Eine Kirche, die anderen Asyl bietet: Die Remonstranten

Die Remonstranten:

Eine Kirche der persönlichen Freiheit

Einige Passagen aus einem Interview mit Tom Mikkers (40), Generalsekretär der Remonstranten, einer protestantischen Kirche in Holland und Deutschland. Die Remonstranten sind eine kleine, progressive Kirche, Mitglied im Ökumenischen Rat der Kirchen.

Menschen suchen Entfaltung und Raum in der Kirche. Wir Remonstranten sind ein bisschen eine Asylkirche. D.h. Menschen, die eine Last empfinden angesichts einer dogmatischen oder „amtlichen“ Kirche, wollen bei uns über Themen nachdenken, bei denen andere Kirchen Schwierigkeiten haben, zum Beispiel Abtreibung, Euthanasie, Homosexualität. …Unsere Botschaft ist, dass wir stets gegenüber den anderen Kirchen vorausgegangen sind, etwa als es um die Zulassung der Frauen im Pfarramt ging oder die Ökumene. Die Heirat für gleichgeschlechtlich lebende  Menschen haben wir praktiziert, als der Staat in Holland noch gar nicht daran dachte. Wir pflegen das offene Abendmahl für alle, es gibt die Möglichkeit, „Freund der Remonstranten“  zu werden, dies ist eine einfache Form der Mitgliedschaft in der Kirche. Wir sind die erste Kirche, in der man über das Internet Mitglied werden kannst. Im Januar 2010 liegt in den Buchhandlungen eine Illustrierte aus über unseren Gründer Arminius und die Kirche heute, es ist die erste Illustrierte, die jemals eine Kirche in Holland produziert hat…

Ich bin in einer katholischen Familie groß geworden. Ich glaubte früher, der Dogmatismus in den Kirchen würde einmal enden. Heute glaube ich das nicht mehr. Wir Remonstranten sollen wie Jesus dagegen protestieren, religiöse Überzeugungen zu verabsolutieren. Jesus stellte ja auch kein Glaubensbekenntnis auf.

Ich habe auch mit dem in Holland sehr umstrittenen „atheistischen Pfarrer Klaas Hendrikse“ (Mitglied der Protestantischen Kirche der Niederlande) gesprochen…Das ist wichtig!  Es besteht die Notwendigkeit, in der Gesellschaft, über die Gottesfrage offen zu debattieren. Wir Remonstranten haben auch mit dem Filmregisseur Paul Verhoeven und dessen neues Buch über Jesus gesprochen, die Debatte war ein voller Erfolg. Verhoeven ist es geglückt, dass Menschen, die nicht mehr in die Kirche kommen, doch über Jesus sprechen. Die Kirche müssen diese Zeichen der Zeit ernst nehmen. Sie lassen hingegen heute die ganze „populäre Kultur“ links liegen. Auch Kabarettisten wie Karin Bloemen und Theo Maassen können eine Brücke sein zwischen Kirche und populärer Kultur. Sie sind vielleicht auch Prediger für unsere Zeit…

Entnommen dem Interview mit Tom Mikkers in der ökumenischen Zeitschrift VOLZIN vom 4. Sept. 2009, Seite 26 – 29. Übersetzt von Christian Modehn.

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