für die Philosophie. Im Jahr 1900 zog die Familie nach Berlin. Nach dem Abitur studierte Paul Tillich in Berlin, Tübingen und Halle. An der Philosophie schätzte er die Weite des Denkens und das unablässige Fragen. Nur auf dieser Basis wollte er Theologe sein und den Glauben an Jesus Christus interpretieren. Denken und Glauben sollten nicht länger als Konkurrenten gelten. Tillich wollte Grenzen überschreiten, Getrenntes verbinden. Daran erinnerte er noch 1962, als er in Frankfurt mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels geehrt wurde.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>O TON, Tillich,</strong> 0 44“</p>
<p>Das Dasein auf der Grenze, die Grenzsituation, ist voller Spannung und Bewegung. Sie ist in Wirklichkeit kein Stehen, sondern ein Überschreiten, ein Zurückkehren, ein Wiederzurückkehren, ein Wieder Überschreiten, ein Hin und Her, dessen Ziel es ist, ein Drittes, jenseits der begrenzten Gebiete zu schaffen, etwas, auf dem man für eine Zeit stehen kann, ohne in einem fest Begrenzten eingeschlossen zu sein.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>1. SPR.:</p>
<p>Wenn sich Denken und Glauben gegenseitig anregen,  entsteht ein „Drittes“, wie Tillich sagt, eine neue, eine moderne Religiosität. Sie lässt sich nicht in enge Mauern der Kirchen einschließen. Mit unverbrauchten Worten will Tillich den Glauben ausdrücken: Anstelle von Sünde spricht er von Seinsverfehlung. Christus nennt er das „neue Sein“; Gott wird zum Namen für das, „was die Menschen unbedingt angeht“.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>1. SPR.:</p>
<p>Paul Tillich wird in Theologie und Philosophie promoviert, auch seine Habilitationen sind erfolgreich. 1912 wird er zum Pfarrer der „Brandenburgischen Landeskirche“ ordiniert. Unmittelbar danach beginnt er seinen Dienst als „Hilfsprediger“ in der Erlösergemeinde in Berlin  &#8211; Moabit. Der dortige Pfarrer Wolfgang Massalsky hat nach den Spuren seines bedeutenden Kollegen geforscht:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>O TON, Wolfgang Massalsky,</strong> 1 18“.</p>
<p>Es sind wohl ungefähr 20 Predigten in Moabit hier in der Erlöserkirche von ihm gehalten worden. Und diese Predigten konnte ich in einer Abschrift nur in Marburg einsehen. Und diese Predigten haben wir dann auch in einem Arbeitskreis behandelt. Es gibt immer einen Bezug zur Erfahrungswelt der Menschen damals. Dogmatische Fragen, Lehrfragen im eigentlichen Sinne spielten anscheinend gar nicht die große Rolle für ihn. Wichtig war ihm, das Leben in der Gesellschaft, das Leben  im privaten Bereich vor allem auch, und sicher auch ein Stückweit das Leben in der Arbeitswelt. Er versucht die biblischen Sätze, die er als Predigttext benutzt, in den Horizont seiner Hörer herein zu bekommen; er versucht aber nicht durch eine Art Indoktrination sie zu gewinnen und sozusagen voll zustopfen mit christlicher Botschaft, sondern aus ihrer Erfahrungswelt heraus einen Zugang zu schaffen zu diesem Gott, der für ihn Jesus Christus greifbar und erlebbar geworden ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>1. SPR.:</p>
<p>In Moabit gründet Tillich seine „offenen Salonabende“, Gesprächskreise, an denen Gläubige, Atheisten oder auch Anhänger esoterischer Zirkel teilnehmen. 1914 zieht er als Feldprediger an die vorderste Front. Er muss  zusehen, wie Soldaten, Freunde wie Feinde,  hingeschlachtet werden oder als Krüppel schwerste Verletzungen überlebten. In einem Brief schreibt er:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>2. SPR..<br />
Das Erleben des Krieges riss den Abgrund für mich so tief auf, dass er sich nie mehr schließen konnte. Mir wurde klar: Wenn es eine neue Theologie geben kann, dann muss sie dieser Erfahrung des Abgrundes unserer Existenz gerecht werden. Es ist ein Abgrund der Sinnlosigkeit.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>1. SPR.:</p>
<p>Was ist das Leben? Was ist der Tod? Wie ist Frieden möglich? Fragen, die den Theologen und Philosophen sein Leben lang begleiten. In der Weimarer Republik ist er als Dozent und Professor in Berlin, Marburg und Dresden tätig, schließlich wird der nach Frankfurt am Main auf den angesehenen Lehrstuhl für Philosophie berufen. Theodor W. Adorno gehört dort zu seinen Doktoranden. Das Interesse an seinen Vorlesungen ist überwältigend. Tillich gelingt es, mit den Studenten gemeinsam nach dem Sinn des Lebens zu fragen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>O TON TILLICH , </strong>0 22“</p>
<p>Der Mensch unserer Tage ist sich seiner Endlichkeit bewusst. Er kann nicht vergessen, dass er vom Nichts kommt und zum Nichts geht. Auch wenn er zugleich zu einer ewigen Dimension des Seins gehört. Die Angst vor dem Nichts mischt sich in ihm mit dem Mut, Ja zu sagen zum Dasein.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>1. SPR.:</p>
<p>Viele Menschen schreiben ihm, berichten von ihrem seelischen Leid, der Suche nach einem tragfähigen Lebenssinn. Tillich, der Vielbeschäftigte, nimmt sich Zeit, auf jeden Brief persönlich zu antworten:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>2. SPR.:</p>
<p>Man kann den Sinn finden in kleinsten und größten Dingen. Der Sinn kann niemals definiert, fest umschrieben oder gar griffig gehandhabt werden. Für mich ist Gott das grundlegende Symbol für den Sinn des Lebens. Er ist die Kraft des Seins. Daran glauben wir, wenn wir den Mut haben, Ja zu unserem Leben zu sagen, selbst wenn wir in unseren Worten die so genannte „Existenz Gottes“ verneinen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>1.SPR.:</p>
<p>Ob sich jemand gläubig oder ungläubig nennt, ist zweitrangig. Entscheidend ist, dass jeder Mensch das „Unbedingte“ mitten im Leben erfahren kann, betont Tillich:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>O TON, Tillich. </strong>0 21“<strong> </strong></p>
<p>Es die Dimension, die sich zeigt, wenn die Fragen gestellt werden: Wofür bin ich da, warum ist irgendetwas da? Was ist der Grund, der Sinn allen Seins, was ist der Sinn meines Seins?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>1. SPR.:</p>
<p>Tillich erinnert an das Licht, das sich noch in der Dunkelheit von Sinnlosigkeit und Angst zeigt. Und er fragt: Warum treten wir nicht aus dem Dunkel heraus, wechseln die Perspektive? Dann kann Religiosität entstehen. Über das besondere Glaubensverständnis Tillichs berichtet der evangelische Theologe Wilhelm Gräb von der Humboldt Universität :</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>O TON, Gräb</strong>, 0 55“.</p>
<p>Die Glaubenssprache redet nicht von einer anderen Wirklichkeit, sondern sie wirft einen anderen Blick auf diese Wirklichkeit, die wir hier und heute haben und leben. Sie lässt uns unsere Erfahrungen, die wir so oder so machen, anders deuten; sie bringt sie in eine andere Interpretationsperspektive. Das ist es, was die Sprache des Glaubens leistet. Sie lässt uns eben unsere Erfahrungen, die wir im Scheitern machen, die Erfahrungen, die wir in der Nichtstimmigkeit unserer Beziehung zu uns selbst wie zu anderen Menschen machen, als etwas sehen, das nicht was nicht unbedingt so sein muss, worin wir nicht aufgehen, sondern dass es da etwas gibt, was uns gleichwohl im Innersten zusammenhält, ja was diese Ganze im Innersten zusammenhält.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>1.SPR.:</p>
<p>Aber Tillich weiß genau, dass Missgunst und Hass, Krieg und Gewalt „das Geheimnis allen Seins“ auch verdunkeln können. Der Sinn des Lebens muss immer neu errungen werden. Es sind vor allem Künstler, die dazu inspirieren, erläutert Wilhelm Gräb:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>O TON, GRÄB, 0 26</strong></p>
<p>Für<strong> </strong>Tillich waren das insbesondere die expressionistischen Maler, ein Ernst Ludwig Kirchner, Otto Dix, vor allen Dingen diejenigen  expressionistischen Maler, die die Katastrophe des 1. Weltkriegs zu verarbeiten unternommen haben. Und eben dieser Appell ergeht, dass es so nicht weitergehen kann wie bisher, sondern Neues geschaffen werden muss.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>1. SPR.:</p>
<p>Die neue, die gerechte Welt ist mehr als ein Traum, heißt Tillichs politische Überzeugung. Er fordert: Gerechtigkeit muss jetzt geschaffen werden! Mitstreiter findet er in der „Gruppe religiöser Sozialisten“:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>O TON, Tillich,  0 37“</strong></p>
<p>Der deutsche religiöse Sozialismus hatte gegen zwei Fronten zu kämpfen: Einerseits gegen die pessimistische Beurteilung der Geschichte durch das konservativ orthodoxe Luthertum der deutschen Kirche und seine damit zusammenhängende rein jenseitige Gerichtetheit. Andererseits hatte er zu kämpfen gegen die optimistische Beurteilung der Geschichte durch den Sozialismus und seine damit zusammenhängende utopische Diesseitigkeit.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>1. SPR.:</p>
<p>Vor allem Pfarrer und Mitglieder der Kirchenleitung reagieren empört, als der religiöse Sozialist Tillich auch die traditionelle Diakonie und Fürsorge in Frage stellt:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>2. SPR.:</p>
<p>Wir lehnen jede Form des Christentums ab, die an einer Innerlichkeit festhalten will. Es entspricht dem Geist der Liebe mehr, das Übel selbst auszurotten, als die Leiden, die es immer wieder bringt, durch bestimmte Regeln mildern zu wollen. Es ist ein höheres Ziel, die Voraussetzungen des Almosengebens aufzuheben als die Armut durch Almosen zu lindern.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>1. SPR.:</p>
<p>Worte, die lateinamerikanische Befreiungstheologen heute genauso  formulieren. Und als die große Wirtschaftskrise Ende der Zwanziger Jahre zum Crash der Banken führte, schreibt Tillich:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>2. SPR.:</p>
<p>Es ist ein höheres Ziel, die Möglichkeit des wirtschaftlichen Egoismus zu unterbinden, als diesen wirtschaftlichen Egoismus durch den Appell an die Pflicht patriarchalischer Fürsorge bloß einzuschränken.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>1. SPR.:</p>
<p>Die Nazis werden auf Tillich, den sozialistischen Professor aufmerksam, sie machen ihm das Leben schwer; schließlich entfernen sie ihn gleich nach de sogenannten „Machtübernahme“ von der Universität.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>1. SPR.:</p>
<p>Aber schon bald zeigt sich für Tillich ein Ausweg: Er wird eingeladen, an der Columbia University in New York zu lehren. Tillich lässt sich darauf ein, obwohl er kaum Englisch spricht. Im Herbst 1933 wandert er mit seiner Familie aus.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>musikal. Zuspielung, </strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>1.SPR.:</p>
<p>Bis zu seinem Tod am 22. Oktober 1965 lehrt Tillich in den USA, viel beachtet und hoch geschätzt, lehrt er an verschiedenen Elite &#8211; Universitäten in New York und Chicago. Das Magazine TIMES widmet ihm eine Titelgeschichte. Er gilt als DER moderne Theologe. Zu seinen Predigten strömen die Menschen in Scharen. Ein Bestseller wird sein Buch „Der Mut zum Sein“. Nach dem Krieg kommt er regelmäßig zu Vorträgen nach Deutschland. Auch hier bemüht er sich, einem möglichst breiten Publikum Wege zur Gotteserfahrung zu weisen. Seine Hörer und Leser wissen, dass ihnen gedankliche Arbeit zugemutet wird:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>2. SPR.:</p>
<p>Wir Menschen entkommen niemals der Notwendigkeit, uns auf die Wahrheit zu beziehen. Auch der Lügner beansprucht noch für sich und die anderen, Wahres zu behaupten. Im Gewissen jedes Menschen meldet sich die Verpflichtung, das Gute zu tun. Dieser Aufforderung können wir niemals entkommen. Noch der größte Bösewicht, glaubt noch in seinen Untaten für sich oder für eine bestimmte Ideologie, Gutes und Richtiges zu tun. Der Mensch ist in seinem Geist gebunden an etwas unbedingt Geltendes, an etwas, das nicht der Verfügung des einzelnen unterliegt. Dieses Unbedingte kennt keine Bedingungen, es lebt von sich aus. Es ist das, was die Tradition Gott nennt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Musikal. Zuspielung </strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>1. SPR.:</p>
<p>Von Gott als dem Unbedingten kann nur sprechen, wer achtsam mit der Sprache umgeht. Alltägliche Worte und Begriffe können niemals den „ganz anderen“ Gott treffend beschreibend. An diese Erkenntnis Tillichs sollte man sich halten, meint die Berliner Philosophin Petra von Morstein:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>O TON, Petra von Morstein,</strong> 0 40“</p>
<p>Was sich unserer objektiven Erkenntnis entzieht, das erleben wir ja auf eine gewisse Weise. Und wir drängen danach, was wir auf diese Weise über die Grenzen des objektivierenden Verstandes hinaus erleben, zu artikulieren. Wie artikulieren wir es? Natürlich nicht in Begriffen. Aber wir drücken es symbolisch aus. Und in diesem Sinne wäre Gott der Vater ein Symbol, aber nicht wörtlich zu nehmen. D.h. Gott ist nicht eine Entität, eine Person ganz besonderer Art, deren Kinder wir alle wörtlich sind, aber diese Symbolik trägt uns natürlich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>1.SPR.:</p>
<p>Wer aber  Gott festlegt und in Definitionen einfangen will, gelangt schnell zu fundamentalistische Überzeugungen:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong> O TON, Petra von Morstein, </strong>0 31“<strong> </strong></p>
<p>Deswegen wehre ich immer wieder dagegen, wenn Menschen sagen, das Leid und die Kriege der gegenwärtigen Welt liegen an der Religion oder an den Religionen. Die liegen an Dogmen, an fanatisch gestalteten Dogmen, aber nicht an Religiosität. Religiosität führt dazu, die Freiheit in sich selbst und im anderen immer mit einzubeziehen, was ja logischerweise dann Diskriminierung und Unterdrückung unmöglich macht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>1. SPR.:</p>
<p>Tillich hat großen Respekt vor Menschen, die sich Atheisten nennen, weil sie weder den naiven Kinderglauben noch den kämpferischen Fundamentalismus akzeptieren. Er kennt viele Menschen ohne konfessionelle Bindung, die sich für Gerechtigkeit in dieser Welt leidenschaftlich einsetzen. Sie haben die „bessere Welt“ zu ihrem „Unbedingten“, zu ihrem „Lebensprojekt“, erklärt. Sind dann diese Menschen wirklich noch gottlos? Der Tillich Spezialist Werner Schüssler von der Universität Trier:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>O TON, Schüssler</strong>: 0 30“</p>
<p>Atheismus wäre dann in seinem Verständnis der Versuch, jedes unbedingte Anliegen abzulehnen. Und es ist zu recht die Frage, ob das möglich ist. So wie der Gläubige vom Zweifel bedrängt  ist, so wird der Ungläubige auch vom Zweifel bedrängt. Was Tillich sagen will: Atheismus ist vielleicht nur intentional möglich, weil wir immer in der Hand Gottes leben quasi. Er will dem säkularen Menschen deutlich machen, wenn er in seine Tiefe vorstößt, dann findet er vielleicht, was man Religiosität nennen könnte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>1.SPR.:</p>
<p>Gott, die kaum beschreibbare Tiefe im Leben eines Menschen, geheimnisvoll entzogen und doch gegenwärtig. In diesen Worten aus der mystischen Tradition spricht Tillich von Gott. Und er ist empört, wenn das Unendliche und Unbedingte von frommen Christen wie ein bezahlbares Produkt der Warenwelt, etwa als die beste Medizin, angepriesen wird:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>O TON, TILLICH, </strong>1 01“</p>
<p>Das  Wort Glaubensheilung verbindet das Religiöse  mit dem Medizinischen. Aber es ist ein gefährliches Wort. Es kann für eine Praxis stehen, in der die Religion als Quelle für magische Heilungszwecke benutzt wird. Der Glaube wird als Medizin angepriesen und von religiösen Propagandisten verkauft. Solche Methoden haben gewisse Erfolge und gewinnen dadurch Anhänger, aber sie widersprechen dem Sinn des Religiösen, nämlich der Erhebung zu Gott um Gottes willen. Und sie widersprechen den Forderungen ärztlichen und psychotherapeutischen Heilens.</p>
<p>Glaubens &#8211; Heilung im unverzerrten Sinn des Wortes, ist Aufnahme des Heils im Akt des Glaubens, nämlich in der Hingabe an etwas, was uns unbedingt angehrt, an das Heilige, das nie in unseren Dienst gezwungen werden kann.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>musikalische Zuspielung</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>1. SPR.:</p>
<p>Paul Tillich hat unmittelbar bis zu seinem plötzlichen Tod im Jahr 1965 über eine unerschöpfliche Energie verfügt. Es hatte Lust am Leben. Und die war  &#8211; wie sollte es auch anders sein? -  immer auch erotisch geprägt. Der Publizist Eike Christian Hirsch schreibt:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>3. SPR.:</p>
<p>Tillich war ein Genie der Freundschaft, der Freundschaft mit Männern und mit Frauen, wobei die Beziehung zu Frauen fast immer einen stark erotischen Charakter hatte. Er ist bis in sein hohes Alter von dieser =Liebeslust= nicht losgekommen&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>1. SPR.:</p>
<p>Schon als junger Dozent in Dresden konnte er seine Sehnsucht nach erotischer Nähe ausleben. Zusammen mit seiner Frau Hanna hat er manche Nacht in Tanzlokalen verbracht, erinnert sich eine Freundin von damals:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>3. SPR.:</p>
<p>Wenn es ans Tanzen ging, war Tillich in seinem Element. Er wirkte wie elektrisiert. Er tanzte aus Freude an der Bewegung, an Rhythmus und Melodie. Dabei erfand er stets neue Variationen und überraschte durch lustige Einfälle.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>1. SPR.:</p>
<p>Später, in reiferen Jahren, war er überzeugt, niemanden in seiner Liebe ausschließen zu dürfen, hat Eike Christian Hirsch beobachtet:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>3. SPR.:<br />
Treue bedeutet für ihn, dass man den Partner und die Partnerin nicht als Eigentum behandeln dürfe. Er bezweifelte überdies, dass ein absolutes Gelöbnis der Treue überhaupt möglich sei.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>1. SPR.:</p>
<p>Seine Frau Hanna veröffentlichte nach dem Tod ihres Gatten ein Buch, das von erotischen Eskapaden des berühmten Theologen freimütig erzählt. Professor Werner Schüssler hält diesen Bericht nicht für sehr zuverlässig:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>O TON: Schüssler</strong> , 0 28“</p>
<p>1973 erscheint auch eine kleine Biographie von Rollo May, einem bekannten humanistischen Psychologen in Amerika: „Paulus. A personal portrait of Paul Tillich“. Und Rollo May sagt ausdrücklich, dass Tillich Liebhaber unzähliger Frauen gewesen soll, das stimmt nicht, sagt er. Und dann spricht er davon, dass wir also das große Bedürfnis haben, wichtige Persönlichkeiten zu skandalisieren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>1.SPR.:</p>
<p>Dabei hatte ihn doch seine Frau Hanna hatte in jungen Jahren einen Magier des Herzens genannt. Er sei eine kosmische Macht gewesen, der sich niemand entziehen konnte. Aber offenbar konnte sie sich im Alter ihrer Eifersucht nicht erwehren. Wie dem auch sei: Grundsätzlich darf doch wohl gefragt werden: Warum soll es ehrenrührig sein, wenn Tillich, der weltberühmte Theologe, auch ein leidenschaftlicher Freund der Erotik war? Professor Wilhelm Gräb betont:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>O TON, Gräb, 0 42“</strong></p>
<p>Ich sehe darin eigentlich eher auch eine Bestätigung eben dieser Weltzugewandtheit und Offenheit. Er war ein Weltmann, man könnte dann auch sagen, ein Lebemann, der alle frommen Zirkel und bestimmte rigide Normen, die für besonders christlich gehalten werden, nicht hat gefallen lassen. Das sind alles menschliche Versuche, letztendlich Gott in die eigene Tasche zu stecken, ihn klein zu machen, gefügig zu machen, den eigenen engen Moralvorstellungen anzupassen. Und ihn als Hüter eben einer verklemmten Sexual Moral und einer engen kirchentümlichen Welt werden zu lassen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>1. SPR.:</p>
<p>Tillich hat über seine erotische Lebenslust nicht öffentlich gesprochen; zur Überraschung vieler Beobachter hat er aber in seiner Rede in der Frankfurter Paulskirche im Jahr 1962 vehement die nicht gerade erotisch aufgeschlossene Welt des Kleinbürgertums offen kritisiert:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>O TON, Tillic</strong>h, 0 49“.</p>
<p>Der Spießer, er kann geradezu charakterisiert werden als jemand, der sich durch die Angst, an seine eigene Grenze zu geraten, nie über das Gewohnte, Anerkannte und Festgelegte zu erheben wagte. Möglichkeiten, die jedem Menschen dann und wann gegeben sind, über sich hinauszukommen, ließ er unverwirklicht; ob es ein Mensch war, der ihn aus seiner Enge hätte herausreißen können oder ein ungewohntes Werk der Kunst, das ihn hätte erschüttern können.  Um sich herum aber sieht er Menschen, die über die Grenzen gegangen sind, die er nicht überschreiten konnte, und der heimliche Neid wird zum Hass.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>musikal. Zuspielung</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>1. SPR.:</p>
<p>Paul Tillich, der Grenzgänger zwischen Leidenschaft und Liebe, Glaube und Zweifel, Philosophie und Theologie. Im hohen Alter wollte er noch die Grenzen der christlichen Welt überwinden:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>O TON, Tillich, </strong>1 06“<strong></strong></p>
<p>Ich war in Japan, wo ich 10 Wochen mit Buddhisten debattiert habe.</p>
<p>Wie beurteilt man eine fremde Religion, wenn man einen solchen Dialog haben will. Man muss verstehen, dass in jeder aktuellen Religion Elemente von dem enthalten sind, was auch in jeder anderen aktuellen Religion vorkommt.</p>
<p>Wenn man darum mit einem Buddhisten spricht, dann spricht man immer zugleich mit sich selbst. Jedes Gespräch, das ich mit buddhistischen Priestern, Philosophen, Theoretikern, Theologen usw. hatte, war zugleich ein Gespräch mit mir selbst. Weil das, was im Buddhismus radikal durchgeführt ist, auch ein Teil meines eigenen protestantischer Christsein, dass das auch in mir war.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>1. SPR.:</p>
<p>Denn die letzte Wirklichkeit ist Geheimnis, unsagbar und heilig. In dieser Überzeugung sind Christen und Buddhisten verbunden. Kirchliche Mission im Sinne von Werbung und Bekehrung  hat dann keinen Sinn:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>O TON, Tillich</strong>, 0 33“.<strong></strong></p>
<p>Der, wer bekehren will, nimmt den anderen im Grunde nicht ernst. Der, der von ihm lernen und ihm geben will, aber so, dass er selber auch bereit ist, verändert zu werden, das ist ein echter Dialog. Wo der Dialog in diesem Sinne fehlt, da ist es besser ihn gar nicht anzufangen. Wo er aber da ist, da muss ehrliche Kritik gesagt und angenommen werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>1. SPR.:</p>
<p>Unter Theologen ist Tillichs Denken immer noch lebendig. Der anglikanische Bischof John Sprong z.B. verweist auf Tillich, wenn er in seinen Büchern Gott die „Quelle der Liebe“ nennt. Pastor Klaas Hendrikse aus Holland ist von Tillich inspiriert, wenn er seinem inzwischen viel beachteten Buch den Titel gab: „Vom Glauben an einen Gott, der nicht besteht“. Dabei will er im Sinne Tillichs Verständnis wecken für den wahrhaften, den „göttlichen Gott“. Selbst in Lateinamerika wird Tillich heute entdeckt. Und im deutschsprachigen Raum? Die Kirchenleitungen wollen Tillich jedenfalls nicht  zu einem ihrer Haustheologen erklären, sie sind von der Weite und Großzügigkeit seines Denkens irritiert, betont Christian Danz, Theologieprofessor in Wien und Vorsitzender der Paul Tillich Gesellschaft:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>O TON, Christian Danz, </strong>0 27“.</p>
<p>Der Protestantismus kultiviert weiterhin eine hohe Kirchlichkeit, die den Realitäten wohl kaum noch gerecht wird. Das ist das Problem, dass man angesichts von beschleunigter Modernisierung gewissermaßen auf Besitzstandswahrung setzt und dadurch natürlich wichtigen Einsichten kaum Raum gibt. Tillich selbst war stark enttäuscht eigentlich darüber, aber die Kirchen sind an ihm vorbei gegangen, ja.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>musikal. Zuspielung</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>1.SPR.:</p>
<p>Paul Tillichs Urne wurde 1965 auf dem Friedhof von New Harmony, im Bundesstaat Indiana, beigesetzt. In dieser kleinen Stadt hatten sich im 19. Jahrhundert sozialistische und humanistische Gruppen niedergelassen, mit denen Tillich eng verbunden war. Auf seinen Gedenkstein aus rotem Granit ohne Kreuz wurden Worte aus dem 1. Psalm eingemeißelt:</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>2. SPR.:</p>
<p>Und er soll sein wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit und dessen Blätter nicht verwelken, und alles, was er tut, gerät ihm wohl.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>musikal. Zuspielung noch mal freistehen lassen.</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Einige Buchhinweise:</p>
<p>- Werner Schüssler und Erdmann Sturm, Paul Tillich. Leben – Werk – Wirkung. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt, 2007. 278 Seiten.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>- Werner Schüssler, Paul Tillich, Becksche Reihe, München 1997.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>- Von Paul Tillich selbst ist als Einführung geeignet:</p>
<p>Der Mut zum Sein, de Gruyter, Berlin 1991.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>- Eike Christian Hirsch, Mein Wort in Gottes Ohr. Ein Glaube, der Vernunft annimmt. Hoffman und Campe verlag Hamburg 1995, das Tillich Kapitel auf den Seiten 93 ff.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>- Die deutsche Paul Tillich Gesellschaft ist erreichbar über: <a href="http://www.theo.uni-trier.de/tillich/tillich.html">http://www.theo.uni-trier.de/tillich/tillich.html</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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